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Das Spaghetti der Erkenntnis
oder:
Die Nudel des Grauens

Inhalt:
· Schläger auf dem Schulhof Über unsere Ansätze
· Deformation im finsteren U-Bahn-Schacht Täter mit und ohne Tat
· Unsere Psyche spielt in unserem Haushalt Patriarchat und die anderen Herrschaftsverhältnisse
· Marotten der Unzulänglichkeit Über Widersprüche in Bewegung
· In Diskussionsveranstaltungen nicht auf sie eingehen Überlegungen zur Praxis
· Eisberg auf tönernen Füßen Gegen eine Solidarität ohne Ich
· Im weitesten Sinne technische Fähigkeiten Vom Aufbrechen zum neuen ...
· Nachtisch

Schläger auf dem Schulhof
Oder:
Über unsere Ansätze
Wir sind unzufrieden mit den bisherigen Grundlagen der Diskussion in Männergruppen. Die Analyse besteht größtenteils aus Versatzstücken des zeitgenössischen Feminismus, die ein wenig umgemodelt und auf Männer übertragen werden. Die Utopie - wie wollen wir Männer sein? - lehnt sich ebenfalls eng an die Modelle an, die aus der feministischen Diskussion herauszuhören sind. Eigene Ziele fehlen; Ziele, die wir wirklich aus unseren eigenen Bedürfnissen und Unzufriedenheiten mit unseren Rollenzwängen entwickelt hätten. Wir haben keinen eigenen Blick auf die materiellen und ideologischen Bedingungen, in denen Jungen und Männer in der BRD aufwachsen und leben müssen; wir haben keine eigene Analyse des gesellschaftlichen Gewaltverhältnisses "kapitalistisches Patriarchat" und seiner strukturellen Gewalt und Unterdrückung. Patriarchat heißt, Männer und Frauen in einer bestimmten, unterdrükerischen Weise zueinander und übereinander zu organisieren. Zu einem Verhältnis - auch zu hierarchischen - gehören aber zwei Seiten: die der Frau und die des Mannes. Obwohl es bisher selten unternommen wurde, diese Strukturen von der Seite des unterdrückenden Geschlechts aus zu untersuchen, ist es nicht weniger wichtig, dies zu tun.
Dieser unbefriedigende Stand der antipatriarchalen Männerpolitik bringt es mit sich, daß Meinungsunterschiede zu aktuellen feministischen Positionen erst gar nicht auftreten können: die Männerparolen erscheinen - wenn überhaupt - in der linksradikalen Öffentlichkeit als ein plumpes Echo der Frauenbewegung.
Wir haben stattdessen im Sinn, unsere Situation als Männer im Patriarchat mit unseren eigenen Augen zu sehen und mit eigener Zunge zu beschreiben. Wir schlagen vor, die Verhältnisse, in denen Kinder zu Männern und Männer zu Mackern gemacht werden, aus unseren eigenen Erfahrungen heraus zu analysieren: erzählen wir uns unsere eigene Geschichte.
Wie war das früher, mit den Anführern auf dem Fußballplatz, den Schlägern auf dem Schulhof, den Sportlehrern, den Gleichaltrigen, mit denen wir erotische Erfahrungen machten; wie war es mit den Müttern, Vätern und Brüdern? Welche Rolle spielten Frauen in unserer Dressur zum Mann? Wie geht es uns heute, im Betrieb, bei der Arbeit, an der Universität, auf Reisen und zuhause, im Bett und in der U-Bahn? Wo gab es Brüche, was wollten wir, was wollten sie - in welche Richtung hat uns das geprägt? Wo gab es unvereinbare Widersprüche zwischen Gefordertem und Vorhandenem? Oder knüpfte und knüpft das Rollenangebot der Männerherrschaft auf perfide Weise an unsere eigenen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten an? Und welche Möglichkeiten hatten und haben wir, uns mit anderen Männern zusammenzusetzen?
Wir fänden es nützlich, Antworten auf diese und andere Fragen aus vielen Gruppen zusammenzutragen und zu diskutieren. Vielleicht wird es dann möglich, Übereinstimmungen zu sehen, Ähnlichkeiten und Überschneidungen, aber auch Unterschiede - wie etwa entlang der Klassenzugehörigkeit. Wir sind nicht zufrieden mit den Untersuchungen, die es dazu vor allem aus dem alternativen und universitären Spektrum gibt. Sie neigen dazu, das gesellschaftliche Gewaltverhältnis auf Zwischenmenschlichkeiten zu reduzieren, die strukturelle Gewalt nur an ihrer Oberfläche, als Kleinkindprobleme und Familienpsychologie wahrzunehmen. Wir würden auch gerne umfassendere Fragen aufwerfen: Ist der männliche Sozialcharakter ein Konstrukt, das ohne viel Veränderung eine jahrtausendelange Geschichte überwölbt, von unzähligen Männergenerationen getreulich an ihre Söhne weitergegeben? Ergibt er sich unmittelbar und zwingend aus der männlichen Komplizenschaft und den tagtäglichen Notwendigkeiten der Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen? Wie verändert sich dieser Sozialcharakter im Postfordismus der Neunziger Jahre? Wie hat er früher ausgesehen, etwa vor der Industrialisierung?
