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Feiert
Euch doch selber
von Michel Reiter
Überlegungen zu einem Vorsymposium "Das Unbehagen mit dem Geschlecht.
Möglichkeiten und Grenzen medizinischer Entscheidungsfindung bei
Intersexualität" auf der 45. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft
für Endokrinologie in Magdeburg am 7.3.01 mit Anbindung an das 4.
Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie vom 23.3.-25.3.01
Der 7. März 2001 versprach ein Novum. Zwei, chirurgische Eingriffe
an Minderjährigen stark einschränkende Gerichtsurteile aus Kolumbien
1999, ein das medizinische Management scharf angreifende Manuskript von
Hazel Glenn Beh und Milton Diamond im Jahr darauf, die Veröffentlichung
des Falles John / Joan von John Colapinto sowie diverse Pressemitteilungen
zur genitalverstümmelnden Praxis auch im deutschsprachigen Raum lieferten
Medizinern Anlaß genug, sich Aussagen zur Geschlechterkonstruktion
aus der Geisteswissenschaft zu stellen.
Die Erwartungen waren hoch, doch mit der Programmfestlegung wurde deutlich,
dass die personelle Besetzung nicht den Ansprüchen genügte:
unbekannte Personen waren eingeladen, nicht alle mit dem Tagungsbuisiness
oder internen Informationen aus der medizinischen Praxis bekannt und einzig
der Beitrag aus den Rechtswissenschaften versprach Merk-Würdiges.
Diese negative Voreinschätzung wurde zur selbsterfüllenden Prophezeihung:
im rd. 250 Sitze großen Raum eines Hotels gehobener Klasse in Magdeburg
verkamen die ersten beiden Vorträge von Gabriele Dietze und Hanne
Loreck zur männlichweiblichen Selbstbeschau durch Reproduktion jener
den Genderstudies entnommenen Konstruktionsweisen der Zweigeschlechtlichkeit.
Nur nebenbei wurde erwähnt, dass die vorgetragenen Thesen kompatibel
mit jenen von John Money sind: der Mensch kommt als tabula rasa auf die
Welt und daher sind Geschlechtszuweisungen am Menschen grundsätzlich
unproblematisch. Im Kontext der medizinischen Diskussionen um die Herstellung
der Geschlechter und gleichzeitiger Konstruktion einer Intersexualität
ist diese Ansicht dem medizinischen Management förderlich und legitimiert
es kulturwissenschaftlich.
Da die beiden Vortragenden zudem sichtbare Mühe hatten, ihren Text
flüssig abzulesen, war die Reaktion verhalten und Disskussionsfragen
aus dem etwa 70 Personen zählenden Publikum gab es keine. Lebendigkeit
kam unter einigen Ärzten auf, als Ulrike Klöppel sie in wesentlichen
Punkten einer Methodenkritik ihrer Studien unterzog, deren Ergebnisse
stets reproduzieren, was der Lehrmeister Money vorgab.
Es gilt aber zu bedenken, dass StudentInnen bereits in ihren ersten Statistiksemestern
lernen, wie ein Output wunschgemäß erzeugt wird, ohne die Daten
vorsätzlich zu fälschen. Da von einer Manipulationspraxis interdisziplinär
reger Gebrauch gemacht wird, wurde bedauerlicherweise eine wichtige, erkenntnistheoretisch
zu formulierende Frage nicht angesprochen: auf welchen Grundlagen basieren
wissenschaftliche Entscheidungen, die bekanntermaßen erhebliche
Auswirkungen auf Individuen haben können.
Interessanter wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag von Konstanze
Plett. Rechtlich existiert keine Geschlechtsdefinition, mit einer Ausnahme:
als Mutter gilt jene Person, die das Kind gebährt. Die Begriffe Körper,
Geschlecht und Sexualität entkoppeln sich vielmehr zunehmend. Dies
gibt einem aktuellen Antrag auf Eintragung eines 'dritten' Geschlechtes
gute Aussichten auf Erfolg. Plett verdeutlichte zudem die rechtliche Begrenzung
medizinischer Handlungsspielräume, denn bei therapeutischen Eingriffen
gilt stets der aus dem Amerikanischen übernommene informed konsent.
