Mein Mann und ich haben uns nun vorgenommen so viele Burgen wie möglich zu besichtigen, da das Mittelalter beinahe schon zu einem exzessiven Hobby von mir wird! Und da dann verständlicherweise die Eindrücke sonst verschwimmen, dachte ich mir, dass es möglicherweise eine nette Idee von mir ist, wenn ich das in "Berichtform" auf meiner Homepage für Interessierte online stelle…

Am Sonntag, den 28. Mai, sind wir auf die Rosenburg gefahren. Das Wetter war sehr schlecht, da es heftig regnete. Aber wir waren optimistisch und fuhren einfach weiter. Und tatsächlich.. je näher wir der Rosenburg kamen, desto weniger regnete es!
Nach knapp einer Stunde Autofahrt waren wir in Rosenburg am Kamp. Der Weg zur Burg war leicht zu finden und so hatten wir keine Schwierigkeiten hinzukommen.
Mächtig thronte die Burg schon über uns, während wir die Straße entlangfuhren und die ersten Sonnenstrahlen drangen durch die dicke Wolkendecke.
Der riesige Parkplatz direkt vor der Burg war trotz des Wetters gut besucht, aber ohne Probleme fanden wir auf Anhieb einen Abstellplatz für unser "Töfftöff". Schnell zückte ich meine Kameras (eine Digi-Cam Marke Olympus und eine Spiegelreflex-Kamera - Minolta Dynax 505SI) und schon suchten wir uns den Weg zum Eingang. Dort gegenüber waren mehrere Schaukästen, die wir durchstöberten und mit Bedauern mussten wir feststellen, dass wir ein Mittelalter-Spektakel verpasst hatten. Na ja, sollte halt nicht sein…

Bevor wir die Burg betraten, suchten wir uns einen Weg rund herum, aber das war nicht so einfach, wie es den Anschein hatte. Ein herrlicher Waldweg lud uns ein ihn zu folgen und ein Abstecher führte uns auch tatsächlich an die Außenmauer der Rosenburg. Doch der führte leider ins Nirgendwo und so konnten wir nur eine Seite abgehen. Dort stießen wir jedoch auf irre viele und wirklich große Weinbergschnecken. Bei jedem Tritt musste man darauf achten wohin man seine Füße setzte.
Als wir dann den Rückzug antraten, weil es einfach keinen Weg weitergab, hörte auch der Regen zur Gänze auf. Neugierig wie wir waren, suchten wir uns dann einen anderen Weg um die Burg zumindest bis zu dem Teil, der hoch über einer Felswand steil bergab geht, doch noch von allen Seiten betrachten zu können und fanden ihn auch in Form einer Art Pferdekoppel, die offen stand.
Das "Betreten verboten"-Schild hielt uns aber auf Distanz, so dass ich nur wenige Schritte hineinwagte um Fotos zu machen. Der kurze Waldweg lud uns ein, ihn zu folgen und führte uns an ein zweites Tor. Durch dieses, welches offen stand, betraten wir dann die Burg selbst und schon standen wir mitten im Burghof, der sich später (durch Recherchen im Internet) als Teil des "Rosengartens" herausstellte. Auf der großen Rasenfläche stand ein Zelt, welches uns sehr verwunderte und wir zu spekulieren begannen, wofür das wohl gut sei. In einem der Prospekte lasen wir dann, dass hier Vorbereitungen für eine Veranstaltung getroffen wurden.
Viele unserer Fotos entstanden hier und im nächst anschließenden Garten, der uns ganz besonders faszinierte. Im Internet fand ich klingende Namen wie "Der Weg der Sinnlichkeit", "Ecke der Zweisamkeit" und viele mehr, aber leider keine genaue Beschreibung, welcher Teil gemeint war.
Da zur Falknerei uns ein herrliches Schmiedeeisengitter den Weg versperrte, fotografierte ich noch schnell die beiden Uhus, die da saßen und dann steuerten wir erst die Kassa an um uns unsere Tickets zu kaufen, denn "schwarz" wollten wir ja nicht an der Schau teilnehmen. ;)
Die Dame da war sehr irritiert, dass wir schon herinnen waren ohne Eintritt zu bezahlen und war uns überaus dankbar, dass wir ihr sagten, dass das andere Tor sperrangelweit offen war, welches sie über Funk schließen ließ. Zusätzlich zu den Eintrittskarten erstanden wir eine Baumwolltasche und eine Kappe.
Danach begaben wir uns in den Innenhof und fotografierten da noch ein wenig. Die Führung durch die Burg sollte um 14 Uhr beginnen, daher hatten wir noch etwas weniger als eine Stunde Zeit.
Wir fanden einen Seerosen… hmmm, ja, Teich wäre wohl falsch, da es eher ein gemauerter als ein natürlich war, aber mir fällt beim besten Willen kein anderes Wort ein. Darin schwammen sehr viele Goldfische und besonders die dunklen waren schlecht zu fotografieren.
Unter der Brücke durch, die uns später den Weg in die Burg hineinbrachte, fühlten wir uns wie in einer Tropfsteinhöhle, denn überall tröpfelte das Regenwasser herunter. Als wir so verträumt am Teich standen, flatterten einige Vögel in einer dieser Durchgänge hinein und krallten sich an die Steinwand. Wir vermuteten dort ein Nest, wunderten uns sogar noch über die niedrige Höhe, bis wir feststellten, dass die Vögel hier einfach nur tranken, denn in den Spalten zwischen den Steinen sammelte sich das Wasser.
Auf der anderen Seite der Durchgänge lag der "Garten der Liebe"! Nicht sonderlich groß, aber hervorragend angelegt und mit - wie ich vermute - Weidenzweigen getrennte "Abteile". Wir fanden sogar eine Venus- und eine Amor-Statue, wobei die Venus mit Köcher und Bogen eher untypisch ist und eher auf Diana vermuten lässt. Aber Diana, als Göttin der Jagd, in einem Garten der Liebe??? Als wir uns wieder den Weg nach oben bahnten, hatten wir immer noch reichlich Zeit.
Leider war das Lokal im Innenhof noch geschlossen und wir wurden von einem sehr netten Herrn mit deutschem Akzent aufgeklärt, dass am Vortag eine Hochzeit stattgefunden hatte, wir aber doch gerne die Bibliothek, den Marmorsaal und die Altane aufsuchten könnten, bevor die Führung losginge. Gesagt, getan!
Die Bibliothek machte mich Leseratte sprachlos, mit ihrer wunderschönen Holzdecke in - man stelle sich das vor - "Wasserfarben" und einem Regal mit Büchern in Holzbuchdeckeln. Jedes Buch hatte einen "Umschlag" aus einer anderen Baumsorte - Pinie und Holunder um nur zwei davon zu nennen und die mir dank dem Wissen ihrer lateinischen Namen bekannt sind. ;)
Der Marmorsaal war noch mit Rosengebinde von der Hochzeit geschmückt und war herrlich anzusehen. Ich schmuggelte mich sogar auf die Empore hinauf, deren Stiegenaufgang so eng war, dass selbst ich kleiner "Zwerg" das Gefühl hatte stecken bleiben zu müssen. Anschliessend wagte sich mein Mann, der absolut nicht schwindelfrei ist, dennoch mit mir auf die Altane hinaus, deren Ausblick mich sofort gefangen nahm… und ich muss sagen, ich rechne es ihm hoch an, dass er mir mit gemeinsam diesen Anblick der näheren Umgebung genoss.
Mit einem Lächeln erinnere ich mich noch, dass wir jeden Teil des Schlosses zunächst alleine betraten und für "nachfolgende" bzw. schüchterne Besucher die Vorreiter waren, denn danach waren die Räume und auch die Gärten viel besucht. :)

