Die achtziger Jahre
Die
achtziger Jahre waren geprägt durch den zweiten großen
Mafiakrieg der bis 1983 andauerte. Allein auf Sizilien starben
etwa 1000 Menschen. Als Sieger aus diesem Krieg gingen die
Corleo-nesi mit dem Dreigespann Liggio, Riina und Provenzano.
Da Liggio im Gefängnis saß, wurde U Curtu Riina
die bestimmende Figur in der Cosa Nostra. Man spricht daraufhin
von Siegern und Verlierern. Mitte der achtziger Jahre erlebt die
Cosa Nostra einen herben Rückschlag mit den Maxi-Prozessen, die
auf Grund der Aussage von Tommaso Buscetta und Salvatore
Contorno sowie Antonino Calderone möglich wurden.
Gegen Ende des Jahrzehnts war die Cosa Nostra aber eher gestärkt
hervorgegangen. Zahlreiche Staatsdiener wurden getötet und in
Berufungsverfahren wurden etliche Mafiosi freigesprochen.
In Kolumbien erlebt das Kokain-Kartell von Medellin seinen Aufstieg. Innerhalb weniger Jahre ist der US-Markt mit Kokain über-schwemmt. Die Macht des Kartells ist so groß, daß der kolumbianische Staat eine Marionette des Kartells wird. Erst auf Druck der USA wird das Kartell bekämpft. In den neunziger Jahren ist das Kartell von Medellin ausgeschaltet, aber an seine Stelle tritt das Kartell von Cali. Ähnlich ist die Situation in Bolivien. Die bolivianischen Kartelle gelten als größte Zulieferer für die Kartelle in Kolumbien an Coca-Paste. Da die Kolumbianer auch den europäischen Markt erobern wollen, errichten sie Stützpunkte in Spanien. Um keinen Krieg zu riskieren arrangiert man sich mit der Cosa Nostra, die im Gegenzug Heroin liefert (Zwei Kilo Kokain gegen ein Kilo Heroin). Mit diesem Heroin wird der US-Markt beliefert, da Mitte des Jahrzehntes die amerikanische Cosa Nostra durch interne Kämpfe, aber auch durch der massiven Verfolgung durch die Justiz, nahezu bedeutungslos geworden. Das entstehende Loch füllen die latein-amerikanischen, aber auch chinesische, Gruppen. Für den Transport des Rauschgiftes nach Europa werden zunächst meist Spanier und Südamerikaner eingesetzt. Oftmals von Venezuela und Basilien aus, wohin die Kartelle ausweichen. Später übernehmen Schwarz-afrikaner die Verteilung in Europa.
Durch den Boom der Drogen wird der sizilianische Clan Cuntrera/Caruana, der in Venezuela ansässig ist, zu einem der mächtigsten Clans der Sizilianer, da sämtliche Kontakte und Geschäfte über sie laufen müssen.
06.01.1980: Der Präsident der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, wird ermordet.
Febr. 1980: Salvatore Catalano, Pate der Bonnano-Familie, heiratet auf Sizilien (in Cimina) Caterina Catalano, die nicht mit ihm verwandt war. Im selben Jahr noch spaltet sich die Familie Bonnano in zwei Lager. Die einen wollen Philipp Rastelli zum neuen Paten machen, die anderen wollen Philipp Giaccone. Damit wird Catalano quasi entmachtet.
21.03.1980: Antonio Copinogro, Consigliere von Angelo Bruno, dem Paten von Philadelphia, wendet sich an Frank FunzieTieri. Er bietet ihm im Falle von der Ermordung Bruno´s Anteile am Glückspiel in New Jersey an. Tieri beauftragt Mad Dog Sullivan mit dem Mord. Doch Tieri läßt auch Copinogro töten, um alle Anteile zusammen mit Fat Tony Salerno zu sichern. Es folgen insgesamt weitere 19 Morde, ehe Nicodemo Scarfo neuer Pate von Philadelphia wird. Dieser wird jedoch schon bald verhaftet und von Bruno´s Ex-Chauffeur John Stanfa abgelöst.
Frühjahr 1980: Mitglieder der Cosa Nostra und der verfeindeten Clans der Camorra treffen sich, um den Krieg in Neapel zwischen den Gruppierungen der Nuova Camorra Organizzata und der Nuova Famiglia zu beenden. Am Tisch sitzt Rosetta Cutolo stellvertretend für ihren Bruder.
03.05.1980: Der Carabinierihauptmann Emanuelle Basile wird in Monreale vor den Augen seiner Frau und seinem Kind von Giuseppe Madonia - dem Sohn von Francesco "Ciccio" Madonia - Armando Bonanno und Vincenzo Puccio erschossen. Alle drei werden kurze Zeit später verhaftet.
08.06.1980: Tommaso Buscetta,
der seit 1972 im Ucciardone-Gefängnis zu Palermo und in Turin
einsaß, flieht.
Als die
Corleonesi mit Piddu Panno einen Freund von Bontade
töten, beschließt dieser, Toto Riina auf
einer Sitzung der Kuppel zu erschießen. Als Buscetta
davon hört ist er entsetzt.Doch die Corleonesi legen dann auch
noch seinen Sohn mit einem Geldge-schenk herein. Als die Polizei Buscetta´s
verhaftet, stellt sich heraus, daß das Geld aus einer
Entführung stammt. Als Buscetta nach und nach erkennt,
daß die Corleonesi alle beseitigen wollen, flieht er.
02.08.1980: 85 Tote bei Bombenanschlag auf Bahnhof von Bologna.
06.08.1980: Oberstaatsanwalt Gaetano Costa wird auf Befehl von Salvatore Inzerillo ermordet.
06.09.1980: Pater Giacinto wird im Franziskanerkloster Santa Maria de Gesu in Palermo erschossen. Er stand Stefano Bontade nahe und galt auch als Mafioso.
15.09.1980: Giuseppe Bono heiratet Antonina Albino. Der erst vor zwei Jahren nach New York eingereiste Mafoiso heiratet im Hotel Pierre.
März 1981: D´Agostino, ein Freund von Bontade, erzählt Rosario Riccobone, dem Capo von Partanna, von Bontade´s Mordplänen an Riina. Er weiß jedoch nicht, daß Riccobone mit Riina sympatisiert und diesem davon erzählt.
17. März 1981: In Arezzo wird die Villa von dem Industriellen Licio Gelli durchsucht. Gelli ist der Führer der Geheimloge Propaganda 2. Diese soll in engen Kontakten zur Cosa Nostra stehen. Zahlreiche Industrielle, Politiker und Militärs gehören der Loge an. Die Loge steht auch im Verdacht für den Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna verantwortlich zu sein. Der Anschlag vom 02.08.1980 hatte 85 Tote gefordert. Ziel war es, den Anschlag linken Gruppen zuzuordnen. Auch der betrügerische Bankier Roberto Calvi gehört der P 2 an.
31.03.1981: Frank Funzie Tieri stirbt an Krebs. Damit ist Fat Tony Salerno alleiniger Pate der Genovese-Familie. Erst Ende 1980 war er nach der Anklage nach dem RICO-Act schuldig gesprochen worden. Salerno und Lombardo sind zu diesem Zeit-punkt jedoch schwer krank, so daß Vincent das Kinn Gigante die Familie quasi übernimmt.
23.04.1981: Stefano Bontade stirbt an seinem 43. Geburtstag im Kugelhagel von Pino Scarpuzzedda Greco´s Kalasch-nikow AK-47. Bontade wurde von seinem Unterboß Lo Iacona verraten. Vermutlich war aber auch Giovanni Bontade, der Bruder des Toten, am Verrat beteiligt. Damit beginnt der lang erwartete Mafiakrieg.
05.05.1981: Vier von fünf Unterbosse, die auf Seiten von Philipp Giaccone standen, verschwinden. Darunter er selbst. Damit ist Philipp Rastelli Boß der Bonnano.
10.05.1981: Schüsse auf ein Juweliergeschäft in Palermo aus einer AK-47. Es wird nichts geraubt. Erst später wird klar, daß Pino Greco, der kleine Schuh genannt, an der Panzerglasscheibe die Wirkung seiner AK-47 getestet hatte.
11.05.1981: Salvatore Inzerillo wird vor dem Haus seiner Geliebten von Pino Greco mit der Kalaschnikow erschossen. Der Capo von Uditore, einem Stadtteil Palermos, fühlte sich sicher, da er Riina noch ca. 50 Mio. aus einem Drogengeschäft schuldete.
13.05.1981: Auf dem Petersplatz in Rom schießt Mehmet Ali Agca auf den Papst Johannes Paul II. Die Motive bleiben im Unklaren.
1981: John Gambino
aus New York kommt nach Palermo. Er vereinbart mit
den Corleonesi, daß er deren Feinde in den USA töten soll.
Kurze Zeit später wird Pietro Inzerillo zerstückelt im
Kofferraum eines Autos in New Jersey gefunden. Santo
Inzerillo wird erwürgt, obwohl die Inzerillo Vettern
von den Gambino´s sind. Das Auto in dem Pietro gefunden
wurde, gehört Rosario Gambino von Cherry Hill.
Der 16jährige Sohn von Salvatore Inzerillo schwört
Rache. Doch er wird von Pino Scarpuzzedda Greco
entführt. Dieser hackt ihm den rechten Arm ab und schreit dem
Jungen ins Gesicht: Mit diesem Arm wirst nicht mehr auf Riina
schießen! Erst dann erschießt er den Jungen.
25.06.1981: In Brancaccio, einem Stadtteil von Palermo, kommt es zu einem Schußwechsel zwischen den Todfeinden Pino Greco und Salvatore Contorno, einem Killer der in Bontade´s Dienst stand. Beide bleiben unverletzt.
Oktober 1981: Die Polizei sprengt eine Versammlung der Camorra. Rossetta Cutolo gelingt im letzten Moment die Flucht.
25.12.1981: Das Weihnachtsmassaker von Bagheria. Es handelt sich dabei um einen Anschlag auf drei örtliche Bosse. Bei der Schießerei stirbt einer der Bosse und ein unbeteiligter Passant. Einer der Mörder ist Giuseppe Marchese, der Neffe von Filippo Marchese, dem capo der Corso dei Mille in Palermo.
1982: In Mailand
verschwindet der Schwager von Buscetta. Obwohl auch seine
beiden Söhne und sieben weitere Angehörige ermordet werden,
kann Gaetano Badalamenti ihn in Rio de
Janeiro nicht zur Rückkehr nach Palermo bewegen
um gegen die Corleonesi zu kämpfen. Unterdessen
setzen die Corleonesi Antonino Salamone, Boss der Familie
von San Giuseppe Iato, auf Buscetta an. Salamone, der eng
mit Buscetta befreundet ist, soll diesen in eine Falle locken.
Filippo Marchese verschwindet spurlos.
Obwohl er der Fraktion der Corleonesi angehörte, ließen diese
ihn ermorden. Marchese stand in dem Ruf ein Verrückter zu
sein. Er mordete mit Leidenschaft. Meist erdrosselte er seine
Gegner eigenhändig im Todes-zimmer an der Piazza Sant´
Erasmo. Im selben Zimmer/Haus ließ er dann seine Opfer
in einem Säurebad auflösen und verschwinden.
In Kolumbien werden erstmals zwischen dem Medellin-Kartell
und der Guerilla- Gruppe M19 Kontakte festgestellt. Schutz der
Drogenlabors gegen Waffen.
Im gleichen Jahr wird das Rognoni-La-Torre-Gesetz
verabschiedet, welches des RICO-Gesetz in den USA entspricht und
nun den Staat ermächtigt, Mafiosi nur auf Grund ihrer
Zugehörigkeit zur Mafia abzuurteilen. Die Cosa Nostra nimmt
daraufhin La Torre selbst ins Visier.
