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Taijiquan
Taji, das Symbol für die polaren Kräfte Yin und Yang
Das Taìjíquán, auch T'ai-Chi-Ch'uan , verkürzend Tai Chi genannt,
ist eine Jahrhunderte alte im Kaiserreich China entwickelte innere
Kampfkunst. Es verbindet die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit und
Meditation.
"Taiji")
ist im Daoismus ein Synonym für das allerhöchste Wirkprinzip,
die wörtliche Übersetzung von "Taiji" ist "Das
größte Ganze" oder die "Allergrößten
Gegensätze", die einzelnen Morpheme "tai" und
"ji" bedeuten im klassischen Chinesisch in etwa "sehr" und
"Firstbalken", "Taiji" ist also "der große Firstbalken", der
Himmel und Erde verbindet. "Quan" heißt wörtlich
übersetzt "Faust". Taijiquan könnte also mit "Die
Faustkampftechnik der extremen Gegensätze" übersetzt werden.
In
der Volksrepublik China ist Taijiquan in zumeist stark vereinfachter
Form ein Volkssport und in den Parks der Städte sieht man in den
Morgenstunden tausende Menschen beim Üben der Bewegungen.
Über
den Aspekt alsKampfkunst hinaus wird Taijiquan häufig als
allgemeines System der Bewegungslehre oder als Gymnastik betrachtet,
welches einerseits der Gesundheit sehr förderlich ist,
andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation
dienen kann. Besonders im Westen tritt der Kampfkunstaspekt häufig
hinter diesen Aspekten zurück, da die meisten Lehrer nur eine
kurze Ausbildung haben und mit den energetischen, inneren Aspekten
selbst nicht vertraut sind.
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Inhaltsverzeichnis
- · 1 Praxis
- · 1.1 Grundlagen
- · 1.2 Form
- · 1.3 Waffenformen
- · 1.4 Push Hands
- · 1.5 10 Grundregeln
- · 2 Entstehungslegenden und Verbindungen zum Daoismus
- · 3 Enstehung der “ 5 Familienstile “ Chen, Yang , Wu/Hao, Wu und Sun
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Praxis
Grundlagen
In
den verschiedenen Stilen und Schulen werden verschiedene
Basisübungen praktiziert. Oft werden Übungen aus Systemen des
Quigong genutzt um einfache innere Bewegungsfolgen zu verstehen, oft
vereinfacht man auch Sequenzen der Form und übt diese in
mehrfachen Wiederholungen. Aber nicht selten wird auch nur mit der Form
(s.u.) gearbeitet.
Form
Im
Zentrum des Übens von Taijiquan steht meistens eine so genannte
"Form", eine feste Bewegungssequenz, die unterschiedlich lang sein kann
(vergleichbar einer Kata in den japanischen Kampfkünsten).
Die
Form wird typischerweise langsam und ruhig ausgeführt, doch kann
es hier je nach Stil und Form Unterschiede geben. Die inneren Prozesse,
deren äußerer Ausdruck die Formen sind, sind jedoch in allen
Schulen gleich.
Eine
Form setzt sich aus mehreren Bildern bzw. Einzelbewegungen zusammen.
Viele Formen werden deswegen nach der Anzahl ihrer Bilder benannt, so
zum Beispiel die 24-Bilder-Form (Pekingform) oder die 48-Bilder-Form
(ebenfalls Peking-Form). Die längsten Formen haben über 100
Bilder und ihre Ausführung kann über eine halbe Stunde dauern.
Waffenformen
Die
gebräuchlichsten Formen sind waffenlos, doch gibt es auch
zahlreiche Waffen- oder Geräteformen. In traditionell orientierten
Taijiquan-Schulen werden fortgeschrittene Schüler in den
Waffenformen unterrichtet. Waffen des Taijiquan sind
- · Schwert (Dan Jian)
- · Doppelschwert (Shuang Jian)
- · Säbel (Dan Dao)
- · Doppelsäbel (Shuang Dao)
- · Fächer
- · Kurzstock
- · Langstock
- · Speer
- · Hellebarde
Auf
den höheren Stufen des Taijiquan praktiziert man Waffenformen mit
Partner. Auch freie Anwendungen und freier Kampf werden zum Teil
unterrichtet.
