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Wenn Widerstand, dann Radikal ...
deswegen Gesellschaftsanalyse und Kritik immer und überall

Was ist Geschlecht?
Bin ich eine Frau, weil ich einen Busen habe, oder weil ich eben kein Mann bin? Bin ich eine Frau, weil ich mich so fühle, oder weil es mir eben jeder sagt?

Unter radikaler Kritik und Analyse verstehen wir, komplexe Strukturen welche unsere Weltanschauung als auch unser Selbstverständnis durchziehen bewusst zu machen; d.h. aufzuzeigen, auseinandersetzen, evtl. benennen, in frage stellen, strategisch nutzen ect.
Individuelle Identität, welche unsere Weltanschauung als auch unser Selbstverständnis beinhaltet, wurde wesentlich davon geprägt das wir von anfang an in weiblich oder männlich aufgeteilt wurden. Dies beinhaltet all die erwarteten Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen, welche unterschiedlich gewertet werden und vielvältige Hierachien entstehen lassen.
Sexismus als strukturelles Gewaltverhältnis in dieser Gesellschaft zu erkennen erfordert nicht zuletzt auch einen bewussten Umgang mit den uns alltäglich umgebenden Medien. Um radikale Kritik zu formulieren, ist es daher nötig deren Wirkungsweisen auf unser Lebensumfeld und uns selber in allen Tönen annähert zu erkennen.



Neben der persönlichen individuellen Reflexion ist es eine Voraussetzung für treffende Analysen und radikale Kritik, von der individuellen Erfahrung als Opfer oder Täter oder beides zu abstrahieren und Sexismus als strukturelles Gewaltverhältnis zu erkennen. Nur dann kann die gesellschaftliche Ordnung aufgebrochen werden. Um antisexistisch arbeiten zu können, muss mensch zunächst sich selber reflektieren und sich innerhalb verschiedener Gewaltverhältnisses begreifen und dann, davon abstrahiert die gesellschaft analysieren und kritisieren zu können.
Die Gesellschaft ist hierarchisch Zwei-Geschlechtlich geordnet. Die zwei sozialen Konstrukte Frau/Mann und die damit verbundenen Wertigkeiten wirken in allen Lebensbereiche. Frausein oder Mannsein ist nichts, das von Geburt an vorhanden ist. Die Männliche und die weibliche Rolle sind anerzogen und folglich soziale Konstrukte.
Als männliche Rollenbilder gelten immer noch stärke, flexibilität, rationalität oder auch Zielstrebigkeit. Männer sind in unserer Gesellschaft aufgrund der ihnen zugeordneten Rollenbilder die „Macher“.
Das, was von der Gesellschaft als Weiblichkeit bezeichnet wird, zeichnet sich aus durch große soziale Kompetenz, eine Emotionalität die oft mit einer Mutterrolle verbunden wird, und ähnlichen als schwach geltenden Eigenschaften. Frauen sind potentielle Opfer.

Oder nicht?
Warum sollen Frauen dann vor Vergewaltigung mehr Angst haben als Männer?
Wieso sind hausmänner immernoch eher softiewitzfiguren?
Warum müssen Frauen beschützt werden, und vor wem?
wo sind denn männer die sich organisieren um gegen sexistische begründete gewalt zu kämpfen?
Warum wird zum Schutze der Frau die Überwachung ausgeweitet? Warum können Frauen sich nicht selber helfen?
Warum ist feminismus frauensache und kein allgemein anerkanntes linkes arbeitsfeld?



Diese zweigeschlechtliche Gesellschaftsordnung, die sich auf jahrhunderte alte traditionen beziehende rollenvorstellungen, die damit verbundene alltäglichkeit von zweierlei menschen und die dominanz männlicher werte bzw. eigenschaften in fast allen gesellschaftlich relevanten Bereichen hat unsere heutige kultur geprägt .

Die Gesellschaft basiert auf einer Ordnung in welcher mensch, die weibliche oder männliche Rolle als Existenzgrundlage zugeschrieben bekommt. Wir können nur männer oder frauen sein. Sowohl unsere Wahrnehmung als auch unser selbstverständnis bewegen sich in diesem Rahmen. Um diese Zwangsverhältnisse anzugehen ist es nötig Idendität, zu hinterfragen.idendität meint das zusammenspiel der gesellschaftlichen rollenbilder, deren annahme durch uns als männer oder frauen, das damit einhergehende selbstverständniss und die darauf basierenden unterschiedlichen entwicklungen.