Als erneut ein Bruder von Pupetta Maresca bedroht wird,
gibt sie eine Pressekonferenz, in der sie Cutolo droht. Im
gleichen Jahr wird sie und ihr Mann wegen Mordverdachtes
verhaftet. Den ihr angelasteten Mord an dem Arzt Aldo Semerari
bestreitet sie heftig. Vermutlich steckt Cutolo hinter dieser
Falle. Sie muss für vier Jahre ins Gefängnis.
März 1982: Salvatore Contorno wird verhaftet. Er wird später ein Kronzeuge werden.
16.06.1982: Fünf Carabinieri und der in Haft sitzende Alfio Ferlito aus Catania, werden bei einem Gefangenentransport getötet. Als Auftraggeber gilt Benedetto Nitto Santapaola. Die Mörder selbst kamen vermutlich aus Palermo.
17.06.1982: Francesco DiCarlo ermordet in London den betrügerischen Bankier Roberto Calvi, dem die Banco Ambrosiano gehörte. Calvi wird erhängt unter der Blackfriarsbridge gefunden. Die Banco Ambrosiano war zuvor zusammengebrochen und hinterließ 1,4 Milliarden Dollar Schulden.
Mitte 1982: Rosario Riccobone und 20 seiner Leute verschwinden spurlos. Riccobone galt als unsicherer Bundesgenosse der Corleonesi.
11.08.1982: Vincenzo Sinagra wird verhaftet. Er ist zwar kein geweihtes Mitglied der Cosa Nostra, hatte aber glänzende Kontakte zu den Marchese vom Corso dei Mille. Er ist geständig. Aufgrund seiner Aussage wird das Todeszimmer an der Piazza Sant´ Erasmo entdeckt.
03.09.1982: Der gefürchtete Terroristenjäger und Polizeipräfekt von Palermo, Carlo Alberto Dalla Chiesa wird zusammen mit seiner Frau nach nur sechs Monaten Amtszeit erschossen. Beide starben im Kugelhagel einer Kalaschnikow. Er war bereits 1974 oberster Polizeichef von Palermo. Einer der Mörder soll auch Calogero Ganci gewesen sein, der wie Pino Greco zu den Topkillern der Cosa Nostra gehörte.
25.10.1982: Antonino Salamone stellt sich den Behörden und muss noch seine Reststrafe von einem Jahr und sieben Monaten absitzen. Salamone umgeht auf diese Weise den Befehl, Buscetta zu ermorden.
1983: Carlos Marcello
wird in New Orleans verhaftet.
Bei einem Treffen auf Long Island zwischen Mitgliedern der Genovese,
Gambino und Colombo-Familie und russischen Gangstern
wird der Grundstein für einen großangelegten
Mineralölsteuerbetrug gelegt, bei dem beide Seiten erhebliche
Gewinne machen. Vermutlich hat es bereits 1980 erste Kontakte
beider Gruppen gegeben.
15.01.1983: Meyer Little Man Lansky stirbt in Miami.
25.01.1983: Giacomo Ciaccio Montalto, stellvertretender Staatsanwalt von Trapani, wird ermordet. Alle fünf Mörder werden später in den USA ebenfalls ermordet.
31.03.1983: Die Mörder von Carabinierihauptmann Emanuelle Basile werden freigesprochen. Erst später stellt sich heraus, daß der Richter bestochen war.
28.07.1983: Eine Autobombe tötet Richter Rocco Chinnici. Die Bombe soll Calogero Ganci gezündet haben. Dies führt zur Gründung des AntiMafia-Pools, dem u.a. die Richter Giovanni Falcone, Antonino Caponetto und Paolo Borsellino angehören.
10.08.1983: Der Chef der P 2, Licio Gelli, entzieht sich durch Flucht den schweizerischen Behörden, die Gelli an Italien ausliefern wollten.
1983: Der Mafiakrieg geht zu Ende. Viele Familien werden nun von Verrätern angeführt, so z.B. der Clan der Bontade. Neuer Capo ist Lo Iacona. Die Kuppel wird von Michele der Papst Greco aus Ciaculli angeführt. Allerdings ist er bur eine Marionette der Corleonesi um Riina und Provenzano.
1984: Die Ribisi-Brüder
(insgesamt sechs Brüder) ermorden mit der Einwilligung ihres
Bosses Giuseppe Di Caro den örtlichen Boß von Palma
de Montechiaro und übernehmen dort die Macht. Di Caro war
der Boß von Agrigento. Die Ribisi-Brüder
"übernehmen" zwar die örtliche Gewalt, sind aber auch
weiterhin als Killer der Cosa Nostra tätig.
Raffaele Cutolo wird verhaftet. Damit liegen die
Geschäfte wieder in alleiniger Verantwortung seiner Schwester.
Er selbst soll zunehmend unter Verfolgungswahn leiden und lässt
jeden Verdächtigen ermorden.
Frühjahr 1984:Tommaso Spadaro, capo von La Kalsa - einem Viertel von Palermo - wird in seinem Haus verhaftet.
05.04.1984:In Madrid wird Gaetano Badalamenti und sein Sohn verhaftet. Bis zum 09.04 werden in der Schweiz, Italien und in den USA zahlreiche Mitglieder eines internationalen Rauschgiftsrings verhaftet. Allein in den USA werden 32 Personen verhaftet. Der Rauschgiftring geht als die Pizza-Connection in die Justizgeschichte ein, da der Vertrieb und die Geldwäsche über etliche Pizzerien lief. Unter den Verhafteten sind auch Salvatore Catalano und dessen Geschäftspartner Giuseppe der Büffel Ganci von der Bonnano-Familie.
30.04.1984:Kolumbiens Justizminister Rodrigo Lara Bonilla wird erschossen. Er hatte dem Medellin-Kartell den Kampf angesagt.
10.07.1984:In Brasilien wird Tommaso Buscetta verhaftet. Als erstes hohes Mitglied der Cosa Nostra wird er zum Pentito - zum Kronzeugen. Als er aussagt, beginnt auch Salvatore Contorno zu reden. Seine Aussagen führen zu Massenverhaftungen und zu den Maxi-Prozessen.
18.10.1984:Acht Jugendliche, die ohne Erlaubnis Pferdefleisch in Palermo verkauften, werden in der Nähe der Piazza Scaffa von Benedetto Nitto Santapaola erschossen.
Benedetto Santapaola
24.10.1984: Wegen Drogenhandels wird Abdullah Catli in Paris verhaftet. Catli schlägt damit den Weg eines Mafioso ein.
03.11.1984:Der Ex-Bürgermeister von Palermo, Vito Ciancimino, wird als Mafioso überführt und verhaftet.
12.11.1984: Ignazio und Nino Salvo, die Vizekönige von Sizilien, werden verhaftet.
15.11.1984: In Madrid werden Jorge Luis Ochoa und Gilberto Rodriguez Orejuela verhaftet. Ersterer ist nach Pablo Esco-bar, der größte Kokainhändler von Medellin, und der zweite ist der führende Kopf des Cali-Kartells, zusammen mit Jose Santacruz Londona, und Francisco Helmer Herrera Biutrago. Beide sind bereits seit Juni in Spanien, nachdem in Kolumbien nach dem Mord an den Justizminister der Boden zu heiß geworden war.
07.12.1984: Leonardo Vitale, der erste Pentito in Sizilien überhaupt, stirbt an den Folgen eines Anschlages fünf Tage zuvor.
20.12.1984: Agostino Badalamenti, Neffe von Gaetano, wird in Solingen ermordet.
23.12.1984: Bei einem Bombenanschlag auf den Schnellzug 904 Neapel-Mailand kommen 16 Menschen ums Leben und 200 werden verletzt. Der Anschlag geht auf das Konto von Neofaschisten, die jedoch im Auftrag von Pippo Calo, dem Capo von Porta Nuova aus Palermo, handelten. Dieser ist Boß von Buscetta. Beide mochten sich jedoch nicht. Buscetta war öfters mit Bontade als mit Calo zusammen. Calo unterstützte auch die Corleonesi. Um von den Aussagen Buscetta´s abzulenken - und den damit ver-bundenen Wirbel - ließ er den Anschlag ausführen. Dabei nutzte er die Kontakte zu den Neofaschisten und der Geheimloge P 2.
1985:Das Heroinlabor in Alcamo
wird entdeckt. Es ist das größte auf Sizilien. Eine
Folge der Entdeckung wird die Ermordung von Kommissar Montana sein,
der der Sicilian Connection einen herben Rückschlag
erteilt.
Der
türkische Drogenhändler Paul Waridel stellt sich der
DEA.
Im gleichen Jahr wird der Syrer Monzer Al Kassar für die Geheimdienste der USA tätig. Er ist an Waffenlieferungen aus dem Ostblock an die Contras in Nicaragua verwickelt. Desweiteren soll er für die USA bei Waffengeschäften der sogenannten "Iran-Contra-Affäre" beteiligt sein. Bei dieser Affäre lieferten die USA heimlich Waffen an den Iran - der im Krieg gegen den Irak stand - während die Erlöse aus diesen geschäften an die Contra-Rebellen in Nicaragua flossen.
25.02.1985:Das FBI verhaftet die Big Five: Anthony Fat Tony Salerno von den Genovese, von den Colombo, Carmine The Snake Persico, von der Lucchese-Familie Tony Ducks Carolla, Philipp Rastelli von der Bonnano-Familie und Paul Big Paul Castellano von dem Clan Gambino.Dies ist der Wendepunkt in der organisierten Kriminalität in den USA, da die Cosa Nostra von da an zunehmend auch von anderen Gangs, wie den Triaden, unter Druck gerät.Bis Prozeßbeginn können die Bosse gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben.
28.02.1985:Pippo Calo wird in Rom verhaftet. Sein Nachfolger wird Salvatore Cangemi.
02.04.1985:Ein Anschlag auf den stellvertretenden Staatsanwalt Carlo Palermo mißlingt. Eine Passantin und ihre beiden Kinder werden bei dem Bombenanschlag getötet.
04.05.1985:Der 53jährige Jewsey Agron wird um 8.30 Uhr vor seiner Wohnung in Brooklyn erschossen. Bereits im Januar war ein Anschlag auf ihn verübt worden. Agron zählt als Pate der russischen Mafia und war 1975 in die USA eingereist. Er war damals als angeblicher Jude aus der UdSSR ausgereist. Sein mutmaßlicher Mörder, Marat Balagula, wird sein Nachfolger. Er war 1977 in die USA eingereist.
Juni 1985: In London wird der Statthalter der Familie von Altofonte, Francesco DiCarlo, wegen Drogenhandels zu 25 Jahren verurteilt.
25.07.1985:Der Capo von Prizzi und Busenfreund Michele Greco´s, Don Tommaso Canella wird verhaftet.
28.07.1985:Kommissar Giuseppe Montana wird im Yachthafen von Porticello von Salvatore Marino erschossen. Dieser wird später verhaftet.
06.08.1985:Kommissar Ninni Cassara und sein Mitarbeiter Roberto Antiochia werden vor Cassara´s Haus gegen 15 Uhr erschossen. Ein zweiter Leibwächter wird verletzt.Daraufhin reichen 50% der Beamten Versetzungsgesuche ein. An dem Mord sind Pino "Scarpuzzedda" Greco, Francesco Madonia, Giuseppe Gambino und Bernardo Brusca - allesamt Mitglieder der Kommission - beteiligt.
30.09.1985:Beginn des Prozesses gegen die Big Five in New York.
