| Kretische Kuven Die Überfahrt Kretische Kurven Agia
Varvara liegt ziemlich genau auf der Wasser-scheide zwischen Kretas
Nord- und Südküste. Von nun an geht es wieder bergab. Ich bin
die Strecke bereits mehrmals mit dem Motorrad gefahren und war immer
wieder von den kretischen Straßenkurven überrascht. Die
idealtypische kretische Kurve beginnt mit einem großen Radius,
der sich zum Ende hin sehr verkleinert, was zu erheblicher
Fliehkraftverstärkung am Ende der Kurve führt, sodass man
versucht ist, stark zu bremsen, was aber nicht geht, weil die Kurve mit
rötlicher Erde verschmiert ist und man deshalb sofort ins
Schleudern geriete. Was wiederum fatal wäre, weil die Kurve auch
stark nach außen hängt und hinter dem Straßenrand ein
Abgrund von ca. 200 Metern gähnt, mit senkrechten Wänden
natürlich. Am Ausgang der Kurve steht ein Hirte mit einer
Schafherde oder ein Ziegenbock ohne Aufsicht. Beides verleitet wiederum
zum Bremsen, was aber aus vorstehend genannten Gründen nicht
möglich ist und so muss man der Herde und dem Hirten oder dem
Ziegenbock mit einer Schleuderbewegung des Hinterrades ausweichen,
wodurch das Motorrad seitlich verschoben wird. Das nun folgende
Schlagloch von ca. einem Meter Tiefe und zwei Metern Länge
überspringt man einfach, indem man sich auf dem Sitz
zurückwirft, das Vorderrad emporreißt, sich dann blitzartig
nach vorne über den Tank beugt und so das Hinterrad entlastet.
Die Überfahrt Einige
der schönsten, unvergesslichsten Augenblicke meines Lebens erlebte
ich auf der Fähre von Athen zur Insel Hydra mit Laura, meiner
späteren amerikanischen Frau. Dies war der Abend, an dem Athen die
olymp-ischen Sommerspiele zugesprochen worden waren. Es war schon
dunkel, das Schiff bereits einige Kilometer außerhalb des Hafens,
als plötzlich ein Schrei durch das Schiff schallte,
ausgestoßen von hunderten Griechen: „Wir haben die Olympischen
Spiele, wir haben die Olympischen Spiele!“ Freunde, Familienmitglieder
und sich gänzlich Unbekannte umarmten einander und
beglückwünschten sich in einem Freuden- taumel, wie er wohl
nur bei Griechen möglich ist. Ich nehme an, der Kapitän hatte
die freudige Nachricht über Radio gehört und dann über
die Bordlautsprecher bekannt gegeben.
Da
wir beide aber zu sehr mit uns beschäftigt waren, hatten wir wohl
die Botschaft überhört. Ein weiterer Aufschrei ertönte
und wir blickten zurück nach Athen, das plötzlich zu
explodieren schien. Hunderte, nein tausende, zigtausende
Feuerwerkskörper schienen auf einmal in die Luft zu fliegen und
ihr buntes Licht über Athen zu gießen. Es war ein Feuerwerk,
wie ich es in diesem Ausmaß noch nie gesehen hatte. Es dauerte
lange, bis Athen und seine Lichter nicht mehr zu sehen waren.
Dann umfing uns wieder die dunkle Nacht und nur noch die Sterne beleuchteten das oberste Deck, auf dem wir standen. Auf dem Schiff war wieder Stille ein-gekehrt, wir hielten uns an den Händen und küssten uns. „I love you more than you can imagine, forever, forever, forever”, flüsterte mir Laura ins Ohr, “the stars are my witness”. Ich war sprachlos vor Glück und konnte gar nichts sagen, so küsste ich sie nur wieder und wieder und drückte sie ganz fest an mich, hoffend, sie nie mehr loslassen zu müssen. Und dies war einer jener Mo-mente, wie man sie im Leben nur ganz, ganz selten erlebt, weil man nie bereit ist für sie. Ich war es, ich konnte in diesem Augenblick meine Seele weit öffnen und das Glück, die Liebe, ganz tief in mich eindringen lassen. Es schien, als wären wir verschmolzen, mit uns und mit dem Himmel, mit dem Mond und mit den Sternen und alles war genauso, als hätte diesen Moment Gott für uns ausgewählt. Es war der perfekte Moment, von dem jeder Mensch träumt, ihn einmal zu erleben. |
| Home Kommentar ins Gästebuch Mail |