Home -- About -- Projekte -- Bilder -- Mitarbeiter -- Links -- Presse -- Tipp -- Impressum
| KuKeLe - WUK info intern 6/99 |
|
|
Email für Dich!
Über den Verein KuKeLe
Seit dem September ist der bunte Reigen der SIB-Gruppen um eine weitere ergänzt: KuKeLe – der Verein Kulturen Kennen Lernen ist nun im WUK beheimatet. Helga Hiebl, die Obfrau, erzählt über Entstehung, Aktivitäten, zukünftige Pläne und kommentiert den Folder der Gruppe.
KuKeLe wurde gegründet, um den Umgang mit dem „Fremden“ für die Gesellschaft aufzugreifen und mittels Projekten in Schulen und Erwachsenenbildungsanstalten bewußt erlebbar und bewältigbar zu machen. (Folder)
Laut Folder habt Ihr Euch im Mai 1998 gegründet. Wie ging das konkret vor sich?
Die Idee zum Verein hatte ich während meines Studiums beim Völkerkundekongress in Wien 1995. Da stellte sich ein Verein aus Münster vor, der bereits ethnologische Projekte in Schulen machte und auch schon Arbeitsplätze für EthnologInnen geschaffen hatte. Daraufhin suchte ich andere Studierende, wir trafen uns regelmäßig und arbeiteten inhaltlich an den Umsetzungsmöglichkeiten. Damals schon bekam ich einige Angebote von LehrerInnen, wir hätten also sofort Projekte machen können. Nach der Vereinsgründung haben wir dann an konkreten Konzepten und Themen gearbeitet, um etwas anbieten zu können.
Ich und die anderen – die anderen und ich
Was war Euer erstes Projekt?
Eine Initiative von Studentinnen, die mit Kindern die Räume des Institutes für Völkerkunde anmalen wollten, engagierten uns, um eine inhaltliche Vorbereitung für diese Malaktion an zwei Wiener Volksschulen zu übernehmen. „Ich und die anderen – die anderen und ich“: das war unser Pilotprojekt. Wir konzipierten für die Kulturen von 5 Weltregionen – Arktis, Brasilien, Indonesien, Jemen und Ecuador – Vermittlungsangebote, wie Workshops und Lernspiele zur Lebenswelt von Kindern in diesen Regionen. Die Kinder besuchten dabei auch das Völkerkundemuseum und bemalten schließlich mit ihren Eindrücken die Wände des Institutes für Völkerkunde.
Ich kann mich erinnern, diese Plakate auch gesehen zu haben. Es war für mich immer interessant zu erraten, was die Kinder mit ihren Zeichnungen ausdrücken wollten. Manche Details zu fremden Kulturen waren echt verblüffend.
Wer seid Ihr eigentlich überhaupt?
Wir sind alle EthnologInnen. Die meisten schon fertig, einige arbeiten an der Diplomarbeit. Hauptberuflich sind wir in unterschiedlichsten Bereichen tätig: Ich selber schreibe Artikel und Rezensionen für eine Literaturzeitschrift, eine Mitarbeiterin ist beim Wiener Integrationsfond, eine ist Lehrerin für türkische Kinder mit Sprachstörungen, einer ist Mitarbeiter beim Radio Orange etc. Im Vorstand und kontinuierlich sind im Moment 7 Frauen und 3 Männer bei KuKeLe aktiv. Daneben gibt es noch einige, die demnächst mitarbeiten wollen oder nur an speziellen Projekten interessiert sind und dort mitmachen.
Unser Pilotprojekt war ein sehr großer Erfolg und wir hatten enormes Medieninteresse, sodass wir mit viel Schwung gleich sehr vieles zusätzlich geplant hatten. Wir sind äußerst ambitioniert, aber scheitern oft an dem Übermaß an Arbeit und der noch zu geringen Zahl an MitarbeiterInnen.
Die Zielsetzung von KuKeLe
Angesichts bestehender Fremdenfeindlichkeit und wachsender Ängste vieler Menschen ist es unserer Meinung nach dringend notwendig, Informationslücken über fremde Kulturen zu füllen, Toleranz und Verstehen zu fördern, sich „das Fremde“ vertraut zu machen und damit einen Beitrag zu Interkulturellem Lernen zu leisten.
Interkulturelles Lernen wird von uns als Konfliktpädagogik verstanden. Dabei geht es vor allem um das Erkennen, das Akzeptieren und das demokratische Austragen von kulturell geprägten Konflikten. (Folder)
Was wollt Ihr erreichen?
Es gibt einfach keine vergleichbaren Vereine in Österreich und es geht darum, daß es auch keine kompetenten Personen gibt, die Werte aus anderen Kulturen vermitteln können. Vorurteile und Klischees werden von gutmeinenden WorkshopleiterInnen oft nur verstärkt und einzementiert. Die LehrerInnen getrauen sich außerdem oft nicht an so heikle Themen wie Islam oder fremde Kulturen heran. Die Vermittlung von unterschiedlichen Lebensweisen wirkt immer verunsichernd, regt aber gleichzeitig zur Reflexion an. Ich glaube, fast jedeR, der/die Ethnologie studiert hat, wird mit dieser Schwierigkeit konfrontiert und muß sich mehr als jedeR andere mit seiner/ihrer und anderen Wertvorstellungen auseinandersetzen. Deshalb sind EthnologInnen auch kompetent diesen sensiblen Bereich abzudecken. Die Nachfrage ist außerdem sehr groß, wir könnten ständig Projekte machen, wenn wir die Zeit und die Kapazität hätten, das allein zeigt doch auch den Bedarf.
