| 1883 | Franz Kafka wird am 3.6. von Hermann Kafka und Julie in Prag geboren. Er war das erste Kind der beiden.Er wuchs allerdings nur unter der Obhut von Köchinnen, Ammen und Dienstmädchen auf. Die Eltern sah Kafka selten: Der Vater hatte in seinem ständig vergrößernden Geschäft ein Domizil aufgeschlagen, und die Mutter mußte stets um ihn sein, als Hilfe und als Ausgleich gegenüber den Angestellten, die dem Vater als "Vieh, Hunde und bezahlte Feinde" galten. (aus "Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande" und andere Prosa aus dem Nachlaß) |
| 1889-1901 | In diesem Zeitraum besuchte Kafka die "Volksschule am Fleischmarkt" in Prag und ab 1893 das Altstädter deutsche Gymnasium, eine überwiegend jüdische Bildungseinrichtung.
Dort widmete sich fast die Hälfte der Unterrichtsstunden den beiden klassischen Sprachen Lateinisch und Griechisch. Ein Klassenkamarad schätzte ihn wie folgt ein:
"Wenn ich von Kafka etwas Charakteristisches sagen soll, dann ist es das, daß an ihm nichts Auffälliges war. Er war immer rein und ordentlich, unauffällig und solid, aber niemals elegant gekleidet. Die Schule war für ihn immer etwas, was ihn im Innersten nicht sehr berührte, was aber ordentlich gemacht werden mußte. Wir hatten ihn alle sehr gern und schätzten ihn, aber niemals konnten wir mit ihm ganz intim werden, immer umgab ihn irgendwie eine gläserne Wand. Mit seinem stillen, liebenswürdigen Lächeln öffnete er sich die Welt, aber er verschloß sich vor ihr. Von meinen anderen Mitschülern könnte ich viel mehr sagen, weil sie als Freunde mitteilsam waren. Was mir im Gedächtnis haftengeblieben ist, ist das Bild eines schlanken, hochgewachsenen, jungenhaften Menschen, der so still aussah, der gut war und liebenswürdig, der freimütig jedes Andere anerkannte und doch immer irgendwie entfernt und fremd blieb." (aus Klaus Wagenbach, Franz Kafka. Eine Biographie seiner Jugend) |
| 1901-1906 | In diesem Zeitraum studierte Kafka an der deutschen Universität in Prag. Erst wollte er Chemie, Kunstgeschichte oder Germanistik machen, entschied sich aber dann für ein Jura-Studium. |
| 1902 | Im Oktober diesen Jahres hatte er die erste Begnung mit seinem Freund Max Brod, der später zu seinem besten Wegbegleiter und Mensch an seiner Seite wird und der gegen Kafkas Willen seine Werke nach Kafka's Tod veröffentlichte. Außerdem hat er das Jurastudium an der deutschen "karl-Ferdinands-Universität Prag" begonnen. |
| 1906 | Im Juni wurde Kafka zum Doktor der Rechte erklärt. Zur selben Zeit entstehen viele heute in Vergessenheit geratene oder nicht mehr auffindbare Werke. |
| 1906-1907 | Kafka machte ein Rechtspraktikum am Landes- u. Strafgericht und fing mit dem Werk "Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande" an. 1907 bekam er eine Anstellung bei der Versicherungsanstalt Assicurazioni Generali in Prag und hat somit versucht, den Ansprüchen seines Vaters gerecht zu werden und ihm zu zeigen, dass er auf eigenen Füßen stehen kann und nicht immer nur an den Vater gebunden ist. |
| 1908 | In der Zeitschrift "Hyperion" werden die ersten kleineren Werke von Kafka unter dem Titel "Betrachtungen" veröffentlicht. Am 30. Juli fängt er einen Job bei der "Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen in Prag" an. 1910 wurder er dort Konzipist, 1913 Vizesekretär, 1920 Sekretär und 1922 Obersekretär. |
| 1909 | Im September unternahm er eine Reise mit seinem Freund Max Brod und dessen Bruder Otto nach Norditalien. Dort entsteht der Bericht "Die Aeroplane in Brescia", welcher kurz darauf in der Bohemia, einer Prager Tageszeitung veröffentlicht wurde. Im Herbst hat er mit der Arbeit der zweiten Fassung des Werkes "Beschreibung eines Kampfes" angefangen. |
| 1910 | Eine Auswahl an kurzen Werken erscheint unter dem Titel "Betrachtungen" in der Bohemia. Im Oktober reiste er mit Max Brod und Otto nach Paris. Er hatte Kontakt zu der Schauspielerin Jizchak Löwy und in diesem Jahr begann er auch mit seinen Tages-und Reisebüchern. |
