Es war einmal… so fangen alle Märchen an, aber auch wenn meine Geschichte wie eines wirkt, ist es dennoch auf eine gewisse Art und Weise Realität. Es ist eine Wolfsgeschichte – traurig, einfühlsam, romantisch und stürmisch – und beginnt damit, dass eine hellgraue Wölfin mit erstaunlich blauen Augen alleine durch ihre Welt streifte. Sie musste alleine jagen, alleine wandern, alleine schlafen. Ihr Name ist Nightshadow.

Nightshadow war sehr einsam. Sie lief stundenlang im Wald herum. Sie sehnte sich nach etwas, dass sie nicht beschreiben konnte. Sie spürte einfach nur diese Leere in sich und wusste nicht woher sie kam. Sie wünschte sich etwas herbei, dass sie nicht kannte – eine Familie! Sie wurde ihrem Rudel weggenommen und von menschlicher Hand aufgezogen. Das Leben mit den Menschen machte sie abhängig. Abhängig von der fütternden Hand, abhängig von der Liebe, die sie selten bekam, abhängig von den Zeiten der Menschen. Die, die sich ihre Eltern nannten, waren es nicht, konnte es auch niemals sein – zu verschieden waren ihre Gewohnheiten, ihre Charakteren und ihre Verlangen!
Als Nightshadow größer und damit unbändiger wurde, ließen die menschlichen Eltern sie in die Wildnis zurück. Groß war der Schock plötzlich ohne Nahrung, ohne Unterschlupf und ohne Liebe dazu stehen. Mühsam die Wanderung bis sie sich ein behagliches Nest baute, aber sie schaffte es, wurde dadurch nur noch stärker, doch ihre Einsamkeit wuchs damit noch mehr an.



Eines Abends saß sie wieder verloren auf einem schneebedeckten Hügel und heulte ihre Einsamkeit dem Mond entgegen. Ein Rascheln hinter ihr, ließ sie erschreckt aufhören und lauschen. Sie drehte ihre Ohren in die Richtung des Geräusches, saß ganz ruhig und wartete ab. Ein krachender Ast ließ sie herumfahren. Und da stand beinahe ihr Ebenbild vor ihr – eine ebenfalls hellgraue Wölfin, aber mit sanften bernsteinfarbenen Augen.
Zitternd wich Nightshadow zurück, leckte sich über die Schnauze, zog die Rute unter und senkte ihren Vorderkörper. Beinahe kriechend schob sie sich Stück für Stück von der anderen Wölfin zurück. Diese beobachtete Nightshadow genau, kläffte sie beruhigend an, aber die Angst in der Jüngeren war übergroß. Als sie das Unterholz hinter sich wähnte, sprang sie hoch und hetzte davon.
Mit klopfenden Herzen und atemlos, durch die vielen Umwege um die andere in die Irre zu führen, kam sie in ihrer Höhle an. Unruhig geworden konnte sie lange nicht schlafen und lief ihre Behausung von einem Ende zum anderen immer wieder ab. Müde von der Aufregung legte sie sich endlich hechelnd nieder. Irgendwie kam ihr diese andere hellgraue bekannt vor. Aber das konnte ja gar nicht sein...
Wirre Träume ließen sie nicht zur Ruhe kommen, daher war sie schon lange vor Sonnenaufgang wach. Sie streckte sich ausgiebigst, gähnte mit weit offenem Maul und schüttelte ihr Fell durch. Noch ein ausführliches Kratzen hinter dem linken Ohr und schon machte sie sich auf die Jagd nach ihrem Frühstück. Aber heute wollte ihr nichts so recht gelingen. Zuerst achtete sie nicht auf den Boden und stolperte über eine Wurzel, die unter pulvrigen Schnee versteckt lag. Das tat zwar weh, aber zum Glück gab es keine größeren Verletzungen davon. Dann patschte sie unvorsichtigerweise in einen trüben, matschigen Tümpel und hinterließ deutliche schmutzige Spuren im reinweißen Schnee zurück. Unwillig schüttelte sie sich, versuchte so den Kopf klar zu bekommen und setzte sich dann hilflos in das kühle Nass, als ihr das nicht gelang.
