Peter J. Tschaikowsky

Ballettmusik: Nussknacker

Das Ballett Der Nussknacker wurde am 6. Dezember 1892 gemeinsam mit der einaktigen lyrischen Oper Jolanthe am St. Petersburger Mariinsky Theater uraufgeführt. Als literarische Grundlage für das Ballett hatte E. T. A. Hoffmanns Erzählung Nussknacker und Mausekönig in einer damals in Russland sehr beliebten Bearbeitung von Alexandre Dumas gedient. Der Choreograf Marius Petipa erteilte Tschaikowsky genaue Anweisungen hinsichtlich Charakter und Taktzahl der einzelnen Nummern, die vom Komponisten strikt befolgt wurden. Der "Tanz der Zuckerfee", "Trepak" und der "Blumenwalzer" haben sich seit der Uraufführung auch einen fixen Platz im Konzertrepertoire erobert.

Ballettmusik: Schwanensee

"Schwanensee" (russisch: Lebedinoje osero, französisch: Le Lac des Cygne, englisch Swan Lake) ist das beliebteste aller klassischen Ballette, "das schönste Ballett, das man sich vorstellen kann" (Galina Ulanowa). Es war vor "Dornröschen" und "Nussknacker" die erste Ballettkomposition Peter I. Tschaikowskys (1840-1893). Die drei Ballette des russischen Meisters sind unbestritten der Gipfelpunkt des klassischen Balletts. Von diesen dreien hat "Schwanensee" dank der beispiellosen Schönheit der musikalischen und tänzerischen Gestaltung einer hohen humanistischen Idee die nachhaltigsten Wirkungen hervorgerufen.

In einem Brief an den Komponisten Rimsky-Korssakow schrieb Tschaikowsky am 10. September 1875, dass er den Auftrag der Direktion des Moskauer Bolschoi-Theaters, die Musik zu dem Ballett "Schwanensee" zu schreiben, gern annahm, einmal, weil er das Geld sehr nötig brauchte, und zweitens, weil er "seit langem den sehnlichen Wunsch" hatte, eine ,große Ballettmusik zu schreiben. Da Tschaikowskys Musik immer einen starken gestischen und häufig auch tänzerischen Charakter trägt, ist dieser Wunsch keineswegs verwunderlich, zumal sich seit Gluck, Beethoven und Adolphe Adam kaum ein wirklich bedeutender Komponist der Ballettkunst zugewandt hatte. Die Musik zu den großen Balletten stammte vorwiegend von den zaristischen Ballettdirigenten Cesare Pugni und Ludwig Minkus, deren am laufenden Band entstandenen Ballettmusiken zwar den spezifischen Besonderheiten dieses musikalischen Genres entsprachen, aber wesentlicher künstlerischer Qualitäten entbehrten.

Das auf deutsche Märchenmotive zurückgehende Libretto ist vorzüglich aufgebaut. Der Grundgedanke der Überwindung des Bösen durch die unüberwindliche Liebe zweier edler Menschen, der Triumph des Guten im Leben der Menschen, zieht sich folgerichtig durch alle vier Akte. Die Tänze der Schwanenmädchen im zweiten und vierten Akt gaben dem Choreographen reichlich Gelegenheit, alle Künste des Ballet blanc zu entfalten. Für die verschiedensten Solotänze, Pas de deux, Pas de trois, ... und die nationalen Charaktertänze gibt das Libretto breiten Raum. Die Charakterentwicklung des Prinzen und vor allem die Gestaltung der Doppelrolle der Odette und Odile gehören zu den schönsten und anspruchsvollsten Aufgaben der gesamten Ballettliteratur.

Die Uraufführung im Jahre 1877 in Moskau hatte keinen nachhaltigen Erfolg. Der Choreograph Reisinger und der Dirigent wurden dieser großen Aufgabe nicht gerecht. Außerdem waren mehrere Tänze der Musik Tschaikowskys weggelassen worden, da sie angeblich "nicht tanzbar" waren. Sie wurden durch einige Nummern aus damals gängigen Balletten anderen Balletten ersetzt.
Tschaikowsky war über den Misserfolg seines ersten Ballets sehr enttäuscht und suchte die Ursache in seiner Musik. Er trug sich jahrelang mit der Absicht, das Werk neu zu bearbeiten, aber er kam nie dazu. Nachdem seine Ballette "Dornröschen" (1890) und "Nussknacker" (1892) in St. Petersburg großen Erfolg hatten, hätte er sich "Schwanensee" wieder zuwenden können. Er fiel jedoch einer Choleraepidemie zum Opfer und starb am 6. November 1893.