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Texte
zu
MILITARISMUS UND MÄNNLICHKEIT - KONTINUITETEN EINER
IDEOLOGIE
01 EINLEITUNG
02 HISTORISCHE VERKLÄRUNG
03 BURSCHENSCHAFTEN
04 BUNDESWEHR
05 LINKE SUBKULTUR
01 EINLEITUNG
Militarismus”
“Männlichkeit”
“Ideologie”
Die
Definitionen dieser Wörter und die vielfältigen Strukturen,
die sich mit Hilfe dieser aufzeigen lassen, führen uns einmal mehr
zu dem Begriff des Patriarchats.
Beispiele wie die partielle Öffnung der Bundeswehr für Frauen
oder männerbündlerische Kontinuitäten wie sie in Burschenschaften
zu finden sind, fügen sich in das Bild einer sexistischen Ideologie.
Ideologie, weil sexistisches Verhalten, wirkende Rollenvorstellungen und
vieles mehr trotz der Erkenntnis, das sie existieren, sich nur bedingt
wahrnehmen und verändern lassen. Das führt uns deren Permanenz
vor Augen.
Der betonte, performte, erwartete, internalisierte, und dardurch konstruierte
Unterschied zwischen Mann und Frau, Staatsbürger und Ausländer,
gut und böse usw. dient in essentieller Weise, auf unterschiedlichste
Arten als ein zentrales Organisierungsprinzip dieser Gesellschaft, welche
sich durch Einordnungszwänge, Abstraktion, Dichotomie usw. “auszeichnet”.
Durch Militarismus
zeigt sich sehr deutlich die Verbindung patriarchaler Institutionen mit
einem Männlichkeitsbild, welches seinen Ausdruck in der individuellen
Persönlichkeit findet. Oder die moderne Staatsstruktur als Produkt
militärischer Auseinandersetzungen - alle heutigen Nationalstaaten
sind durch Kriege entstanden und beruhen auf einer ausgeprägten Institutionalisierung
von männlichen Normen- und Wertesystemen. Die zentrale Bedeutung
der Kriegführung in dieser Entwicklung der Staatlichkeit bedeutet,
daß Armeen ein entscheidender Teil in der Entwicklung von Staatsapparaten
wurden, und das wirkt sich logischer Weise auch auf die Konstitution von
Männlichkeitsidentitäten, als auch auf die Gesellschaftskonstruktion
aus.
Und diese
Männlichkeit lebt in Abgrenzung zu einer erschaffenden Weiblichkeit,
welcher die gegensätzlichen Eigenschaften zugeschrieben werden. Finden
kann man dieses Frau/Mann-Konstrukt in allen Lebensbereichen. Es wirkt
nicht nur in Medien, Wissenschaften, Politik, sondern auch in sozialen
Körpern (Gruppen), persönliche Beziehungen, in institutionalisierte
Emanzipationsprojekte usw.
Selbst unsere Gedankenstruktur ist trotz aller guter Dekonstruktions-
und Analyseversuchen bei jedem mehr oder weniger dadurch mitbestimmt.
Das Netz aus unterschiedlichsten Verhaltenskodizi und Konstruktionen wirkt
permanent. Es existiert in den unterschiedlichsten Varianten, als Struktur
jedoch ebenso vielfältig benennbar. Manchmal ist es konkret und gewalttätig
erfahrbar, oft auch subtil und verschleiert. Ein Aufzeigen und Benennen
dieser Strukturen, was wahrlich auch verkürzt sein mag, soll diese
permanenten, historisch fundierten Gewaltstrukturen und die damit verbundenen
Machtverhältnisse bewusst machen und somit ein Verändern des
Bestehenden ermöglichen.
z. B. alte
Mythen und deutsche Literatur von allgemeinbekannten Autoren
z. B. Institutionen wie die Bundeswehr
z. B. an der romantischen Zweierbeziehung, mit all ihrem in die Verhältnisse
verwickelten Auswüchse.
z. B. in linken Zusammenhängen, in denen oft, unreflektiert wie überall,
sexistische Strukturen reproduziert werden.
Wörter
wie “Männlichkeit”, “Männer”, “Weiblichkeit”
und “Frauen” sind nicht klar und einheitlich definierbare
Begriffe, mit welchen allerdings geschlechtliche Herrschaftsverhältnisse
biologisch legitimiert werden sollen. Wir benutzen diese in den folgenden
Texten so, das die herrschenden Geschlechtskonstruktionen mit deren Festschreibungen
und Vorurteilen aufgezeigt werden können.
Die bipolare Einteilung in Frau/Mann mit den dazugehörigen Verhaltenszuschreibungen
ist ein soziales (Gewalt-) Konstrukt und steht in keinster Verbindung
mit dem tatsächlichen biologischen Geschlecht.