Die andere Wölfin ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Der Hunger trieb sie dann aber doch wieder auf die Beine.
Ein Hase war schnell aufgetrieben, aber das Jagdglück war ihr nicht hold. Er entkam ihr und knurrend ließ sie sich auf den Boden fallen.
Ein fremder Geruch ließ sie aber nicht lange verweilen, sondern schreckte sie erneut hoch. Übermütiges Kläffen drang plötzlich durch die Bäume zu ihr. Knackende Äste, die bei einer wilden Hatz brachen, ängstigten sie. Ihre Ohren zuckten unruhig hin und her und ihre Nase schnupperte. Schnell suchte sie sich einen Unterschlupf unter Dornengestrüpp als sie merkte, dass diese lustige Meute direkt auf sie zusteuerte. Das Jaulen und Heulen hallte zwischen den Bäumen übermächtig zu ihr und beinahe hätte sie mitgeheult, doch sie legte sich ganz flach auf den Bauch und hoffte, dass man sie nicht finden würde. 5 oder 6 junge Wölfe mit unterschiedlicher Zeichnung und Farbe fanden exakt den Platz, an dem sie vorhin gelegen hatte, genau richtig um zu spielen. Sie umsprangen sich, jagten sich zwischen den Stämmen hindurch, legten sich auf den Rücken, knurrten sich an, bissen sich gegenseitig in das Nackenfell, leckten sich und waren total übermütig und verspielt.
Nightshadow sah fasziniert, aber mit einer tiefen Traurigkeiten im Herzen, dabei zu. Sie hatte Angst vor einer Ablehnung und wagte es daher nicht aus ihrem Versteck zu kommen. Besonders einer hatte es ihr angetan und sie ließ ihn kaum aus den Augen. Er war ein hübscher dunkelgrauer Rüde, dessen Fell an manchen Stellen schwarz war und der einen leichten Ansatz eines Silberstreifs auf dem Rücken trug.
Das Wolfsspiel trieb die Bande mal hierhin, mal dorthin und plötzlich rutschte Nightshadows Favorit direkt vor ihren Dornenbusch, weil ein anderer ihn angeschubst hatte. Sie zuckte erschrocken zurück. Er wollte sich gerade wieder seinen Kameraden widmen, als er witternd die Nase hob. Ängstlich schloss sie die Augen und wich vorsichtig noch ein Stück zurück. Plötzlich ertönt von rechts ein Knurren und warnend tritt die hellgraue Wölfin zwischen Dornbusch und dem hübschen Rüden.
Der junge Ausbund duckte sich, leckte sich die Lefzen, zeigte damit seine Unterwürfigkeit und trollte sich von dannen. Nightshadow konnte ihr Glück kaum fassen. Ein beinahe zärtliches Fiepen der Wölfin drang an ihr Ohr und dann war sie wieder alleine. Lange Zeit konnte sie noch die Gruppe Jungwölfe beim Spielen beobachten, bis ein kurzer Heulton als Aufbruchssignal ertönte und die Meute abzog.
Erst als Nightshadow ganz sicher war, dass sie alleine war, kroch sie unter dem Busch wieder hervor. Etliche Kratzer hatte ihr das unbequeme Lager eingebracht, aber ihr war es gleich. Entzückt und mit dem Bild des Rüden, der sie beinahe entdeckt hatte, schnupperte sie am Boden herum. Der Schnee ist vom Spielen ziemlich zusammengetreten worden und bald fand sie den Platz, an dem er stand. Ein Geruch nach wildem Thymian drang in ihre Nase ein und ließ sie vibrieren. Jeder der Wölfe hatte einen eigenen Duft, aber diesen hätte sie aus tausend anderen jederzeit wieder erkannt. Er war ihr so nahe...
