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Flyer von März 2000


Frauen sind Frauen, Männer sind Männer.
Das Universum ist eine Scheibe und das Patriarchat ist gut.


Reden wir von uns:
Martina lebt seit Jahren in der Lesbenszene, jetzt heißt er Martin.
Um Martin in den FrauenLesbenzusammenhängen zuzulassen, mußte er immer wieder als Frau vereindeutigt werden (ob nun wegen der Sozialisation oder der Biologie). obwohl er im Alltag oft als Mann wahrgenommen wurde und wird.
Die unterstellte Eindeutigkeit funktionierte nicht In der FrauenLesbenszene gab es Übergriffe, Anfeindungen. Infragestellungen ob Martin(a) wirklich kein Mann sei. Beispielsweise beim Einlaß auf einem Lesbentreffen, wo eine Lesbe
Martin(a) am Bart zog mit den Worten: "Ist das echt?". Ein Beispiel von Vielen.
Nehmen wir Peter. Peter lebte lange Zeit als Mann. Irgendwann war damit Schluß. Heute lebt sie als Petra .Um Petra aus der FrauenLesbenzene auszuschließen muß sie als Mann vereindeutigt werden (aufgrund der -Sozialisation oder der Biologie) obwohl sie im Alltag als Frau lebt. Beispielsweise wird sie mit den Worten „Männer raus" auf einer FrauenLesbenParty zur Tür raus komplimentiert. Eine jener Frauen, die "Männer raus" propagierte, war gleichzeitig auch jene, die Petra draußen vor der Tür unter den Rock ging. Ein Beispiel vom Vielen.
Oder reden wir von Rainer-Maria. Um ihn/sie als Intersexuelle ausschließen oder einschließen zu können, wird
Rainer-Maria entweder der einen oder der anderen Seite zugeschlagen, über ihre/seine Existenz wird nicht geredet, weil das jedes System der Zweigeschlechtlichkeit offenkundig widerlegt Wo es biologisch keine Zuordnungskriterien mehr gibt, wo die biologische Zuordnung versagt, da kann auch die soziale Zuordnung nur hohl werden. Nur in der Unsichtbarmachung seiner/ihrer Existenz lässt sich schon die Auslese im Sinne „Die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten vor die Tür" praktizieren.
Wir haben die Blicke hinter unseren Rücken satt, das Getuschel über unsere Existenz und ob uns unsere Existenz abgenommen wird oder nicht. Es wird nicht mit uns geredet sondern Ober uns. Wir haben die Schnauze voll unsichtbar gemacht zu werden und ständig Gefahr zu laufen angegriffen zu werden. Zum Teil erleben wir unseren Alltag (ob in den verschiedenen Szenen genauso wie auf der Straße) als einen permanent «Krieg gegen unsere Existenz. Wir sind ständig auf der Hut, wer von wo wie angreift oder ob es sich um gute Absichten handelt. Oder müssen große Kraftanstrengungen aufbringen, die Angriffe auszublenden.
Wir betteln nicht um Auseinandersetzung. Wir fordern sie ein.
Es kann nicht angehen, das sich die FrauenLesbenszene seit Bestehen nicht mit unserer auseinandersetzt, es ist ein Unding das nach der letzten Lesbenwoche keine Diskussion statt denen sich irgendwelche politischen Maßstäbe herauskristallisiert hatten, die unserer Existenz Rechnung tragen wurden. Das hat Gründe.
Unserer Meinung nach gibt es keinen logischen Grundlagen, auf Grund dessen wir nun geduldet oder ausgehalten werden oder irgendwo rein oder nicht rein dürfen, oder willkommen sind. Jede Party, jede Veranstaltung für „Frauen", „FrauenLesben" ist eine Party der Ausgrenzung von Intersexen, Transexuellen, Transgender. Wir erkennen politisch keinen Maßstab der irgend eine logische Orientierung beinhaltet, wo wir nun wirklich willkommen sind und wo nicht. Wir unterstellen, dass das „Dazwischen" nicht ausgehalten wird, weil wir patriarchale Zuordnungen durchbrechen, weil ein „Dazwischen" liebgewonnene Sicherheiten der reinen (was immer das sein soll) FrauenLesbenszene zerstört. Wir unterstellen weiterhin, das aufgrund dieses immensen Druckes sich für die eine oder andere Seite entscheiden zu sollen, so viele Menschen den Weg in die Bastelstuben der Medizinerinnen antreten um sich zu vereindeutigen, um durchzugehen. Und/oder an Depressionen kaputt gehen; Oder sich umbringen.