Geschlecht ist was Du tust!
G.I.K.
zum Beispiel
...
02 HISTORISCHE
VERKLÄRUNG
Hermann und die Erfindung der “neuen” Männlichkeit
Seit dem
16. Jhd. wird in Deutschland die Arminius-Figur als nationales Symbol
und Leitbild benutzt. Wie er aussah weiss man nicht, sein deutscher Name
„Hermann“ ist eine Erfindung.
Der Grund für den Mythos: “Hermann” soll im Jahre 9 nach
Chr. im Teutoburger Wald mit Hilfe einer kurzlebigen Koalition germanischer
Stämme den römischen Feldherrn Varus besiegt haben, was für
die damalige Weltmacht Rom eine recht große Niederlage bedeutete
und eine weitere Kolonisierung Germaniens aufhielt. So bekommt es zumindest
jedes Schulkind eines Gymnasiums zu hören.
Auf
einer Postkarte zum 100-jährigen Bestehen des Hermanndenkmals im
Teutoburger Wald als auch auf dem Denkmalschwert steht geschrieben:
“Deutsche Einigkeit meine Stärke – meine Stärke
Deutschlands Macht“
Sein Beitrag zur Formierung bürgerlicher Männlichkeitsvorstellungen
Im 18. Jhd., also zu Beginn der Industrialisierung und aufkommender Wissenschaften,
bedarf es einer Neuordnung der Identitäten/ Zuschreibungen zum Zwecke
der Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung. Es wurden unterschiedliche
Formen männlicher Identität diskutiert, welche sich durchgängig
entlang des konstruierten binären Schemas “Mann-Frau”
orientierten.
Die Einheit der männlichen Psyche nach innen und die Abgrenzung des
Mannes nach außen wurde zu einem bedeutenden Teil dieser Zuschreibung.
Eine Verschärfung der Macht des Mannes über andere, insbesondere
über Frauen und über sich selbst.
So entwickelte sich das Idealbild einer aggressiven, frauenfeindlichen,
männerbündlerischen und Machtbetonten Männlichkeit, welche
ca. 100 Jahre später im soldatische Mann des Wilhelminismus und der
Nationalsozialisten, historische Breitenwirkung erlang.
Literarische
Umsetzung des Hermannmythos
SCHLEGEL
[1740]
Die Darstellung des Hermann war erfüllt mit Tugenden der opferwilligen
Pflichterfüllung und der Verantwortung für dem moralischen Zustand
des Vaterlandes.
Schlegels Hermann ist ein männlicher Held, er rettet das Vaterland
durch die Entschiedenheit seines Widerstands gegen alle Unterdrückung
und durch seine Entschlossenheit als Heerführer in der Schlacht.
Die Werte die er vertritt sind allerdings noch geschlechtsübergreifend,
allgemeinmenschlich. Den Frauen der Geschichte wird ein eigenständiger
Handlungsspielraum zugestanden.
KLOPSTOCK
[1768]
Bei ihm erhält das Arminius-Motiv einen besonders emotionalen Zuschnitt
und eine größere identifikatorische Relevanz.
„O Vaterland,O Vaterland!
Mehr als Mutter und Weib und Braut,
Mehr als ein blühender Sohn
Mit seinen ersten Waffen!“
Der Feind, die Römer, werden als „Säuglingsmörder“
und „Räuber die das edle deutsche Weib in die Sklaverei führen“
beschrieben. Oder auch in Kombination: Römer die „niemals mit
Deutschlands Säuglingen und Bräuten Mitleid hatte“.
Es besteht der Verdacht, das die Angriffe auf die empfindlichen Stellen
ihrer männlichen Identität, ihren familiären Besitz, selbst
imaginiert sind, um in der Abwehr dieser Bedrohung die Feinde töten
und sich als wahre Männer bewähren zu können: Ein geschlossener
Ring zur Selbstkonstitution von Männlichkeit, die sich über
das Bild des Feindes definiert.
Hier werden auch immer mehr gewisse Allmachtvorstellungen ausgebaut, in
der eigenständige Frauen schon nicht mehr vorkommen, es sei denn
zum Schutze bedürftig oder zur Verfügung stehend.
HERDER [1770]
Herder scheint schon nach dem Ganzen zu suchen:
„Nation! Volk! Einen Körper, der Vaterland heißt“
Etwas das Sinn und Identität stiften kann, z.B. Eine “Ode an
den Genius der Deutschen“.
Allerdings noch mit dem Anstrich von Humanität, der „Die große
Mutter Menschlichkeit“ feiert.
KLEIST [1809]
Die von Kleist geschriebene ist wohl auch die bekannteste Version der
Mythosinterpretationen.
Hier sind nun alle nicht auf Herrschaft ausgerichteten Wesenszüge
des Männerbildes gänzlich ausgeschlossen.