Push Hands
Das
Formtraining ist eine Vor- und Übungsstufe des (Push Hands). Auch
hier gibt es verschiedene Übungen, die aufeinander aufbauend von
einfachen Grundlagen bis zu freieren Sequenzen das Taiji in
Anwendungen, Selbstverteidigung und Wettkampf trainieren. Die
höchste Vollendung erfährt das Üben im freien Push
Hands, in der die Übenden sich gegenseitig demonstrieren, wie sie
die Prinzipien des Taijiquan verinnerlicht haben.
Die 10 Grundregeln
Die folgenden zehn Grundprinzipien des Taijiquan werden Yang Chengfu (1883-1936) zugeschrieben:
- · Halte den Kopf aufrecht, um Deinen Geist zu entfalten
- · Lockere die Ellenbogen, damit die Schultern sinken
- · Brust und Rücken sollen entspannt sein
- · Lockere Deine Taille
- · Verteile das Gewicht richtig (Fülle / Leere)
- · Bringe Ober- und Unterkörper in Einklang
- · Deine Bewegungen sollen fließen
- · Verbinde den Geist mit dem Körper
- · Gebrauche Yi (Intention, Absicht), nicht rohe Kraft (Muskelkraft)
- · Suche die Ruhe in der Bewegung und die Bewegung in der Ruhe
Entstehungslegenden und Verbindungen zum Daoismus
Über
die Entwicklungsgeschichte des Taijiquan gibt es widersprüchliche
Angaben. Die meisten der heute Taijiquan Praktizierenden berufen sich
auf Vorläufer oder Wurzeln aus dem 15. Jahrhundert oder
früher. Des Weiteren sollen die Wurzeln oder Vorläufer nur
einem engen Personenkreis zugänglich gewesen sein, etwa einem
Kloster oder einer Familie. Entsprechend entziehen sich diese auch der
offiziellen Geschichtsschreibung. Erschwerend kommt hinzu, dass es im
chinesischen Kaiserreich üblich war, sich in eine Reihe von
Vorfahren oder Lehrer zu stellen, die möglichst hoch angesehen
oder gar Sagengestalten waren, d.h. es wurden nicht immer die
tatsächlichen Sachverhalte weitergegeben. All dies leistete der
Mythenbildung Vorschub.
Unsicher
ist, ob es eine historische Verbindung zwischen dem philosophischen
Daoismus(im Gegensatz zum religiösen Daoismus) jener Zeit und der
Entstehung des Taijiquan gibt. Zumindest heute verwenden einige Schulen
des Taijiquan zahlreiche daoistische Prinzipien und Motive, genauso
gibt es aber auch Elemente, die als buddhistisch und konfuzianisch
gedeutet werden können. In den klassischen Schriften des Taijiquan
gibt es zahlreiche Punkte, die einen besonderen Bezug zum Daoismus
nahelegen. Wann diese Schriften entstanden sind, ist jedoch umstritten.
Innerhalb
der Kampfkünste wird Taijiquan oft zu den inneren
Kampfkünsten gerechnet, auch wenn es bei einigen Schulen immer
wieder zu Diskussionen um diese Frage kommt. Als legendärer
Begründer der inneren Kampfkünste und damit auch des
Taijiquan wird Zhang Sanfeng
betrachtet. Der Legende nach entdeckte er die Prinzipien der inneren
Kampfkünste in den Wudang-Bergen, nachdem er den Kampf zwischen
einer Schlange und einem weißen Kranich beobachtet hatte. Zhang
Sanfeng soll zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert gelebt haben, aber
seine historische Existenz ist nicht belegt.
In
den Wudang-Bergen wird heutzutage eine Form des Taijiquan als Teil der
inneren Kampfkünste praktiziert und gelehrt, die sich von anderen
Stilen des Taijiquan unterscheidet. Diese wird von Anhängern des
Wudang-Stils direkt auf Zhang Sanfeng und die Traditionen der
Klöster zurückgeführt, auch wenn die Bezeichnung
Taijiquan für die Form sicherlich neueren Ursprunges ist.
