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Als Ansprechpartner empfehlen wir Ihnen:

Dir. u. Prof. Dr. Dr. Manfred Gareis
E-Mail: m-gareis@baff-kulmbach.de
Bundesanstalt für Fleischforschung
E.-C. Baumann-Straße 20
95326 Kulmbach

Mykotoxine, Forschung in Deutschland

(erschienen: Aug. 2001) Im Naturgeschichtlichen Alphabet von Wilhelm Busch steht unter dem Buchstaben A: "Im Ameishaufen wimmelt es, der Aff´ frißt nie Verschimmeltes". Weshalb nicht, kann man sich fragen und ob der scharfsinnige Autor dies nur um des Reimes willen schrieb. Wahrscheinlich nicht, da seit Menschengedenken Kenntnis darüber existiert, dass sich hinter verschimmelten Lebens- und Futtermitteln Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier verbergen können. - Weiter im Text ...
Tote Truthühner lösen Forschung aus

Vergiftungen durch Schimmelpilztoxine sind seit langem bekannt und in großem Ausmaß über die letzten Jahrhunderte aufgetreten. Im Dunkeln blieben allerdings die kausalen Zusammenhänge zwischen den Krankheiten bzw. Symptomen und den Auslösern. Letztlich war es die moderne Massentierhaltung, die deutlich machte, welch große gesundheitliche Schäden und ökonomische Verluste durch Pilzgifte hervorgerufen werden können: Anfang der 60er-Jahre beunruhigten Berichte über ein rätselhaftes Massensterben von Truthühnern in England die Öffentlichkeit. Die als "Turkey X" bezeichnete mysteriöse Krankheit führte zum Tod von 100.000 jungen Truthühnern, wobei als auffälligste pathologische Veränderung Leberkarzinome diagnostiziert wurden. In Folge erkrankten auch Entenküken, Fasane und Forellen in außerordentlich hoher Anzahl sowie viele andere Nutztiere. Als Ursache wurden schließlich Stoffwechselprodukte des Schimmelpilzes Aspergillus flavus (Abb.) - die Aflatoxine - im Futter, brasilianischem Erdnussmehl, nachgewiesen. Aufgrund der sehr ernsten ökonomischen Auswirkungen begann mit dem Auftreten der Turkey X-Disease eine intensive wissenschaftliche Aktivität in vielen Ländern - die Mykotoxinforschung war geboren.

Intensive Forschung in Deutschland

Speziell in Deutschland hat die Mykotoxinforschung Tradition: Sie kann auf eine über dreißigjährige, sehr erfolgreiche Geschichte zurückblicken, die von den Forschungseinrichtungen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) bedeutend geprägt wurde. Bereits 1979 trafen sich Wissenschaftler des Ressortforschungsbereiches, die sich mit Mykotoxinen beschäftigten, in Kulmbach zu einem Diskussionsforum - dem "1. Mykotoxin-Workshop".
Mittlerweile fanden 22 Veranstaltungen, zuletzt im Jahr 2000 in Bonn statt, die überwiegend von BMVEL-Forschungseinrichtungen (BAFF, BAfM, BAGKF, BFE, FAL) veranstaltet wurden. Aus dem "Mykotoxin-Workshop", der ursprünglich als Forum der Wissenschaftler des BMVEL gedacht war, ist inzwischen eine eigenständige Veranstaltung geworden - ein wissenschaftlicher Kongress weit über den Ressortforschungsbereich und deutsche Grenzen hinaus. Mit Teilnehmerzahlen von rund 150 stellt dieser Workshop mittlerweile die weltweit größte jährliche Fachtagung im Bereich der Schimmelpilz- und Mykotoxinforschung dar.
Giftige Naturstoffe und die Aufnahme durch Nahrung und Staub

Mykotoxine sind für Mensch, Tier und Pflanze giftige Naturstoffe. Sie werden im Rahmen des Sekundärstoffwechsels von bestimmten Pilzen - Micromyceten - beim Wachstum auf pflanzlichen Substraten gebildet. Mehr als 400 Stoffwechselprodukte von Pilzen mit toxischer Wirkung sind mittlerweile bekannt. Glücklicherweise treten jedoch nicht alle in der Nahrungskette auf. Von etwa 20 Mykotoxinen ist bekannt, dass sie in Nahrungsmitteln häufig und in höheren Konzentrationen auftreten können und daher aus Sicht des Verbraucherschutzes Bedeutung besitzen. Diese Toxine werden hauptsächlich von fünf Pilzgattungen gebildet: Aspergillus, Penicillium, Fusarium, Alternaria und Claviceps (Abb. 3).
Die wichtigsten Giftstoffe, die von diesen Pilzen gebildet werden, sind in Tabelle 1 aufgeführt. Kennzeichnend für die Mykotoxine sind die vielfältigen toxischen Eigenschaften: Sie können Krebs erzeugen (Aflatoxine, Ochratoxin A und Fumonisine), mutagen wirken (Aflatoxine und Sterigmatocystin), Missbildungen auslösen (Ochratoxin A), das Hormonsystem beeinflussen (Zearalenon), Blutungen hervorrufen (Trichothecene), das Immunsystem beeinträchtigen (Aflatoxine und Ochratoxin A), Nierenschäden verursachen (Ochratoxin A, Citrinin), die Haut schädigen (Trichothecene), Zellen schädigen (Trichothecene) und das Nervensystem angreifen (Penitrem, Ergotoxine).

Aufnahme durch Nahrung und Stäube

Die Erkrankungen durch Mykotoxine werden als Mykotoxikosen bezeichnet. Ausgelöst werden sie sowohl beim Menschen als auch bei den Nutztieren vor allem durch die Aufnahme kontaminierter Lebens- und Futtermittel. Darüber hinaus birgt auch das Einatmen mykotoxinhaltiger Stäube eine gewisse Gefahr. Nahezu 60 Länder haben Bestimmungen zur Kontrolle von Mykotoxinen (vor allem Aflatoxine) in Lebens- und Futtermitteln erlassen oder vorgeschlagen. Als natürlich vorkommende Gifte sind Mykotoxine auf allen Stufen der Nahrungskette zu finden. Sie sind daher eine interdiziplinäre Herausforderung der Wissenschaft im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit, dem Verbraucherschutz und der Tiergesundheit.


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