Hermann ist der einzige, perfekte, unangefochtene Repräsentant der
Männlichkeit, der alle Gefühle, selbst die Liebe zu seinen Söhnen
dem Ziel unterordnet den Feind zu besiegen und aus Germanien zu vertreiben.
Unter “Perfekt” wird verstanden: selbstbeherrscht, starke
Emotionen und Intellektuelle Überlegenheit nach Belieben einsetzend;
Herr jeder Lage sein, planend und weitsichtig; dabei aber auch witzig
und selbstreflektiert, allerdings unwandelbar und vor allem: erfolgreich.
Auch die frauenverachtenen Züge werden weiter verschärft: Frauen
dienen bestenfalls noch zur Instrumentalisierung durch den Mann.
Ein Beispiel: Eine Frau wird vom Feind (Römer) vergewaltigt, daraufhin
wird sie von einigen Männern (darunter der Vater), deren Schutze
sie anvertraut war in einem Ritual depersonalisiert und mit einem Dolch
erstochen. Denn wirklich bedeutend war der Eingriff in deren männliches
Hoheitsgebiet, die Frau war durch die Vergewaltigung nun als Objekt völlig
wertlos und muss als Zeichen der eigenen Schwäche beseitigt werden.
Hermann, der nach dem Ritual auftritt, sendet, zu nationalen Agitationszwecken,
den aufgeteilten Frauenkörper an die 15 Stämme Germaniens.
Nach dem verbreiteten, herrschenden Frauenbild, geschieht solche männliche
Gewaltherrschaft natürlich mit der innigen Zustimmung der Frauen
selbst.
Bei Kleist wird aber auch klar, das Deutschland, „Germanien“,
ein männliches Gruppenphantasma ist, welches „nur“ in
den Köpfen derer existiert, die in seinem Namen kämpfen und
siegen. Es hält die Männergruppe zusammen (Identität) und
existiert im töten desjenigen, der nicht dazugehört und in Selbstbestätigung
derer, die gemeinsam töten oder töten lassen.
Mit Hilfe der Arminius-Gestalt wurde also ein Männerbild geschaffen,
in dem grenzenlose Herrschaft des Mannes über den eigenen Leib und
die eigenen Wünsche, unbegrenzte Herrschaft über die Frau, unbegrenzte
Herrschaft über andere (Feind, oder eigene Gruppe) einherging mit
der Imagination eines größeren Ganzen; „Germanien“,
„Volk“, “Nation” oder auch „Deutschland“
genannt.
Die Unterschiede der Männerbilder aus dem 18., 19., oder 20. Jhd.
dürfen nicht verwischt werden, aber dennoch zeigen sich Kontinuitäten
und es zeigt sich das solche Formen männlicher Sozialisation tief
in der Struktur unserer Gesellschaft angelegt sind.
Die mit Glücksphantasien und Ideale belegte Figur des einzelnen,
auf Selbstverwirklichung, Leistung und Konkurrenz getrimmten, männlichen
Ichs.
zum Beispiel
...
03 BURSCHENSCHAFTEN
Seit alters
her sind Männerbünde Zentren der Macht. In Deutschland reicht
die Spannweite von den Mönchs- und Ritterorden des Mittelalters,
über Turnbünde und Wandervögel bis zu Himmlers SS, und
wie rechte Skinhead-Gruppen oder das Wiedererstarken der studentischen
Burschenschaften beweisen, ist ihre Attraktivität auch heute ungebrochen.
Wesentliche Charakteristika dieser Vereinigungen sind die räumlich-soziale
Absonderung, das Vorhandensein von Initiationsriten und eine klar hierarische
Rangordnung sowie eine extreme Auslebung einer "Männlichkeit",
welche sich besonders durch den Ausschluss von "Weiblichkeit"
konstituiert.
Daher ist eine mehr oder minder offen zur Schau gestellte Frauenfeindlichkeit
ein gemeinsame Nenner all dieser Verbindungen, egal ob religiöser,
kultureller oder militärisch-politischer Natur.
Z.B.:
christliche Männerbünde (z.B. Ritterorden der Templer, Promise
Keepers), Künstler- und Gelehrtenbünde (z.B. der Kreis um Stefan
George), Freizeit und sportlich orientierte Gruppen (Kegelvereine, Fussballclubs,,
Skins), sowie "ökononisch-ethisch orientierte Männerbünde"
wie die Freimaurer und natürlich militärisch- politische Männerbünde
wie Kadettenanstalten, "deutsche Turner" oder Burschenschaften:
"Unser Burschenbrauchtum ist immer auf eine bestimmte männliche
Gruppe abgestimmt.
Die menschliche Weltordnung ist auf das männliche ausgerichtet."
