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Transgender und Dekonstruktion
Anmerkungen zum Verhältnis zwischen Geschlecht und Zwitter

von Michel Reiter

Um Hilfe zu verweigern ist Gewalt nötig. Um Hilfe zu erlangen ist auch Gewalt nötig. Solange Gewalt herrscht, kann Hilfe verweigert werden. Wenn keine Gewalt mehr herrscht, ist keine Hilfe mehr nötig. Also sollt ihr nicht Hilfe verlangen, sondern die Gewalt abschaffen. Hilfe und Gewalt geben ein Ganzes. Und das Ganze muß verändert werden. (Bertolt Brecht, zit. In Jantzen 1995) A Zur Ausgangssituation Kommt die Sprache auf Intersexuelle, wird traditionell ihre geschlechtsbiologische Komplexität hervorgehoben als sie auch in Polaritäten dekonstruierendem Kontext zunehmend als soziale Akteure 'mitgemeint' werden. Eine völlige Leerstelle ist hingegen die Reflexion über jene mittels der Analyse ihrer Körper formulierten Theorien und deren über sie hinausreichende Konsequenzen. 1. Nature vs. Nuture John Money, Sexualwissenschaftler in Baltimore, formulierte 1955 die Machbarkeit einer geschlechtlichen Redefinition von Kindern bis zum 2. Lebensjahr [1], da ein Identitätserwerb mit der Sprachentwicklung korreliere. Money prägte des Terminus gender in den Geisteswissenschaften, den er von sex absetzte. Gender meint den personalen, sozialen und legalen Status einer Person als männlich oder weiblich ohne Referenz auf das biologische Geschlecht.[2] Der Begriff gender und seine Weiterentwicklungen gender role und gender identity paßte in das damalige moderne Konzept, den Menschen als lernendes Wesen zu begreifen und also auch seine Geschlechtszugehörigkeit, welche stets dichotom gedacht wurde: "You can’t be an it". Die Kehrseite dieser Idee war die Beliebigkeit einer Zuordnungsausrichtung, wenn nur die Sozialisation erfolgreich verläuft. Um eine solche durchführen zu können, müssen die Genitalien eindeutig sein. So dies nicht der Fall ist, müssen ergo chirurgische Eingriffe und psychologische Betreuung zur Konsolidierung der Geschlechtszugehörigkeit erfolgen. Bereits 1817 war die chirurgische Konstuktion einer ‚Neovagina‘ und 1939 die Reduktion des Penis/der Klitoris entwickelt [3] als auch embryologische Forschungen beginnend im 19. Jahrhundert eine Anzahl von Störungen in der Geschlechterdifferenzierung postulierten, die medizinisch als intersexuelle Genitalien verhandelt werden. Robert Stoller weitete 1968 gender zu einer core gender identity aus [4], dem inneren Gefühl, männlich oder weiblich zu sein – ein Begriff, mit welchem Transsexualität faßbar und therapierbar wurde. 1997 wurde Money‘s Paradigma durch Milton Diamond, Reproduktionsbiologe in Hawaii, in Frage gestellt [5], welcher wiederum davon ausgeht, daß Hormone geschlechtsspezifische Regionen des Gehirns und Nervensystems bereits pränatal strukturieren und somit weder eine Beliebigkeit der Zuweisungen möglich ist als auch mehr als zwei Geschlechter denkbar sind. Die Ursache für Transsexualität oder abweichendes Sexualverhalten gelten damit theoretisch als biologisch erklärbar. Wird diese bereits seit den 1970iger Jahren vor allem in den Niederlanden erforschte gehirnorganische Beschaffenheit politisch durchsetzungsfähig, werden sich Interessenten für eine Ausweitung der pränatalen Diagnostik mit Selektionspotential finden - eine Praktik, die bereits heute standardisiert im Falle aller chromosomaler und einiger genetischer geschlechtlicher Normabweichungen durchgeführt wird. Sind in der Folge Money’s Postulate Genitalverstümmelungen mit Zwangszuweisung an Zwittern durchgeführt (und auch heute ungebrochen exerziert) worden, können in Folge Diamond’s Überlegungen breite Bevölkerungskreise perspektivisch mit einer potentiellen Abtreibung rechnen. Beide Positionen - nature oder nuture - stehen lediglich für den ihnen spezifischen Zeitgeist. Gemeinsam ist ihnen die Einsatzmöglichkeit der Verhinderung einer Geburt oder postnatale Therapie. 