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| KuKeLe - die melange, 03/2004 |
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Kulturen? Kennen Lernen!
Der von EthnologInnen gegründete Verein KuKeLe betreibt seit 1998 Kulturvermittlung. Grenzen, die dabei überwunden werden, bestehen nicht real, sondern in den Köpfen. Die im Herbst 2004 anlaufende Bildungsoffensive beschäftigt sich anlässlich des laufenden UNO-Gedenkjahres mit der Abschaffung der Sklaverei.
Wien war schon immer eine multikulturelle Stadt – von den tschechischen Ziegelarbeitern in den Zeiten Österreich-Ungarns bis zu den Gastarbeitern, die seit den 1960er Jahren hierher gekommen sind und entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung Österreichs beigetragen haben. Anfang der 1990er Jahre hat die Wiener Fotografin Lisl Ponger eine Reise durch Wien unternommen und 70 Länder besucht – ohne die Stadt zu verlassen und ohne Grenzen zu überschreiten. Doch auch Flüchtlinge erreichen unser Land: etwa Menschen aus Ex-Jugoslawien oder Afghanistan.
Mehr als Chop Suey
Fremde Menschen bereichern eine Gesellschaft um mehr als nur exotisches Essen: Andere Sprachen und Lebenskonzepte sind aber nicht immer der Anstoß für eine Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, sondern lösen auch Unverständnis aus. „Wir sehen MigrantInnen nicht als Gefahr sondern als Bereicherung“, sagt die Ethnologin Andrea Hiller von KuKeLe. Der Name steht für „Kulturen Kennen Lernen“ und drückt das zentrale Anliegen des gemeinnützigen Kulturverein aus: Informationslücken über fremde Kulturen zu füllen. Indem Missverständnisse aufgeklärt werden, wird das „Fremde“ vertrauter. „Einstellungen werden in den ersten Lebensjahren entscheidend geprägt“, weiß Hiller. „In unseren Workshops erarbeiten wir gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aktuelle Zusammenhänge.“ Workshop-Projekte beschäftigen sich etwa mit Australien, Afghanistan oder dem Islam. Ethnologische Stadtführungen werden ebenfalls angeboten.
Indischer Tanz
Die Musikethnologin Angelika Gitanjali Stadelmann leitet Workshops zum klassischen indischen Tanz Bharatanatyam, der Schauspiel und Tanz vereint: Trainiert werden nicht nur Rhythmik und abstrakte Tanzfolgen, sondern auch die Vermittlung von Emotionen mittels Mimik und Körperhaltungen. Auch Geschichten aus der hinduistischen Mythologie werden getanzt. Durch den persönlichen körperlichen und emotionalen Einsatz beim Erlernen von neuen Bewegungen und den Ausdruck von Gefühlen werden Aspekte der indischen Kultur unmittelbar erlebt: Die WorkshopteilnehmerInnen lernen hinduistische Gottheiten kennen und erfahren, wie der traditionelle Tanz-Sari gewickelt wird.
2004: UNO-Jahr zur Abschaffung der Sklaverei
Heuer ist das UNO-Jahr zum Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei. Die aktuelle KuKeLe-Bildungsoffensive beschäftigt sich mit diesem Thema, bei dem viele an vergangene Zeiten denken: an römische Galeerensklaven oder an Sklaven, die auf den Baumwollplantagen im Süden der USA schufteten. Dort ist der Besitz eines anderen Menschen seit 1865 verboten, in Brasilien seit 1888, im nordafrikanischen Mauretanien erst seit dem Jahr 1980!
Workshop-Teilnehmer erfahren, dass trotzdem heute weltweit rund 27 Millionen Menschen in Sklaverei leben. „Neben der Sensibilisierung für das Thema werden aber auch Lösungsstrategien vermittelt“, sagt Andrea Hiller. Egal ob indischer Tanz oder Sklaverei, das Motto lautet immer: Kulturen? Kennen Lernen!
KONTAKT: Verein KuKeLe, kulturworkshop@web.de, www.kukele.net, Tel./Fax: 01/408 71 21, Währingerstraße 59, Stiege 5, 1090 Wien
die melange 3/2004
Jürgen Plank/Angelika Stadelmann