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Veröffentlichung im Modell-Aviator, Heft 11/11

Modell-Test

Fantasy Racer
von Wild-Technik

in der Modellflug-Zeitschrift

Heft November 2011 , Seiten 148 - 151


Mythos R-3

Airrace für RTF-Fans

Rennflugzeuge müssen nicht schön aussehen, sondern in erster Linie der Konkurrenz unerreichbar davonfliegen. In den dreißiger Jahren führte dies bei den realisierten Gee Bee R-Typen der Granville Brothers Aircraft zu skurrilen Proportionen der mit riesigen Sternmotoren bestückten Rekordmaschinen. Mit der Formgebung der Gee Bee R-3 beschäftigte sich ein italienischer Designer und fertigte mit elegant geschwungenen Linien eine Rumpfseitenansicht für einen konkurrenzlos schönen Nachfolger. Allerdings wurde das Projekt nicht weiter verfolgt, so dass alle weiteren Details offen blieben.
Der Fantasy Racer von Wildtechnik greift diesen Entwurf auf und lehnt sich in weiten Teilen an das Bild der Gee Bee R3 an, wie es sich in den letzten Jahren in Modellfliegerkreisen etabliert hat. Das aus EPO gefertigte Modell wird in drei Varianten angeboten und gehört mit einer Spannweite von 1300 Millimetern (mm) schon nicht mehr zu den Minis. In der für den Test ausgewählten RTF1-Version ist das gesamte technische Equipment bis auf den Empfänger bereits installiert, womit sich der Aufwand für die Fertigstellung auf ein Minimum reduziert. Und wenn der Teufel nicht im Detail stecken würde, hätte der Werbeslogan Heute kaufen, morgen fliegen hier sicher zutreffen können.

Design-Rumpf

Ein Rennflugzeug lebt von seiner Motorisierung und so gilt das erste Interesse dem installierten Antrieb. Unter der aus dünnwandigem Kunststoff gefertigten Cowling sitzt ein Brushless-Außenläufer mit einem Durchmesser von 35 mm und einer Länge von 42 mm. Gemäß Typenschild liefert der Motor eine Drehzahl von 1000 Umdrehungen pro Volt (RpV). Beste Konditionen für die beiliegende 12 x 6 Zoll Luftschraube, die mit ihren schmalen Blättern die viel zu groß geratenen Spinneröffnungen bei weitem nicht ausfüllt. Als Energielieferant liegt ein 3s-Lipo mit 2200 Milliampere Kapazität und einer Belastbarkeit von 20C bei. Er verschwindet in einem üppig bemessenen Akkufach auf der Rumpfunterseite, was einen schnellen Akkuwechsel ermöglicht. Das Motormanagement übernimmt ein 50-Ampere-Regler, der kaum erreichbar in einem großen Raum inmitten des bulligen Rumpfes liegt.
Alle Servokabel laufen unter der kurz vor dem Seitenleitwerk angeordneten Kabinenhaube zusammen, unter der sich ein großzügig dimensionierter Raum für den Empfänger sowie zwei Microservos für die Betätigung der Heckruder befinden. Für das komplett fertiggestellte, profilierte Höhenleitwerk ist eine passende Öffnung im Rumpfheck bereits ausgearbeitet, doch vor der endgültigen Verklebung steht noch die obligatorische Vermessung des Modells mit montierten Tragflächen an.



Design-Fläche

Der Tragflügel passt mit seiner elliptischen Form harmonisch zur Linienführung des Rumpfes und ist betriebsfertig vorbereitet. Selbst die Schubstangen zwischen den ins EPO eingelassenen 9g-Servos und den verhältnismäßig großen Querrudern sind bereits montiert. Ein erster Probelauf mit einem Servotester verflüchtigt erste Bedenken wegen eines nicht exakt fluchtenden Scharniers. Die sehr elegant gestylten EPO-Fahrwerksbeine erscheinen überraschend stabil. Ähnlich wie für die Motorbefestigung wird hier ein Trägerelement aus Kunststoff genutzt, das fest in das EPO-Bauteil eingelassen ist. Vier Schrauben verbinden die graue Trägerplatte mit dem Gegenlager im Flügel und sorgen für sicheren Halt.

Kleberreste

Zwei 9 mm starke Alurohre dienen als Flächenverbinder für die Flächensteckung und reichen 120 Millimeter (mm) tief in die EPO-Kerne hinein. Die sichere Fixierung der Flächenhälften am Rumpf garantieren insgesamt vier Schnappverschlüsse mit Vierkant-Bolzen im Wurzelbereich. Sie passen zwar nicht ganz spannungsfrei, aber EPO ist elastisch und so säße der Flügel mit ein wenig Drücken und Schieben sicher an seinem Platz, wenn sich beide Alurohre weit genug in die Tragflächen einschieben ließen. Alle Versuche, das Hindernis in einem der Führungsrohre zu beseitigen, scheitern zunächst. Schließlich löst sich bei dem Versuch, das klemmende Steckungsrohr wieder zu befreien, gar das gesamte Inlay aus dem EPO-Material heraus. Als Ursache lässt sich jetzt ein in das Lagerrohr eingetretener, zäher Klebstoffrest diagnostizieren und mit einem 9mm-Bohrer leicht entfernen. Ein ähnliches Problem war schon vorher an einem der Räder aufgetreten, das sich durch überschüssigen Klebstoff recht schwerfällig drehte und nur mit Mühe zu befreien war.