2. Handlung aus Notwendigkeit Diesen Debatten gegenüber steht ein singulärer und derzeit vor Gericht in Prüfung befindlicher Antrag, mittels Eintragung des Zwitters als eigene Geschlechtskategorie eine Pathologisierung alles biologische Normen Durchkreuzende aufzuheben, indem die Rechtsprechung zu einer eigenen Definition von ‚Geschlecht‘ aufgefordert wird (welche sie seit Einführung des Personenstandsgesetzes 1875 für nicht notwendig hielt und sich ausschließlich medizinischen Deklarationen unterwarf). Ob diesem Antrag stattgegeben wird, muß heute offen bleiben. Mit einem Entscheid vor dem Bundesverfassungsgericht wird frühestens im Jahre 2004 gerechnet. Implizit wurde bei Antragsstellung davon ausgegangen, daß eine restlose Auflösung der Geschlechter in dieser westlichen Kultur praktisch nicht durchsetzungsfähig ist, möglicherweise aber die Idee einer Multiplizität, wie sie bereits im Kontext geschlechtlicher Identitäten verhandelt wird. Bezugnehmend auf Hermaphroditen sind jedoch Identitätskonsolidierungs-, -auflösungs- oder -pluralisierungskonzepte in hier verhandeltem Kontext unmittelbar wirkunsgslos, da sich implizit stets nur auf Jugendliche / Erwachsene bezogen werden kann. 3. Theoretische Leerstellen Die Analyse der Konsequenzen für Kinder aufgrund der an ihnen exerzierten Kontrolle hinsichtlich einer sozialkonformen geschlechtlichen Entwicklung ist eine bisher weitgehende Leerstelle der Gendertheorien. Weiters schlagen sich Überlegungen zur Akzeptanz körperlicher Normabweichungen – jenseits einer konstruktionistischer oder konstruktivistischer Reflektion – derzeit lediglich im Sektor ‚Behinderung‘ nieder als auch, verallgemeinert, sukzessive im Kontext der Biotechnologie und ihrer (medizinischen) Machbarkeitsphantasie. Ein Bezug auf die potentielle geschlechtliche Selektion wurde bisher nicht gesetzt, obwohl die sog. Bioethikkonvention eine solche vorsieht. Dort heißt es in Artikel 14: "Die Anwendung von Techniken der Fortpflanzungsmedizin ist für die Auswahl des Geschlechtes eines Kindes unzulässig, es sei denn zur Vermeidung schwerwiegender erblicher geschlechtsgebundener Krankheiten." Hermaphroditen gelten gemäß medizinischer Termini per definitionem als eine solche Krankheit. Da ein Krankheitsbegriff stets zeitgeistabhängig ist, steht bei ausreichenden diagnostischen Verfahren prinzipiell weitergehenden Selektionen nichts im Wege. Schon aus diesem Grunde ist Schwulen, Lesben und Transsexuellen im eigenen Interesse geraten, mit Zwittern ideell zu kooperieren, statt sie, wie aktuell, oftmals lediglich ‚mitzumeinen‘: Der soziale, rechtliche und medizinische Umgang mit diesem körpergeschlechtlich nicht zu vereindeutigenden Pool der Bevölkerung (der zudem schwer als homogene Gruppierung zu fassen ist und derzeit als logische Konsequenz jener an ihnen vorgenommenen Interventionen auch öffentlich kaum in Erscheinung tritt) ist Indikator für geschlechtsbezogene und bevölkerungspolitische Entwicklungen. Diese zeigen m.E. auf, wie labil bereits erkämpfte und unter dem Stichwort 'Toleranz' zugesprochene Sozialkontrakte tatsächlich sind. Zwar schwinden derzeit Repressionslegitimationen via naturalistischem Gedankengut, jedoch nur, um im gleichen Zuge durch einen kapitalorientierten Verwertungsaspekt ersetzt zu werden. 