Längerfristig hoffen wir, daß sich aus diesen Diskussionen Strukturen und Personen herausschälen, die wir für zentral in der Zurichtung zum Macker halten. Wer betreibt den Drill, wer vermittelt ihn, wer profitiert letztlich davon, wer liefert die Ideologie und wer bezahlt die Kosten dafür? Wir wünschen uns eine Diskussion, wie diese Agenturen und Personen -etwa Schule, Militär - in ihrer Arbeit zu stören und anzugreifen sind. Vielleicht mit kleinen Plakataktionen an den Schulen mit Gesprächen mit Schülern, Störungsaktionen beim Militär, bei den Massenmedien. Wie wäre es, wenn es nicht nur Proteste bei sexistischen Frauendarstellungen gäbe, sondern auch, wenn uns wieder mal vorgeführt wird, was ein richtiger Mann ist? (Das spöttische Gelächter neulich im Kino bei der Camel-Werbung ging da bestimmt in die richtige Richtung.)
Ist es möglich, in die viel verdeckteren Strukturen einzugreifen, in die alltägliche Erziehung, in die Anleitung zum harten, coolen Ellenbogentypen und in die gewöhnlichen Vorkommnisse in der U-Bahn? Trifft unser Ansatz auch die modernisierte Form des postmodernen Yuppiemakers mit multikultureller Kinderliebe - wenn sie die Karriere nicht stören - und mit dem stets offenen Ohr für die Nöte der gestreßten Managmentkollegin?
Das sind jetzt nur ein paar vorläufige Aktionsideen. Für's Erste vermissen wir weniger schmissige Angriffe auf Sexshops und Militärkasernen als vielmehr eine ehrliche und genaue Analyse, wie überhaupt der patriarchale Mann hergestellt und zurechtgedrückt wird. Und wo dieses Kostüm paßt wie angegossen - und wo eben nicht. Weiterhin finden wir die Frage wichtig, wohin wir uns selber eigentlich verändern wollen? Welche Strukturen sollten unter uns bestehen, damit diese Veränderungen eine Chance haben?
Praktisch stellen wir uns das so vor, daß dieses Papier bundesweit in den Männerzusammenhängen herumläuft und diskutiert werden kann. Wenn andere Männer etwas damit anfangen können, wäre längerfristig ein gewisser Austausch untereinander sinnvoll, der über gemischte Organe wie RADIKAL und INTERIM hinausreicht. Vielleicht in Form einer Broschüre oder eines unregelmäßigen Magazins, in welchem auch sehr unausgegorene und provozierende Papiere abgedruckt und diskutiert werden können. Mit einer Diskussion in dieser Richtung kann vielleicht etwas gegen die beklemmende Lähmung getan werden, die in viele Männergruppen eingekehrt ist. Wir hoffen ganz unverfroren, daß aus diesen Auseiandersetzungen irgendwann ein Ansatz herauskommt, der eine Männerpolitik ermöglicht, die wirklich unsere eigenen Unzufriedenheiten zum Ausgangspunkt hat - und die irgendwann zu einer lebensfähigen eigenständigen Männerpolitik führt.

Deformation im finsteren U-Bahnschacht
Oder:
Täter mit und ohne Tat
Wenn wir sagen, daß wir von uns ausgehen wollen, daß wir uns auf uns beziehen wollen, heißt es nicht, daß wir nur reagieren, nur handeln und daran arbeiten wollen, was mit uns "gemacht wird". Sondern es bedeutet auch ganz klar, daß wir uns auf die Stellung beziehen, die der Mann hier hat, daß wir davon ausgehen wie wir, und jeder für sich, agieren, umgehen, mit anderen Menschen: gewalttätig, Macht ausübend und ausbauend, reduzierend, herrschend.
So falsch es ist, nicht auf die eigene Deformation zu gucken und sie nicht als Handlungsansatz zu verstehen, ist es falsch (reaktionär), unser Dasein als Unterdrücker und Profiteur zu verdrängen und in die Ecke zu schieben. Denn es macht einen großen Teil unseres Lebens aus, findet sich in allem, was wir tun und denken.