Hierunter ist nicht nur eine umfangreiche Aufklärung des Klienten
durch den Mediziner zu verstehen, sondern letzterer hat sich unter Einbezug
internationaler Literatur fachlich auch stets zu qualifizieren. Der §
1631c BGB läßt zudem bereits die Sterilisation an Minderjährigen
unbenommen einer Einwilligung in den Eingriff nicht zu. Manipulationen
an den Genitalien, zumal ein Standesbeamter keine körperliche Eindeutigkeit
zur geschlechtlichen Eintragung eines Kindes in die Personenstandsurkunden
fordern kann, dürften als noch schwerwiegender gelten.
Aber: wo kein Kläger, dort kein Richter. Unter den gegebenen Umständen
exzessiver kultureller Tabuisierung der Zwitter ist das Rechtsdenken somit
fortschrittlicher als die Praxis. Die Botschaft des informed consent aber
wurde verstanden: in den Riegen der Ärzteschaft wurde es verdächtig
still.
Schließlich wurde der Vormittag mit der Vertretung einer Selbsthilfegruppe,
Helen Guhde und selbst MedizinerIn, beendet, die deutlich zum Ausdruck
gab, mit Fachkollegen verschiedener Disziplinen Kooperationen eingehen
zu wollen. Es war die Rede von einigen Kurskorrekturen im medizinischen
Management, etwa intersexuelle Kinder nicht anzulügen, sondern aufzuklären
und nicht als abartig zu disqualifizieren, sondern als Menschen zu sehen.
Ihr Vortrag begann als einzige ReferentIn mit einem "Sehr geehrte
Damen und Herren" und endete mit einem Pädoyer für die
Selbsthilfe. Ein etwas verzweifelt erscheinender Arzt fragte anschließend
noch, wie mit Eltern und Kindern verfahren werden solle, die sich resistent
gegen solche Kontaktmöglichkeiten zeigen. Die Antwort blieb aus und
das Publikum begab sich in die Mittagspause.
Ob sich das Anliegen der Organisatorin dieser Veranstaltung, Stefanie
von Schnurbein, gemäß einem "transdisziplinären Brückenschlag"
erfüllte, da eine solche "Veranstaltung nur Zukunftsperspektiven
hat, wenn es uns gelingt, zwischen den beiden Teilen eine Verbindung herzustellen",
erscheint möglich. Ist ein unpolitischer, unter gegebenen Umständen
reaktionärer Schmusekurs doch ausdrücklich gewünscht, wenn
betont wird, medizinische Fachdisziplinen und Selbsthilfegruppen sollten
künftig miteinander in ein Gespräch kommen.
Relevanter als zuvorige Ausführungen erscheint daher eine allen Beiträgen
gemeinsame Auslassung: wenn Genderdiskurse zur Eindämmung medizinischer
Eingriffe an nicht Einwilligungsfähigen zum Zwecke geschlechlicher
Ordnungsphantasien schlicht nicht greifen und eine geschlechtliche Polarisierung
derart massiv wie im Falle uneindeutiger Geschlechtsmerkmale durchgesetzt
wird, dann muß das Monster selbst thematisiert werden. Monstervorstellungen,
üblicherweise als Teil des abgespaltenen Selbst analysiert und verortet
in konkreten Phänomenen wie Mißgeburten, Hermaphroditen und
Siechenden, dargestellt in zahlreicher medizinischer Lektüre, teratologisch
aufbereitet und bis in die Gensequenz hinein analysiert, für unwert
erklärt und dem Abort übergeben, gleichfalls getrennt von den
noch im Mittelalter gültig erklärten Fabelwesen, können
ebenso aus einer diametral gelagerten Perspektive gelesen werden: Überschreitung
des kulturell nicht Zugelassenen und gleichwohl fester Bestandteil einer
Gesellschaft, nur als die andere Seite ihrer eigenen Einschränkungen
binnen einer dialektischen Matrix.