Finale

Nach dem Einkleben des Lagerrohrs mit dünnflüssigem Epoxid und dem provisorischen Einsetzen des Höhenleitwerks kann eine eingehende Symmetrieüberprüfung erfolgen. Der Blick über das Rumpfheck lässt eine leichte Schieflage der Leitwerksachse zum Flügel erkennen. Dafür passt die Einstellwinkeldifferenz mit null Grad perfekt. Obwohl es nicht unbedingt erforderlich ist, wird die Rumpföffnung einseitig auf der Oberseite erweitert und das Leitwerk mit dünnen Holzresten unterfüttert. Vor der endgültigen Fixierung der Dämpfungsfläche muss unbedingt die Anlenkung montiert sein, da ein nachträgliches Einsetzen der gekröpften Schubstange nicht mehr möglich ist. Demzufolge kann auch eine Anpassung der Ausschlaggrößen durch Auswahl eines anderen Lochs im Ruderhorn später nicht mehr ohne weiteres erfolgen. Gleiches gilt für das relativ große Seitenruder, das auch die Anlenkung des Spornrads übernimmt. Beim Einsetzen des Ruderblattes muss auf die durch eine leichte Hohlkehle in der Dämpfungsflosse entstehende Ausschlagbegrenzung geachtet werden. Ein früher mechanischer Anschlag sollte in jedem Fall vermieden werden.

Viel FUN

Mit der Verkabelung des Empfängers ist der Fantasy Racer einsatzbereit. Die Ruderausschläge werden gemäß den Vorgaben der Anleitung eingestellt, wobei im Falle der Querruder schon bei den Minimalwerten die mechanisch möglichen Grenzen erreicht sind. Der vorgegebene Schwerpunkt lässt sich durch Verschieben des Antriebsakkus im Akkuschacht einstellen. Zufälligerweise kommt er genau über der Öffnung zum Regler zu liegen. Nach leichter Aufweitung lässt sich der Akku hier hineinschieben und so perfekt fixieren. Der Fantasy Racer pendelt jetzt leicht kopflastig aus und wird mit gutem Gefühl ins erste Rennen geschickt.
Der Zusammenbau am Flugfeld ist dank der Schnappverschlüsse schnell erledigt. Ihr korrektes Einrasten muss in jedem Fall mit einem flachen Schraubendreher sichergestellt werden. Danach kann der Spaß direkt losgehen. Das langsame Hochfahren der Drehzahl setzt das Modell mit leichter Linkstendenz in Bewegung. Nach leichter Korrektur mit dem Seitenruder hebt der Fantasy Racer bei etwa Halbgas sauber ab. Der Steigflug lässt ein etwas nervöses Verhalten auf Höhenruderausschläge erkennen. Die im Vorfeld programmierte Steuerwegumschaltung zeigt Wirkung und ermöglicht nun das Eintrimmen eines neutralen Horizontalflugs. Die Rollwirkung der Querruder ist passend und im Rückenflug muss erwartungsgemäß kaum gedrückt werden. Unerwartet gut gelingen Messerflüge, die mit wenig Seitenruderzugabe auch über mehrere Bahnen hinweg gehalten werden können. Dennoch ist der Fantasy Racer von dem präzisen Flugverhalten eines Kunstflugmodells weit entfernt. Allein der fehlende Seitenzug des Motors führt in senkrechten Steigflügen mit abnehmender Geschwindigkeit zu einer deutlichen Linksdrift. Die Topspeed im Horizontalflug überrascht für ein EPO-Modell mit dicken Flügelhinterkanten positiv. Für die passende Geräuschkulisse sorgt der nicht ganz rund laufende Propeller und gibt dem Piloten so einen dezenten Hinweis zu erhöhter Wachsamkeit. Langsam geflogen kommen die gutmütigen Eigenschaften des Fantasy Racers zum Tragen, denn ein Strömungsabriss wird frühzeitig angekündigt. Demzufolge verläuft die Landung problemlos. Das weit vor dem Schwerpunkt angeordnete Fahrwerk erfordert aber für den hüpferfreien Abschluss einen sauberen Anflug mit passendem Schleppgas.

Zusammenfassung

Der Fantasy Racer von Wildtechnik sorgt mit seinem flotten Erscheinungsbild für frischen Wind in der EPO-Szene. Die mit der RTF-Version ausgelieferte Technik genügt den Anforderungen des Modells und der hohe Verfertigungsgrad verkürzt die Vorbereitungszeit auf ein Minimum. Auf dem Flugfeld überzeugen die unkritischen Flugeigenschaften besonders im mittleren und unteren Geschwindigkeitsbereich. Die erreichbare Topspeed ist für ein EPO-Modell bemerkenswert und fordert die volle Konzentration des Piloten. Als ausgefallenes Fun-Modell erfüllt der Fantasy Racer uneingeschränkt die Erwartungen und entführt mit seinem außergewöhnlich schönen Flugbild in die Phantasiewelt der Gee Bee R3.

Nachtrag (Jan. 2012)

Erst nach Drucklegung des Testberichts traten unerwartet Probleme mit den verbauten Rudermaschinen auf. Nach und nach versagte eine nach der anderen ihren Dienst, wobei sich erfreulicherweise die Probleme immer derart ankündigten, dass ein Absturz des Modells erspart blieb. Dennoch die Empfehlung, die Servos kritisch unter die Lupe zu nehmen und am besten gegen qualitativ hochwertige Exemplare auszutauschen. Das Modell ist es wert!

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