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Mykotoxine, Forschung in Deutschland |
 (erschienen:
Aug. 2001) Im Naturgeschichtlichen Alphabet von Wilhelm Busch steht
unter dem Buchstaben A: "Im Ameishaufen wimmelt es, der Aff´ frißt nie
Verschimmeltes". Weshalb nicht, kann man sich fragen und ob der
scharfsinnige Autor dies nur um des Reimes willen schrieb.
Wahrscheinlich nicht, da seit Menschengedenken Kenntnis darüber
existiert, dass sich hinter verschimmelten Lebens- und Futtermitteln
Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier verbergen können. - Weiter im
Text ...
Tote Truthühner lösen Forschung aus
 Vergiftungen
durch Schimmelpilztoxine sind seit langem bekannt und in großem Ausmaß
über die letzten Jahrhunderte aufgetreten. Im Dunkeln blieben
allerdings die kausalen Zusammenhänge zwischen den Krankheiten bzw.
Symptomen und den Auslösern. Letztlich war es die moderne
Massentierhaltung, die deutlich machte, welch große gesundheitliche
Schäden und ökonomische Verluste durch Pilzgifte hervorgerufen werden
können: Anfang der 60er-Jahre beunruhigten Berichte über ein
rätselhaftes Massensterben von Truthühnern in England die
Öffentlichkeit. Die als "Turkey X" bezeichnete mysteriöse Krankheit
führte zum Tod von 100.000 jungen Truthühnern, wobei als auffälligste
pathologische Veränderung Leberkarzinome diagnostiziert wurden. In
Folge erkrankten auch Entenküken, Fasane und Forellen in
außerordentlich hoher Anzahl sowie viele andere Nutztiere. Als Ursache
wurden schließlich Stoffwechselprodukte des Schimmelpilzes Aspergillus
flavus (Abb.) - die Aflatoxine - im Futter, brasilianischem
Erdnussmehl, nachgewiesen. Aufgrund der sehr ernsten ökonomischen
Auswirkungen begann mit dem Auftreten der Turkey X-Disease eine
intensive wissenschaftliche Aktivität in vielen Ländern - die
Mykotoxinforschung war geboren. Intensive Forschung in Deutschland Speziell
in Deutschland hat die Mykotoxinforschung Tradition: Sie kann auf eine
über dreißigjährige, sehr erfolgreiche Geschichte zurückblicken, die
von den Forschungseinrichtungen des Bundesministeriums für
Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) bedeutend
geprägt wurde. Bereits 1979 trafen sich Wissenschaftler des
Ressortforschungsbereiches, die sich mit Mykotoxinen beschäftigten, in
Kulmbach zu einem Diskussionsforum - dem "1. Mykotoxin-Workshop". Mittlerweile
fanden 22 Veranstaltungen, zuletzt im Jahr 2000 in Bonn statt, die
überwiegend von BMVEL-Forschungseinrichtungen (BAFF, BAfM, BAGKF, BFE,
FAL) veranstaltet wurden. Aus dem "Mykotoxin-Workshop", der
ursprünglich als Forum der Wissenschaftler des BMVEL gedacht war, ist
inzwischen eine eigenständige Veranstaltung geworden - ein
wissenschaftlicher Kongress weit über den Ressortforschungsbereich und
deutsche Grenzen hinaus. Mit Teilnehmerzahlen von rund 150 stellt
dieser Workshop mittlerweile die weltweit größte jährliche Fachtagung
im Bereich der Schimmelpilz- und Mykotoxinforschung dar.
Giftige Naturstoffe und die Aufnahme durch Nahrung und Staub Mykotoxine
sind für Mensch, Tier und Pflanze giftige Naturstoffe. Sie werden im
Rahmen des Sekundärstoffwechsels von bestimmten Pilzen - Micromyceten -
beim Wachstum auf pflanzlichen Substraten gebildet. Mehr als 400
Stoffwechselprodukte von Pilzen mit toxischer Wirkung sind mittlerweile
bekannt. Glücklicherweise treten jedoch nicht alle in der Nahrungskette
auf. Von etwa 20 Mykotoxinen ist bekannt, dass sie in Nahrungsmitteln
häufig und in höheren Konzentrationen auftreten können und daher aus
Sicht des Verbraucherschutzes Bedeutung besitzen. Diese Toxine werden
hauptsächlich von fünf Pilzgattungen gebildet: Aspergillus,
Penicillium, Fusarium, Alternaria und Claviceps (Abb. 3).  Die
wichtigsten Giftstoffe, die von diesen Pilzen gebildet werden, sind in
Tabelle 1 aufgeführt. Kennzeichnend für die Mykotoxine sind die
vielfältigen toxischen Eigenschaften: Sie können Krebs erzeugen
(Aflatoxine, Ochratoxin A und Fumonisine), mutagen wirken (Aflatoxine
und Sterigmatocystin), Missbildungen auslösen (Ochratoxin A), das
Hormonsystem beeinflussen (Zearalenon), Blutungen hervorrufen
(Trichothecene), das Immunsystem beeinträchtigen (Aflatoxine und
Ochratoxin A), Nierenschäden verursachen (Ochratoxin A, Citrinin), die
Haut schädigen (Trichothecene), Zellen schädigen (Trichothecene) und
das Nervensystem angreifen (Penitrem, Ergotoxine). Aufnahme durch Nahrung und Stäube Die
Erkrankungen durch Mykotoxine werden als Mykotoxikosen bezeichnet.
Ausgelöst werden sie sowohl beim Menschen als auch bei den Nutztieren
vor allem durch die Aufnahme kontaminierter Lebens- und Futtermittel.
Darüber hinaus birgt auch das Einatmen mykotoxinhaltiger Stäube eine
gewisse Gefahr. Nahezu 60 Länder haben Bestimmungen zur Kontrolle von
Mykotoxinen (vor allem Aflatoxine) in Lebens- und Futtermitteln
erlassen oder vorgeschlagen. Als natürlich vorkommende Gifte sind
Mykotoxine auf allen Stufen der Nahrungskette zu finden. Sie sind daher
eine interdiziplinäre Herausforderung der Wissenschaft im Zusammenhang
mit der Lebensmittelsicherheit, dem Verbraucherschutz und der
Tiergesundheit.
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