Deiner Aussage – es gäbe keine vergleichbaren Vereine in Österreich - muß ich als „Betroffene“ gleich widersprechen. Der Verein, mit dem ich ins WUK gekommen bin – Dialog – arbeitet ebenso in der partizipativen Kulturvermittlung und wir haben durch unsere Arbeit auch viele andere Menschen – auch hier im WUK -, die ebensolche Ziele verfolgen, kennengelernt. Vielleicht sind wir nur zu isoliert tätig, um uns gegenseitig wahrzunehmen und auch voneinander zu lernen oder um uns austauschen zu können.
Schulen als Hoffnungsgebiet
Warum konzentriert Ihr Euch vor allem auf SchülerInnen, Kinder?
Wir sind auf keinen Fall nur auf Kinder oder SchülerInnen fixiert, sondern sind gerade dabei mit Erwachsenen Projekte durchzuführen. Allerdings sind Schulen ein Hoffnungsgebiet, um mögliche Vorurteile bei Kindern gar nicht erst entstehen zu lassen. Unsere Erfahrungen mit Kindern zeigen, daß sie noch sehr offen sind und Vorurteile kaum existieren, außerdem ist ein lebhaftes Interesse am Anderen und Fremden bei Kindern viel ausgeprägter als bei vielen Erwachsenen.
Wie erfahren die LehrerInnen von Euch? Macht Ihr aktive Öffentlichkeitsarbeit in Schulen?
Bis jetzt mußten wir noch an keine LehrerInnen herantreten. Über die Medienberichte gab es genug Interessierte, die dann Infos von uns bekommen haben, viele melden sich allerdings auf Grund von Mundpropaganda. Bis jetzt haben wir in Volksschulen und Kindergärten Projekte durchgeführt, demnächst wagen wir uns an eine Hauptschule und ein Gymnasium. Was Alternativschulen betrifft, so hatten wir bisher ein Projekt in einer Schule, in der nach der Freene Pädagogik gearbeitet wird.
WUK Kennen Lernen
Die Alternativschulen führen mich zum Stichwort WUK: Warum seid Ihr ins WUK gekommen?
Natürlich kannten wir alle das WUK, wir waren auf der Suche nach einem Arbeitsraum und irgendwer hatte die Idee, daß wir ja im WUK nachfragen könnten. Den Sozial- und Initiativenbereich kannten wir allerdings noch nicht, wir sind da, glaube ich, einfach zugeteilt worden.
Was erhofft Ihr Euch vom WUK?
Wir fühlen uns hier sehr wohl, das WUK beherbergt eine sehr bunte Mischung unterschiedlichster Gruppierungen, die sich untereinander auch inhaltlich oder sonstwie unterstützen könnten. Die Selbstverwaltung ist kein Problem für uns, obwohl wir uns noch etwas schwertun, da Ganze zu durchschauen.
Was sind gerade Eure konkreten Projekte?
Im November führen wir eine Projektwoche in einer Volksschule im 19. Bezirk mit dem Titel: „Das Leben ist - anders - wo?“ durch. Dann eben die Moderation eines Kindergarten- und Hort-Elternabends im 2. Bezirk zu „Die Welt unserer Kinder- unsere Welt, Feste im Jahreskreis". In einem Gymnasium im 3.Bezirk gibt es demnächst 2 Workshops zur Lebenswelt der Indios in den Anden und im Regenwald. Und dann noch Anfang Dezember eine weitere Projektwoche in einer Hauptschule.
Daneben haben wir schon das Projekt „Was ist Islam?“ ausgearbeitet - wir haben aber noch keine Zeit für die Durchführung gefunden. Eine Stadtführung durch das „afrikanische Wien“ ist noch gemeinsam mit AfrikanerInnen in Ausarbeitung. Eine geplante Radiosendung zur alevitischen Lyrik des 13. bis 16. Jahrhunderts mußten wir aus Zeitmangel vorläufig verschieben.
Und wie sieht es mit Euren Pläne für die nähere und weitere Zukunft aus?
Unser Hauptproblem ist die Finanzierung der einzelnen Projekte, derzeit bemühen wir uns verstärkt um regelmäßige Förderungen, um dem Verein eine finanzielle Basis zu schaffen, daß längerfristig gesehen auch Arbeitsplätze geschaffen werden können. Wir wollen in der LehrerInnenfortbildung am Pädagogischen Institut und verstärkt in der Erwachsenenbildung tätig werden. Hier haben wir schon konkrete Schritte gemacht und werden dies 2000 wahrscheinlich schon umsetzen können.
>So, das war’s.
Ihr habt soeben mein erstes email-Interview gelesen. Ich habe Helga nämlich nicht physisch getroffen, sondern mich nur elektronisch mit ihr unterhalten und da sagte mein und ihr Computer des öfteren zu mitternächtlicher Stunde: email für Dich!
>Danke und Gute Nacht!
>Ciao Margit J
Margit Wolfsberger