Monster verweisen auf die Demarkationslinie des sozial legitimen und zugleich
auf die Funktionsweisen binnen des Normalen. Es ist bereits eine hybride
Figur, nicht reduzierbar auf das Abgespaltene, dem Fremden und Anderen
Zugesprochene und stete Ironie: Codeproduktion des Normativen und sich
ihm zugleich entziehend. Daher ist es auch nicht integrierbar, sondern
kann nur obsolet werden überall dort, wo Grenzen aufgehoben sind.
Der Zwitter wird erst dann nicht mehr existieren, wenn polarisierte Geschlechterordnungen
aufgehoben sind, der Ausländer verschwindet dort, wo Globalität
normal geworden ist, das Mißgebildete tritt nicht mehr in Erscheinung,
wenn den Körperfunktionen kein Gewicht beigemessen wird und die Distinktion
zwischen Mensch und Tier findet dort ihr Ende, wo Chimären alltäglich
sind. Das Paradox lautet: wer Monster verschwinden lassen will, muß
sich mit der ihnen zugewiesenen Logik anfreunden und der Normativität
geschuldete Privilegien aufgeben. Monster stellen damit stets eine kulturelle
Herausforderung, sie sind die Wegweiser sozialgesellschaftlicher Entwicklungen.
Wer sie kulturell nicht in Erscheinung treten läßt, so die
banale Konsequenz, verhindert gesellschaftliche Weiterentwicklungen. Werden
figurativ gewordene Exemplare, binnen der Monstervorstellungen auf Phänomene
reduzierte Menschen vernichtet, impliziert dies stets einen Verlust kulturellen
Wissens, welches über die Analyse einer Innenperspektive nicht erreichbar
ist.
Es existiert daher auch die dauerhafte Notwendigkeit, neue Monster zu
kreieren, denn eine Gesellschaft, die selbstreferentiell zirkuliert und
sich ob ihrem Bestandserhalt von anderen abgrenzen muß, ist zu permanenter
Performance ihrer selbst verpflichtet. Diese Gesellschaft ist aktuell
weit davon entfernt, sich ihren eigenen Monstern zu stellen, deren Quantität
und vielfältige Konstellation ob des aktuellen Gesundheits- und Körperfetischismus,
der Kontroll- und Bevölkerungspolitik, der kapitalistisch motivierten
Globalisierung und normativer Leitgedankenphantasmen vielmehr stetig zunimmt.
Es mangelt nicht an Beispielen und darum ist es auch möglich, sich
der inhärenten Logik der Monsterfigur zu widmen, wie sie im Folgenden
kurz angerissen werden soll:
1. Das Monster ist eine ausschließlich metaphorisch zu verstehende
Figur zur Verkörperung kultureller Anliegen - der Zeit, der Gefühle
und der konzeptionellen Strukturen. Seine Unabhängigkeit und Unsterblichkeit
verdanken sich der Angst, Wunsch, Phantasie und Besorgnis all jener, die
kulturelle Grenzen nicht als vorgegeben hinnehmen und gleichwohl binnen
ihnen leben. Das Monster bewohnt die Grenze nach dem Umbruch und vor dem
Neuanfang und es verweist als Hybridgestalt auf beides.
2. Das Monster ist grundsätzlich nicht faßbar, denn es hinterläßt
zwar Spuren, ist aber selbst nicht sichtbar. Die teratologische Beschreibung
des Hermaphroditen in der Medizinliteratur etwa verweist auf seine Existenz,
obwohl er im Alltag nicht wahrgenommen werden kann, denn diese Gesellschaft
ist nicht in der Lage, mehr oder weniger als zwei Geschlechter zu erkennen.
Das Monster ist stets inmateriell und durch seine Spuren virtuell, potentiell
möglich, zugleich ver- und entkörpert. Es ist der Prototyp der
virtuellen Realität.
