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FRAUENGRUPPE MIT DEKONSTRUKTIVISTISCHEN ANSPRUCH?
Geht denn das ...

Zuerst ein Auszug eines Textes, dessen Aussagen bzw. Fragen wir unterstützen.

„Warum auch dieses permanente erzwungene Training zu Ordnung, Überordnung und Unterordnung, sich innerhalb bestehender Strukturen zu bewegen, sie zu akzeptieren und mit ihnen auch die Einteilung in genau zwei entgegengesetzte und eindeutig gegeneinander abgegrenzte Geschlechter – wie auch die Einteilung in angeblich so genau gegeneinander abgrenzbare Völker, Nationen, Ethien, Rassen? Warum werden bestimmte äußerliche Körperliche Merkmale gleich bestimmte psychische und geistige Eigenschaften und bestimmte gesellschaftliche Rollen zugeschrieben? Warum diese stete Zurichtung auf dieses umfassenden System der Kategorien und Hierachien? Warum auf so vielen Ebenen, in so vielen Bereichen immer wieder dieses lebenslange – bewusste wie unbewusste – Training und dieser permanente Zwang zu statischer Einteilung, eindeutiger Zuordnung, unveränderbarer Abgrenzung, festgelegter Struktur, unumstoßbarer Ordnung?“

[AGGPG - Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie u. Gynäkologie, www.postgender.de]

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Alles um uns herum ist konstruiert– realistische Konstrukte durch die in vielen Köpfen stattfindende Reproduktion von vorgegebene Verhaltens- und Ordnungssysteme.
So lasst uns einfach mal anders denken - es dekonstruieren,– es zerlegen, verflüssigen, entwerten, zerdenken.

So einfach ist das leider nicht.
Grundlegende, patriarschal konstruierte, herrschaftliche Weltanschauungen und Auffassungen hatten etliche Jahrhunderte Zeit um sich in Systemen von Kultur, Politik, Medizin, Religion, Nation usw. zu verfestigen.
Daher sind sie oft nicht offenbar sichtbar und benennbar. Wir tragen sie unbewusst in unseren Köpfen herum oder erkennen sie als selbstverständlich an.

Wer sich also hoch motiviert auf den befreienden Denkansatz der Dekonstruktionstheorie stürzt findet sich schnell in einem Knäul komplexer Zusammenhänge von unzähligen miteinanderverbundenen Fäden wieder, in welche man sich mit Leichtigkeit verheddern kann. Theorie, Gelabber, Passivität und Gemütlichkeit lächeln einem bequem entgegen.

Wer glücklich und zufrieden, mit dem Wissen von 2, 5 oder 8 dicken Wälzern, in Diskussionen übers Dekonstruieren schlaumeiert, redet bald nur noch von eben dieser diskursiven Welt und kann auf reale Herrschaftsverhältnisse kaum mehr eingehen – nimmt sie nicht mehr wahr. Wer also mit der Logik der Theorie die Praxis verliert – blendet ziemlich schräg aus, was im lebendigem Umfeld so stattfindet.
Und bei der ausreichend vielfältigen Thematik Geschlechterverhältnisse sind Themen wie Homophobie, erzwungene zwei-geschlechter Gesellschaft, Sextourismus, Frauenhandel und sexuelle Gewalt nach wie vor aktuell und nicht so einfach durch dekonstruktivistische Ansätze wegzudenken.

Geschlechtliche Dekonstruktion funktioniert auch nicht durch mal eben schnell Kleider auszutauschen, was natürlich auf einer performativen Ebene auch ganz spaßig und provokativ sein kann.
Denn Identitäten, wie Frau und Mann, sind keine bloßen Denkfehler. Die Identität, das Selbstverständnis, gilt es ernst zu nehmen, da sie ein Ergebnis vieler subjektiver, emotionaler, positiver wie auch negativer Erfahrungen ist. Sie ist entstanden durch die jahrelangen Konfrontation mit gesellschaftlich vorhandenen Verhaltens- und Denkmustern.

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Wir, als Frauengruppe mit dekonstruktiven Anspruch, befinden uns innerhalb der interessanten Spannung, einerseits nicht mehr bestimmen zu wollen bzw. zu können, was eine Frau ist, anderseits die Notwendigkeit, die gesellschaftlichen [Ungleich-]Verhältnisse mit Hilfe des Begriffes „Frau“ aufzeigen zu müssen.

Also übernehmen wir die Kategorie und Identität „Frauen“ als provokanten Hinweis auf eine gemeinsame geschlechtsgebundene Unterdrückungsgeschichte. Der vereinheitlichende, fremdbestimmte Begriff („Frauen“) soll zu einem analytischen, politischen Begriff werden.
Diese Identität ist nicht festschreibend sondern lebendig und wandelbar, nichts feststehendes, nichts zusammenfassbares, nichts Identisches. Ein unabsehbares Feld von Differenzen, also ein Zustand der ständigen Offenheit, Undeutbarkeit.

Eine feministische Kritik, die u.a. die Geschlechtsklassifikation als Herrschaftskonstrukt zurückweist, stellt alle totalisierenden Gesten, alle identitätspolitischen Praktiken und immer wieder eigene Lebens- und Denkweisen in Frage.
Eine Arbeit der Enttarnung und Aufdeckung, sie ist experimentell, spielerisch, nicht identifizierend. Zweifel gegenüber jedem Urteil, Skepsis gegen „Ordnungen“: Dieses Vorgehen destabilisiert eine Ordnung, auf die jede Herrschaft über andere angewiesen ist.

KAMPF DER HERRSCHENDEN ORDNUNG!
heißt immer noch:
KAMPF DEM PATRIARCHALEN SYSTEM!


Frauengruppe G.I.K., [Geschlecht Ist Konstruiert]