Gottfried Glechner-Textproben
GOTTFRIED GLECHNER
3. Juli 1916 - 10. Oktober 2004


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Künign gats mehrer  >>Hörprobe

Da Stelzhamer Franz is heunt a berühmter Mann. Des is er eigentli schon bei seinn Lebzeitn gwen, aber weil ma ja von Lob und von Ruhm nix aherbeißn kann, hat er meistens zweng zon Essen ghabt und nia koa Geld; des hat oft kám fürs Trinka kleckt. Drum hat si der Franz narrisch gfreut, wia r a eines Tages a Einladung von boarischen Küni kriagt, er derfat am Königshof seine Gedichte vortragn, vor die Majestätn und Prinzen und Komtessn und vor de Oberkämmerer und Hofmarschälle und de ganzen Hofdamen, die in a so an Haus umanandsitzn. Des is a houhe Auszeichnung und tragt ebbs.

So, und iazt sitzt da in den königlichen Kammersaal de feine Hofgesellschaft, und ganz vorn der Küni, Maximilian von Wittelsbach, und vor seiner áf n Podium steht der Dichter, Franz von Piesenham. Und da Franz schaut grad hübsch granti, weil de Gsellschaft s Schwätzn net aufhört und weil na a paar Hofdámen durchs Lorgnion anschaun, wia wanns s sagn mechtn:„Ahan! A so schaut ein gemeiner Mensch aus dem Volke aus!“ Wia s aber dann doh ruhig wird, da fangt der Franz s Vortragn an: von Wanderstab, der sein Lebn is, und von der Muatterliab, de is wiar an ewiger Brunn, und vo den Kerschbam, der koane Kersch tragt, aber allweil blüaht. Und vo da Hoamat, de unser zweiter Muatterleib is, und vo der Lustigkeit, vor derst an Huat a(b)toan muaßt.

Und er is selber ganz ergriffn, und des braucht ma zu an guatn Vortrag, und er kunnts nuh viel besser, wann net da a paar Hofdamen sáßen, de habnd a Büachl i der Händ und lesen allweil mit, und rührn de ganz Zeit n Fotz wia bein Rousenkranzbetn,
und da traust dar schier koa Pause nimmer macha, weilst moanst, de schrein dar vür! Wia wann dar ebba r an Witz weggaschnappt, denst verzähln mechst. Der Franz schaut schon ganz bes — und iazt redt er gen oane an!

Aber da gibt der Küni a Zoacha. Es is iazt Pause. Da Oberkämmerer weist n Franzn in a Zimmer nebenan, da steht an Erfrischung äf an Tischl und a Gläsl Wein, und da Franz sollt eahms schmecka lassn. Aber eahm schmeckt nix — grad der Wein —‚ und wia der Kämmerer wieder kimmt und sagt, n Küni hats recht gfalln und er laßt eahm a Kompliment ausrichtn, da sagt der Franz, er mags net, dáß wer mitlest, wann er vortragt, und der Kämmerer sollts de Hofdamen sagn . „Sunst mag i nimmer!“ sagt er. „Mein lieber Herr Stelzhamer, des können wir nicht machen, des hand lauter durchlauchte Hoheiten!“ — „Des is mir gleich“, sagt der Franz, „wann nuh wer mitlest, her i auf! Und des sagts iazt an Herrn König!“ — Des kann er eahm net sagn, moant der Kämmerer. „Ja, wiass moants; nachan hör i halt auf. Künign gats mehra, Stelzhamer grad oann! — So, des kinnts eahm ausrichtn!“ -

So was hat der Kämmerer nuh nia ghert. Weil er aber gspürt, dáß s ernst is, geht er doh zon Küni und wischpert a weng damit. Und — schauts enk des an! Bevor der Vortrag weitergeht, da steht der Küni af, dráht si um und sagt zo de versammelten Herrschaften, es möge bein Vortrag des Herrn Stelzhamer niemand mehr mitlesen. Und der Franz von Piesenham tritt wieder auf und spricht wia r a Küni — so frei — und tauschat mit neamd vo allsand, de da sitzn.

Und was eahm ebba der Maximilian von Bayern denkt hat? — Sápparadi! Wann de lnnviertler allsand so grouß dran hánd und so an Dickschädl habnd — sollt mar leicht eh frouh sein, dáß mar s anbracht habn? Oider is am End doh schad drum — grad wegn den?