Für etwa 15 Minuten ruhten wir uns auf den Bänken in der Nähe des Startpunktes der Führung aus. Ich richtete mir einstweilen die Spiegelreflex-Kamera her und räumte die Digi-Cam weg. Doch schon die zweiten Worte der sehr netten Führerin waren, dass wir doch bitte das Fotografieren und Filmen unterlassen sollten. Schade, aber nicht zu ändern!
Die Führung war sehr interessant. Für mich der einzige Wermutstropfen, dass die Burg als Museum dient und daher sehr viele Zeitalter in sich vereint. Einige Gegenstände stammen aus dem 12. Jahrhundert, die meisten aber aus dem 16. und 17. und sogar Einrichtungsgegenstände wie eine venezianische Lampe stammen aus dem 19. Jahrhundert. Soviel "Kuddelmuddel" hätte ich nicht erwartet, doch wie gesagt, war es dennoch sehr interessant.
Im roten Zimmer konnten wir eine geprägte Tapete bewundern, bei welcher uns die Führerin erzählte, dass man sage und schreibe einen Monat für knapp einen Meter brauchte, weil alles per Hand mit Silber- und Goldstifte geprägt wurde und sie aus Ziegenleder besteht. Da dies sehr teuer war, wurde gespart und deshalb ist unter den Bildern nackte Wand zu finden.
Die Geheimtür im Schlafgemach des Burgherrn führte in ein darunter liegendes Schlafzimmer mit Doppelbett und Wiege, was auf ein eheliches Schlafgemach tippen lässt. Doch warum dann das herrschaftliche Schlafzimmer und die anschließende Kemenate der Hausherrin???
Eine der Besucherinnen vermutete deshalb im darunter liegenden Schlafzimmer das der herrschaftlichen Geliebten, aber die Wiege spräche ja dagegen… *grübel* Na ja, wie auch immer!
Auch waren im Doppelbettzimmer und im Schlossherrn-Schlafzimmer als einzige ein Plumpsklo hinter einer Tapetentür versteckt, welches aber leider von der Familie Hoyos, die die Besitzer dieses Schlossen sind, geschlossen werden musste, weil leider einige Besucher dieses benutzten. Die Führerin meinte noch, dass sie hoffen würde, dass dieses durch eine Glastür geschützt werden würde, damit man es wieder besichtigen könne…
Besonders hervorheben möchte ich noch den Raum nach dem Musikzimmer, welches gemalte Fresken floristischer Natur zeigen - naiv, exotisch und einfach gehalten und durch einen Zufall entdeckt worden. Auch Tiere, die zu diesem Zeitraum in den europäischen Regionen nicht bekannt waren, wurden darauf dargestellt, wie zum Bespiel Affen.
Im Betraum, im Anschluss an der Kapelle, hängt eine besondere Rarität, ein Bild der Dreifaltigkeit, auf welchem diese personifiziert dargestellt wird, was ab dem 16. Jahrhundert nicht mehr von der Kirche erlaubt wurde. Die meisten Bilder dieser Art wurden vernichtet, aber einige wenige, wie man hier sehen kann, konnten überleben.
Auch die Wandtäfelung im Rittersaal zählt zu einer Rarität, leider wurde sie beinahe zerstört, weil - im welchen Jahrhundert hab ich mir leider nicht gemerkt (es war jedenfalls Kaiser Franz Josef!), da ich Zahlen nicht so unbedingt im Gedächtnis behalte - eine so genannte Dachsteuer eingeführt wurde und die Besitzer mehrerer solcher "Grundstücke" natürlich an Steuer sparen wollten und dann in Teilen, die weniger bis gar nicht benutzt wurden, einfach die Dächer entfernten. Die Witterung machte damit die wundervollen Malereien an diesen Täfelungen beinahe vollständig zunichte.