Wir sind in Metropolen lebende Männer, meistens weiß, meistens heterosexuell, dies gibt uns in dieser Gesellschaft einen Platz, den wir weder leugnen können, noch verlassen können. Schon allein diese Stellung sorgt dafür, daß wir mehr Raum und Räume haben als Frauen, auf dem "Arbeitsmarkt" besser dran sind als Frauen, nicht soviel Gewalt erfahren wie Frauen, nicht soviel Reproduktionsarbeit leisten müssen und wir mehr Reproduktion erfahren (uns erzwingen) können, wir nicht so angegriffen werden wie Schwule, wir nicht von Abschiebung bedroht sind im Gegensatz zu nichtdeutschen Menschen. Vor allem bedeutet es, daß jede Begegnung zwischen Mann und Frau, zwischen einem Mann und einer Frau, von dem patriarchalen Gewaltverhältnis geprägt ist -die Begegnung allein auf der dunklen Strasse - das intensive "von sich erzähl"- Gespräch - die U-Bahnfahrt - die kuschlige Nacht im Bett. Und dies ist erstmal unabhängig von unserem unterschiedlichen Verhalten, denn es gibt keinen Mann, der ausserhalb dieses Rahmens steht. Weder, daß wir nicht aus diesem Rahmen heraus kommen, solange die Gesellschaft nicht radikal verändert ist, noch, daß wir uns auch als zugerichtet und deformiert begreifen, bedeutet, daß es beliebig ist, wie wir uns verhalten.Denn jeder einzelne ist für sein Tun voll verantwortlich. Sondern es macht uns klar, daß wir auf der einen Seite versuchen müssen diese Gesellschaft radikal zu verändern. Auf der anderen Seite müssen wir uns klar machen wo und wie wir unterdrücken, reduzieren, profitieren.
Wenn wir gegen unsere Deformation ankämpfen wollen, müssen wir auch gegen unsere kaputten, deformierten Verhältnisse zu anderen Menschen ankämpfen und die "deformieren" wir meistens selbst.
Warum und wie sind wir rassistisch? Warum träumen wir von der Unabhängigkeit von anderen Frauen und Männern? Warum,auf was und wie reduzieren wir Frauen auf Sexualobjekt/ auf Frauen zugeschriebene Eigenschaften? Warum ist der Schwanz das Wichtigste in unserer Sexualität? Warum haben wir Angst vor gleichgeschlechtlichen Sex?
Was läuft da bei uns ab? Was drücken wir da weg? Wie kommen wir da raus?

Unsere Psyche spielt in unserem Haushalt
Oder:
Patriarchat und die anderen Herrschaftsverhältnisse
Wir reden in diesem Text im wesentlichen von unserem Umgehen mit Sexismus und dem Patriarchat, bzw. unseren Vorstellungen davon. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, daß dieses Herrschaftsverhältnis uns am wichtigsten erscheint, da es uns tagtäglich direkt betrifft. Das Wort "erscheint" ist wortwörtlich gemeint: es erscheint uns nur am wichtigsten - aufgrund der direkten Betroffenheit. Objektiv bewegen wir uns in vielen Herrschaftsverhältnissen, von denen uns einige subjektiv aufgrund unserer Lebensrealität nicht oder weniger zu betreffen scheinen. Unsere Lebensrealität meint unser Leben als weiße, heterosexuelle Männer mit einem bestimmten ökonomischen Hintergrund, einer bestimmten sozialen Stellung in der Metropole und unser Leben in einer entsprechenden linken Szene. Die Herrschaftsverhältnisse, die uns dadurch weniger zu betreffen scheinen, sind also insbesondere Imperialismus, Rassimen, Antisemitismus, unser Verhältnis zu Gesundheit/Krankheit (das Verhältnis, das sich letztendlich in Eugenik ausdrückt), eingeschränkt auch das Klassenverhältnis.
Auch hier profitieren wir von den zugrundeliegenden Ausbeutungsverhältnissen, sind Teil davon und ihre Widerspiegelung in unserer Psyche spielt eine wichtige Rolle in unserem seelischen Haushalt, sprich: für unsere Identität.
Für eine Befreiung ist es unerläßlich, daß wir uns mit diesen Herrschaftsverhältnissen ebenso auseinandersetzen wie mit Patriarchat und Sexismus. Aufgrund dessen, daß uns Patriarchat als das "wichtigste" Herrschaftsverhältnis "erscheint", haben wir uns kontinuierlich damit auseinandergesetzt und tun dies noch. Doch hat sich unser Begreifen von den oben genannten Herrschaftsverhältnissen geändert. Wir sehen sie heute als eigenständige, aber in Wechselwirkung stehende Gewaltverhältnisse an. Wir stellen z.B. fest, daß sich unser Denken über Rassismus in der letzten Zeit verändert hat. Früher war Rassismus für uns ein Spaltungsmanöver der herrschenden Klasse, ein besonderer Ausdruck des Patriarchats oder ein persönliches Fehlverhalten. Inzwischen verstehen wir Rassismus als weiteres, eigenständiges Unterdrückungsverhältnis gegen Menschen anderer Hautfarben oder anderer Herkunft. Die Ausgrenzung von "Kranken" und "Behinderten" ist uns erst seit einiger Zeit als Unterdrückungsverhältnis im Blick.