4. Zur Frage der Selbstbestimmung Es liegt nahe, sich unter gegebenen Umständen für eine Selbstbestimmung einzusetzen, sich der Übergriffe aus Bevölkerung und Politik zu erwehren. Im Kontext Intersexueller würde dies ein Selbstbestimmungsrecht des ungeborenen Lebens und eine Absage an den § 218a StGB bedeuten, welcher die Abtreibung straffrei setzt, wenn "der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren ... angezeigt ist, um ... die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann"; ergo wenn das erwartete Kind unzumutbar ist und nicht medizinisch therapiert werden kann. Die Anwendung dieser Regelung ist realiter eine logische Konklusion aus der Forderung, genitalverändernde Eingriffe an nicht Einwilligungsfähigen zum Zwecke einer geschlechtlichen Vereindeutigung zu unterlassen. Nur die Aussprache gegen beide Optionen zum Zwecke einer basalen Verhinderung sozialer Existenz würde das hegemoniale Dilemma umfassen. Einem faktischen Abtreibungsverbot gegenüber steht das feministisch und anderenorts postulierte Recht auf freie Bestimmung über den eigenen Körper; ein Recht, das medizinische Interventionen wie Pränataldiagnostik oder chirurgische Änderungen des Geschlechtskörpers ebenfalls beinhaltet und (u.a.) von Transsexuellen erstritten wurde, um 1982 im TSG zu münden – als auch die allgemeine plastische Chirurgie bei vorgeblich psychischem Leidensdruck heute zumeist in Anspruch genommen werden kann. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung erhält dergestalt sukzessive die Funktion einer individualisierten Qualitätskontrolle im Dienste der Gesundheit.[6] B Queer, Transgender und Performanz 1. Queer Eine Dekonstruktion sozialgeschlechtlicher Normativität wurde seitens der Queertheorie stark vorangetrieben. Sie verzichtet in der Konsequenz auf homogenisierte Identitätsvorstellungen mit Prioritätensetzung im sexuellen Bereich. Die Queertheorie aber korreliert mit Money's Grundlagenforschung an Zwittern in einem maßgeblichen Aspekt: durch eine Negation des sex und vorgeblich erfolgreicher Geschlechtsredefinitionen entstand der Eindruck einer solchen Machbarkeit und die Gefahr einer Beliebigkeit. Diese Überlegungen fortgeführt implizieren bei einer vollständigen Auflösung der Geschlechterverortung auch eine Artikulationsunfähigkeit. Queere Praktik wollte nicht zwischen nominalen und essentiellen Kategorien unterscheiden, nicht zwischen einer politischen und individuellen Geschlechtsverortung. Lediglich queer soll als Sammelbegriff für alle heteronormativen Lebensweisen durchbrechende Menschen fungieren. Um einen mit Repressionen behafteten Sektor benennen zu können, muß jedoch auf eine Kategorie verwiesen werden, ohne sich notwendigerweise mit ihr zu identifizieren. Die Bezeichnung ‚Intersexualität‘ beinhaltet bspw. neben der medizinischen Pathologisierung oftmals nichts weiter als Brachialgewalt. Hiermit sich zu identifizieren ist nicht empfehlenswert. Gleichwohl wäre es ein Fehlschluß, nun, da Zwitter sozial in Erscheinung treten, ihnen eine entsprechende Identität zuzuschreiben. Eine mögliche Metapher für Zwitter wäre vielmehr ‚weder-noch‘ und dies bedeutet in einer dichotomisierten Gesellschaft realiter Geschlechtslosigkeit. Assoziationen mit dem Zwitter lassen eher Monsterphanatsien zu als an gender auch nur zu denken wäre. Redefiniert man queere Praktik jedoch als Freakshow, kann Erwachsenen sozialer Boden bereitet werden (sofern sie ob der erlebten Gewalt überhaupt an Lebenspraxis denken können), Kindern aber nützt queer (heute) nichts und weder Ärzte noch normungswillige Eltern mit dem ihnen eigenen Geschlechterglauben, der sich in der Trias Natur-Sentiment-Mystifikation niederschlägt, zeigen das geringste Interesse daran. 