(Burschenschaftliche Blätter: 1980).
"...."Denkmuster" von Frauen schaffen zusätzliche
Probleme..."
"Frau würde als Hausfrau missbraucht werden, wenn sie aufgenommen
würde.."
Die
Geschichte der "Waffenstudenten" reicht bis zum Anfang des vorigen
Jahrhunderts zurück. 1815 gründeten Studenten in Jena die Deutsche
Burschenschaft. Unter dem Motto "Ehre, Freiheit, Vaterland",
verbanden sie bürgerlich demokratische Ideen, von Anfang an mit völkisch-nationalem,
rassistischem und antisemitischem Gedankengut. So wurden schon 1817, beim
Wartburgfest, das von Burschenschaften als legendäres Gründungsfest
angesehen wird, Bücher von antinationalen und jüdischen Autoren
verbrannt.
Nach dem Krieg handelte sich die Deutsche Burschenschaft folgende Sonderbedingungen
aus: Die Verbindungen können als Kameradschaften nach den NS-Regeln
weiterbestehen. Die rituellen Fechtduelle und das Tragen der Wix auf den
Unis ist seither ein bekanntes Bild.
ELITENBILDUNG,
HIERARCHIEN UND RITEN
Ein guter
Grund für einen karrierebewußten jungen Mann aus gutem Hause
einer studentischen Verbindung beizutreten sind die guten Beziehungen,
die ihm Tür und Tor zu gesellschaftlichen Schlüsselpositionen
öffnen. Burschenschaften sind ein "Bund fürs Leben",
der den Korporierten über das Studium hinaus zu lebenslanger Kameradschaft
verpflichtet. Weshalb die sogenannten "alten Herren" die Burschen
auf die Führungspositionen in Politik und Wirtschaft vorbereiten,
die sie selbst momentan inne haben, und ihnen dabei jede nur erdenkliche
Hilfestellung geben.
Durch militärische
Riten, strenge Hierarchien und Regeln soll der Charakter der neuen Verbindungsbrüder
geformt werden. Wichtige Bestandteile sind dabei das Tragen einer Uniform,
Kappe und Band, die sogenannte volle Wix. Der Eintritt in die erlesene
Gemeinschaft ist mit bestimmten Auflagen verbunden, die zur Festigung
der bündischen Sozialbeziehungen dienen sollen. So zum Beispiel erhalten
Neueintretende oft neue Namen, die ihre Identität in der Gemeinschaft
verkörpern sollen.
Die sozialen
Strukturen innerhalb der korporierten Gemeinschaft sind ausnahmslos hierarchisch.
Während der sogenannten Fuxen-Zeit wird das neue Mitglied zu niederen
Diensten verpflichtet und durch Demütigungs-Riten gehänselt.
Als Vollmitglied tut er dies wiederum später dann mit neuen Fuxen,
so das dieses Prinzip sich selbst konserviert und sich in höheren
Ebenen auf die gleiche Weise fortsetzt. Logische Konsequenz daraus ist
der leitende Anspruch, den die Alten Herren gegenüber den jungen
Aktiven vertreten.
Demütigungsriten:
Ältere Burschen haben Strafbefugnis über jüngere, so können
sie den sogenannten Füxen befehlen den Rest ihres Bieres auszutrinken
(es geht ja nicht an, daß ein Bursch von seinem Fux unter den Tisch
gesoffen wird)
Das Verbot während eines rituellen Besäufnisses, des Komments,
die Toilette aufzusuchen, dient der Festigung der Rangordnung und ist
nötig, um "Disziplin zu lernen" und Hierarchien zu verinnerlichen.
Aufnahmeritual: Der Fux! muss in einem Kreis mit verbundenen Augen kriechen
und die Burschen versetzten ihm Schläge auf den Rücken. Erst
danach gilt er als befähigt selbst andere zu führen, und die
sinnlosen Strafen und Vorschriften weiterzugeben.
Das Prinzip
der Mensur, der Fechtkampf zwischen den Studenten spielt eine zentrale
Rolle bei den Verbindungen.
Galt die Mensur früher als eine Regelung von Ehrangelegenheiten,
so wird ihre heutige Funktion mehr in der erzieherischen Maßnahme
und als "Mittel" zur Persönlichkeitsbildung betrachtet.
Es gilt als Zeichen von Männlichkeit, Schläge ohne Angst und
Schmerzen hinzunehmen und die Fähigkeit zur Selbstaufgabe zu erreichen.
Vertreter des verbindungsstudentischen Fechtens sehen den Zweck vor allem
in der Bruderschaft und der engen Verbundenheit, die durch das ritualisierte
Fechten geschafften wird.