Zwar immer noch hungrig, aber leicht und beschwingt trottete sie in Richtung ihrer Höhle und merkte gar nicht, dass sie von der alten Wölfin beobachtet wurde.



Silvervein zog unterwürfig davon. Kyra, die Alpha-Wölfin, hatte ihn zurechtgewiesen und er musste sich dem unterstellen. Dennoch roch er begeistert dem fremden Duft nach. Endlich tat sich mal etwas Neues...
Der Geruch nach Gestein und Lavendel machte ihn nicht nur neugierig, sondern auch seltsam unruhig. Er gesellte sich zwar wieder zu den anderen und spielte mit ihnen weiter, aber seine Blicke wurden wie magisch immer wieder zu dem Gebüsch gezogen und seine Gedanken gingen in eine ganz andere Richtung. Sein Nackenfell sträubte sich, wenn er nur in die Nähe des Busches kam und ein leichter Schauer rann über seinen Rücken. Doch Kyra war immer noch in der Nähe und ließ ihn nicht näher ran, als bis auf ein paar Meter. Als er einmal wieder in die Richtung des Busches sah, bemerkte er eine leichte Bewegung und das Aufblitzen einer strahlenden Bläue. Wieder versuchte er näher an das Gestrüpp heran zu kommen, aber Kyra warnte ihn wieder mit einem Knurren.
Das Heulen von Amarok trieb das Rudel wieder zusammen. Ein erneuter Versuch von Silvervein in die Nähe des Dornenbusches zu gelangen wurde abermals von der Leitwölfin verhindert. Verärgert schloss er sich der Meute an und trabte zurück zu der Wasserstelle. Er konnte förmlich spüren, dass da etwas in der Luft lag, aber solange Kyra es zu verhindern wusste, würde er wohl nie herausfinden, was das war.
Die hellgraue Wölfin war auch die letzte, die zum Rudel zurückkehrte und alle im Auge behielt. Das war gar nicht so einfach, wie es aussah, denn es war groß und zählte so an die 17 Angehörige. Davon waren 5 Jungwölfe, zu denen Silvervein gehörte und 3 Welpen. Amarok war der Leitwolf und Kyra seine Gefährtin. Außerdem gab es noch Magnus, der Andra anhimmelte und ständig von ihr eine Abfuhr erhielt, Endreu der sich ständig verliebt an Syria schmiegte, Myriel, die gerade ihre ersten drei Welpen großzog und deshalb ihren Gefährten Narsil ängstlich auf Distanz hielt und den alten Greystone.
Silvervein spielte am liebsten mit Thyrus und seinem Bruder Romas. Auch Blue hatte er gerne an seiner Seite und trieb sie leidenschaftlich durch das Unterholz. Lediglich mit Blackbird, der Tochter von Amarok und Kyra, konnte er nichts anfangen. Sie ging ihm auf die Nerven. Ständig will sie ihn streifen und über das Gesicht lecken. Schon der Gedanke daran, ließ ihn sich schütteln. Sie war eine hübsche, durchaus und ihr beinahe weißes Fell war herrlich seidig und dicht, aber ihre schwarzen Augen ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Sie hatte etwas an sich, dass er nicht mochte und sie wollte es nicht verstehen. Da half weder knurren, noch drohend anspringen. Sie gab einfach nicht auf...
Wenn es ihm zu bunt wurde, dann packte er sie auch schon mal am Nackenfell und setzte zum Schütteln an. Da jaulte sie dann immer auf, schlich sich kurzfristig weg, aber hartnäckig wie sie war, dauerte es nicht lange, bis sie wieder an seiner Seite war. Blue war da ganz anders. Sie war eine hübsche braun gefleckte Wölfin mit blauen Augen. Ganz niedlich die Kleine und überaus zart gebaut. Sie war immer für einen Scherz bereit und wusste aber auch ganz genau, wann sie erwünscht war und wann nicht. Da störte es ihm nicht, mal von ihrer Zunge bearbeitet zu werden. Aber es war nichts Aufregendes dabei – nicht so ein seltsamer Schauer, der ihm das Rückenfell aufstellen ließ, wie eben bei dem Dornenbusch. Immer noch hatte er den Duft nach Lavendel in der Nase. Durstig vom Spielen trank er zügig das kalte Wasser aus dem Flüsschen, welches zu ihrem Revier dazugehörte. Sobald alle ihren Durst gestillt hatten, machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Lager.