3. Monster können nicht leicht verortet werden, sie sind die Krisengestalten
kategorieller Vereindeutigungen und verweisen auf logische Brüche,
denn ihre Resistenz gegen das abendländisch so vertraute binäre
Denken entzieht sie der systematischen Strukturierung. Gleichfalls ontologisch
nicht nachweisbar, ist das Monster problematisch. Der Brisanz dieser Tatsache
wurde Rechnung getragen durch Rassekonstruktionen und Einschreibung des
Monsters in ein kohärentes epistemologisches System - jedoch vergebens,
da keine logische Schlüssigkeit bei restloser Erfassung möglich
ist. Daher werden als Krisenerscheinung der Aufklärung einerseits
auch Hoffnungen in genetische Screenings gesetzt - denn was nicht faßbar
ist, soll auch nicht existieren - und es wird andererseits die metaphorische
Komponente des Monsters außer acht gelassen und die Idee seines
Erfinders mit einer vorgeblichen Physis verwechselt, um sodann von einer
phantasierten Essenz auf eine Existenz fehlzuschließen. Dieser Zirkelschluß
führt dazu, dass das Monster an anderem Ort zu anderer Zeit immer
wieder neu erscheinen wird.
4. Das Monster als das dialektisch Andere oder Dritte, die Verkörperung
des Außen, das Jenseitige, ist der Ort der Einschreibung kulturell
relevanter Distinktionen, vorwiegend nationaler, politischer, rassischer,
wirtschaftlicher oder geschlechtlicher Art. Zahlreiche Beispiele sind
aus Religion, Politik und Geschichte bekannt und wurden in Analysen zu
Misogynie, Rassismus und Antisemitismus als Beispiele kulturell Verworfenem
erörtert. Die Gemeinsamkeit der sozial verhinderten Gruppierungen
besteht in stetem Verschmieren der Grenzen zwischen kulturellen und personellen
Körpern. Ein Monster vertritt immer zugleich beide Aspekte. Daher
muß es auf beiden Ebenen auch verfolgt und idealiter vernichtet
werden.
5. In einer hochtechnisierten und -spezialisierten Gesellschaft wie der
westlichen verläßt man sich im Aufspüren und Sanktionieren
des Monsters auf Experten. Zugleich wird es durch diese Spezialisten erst
neu hervorgebracht, das Monster fragmentiert, rekombiniert und multipliziert
sich unendlich. Die daraus entstehende exponentielle, kapitalistischen
Verwertungsprinzipien dienliche Aufwandssteigerung entspricht der Hydra.
Resultat ist, dass permanent neue Differenzen erfunden werden müssen,
da das Monster nicht nur auf die Relativität von Differenz hinweist,
sondern jene kulturellen Systeme angreift, in welchen Identität konstruiert
wird. Somit wird es auch als überindividuelle Erscheinung begriffen,
die eine ganze Gesellschaft bedrohen kann.
6. Das Monster verweist nicht nur auf kulturell unausgeschöpfte Möglichkeiten
kategorieller Ausdehnungen und Vermischungen, sondern warnt zugleich vor
der Ausweitung in jene unsicheren Gebiete, die es selbst bewohnt. Als
kulturelle Projektionsfläche wird es massenmedial oft eingesperrt
und in sicherem Terrain vorgeführt. Die Botschaft lautet: Monster
sind gefährlich und es ist ratsam, sich im sicheren Raum der bisher
domestizierten Bereiche zu bewegen. Das Monster begrenzt die intellektuelle,
geographische oder geschlechtliche Mobilität durch die Androhung,
mittels Kontakt zu ihm selbst zu einem werden zu können.
Dieses pädagogische Lehrstück zeigt die Fäden auf, die
eine Kultur zusammenhalten und Bereiche, die nicht überschritten
werden dürfen: Hierarchien, geschlechtliche Polarität, domestizierte
Terrains, Gesetz usw. Eine Analyse des Monsters aus der Sicht desselbsen
ist eine wichtige kulturelle Lesehilfe.
In hiesiger Gesellschaft ist die Verbannung des Monsters Militär,
Medizin und Justiz vorbehalten. Diesen Institutionen ist gemeinsam, dass
sie nur in Krisenzeiten öffentlich in Erscheinung treten wenn es
gilt, nationale Territorien, Volksgesundheit und Leitgedanken zu definieren
oder den status quo zu garantieren. Sie werden angerufen, für die
Interessen dominierender Bevölkerungsgruppen einzutreten, Diskrepanzen
auszuräumen und innere Sicherheit zu garantieren. Als Grenzwärter
arbeiten sie in einer Scharnierfunktion zwischen Verbotenem und Legitimem,
stehen in permanentem Kontakt mit dem Monströsen, ohne sich ihm empathisch
annähern zu dürfen und lernen zu können.