Das Fechten mit dem Säbel symbolisiert das bedingungslose Eintreten
für die Interessen des Standes - notfalls mit Gewalt. Das Ergebnis
dieses Männlichkeitsrituals ist oft der sogenannte Schmiß,
der viele bekannte Gesichter ziert. In manchen Verbindungen werden die
Narben auch extra gepflegt, indem mann ein Pferdehaar in die Wunde einwachsen
lässt, damit diese dann besonders klaffend und groß wird.
Burschenschaften
zeichnen durch männlich-kameradschaftliches Schulterklopfen und Elitärgehabe
aus; Erniedrigungen und Schmerzen werden ertragen um “dabei zu sein”,
sich einzuordnen. Eine lebenslange Identität wird garantiert, welche
durch Vernetzung mit wirtschaftlichen Strukturen auch für den beruflichen
“Aufstieg” sorgt.
Berliner Burschenschaften
Berliner
Burschenschaft Arminia
Holbeinstrasse 22 • 12203 Berlin
Telefon: 030/8336989
E-Mail: aktivitas@arminia-berlin.de
Berliner
Burschenschaft der Märker
Podbielskiallee 15 • 14195 Berlin
Telefon: 030/83228597
E-Mail: aktivitas@maerker-berlin.de
Berliner
Burschenschaft Gothia
Königstraße 3 • 14163 Berlin
Telefon: 030/8029081 • Telefax: 030/80109063
E-Mail:kontakt@gothia.de
Satzung
Artikel 1
Die Berliner Burschenschaft Gothia widmet sich dem Ideal der Pflege der
Bundesbrüderlichkeit.
Im vollen Bewußtsein der politischen Berufung der studentischen
Verbände und ganz besonders der Deutschen Burschenschaft richtet
die Berliner Burschenschaft Gothia ihr Hauptaugenmerk auf die politische,
nicht aber parteipolitische Arbeit.
Im Vordergrund jeder politischen Arbeit steht das Streben nach Wiedervereinigung
unseres deutschen Vaterlandes.
Artikel 2
(letzte Änderung: 09.02.1986)
Zur Erfüllung der in Art. 1 umrissenen Aufgaben hält die Burschenschaft
eine gewissenhafte Ausbildung aller geistigen und körperlichen Fähigkeiten
für unbedingt erforderlich. Diese Ausbildung soll sich nicht nur
auf den erstrebten Beruf erstrecken, sondern auch eine gründliche
Beschäftigung mit den politischen,
sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Problemen unseres Volkes in
sich schließen.
Als eines der Erziehungsmittel zur körperlichen Ertüchtigung
betrachtet sie den Fechtsport. Die Mitglieder der Burschenschaft Gothia
sind daher verpflichtet, die Mensur als waffenstudentisches Prinzip anzuerkennen
und nach Maßgabe der Satzung der Deutschen Burschenschaft während
ihrer Aktivenzeit eine Bestimmungspartie zu schlagen
Die Berliner
Burschenschaft Gothia bekennt sich als Mitgliedsbund der Deutschen Burschenschaft
zu deren Grundsätzen.
1.Die
Deutsche Burschenschaft ist die Gemeinschaft deutscher Burschenschaften,
die aus der in Jena begründeten Burschenbewegung von 1815 hervorgegangen
sind oder sich zu ihr bekennen.
2.Ihre Grundhaltung findet Ausdruck in dem historisch begründeten
Wahlspruch Ehre Freiheit Vaterland.
3.Ihre Farben sind Schwarz Rot Gold.
4.Der Grundsatz der Ehre fordert von jedem Burschenschafter eine lautere,
aufrechte und wahrhaftige Haltung im Denken, Reden und Handeln.
Die Burschenschaft bekennt sich zum deutschen Vaterland als der geistig-kulturellen
Heimat des deutschen Volkes. Unter dem Volk versteht sie die Gemeinschaft,
die durch gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur, verwandtes
Brauchtum und gleiche Sprache verbunden ist.
Die Burschenschaft vertritt das Lebensbundprinzip. Es wird erfüllt
durch die lebenslange Zugehörigkeit zur Burschenschaft, beruhend
auf Freundschaft, gegenseitige Erziehung und Persönlichkeitsbildung.
Die alten und jungen Burschenschafter bilden eine lebendige Einheit mit
bleibender Bindung an die Grundsätze der Deutschen Burschenschaft
und der Einzelburschenschaft.
zum Beispiel
...
04 BUNDESWEHR
Produktion von "Männlichkeit" und “Weiblichkeit”
in dem Kontext >Frauen in der Bundeswehr<.
Das
Militär ist eine Institution in der gesamtgesellschaftlich, bedeutsame
Konstruktionsprozesse von "Männlichkeit" stattfinden. Der
Ausschluss von Frauen war und ist konstitutiv für die männlich-militärische
Identitäts-bildung, zu welcher u.a. kameradschaftliche Gemeinschaftserlebnisse
gehören und sich eine gesteigerte, soldatische, potentere “Männlichkeit"
erhofft wird.