Marotten der Unzulänglichkeit
Oder:
Über Widersprüche in Bewegung
Als anti-sexistische Männer in Bewegung stecken wir in Widersprüchen, allein das Paradoxon: Herrscher wollen nicht mehr herrschen, spricht für sich. Diese Widersprüche können produktiv sein, im Sinne eines Motors, der uns antreibt, aber wir können auch an ihnen scheitern, da sie momentan nicht auflösbar sind. Mit ihnen umzugehen, sich in ihnen zu bewegen, muß von daher immer heißen, einen Weg zu finden, der in Richtung "Befreiung" weist, d.h. (in anderen Plattheiten): Destruktion des Konstruktes "Mann", Aufhebung von Selbst-Unterdrückung und Unterdrückung von Anderen, von Unterordnung und Unterdrückung, Neu-Entwicklung und Neu-Erlernen von "vergessenen" Fähigkeiten, Aufhebung der Trennungen von "privat" und "politisch", von "Bauch" und "Kopf", von Individuum und Gesellschaft.
Eine Utopie zu formulieren ist nicht möglich, da alles, was wir jetzt entwickeln, aus patriarchalen/kapitalistischen/rassistischen/usw. Strukturen stammt und somit von ihnen geprägt ist. Eine Loslösung daraus ist nicht per Willensentscheidung, geschweige denn individuell, möglich. Möglich ist es, Schritte zu formulieren, die in die beschriebene Richtung gehen. Diese können aber nur begrenzt gültig sein, sie müssen auf ihren patriarchalen Gehalt hin hinterfragt und untersucht werden, um nicht der Illusion zu erliegen, mit dieser oder jenen Verhaltensveränderung wäre mann der Anarchie schon wesentlich näher gekommen.
Die individuelle Veränderung muß langfristig angelegt sein, da sich manche "Auswüchse", ungeliebte Verhaltensweisen, relativ schnell verändern, ablegen lassen, die zugrundeliegenden Strukturen jedoch ungleich schwieriger anzugehen sind. Wesentliche Widersprüche liegen also im permanenten Konflikt zwischen guter Absicht ("aber ich will mich doch verändern!), bzw. dem Wissen um reale Veränderung und der Tatsache bzw. dem Wissen darum, daß sich patriarchale Verhaltensweisen in unterschiedlicher Ausprägung immer wieder reproduzieren (werden).
Wenn wir uns selbst verändern, geraten wir auch mit uns selbst in Widersprüche: Bedürfnisse zu spüren und ausleben zu wollen und gleichzeitig zu wissen, daß sowohl diese selbst, als auch die Form, in der wir sie ausleben/befriedigen (wollen) patriarchal (usw.) geprägt sind. Ein gutes Beispiel dafür, daß der Widerspruch nicht lösbar ist: es ist falsch, die Bedürfnisse zu verdrängen, genauso ist es falsch, sie unhinterfragt auszuleben/zu befriedigen, da ihr patriarchaler Gehalt klar ist. Gleichzeitig müssen wir aber unsere Bedürfnisse befriedigen/ausleben, um zu leben. Wie also damit umgehen? Darauf eine Antwort zu finden, ist die Absicht der Schreiberlinge, wenn sie die Diskussion unter Männern anzetteln wollen.
Es ist falsch, Patriarchat auf individuelle Herrschaftsstrukturen zwischen Männern und Frauen zu reduzieren, ebenso wie Rassismus und Kapitalismus keine individuellen Marotten oder Unzulänglichkeiten der "Betroffenen" sind. Patriarchale Strukturen liegen diesem unserem System zugrunde. Wenn es uns also nicht darum geht, nur Verhaltenskosmetik zu betreiben, mit uns und anderen Männern und Frauen (scheinbar) besser zurecht zu kommen, müssen wir uns mit den Strukturen, die dieses System historisch und "materiell" begründen, ihre Auswirkungen auf uns und unser Leben und unseren Anteil an ihnen - als weiße heterosexuelle Männer mit einem bestimmten ökonomischen Hintergrund in der Metropole - auseinandersetzen. Also Antworten auf die Fragen finden: Wo, wie und warum profitieren wir von diesem System? Wo, wie und warum sind wir aktiver Teil der Ausbeutung und Unterdrückung? Wo, wie und warum werden wir selbst ausgebeutet und unterdrückt? Wie hängt alles zusammen? Und vor allem: Wie bringen wir dieses System überhaupt und international zum Zusammenbruch?