Pünktlich hörte unsere Führerin auf, damit wir noch rechtzeitig im Falkenhof ein Plätzchen finden konnten, bevor die Greifvogel-Schau losging.
Noch schnell ein paar Bilder von den inzwischen dort platzierten Falken und schon suchten wir uns auf einer der Bänke einen Platz, auf welchen in ohne Probleme aufstehen und fotografieren konnte, ohne jemanden zu stören oder zu behindern.
Mittelalterliche Musik erklang und die Falkner erschienen - noch ohne Vögel!
Mit dem Federspiel bei Falken begann dann die Vorführung. Die Falken selber waren mir für die Kamera einfach zu schnell, daher konzentrierte ich mich auf die Falkner selbst und hoffe, dass ich so einige gute Fotos machen konnte, die ich noch entwickeln lassen muss.
Einer der zwei Falken wurde sogar mit doppelten Federspiel vorgeführt, was bedeutet, dass zwei Falkner mit ihm gleichzeitig arbeiten und ihn von Federspiel zu Federspiel lockten.
Danach wurde der Uhu gezeigt und dessen völlig lautloser Flug. Der Kommentator, welcher sich als der freundliche Mensch mit dem deutschen Akzent herausstellte, erzählte uns, dass besonders Uhus schwer zu dressieren seien und wirklich rein nur auf Kontakt- bzw. Bezugsperson gehen würden. Selbstverständlich, so wurde erwähnt, sind alle Greifvögel jagdlich ausgebildet und werden auch zu Beizjagden verwendet.

Ich war wie gebannt, konnte die Kamera einfach nicht mehr loslassen und suchte immer wieder nach guten Motiven und erlebte so zum Teil die "Sprache" der Falkner mit den Vögeln mit, welche völlig ohne Töne auskommt und lediglich aus Körpersprache besteht. Meinem Mann Michael traten richtig Tränen in die Augen, als er mein Leuchten und Strahlen sah…
Ich liebe Greifvögel und im insbesondere den Steinadler sehr und das war für mich ein wahres "Wunder" es erleben zu dürfen!
Michael hat sogar erreicht, dass ich zwei Federn der Steinadler bekommen konnte. Ich war völlig aus dem Häuschen!
Viel zu kurz kam mir die Vorstellung vor und deshalb "stürmte" ich beinahe schon zu den Pflockständen der Vögel hin, um sie nochmals ganz aus der Nähe sehen und fotografieren zu können. So lange wie möglich blieben wir bei den Greifvögeln und bewundern noch einmal den Riesenseeadler, die Steinadler, die Falken und die Geier…
Ein wundervoller Tag ging viel zu schnell vorbei! Doch am 5. Juni, Pfingstmontag, ist eine Sondervorstellung - "Barocke Falknerei zu Pferde" - die wir uns unbedingt auch ansehen wollen!!!!





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