Die Figur
des Soldaten dient sowohl als Inkarnation "männlicher"
Eigenschaften (Mut, Entschlossenheit, physische Fitness, Angriffslust,
Kampfgeist) wie auch als nationales Symbol. Diese "männlichen"
Eigenschaften werden mit Hilfe von disziplinierenden Maßnahmen und
psychologische Kontrollen zu vermitteln versucht.
Die Ritualisierung männlicher Stereotypen wird so recht deutlich.
Am 27. Oktober
2000 wurde nun ein größeres Tätigkeitsfeld für Frauen
in der Bundeswehr eröffnet. Der vorher verbotenen Dienst an der Waffe
steht seit dem freiwilligen Frauen offen, was ein großes Medieninteresse
mit sich brachte. Denn augenscheinlich stellt diese neue Regelung die
traditionellen Rollen- und Gewaltteilungen in Frage. Das Bild "aktiver,
kriegerischer Soldat" im Gegensatz zur "passiven, friedfertigen
Zivilistin" wird destabilisiert.
Juchhu, jetzt gibt es also eine vollständige Gleichberechtigung von
"Mann/Frau" bis in die letzte “Männerdomäne”;
endlich ein (zumindest geschlechts-) hierachiefreier Umgang miteinander;
das gewalttätige Männlichkeitsbild wird sich mit dem sanftem
Weiblichkeitsbild zusammentun und wir haben ein humaneres Militär,
ODER WAS???
Zuallererst,
um mal ganz abstrakt zu bleiben, liegt die Militärpartizipation von
Frauen in den europaischen Streitkräften bei ca. 5%, was Militärstrategen
auch den "optimalen Prozentsatz" nennen. In den nächsten
Jahren wird gerademal ein Zuwachs von max. 10% erwartet. Außerdem
sind Frauen von Eliteeinheiten, in welchen es klar um Tötungsabsichten
geht, immer noch weitgehend ausgeschlossen.
Die Darstellung
bzw. Umschreibung der soldatischen Frau in den Bundeswehr-Medien ist oft
entweder mütterlich oder erotisierend, selten auch (bei "unweiblichen"
Verhalten und Aussehen) "kameradschaftlich". Hervorgehoben wird
das kommunikative, verständnisvolle, emotionale Wesen. Auch ist das
alte stereotype Bild der engelhaft-erotischen Sanitäterin immer noch
verbreitet.
Die geschlechtliche Unterscheidung wird durch modisch, attraktiver, weibliche-
akzentuierter Kleidung erleichtert und auch der radikale Haarerlass wird
bei Frauen gar nicht so gern gesehen.
Mit den Worten einer früheren Chefin des Millitärischen Frauendienst:
"ein gewinnendes Äußeres und ein möglichst unkompliziertes
Wesen sind von Vorteil".
Auch ist die erleichterne Ansicht weitverbreitet, das die "weiblichen"
Soldatinnen auf längere Zeit eh keine ernstzunehmenden Konkurrentinnen
sind, da sie ja eigentlich zukünftige Ehefrauen und Mütter sind.
Wahrscheinlich sind sie nur in der Bundeswehr, da sie einen "richtigen
Kerl" zum Heiraten suchen.
Desweiteren geschieht die mediale Erwähnung von Frauen oft im Zusammenhang
mit offiziellen Ehrungen, Festlichkeiten, Länderrepräsentationen
u.ä. Zu verstehen als reizvolles Symbol der Freundschaft, der Zusammenarbeit
und Friedlichkeit oder auch als "fröhliche Auflockerung",
"belebende Attraktion", "interessanter Farbtupfel".
Es erscheinen also klare Tendenzen, durch hervorgehobene weibliche Zuschreibung
die Differenz Mann/Frau zu stabilisieren.
Den Debatten,
die vor und anlässlich der partiellen Öffnung der Bundeswehr
für Frauen, in der Bundesrepublik geführt wurden, liegt eine
durch das Militär gezogene" symbolische und alltagsweltliche"
Trennlinie zwischen Frauen und Männer zugrunde. Gesellschaftlich
politische Diskussionen verliefen und verlaufen durchweg mit ausgeprägten
Geschlechterstereotypen. Im Mittelpunkt dieser Diskussionen steht einerseits,
die binäre "Natur" der Geschlechter und der Schutz der
Frauen vor den Gefahren des Krieges.
Hierbei wird Frauen naturalisierend "Friedfertigkeit" untergeschoben
und somit ihre Beteiligung an der Tötung von Menschen als widernatürlich
erklärt, gleichzeitig wird die "Wehrhaftigkeit" der Männer
betont und die daraus entstehende Ineffizienz bei Einsatz von Soldatinnen.