Idendität als mann/frau, als teil einer gruppe, als familienmitglied, etc.geht immer einher mit bestimmten stereotypen, oft genau ausformulierten eigenschaften die einen menschen zum teil einer bestimmten gruppe machen. Damit werden aber immer auch ausschlüsse produziert, macht ausgeübt. Es werden normen und werte herausgebildet die oft nur in abgrenzung zum anderen eine positive idendität bilden. Diese idendität suchen wir uns weder aus noch haben wir sie irgendwann fertig. Es ist so dass mit jedem act der selbstdarstellung oder wahrnehmung aufs neue inszeniert und festgeschrieben wird, wer wir sind. Dabei kommen innerhalb unsere verhältnisse immer nur männer und frauen heraus.
Mit diesen und mit unseren eigenen fraulichen oder männlichen rollen einen bewussten, strategisch sinnvollen umgang zu finden, darauf zu achten welche ausschlüsse und hierarchien wann und wo vorkommen , warum wer davon betroffen ist und wie ein passender umgang damit entwickelt werden kann.gilt es heraus zu finden.
All diese frauen und männer als konstruiert wahrnehmen und radikale kritik üben bedeutet, die realität einerseits als zweigeschlechtlich geordnet anzuerkennen, sie aber als von menschen gemacht und damit auch veränderbar zu begreifen und einen strategischen umgang mit idenditäten zu entwickeln, der unordnung schafft.
So ist radikale gesellschaftskritik möglich.

Was die gesellschaft als normal erachtet und somit den in ihr lebenden individuen von klein auf vor lebt, wird als selbstverständlich empfunden und als wichtiger teil unseres selbstempfindens anerkannt. Bereits im rahmen der familien und der frühkindlichen sozialisation ist die zweigeschlechtliche ordnung allgegenwärtig. Kinder beginnen schon früh die jeweils auf sie projetzierte, erwartete geschlechterrolle anzunehmen, zu denken, sich als mädchen oder junge zu fühlen. Die Annahmne der geschlechterrolle, als wesentlicher teil unserer identität ist wie schon erwähnt kein einmaliger akt. zu einem bestimmten zeitpunkt zum größten teil abgeschlossen, wird diese in jeder lebensphase und situation aufs neue hergestellt, verfestigt, erzwungen und dabei helfen neben familie, sozialem umfeld und normierender gesellschaft, die medien mit den von ihnen vermittelten inhalten, mit. Medien als abbilder der gesellschaft tragen wesentlich zur aufrechterhaltung der zweigeschlechtlichen gesellschaftsordnung bei. Medien geben auskunft über dinge die wir nicht selbst sinnlich erfahren können, die an orten passieren an denen wir nicht selbst anwesend sind. Sie haben oft den status der objektivität, das wir glauben, dass das was vermittelt wird tatsächlich auch so geschehen ist. Dadurch prägen die medien was wir über die gesellschaft in der wir leben wissen, wie wir sie uns vorstellen. Medien sind nicht nur abbild der gesellschaft wie sie existiert, sie verzerren das existente mann-frau-bild auch oft extrem, stellen die angeblich geschlechtsspezifischen eigenschaften noch ausgeprägter dar und sind somit aktive produzenten als auch instrumenten des sexistischen alltag. Xy-men rettet schönes opfer und gewinnt ihr herz.-solche oder ähnliche starke männer und passive frauen sind in den meisten medien eine wichtige grundlage der rollendarstellung.

Um zu erkennen, wie über in den medien vermittelte inhalte, gesellschaftliche moralmasstäbe, werte, normen und geschlechterrollen festgelegt werden, und unseren umgang damit bewusst zu gestalten, sollten wir uns fragen stellen:
Was wird dargestellt und wie?
Auf welche weise werden geschlechterrollen dargestellt?
W elche unterschwelligen inhalte sind zu erkennen?
W elche ideologien verbergen sich dahinter dass dinge so und nicht anders vorkommen?
Welche schönheitsideale werden positiv besetzt?
Welche moralvorstellung werden transportiert?
U nd warum kommt was überhaupt nicht vor?
etc.