24.10.1985:Beginn des Prozesses gegen die Pizza-Connection. Im Laufe des Prozesses werden Buscetta und Contorno aussagen. Angeklagt sind neben Badalamenti auch Salvatore Catalano.
06.11.1985:In Bogota wird der Justizpalast von der Guerilla-Gruppe M19 gestürmt und besetzt. In einem 26-stündigen Gefecht wird der Palast gestürmt. Ca. 100 Tote werden gezählt, darunter 24 Richter. Da an diesem Tag das oberste Gericht über die Verfassungsmäßigkeit der Auslieferungen von Drogenbossen an die USA entscheiden sollte, gilt als sicher, daß die Kokainbosse hinter diesen Terrorakt stecken.
Ende
1985:
In seinem Haus wird Pino Scarpuzzedda Greco
von Giuseppe Lucchese und Vincenzo Pucchio
erschossen. Greco war allen - den Corleonesi, aber auch
seinem Paten Michele der Papst Greco - zu
gefährlich und eigenständig geworden. Er agierte wie ein Capo.
In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kehren etliche Inzerillo,
die im großen Krieg aus Sizilien geflohen sind, zurück.
Dies schließt auf eine Aussöhnung mit den
Gewinnern, den Corleonesi.
02.12.1985:Aniello Dellacroce, Unterboss von der Gambino-Familie, stirbt.
16.12.1985:Vor dem Restaurant Sparks wird Big Paul Castellano und sein Fahrer Tommy Bilotti erschossen. Er hatte gleich mehrere Fehler gemacht. Zum einen lebte er mit seiner Frau und seiner Geliebten unter einem Dach, dann verlor er in seiner Prunkvilla den Kontakt zu Basis und schließlich hatte er seinem Unterboß Aniello Dellacroce, den viele als Boß der Familie lieber gesehen hätten, nicht die letzte Ehre erwiesen, als dieser starb. Dellacroce galt als Friedensstifter in der Familie. Als Bilotti die Nach- folge von Dellacroce antreten sollte, hatte die gegnerische Fraktion um John Gotti genug. Nach dem Mord war damit John Gotti der Boß der Gambino.
1986:Francesco Madonia
wird verhaftet. Auch der Mörder von Basile und Pino
Greco, Vincenzo Puccio aus Ciaculli, wird verhaftet.
In Kalabrien
bricht ein Krieg aus. Jahrelang war die Familie De Stefano die
mächtigste Familie der `Ndrangheta. Antonino Imerti
lässt den Boss der Familie, Paolo De Stefano, ermorden.
Bis 1990 fallen dem Krieg etwa 800 Menschen zum Opfer.
16.02.1986:In Sizilien beginnt der erste Maxi-Prozeß. Aus dem Käfig heraus beschimpft Luciano Liggio den Kronzeugen Buscetta als Wurm. Der Prozess wird über Monate dauern. Der 86jährige Boss von Agrigent, Paolo Campo, erklärt: "Ich bin als Mafioso geboren, und als Mafioso werde ich sterben."
Luciano Liggio beim Maxi-Prozess
17.02.1986:Giovanni Prestifilippo und sein Sohn werden verhaftet. Sie gehören zur Familie von Ciaculli und sind mit den Greco´s verwandt.
20.02.1986:Michele der Papst Greco wird verhaftet. Nun ist Salvatore Toto Riina auch Boß der Kuppel.
Febr. 1986:In Barcelona treffen sich Sizilianer, Neapolitaner und Kolumbianer. Einberufen wurde die Konferenz vom in Venezuela lebenden Cuntrera/Caruana-Clan. Die Kooperation mit den südamerikanischen Drogenkartellen beginnt. Die Märkte Europas werden unter den Gruppen aufgeteilt. Die Corleonesi erhalten Osteuropa, Mitteleuropa geht an die Clans aus Siciluiana, woher die Clans der Caruana und Cuntrera stammen, und an Madonia; Zentralitalien, Frankreich und Barcelona geht an die Camorristi Michele Zaza und Antonino Bardellino.
20.03.1986:Michele Sindona wird im Gefängnis vergiftet. Der Finanzhai aus Sizilien war des Mordes an Rechtsanwalt Giorgio Ambrosoli angeklagt. Er wusch Gelder der Cosa Nostra über die Vatikanbank und der Banco Ambrosiano von Roberto Calvi, der in London einst erhängt wurde. Desgleichen wurde er von den USA wegen betrüger- ischen Bankrottes der viertgrößten Bank der USA gesucht. Erzbischof Marcinkus von der Vatikanbank war dabei einer seiner Komplizen. Der Erzbischof wurde jedoch vom Vatikan nie ausgeliefert.
13.04.1986:Frank DeCicco, Unterboss der Gambino-Familie, wird durch eine Autobombe getö- tet. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Ermordung von Castellano. Aus Rache, weil die Ermordung Castellanos ohne Genehmigung der Kommission erfolgte, wurde er getötet. Vermutliche Drahtzieher des Anschlags ist die Genovese-Familie.
6.05.1986: In Messina beginnt der zweite Maxi-Prozeß.
04.06.1986: Ein Pariser Gericht verurteilt Monzer Al Kasser zu acht Jahren Haft. Er war wegen Gründung einer krimellen Vereinigung und Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen auf jüdische Einrichtungen angeklagt. Al Kasser tritt die Haft jedoch nie an. Da Al Kasser über enge Verbindungen zur PLO und deren Splittergruppen, den syrischen Geheimdienst und anderen staatlichen Stellen im Nahen Osten besitzt, ist es ihm zu Verdanken, dass einige französische Geiseln freigelassen wurden. Im Gegenzug lässt ihn der französische Staat unbehelligt.
30.06.1986: Der Mafiaboß Pietro Vernengo wird bei Neapel verhaftet.
Juli 1986: Nach 20 Monaten werden Ochoa und Orejuela von den spanischen Behörden an Kolumbien ausgeliefert anstatt den USA. Die Bedingung war, daß sie dort die gleichen Anklagen erhalten wie in den USA. In Kolumbien kommt Ochoa auf Kaution frei und taucht unter.
08.10.1986: Dem 11jährigen Claudio Domino wird mehrmals ins Gesicht geschossen. Seinem Vater gehört die Reinigungsfirma, die das Gerichtsgebäude reinigt. Er weigerte sich mit der Cosa Nostra zu kooperieren.
17.11.1986: Oberst Jaime Ramirez Gomez wird in Kolumbien erschossen. Er galt als einer der fähigsten Polizisten Kolumbiens.
19.11.1986: Im Prozeß gegen die Big Five werden Carmine Persico, Anthony Salerno, Tony Carolla und Philipp Rastelli für schuldig gesprochen. Das Strafmaß wird im Januar 1987 verkündet. Der Nachfolger von Salerno wird Vincent das Kinn Gigante. Dieser schoß einst auf Frank Costello. Nach außen vermittelt er den Eindruck eines Geistesgestörten, da er auf der Straße im Morgenmantel und Pantoffeln herumläuft.
Dez. 1986: Antonino Calderone aus Catania beginnt auszusagen, nachdem er sich der Justiz stellte.
1987: Der Pate von Miami, Santos Trafficante jr., stirbt an Nierenversagen.
04.02.1987:Carlos Lehder, der Mann des Medellin-Kartells, der die Kokain-Pipeline in die USA aufbaute und somit den Erfolg der Kartelle begründet wird verhaftet und noch am selben Tag an die USA ausgeliefert. Es gilt als sicher, daß er von Pablo Escobar, dem mächtigsten Kokain-Boß von Medellin, verraten wurde. Tage zuvor hatte Lehder auf einer Party versucht, den besten Leibwächter von Escobar zu verführen. Als dieser ihn beleidigte, erschoß dieser ihn. Etwa zu dieser Zeit beginnt auch ein Krieg zwischen den Kartellen von Cali und Medellin.
Pablo Escobar
06.03.1987: Ein Prozeß gegen John Gotti endet mit dessem Freispruch.
22.06.1987: Der Prozeß gegen die Pizza-Connection endet. Von den Angeklagten sind während des Prozesses Alfano und Mazzara ermordet und Giuseppe der Büffel Ganci, rechte Hand von Salvatore Catalano, stirbt eines natürlichen Todes.
Juli1987: Wegen Unstimmigkeiten im Baugeschäft plant die Genovese-Familie unter Vincent das Kinn Gigante den Mord an Gotti. Das FBI hört die Gespräche mit und warnt Gotti. Als Vergeltung läßt Gotti Jimmy Rotondo von der Genovese-Familie er- morden. Dies dient als Warnung an Gigante.
Sept. 1987: Licio Gelli, flüchtiger Chef der P 2, stellt sich in Genf den Behörden.
29.09.1987: Mario Prestifilippo, neben Pino Greco einer der Superkiller der Greco aus Ciaculli, wird in Bagheria von seinem Motorrad geschossen und stirbt.
Okt. 1987: Auf der Karibikinsel Aruba treffen sich erneut die Sizilianer mit den Kolumbianern.
November 1987: Vincenzo Moccia wird ermordet. Der Moccia-Clan um Angelo Mocchia und seiner Mutter Anna Mazza reagieren auf die Ermordung des Bruders und Sohnes mit der vollständigen Auslöschung des Magliulo-Clans aus dessen Reihen der Mörder kam. Spätestens dann waren sie einer der mächtigsten Clans der Camorra.
16.12.1987:Urteilsverkündungen im ersten Maxi-Prozeß. Doch nur wenige Jahre später sind die meisten Mafiosi wieder auf freiem Fuß, da sie von Freigang nicht zurückkehrten bzw. vom Urteilskiller Richter Carnevale in der Berufungsinstanz freige-sprochen werden. Unter ihnen wird auch Antonino Salamone sein. Dem inzwischen 69jährigen Boss von San Giuseppe Iato wird Haftentlassung wegen des hohen Alters und seinem Gesundheitszustand gewährt. Unmittelbar nach seiner Freilassung setzt er sich ins Ausland - vermutlich Brasilien - ab. Um diese Zeit herum wird Bernardo Brusca die Familie von San Giuseppe Iato leiten.
Bernardo Brusca
23.12.1987:Der Mord an Salvatore Lauretta und Orazi Coccomini ist der Beginn eines Krieges zwischen der Cosa Nostra und der Stidda um Gela/Palma di Montechiaro, der bis 1992 110 Tote fordert. Auslöser ist das 250 Millionen-DM-Projekt zum Bau eines Staudammes in Disueri. Der Mordauftrag kam von Giuseppe Madonia.
1988: Der Anti-Mafia-Pool
wird aufgelöst.
John Gotti wird bei einem Prozeß freigesprochen.
Michele Zaza von der Camorra wandert für drei Jahre in
Frankreich hinter Gitter.
12.01.1988:Palermo´s Ex-Bürgermeister Giuseppe Insalaco wird ermordet. Er hatte damit gedroht auszupacken.
16.01.1988: Der Polizist Natale Mondo wird in Sizilien ermordet. Er hatte einst eng mit Ninni Cassara zusammengearbeitet.
März 1988: Gaetano Ianni und weitere 19 Personen werden verhaftet. Ianni ist einer der Paten der Stidda in Gela.
21.05.1988: An der deutsch-österreichischen Grenze in Bad Reichenhall wird Monzer Al Kassar wegen eines gefälschten Passes verhaftet. Da er in Frankreich zu einer Haft verurteilt wurde, die er nie angetreten hatte, will man ihn an Frankreich ausliefern. Frankreich hat jedoch kein Interesse und so kommt Al Kassar nach zehn Tagen gegen eine Kaution frei. Für seine Freilassung sollen sich hohe bayrische und österreichische Politiker eingesetzt haben. Monzer Al Kassar hat schon seit mehreren Jahren beste Verbindungen zu österreichischen Spitzenpolitikern und lebte zeitweise in Wien.