So würde dann auch der männliche "Schutzinstinkt"
gegenüber der Frau mit der militärischen Befehlslage in Konflikt
kommen.
Die Konstruktion des Mannes als Krieger steht neben dem weit verbreiteten
Bild der sorgenden, weiblichen Seele an der Heimatfront, wobei gleichzeitig
das Bild der Frau als Kämpferin häufig dazu diente, die Widernatürlichkeit
dieses Phänomens zu betonen.
Sexistische
Darstellungen von Soldatinnen, frauenverachtende soldatische Sprachkultur
und die darin deutlich werdende Verweiblichungs-angst, sowie die symbolische
Objektivierung von Frauen durch die Benennung ganzer Waffensysteme mit
"Frauen-namen", und nicht zu vergessen das Kriegsmittel "Vergewalti-gung"
sind weiterhin aktuell und das wird sich durch einen gering wachsenen
Frauenanteil bestimmt auch nicht ändern.
ZUSAMMENGEFASST:
Die Sozialfigur
der Soldatin berührt zwei symbolische Ebenen, die männlich codiert
sind.
1. Die öffentlich- kollektive Ebene durch das Repräsentieren
des staatlichen Gewaltmonopols und die Idee der Nation.
2. Die Individuell- emotionale Ebene, den Kernbereich männlich soldatischer
Geschlechts-identität.
Durch die Pointierung mütterlicher und erotischer Elemente, das Präsentieren
der Frau als Werbeobjekt, die verstärkte Darstellung im Kontext nicht-militärischer
Bedeutungszusammenhänge wird versucht, das traditionelle, komplementäre
Geschlechterverhältnis symbolisch, durch stereotypen Zuschreibungen
zu reproduzieren.
Nein, "Frauen
in der Bundeswehr" forcieren weder konkrete Ausein-andersetzungen
mit geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozessen noch fällt das
schöne Wort "Patriarchat". Daher sind größere
Änderungen der allgemein herrschenden sozialen Geschlechtsrollenbilder
nicht ernsthaft zu erwarten.
Das Konstrukt des Frauentypus "soldatische Kameradin" wird als
geschlechtsneutral und professionalisiert charakterisiert, unter Ausblendung
und Neutralisierung jeglicher "Weiblichkeit" zugunsten des Militärisch-Professionellen.
Für
die ferne Zukunft ist daher anzunehmen das vor dem Hintergrund einer Abstrahierung
von "Weiblichkeit" bzw. Geschlechtlichkeit, die neutralisierende
und professionalisierte Wahrnehmung zunehmen wird, was als eine maschinelle,
geschlechtslose Funktionsbestimmung von Menschen in technokratisierten
Militärapparaten gesehen werden kann. So wird die symbolische Kontinuität
von "Männlichkeit" als zentrales Ordnungskriterium des
Werte- und Normensystems weiterhin aufrechterhalten.
zum Beispiel
...
05 LINKE SUBKULTUR
Anhand
der in den vorangegangenen Texten herausgearbeiteten Strukturen, können
wir den Begriff Militarismus folgendermaßen zusammenfassen:
Militarismus bezeichnet die Dominanz militärischer Ideologien in
Staat und Gesellschaft.
Die Überbetonung militärischer Prinzipien mit breitenwirksamen
Auswüchsen (in allen Lebensbereichen) ist dafür kennzeichnend.
Die militärischen Prinzipien:
Hierarchien - Disziplin und Unterordnung (im öffentlichen und zivilen
Leben).
Die Verherrlichung des Krieges und des in ihm agierenden Kriegers. Die
Huldigung des sozialdarwinistischen Konzepts des Rechts des Stärkeren
über den Schwächeren. Die damit verbundenen Mythen und Stärkekulte.
Als Männlichkeitsbild
lässt sich folgendes Definieren: Eine Identität, die sich vor
allem durch Abgrenzung bis Vernichtung von allem auszeichnet, was als
außen, nicht zugehörig definiert wird. Eine egozentrische Zielstrebigkeit
(im Namen von Volk und Vaterland, der ursprünglichen Natur des Mannes...),
die emotionslos, ohne Rücksicht auf Verluste ihr Ziel zu erreichen
versucht. Eine bestimmte Rationalität, in Abgrenzung zur konstant
als “weiblich” definierten Emotionalität. Nicht zu vergessen
ein elitäres Gruppenzugehörigkeitsgefühl (kameradschaftliche
Gemeinschaft, Kumpeltum).
Parallelen zu dem formulierten Militarismusbegriff sind klar sichtbar.
Zum Beispiel sind Hierachien, Machtstreben und Stärkekult immer noch
wichtig für die Konstitution eines Männlichkeitsbildes.
