COLLAGEN von Stefan von Erckert



MILLE GRAZIE, Stefan - mit diesen Bildern bist Du ein Freund von Uns!!!
..
...Joseph Massino in Haft!
Der letzte
große Mafia-Boss von New York musste am Freitag seinen 60.
Geburtstag in der Untersuchungshaft feiern. Tags zuvor hatten
Staatsanwaltschaft und Bundespolizei FBI bekannt gegeben, dass
Joseph C. Massino wegen schwerer Verbrechen in 19 Fällen
angeklagt worden war.Massino gilt als Pate des
geheimnisumwitterten Bonnano-Clans. Mit ihm wurde der letzte der
insgesamt fünf großen Mafia-Bosse von New York verhaftet.
Auf der Anklagebank im Bezirk Brooklyn sitzen neben Massino seit
Donnerstag auch drei seiner engsten Vertrauten.
Die US-Staatsanwaltschaft und die Bundespolizei FBI sprechen von
einem schweren Schlag gegen das organisierte Verbrechen in der
größten Stadt Nordamerikas.
Massino werden Mord, Anstiftung zum Mord, die Führung eines
Verbrecherrings, Schutzgelderpressung und weitere Verbrechen, die
teils 22 Jahre zurückliegen, vorgeworfen - mehr dazu in
"Langer Schatten von 'Donnie Brasco'".
Verrat durch eigenen Sohn
Massino sei von seinem eigenen Sohn verraten worden, berichtete
die "New York Times" .
Der Staatsanwaltschaft sei es trotz der scheinbar eisernen
Verschwiegenheit des Bonnano-Clans gelungen, Massinos Sohn und
zwei weitere Mitglieder des Bonanno-Clans "umzudrehen",
als sie Haftstrafen wegen kleinerer Delikte absaßen.
Dem
Bonnano-Paten sei es dank strikter Geheimhaltung innerhalb seines
Clans über viele Jahre hinweg gelungen, polizeiliche
Ermittlungen ins Leere laufen zu lassen, erklärte
Staatsanwältin Roslynn R. Mauskopf.
Anders als der legendäre Mafia-Boss John Gotti, der rauschende
Feste, auffallende Kleidung und Luxusautos liebte, habe Massino
sich nur extrem selten in der Öffentlichkeit blicken lassen.
"Arbeitsbesprechungen"
habe er unter konspirativen Bedingungen abgehalten, wobei alle
Teilnehmer stets auf Wanzen untersucht worden seien.
Mobiltelefone habe er seinen Leuten wegen der Abhörgefahr
verboten.
Oft habe er Treffen nach Mexiko oder Sizilien verlegt, um
überraschende Aktionen des FBI zu verhindern.
Um die alte Tradition der Verschwiegenheit und der totalen
Ergebenheit für den Boss aufrecht zu halten, habe Massino immer
wieder junge Leute aus alteingesessenen sizilianischen Familien
zu sich nach New York geholt.
Langer Schatten von Donnie Brasco
Dem
inhaftierten Mafia-Boss Joseph C. Massino werden von der
US-Staatsanwaltschaft zwar fast zwei Dutzend Verbrechen zu Last
gelegt, doch eines ragt über die anderen hinaus: der Mord an
seinem führenden Untergebenen Dominick Napolitano 1981.
Der einflussreiche Napolitano, genannt "Sonny Black",
wurde im Sommer 1982 in einem Sumpf von Staten Island tot in
einem Leichsack gefunden. Seine Hände waren abgeschnitten.
Napolitano
war ein Jahr zuvor verschwunden, nachdem ein FBI-Undercoveragent
die Ergebnisse seiner fünfjähriger Ermittlungen im Bonanno-Clan
publik gemacht hatte.
Der als "Donnie Brasco" getarnte Polizist hatte
Napolitanos Vertrauen gewonnen und ihm den Zugang zum innersten
Kreis der "ehrenwerten Familie" verdankt.
Der Capitano
musste für seinen Leichtgläubigkeit mit dem Leben bezahlen. Die
Clan-Spitze zog aber noch weitere Konsequenzen: Absolute
Diskretion wurde zum Lebensprinzip der "Familie".