2. Transgender Transgender arbeitet mit der Verschiebung von subjektiven und politischen Identitäten. Eine Identität, gleich welcher Art, setzt die Idee eines, wenn auch nicht des gewollten, Geschlechtes voraus. Hier gilt: Intersexuelle werden sich in dieser Bewegung kaum wiederfinden, denn welches Geschlecht sollten sie gehabt haben? Das zugewiesene, wurde es adaptiert, führt nicht zum Wunsche einer Auflösung, sondern bestenfalls zu einer Verschiebung (und es wird dann gerne von intersexuellen Frauen und Männern gesprochen) und so es nicht adaptiert wurde, kann ‚das andere Geschlecht‘ adaptiert werden, was realiter in eine Transsexuellenkarriere mündet, oder es wird von der Idee ‚Geschlecht‘ gänzlich Abstand genommen. Da ich diesen Weg präferiert habe, kann ich die Lust an Grenzüberschreitungen nicht nachvollziehen. Ich war und bin stets eine einzige Grenzüberschreitung für andere durch meine bloße Existenz und muß diese sozial gar nicht zelebrieren. Zudem weiß ich, wie viele andere verstümmelte Zwitter auch nicht, was Geschlecht binnen einer core-Perspektive sein soll. Gewendet bedeutet dies, daß die Internalisierung eines sozialen Codes nicht stattfand. 3. Performanz Um es etwas generalisierter zu fassen: Performative Akte zur Destabilisierung heteronormativer Geschlechterkonstellationen, wie bspw. von Judith Butler vorgeschlagen, mögen zum einen von und für jene durchgeführt werden, die (vermeintlich) wissen, was (ein bipolarisiertes) Geschlecht ist, d.h. über entsprechende Alltagserfahrungen und adaptierte Sozialisationsmuster verfügen, sowie zum anderen über eine ausreichend eindeutig kodierbare Erscheinung verfügen, so daß sie noch irritieren können. Andere Menschen, etwa eine ‚Lesbe mir Bart‘ (Selbstdefinition) fällt im Beisammensein mit ihrer Freundin nicht auf, sie wird schlicht als heterosexueller Mann kodiert. Dafür sorgt das umfangreichen Analysen unterzogene doing gender. Es ist fraglich, ob sich diese Person nun eine besondere Performanz überlegen sollte, bspw. nackt laufen, damit ihre Brüste gesehen und der Körper als ‚Frau mit Bart‘ dekodiert wird – oder ob nicht sinnvoller weise auch die Grenzen einer irritierenden Performanz anerkannt und alternative Überlegungen zur Überwindung der geschlechtlichen Dichotomisierung in Erwägung gezogen werden sollten. C Alternative Überlegungen zu aktualer Geschlechterpolitik Vorgängige Gedanken waren von Distanz und Abstand zu voreiligen Heilsversprechen durch queer und transgender geprägt, wenngleich die Notwenigkeit einer Veränderung sozialer Verhältnisse nur betont werden kann. So jedoch Gleichstellung mit der Herrschaft, formuliert im allseits bekannten ‚Me-too-ismus‘, nicht Präferenz sein soll und eine irritierende Performanz an ihre Grenzen stößt, gleichwohl eine Artikulationsunfähigkeit nicht das Ziel sein kann, sind Alternativen zu derzeit dominierenden Politikkonzepten gefragt. 1. Ich schlage eine 'Wiederbelebung' radikalfeministischer Ansätze und deren Weiterentwicklungen aus lesbischen Kreisen vor. Diese leisten eine Reflexion patriarchaler Rahmenbedingungen, die es fortgesetzt zu überwinden gilt. Ein Fehler des radikalen Feminismus war, seine Anliegen aufgrund der praktischen Ein- und Ausschlußdiskussionen auf Biologismen zu stützen und dadurch selbst patriarchal zu argumentieren. Diesen Zirkelschluß gälte es zu überwinden, indem queer und transgender die eigenen Perspektiven auf patriarchale Konnotationen hin analysiert und vice versa, wie bereits in Diskussion, Ausschlüsse ob ihrer fortgesetzten Praxistauglichkeit untersucht werden. 