Im Bewußtsein kultureller Monsterphantasien kommt einer nun anzusprechenden
medizinischen Veranstaltung, dienlich der fortgeschriebenen Geschlechternormierung,
eine Doppelfunktion zu: einerseits walten die kulturschaffenden Ärzte
ihres Amtes und verschärfen die Zulässigkeitskriterien der ihnen
verantwortlich übergebenen Kategorien, andererseits lacht das Monster,
dem durch Ausschußproduktion stets neue Gefährten zur Seite
gestellt werden.
Wenn vom 23.-25.03.01 auf dem 4. Berliner Symposium für Kinder- und
Jugendgynäkologie Vorgehensweisen gegen Adipositas (Fettsucht) und
Kriterien zum Körpermassenindex diskutiert, das in neuerer Zeit eingeführte
PCO-Syndrom (polyzystische Ovarien) mit Bedrohung einer Vermännlichung
des Weiblichen thermatisiert, "angeborene genitale Fehlbildungen
und ihr Einfluß auf die künftige Sexualität und Fertilität
bei Mädchen", also Zwitterbildungen eruiert, sowie Entwicklungsvarianzen
hinsichtlich Körpergröße und Geschlechterdifferenzierung
zum Zwecke einer Klärung "für die unverzichtbare Differenzierung
von Normvarianten gegenüber tatsächlicher Pathologie" sondiert
werden und das Veranstaltungsprogramm mit einem Bild heiratender Teenies
und dem Pharmaslogan "Damit schon der erste Wurf ein Voll-Treffer
wird" zum Antibiotika Augmentan verziert ist, dann spricht dies zwar
nicht für intellektuelle Komplexität, aber für die Bereitschaft,
in jedem nur erdenklichen Falle bei Abweichung von den eigenen medizinischen
Normen zu intervenieren und dies bekanntlich, ohne in der Durchführung
allzu zimperlich zu sein.
Wie zu jedem solcher Treffen werden auf dem Symposium multimedial aufbereitete
Vorträge mit Bildern verstümmelter Genitalien, dicker sowie
nach erfolgreicher Therapie auf ein Normalmaß zurechtgestutzter
Menschen und ekelerregende Mißbildungen zu sehen sein. Ein Monströsitätenkabinett,
das sich Institutionen selbst erschaffen, um sich ihrer Existenzberechtigung
und Identität zu versichern.
Ein mögliches Gelächter ob der Absurdität einer solchen
Veranstaltung aber verstummt dort, wo sich der konkrete Mensch und im
aktuellen Falle Kinder vor Augen gehalten werden, die reale Versuchskaninchen
neuer therapeutischer Methoden sind, einzig dem Zwecke geschlechtlicher
Normenkonstruktion geschuldet.
Wird das Monster unter dem Blickwinkel des Humanen betrachtet, dann zeigt
sich deutlich, dass zwar formal die Zivilität dieses Landes betont
wird, welches Menschenrechte achte, sich aber in der offenkundigen Verletzung
der körperlicher Integrität des Kindes die ganze Brutalität
des patriarchalen Modells von Herrschaft zeigt - und zwar ungebrochen
und allem postmodernen, Fortschritt versprechendem Gerede zum Trotz.
Offenbar resultiert der Begriff einer Fortschrittsentwicklung in der realen
Verschärfung sozialer Verhältnisse. Diese Gesellschaft kann
den von ihnen geschaffenen Monstern eben immer weniger in das Angesicht
sehen.
Literatur: Cohen, Jeffrey Jerome (1996): Monster Theory. Reading Culture.
Minneapolis, London: University of Minnesota Press Schüßler,
Marina / Kathrin Bode (1992): Geprüfte Mädchen - Ganze Frauen.
Zur Normierung der Mädchen in der Kindergynäkologie. Bern: efef
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