Die Enthüllungen von "Donnie Brasco", der unzählige
Mafia-Gespräche mitgeschnitten und zahlreiche weitere Beweise
gesammelt hatte, führten zu zahlreichen Strafverfahren.
Die Ermittlungen zum Mord an Napolitano verliefen allerdings
zunächst im Sand.
1997 wurde
die Geschichte des FBI-Agenten "Donnie Brasco", der
heute Joseph D. Pistone heißt, und seines "Ziehvaters"
Napolitano mit Johnny Depp und Al Pacino verfilmt.
5 Bosse hinter Gitter
Die
US-Staatsanwaltschaft klagt jetzt den 60-jährigen Clan-Boss
Massino und den 65-jährigen Bonnano-Capitano Frank Lino Sr. des
Mordes und der Anstiftung zum Mord an.
In einem anderen Mordfall wurde auch Massinos Stellvertreter
Salvatore Vitale angeklagt. Der heute 55-Jährige soll 1992 die
Tötung des Geschäftspartners Robert Perrino veranlasst haben.
Der Clan habe Perrino verdächtigt, mit den Behörden
zusammenarbeiten zu können.
Massino,
Lino, Vitale sowie dem vierten Angeklagten Daniel Mongelli (36),
der als geschäftsführender Capitano bezeichnet wird, droht
lebenslange Haft.
26 weitere mutmaßliche Mitglieder des Bonanno-Clans wurden
bereits früher wegen zahlreicher Straftaten - darunter
Erpressung in einer Parkgarage von Manhattan - angeklagt.
Unter ihnen
ist laut "New York Times" (Freitag-Ausgabe) auch
Perrinos mutmaßlicher Mörder Richard Cantarella. Auch er
arbeite seit kurzem mit den Ermittlungsbehörden zusammen.
Genovese,
Colombo, Luchese, Gambino und Bonanno - diese fünf
"Familien" beherrschen laut US-Justizbehörden die
Unterwelt von New York.
Mit der Anklageerhebung gegen Bonanno-Chef Joseph C. Massino
seien aber so gut wie alle führenden Köpfe der fünf New Yorker
Mafia-Clans wegen Gangstertums entweder angeklagt oder bereits
verurteilt, schreibt die "New York Times"
(Freitag-Ausgabe) unter Berufung auf US-Ermittler.
Laut
Staatsanwältin Roslynn R. Mauskopf verdeutlichen die Anklage
gegen Massino und der Verrat durch den eigenen Sohn, wie weit der
Zerfall der traditionellen Mafia-Strukturen unter dem Druck
massiver Verfolgung durch die New Yorker Polizei vorangeschritten
sei.
Der Kampf
gegen die "Krake" müsse dennoch energisch
weitergeführt werden.
"Chin"
zieht Fäden aus der Haft
Der mächtigste aller Bosse, Genovese-Chef Vincent Gigante alias
"Chin", zieht seine Fäden des größten
Verbrecher-Kartells der USA schon seit 1997 aus dem Gefängnis.
Gigante hatte sich dem Zugriff der Justiz zuvor immer wieder
entzogen, indem er Unzurechnungsfähigkeit vortäuschte und zur
Demonstration jahrelang stets im Schlafrock und Pantoffeln durch
Manhattan schlurfte. Wird der bald 75-Jährige nicht vorzeitig
entlassen, kommt er erst 2007 frei.
2001 wurde zwar Anklage gegen 38 Genovese-Mitglieder und gegen
sieben Angehörige der anderen Clans erhoben, Eingeweihte gaben
sich aber nicht der Illusion hin, dass die New Yorks organisierte
Kriminalität erschüttert wurde.
Ex-Luchese-Pate
übergelaufen
Im September des vorigen Jahres lief der frühere Pate der
Luchese-Familie zur Polizei über. Zugleich bekannte sich Joseph
Defede der Erpressung von Geldern schuldig. Der Mafia-Boss ist
seit 1998 in Haft. Ihm werden auch Mord, illegales Glücksspiel
und Geldwäsche zur Last gelegt.
New Yorks Mafia lebt
In letzter
Zeit war es um die New Yorker Mafia allerdings ruhig geworden.
Laut Korrespondentenberichten fragten sich die New Yorker
zeitweilig, ob sich deren "Captains" wohl alle zu
Börsenmaklern gewandelt hätten.