Juli 1988: Der bolivianische Kokainkönig Roberto Suarez Gomez wird auf verstärkten Druck der USA endlich verhaftet. Jedoch führt er einwahres Luxusleben in Haft und wird auch nicht ausgeliefert.
Sept. 1988: Gaetano Ianni kommt frei, wird jedoch unter Hausarrest gestellt.
14.09.1988: In Trapani wird der pensionierte Richter Alberto Giacomelli ermordet.
25.09.1988: Richter Antonio
Saetta und sein geistig behinderter Sohn werden in Palermo
im Auto erschossen. Einer der Täter war einer der Ribisi-Brüder
aus Palma de Montechiaro.
In Palma
de Montechiaro wird in Kürze ein offener Krieg zwischen den
Ribisi und jungen, aufstrebenden Männern um die Stidda (einer
Splittergruppe) ausbrechen, die in Gela unter Gaetano Ianni
schon sehr erfolgreich agiert.
28.09.1988: Giovanni Bontade und seine Frau werden in ihrem Haus in Villagrazia bei Palermo erschossen. Bontade hatte einst seinen Bruder verraten.
01.12.1988: In einer gemeinsamen Polizeiaktion werden in den USA 75 Personen und in Italien 133 Personen festgenommen. Die meisten festgenommenen in den USA gehören den Gambino von Cherry Hill an. Die Sicilian Connection ist damit zerschlagen. Das Heroin wird nun direkt aus dem Goldenen Dreieck Thailand, Burma und Laos geliefert. Lieferanten sind die Triaden, die auch den US-Markt langsam übernehmen.
27.02.1989: Marat Balagula wird am Frankfurter Flughafen verhaftet und an die USA ausgeliefert. Nun ist Boris Nayfeld der erste Mann der russischen Mafia in New York.
Mai 1989: Gaetano Ianni muß für zwei Jahre in die Verbannung nach Sardinien.
11.05.1989: Vincenzo Puccio, Mörder von Pino Greco, wird im Ucciardone-Gefängnis Antonino und Giuseppe Marchese erschlagen. Letzterer war am Weihnachtsmassaker von Bagheria beteiligt.
26.05.1989: Salvatore Contorno, Kronzeuge aus dem Maxi-Prozeß, wird auf Sizilien verhaftet. In einem anonymen Brief wirft Richter DiPisa, Mitglied des ehemaligen Anti-Mafia- Pools, Richter Giovanni Falcone vor, dem Pentito beim Aufbau einer Anti-Corleonesi-Front behilflich zu sein.
21.06.1989: Ein Bombenanschlag auf Richter Giovanni Falcone mißlingt. Man vermutet hinter dem geplanten Anschlag - mit einer Bombe in der Nähe des Hauses am Strand, dass Falcone gemietet hatte - den Geheimdienst.Deren hochrangiges Mitglied Bruno Contrada wird Jahre später als Bindeglied der Cosa Nostra enttarnt.
06.08.1989: Gioachino Ribisi wird in einem überfüllten Restaurant in Palma de Montechiaro von Killern der Stidda erschossen.
10.08.1989: Der
Präsidentschaftskandidat und Senator Luis Carlos Galan
wird bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bogota
erschossen. Dies ist der Höhepunkt des Wochenlangen Terrors der
Kokain-Kartelle. Hintergrund des Bombenterrors und der Ermordung
ist die Auslieferung des Finanzjongleurs der Kartelle, Martinez
Romero, an die USA.
Ein weiteres Ziel in diesen Tagen ist der Nachfolgekandidat Cesar
Gaviria. In der Annahme, er würde einen bestimmten Flug
nehmen, lässt das Kertell eine Bombe an Bord eines
Zivilflugzeuges explodieren. 110 Menschen sterben.
16.08.1989: Carlos Valencia, Richter am Obersten Gerichtshof von Kolumbien, wird ermordet. Er hatte die Anklagen gegen Escobar und Gonzalo Rodriguez Gacha bestätigt. Daraufhin treten 4.000 Richter in den Streik.
04.10.1989: Im Krankenhaus von Palma de Montechiaro werden die Brüder Carmelo und Rosario Ribisi erschossen. Rosario lag darin, weil er kurz zuvor bei einer Schießerei verletzt wurde. Carmelo war zum Schutz bei ihm. Doch die Killer der Stidda waren mit Maschinenpistolen erschienen und ließen den Brüdern keine Chance.
08.10.1989: Francesco Marino Mannoia wird einer der wichtigsten Pentiti nachdem man seinen Bruder ermordet hatte.
23.11.1989: Aus Rache weil Mannoia zum Pentiti geworden ist, ermordet die Cosa Nostra die Mutter, Tante und Schwester von Mannoia vor ihrem Haus in Bagheria.
05.12.1989: In Kempten wird der aus der Provinz Catania stammende Salvatore Salamone verhaftet. Er gilt als Kopf der Cosa Nostra in Kempten. Dort hat sich eine große Gruppe gebildet. Die Ermittlungen rollen an und enden 1992.
16.12.1989: Gonzalo Rodriguez Gacha, einer der führenden Köpfe des Medellin-Kartells, wird bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet. Augenzeugen sagten jedoch aus, er habe sich mit einer Handgranate in die Luft gejagt um einer Auslieferung an die USA zu entgehen. Gleichfalls wird vermutet, daß Gacha durch Kokain-Kartelle von Medellin und Cali geopfert wurde. Dieser hatte zuvor versucht, dem Cali-Kartell um Rodriguez Orejuela, Absatzmärkte in den USA streitig zu machen, worauf es zu einem Krieg zwischen den Kartellen kam. Das Cali-Kartell besteht aus den Mitglieder Orejuela, José Santacruz Londono und Francisco Helmer Herrera Buitrago
Gonzalo Rodriguez
Gacha, genannt der Mexikaner
Die neunziger Jahre
Mit dem
Zusammenbruch des Ostblocks wandelt sich das Bild des
organisierten Verbrechens. Die sogenannte Russen-Mafia kommt nach
Westeuropa - insbesondere nach Deutschland - und in die USA, wo
sie schon bald eine neue Macht darstellt. Mit ihr im Schlepp-tau
kommen die polnischen, albanischen und rumänischen Banden in den
Westen.
Durch den Bürgerkrieg in Jugoslawien und dem Zerfall des Staates
gelangt eine weitere Gruppe in den Westen. Die Unruhen in
Al-banien 1996/97, die durch betrügerische Bankrotte ausgelöst
wurden, an denen auch die sizilianische Cosa Nostra beteiligt
war, führt zu einem Exodus von Albanern in den Westen. Meist
kommen sie auf illegalen Weg nach Westeuropa.
Die Transportwege der Drogen verschieben sich von der klassischen Balkanroute über die GUS und Polen/Tschechien. Prag und Budapest werden wichtige Stützpunkte der Russen-Mafia. Aber auch die italienischen Verbrechergruppen werden in Prag gesichtet. 1993/94 lassen sich erstmals Verbindungen zwischen Cosa Nostra und Russen-Mafia nachweisen.
1993 wird
festgestellt, daß die N´drangheta von 1979 an zwölf Schiffe
mit radioaktiven Abfall illegal vor der italiensichen Küste
versenkt hat. Der Müll stammte aus italiensichen und
französischen Kernreaktoren.
Der Krieg zwischen den Clans der Imerti und De Stefano findet mit
der Verhaftung von Antonino Imerti ein Ende.
Die
sizilianische Cosa Nostra überläßt fast vollständig den
Drogenmarkt anderen Gruppen, da mit Waffenhandel (Jugoslawien),
illegalen Handel mit Rohstoffen, Atomschmuggel, der illegalen
Beseitigung von Müll und der Geldwäsche mehr Geld zu verdienen
ist. Dazu werden Partnerschaften mit den Russen abgeschlossen,
die ihre Gewinne von den Sizilianern waschen lassen. Etliche
Banken in der GUS werden von Sizilianern gekauft bzw. gegründet.
Ende der 1998 vermutet die russische Regierung, daß 1500 Banken
der Mafia gehören. Zum größten Teil den russischen Gangstern,
aber eben auch einigen Sizilianern. Eine Goldgrube erweist sich
die deutsche Wiedervereinigung in Sachen Geldwäsche. Ca. 80 Mrd.
DM soll allein die Cosa Nostra in Ostdeutschland gewaschen haben.
1991 wurden Milliarden von Rubel durch westliche
Verbrechergruppen gekauft. Damit wurden Gelder
gewaschen. Da der russische Staat dringend Devisen brauchte,
waren allerhöchste Staatsorgane in dieser Affäre verwickelt. Es
wurde der russischen Regierung zugesagt, daß mit den Devisen
dringend benötigte Güter aus dem Westen besorgt würden. Die
gekauften Rubel wurden zum größten Teil auf russischen Konten
deponiert. Der russische Staat sagte den Rubelaufkäufern
daraufhin zu, daß diese Rohstoffe wie Öl andere Rohstoffe, aber
auch Gold zum inländischen Rubelpreis steuerfrei kaufen und
unverzollt exportieren könnten. Damit begann ein gi-gantischer
Rohstoffschmuggel.
Während die sizilianische Cosa Nostra noch zu Beginn der 90er Jahre Angst und Schrecken verbreitet, ist sie Mitte der 90er Jahre fast am Ende. Der Grund lag in der hohen Zahl der Pentiti - der Reuigen. Das Terrorregime der Corleonesi unter Führung von Riina verbreitete auch nach Innen Angst und Schrecken. Etliche Mafiosi wenden sich von dem System ab, da sinnlose und brutale Morde an der Tagesordnung seien und Riina außerordentlich misstrauisch ist und überall Verrat sieht. So kommt es, dass fast 1000 Pentiti zu den staatlichen Behörden "überlaufen" und somit die Cosa Nostra beinahe ausschalten.
Ende der 90er Jahre spielen zwar die klassischen Drogen wie Kokain und Heroin nach wie vor eine große Rolle, doch die syntethischen Drogen stehen an der Spitze des Konsums. Das Goldene Dreieck - Laos, Burma und Thailand - produziert nun überwiegend die Grund-stoffe der synthetischen Drogen, die quasi in ganz Europa hergestellt werden. Für kurze Zeit standen Polen und die Staaten der ehe-maligen UdSSR an der Spitze der Hersteller synthetischer Drogen. Hauptproduzent des Heroins wird das vom Bürgerkrieg zerrütte Afghanistan bzw. umliegende Staaten der GUS. Auf diese Weise wird der Krieg finanziert. Ende der 90er Jahre wurde in Deutschland wieder mehr Heroin konsumiert als Kokain.
Der Drogenmarkt in Deutschland wird weitgehend den Kurden bzw. Schwarzafrikanern überlassen. Im Zuhältermilieu sehen sich die einheimischen Zuhälter Gruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Albanien und der Türkei gegenüber. In Hamburg kommt es zu einem regelrechten Krieg um die Territorien.
Das Kokainkartell von Medellin ist ab 1993 quasi zerschlagen. Die neuen Machthaber stammen aus Cali. 1991 wurden bei - von der DEA, CIA und NSA - abgehörten Telefonaten, Pläne des Medellin-Kartells bekannt, daß zusammen mit den in Venezuela ansässigen Clans der Cuntrera/ Caruana, ein Fernmeldesatelit gekauft werden sollte.