Es war nicht weit weg und bestand aus zwei größeren Höhlen, die auf einer leichten Anhöhe lagen. Ganz oben, war ein Felsenstück, welches gerne von Amarok in Beschlag genommen wurde. Und wenn er mit dem Rudel auf der Jagd war, dann lag Kyra da oben und wachte über die Gruppe. Die etwas kleinere Höhle war diesmal von Myriel und ihren drei Welpen in Beschlag genommen worden, während der Rest in der Rudelhöhle schliefen. Jeder hatte und kannte seinen Platz, nur Blackbird übertrieb es meist und legte sich ganz dich an Silvervein heran. Er konnte das gar nicht ausstehen, da er gerne alleine schlief. Er war nicht unbedingt so ein geselliger wie alle anderen und am meisten ärgerte es, dass Blackbird das nicht auf die Reihe bekam.
So ab und an übernachtete er dann auch schon mal im Freien, wenn es nicht zu kalt war und er Kyra entkommen konnte. Sie mochte es nicht, wenn jemand aus dem Rudel ausbrach und für sich alleine sein wollte. Heute hatte er vor, dass er mal wieder außerhalb schlief… und wer weiß, vielleicht konnte er den Grund dieses, ihn erregenden, Duftes ausfindig machen!
Einen Versuch würde er jedenfalls starten!

Amarok trommelte gerade die Truppe zusammen um auf die gemeinsame Jagd zu gehen, als Kyra Silvervein zurückhielt. Sie wollte nicht, dass er heute mitlief und damit eine Möglichkeit hatte, nicht mehr in die Höhle zurückzukehren. Immer wieder hielt sie ihn knurrend in Schacht, wenn er einen Schritt in die Richtung der Meute machte. Amarok blickte zunächst verwundert zu den beiden hinüber, aber er wusste, dass Kyra dazu einen Grund haben musste und ließ es geschehen. Gemeinsam brachen Amarok, Magnus, Andra, Romas – Silverveins Bruder – Endreu, Syria, Thyrus und Narsil auf. Im Lager mussten natürlich Myriel mit ihren Welpen bleiben, denn mit dem Alter von ein paar Wochen, waren sie dazu noch zu klein um an einer Jagd teilzunehmen, Kyra zur Bewachung des Rudels und natürlich von Silvervein, denn sie ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, Blue und die lästige Blackbird. Denn wenn Silver nicht dabei war, dann auch sie nicht. Grollend verzog er sich in die Nähe des Höhleneingangs und legte sich da nieder, den Kopf missmutig auf die Vorderpfoten gelegt. Doch viel Ruhe war ihm nicht vergönnt, schon tauchte Blackbird vor ihm auf. Leise knurrend legte er den Kopf seitlich, um ihren Anblick nicht zu sehen. Doch wie immer gab sie nicht auf, ging um ihn herum und stellt sich prompt wieder vor seinen Kopf hin. Heute hatte er aber keine Geduld wie sonst mit ihr und sprang sie daher knurrend an.
Blackbird wich erschrocken zurück, die Augen ängstlich aufgerissen. Zu einer Demutshaltung kam sie gleich gar nicht mehr, denn schon war Kyra zwischen ihnen. Sie fletschte die Zähne und trieb Silver zur Wasserstelle um ihn dort ein kaltes Bad zu verabreichen. Dieser bekam es nicht so schnell mit, was die Leitwölfin vorhatte und es dämmert ihn erst, als es schon zu spät war und er nass wieder ans Ufer kam. Beschämt legte er sich vor Kyra auf den Rücken und hechelte sie an. Kyra knurrte ihn nochmals warnend an und drehte sich dann hoheitsvoll um, um zu den Höhlen zurück zutraben. Das war für Silver die beste Gelegenheit… jetzt oder nie!