Aus all dem
lässt sich feststellen, das diese Parallelen auch vor der, in der
“normalen” Gesellschaft zu verortenden, sogenannten linken
Szene nicht halt machen. Die “Linke” existiert weder in einem
Vakuum, noch kann gesagt werden, alle sich damit Identifizierenden würden
bewusst, analysierend und selbstkritisch von ihrer Sozialisation befreit
durch ihre Kieze wandeln.
Wenn wir
uns nun mit uns selber und der linken Szene auseinandersetzen, werden
tatsächlich auch strukturelle Zusammenhänge mit den herrschenden
bipolaren Geschlechtsbildern benenn- und kritisierbar:
Auch hier dominieren Ideen, wie z. B. ein gewisser Stärkekult der
vorallem bei manchen Aktionsformen zu tragen kommt und somit Ausschlüsse
produziert.
- der Mythos des linken Straßenkämpfers am 1. Mai
- ein elitäres Gruppengehabe
- kumpelhaftes Schultergeklopfe
- ein cooles Auftreten
- eine (vermeintlich) emotionslose, rationale Sachlichkeit welche sich
durch Abgrenzung von gefühlsbetonten, uncoolen und zweifelnden Verhalten,
bestätigt fühlt
Militante, Heroische Widerstandsformen sind besonders anerkannt, sorgen
für Ruhm und Ehre und machen den linksradikalen Widerstand erst attraktiv.
Ein Vokü-Kocher z. B. kann so viel kochen und satt machen wie er
will, er wird den Status einer sportlich-aktiven, wortgewandten Szeneberühmtheit
wohl nie erreichen.
Und wer freut sich schon auf eine wichtige Sexismus-Diskussion, wenn er
seine Zeit auch mit gemeinschaftlichen Bahnfahrten zu Demo-Stadtbesuchen
verbringen kann.
Oder, wie wird mit Informationen umgegangen? Wie werden sie weitergegeben
und an Wen? Selbst wenn Informationshierachien erkannt werden, wie wird
damit umgegangen?
Gibt es einen bewussten Umgang mit sozialer Macht? z. B. bei Plenas (Gruppentreffen
und Diskussionen); oder das Stichwort Redeverhalten, hier steht oft ein
sich in Szene setzen dem sich wirklich Auseinandersetzen gegenüber.
Es gibt eine klare Einordnung zu herrschende ideen, wie z. B. die “linke”,
traditionelle Solidarität mit Palästina. Hier wird unreflektiert
ein historisch gefestigter Volksgedanke reproduziert, den es mit einem
emanzipatorischen Anspruch eigentlich anzugreifen gilt.
Auch werden Frauen immer noch auf “ihre” weibliche Rolle verwiesen,
z. B. als deeskalitiv wirkend eingesetzt.
Sexismus
wird einerseits als in der Gesellschaft permanent wirksam definiert, die
Linke nimmt sich, und die Beschäftigung mit dieser Thematik aber
anscheinend jenseits der Gesellschaft, in Abgrenzung dazu wahr.
Deswegen scheitert hier oft die Auseinandersetzung. Aber Auseinandersetzung
ist es dann auch, was wir fordern. Und wir fordern das alle Auseinandersetzung
fordern.
Das Analysieren
und Benennen von Strukturen, lässt Ideologien zum Vorschein kommen,
welche auch verkürzt sein mögen. Es geht aber darum, das sie
so benennbar als Strukturen erst angreifbar werden. So werden Gewaltstrukturen
und Machtverhältnisse bewusst und das ist die Vorraussetzung dafür,
um vermeintlich “selbstverständliche” Strukturen in unserem
alltäglichen Leben zu verändern.
everthing is connected with everything ...
Wir können
logisch prozentual, rational aggressiv, nüchtern emotional oder sonst
wie Dinge benennen. Analyse sollte Erfahrung und Wissen entschlüsseln,
Strukturen aufzeigen. Diese Strukturen müssen definiert, in die Verhältnisse
gesetzt und schließlich angegriffen, aufgebrochen werden, wo sich
strategisch sinnvolle Möglichkeiten dafür finden.
Definitionen sollten daher bewusst, in strategischer Weise eingesetzt
und als solche verstanden werden.
Das erfordert Reflexion, Konzentration, will immer wieder aufs neue hinterfragt
werden und ist eine mal mehr, mal minder effektive Weise, Auseinandersetzung
zu provozieren. Das heißt auch Rückschritte entgegentreten
zu können.
Analysieren, strukturieren, positionieren, definieren, kritisieren, Auseinandersetzungen
einfordern, auch wenn es manchmal weh tut. SCHEISS HARMONIE!
Texte der
Frauengruppe G.I.K. [Geschlecht Ist Konstruiert] gik@comic.com
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