Wenn irgendetwas klar ist, dann das, daß wir als weiße, heterosexuelle Männer mit einem bestimmten ökonomischen Hintergrund in der Metropole in der weltweiten Hierarchie von Ausbeutung und Unterdrückung ganz schön weit oben stehen und von den unterschiedlichen Ausbeutungsstrukturen zum einen profitieren und zum zweiten auch aktiv Teil davon sind. Gleichzeitig ist ein wesentliches Kennzeichen dieses Systems, daß seine Strukturen vom einzelnen Menschen nicht veränderbar sind, dem direkten Zugriff entzogen sind (= Trennung von Individuum und Gesellschaft). Wir sind also Teil des Systems, ob wir wollen oder nicht und es ist unmöglich, daß wir uns daraus individuell, bzw. durch individuelle Veränderung, lösen. Was allerdings möglich ist, ist die individuelle Veränderung ( d.h. Abbau der persönlichen aktiven Teilhabe/Täterschaft an/in den allgemeinen Strukturen, Beginn eines Prozesses des Erkennens, Begreifens und Aufbrechens von sexistischen, zwangsheterosexuellen, rassistischen usw. Strukturen in der eigenen Psyche, kurz: Beginn einer Selbstbefreiung) und das In-Gang-Setzen eines kollektiven Prozesses von vielen Männern, die sich dem System verweigern, sich Freiräume erkämpfen, in denen ein Leben/Erleben "weniger" patriarchaler Verhaltensweisen möglich ist, und Mittel und Wege finden, den Normalbetrieb zu behindern und eventuell irgendwann zum Erliegen zu bringen.
Hier müssen die Fragen ansetzen, die wir uns selbst stellen müssen, wenn wir sicher gehen wollen (soweit dies überhaupt möglich ist), daß wir das System nicht nur subtiler, perfider reproduzieren: proben wir den Aufstand gegen die Männer-Hierarchie nur, weil wir eine neue etablieren wollen - nach dem Motto: Wer ist der größte Softie, der Sensibelste im Land - oder geht es uns darum, diese abzuschaffen? Sind wir gegen die und unsere Gewalt gegen Frauen, weil wir lange genug von Frauen und Frauenbewegung gepiesackt worden sind und jetzt endlich etwas unternehmen müssen, um dann wieder unsere Ruhe zu haben? Oder geht es uns darum, die Ursachen der Gewalt gegen Frauen, der Selbstunterdrückung und der gesellschaftlichen Unterdrückung zu zerstören? Machen wir nur noch mit Männern, weil uns das Zusammenleben mit Frauen einfach zu anstrengend ist? Oder sind wir gegen Zwangsheterosexualität, weil wir selbstbestimmte (=freie) und befriedigende Beziehungen zu Frauen und Männern leben wollen; weil wir die Rolle der Zwangsheterosexualität bei Selbstunterdrükung, Gewalt gegen Frauen und Männerhierarchie erkennen und bei entsprechend entwikelter Sensibilität auch spüren? Entwickeln wir Sensibilität, um die Lüke in unsere Identität als Männer, die die Frauenbewegung und die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung gerissen haben, damit zuzukleistern? Oder geht es uns um Sensibilität als Teil unseres Lebens, das sich jenseits von Männeridentität, bzw. der Notwendigkeit zur Identitätsbildung entwickeln soll? Wenn wir von Stärke als Ziel reden, inwieweit meinen wir damit eine patriarchale Stärke, die eine modernisierte Form von Identität konstituiert, oder geht es uns um eine Form von Stärke, die ebengerade eine Identität überflüssig macht? Wenn wir Männergruppen und Männerbewegung propagieren, propagieren wir damit nicht eine modernisierte Männerkumpanei, die uns erlaubt, Frauen noch perfider auszubeuten, da wir wissen, daß unsere Reproduktion auch unabhängig von Frauen laufen kann?
Diese Fragen lassen sich nicht eindeutig beantworten, es ist auch Unsinn, den Anspruch zu haben, dies zu tun. Denn diese Fragen ergeben sich aus den Widersprüchen in denen wir uns bewegen. Eindeutigkeit gibt es erst, wenn die Widersprüche in die eine oder andere Richtung gelöst sind, d.h. wenn wir entweder tot sind oder in unserer befreiten Gesellschaft leben.

In Diskussionsveranstaltungen nicht auf sie eingehen
Oder:
Überlegungen zur Praxis
Den Schreiberlingen erscheint es wichtig, eine Praxis zu entwickeln, die gesellschaftlich wirkt. Gesellschaftlich wirken bedeutet, über die Veränderung der eigenen Psyche/des eigenen Verhaltens und des eigenen engeren Umfeldes (Männergruppen, WG, Politzusammenhänge) hinauszugehen und im sog. "öffentlichen" bzw. "politischen" Raum (Die Trennung von Privat und Politisch nachvollziehen und sie in der Entwicklung aufheben!) eine antisexistische Praxis zu entwickeln.
Was sagt uns das? Der wichtigste Ansatzpunkt im Augenblick scheint das Aufbrechen der Männerkumpanei gegenüber Frauen/Lesben zu sein. D.h.: Nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen, wenn sexistische Angriffe stattfinden; nicht schweigen, sondern Stellung zu beziehen, wenn Männer sich sexistisch verhalten und äußern; nicht zur Seite zu stehen, sondern sich mit Freunden und Bekannten zu konfrontieren, die sich sexistisch verhalten, und nötigenfalls mit ihnen zu brechen.