Doch die hellgraue Wölfin schien Gedanken lesen zu können, denn schon drehte sie sich zu ihm zurück verwarnte ihn erneut.
Daraus wurde heute wohl nichts mehr!

Silver war immer noch verärgert, als knapp zwei Stunden später das Rudel zurückkam. Sie brachten nicht viel mit. Drei Hasen, zwei Rebhühner, die Thyrus stolz im Maul trug, und etliche Mäuse. Mehr war heute wohl nicht drinnen gewesen. Nach der Rangordnung wurde das Futter ausgeteilt und die Welpen wurden nicht verwöhnt, sondern lernten jetzt schon durch Unterwürfigkeit und Demutsbezeugungen sich ihr Futter zu erbetteln. Richtig satt war niemand, aber es reichte um weiter zu überleben.
Sobald die Sonne im Begriff war zu sinken, scheuchte Kyra alle in die Höhle und Myriel schlüpfte mit ihren Jungen in die zweite hinein. Der Himmel war erstaunlich klar für diese Jahreszeit und es versprach eine kalte Nacht zu werden, dennoch legte sich Silvervein sehr nahe an den Ausgang und wie um ihn zu verhöhnen, dass er heute der Aufsicht Kyras nicht entkam, wehte ihn der Duft von Lavendel erneut um die Nase. Mit einem Seufzer schloss er die Augen...



Nightshadow zog sich soweit es ging in ihre Erdhöhle zurück, denn die Kälte war heute unbeschreiblich. Oder lag es eher daran, dass sie heute soviel Liebe und Wärme bei dem Rudel empfunden hatte?
Zittern rollte sie sich zusammen, steckte ihre Schnauze unter den Schwanz und sah den jungen Spund vor sich. Wie hübsch er nicht war! Lange Beine, große Ohren, Augen wie Schiefergestein…. Ein Seufzer entrann sich ihrer Brust! Keine Ruhe fand sie heute, drehte sich immer wieder in eine andere Richtung, ihr Magen knurrte und ihr Herz wurde schwer, wenn sie daran dachte, dass das Rudel es jetzt wohl wesentlich wärmer als sie hatte.
Rastlos setzte sie sich schließlich auf und nach etlichen Minuten schlich sie vorsichtig bei der Öffnung hinaus. Wenn schon Kälte, dann ordentlich und sich dabei warmlaufen, nicht hier herum sitzen und das Gefühl haben gleich am Boden festzufrieren.
Ohne auf ihre Umgebung richtig zu achten, lief sie einfach los und merkte erst wesentlich später, dass es sie ganz automatisch an den Platz zog, an dem sie auf die Meute gestoßen war.
Etwas ratlos stand sie dann da – umstrahlt vom Mondlicht und konnte ein Winseln nicht unterdrücken. Mit hängendem Schwanz und tiefer Nase suchte sie die Stelle, an der er gestanden hatte. Das war im Schnee nicht so einfach, weil dieser die Gerüche mehr oder weniger absorbierte, aber einen schwacher Duft nach Thymian fand sie dann doch, ganz in der Nähe des Dornbusches. Verträumt legte sie sich an dieser Stelle hin, wischte mit dem Kopf über den Boden und sog den Geruch tief in sich hinein. Genussvoll schloss sie die Augen und sah ihn wieder vor sich… Wie er sich kraftvoll auf seine Hinterbeine erhob, wie er um die anderen Jungwölfe herumfegte und eine andere sanft in eine Schneewehe stieß. Ein erneuter Seufzer stieg zu den Sternen hoch und als sie die Augen wieder öffnet, stand wie aus dem Nichts die Große Wölfin vor ihr. Demütig senkte sie den Blick und wusste doch, dass sie es nicht brauchte. Die „All-Mutter“ liebte all ihre Kinder, auch wenn - oder gerade weil? - sie eine Ausgestoßene war!
