Home -- About -- Projekte -- Bilder -- Mitarbeiter -- Links -- Presse -- Tipp -- Impressum
| KuKeLe - wuk info intern, 04/2005 |
|
|
Big Fish
Der neue Workshop des Vereins Kukele.
Der Verein Kukele – Kulturen Kennen Lernen wurde 1998 gegründet und hat seit 1999 seinen Sitz im WUK. Kukele arbeitet im Bereich Schul- und Erwachsenenbildung: Der Verein wurde von EthnologInnen gegründet, in Workshops wird ethnologisches Wissen vermittelt. Mag.a Andrea Hiller arbeitet seit rund vier Jahren bei Kukele mit und hat bereits Workshops zu verschiedenen Themen betreut: Zu Afghanistan genauso wie zu Afro-amerikanischen Religionen oder zum Thema ‚Historische und moderne Formen von Sklaverei’. ‚Big Fish’, der aktuelle Workshop, wurde in Zusammenarbeit mit Greenpeace entwickelt. „Mit dem Titel ‚Big Fish’ beziehen wir uns auf Hubert Saupers Dokumentarfilm ‚Darwin’s Nightmare’“, so Mag.a Hiller. „Saupers Film dokumentiert die sozio-ökonomische und ökologische Lage am ostafrikanischen Victoria-See.“ Der Film wurde mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und der Stadtschulrat Wien empfiehlt, dass er an Schulen gezeigt wird.
Von Afrika nach Europa
Der Victoria-See, der auf den Staatsgebieten von Tansania und Uganda liegt, ist einer der größten Süßwasserseen der Welt und somit ein bedeutender Parameter für das ökologische Gleichgewicht der Region und das wirtschaftliche Überleben der Bevölkerung. „Vor wenigen Jahrzehnten wurde das Ökosystem Victoria-See massiv gestört“, erklärt Ute Schreiber vom Projektpartner Greenpeace. Der Grund: Damals wurde der Nilbarsch im See ausgesetzt. Er hat sich inzwischen zu einem räuberischen Fisch entwickelt und alle rund 200 anderen Fischarten im See ausgerottet.
Internationale Konzerne haben das wirtschaftliche Potential des nunmehr Victoria-Barsch genannten Fisches erkannt. Heute stehen Fischfabriken an den Ufern des Sees. Sie werden den Standards der westlichen Industriestaaten gemäß geführt, damit der meterlange Fisch auch nach Europa, Japan und in die U.S.A. exportiert werden kann. Vom kleinen Flughafen der Stadt Mwanza am Ufer des Victoriasees starten nahezu täglich ein bis zwei Transportflugzeuge mit 55 Tonnen Fischfilets an Bord. Die Piloten sind hauptsächlich wagemutige Russen und Ukrainer, die ihre Maschinen selbst reparieren und jeden Auftrag übernehmen, solange das Geld stimmt. Auch eine Form von Globalisierung! Manchmal sind die alten sowjetischen Flieger zu stark beladen und schaffen es nicht, abzuheben: Dann stürzen sie mit dem Fisch an Bord in den Victoriasee!
500 Tonnen Fisch pro Tag
Während der Dreharbeiten zu 'Darwin’s Nightmare' ist in Tansania eine Hungersnot ausgebrochen, obwohl jeden Tag 500 Tonnen Fisch aus dem Wasser gefischt werden. Betroffen waren rund 2 Millionen Menschen. „Wie viele Menschen hier könnten von 500 Tonnen Fisch leben?“, fragt Hubert Sauper im Film den Besitzer einer Fischfabrik. Der weiß keine Antwort darauf. Der Fisch ist heute ein wichtiges Exportgut Tansanias. „Die Weltmeere sind stark überfischt“, sagt Ute Schreiber von Greenpeace. So wurde der Victoriabarsch zum Riesengeschäft. Viele Fischer haben nicht immer am See gelebt: Sie haben ihre Dörfer verlassen und sind in die Region gezogen. Sauper zeigt auch, dass der örtlichen Bevölkerung jetzt oft nicht mehr bleibt als buchstäblich Fischgräten – die Abfälle der westlichen Welt.
Nachhaltiges Lernen
„In unserem Workshop greifen wir Aspekte auf, die der Film andeutet: Die globalisierte Wirtschaftswelt, in der die Reichen auf Kosten der Armen reich geworden sind und es bleiben wollen“, so Mag.a Hiller von Kukele. „Die Ausbeutung der Natur und Hunger. Und wir erarbeiten wie die Menschen in der Region heute leben.“ Zudem wird gezeigt, welche Auswirkungen die Kolonialzeit gebracht hat. Durch Rollenspiele, Diskussionen, Vorträge und andere didaktische Mittel werden im Workshop solche größeren Zusammenhänge erfahrbar und nachvollziehbar. „Uns ist am wichtigsten, dass die Workshop-Teilnehmer lernen, Fragen zu stellen und sich selbst Gedanken machen“, sagt Mag.a Hiller. Außerdem werden in Kukele-Workshops durch den Einsatz verschiedener Medien alle Sinne angesprochen, so ist nachhaltiges Lernen leichter möglich.
Eine Broschüre zum Workshop ‚Big Fish’ kann kostenlos angefordert werden.
wuk info intern 4/2005
Der Workshops ‚Big Fish’ dauert rund drei Unterrichtsstunden, als Vorbereitung sollten sich die Teilnehmer Hubert Saupers Film ansehen. Nach dem Aussterben aller Fischarten, ist der See selbst dem Untergang geweiht. Augrund der Störung des Ökosystems, wird der Sauerstoff im Victoriasee immer weniger, vermutlich wird der Victoria-See in zehn bis fünfzehn Jahren kippen: Ohne Sauerstoff wird dann auch der Riesenbarsch dort nicht mehr leben können. Die sozialen Folgen dieser Entwicklung sind absehbar: Wenn die Fischfabriken schließen, kehren die Fischer wieder in ihre Dörfer zurück – viele von ihnen mit Aids. Das ist vielleicht Thema des nächsten KuKeLe-Workshops.
Alle Anfragen zum Workshop an:
Verein Kukele, Währingerstr. 59, 1090 Wien
www.kukele.net, kulturworkshop@web.de
Tel./Fax: 01/408 71 21
Jürgen Plank