Dazwischen...
Selbst wenn wir uns entscheiden, tatsächlich in die eine oder andere Richtung zu gehen und z.B. Hormone zu spritzen oder Testetorone zu fressen, wir werden etwas Drittes bleiben. Wer. wie gesellschaftlich praktiziert, Zwitter auf den OP-Tisch schmeißt wird auch kein anderes Ergebnis bekommen als was Drittes. Und da können die Masken des Äußerlichen nicht wirklich darüber hinweg täuschen.
Wir unterstellen, das diese Gesellschaft uns nicht aushält. Höchstens als Partygag, oder neuer Kick in den Homogazetten oder als zukünftige Sexarbeiterinnen. Das Dazwischen wird unserer Ansicht nach auch nicht in der FrauenLesbenszene ausgehalten, weil unsere Existenz die biologischen Maßstäbe durcheinander bringt und eindeutige Zuordnungen zu Strukturen, die nach Geschlechtsidentitäten aufgeteilt sind, in Frage stellt. Und diese
Geschlechtsidentitäten sind überall am Wirken. Nur in der Abgrenzung zur Heterogesellschalt haben sich die Schwulen und Lesben ihre Nischen gebastelt Immer schön auf der Grundlage dessen, zu glauben das die Welt in Frauen und Männer aufzuteilen sei. Damit haben sich die Wale der heterosexistischen Gesellschaft m die FrauenLesbenszene (bzw. in die Schwulenszene) hinein verlängert.
Wenn unserer Existenz nicht Rechnung getragen wird, dann wird das patriarchale Modell der Zweigeschlechllichkeit reproduziert und in die jeweilige Struktur verlangen So einfach ist das.
Wenn aber Männer, Männer und Frauen, Frauen sind, dann ist das Universum eine Scheibe und das Patriarchat ist gut. Dann sollte das auch ehrlicherweise, so benannt werden und dann ist das Abfeiern der XX-Gene auch die richtige Konsequenz- damit wird der Biologismus richtig benannt und jede politische Sprengkraft gegen das Patriarchat hat sich damit erledigt. Am Besten sollte jede dann XX auf der Stirn tätowiert haben, damit die transexuellen Frauen ausgrenzbar bleiben, falls ihre OP dank der Allmacht der Medizinerinnen äußerlich Erfolg hatte. Wir fragen uns allerdings wie es um transexuelle Minner bestellt ist. deren Chromosomensatz zwar auf der Stirn mit „XX" bezeichnet wird, die aber zum Feind übergelaufen sind? Und die Intersexen? Die kommen in
den Zoo als Abart...
Wir sagen dem Biologismus den Kampf an, weil wir an einem Widerspruchsverhältnis gegen das Partriarchat
festhalten..

Bündnisse mit wem? Und Wogegen?
Wir denken, das die patriarchale Gewalt in unterschiedlicher (oder in ähnlichen Formen) von Männern wie Frauen ausgeübt wird oder ausgeübt werden kann. Die patriarchale Gewalt unterscheidet sich je nach Sozialisation, der die biologische Zuordnung voraus ging. Eine sichere Umgebung wo diese Gewalt nicht am Wirken ist. gibt es unserer Auffassung nach nicht. Wir halten diese Vorstellung für eine Illusion... Wir glauben, das patriarchale Gewalt einer ständigen Aufmerksamkeit und Sensibilität bedarf. Und das es den Willen braucht zur Gegenwehr überzugehen. Das sich diese Gegenwehr in erster Linie gegen eine Dominanz richten muss, die von selbstherrlichen, weißen sogenannten Männern ausgeübt wird, halten wir angesichts herrschender Verhältnisse für selbstverständlich (natürlich gibt es aber ebenso Täter wie Täterinnen).
Angenommen diese Sichtweise wird geteilt, dann fragen wir Euch, warum werden dann die Abweichungen von der biologischen Frauennorm so stark abgewehrt? Warum hat sich seit Bestehen von Frauen und Lesbenkreisen kein Maßstab herausgebildet, der uns und unsere Existenz in ein politisches Verhältnis eindenkt? Wir stellen fest: für unsere An- oder Abwesenheit gibt es keinerlei politische Maßstäbe, auf die wir uns wirklich beziehen könnten. Wir bewegen uns in einem biologistischen Tretminenfeld, ständig Gefahr laufend sozial ausgegrenzt oder angegriffen zu werden.

Fragen...
Haben sich die Vorausetzungen die früher die FrauenLesben als Strukur trugen und stimmig erscheinen mögen (oder wie z.B. am Beispiel von Intersexen nie waren) sich heute nicht überholt? Werden heute statisch gewordene Muster verfolgt? Bedarf es nicht einer neuen politischen Bestimmung? Will die FrauenLesben Szene Zweigeschlechtlichkeh aufrechterhalten oder wird die Zweigeschlechtlichkeit als patriarchales Unterdrückungsverhältnis gesehen, gegen das auch vorzugehen wäre?
Wir stellen die Fragen bzw. haben diese Flugblatt geschrieben, weil wir Klarheit darüber bekommen wollen wo unsere Verbündeten im Kampf gegen das Patriarchat sind?
Wir stellen die These in den Raum, das wenn es gelinge die Bilder von dem was Frauen und Männer sind zu zerschmettern und alle in Unklarheit über ihr eigenes soziales Geschlecht zu schmeißen, die Bedingungen für patriarchale Organisierung der Gesellschaft ungleich schwieriger, wenn nicht unmöglich wären.
Wir reden nicht der „Auflösung der Geschlechter“ das Wort, der in Mode kommenden Transformation der Geschlechterrollen als Partyhopping, als heute hüh, morgen hott, weil dies mit dem Wissen betrieben wird klar zu haben was Frauen und Männerrollen sind.
Wir lassen uns nicht vereinnahmen von wissenschaftlichen
Diskursen die uns in ihre Queertheorie einpassen wollen.

Wir sind da! (Huhu!)


Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn wir auch die Fragen leben, leben wir Vielleicht auch allmählich, ohne \es zu merken, eines fremden Tages in die Antwort hinein.

anarchistische Entgrenzerlnnen - Die mit dem Zwitter tanzen -