| 1911 | Im Sommer reiste er mit Max Brod in die Schweiz, nach Norditalien und nach Paris. Anfang Oktober hatte er einen kurzen Aufenthalt im Sanatorium Erlenbach bei Zürich. |
| 1912 | Mit Max Brod reiste er im Sommer nach leipzig und Weimar. Danach war er im Naturheilsanatorium "Jungborn" bei Stapelburg im Harz. Im August begegnete er das erste mal der Berlinern Felice Bauer in Prag und ab September begann der Briefwechsel zwischen den beiden. |
| 1913 | 1913 hatte Kafka erhöhten Briefwechsel mit Felice Bauer, die er Ostern das erste mal in Berlin besuchte. Ende Mai erscheint "Der Heizer. Ein Fragment" im Kurt Wolff Verlag, im Juni erscheint "Das Urteil und im September reiste er nach Wien, Venedig und Riva. |
| 1914 | Am 30. mai reiste er mit dem Vater nach Berlin zur Verlobungsfeier mit Felice Bauer am 1.6. Allerdings hielt die Verlobung nur kurze Zeit an, denn am 12. Juli entlobte er sich wieder. Im Juli unternahm er auch eine Reise nach Marielyst. Anfang August hat ermit "Der Proceß" begonnen. Im Oktober erschien "In der Strafkolonie". Im selben Jahr begann er noch "Briefe an Felice" und "Das Schloss". |
| 1915 | Im januar begegnete er zum ersten mal nach der Entlobung Felice Bauer. Desweiteren erscheint sein neues Werk "Die Verwandlung" in der Oktoberausgabe der Zeitschrift "Die weißen Blätter". Außerdem erhält er das Preisgeld des Fontane-Preises von Carl Sternheim als Zeichen seiner Anerkennung. |
| 1916 | Kafka hatte erneut eine engere Beziehung zu Felice Bauer, mit der er auch im Juli einen gemeinsamen Urlaub in Marienbad verbrachte. "Das Urteil" erscheint im Kurt Wolff Verlag im November. |
| 1917 |
1916 und 1917 enstehen einige kurze Werke, die später in "Ein Landarzt aufgenommen wurden. |
| 1918 | Bei seiner Arbeit, der Arbeiterunfall-Versicherung werden die deutschen Chefs entlassen. Kafka kann als Paradejude bleiben und wird 2 jahre später Bürochef. |
| 1919 | Im Sommer verlobte er sich mit Julie Wohryzek. Im Herbst erscheint "In der Strafkolonie" im Kurt Wolff Verlag. Er beginnt mit dem Werk "Brief an den Vater". |
| 1920 | Im April machte er einen Genesungsurlaub in Meran. Außerdem begann er den Briefwechsel mit Milena Jesenskà, die Kafka's Werke ins Tschechische übersetzt hat und seine 2. große Liebe wurde. Anfang des Jahres erscheint die Werkesammlung "Ein Landarzt" im Kurt Wolff Verlag. Im Julie hat er das Verhältnis zu Jesenskà wieder aufgelöst. Ab Dezember war er für 8 Monate im Sanatorium Matliary in der hohen Tatra. Dort schloss er mit dem Mediziner Robert Klopstock. |
| 1921 | Ab Herbst ist Kafka wieder in Prag. Im Oktober gibt er die Tagebücher an Milena Jesenskà. |
| 1922 | Zwischen Januar und Februar hatte er einen Aufenthalt in Spindlermühle im Riesengebirge. Er begann auch mit dem Werk "Das Schloss" und "Ein Hungerkünstler". Am 1. Juli wird Kafka pensioniert und hielt sich danach mit Ottla in Planá an der Luschnitz im Böhmerwald auf. |
| 1923 | Im Julie begegnete Kafka das erste Mal Dora Diamant in Müritz. Im September siedelte er von Prag nach Berlin(erst nach Steglitz, dann nach Zehlendorf) über und hatte dort eine Lebensgemeinschaft mit Dora Diamant. In diesem Jahr entstehen die Werke "Eine kleine Frau", "Der Bau", "Josefine" und "Forschungen eines Hundes". |
| 1924 | Der Gesundheitszustand von Kafka verschlechterte sich allmählich und kontinuierlich. Im März kehrte er wieder nach Prag zurück und es entstand das Werk "Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse". Danach ging er zu einem Sanatoriumaufenthalt im Sanatorium Wiener Walkd in Ortmann nach Österreich und anschließend zur behandlung zu Professor Hajek in Wien und letztendlich in das Sanatorium Dr. Hugo Hoffman bei Wien. Am 3. Juni verstirbt Franz Kafka und am 11. Juni wird er auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz beerdigt. Er hinterlässt die erst 1925 gefundenen "Briefe an die Eltern", die er teilweise auf seinem Sterbebett verfasst hat. Nach seinem Tod werden durch seinen langjährigen Freund Max Brod und gegen seinen Willen, sehr viele Werke von ihm veröffentlicht. |