Anfang 1990: Es wird bekannt, dass der Syrer Monzer Al Kassar auch Verbindungen zu den südamerikanischen Kokainkartellen unterhält. Einer der Geschäftspartner ist Jorge Ochoa aus Medellin. Al Kassar soll Kokain aus Südamerika in die USA und nach Spanien geschmuggelt haben. Allein zwischen Februar und Juli 1984 sollen es 1,5 Tonnen Kokain gewesen sein. Die Empfänger in Europa sind unter anderem die sizilianische Mafia und die baskische Terrorgruppe ETA. Al Kassar soll Mitte der 80er Jahre die sizilianische Mafia und französische Gruppierungen in Marseille mit Heroin aus dem Libanon versorgt haben.
06.03.1990: Der Capo von Alcamo, Natale Rimi, der auf Seiten der Verlierer stand, wird in Spanien verhaftet.
April 1990: Das FBI deckt einen Plan des Drogenkartells von Medellin auf. Das Kartell versuchte 120 Luftabwehrraketen vom Typ Stinger in den USA zu erwerben.
Juli
1990:
Marco Ianni, Sohn von Gaetano Ianni, ermordet den
16jährigen Jungen Giovanni Tumeo, der einen
Geschäfts-freund des Vaters überfallen hat. Er schlägt ihm
solange Nägel in den Kopf bis dieser stirbt. Schließlich wird
er in Beton einbetoniert.
In Kolumbien wird der Schwager von Pablo Escobar,
Hernán Henao, gefasst. Er galt als Finanzchef des Kartells
von Medellin.
02.08.1990: Wegen eines Verfahrensfehlers wird Gaetano Ianni freigesprochen. Die Anklage lautete auf Mafiazugehörigkeit und unerlaubten Waffenbesitz.
09.08.1990: Gustavo Gaviria, Cousin und enger Vertrauter von Pablo Escobar, wird erschossen. Angeblich starb er bei einem Schusswechsel mit der Polizei. Man weiß aber, dass zu dieser Zeit die Polizei die meisten Männer des Kartells einfach erschoß.
21.09.1990: Richter Rosario Livantino wird bei Agrigento erschossen. Die Spur der Mörder führt nach Wuppertal. Zu dieser Zeit wird bekannt, daß die Cosa Nostra Deutschland nicht nur als Ruheraum betrachtet, sondern als Operationsgebiet. Besonders seit der Wiedervereinigung. Toto Riina soll oft in Bayern sein. Andere Hochburgen der Cosa Nostra sind Baden-Württemberg, der Raum Mannheim, das Saarland, Ruhr gebiet und Bayern, insbesondere der Raum Kempten. Laut Aussage eines späteren Pentito, gehörten die Mörder des Richters der Stidda an, eine Parallelorganisation der Cosa Nostra. Sie hat sich einst aus ehemaligen Mitgliedern der Familie von Di Cristina aus Riesi gebildet und ist besonders im Raum Agrigento/Gela/Palma di Montechiaro stark vertreten. Sie stünde an Brutalität den Corleonesi in nichts nach und ist auch in Opposition zu den Corleonesi.
27.11.1990: Mafiakrieg in Gela. An einem Tag sterben innerhalb von 25 Min. acht Menschen und sieben werden verwundet. Allein drei werden in einer Spielhölle erschossen. Die Opfer gehörten meist der Gruppe um Giuseppe Madonia an. Marco Ianni erschoß Francesco Rinzivillo.
11.12.1990:John Gotti wird zusammen mit seinen Unterbossen Frank Locascio und Salvatore Sammy the Bull Gravano verhaftet.
John Gotti
Dezember 1990: Antonino Imerti wird von der Polizei verhaftet. Er wird später zu 14 Jahren Haft verurteilt. Damit endet zunächst der Krieg zwischen den `Ndrangehta-Clans Imerti und De Stefano.
18.12.1990: Fabio Ochoa, einer der Köpfe des Kartells von Medellin, stellt sich der kolumbianischen Polizei.
Um 1991: In abgehörten
Gesprächen durch das FBI, der DEA und der CIA wird festgestellt,
daß sizilianische und kolumbianische Gruppen in Venezuela
einen Fernmeldesatelliten kaufen wollten, um so abhörsichere
Gespräche zwischen Südamerika, Asien und West- und Osteuropa zu
ermöglichen.
In Kolumbien eskaliert die Lage. Zwischen Drogenkartellen und
Seperatisten auf der einen Seite und dem Staat auf der anderen
Seite kommt es zu einem regelrechten Bürgerkrieg.
In New York werden die Big Five von folgenden Bossen
geführt: Die Gambino-Familie von dem 51jährigen John
Gotti. Die Lucchese-Familie von Vittorio Amuso geführt.
Diese ist geschwächt, da einer der Bosse der Familie, der
59jährige Alphonse D´Arco nach seiner Verhaftung 1991
geständig ist. Die Bonnano-Familie von dem 48jährigen Joseph
Massina, der in Haft sitzt. Die Genoves-Familie von
dem 63jährifen Vincent Gigante. Die Colombo-Familie
von Victor Orena, da Carmine Persico in Haft sitzt.
1991: Die Partei "La Rete" wird von Leoluca Orlando und dem Jesuitenpater Ennio Pintacuda gegründet. Orlando bezweckt einen Gegenpol zur herrschenden Christdemokratischen Partei zu installieren, die als korrupt und Schutzmacht der Cosa Nostra auf Sizilien gilt.
März 1991: Richter Giovanni Falcone wechselt in das Justizministerium in Rom.
April 1991: Leoluca Bagarella heiratet Vincenzina Marchese, Tochter des Mafiabosses Vincenzo Marchese.
11.05.1991:Emil Pusyrezki, ein Vertrauter Balagulas, wird ermordet. Es ist der Auftakt eines Krieges innerhalb der russischen Mafia in den USA. Der Krieg wird zwischen Monja Elson und Boris Nayfeld ausgefochten, die einst beide Leibwächter von Jewsey Agron waren. Innerhalb der nächsten 13 Monate werden 9 russische Mafiosi ermordet.
15.06.1991:Der Capo von Marsala,
Giovanni Zichitella, wird ermordet.
Am gleichen Tag wird der 15jährige Simon Ianni, jüngster
Sohn von Gaetano Ianni, zum Mörder und erschießt den
lokalen Mafioso Calogero Pulci.
19.06.1991: Pablo Escobar stellt sich den kolumbianischen Behörden. In dem seit mehreren Jahren dauernden Drogenkrieg waren 1.500 Menschen zum Opfer gefallen. Daraufhin war die Polizei und das Militär sehr hart vorgegangen und hat mehrere hochrangige Kartellmitglieder erschossen. Offiziell kamen sie bei Schußwechseln ums Leben. Man weiß jedoch, dass sie einfach erschossen wurden. Da Escobar einige Male nur knapp entkommen war, befürchtet er, das gleiche Schicksal zu erleiden. Gegen die Zusage, dass er nicht an die USA ausgeliefert wird, stellt er sich. Er wird in einem Gefängniskomplex untergebracht, welches er selbst errichten ließ und mit Sauna, Turnhalle und Fußballplatz ausgestattet ist. Unter dem Rasen des Fußballplatzes sind mehrere Mio. Dollar Bargeld und Waffen versteckt.
Juli 1991:Im Restaurant Gianni in Berlin schießen Unbekannte auf Tengis Marianaschwili, dem Leibwächter eines gewissen Efim Laskin. Marianaschwili überlebt, aber vier Tote bleiben zurück.
09.08.1991:Richter Antonio Scopolliti wird erschossen. In den nachfolgenden Monaten (bis November 1991) werden vier Politiker bzw. Bürgermeister auf Sizilien erschossen.
29.08.1991:Der Geschäftsmann Libero Grassi, der sich öffentlich geweigert hatte Schutzgelder zu zahlen und damit zu einer Symbolfigur geworden ist, wird erschossen.
1992:Leonardo Messina,
Unterboß von Caltanissetta, packt aus. Er erzählt
erstmals von der Stidda.
Richter DiPietro deckt den Bestechungsskandal von Mailand
auf. Im Zuge der Er mittlungen wird auch der
Ex-Ministerpräsident Craxi überführt. Er flieht jedoch nach
Tunis.
31.01.1992:Der oberste Gerichtshof stellt massive Fehler von Urteilskiller Richter Carnevale fest. Dieser tritt daraufhin zurück.
26.02.1992: Auf dem Flughafen von Ankara wird Abdullah Catli verhaftet. Er nutzt sein Firmenimperium inzwischen zum Schmuggel von Drogen und der Geldwäsche. Obwohl er wegen Mordes gesucht wird, wird er kurz darauf wieder freigelassen.
12.03.1992:Der Europaabgeordnete und Freund von Ministerpräsident Andreotti, Salvo Lima wird ermordet. Der Mord stellt eine Warnung an Andreotti dar. Die Cosa Nostra fühlt sich von der Christdemokratischen Partei nicht mehr geschützt.
02.04.1992:John Gotti wird nach den Aussagen des Kronzeugen Sammy The Bull Gravano wegen fünfachen Mordes schuldig gesprochen. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt.
30.04.1992:Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft: Die Mafia ist in der Bundesrepublik. Man habe 99 Tatverdächtige ermittelt und 25 Festnahmen im Raum Kempten vorgenommen.
Mai 1992: Die Russen-Mafia wird vom FBI in den USA entdeckt. Vermutlich in der ersten Hälfte des Jahres reist Wjatscheslaw Iwankow in die USA ein. Vermutlich wurde er von den Paten in Moskau gesandt, um die Geschäfte in den USA zu übernehmen.
23.05.1992:Eine Autobombe tötet Richter Giovanni Falcone, seine Frau und drei Leibwächter. Er war auf dem Weg vom Flughafen Punta Raisi nach Palermo. Er war nach Sizilien gekommen, weil er einen Kronzeugen in Trapani verhören wollte. Die Bombe zündete Giovanni Brusca aus San Giuseppe Iata, der gleichzeitig der Patensohn von "Toto" Riina ist. Das Kommando führte Leoluca Bagarella, der Schwager von Toto Riina. Ein anonymer Anrufer erklärt, dies sei ein Geschenk an Salvatore Madonia gewesen, der an diesem Tag im Gefängnis heiratete. Es kommt in Palermo zu großen Anti-Mafia-Kundgebungen.
Richter Giovanni Falcone
09.06.1992:Wegen des Anschlages werden die Gesetze verschärft. In Palermo, Rom und Neapel werden hunderte Mafiosi festgenommen.
03.07.1992: In Madrid wird Monzer Al Kassar wegen eines gefälschten Passes verhaftet. Desweiteren wird ihm der illegale Waffenhandel vorgeworfen. Für ein Jahr muss er hinter Gitter. Nach Interventionen hoher spanischer Politiker wird Al Kassar gegen eine Kaution von 24 Millionen DM freigelassen.
19.07.1992:Um 16.45 Uhr wird Richter Paolino Borsellino und fünf seiner Leibwächter vor dem Haus seiner Mutter in Palermo von einer Autobombe getötet. Erneut kommt es zu Demonstrationen gegen die Cosa Nostra. Bei der Beisetzung werden Politiker als Mörder beschimpft und verprügelt. Richter Antonino Caponetto, einst auch im Anti- Mafia-Pool involviert, gibt unter Tränen zu verstehen, daß alles aus ist. Der italienische Staat sendet 7000 Soldaten nach Sizilien.