2. Ich sprach oben bereits an, daß es wenig sinnvoll ist, Hermaphroditen lediglich mitzumeinen, sich aber nicht mit den konnotierten theoretischen Überlegungen und lebenspraktischen Aspekten auseinanderzusetzen. Ich plädiere für eine solche Reflexion, da sie zum einen weit über die Individuen hinausgehende Erkenntnisgewinne bringt als auch das gesellschaftskritische Potential bei jenen als intersexuell gelabelten Menschen prinzipiell nicht als gering angesehen werden kann, wenn auch aktuell weitgehend darniederliegend. Aber sie haben nichts zu verlieren und eine solche soziale 'Aussicht' kann Radikalität formulieren. 3. Eine zur Geschlechterpolitik wesentlich grundsätzlichere Fragestellung, statt die jeweils formulierte Selbstbestimmung gegen etwaige Interessen Anderer durchzufechten, könnte dahingehend lauten, wie Menschen nicht mittels Qualitätsmerkmalen determiniert wahrgenommen werden könnten. Diese Frage stellt sich jenseits aller special-interest-Formulierungen und muß neben der körperlichen auch die geistige und seelische Komponente beinhalten. Es scheint heutzutage fast gewagt, ein Plädoyer für die Akzeptanz von Schmerzen und Unwohlsein als auch geistige und körperliche Devianz auszusprechen. 4. Ethisch ernstzunehmende Diskussionen, wie etwa von Emmanuel Levinas (Hausarbeit: "Verfolgung durch den Anderen") geäußert, sollten m. E. stärker verfolgt werden. Dieser postuliert eine Ethik des Fremden, indem er von einer grundsätzlichen Fremdheit zwischen Menschen ausgeht, die zu überwinden nur durch das Sagen gelingt. Das Sagen wird zu jeglicher Kommunikation vorausgesetzt und impliziert, den Anderen als von mir unterschiedlich wahrzunehmen. Nicht durch eine Rolle tritt mir dieser Alien gegenüber, sondern durch das Antlitz. Füge ich diesem radikalen Nicht-ich Schaden zu, negiere ich eine Getrenntheit und reproduziere bloße Intentionalität, Projektion und Gewalt. 5. Eine weitere eklatante Herausforderung an diese Kultur wäre das Brechen mit dichotomisierten Cluster- und Wertvorstellungen. Diese sehr abstrakte Überlegung scheint heute jedoch keine Anwendungsfähigkeit auf den geschlechtlichen Alltag zu haben. Fußnoten [1] Money, Hampson & Hampson 1955 [2] Hausman 1995: 95 [3] Schober 1999 [4] Stoller 1968 [5] vgl. Colapinto 2000 [6] Der Begriff 'Gesundheit' beinhaltet neben der Distinktion zur Krankheit auch den aktuelleren Code 'lebensförderlich/lebenshinderlich', welcher nicht nur auf den streng medizinischen Sektor anwendbar ist, sondern zu einem sozialen Leitgedanken generierte. Zur sozialen und terminologischen Bedeutung der Gesundheit vgl. bspw. Bauch 1996, Sierck 1989, Weikert 1998 Literatur Bauch, Jost (1996): Gesundheit als sozialer Code. Von der Vergesellschaftung des Gesundheitswesens zur Medikalisierung der Gesellschaft. Weinheim, München Colapinto, John (2000): Der Junge, der als Mädchen aufwuchs. Düsseldorf, Zürich Hausman, Bernice (1995): Changing Sex. Transsexualism, Technology and the Idea of Gender. Durham, London Jantzen, Wolfgang (1995): Das Ganze muß verändert werden. Zum Verhältnis von Behinderung, Ethik und Gewalt. Berlin Money, John, Joan G. Hampson, John L. Hampson (1955): Sexual incongruities and psychopathology: The evidence of human hermaphroditism. Bulletin of the Johns Hopkins Hospital 97 (4): 43-57 Schober, Justine (1999): Long-term outcomes and changing attitudes to intersexuality. BJU international 83 (3): 39-50 Sierck, Udo, Nati Radtke (1989): Die Wohltätermafia. Vom Erbgesundheitsgericht zur Humangenetischen Beratung. Frankfurt/M. Stoller, Robert (1968): Sex and Gender. On the Development of Masculinity and Femininity. New York Weikert, Aurelia (1998): Genormtes Leben. Bevölkerungspolitik und Eugenik. Wien Beitrag von Michel Reiter zur Tagung 'Transgender oder die Frage nach geschlechtlicher Selbstbestimmung' am 26.10.00 in FFM