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Aus
der blaTTGold Juni 1999
Am 25. April fand im Kato die Veranstaltung
»Transnational/gender/religion/cultural/equatorial/formation/zendental
Feminisme«
anläßlich eines Berlinbesuches von Dr. Gloria I. Joseph statt.
Die Schwarze feministische Aktivistin, Kampf- und Lebensgefährtin
von Audre Lorde, unterstützte auch die Schwarze deutsche Frauenbewegung
und versteht sich heute als transnational und transkulturell: das haben
fast alle anwesenden Rednerinnen und Künstlerinnen gemeinsam. Der
Begriff trans, den jede auf ihre Weise lebt, wurde in vielfältiger
Weise deutlich in den unterschiedlichen Beiträgen, die in ihrem Zusammenwirken
den Abend, realisiert und moderiert von Mahide Lein, Kunstund Kulturvermittlerin,
zu einem Erlebnis werden ließen.
im Parlament Reden halten, das Staatsoberhaupt repräsentieren können,
gleichzeitig jedoch so elementarer Rechte wie das der alleinigen Zuständigkeit
für Kindererziehung beraubt werden. Nasrin Bassiri beschreibt die
Energie der Iranerinnen als eine brodelnde, die sich wie ein großer
Geist in einer zu engen Flasche befindet. Daß diese Kraft auch in
Berlin spürbar ist, zeigt sich daran, daß viele Iranerinnen
in Frauenprojekten aktiv sind.
Für die in Bogota geborene, weiße Deutsche Simran Kaur Khalsa
Wester steht trans vor allem für ihre transzendentale Weltsicht.
Die Vor-sitzende der Kundalini-Yoga Gesellschaft derBRD, geht seit 1989
den spirituellen Lebensweg des Sikh-Dharma. Trans bedeutet den spirituellen
Weg von Innen nach Außen. Alle Unterschiede zwischen Menschen sind
Variationen auf »das Eine« hin, sagt sie. In einer Übung,
die Simran Kaur Khalsa mit dem Gonginstrument begleitete,
Die Nigerianerin Stefania Evboikuokha, Kulturmanagerin und 1998 nominiert
für den Berliner Black History Award, aktiv im Kampf gegen Shell-Oil,
unterrichtet an den Universitäten in Bertin und Nigeria. Für
Afrikanerinnen, so beschreibt sie den Begriff trans, bedeute es, in die
ganze Welt verschleppt, zwangs»trans«portiert zu werden. Die
»Globalisierung«, heute in den hochindustrialisierten Ländern
in aller Munde, begann so für die Afrikanerinnen bereits vor 500
Jahren. Das Stefania Evboikoukha Nigerianerin ist, nennt sie einen Zufall:
Die Grenzen ihres Landes wurden von weißen Europäern- hier
in Berlin - festgelegt. Verliefe das Liniennetz, mit dem Afrika zerteilt
wurde, etwas anders, hätte sie vielleicht eine andere Nationalität.
Feminismus schön und gut, doch hat feministisches Eintreten für
Frauen in Nigeria erst dann eine Basis, wenn exi-stentielle Grundbedingungen
erfüllt werden, wie Bildung für Kinder, Kleidung etc.
Ebenfalls in Berlin lebt Dr. Nasrin Bassiri, Publizistin und Autorin aus
Teheran, wo sie bis 1982 Universitätsprofessorin war. Nachdem sie
zuletzt im Iran versteckt leben mußte, ist sie seit 1983 in Deutschland
im Exil. In ihrem Vortrag revidierte sie das einseitige Bild der Iranerinnen,
wie es westliche Medien üblicherweise zeigen. Deren riesiger Krafteinsatz
zeigt sich auch darin, daß es noch nie so viele Frauenverlage und
Verlegerinnen im Iran gab wie heute. Viele Iranerinnen sind gezwungen,
ein Doppelleben zu führen, auf der Straße verschleiert, zuhause
im Minirock und oft tonangebend. Das Dilemma, in dem sie sich befinden,
besteht darin, daß sie zwar studieren, konnten die Anwesenden die
Wirkung eines Mantras erproben, mit dem »das Eine« transportiert
wird.
Zari A. Harat, transkulturelle Künstlerin und Malerin, beschreibt
den Begriff trans als Beziehung. Trans heißt, sich für andere
zu öffnen, ist der Versuch, die Sichtweise einer anderen Person einzunehmen
und sich an deren Position zu stellen. Daß Schwarze Frauen dies
schon lange tun, äußert sich auch darin, daß Schwarze
Frauen mehr über weiße Frauen wissen als umgekehrt. Jeder mensch
so Zari A. Harat wird von den jeweiligen Beziehungen und Lebenskonstellatio-nen
geformt. Für sie ist es Tatsache, in den USA geboren zu sein, in
Berlin zu leben und gleichzeitig indischer Herkunft zu sein. Sie ist an
vielen Orten zuhause - und, wenn man ihren Schilderungen folgt, bedeutet
trans für sie auch, sich zwischen diesen Orten zu bewegen und das
Wissen, das sie ihr vermitteln, zu integrieren.
Del LaGrace Volcano bezeichnet sich selbst als Gender Terrorist, als »Intersexual
by Design«. Intersexuell entwickelte er sich während der Pubertät,
als sein weiblicher Körper immer männlicher wurde. Nach einer
Brustoperation mit 17 Jahren lebte er 20 Jahre als Queer Frau. Del LaGrace
Volcano stammt aus den USA, lebt in London und ist heute intersexuell.
Er ist kein »it«, sondern bezeichnet sich als »er«,
denn sonst würde man seine Gendcr Mutation nicht anerkennen. Gender
Terrorist zu sein, bedeutet für ihn, binäre Kategorien, also
auch das zweigeschlechtliche Modell zu sprengen. Die Sicherheit der herkömmlichen
Geschlechterordnung nennt er »eine der wenigen Titanics«,
an denen sich die Menschen am Ende des 2. Jahrtausends festhalten.
Gloria I. Joseph unterstrich die Notwendigkeit eines größeren,
massiveren Zusammenschlusses einzelner Bewegungen. Obwohl es die Schwarze
Befreiungsbewegung, die Schwulen- und Lesbenbewe-gung, die Frauenbewegung
gab und gibt, findet in allen Bereichen weiterhin Unterdrückung statt.
Unser Leben ist geprägt von Rassismus, Sexismus, Homophobie, Klassendenken
und weiteren »ismen«. Solange diese bestehen, können
wir nicht darüber hinwegsehen. Gloria Joseph sagt, daß es für
sie das Wichtigste ist, diese Strukturen in sich selbst in Bewegung gebracht
zu haben. Sie weiß, daß sie heute eine Kämpferin ist,
und daß niemand sie aufhalten kann. JedeR kann selbst etwas tun:
wenn wir diskriminierende Bemerkungen hören, darauf reagieren/ es
ansprechen. Ihre essentielle Botschaft des Abends faßt sie in diesem
Satz zusammen: »Varietics are the spices of life«/Vielfalten
sind die Würze des Lebens«.
lsabel Morgenstern
Literafur: Gloria I. Joseph (Hg.): Schwarzer Feminismus. Theorie und Politik
afroamerikanischer Frauen. Berlin, 1993, Orlando.
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