Richter Paolo Borsellino
22.07.1992: Weil den kolumbianischen Behörden das Luxusgefängnis von Pablo Escobar ein Dorn im Auge ist, beschließen sie Escobar zu verlegen. Zudem ist seit dem Frühjahr bekannt, das Escobar im Gefängnis drei Morde entweder selbst verübt oder angeordnet hat. In einem Fall wurde ein Mann bei lebendigen Leib in ein Säurefaß gesetzt und aufgelöst. Escobar widersetzt sich diesem Vorhaben und die Militärs müssen das Gefängnis stürmen. Bei dem Schußwechsel und den damit verbundenen Durcheinander gelingt es Escobar zu fliehen.
27.07.1992:Anthony Fat Tony Salerno stirbt mit 80 Jahren an einem Schlaganfall im Gefängnis.
08.08.1992:Der mutmaßliche Mörder von Tengis Marianaschwili, der Tschetschene Saidamin Mussostow wird in seiner Wohnung in Bergen/New Jersey erschossen.
06.09.1992:In Longara/Venetien wird die mutmaßliche Nr. 2 der Cosa Nostra, Giuseppe Madonia, Sohn von Francesco "Ciccio" Madonia verhaftet. Dieser hatte 1980 den Carabinierihauptmann Basile erschossen. Obwohl im Maxi-Prozeß verurteilt, war er kurz danach wieder auf freiem Fuß.
Sept. 1992: Giuseppe Marchese, einst am Weihnachtsmassaker von Bagheria beteiligt, wird zum Pentito.
11.09.1992: Verhaftungen in Italien und Deutschland. In Rom geht einer der Bosse von Catania, Francesco Cannizzaro ins Netz. In Scisciano wird die Nr. 1 der Camorra, Carmine Alfieri, verhaftet. Seine Leute wurden auch schon in Nürnberg gesichtet. In München wird Antonio Riezzo, Mitglied der Sacra Corona Unita, gefaßt.
12.09.1992: Venezuela liefert an Italien die Cuntrera-Brüder aus.
17.09.1992: Ignazio Salvo, einer der Vizekönige von Sizilien, wird in seiner Villa in Bagheria ermordet. Salvo war vermutlich ein Mitglied der Familie von Corleone.
Sept.1992: Ende des Monats läuft die Operation Green Ice in den USA und Italien an. Es werden 201 Haftbefehle ausgestellt.
Oktober 1992: In Prag kommt es zu einem Treffen zwischen Vertretern der russischen und italienischen Mafia. Dies ist in diesem Jahr das zweite Treffen dieser Art. Es geht um die Aufteilung der Gebiete.
06.11.1992:Monja Elson wird bei einer Schießerei in Los Angeles an der Hand verletzt.
14.11.1992: Gaetano Ianni und sein Sohn Simon werden verhaftet. Ianni wird zum Pentito.
26.11.1992: Monja Elson und seine Frau und ein Leibwächter werden am Steuer ihres Wagens von einem vorbeifahrenden Auto beschossen. Sie werden schwer verletzt. Elson verläßt daraufhin die USA.
01.12.1992: Richter Domenico Signorino wird wegen Komlizenschaft zur Cosa Nostra angeklagt.
24.12.1992: Das ranghohe Mitglied des italienischen Geheimdienstes SISDE, Bruno Contrada, wird verhaftet. Er wurde über-führt mehrmals Riina rechtzeitig vor seiner Verhaftung gewarnt zu haben.
15.01.1993: Nach 23 Jahren Flucht wird Salvatore Toto Riina verhaftet. Sein geständiger Ex- Chauffeur Baldassare DiMaggio hat maßgeblichen Anteil daran.
Salvatore
"Toto" Riina
Januar 1993: Aldo Madonia - der jüngste Sohn von Francesco "Ciccio" Madonia - wird verhaftet.
31. Januar 1993: Mehrere Wohnhäuser, Villen und Fincas von Pablo Escobar gehen in Flammen auf. Zu der Tat bekennt sich eine unbekannte Gruppe namens "Los Pepes", hinter der vermutlich Angehörige der Polizei oder des Militärs stecken. Am Tag zuvor war eine Autobombe im Zentrum von Bogota explodiert und tötete 21 Menschen. Die Bombe sollte ursprünglich vor dem Justizpalast detonieren. Sie detonierte allerdings vor einem vielbesuchten Buchladen. Als Drahtzieher des Anschlages gilt Pablo Escobar.
Febr. 1993: Rosetta Cutola, Schwester von Camorra-Boß Raffaele Cutola, und selbst eine Chefin der Camorra, wird in Neapel verhaftet.
27.02.1993: In Italien und Deutschland werden 36 Mafiosi aus Catania verhaftet.
März 1993: Prozeßbeginn gegen Riina. Er soll wie ein Kaiser in der Cosa Nostra geherrscht haben. Mafiosi die nicht aus Corleone stammten, waren Mafiosi der zweiten Klasse.
06.04.1993: Der Killer Giuseppe Croce Benvenuto wird auf dem römischen Flughafen Fiumicino verhaftet.
Mai 1993: Abdullah Catli wird in Großbritannien wegen Geldwäsche festgenommen. Ihm gelingt jedoch kurz darauf die Flucht.
09.05.1993: Papst Johannes Paul II. verurteilt in einer Rede im Tal der Tempel bei Agrigento die Cosa Nostra.
13.05.1993:
An der Cote
d´Azur wird Michele Zaza von der Camorra verhaftet.
Gleichzeitig
werden in Kalabrien rund 150 Personen festgenommen.
15.05.1993: Eine von der Cosa Nostra gezündete Autobombe geht in Rom hoch.
18.05.1993: In einem Bauernhaus bei Mazzarone auf Sizilien wird der Capo von Catania Benedetto Nitto Santapaola verhaftet.
27.05.1993: Vor den Uffizien in Florenz explodiert eine Autobombe und zerstört diese teilweise. Fünf Menschen werden getötet.
Mai 1993: Am Flughafen von Gudalajara in Mexiko wird Kardinal Juan Jesús Posadas erschossen. Die Mörder sollen von zwei Brüder des Arellano-Clans angeheuert worden sein. Posadas war ein erbitteter Gegner der Arellano, die das Kartell von Tijuana bilden. Die Arellano wiederum werden von Carlos Hank Gonzales und dessen Sohn Jorge Hank Gonzales geschützt. Beide sind millionenschwere Unternehmer und betreiben eine Pferderennbahn in Tijuana. Carlos Hank Gonzales ist ein enger Freund des Präsidenten von Mexiko, Carlos Salinas.
04.06.1993: Mario Santo "Santino" Di Matteo wird von der Polizei verhaftet. Er war bei dem Mord an Richter Falcone beteiligt.
Juli 1993: Im römischen Rebbibia-Gefängnis begeht der allererste Mafioso überhaupt Selbstmord in Haft. Es handelt sich dabei um Antonino Gioe, der den Corleonesi angehört. Im selben Gefängnis sitzt Riina ein.
22.07.1993: Der Capo von Porta Nuova, Salvatore Cangemi, stellt sich in Palermo der Polizei.
Sept.1993: In Catania verletzt eine explodierende eine Autobombe vier Carabinieri.
15.09.1993: In Palermo wird dem Priester Don Giuseppe Puglisi ins Genick geschossen. Die Bevölkerung ist entsetzt. Er galt als entschiedener Gegner der Mafia.
15.11.1993: Luciano Liggio stirbt im Gefängnis mit 68 Jahren an Herzinfarkt.
23.11.1993: Giuseppe Di Matteo, der 14jährige Sohn von Mario Santo Santino Di Matteo, wird entführt. Der Junge wird im Haus von Giovanni Brusca fast zwei Jahre lang gefangengehalten und magert bis auf Haut und Knochen ab. Erst dann erwürgt Brusca ihn und läßt ihn in Säure auflösen. Di Matteo war maßgeblich am Bombenattentat auf Falcone beteiligt. Die Bombe selbst hatte Brusca gezündet. Letzterer befürchtete, daß Di Matteo zum Verräter wird. Deshalb ließ er dessen Sohn entführen.
02.12.1993: Pablo Escobar
vom Kokainkartell in Medellin wird erschossen. Damit ist
der letzte große Kokainbaron von Medellin nach einer
monatelangen Jagd ausgeschaltet. Später wird bekannt, dass die
Todesschwadronen "Los Pepes" mit Informationen der
kolumbiansichen und amerikanischen Behörden versorgt wurden, und
zumeist aus abtrünigen Mitgliedern der Polizei und/oder
Mitgliedern des Kokainkartells von Cali, rekrutiert wurden. Diese
Todesschwadronen hatten Dutzende von Verwandten, Geschäftsleute
und Freunde von Escobar ermordet.Escobar selbst wurde bei dem
Feuergefecht von drei Kugeln getroffen. Eine ging durch das linke
Ohr und trat am rechten Ohr aus. Dieser präzise Schuß könnte
ein Zufallstreffer gewesen sein. Aber er nährt die Gerüchte,
dass auch amerikanische Scharfschützen der Delta Forces oder der
SEAL an der Aktion beteiligt waren.
Das Kartell von Cali übernimmt die Macht.
10.01.1994: Boris Nayfeld wird in New York verhaftet. Ein Jahr später packt er gegenüber dem FBI aus.
27.03.1994: Sebastiano Ferrara, die Nr.2 von Messina, wird in seiner Wohnung verhaftet.
April 1994: In Mannheim wird ein in Sizilien gesuchter Mafioso verhaftet.
18.04.1994: In Mailand werden 100 Mafiosi verhaftet. In Neapel werden Firmen und Güter im Wert von 400 Mio. DM beschlagnahmt.
19.04.1994: In Briefen an die Justiz meldet sich der totgeglaubte Bernardo Provenzano. Der Corleonesi verkündet: Ich lebe und ich bin der Boß!
21.05.1994: Die Staatsanwaltschaft von Palermo erhebt gegen Ex-Ministerpräsident Giulio Andreotti Anklage. Unter anderem wegen des Mordes an den Journalisten Pecorelli aus dem Jahr 1981.
10.06.1994: Der Mafioso Mario Santo Santino Di Matteo stellt sich der Polizei in Terni/Umbrien. Er ist Mitglied der Gruppe um Giovanni Brusca und war wie dieser am Anschlag auf Falcone beteiligt. Nach der Entführung seines Sohnes mußte er um sein Leben fürchten.
18.07.1994: Michele Zaza stirbt mit 50 Jahren. Nach seiner erneuten Flucht war er erst kürzlich wieder gefaßt worden.
02.12.1994: Michelangelo La Barbera, ein Mitglied der Kuppel der Cosa Nostra, wird am Stadtrand von Palermo verhaftet. Ihm wird eine Beteiligung an dem Mord des Journalisten Pecorelli vorgeworfen. Er soll auch ein wichtiges Verbindungsmitglied zu römischen Politikern gewesen sein.
1994: Der ehemalige Ministerpräsident von Italien, Bettino Craxi, flieht nach Tunesien, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 2000 weilt. Tunesien besitzt kein Auslieferungsabkommen mit Italien. Craxi galt als entschiedener Gegner der Kommunisten und war in Schmiergeldaffären verwickelt. Man vermutet auch Kontakte zur Cosa Nostra. Sicher ist, dass zu seinem engen Bekanntenkreis auch Silvio Berlusconi gehört.
1995: Sergej Michailow wird der Boden in Moskau zu heiß. Er verlegt seinen Wohnsitz ins Ausland.
13.02.1995: Ex-Minister Mannino wird in Palermo wegen Mitgliedschaft in der Cosa Nostra verhaftet.
07.03.1995: Nachdem wenige Tage
zuvor in Palermo bekannt wurde, daß Andreotti der
Prozeß gemacht werden soll, werden massiv etliche Kronzeugen
unter Druck gesetzt.