Dies ist (natürlich?) kein Aufruf dazu, seinen Beschützerkomplexen freien Lauf zu lassen. Auch die Praxis muß eine Entwicklung erfahren, muß reflektiert werden, und Männer müssen lernen, die "Opfer" nicht als wehrlos zu begreifen, sondern sich mit ihnen zu solidarisieren (im Gegensatz zum paternalistischen Beschützen). Ein vergleichbares Verhalten muß zu zwangsheterosexuellen, rassistischen, antisemitischen (usw.) Angriffen und Einstellungen entwickelt werden.
Allgemein gesprochen bedeutet dies, sich solidarisch mit den Angegriffenen zu verhalten und die Männer-/Hetero-/Nationalisten-/Rassistenkumpanei aufzubrechen. Dies heißt auch eine Solidarisierung mit dem Widerstand der "Opfer" - auch, oder gerade dann, wenn sich dieser Widerstand gegen die eigenen Strukturen/Verhaltensweisen richtet (Beispiele: Frauen/Lesben-Tage in gemischten Projekten; Umgang mit Tunten; Selbstorganisierung von ImmigrantInnen und Flüchtlingen). Das Minimum muß sein, sich nicht dem Widerstand in den Weg zu stellen.
Das Ziel muß die Entwicklung einer eigenen Praxis sein, die über dieses Minimum oder die reine Solidarisierung hinausgeht und an den zentralen Punkten (auch) eigenen Widerstand entwickelt, d.h. ausgehend von der Analyse des eigenen Standpunktes im Herrschafts- und Ausbeutungsgefüge.
Praxis heißt aber auch, ein anderes Umgehen mit Männern zu suchen und es öffentlich zu machen. Also nicht nur im eigenen Zimmer mit Männern küssen, sondern eben auch auf der Straße oder auf "Arbeit". Nicht nur in der Männergruppe auf die Atmosphäre achten, sondern auch auf Plenas, an der Uni und auf "Arbeit". Nicht nur unter den engsten Freunden auf die Männerkonkurrenz verzichten, sondern auch in der Kneipe oder in Diskussionsveranstaltungen nicht auf sie eingehen.
Wir müssen also unseren Willen, die Männerrolle nicht zu erfüllen, öffentlich ausdrücken, durchaus als Männergruppen sichtbar werden, öffentliche Räume schaffen, in denen Männer "anders" miteinander umgehen, z.B.: Männercafes, Männerfeten,... (ohne Frauen/Lesben wieder aus öffentlichen Räumen zu verdrängen).
Die Entwicklung einer eigenen Praxis wird auch Einfluß auf die Theorie haben: Wer Männerkumpanei aufkündigt, wer sich der Konkurrenz entzieht, wer ein aus der Rolle fallendes Verhalten zu Männern und Frauen an den Tag legt, wird auch an der Repression ablesen können, in welche Richtung sich der Widerstand weiterentwickeln muß. Am Gegenwind werden sich auch Strukturen analysieren lassen: Eigene und die von Ausbeutung und Herrschaft.

Eisberg auf tönernen Füssen
Oder:
Gegen eine Solidarität ohne Ich
Die Antworten, die Männer auf die Frauenbewegung einerseits und das Patriarchat andererseits propagieren, sind Männergruppen, die mit ihren Gesprächen und Therapien auf sich selbst bezogen bleiben und eher im eigenen Saft schmoren, als über ihren Tellerrand hinauszusehen, oder die schier selbstvergessene Übernahme der feministischen Kritik, womit das Kapitel "Patriarchat" abgehakt erscheint. Während die erste Variante dahin tendiert, die 'normale Männeridentität' zu stabilisieren, anstatt sie zu zerstören, entbehrt die zweite Variante nicht eines gerüttelt Maß Ignoranz gegenüber der eigenen Persönlichkeit und wird im Laufe der Zeit unverstanden in die hinteren Schubladen verbannt. Werfen Frauen dann Männern die Spitzen des gewalttätigen Eisbergs vor die Füsse, kommt bestenfalls eine Theoriedebatte dabei heraus, in der sich Männer die angelesene feministische Literatur um die Ohren hauen, um das Thema dann so schnell wie möglich, und unter dem Aufzeigen von Unmöglichkeiten, "DAS" zu ändern, ad acta zu legen.
Es geht natürlich auch darum, das Patriarchat theoretisch zu erfassen: global und komplex, aber der springende Punkt ist, daß solche Debatten uns erlauben, von uns selbst abzusehen, uns rauszuziehen. Läuft denn die Diskussion um den "Geschlechterkrieg" bei Männern nur Intellektuell, angeklatscht an die anderen Analysevorstellungen, "stellt sich da niemand 'persönlich' rein"? Oder ist mit 'persönlich' gemeint, sich als Mann in den Selbstbezichtigungen oder den "Angriffen" auf andere Männer gegenseitig zu überbieten, um herauszustellen, wieviel mann schon kapiert hat?