Unhinterfragter konsum der medien führt zu einer verfestigung der geschlechterbilder und hilft den sexistischen alltag mit zu reproduzieren. Die hier zu erkennenden bilder, vermittelten emotionen, simplen slogans und verallgemeinerungen übertragen medienkonsumentInen oft mehr oder weniger unbewusst auf sich selbst, ihren alltäglichen umgang und ihre erwartungen gegenüber anderen. Viel zu oft tragen wir diese bilder in unseren köpfen und an unseren körpern mit uns herum und erkennen sie als selbstverständlich an.viel zu oft werden medien als orientierungshilfe fürs leben benutzt.
Wenn wir sie jedoch als unterstützend und produzierend innerhalb der zweigeschlechtlichen gesellschaftsordnung erkennen, ist es möglich diese zu verändern.

Medien, wie das fersehen, rundfunk, zeitschriften, magazine, internet begleiten uns permanent. Wir bekamen die welt und was in ihr passiert von klein auf durch sie miterklärt. Unsere realität und unser selbstverständniss sind also stark von den medien geprägt.

Eine radikale veränderung überhaupt zu ermöglichen, bedeutet im umgang mit den sexistischen medien und immer wieder jeden tag im zweigeschlechter-alltag, zu hinterfragen, sich möglichst viel vom individuellen Selbst bewusst zu machen,uns in den jeweiligen umständen wahrzunehmen und gewalt immer auch als strukturelle gewalt zu erkennen.

Was bedeutet es in der praktischen anwendung, einen bewussten, strategisch sinnvollen umgang mit idendität zu entwickeln?ein beispiel:
Wir, als Frauengruppe mit dekonstruktivistischem Anspruch, befinden uns innerhalb der interessanten Spannung, einerseits nicht mehr bestimmen zu wollen bzw. zu können, was eine Frau ist, anderseits die Notwendigkeit, die gesellschaftlichen [Ungleich-]Verhältnisse mit Hilfe des Begriffes „Frau“ aufzeigen zu müssen.

Also übernehmen wir manchmal die Kategorie und Identität „Frauen“ als provokanten Hinweis auf eine gemeinsame geschlechtsgebundene Unterdrückungsgeschichte.ein andermal sind wir frauen, die emanzipiert von herrschenden opferrollen als riot girls die männlich dominierte musikszene aufmischen. Der umgang sollte eben strategisch sinnvoll Sein.
Der vereinheitlichende, fremdbestimmte Begriff („Frauen“) soll so auch zu einem analytischen, politischen Begriff werden.
Dieser umgang mit Identität ist nicht festschreibend sondern lebendig und wandelbar, nichts feststehendes, nichts zusammenfassbares, nichts Identisches. Ein unabsehbares Feld von möglichkeiten, Differenzen, also ein Zustand der ständigen Offenheit, Undeutbarkeit.

Eine radikale Kritik, die u.a. die Geschlechtsklassifikation als Herrschaftskonstrukt zurückweist, stellt alle totalisierenden Gesten, alle identitätspolitischen Praktiken und immer wieder eigene Lebens- und Denkweisen in Frage.
Eine Arbeit der Enttarnung und Aufdeckung, sie ist experimentell, spielerisch, nicht identifizierend. Zweifel gegenüber jedem Urteil, Skepsis gegen „Ordnungen“:
Dieses Vorgehen destabilisiert eine Ordnung, auf die jede Herrschaft über andere angewiesen ist.

Denn ein bewusstsein dafür, wie sexismus und andere gesellschaftliche gewaltverhältnisse funktionieren, bzw. eine auseinandersetzung mit der tief in unsere kultur eingeprägten werte- und normenverteilung welche diese verhältnisse erst möglich machen, ermöglicht es erst radikale, emanzipatorische; ANTISEXISTISCHE und damit immer auch ideologikritische strategien zu entwickeln.

Wir können logisch prozentual, rational aggressiv, nüchtern emotional oder sonst wie Dinge benennen. Analyse sollte Erfahrung und Wissen entschlüsseln, Strukturen aufzeigen. Diese Strukturen müssen definiert, in die Verhältnisse gesetzt und schließlich angegriffen, aufgebrochen werden, wo sich strategisch sinnvolle Möglichkeiten dafür finden.
Definitionen sollten daher bewusst, in strategischer Weise eingesetzt und als solche verstanden werden.
Das erfordert Reflexion, Konzentration, will immer wieder aufs neue hinterfragt werden und ist eine mal mehr, mal minder effektive Weise, Auseinandersetzung zu provozieren. Das heißt auch Rückschritte entgegentreten zu können.
Analysieren, strukturieren, positionieren, definieren, kritisieren, Auseinandersetzungen einfordern, auch wenn es manchmal weh tut. SCHEISS HARMONIE!


G.I.K