In Palermo wird das 36. Familienmitglied von Buscetta,
Domenico Buscetta, ermordet. In Catania werden drei
Männer vor einer Kirche erschossen und in Syrakus ein
Verkäufer erschossen. Die Morde geschehen binnen 5 Stunden.
08.06.1995: Wjatscheslaw Iwankow wird in der Wohnung seiner Freundin in Brooklyn verhaftet und leistet erheblichen Widerstand.
24.06.1995: Leoluca Bagarella, Schwager von Riina, wird in Palermo verhaftet. Er leitete das Mordkommando von Falcone. Bei der Durchsuchung der Wohnung stellen die Ermittler fest, dass dessen Frau Vincenzina Marchese offenbar Tod ist. Ein Bild von ihr ist mit einem Trauerband eingerahmt. Später wächst der Verdacht, dass Bagarella selbst seine Frau umgebracht habe. Hintergrund könnte der sein: Ihr Bruder Pino war als Pentito zur Polizei gegangen.
Leoluca Bagarella
02.07.1995: 52 Personen werden bei einer Gemeinschaftsaktion der deutschen und italienischen Polizei verhaftet. Unter ihnen ist auch der Präfekt von Bari in Apulien, Corrado Catenacci. Ebenso ein Mitglied des Parlamentes. Man wirft ihnen vor Mitglieder der N´drangheta zu sein. Als Schlüsselfigur für die wird der Stuttgarter Pizza-Wirt Mario Lavorato betrachtet. Man vermutet, daß er auch für die Cosa Nostra Gelder in Deutschland gewaschen hat. Bereits zwei Jahre zuvor war Lavorato in den Verdacht geraten, Mitglied der N´drangheta zu sein. Besonders pikant in diesem Fall ist die Tatsache, dass der baden-württembergische CDU-Fraktionsvorsitzende Günther Oettinger ein guter Freund von ihm war.
08.07.1995: Die Nr. 2 des Cali-Kartells, José Santacruz Londono, wird verhaftet.
09.07.1995: Gilberto Rodriguez Orejuela, Boss des Cali-Kartells, und sein Bruder werden verhaftet.
01.09.1995: Carmela Minniti, Ehefrau von Benedetto Santapaola, wird vor den Augen ihrer Tochter von einem unbedeutenden Mitglied der Cosa Nostra, Alberto Ferone, in ihrem Haus erschossen. Ferone rächte sich damit an dem Tod seines Vaters und Sohnes, die Santapaola früher ermorden ließ.
26.09.1995: In Palermo beginnt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen der Prozeß gegen Giulio Andreotti. Der Prozeß wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern.
31.10.1995: In einem Bauernhaus bei Mezzoiuso ruft Bernardo Provenzano die "pax mafiosa" aus. Anschläge auf wichtige Persönlichkeiten werden verboten. Es müsse wieder Ruhe einkehren, damit man in Ruhe den Geschäften nachgehen könne. Für die nächsten sieben Jahre muß Ruhe herrschen. Damit verläßt Provenzano den von Riina eingeschlagenen Weg der Gewalt. Provenzano erhält von der Presse den Spitznamen"das Phantom der Mafia", da es von ihm nur ein fünfundreißig jahre altes Foto gibt und niemand weiß, wie er aussieht.
Bernardo Provenzano als junger Mann. Eines der
letzten Fotos.........
.....heute vermutet man
das ungefähre Aussehen von Provenzano so.
November 1995: John Stanfa, Boß von Philadelphia, wird verhaftet.
12.01.1996: Unter mysteriösen Umständen gelingt José Santacruz Londono, einer der führenden Köpfe des Cali-Kartells, die Flucht aus dem Gefängnis von Bogota.Man munkelt, die CIA habe ihn zur Flucht verholfen. Sechs Monate später findet man seine Leiche mit acht Kugeln im Leib. Angeblich wurde er bei einem Feuergefecht getötet. Es werden jedoch in der näheren Umgebung keine Kugeln gefunden.
16.03.1996: In den USA und Kolumbien erfolgt ein gemeinsamer Schlag gegen die Drogenkartelle und die Cosa Nostra. Juan Carlos Ramirez vom Cali-Kartell stellt sich freiwillig der Polizei. In den USA werden gleich 17 Bosse in verschiedenen Bundesstaaten verhaftet. Darunter der Kopf der Detroiter Familie, Jack William Tocco.
24.04.1996: In der Nähe von Palermo wird Cristofaro Cannella, ein berüchtigter Auftragskiller der Cosa Nostra, verhaftet. Er war ein enger Vertrauter von Leoluca Bagarella, dem Schwager von Toto Riina, und war im Begriff dessen Rolle zu übernehmen.
21.05.1996: Der 39jährige Giovanni Brusca, genannt der Schlächter oder das Ungeheuer, und sein Bruder Vincenzo werden bei Agrigento verhaftet. Er hatte einst die Bombe beim Attentat von Falcone gezündet. Sie wurden verhaftet, als sie sich gerade im Fernsehen einen Film über die Ermordung des Richters ansehen wollten. Auf ihre Spur brachte sie der geständige Mario Santo DiMatteo.
Festnahme von
Giovanni Brusca
1996: Im diesem Jahr verhaftet die Polizei auch Gianni Riina, den Sohn von "Toto" Riina.
11.07.1996: In Wien wird der georgische Multimillionär David Sanikidze um 21 Uhr in der Annagasse erschossen. Sanikidze war einer der höchsten Bosse der russischen Mafia und residierte schon seit längerer Zeit in Wien.
23.12.1996: Der 54jährige Rosario u beddu Sansone, was soviel wie der Schöne heißt, wird in Palermo verhaftet. Er wurde seit zwei Jahren gesucht und gilt als einer der Paten der Cosa Nostra. Am gleichen Tag wird bekannt, dass Brusca einst einen Bombenanschlag auf das Ucciardone-Gefängnis plante, um so eine Massenflucht zu ermöglichen. Dies sagte ein Pentito namens Vincenzo Sinacori aus.
Januar 1997: In Catanzaro beginnt der Prozess gegen 182 mutmaßliche Mitglieder der N´drangheta. Darunter ist auch der Stuttgarter Pizzeriabesitzer Mario Lavorato. Im Dezember 1998 wird die Anklage auch auf Drogenhandel ausgeweitet.
06.02.1997: General Rebollo, Chef der mexikanischen Drogenbekämpfungsbehörde wird verhaftet. Man kann ihm Bestechlichkeit nachweisen. Er hatte sich von einem der mächtigsten mexikanischen Drogenbosse Amado Carillo Fuentes kaufen lassen.
06.06.1997: Der 37jährige Pietro Aglieri wird auf einem Bauernhof in Bagheria verhaftet. Er galt nach Bernardo Proenzano als die Nr. 2 der Cosa Nostra. Wegen seiner guten und eleganten Kleidung und seinen Manieren wurde Aglieri auch der kleine Herr genannt. Man vermutet jedoch, daß er wie Provenzano nur ein Befehlsempfänger von Toto Riina war.
Pietro Aglieri
23.06.1997: Der 42jährige Salvatore il Cacciatore Grigoli wird verhaftet. Der Jäger, wie sein Spitzname bedeutet, hatte 1993 den Pater Don Giuseppe Puglisi ermordet.
26.09.1997: Salvatore Toto Riina wird zu lebenslanger Haft verurteilt.
Dez.1997: Vincent the Chin Gigante wird zu 12 Jahren Haft verurteilt. Man nimmt an, daß der z. Zt. einsitzende Liborio Barney Bellomo der kommende Capo der Genovese ist.
03.03.1998: In Karlsruhe wird der 45jährige flüchtige Capo Alfio Santangelo verhaftet. Sein Clan ist in dem berühmten Todes-dreieck Adrano-Biancavilla-Paterno aktiv.
14.04.1998: Der 39jährige Vito Vitale wird verhaftet. Er gilt als einer der Capi der Corleonesi. Es wird sogar vermutet, daß er der Pate der Familie von Corleone ist, da Vitale von Riina gefördert wurde. Vitale gilt als äußerst brutal und unberechenbar.
Frühjahr`98: Mario Santo Di Matteo verschwindet aus seinem Versteck im Rahmen des Zeugenschutzprogrammes und taucht in Altofonte/Sizilien auf. Es kommt zu einigen Mafia-Toten in der Stadt. Er wird verhaftet als er dabei war eine Familie in der Stadt aufzubauen. Man vermutet, daß er Rache nehmen wollte, für seinen ermordeten Sohn und die Toten der letzten Zeit auf sein Konto gehen.
29.05.1998: Regierungskrise in Italien nachdem der Chef der der Geheimloge P2 Licio Gelli und der Cosa Nostra-Boß Pas-quale Cuntrera vom Cuntrera/Caruana-Clan bei einem Freigang die Flucht ergriffen.
26.06.1998: 64 mutmaßliche Mitglieder der Cosa Nostra werden im Raum Palermo und Catania festgenommen. Man vermutet, daß sie dem Clan der Corleonesi angehören.
16.07.1998: Alfonso Caruana und acht weitere Bosse werden von der kanadischen Polizei in Toronto verhaftet. Caruana gehört zum Cuntrera/Caruana-Clan und gilt als der Kopf des Drogenhandels zwischen Amerika und Europa. Er wurde in Italien bereits in Ab- wesenheit zu 22 Jahren Haft verurteilt.
10.09.1998: In Cannes wird Licio Gelli verhaftet und an die italienischen Behörden ausgeliefert. Im Mai hatte die Staatsanwaltschaft von Palermo mit weiteren Ermittlungen gegen Gelli begonnen. Er wird beschuldigt 1990 zusammen mit "Toto" Riina einen Umsturzplan erstellt zu haben. Das Ziel war es, eine unabhängiges, von Italien abgespaltenes Sizilien zu erschaffen. An diesen Plänen waren offenbar auch Mitglieder des Geheimdienstes und der Rechten beteiligt. Die Staatsanwaltschaft vermutete, dass es sich um Mitglieder der Geheimloge P 2 handelt, die Gelli 1966 gegründet hatte. Die Bombenanschläge von Mailand, Florenz und Rom aus dem Jahr 1993 sollen ein Teil dieses Umsturzplanes gewesen sein.
02.01.1999: In Vittorio, einer Kleinstadt im Südosten von Sizilien, werden in einem Cafe fünf kleine aufstrebende Drogendealer im Alter zwischen 20 und 30 von zwei Killern mit Maschinenpistolensalven erschossen. Es handelte sich bei der Tat vermutlich um eine Abrechnung innerhalb des Carbonara-Dominante-Clans. Der ganze Anschlag dauerte weniger als eine Minute. Den Toten wurden noch in den Kopf geschossen, nachdem sie bereits auf dem Boden lagen.
29.01.1999: In Mainz wird der berüchtigte 31jährige Alessandro Emmanuello verhaftet. Er gilt als Drahtzieher des Massakers von Vittorio und gilt als einer der gefährlichsten Killer der Cosa Nostra.
14.10.1999: 31 Mafiabosse werden bei einer gemeinsamen Aktion von Polizei und Geheimdiensten - darunter auch der CIA - in Kolumbien, Mexiko und Ecuador verhaftet. Darunter ist auch Fabio Ochoa vom kolumbianischen Cali-Kartell, der als führender Kopf gilt.
23.10.1999: In Palermo wird Giulio Andreotti von dem Vorwurf der Zugehörigkeit zur Mafia aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Bereits vier Wochen zuvor war er von einem Gericht vom Mordvorwurf freigesprochen worden. Mitentscheidend war die Verlustigkeit der Glaubwürdigkeit eines der Kronzeugen, der während des Zeugenschutzprogramms einen Mord verübte.