Dies sieht stark nach einer (unreflektierten) Politik von Männern aus, deren Leitfaden die Frauenbewegung ist und die die Zustimmung von Frauen erheischt, anstatt sich um sich selbst zu kümmern. Verhaltensregulierungen und -anpassungen an Forderungen von Frauen sind berechtigt, aber sie bringen für Männer in der eigenen Suche nach Antworten wenig. Das Absehen von der eigenen Person und die blinde Übernahme feministischer Positionen verkürzen die Sicht auf das Patriarchat und führen in politische und individuelle Sackgassen, anstatt der Bewegungslosigkeit von Männern abzuhelfen, die spätestens dann eintritt, wenn der Kick durch Frau(en) nicht mehr so doll schmerzt und verebbt. Wenn nicht von der eigenen Lage und Motivation ausgegangen wird, bewegt sich auch nix. Es fängt hingegen dann an zu ticken, wenn wir die Veränderungsmöglichkeiten von der eigenen Lage, den eigenen Interessen und Bedürfnissen her aufzäumen, reflektieren, nach Ursachen forschen, uns schrittweise von der Männerrolle lösen, etc., d.h.: Wenn wir von uns ausgehen und die 'Männerfrage' als etwas eigenständiges begreifen.

Im weitesten Sinne technische Fähigkeiten
Oder:
Vom Aufbrechen zum neuen ... (mal sehen)
Es ist unzweifelhaft, daß Männer in diesem System Täter sind, sowohl objektiv, was das HERRschende Gewaltverhältnis angeht, als auch subjektiv, indem die 'normale' Heteroidentität gelebt wird. Es gab und gibt aber auch immer wieder Männer, die sich den HERRschenden Anforderungen gegenüber kritisch verhalten oder sich ihnen widersetzen, wie schwule Männer ihre Sexualität gegen die Heterowelt behaupten. Unter Heteros gab und gibt es Ansätze, die eigene Rolle in Frage zu stellen und das Selbstbild zu verändern. Dies erzeugt das Spannungsfeld, einerseits Hetero im Patriarchat zu sein, aber sich aus der Rolle lösen zu wollen und Widerstand dagegen zu leisten.
So, wie die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht nur zu dieser Zeit aussehen, wird deutlich, daß der Widerspruch nicht in kürzester Zeit aufgelöst werden kann, sondern das eigene Verhalten darin zum Maßstab wird, nicht nur für die eigene Veränderung. Der Ansatzpunkt liegt darin, vom zu reflektierenden Ist-Zustand auszugehen und den eigenen Horizont, der auf das 'normale' Männerbild reduziert ist, in einer Richtung zu erweitern, in der die Verbote und Tabuisierungen herkömmlicher Heteroidentität nicht mehr gelten. Das heißt nicht, die bewußten oder/und unbewußten Gewaltmechanismen weiter zu verschärfen und praktisch umzusetzen, sondern das Gegenteil: Sich über seine Bedürfnisse und Wünsche klar zu werden, auseinanderzusetzen und zu versuchen, die Vorstellungen von Befreiung und Entfaltung zu leben, was schon alleine den Männerpanzer sprengt und eine Menge Kraft gibt, sich zu verändern.
Die herkömmliche Heteroidentität ist eine reduzierte. Im weitesten Sinne technische Fähigkeiten werden verlangt und auch erfüllt, sozialer und emotionaler Austausch wird klein geschrieben und hat wenig Offenheit an sich. Die Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten sind und werden eingeschränkt auf die Befähigung zusammen mit anderen Männern, und in Konkurrenz zu ihnen, über alle anderen Menschen zu herrschen. Ein Ziel dieser Identität ist die Beherrschung, Steuerung und Unterwerfung der Natur auf diesem Planeten, danach richtet sich Effektivität und Leistung. Nicht-konforme Bedürfnisse und Wünsche werden verboten, projeziert und/oder verdrängt.
Diese Identität schnürt den Atem ein und ist zerstörerisch, deshalb wollen wir ihr Widerstand entgegensetzen und die Grenzen der Männerrolle überschreiten. Uns stinkt dieses mürrische, armselige, herrschende Konstrukt Mann, das sich in selbstherrlicher Arroganz über Anderen stehend wähnt und zu einem mehr als oberflächlichen (sozialen) Kontakt nicht fähig ist. Wir wollen nicht mehr den harten Kerl mit dem matschigem Kern darstellen, sondern unseren Bedürfnissen Ausdruck verleihen, die durch die Männerrolle nicht erfüllt und/oder bekämpft werden, und unser Leben so gestalten, wie wir selbst es wollen, unser Selbstbild außerhalb der herrschenden Normen und der herkömmlichen Heteroidentität finden. Wir wollen nicht länger das Bild vom Mann erfüllen, sondern unseren Sehnsüchten und Träumen nachgehen, was auch bedeutet, unsere (Zwangs-) Heterosexualität anzuknacken, und uns dort auszuprobieren, wo es uns verboten wurde oder wir selbst dafür gesorgt haben. Wir haben keine Lust mehr auf harte, verschlossene Typen, die wissen, wo's langgeht, dabei aber alle nur unterbuttern. Wir wollen die existierende Männeridentität zerstören (und nicht nur die), alle unsere Ausdrucksmöglichkeiten erfahren und leben wie's uns paßt. ENDE!

