100 x Singen
047 Holdio pdf
midi Arrangement / 1 Ganzton höher / Terz höher / Quart höher / Quinte höher
Das Jodellied früher und heute
Die Literatur war früher mehr auf Chöre abgestimmt. Heute gibt es viele Partituren für Kleinformationen. Auch die Vokalisation (Jodelworte) haben sich geändert. Der Grund dafür dürfte darin liegen, das die früheren du ja ho oder ri di ja ho nicht so sangbar und wohlklingend waren wie die heutigen jo u lu lü ju oder jo ho lü jo.
Intonierte man früher eher ungepflegt und laut, legt man heute grossen Wert auf eine gute Aussprache, auf dynamische Gestaltung und eine sorgfältige Tongebung. Das Ziel heisst: Gepflegten, aber natürlichen Gesang. Nur so finden die Melodien ihre Übertragung von Herz zu Herz.Quelle: Marianne Weingart, Berner Kantonaler Jodlerverband
Aus der Zeitung:
Genf (dpa) - Zischender Atem erfüllt den Raum. Im Hinterzimmer des
Cafe de l'Amitie in Genf lassen neun Männer und eine Frau in bequemer
Freizeitkleidung locker die Köpfe kreisen. Was auf den ersten Blick
aussieht wie der Beginn einer Yoga-Stunde für Anfänger, ist das kurze
Aufwärmprogramm, das die Sänger des «Jodel-Alpen-Klubs» jeden
Montagabend zu Beginn ihrer Probe absolvieren.
Chorleiter Hans Bosshart gibt ein A vor und los geht's. Dunkel
brummen die Herren, während Jodlerin Marlies Rey sich mit «Jo-hu-la-
lo-la» und «Ho-lo-hü-ho» zu stimmlichen Höhenflügen aufschwingt.
Jodeln ist in der Schweiz kein Hobby allein für alte Bauern und
fröhliche Sennerinnen. «Auch wenn Zwei-Drittel der organisierten
Jodler auf dem Land leben, wir verzeichnen aber auch in den Städten
und bei den jungen Leuten regen Zulauf», meint Peter Portmann,
Präsident des Eidgenössischen Jodlerverbands.
Der 55jährige Druckereibesitzer aus dem Kanton Obwalden freut sich
über diese Jodel-Renaissance, die seinem Verband seit Anfang der 90er
Jahre einen Anstieg der Mitgliederzahlen um 5 000 auf nunmehr 25 000
organisierte Jodler beschert hat.
«Gerade den jungen Leuten gibt die Kameradschaft im Jodelklub
Halt», sagt Portmann. Der bärtige Brauchtumsfreund ist selbst seit 28
Jahren Mitglied im «Jodel-Klub-Sarnen», wo Rentner und Jugendliche
Seite an Seite jodeln und singen.
Vollwertiges Mitglied in einem Schweizer Jodelklub kann nur
werden, wer über 15 Jahre alt ist und ein Probejahr absolviert hat.
«Ich hätte das Eintrittsalter ja gerne gesenkt», sagt Oberjodler
Portmann. Doch einige ältere Verbandsmitglieder hätten sich gegen
eine Änderung der Statuten gesträubt.
Marlies Rey ist mit ihren 36 Jahren jüngstes Mitglied des «Jodel-
Alpen-Klubs» in Genf. In der französischsprachigen Westschweiz ist es
viel schwieriger, talentierten Jodel-Nachwuchs zu rekrutieren, denn
die Jodellieder - Ausdruck inniger Heimatliebe - werden in der Regel
auf Schweizerdeutsch gesungen.
In den Texten von Jodellied-Komponisten wie Adolf Stähli geht es
vor allem um klare Bergseen, frische Luft und gute Kameraden. Wenn
der Alpen-Klub aus Genf mit seiner 90jährigen Vereinstradition von
einem «Schmützli im Dunkle» (Kuß in der Dunkelheit) singt, dann ist
für konservative Folklorefans schon die äußerste Grenze des
Schicklichen erreicht.
Doch so traditionsbewußt sich die Schweizer Jodler auch geben
mögen, der Ursprung des Jodelns ist bis heute umstritten. Einige
Forscher sehen im ursprünglichen Jodelgesang eine volkstümliche
Abwandlung des Gregorianischen Chorals. Andere halten die Jodeltöne
für Verständigungslaute aus der Zeit, als es in den Schweizer Bergen
noch kein Telefon gab.
Auch die Bezeichnung für das Jodeln variiert je nach Landstrich
und Dialekt. In Basel heißt es Juchzgen, in Obwalden Juize, andere
wieder sprechen vom Jutzen. Nur in einem Punkt ist man sich einig:
Das Jodeln gehört zum Schweizer ebenso wie das Fahnenschwingen, das
Alphornblasen und die Liebe zu den Bergen.
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