Entstehung der "5 Familienstile" Chen, Yang, Wu/Hao, Wu und Sun
Relativ
gesichert ist die Tatsache, dass Chen Wangting (9. Generation
Chen-Familie) Mitte des 17. Jahrhunderts, im Dorf Chenjiagou aus seinen
bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste einen neuen inneren
Boxstil entwickelte, der seit dieser Zeit weiterentwickelt und tradiert
wurde. Dieser Boxstil wurde lange Zeit nur innerhalb der Chen-Familie
weitergegeben. Welche Rolle daoistische Lehrer aus den Klöstern
der Wudang-Berge bei der Entwicklung diese Stils spielten, ist nicht
mehr nachzuvollziehen.
Die
Geheimnisse der Chen-Familie wurden in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhundert erstmals an einen Außenstehenden weiter gegeben: Chen
Changxing (1771-1853) akzeptierte Yang Luchan(1799-1872) als
Schüler im inneren Kreis der Familie. Yang Luchan entwickelte das
Gelernte weiter und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas
später unterrichtete Chen Qingping(1795-1868) ebenfalls
außerhalb der Familie Wu Yuxiang(1812-1880).
Yang
Luchang erlangte in China einen außerordentlichen Ruf durch seine
sagenhaften Fähigkeiten in der Kampfkunst. Er erlangte den
Beinamen 'Yang, der nicht kämpft', da er Angreifer ohne Kampf
einfach von sich oder von seinem langen Stock abprallen ließ.
Auch seine Nachkommen gelangten zu ähnlich großem Ansehen.
So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die heute bekannten, sogenannten 5 Familienstile gelegt, benannt nach dem Familiennamen der Stilbegründer. Dies sind:
- ·
Chen-Stil im "alten Rahmen" nach Chen Changxing (1771-1853) oder
nach Chen Qingping im "kleinen Rahmen" (1795-1868)
- ·
Yang-Stil im "großen Rahmen" nach Yang Chengfu (1883-1936)
oder im "kleinen Rahmen" nach Yang Banhou (1837-1892)
- · Wu/Hao-Stil nach Wu Yuxiang (1812-1880)
- · Wu-Stil nach Quan You (1834-1902) und seinem Sohn Wu Jianquan (1870-1942)
- · Sun-Stil nach Sun Lutang(1861-1932)
Man
beachte, dass das "Wu" in "Wu Yuxiang" ein anderes Schriftzeichen ist
als in "Wu Jianquan" - es handelt sich also um verschiedene Familien.
Dem
Verhältnis von Meister und Meisterschüler (engl. disciple)
wurde im chinesischen Kaiserreich große Bedeutung beigemessen.
Der Meisterschüler schuldete dem Meister Gehorsam und war
verpflichtet die Tradition zu schützen. Normalerweise wurden
Schüler die außerhalb der Familie standen nicht als
Meisterschüler akzeptiert und daher nicht vollständig in die
Geheimnisse der Kunst eingewiesen. Oft gründeten solche
aussenstehenden Schüler dennoch ihre eigenen Schulen und gaben ihr
unvollständiges Wissen weiter. In solchen Schulen flossen dann oft
Elemente aus dem Tanz oder aus den äußeren Kampfkünsten
in die Bewegungen ein - die inneren Prinzipien gingen dabei verloren.
Man sagt, es habe immer wieder Verbindungen zwischen den Taijiquan-Familien gegeben:
- · Wu Yuxiang lernte von Chen Qingping und Yang Luchan.
- ·
Wu Yuxiang hatte einen Schüler Li Yiyu, der wiederum unterrichtete
Hao Weichen, und dieser wiederum unterrichte Sun Lutang.
- · Quan You lernte von Yang Chienhou (Sohn von Yang Luchan) und (inoffiziell) von Yang Luchan selbst
- ·
Yang Chengfu (Enkel von Yang Luchan) und Wu Jianquan lebten beide in
Peking zur Zeit ihrer Ausbildung, kannten einander und trainierten
miteinander.
Größerer Verbreitung in der westlichen Welt erfreuen sich heute insbesondere der Yang-, Chen- und Wu-Stil.
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