Nachtisch
Wir distanzieren uns nicht vom Feminismus, der unterschiedliche Strömungen hat und kein einheitliches Gebilde ist. Feministische Texte und Praxis waren für uns ausschlaggebend, über uns und die Männerwelt nachzudenken, ebenfalls Beziehungsdiskussionen und gemischtgeschlechtliche Politik mit Kritik von Frauen an Männern. Dies war und ist produktiv für uns.
Gar nicht produktiv ist allerdings das Nachbeten feministischer Parolen durch Männer, die glauben damit genug der Kritik am Patriarchat geleistet zu haben. Daß feministische Kritik der Anfang für die Meisten von uns war, ist klar und bestreitet auch niemand. Für uns ist es aber wichtig, wie es danach weitergeht: Entwickeln sich eigene Fragen, wird weitergegangen in der Analyse des Mann-Seins; wenn ja, wie äußert es sich; welche Schritte werden gemacht? Genau da finden wir es wichtig, daß Männer eigene Fragen entwickeln, und zwar nicht in altbekannter Verteidigung gegenüber feministischer Kritik (Angiff abwehren), sondern eher in Richtung, wie und was kann ich als Mann dagegen tun ? Wo stehe ich, was stinkt mir, was verheißen die Verlockungen patriarchaler Heteroidentität etc.?
Gegen das Papier ist eingewandt worden, daß unter dem Gesichtspunkt der Abgrenzung vom Feminismus und der überall herrschenden Männergewalt es sehr heikel bis falsch ist, sich auf die Suche nach einem eigenen Ansatzpunkt zu begeben, da das einzig Richtige die Kritik am Patriarchat und an Männern ist.
Um es noch einmal zu sagen: Patriarchatskritik und Kritik an Männern finden wir richtig und wichtig, uns geht es in diesem Papier aber darum, was mann damit anfängt und wie mann mit sich und Anderen daraufhin umgeht; wir sind an der Diskussion unter Männern interessiert, wie wir sowohl angesichts des Patriarchats als auch der Kritik daran weiterkommen, wie wir uns der Männergewalt entgegenstellen und wie wir uns begreifen (nämlich anders als verlangt). Wir finden es richtig, Männern auch Grenzen zu setzen und sie zu zwingen, bestimmte Verhaltensweisen zu unterlassen, aber wir finden es eben falsch, wenn MÄNNER argumentieren, daß dies der sinnvollste Weg sei und jedes Argument, die eigene Deformation zu untersuchen, damit abschmettern, daß die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen wichtiger sei und Männer kein Recht hätten, sich solch männerzentrierte Gedanken zu machen, sondern die Pflicht haben, alles mannmäßige pauschal zu zerstören.
Wir siedeln unseren Ansatz aber genau an dem Punkt an, wo wir sagen: Klar, Patriarchat zerstören - auf jeden Fall, aber laßt uns mal selber überlegen, worum es uns dabei geht, was Wichtigkeit hat und wieviel, wo unsere Knackpunkte sind und unsere Fragen, was unsere Angriffspunkte/-ziele sind und warum. Schließlich geht es dabei auch um uns und da müssen wir uns schon selbst Gedanken machen.
Wir setzen unsere Vorstellungen und damit den Text in das Spannungsfeld Feminismus - Antifeminismus - Softimacker - Hardcoremacker - Veränderung - Abwehr hinein und sehen auch die Widersprüche darin; wenn wir weiterkommen wollen, sollten wir aber genau diesen Komplex diskutieren und nicht auf einer bequemen Schwarz-Weiß-Schiene fahren. Es ist bisher einfach zu wenig von Männern dazu gesagt worden bzw. vermittelt worden, was bereits existiert, und deshalb ist der Text auch ein Aufruf, damit endlich anzufangen.

Wir, die vier Schreiberlinge kommen aus einem größeren autonomen Berliner Männerzusammenhang (heterosexuell), in dem des öfteren die Diskussion über Herangehensweise, Motivation, Entwicklungswünsche von autonomer antipatriarchaler Politik geführt wurde.
Im Herbst '90 haben wir Vier uns zusammengesetzt, um unseren Standpunkt endlich mal zu Papier zu bringen und konkreter daran zu diskutieren. Es war schwierig und hat lange gedauert, bis wir uns darauf einigten, daß jeder alleine Textabschnitte schreibt und wir diese nur zusammen besprechen und autorisieren. Wundert euch also nicht über z.B. unterschiedliche Verwendungen von Begriffen, z.B. von "Identität". Nach einer kurzen Diskussion in unseren Zusammenhängen haben wir den Text überarbeitet und werfen ihn hiermit ins interessierte Publikum.
Berlin im Frühjahr 1991
Die Vier Pastaioli