13.12.1999: In Bad Rappenau wird der 52jährige Angelo Luigi Nuvoletta verhaftet. In Neapel lenkte er den berüchtigten Nuvoletta-Clan. Er war ins Unterland gekommen um dort zusammen mit einem 37jährigen Italiener den Drogenhandel von 70%igen kolumbianisches Kokain über Venezuela, den Antillen und Paris zu organisieren. Auf dieser Route wurden zuletzt mehrere Drogen-kuriere und mehrere Kilogramm Kokain durch die Sicherheitsbehörden sichergestellt. Nuvoletta witterte Verrat und wollte mit dem 37jährigen nach Belgien reisen um dort Waffen für Liquidationszwecke zu kaufen.
Der Beginn des 21. Jahrhundert
Zu
Beginn des 21. Jahrhunderts wandelt sich das Bild der OK. Der
Drogenkonsum gehört nach wie vor zu den großen Problemen der
Gesellschaft. Nach wie vor wird das meiste Heroin aus Afghanistan
und dem Goldenen Halbmond geliefert, während die Staaten des
Goldenen Dreieck (Myanmar, ehemals Burma, Laos und Thailand) in
erster Linie synthetische Drogen produzieren. Doch der
Weltmarktanteil an Drogen aus dem Goldenen Dreieck nimmt ab. War
Ihr Marktanteil 1992 in den USA noch bei 90%, so sank ihr Anteil
bis 1998 auf 28%. Kokain - nach wie vor eine der Hauptdrogen -
liefern weiterhin die südamerikanischen Kartelle. Die
Hauptdrogen stellen jedoch die künstlichen Drogen und Heroin
dar. Mexiko hat sich zu einem der größten Heroinproduzierenden
Ländern entwickelt. Ihnen ist es gelungen, Heroin von einem
Reinheitsgrad von ca. 75 - 90% herzustellen. Noch 1996 lag dieser
Anteil zwischen 7 - 20%. Durch die qulitative Aufwertung ist die
Nachfrage nach Heroin aus Mexiko in den USA bedeutend gestiegen.
Mexiko ist in den USA an zweiter Stelle der Quellenländer von
Heroin. Möglich wurde diese rasante Entwicklung durch
Kooperationen mit den kolumbianischen Kokainkartellen, von denen
man lernte. Mexiko war schon seit den 80er Jahren ein wichtiges
Transitland von Kokain aus Kolumbien.
Einen wahren Boom erlebt der illegale Zigarettenschmuggel, der in erster Linie von polnischen und russischen Gruppen gesteuert wird. Nach wie vor sind die polnischen Gruppen an Autoschiebereien im großen Stil verwickelt, auch wenn die Autodiebstähle rückläufig sind. Es wird jedoch beobachtet, dass auch polnische Gruppen verstärkt mit dem Handel von synthetischen Drogen verwickelt sind.
Zu einem lukrativen Zweig entwickelt sich der Menschenschmuggel. Schlepperbanden aus allen Teilen der Welt scheinen dabei zu koordinieren. Die meisten illegalen Einwanderer stammen aus der Türkei (Kurdistan), Afghanistan und Fernost - insbesondere aus China. Als Haupteinwanderungsziel gelten das Vereinigte Königreich und Deutschland.
Eines der größten Betätigungsfelder der OK wird das Internet. Ob Diebstahl von Kreditkartennummern, Aktienschwindel oder gar virtuelle Schutzgelderpressung - im Datennetz scheint alles möglich.
14.04.2000: Der 43jährige Giuseppe Montanti wird in Acapulco verhaftet und an Italien ausgeliefert. Er wurde seit sieben Jahren gesucht und wird der Stidda zugerechnet. Er wurde in Italien in Abwesenheit wegen Mordes an einem Richter verurteilt und galt als der letzte Flüchtige der Stidda. Anfang der 90er Jahre hatte er sich in den südbadischen Raum niedergelassen, ehe er 1993/94 floh. Als seine Tochter, die im südbadischen wohnhaft blieb, heiratete und nun auf der Hochzeitsreise ihren Vater besuchte, konnte das LKA Baden-Württemberg den entscheidenden Tip geben.
Frühjahr 2000: Italienische und spanische Ermittler stellen fest, daß hunderte von Mafiosi aus Italien 2000 nach Spanien geflohen sind und dort seßhaft wurden. Grund: Viele der Mafiosi wurden in Italien in Abwesenheit verurteilt. Die spanische Gesetz-gebung erkennt diese Form der Verurteilung nicht an und kann daher die Flüchtingen auch nicht ausliefern.
16.06.2000:Das FBI deckt einen riesigen Börsenskandal auf, an dem alle fünf New Yorker Mafia-Familien beteiligt waren. 57 Börsenbroker, zwölf Anlageberater, mehrere Buchhalter und ein Polizeibeamter waren neben mehreren Mafiosi verhaftet worden. Die Broker wurden z.T. mit massiver Gewaltandrohung gezwungen die Kurse von mehr als 30 kleineren Unternehmen via Internet mani-puliert zu haben. Der verhaftete Polizist sei Fonds-Schatzmeister des gewerkschaftlichen Pensionsfonds der New Yorker Polizei gewesen. Man habe ihn bestochen und gezwungen, Gelder des Fonds in überteuerte Aktienanlagen gezeichnet zu haben.
04.08.2000:Die spanische Regierung entschließt sich Giovanni Greco an die italienischen Behörden auszuliefern. Er ist in Abwesenheit in Italien verurteilt worden und einer der meistgesuchtesten Mafia-Bosse.
12.10.2000:Der 57jährige Salvatore Toto Genovese, einer der Paten der neuen Cosa Nostra (die Cosa Nostra nach Riina) wird verhaftet. Er lässt sich ohne Widerstand festnehmen Genovese steht seit 1993 auf den Fahndungslisten und wurde bereits in Abwesenheit wegen 7 Morden zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Herbst 2000: Der junge Staatsanwalt Luca Tescaroli wird nach Rom versetzt. Tescaroli hatte zuletzt auch gegen einen Abgeordneten der Partei Forza Italia ermittelt. Die Partei war 1993 von dem Medienmogul Silvio Berlusconi gegründet worden. Bei dem Abgeordneten, gegen den sich die Ermittlungen richten, handelt es sich um einen Vertrauten von Berlusconi, Marcello Dell´Utri. 1999 sagte der inhaftierte Mafia-Boss Salvatore Cangemi - der sich 1993 der Polizei gestellt hatte - aus, Dell´Utri und Berlusconi hätten Toto Riina einst viel Geld für die Ermordung von Falcone und Borsellino bezahlt. Bereits 1994 hatte Cangemi ausgesagt, dass für den Mord an Falcone und Borsellino von hohen Stellen viel Geld gezahlt worden seien. Cangemi hatte sich bis 1999 geweigert Namen zu nennen, da es sich hierbei um seine "Lebensversicherung" handelte. Dell´Utri und Berlusconi weisen diese Behauptungen zurück. Cangemi habe schon früher gelogen. Erschwerend kam aber hinzu, dass gegen Dell´Utri auch in einem Fall von Drogenhandel ermittelt wird. Dell´Utri soll Vittorio Mangano bei der Finanzierung eines Zwei-Millionen-DM-Deal behilflich gewesen sein. Jener Mangano, der im Jahr 2000 an Krebs gestorben war, galt schon seit längerem als "Brückenkopf" der Cosa Nostra in Norditalien. In den 70er Jahren war Mangano in der Villa von Berlusconi in Arcore bei Mailand als "Stallmeister" angestellt.
Dezember 2000: Bernardo Brusca, der Vater von Emanuele, Giovanni und Vincenzo Brusca, stirbt im Gefängnis. Er galt als ebenso gefährlich wie Giovanni Brusca.
Februar
2001:
Vincenzo Virga wird verhaftet. Er gilt als ein enger
Vertrauter von Bernardo Provenzano.
Im gleichen Monat wird in einem Bauernhaus bei Mezzoiuso
(ca. 40 km von Palermo entfernt), nahe einer Autobahnabzweigung
der Autobahn Palermo-Agrigento Benedetto Spera und
Professor Vincenzo Di Noto verhaftet. Spera gilt als die
rechte Hand von Provenzano. Professor Di Noto, pensionierter
Direktor des Krankenhauses von Palermo, suchte Spera auf, weil
dieser an einem Leiden der Prostata litt. Der 70jährige Di Noto
gilt als der Vertrauensarzt der Cosa Nostra. In jenem Bauernhaus
fand wurde 1995 von Provenzano die "pax mafiosa"
ausgerufen. In dem Haus werden auch Briefe an Provenzano von
dessem Sohn Angelo und dessen Ehefrau Saveria Benedetta
gefunden.
17. Mai 2001: In Neapel gelingt es italienischen Spezialeinheiten den 59jährigen Angelo Nuvoletta zu verhaften. Er hatte sich im Hafenviertel versteckt und gehörte zu einem der meistgesuchtesten Camorra-Bosse in Italien. Mitte der 90er Jahre war der wegen Mordes zu lebenslanger Haft Verurteilte auf der Flucht.
August 2001: Giovanni Brusca und dessen älterer Bruder Emanuele Brusca, genannt das Doktorchen, arbeiten als erste - und bislang einzigste Mitglieder der Verbündeten von den Corleonesi - intensiv mit der Polizei zusammen. Sie machen Aussagen über die Beziehungen zwischen dem ehemaligen Ministerpräsidenten Andreotti und Salvatore Riina. Giovanni Brusca gesteht über 150, weniger als 200 Menschen ermordet zu haben. Emanuele Brusca hatte bereits im Jahre 2000 seine fünfjährige Haftstrafe abgesessen und seinen Bruder zur vollständigen Aussage aufgefordert. Der jüngste Bruder, Vincenzo Brusca, war die rechte Hand von Giovanni. Die Mutter Antonia Brusca, deren Mann im Dezember verstorben ist, schämt sich dessen und wagt es nicht mehr auf die Straße zu gehen.
11.09.2001: In New York wird nach einem Anschlag das World Trade Center zerstört. Die wochenlangen Aufräumarbeiten werden zu einem goldenen Geschäft für die Mafia, da die meisten Abfuhrunternehmen von ihnen kontrolliert werden.
Februar
2002:
Italienischen Meldungen zufolge erwägt der 68jährige Bernardo
Provenzano sich den Behörden zu stellen. Provenzano ist
Nierenkrank und geht vermutlich am Stock. Fahnder vermuten, dass
die Macht Provenzanos schwindet und er sich dessen bewußt ist.
Schon ein halbes Jahr zuvor hat Leoluca Orlando in einem
Interview gesagt: "Wenn die neuen, unbekannten Bosse, die
Anzug und Krawatte tragen, und vier, fünf Sprachen sprechen, ihn
nicht mehr benötigen, dann lassen sie ihn sowieso fallen."
Ein Bruder von Provenzano wohnt seit vielen Jahren in der Nähe
von Frankfurt am Main.
März 2002: Die Staatsanwaltschaft von Palermo fordert 10 Jahre Haft für den ehemaligen Ministerpräsidenten Andreotti. Der 83jährige Andreotti, der 1999 in erster Instanz freigesprochen wurde, höhnt, dass er sich jung fühle und sich freue, dass die Staatsanwälte auch davon ausgehen, dass er noch zehn Jahre zu Leben hätte.
16.04.2002: Der 57-jährige Mafiaboss Antonino Giuffré - ein angeblich enger Vertrauter von Bernardo Provenzano - wird verhaftet. Er wurde seit neun Jahren von der Polizei gesucht.
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copyright by Jochen Richter
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