Doch die Mafia in Amerikas größter Stadt wächst und gedeiht,
wenn auch weit unauffälliger als in den vergangenen Zeiten der
offenen Feuergefechte.
Während New Yorks Straßen - auch zur Zufriedenheit der lichtscheuen Mafiosi - in den vergangenen zehn Jahren ganz erheblich sicherer wurden, breitete sich die "Krake" weiter aus.Insgesamt "managen" die fünf "Familien" - die Gambinos sind Vorbild für die Mafia-Fernsehserie "Die Sopranos" - eine weit verzweigte und straff organisierte Untergrundwirtschaft. Jährlich setzen sie Milliarden Dollar um.
Längst
gehören dazu nicht nur "traditionelle" Bereiche wie
Rauschgifthandel, Prostitution, illegales Glücksspiel und
Schutzgelderpressung.
Die Geldwäsche ist international geworden mit Verbindungen von
Moskau über New York bis auf die Bahamas, seit russische Gangs
Kooperationen beim "Umrubeln" von Schwarzgeld-Dollar
aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion suchten.
Selbst an der Wall Street mischen nach Überzeugung der
US-Ermittler einige Investment-Experten mit, die im Sold der
Mafia stehen. Deren Geld soll auch Internet-Unternehmen auf die
Beine geholfen haben, und zwar weit über den Bereich der
Porno-Anbieter hinaus.
Genovese-Chefs von Detective X enttarnt
In "Rigoletto's Restaurant", mitten in der Bronx, war er Stammgast. Genau wie die Herren des Genovese-Clans, die ihm vertrauten, wurde der Mann vom Wirt mit Handschlag begrüßt.
Doch inzwischen ist der Undercover-Agent, dessen Identität selbst in der FBI-Führungsetage nur wenige kennen, irgendwo in den Weiten Amerikas untergetaucht. Und mehr als 70 New Yorker Mafiosi sitzen im Gefängnis.
"Umgedrehtes" Clan-Mitglied?
Wie "Detektiv X" die Meisterleistung gelang, in die Chefetage des Genovese-Clans aufzusteigen, bleibt ein Geheimnis. Die US-Medien vermuten, dass es sich um ein "umgedrehtes" Mitglied des Clans handelt.
Der lebensgefährlichen Arbeit, die "Detektiv X" drei Jahre lang in der Unterwelt leistete, verdankt die Bundesstaatsanwältin Mary Joe White ein Füllhorn an Belastungsmaterial - von Bankauszügen über Tonbandaufzeichnungen bis hin zu Videoaufnahmen versteckter Kameras.
Ende 2001 - Monate nach einer der größten Verhaftungswellen in der US-Kriminalgeschichte und zahllosen Verhören - erhob sie Anklage. Den New Yorkern hat White damit ins Bewusstsein gerufen, dass neben fanatischen Terroristen auch noch ganz gewöhnliche Verbrecher ihre Stadt im Visier haben.
Das FBI
hofft zwar, die geheimen Strukturen der Mafia nachhaltig
beschädigt zu haben. Doch dass die "Krake" tödlich
getroffen wurde, glaubt niemand.
Obwohl der mächtigste aller Bosse, Genovese-Chef Vincent Gigante alias "Chin", schon seit 1997 im Knast sitzt, befehligt er ebenso wie Rosario Gangi, der "Captain of Manhattan", bisher selbst vom Gefängnis aus seine Leute, wie "Detektiv X" belegen konnte.
Das
Beweismaterial des Maulwurfs zeigte, dass die moderne Mafia der
alten an Brutalität in nichts nachsteht. "Wen Du
umlegst", ist da zu hören, "kann Dir egal sein, so
lange der Boss es befohlen hat."
Erschreckendes
Bild der Unterwelt
Die wenigen bekannt gewordenen Einzelheiten aus den insgesamt
Hunderte von Seiten umfassenden Anklageschriften fügen sich zu
einem erschreckenden Bild der Unterwelt zusammen. "Da hat
sich in Jahrzehnten nicht viel geändert, außer dass es kaum
noch Schießereien auf offener Straße gibt", sagt ein
Ermittlungsbeamter.