Plötzlich löste sie sich in Nebeln auf und dahinter trat die hellgraue Wölfin hervor. Nightshadow musste blinzeln um zu sehen, ob sie wach war oder schlief. Aber nein, da stand sie immer noch und Angst kroch wieder in ihr hoch. Und nun tat Kyra etwas, dass sie schon seit ihrer Auserwählung zur Leit-Wölfin nicht mehr getan hatte, sie zeigte vor Nightshadow eine demütige Haltung. Sie senkte den Kopf, streckte die Ohren seitlich weg und leckte sich über die Schnauze. Nighti blieb aber misstrauisch.
Langsam rückte Kyra an sie heran und bis auf etwa drei Meter ließ es die jüngere zu. Dann machte diese mit leicht untergeklemmten Schwanz kehrt und veranlasste damit Kyra zum sofortigen Stopp. Die Alpha-Wölfin legte sich ganz ruhig und sachte nieder und schaute vorsichtig nach dem verängstigten Wesen vor sich. Nightshadow konnte es nicht fassen und drehte sich zu ihr zurück. Sie stellte erstaunt ihre Ohren auf und drehte den Kopf nach Kyra, die ganz ruhig liegen blieb. Night traute ihr immer noch nicht über den Weg, legte den Kopf schräg und musterte sie.
Die Ältere rührte sich keinen Millimeter, also setzte sich Night ihr gegenüber hin und wartete ab. Als nach endlosen Minuten immer noch keine Reaktion von Kyra kam, wagte Nightshadow sich vorsichtig einige Schritte näher. Noch immer zuckte die Leit-Wölfin mit keinem Muskel. Mutiger geworden, wagte sie wieder ein paar wenige Schritte in ihre Richtung. Kyra legte ihren Kopf ganz langsam auf ihre Vorderpfoten ab und wartete gespannt auf die Reaktion ihres Gegenübers. Nighti zog die Nase kraus und schnüffelte, während sie ihren Körper nach hinten wegdrückte – jeder Zeit zu einem Sprung weg bereit.
Die Anspannung war greifbar und Nighti begann vor Aufregung zu zittern. Da die andere immer noch keine Bewegung machte, entspannte sie sich wieder und rückte wieder ein wenig vor. Gierig sog sie den Duft der Leit-Wölfin in sich hinein… ein herrlicher Duft nach Erde und Erika. Ihre Vorderläufe zitterten als sie sie sachte nach vorne streckte um Kyra zu berühren.
Das Alpha-Tier rührte sich immer noch nicht, ließ alles geschehen und wartete ab. Ein Käuzchen flog von irgendwo auf und veranlasste Nightshadow wieder zurück zu weichen. Als sie sah, dass Kyra sich immer noch nicht bewegt hatte, trat sie wieder an sie heran - diesmal ganz nahe. Kyra hielt den Atem an und wartete gespannt, was als nächstes passieren würde. Night schnüffelte die hellgraue Wölfin, die immer noch ruhig vor ihr am Boden lag, vom Nackenfell bis zur Schwanzspitze durch. Sanft stob sie ihren Atem in das Fell. Als es in seine ursprüngliche Richtung zurückfiel, kitzelte es Night in der Nase und sie musste niesen. Entsetzt wich sie wieder einige Schritte zurück und Kyra seufzte leise.
Doch Nightshadow hatte Liebe gerochen, Gemütlichkeit, Nähe und vor allem Wärme. Ganz vorsichtig schlich sie sich an Kyra heran und legte sich neben sie auf den kalten Schneeboden. Sie leckte ihr über die Schnauze und wie eine Mutter reagierte Kyra darauf. Hob den Kopf und leckte sie ebenfalls. Das gefiel Night und sie hielt still.

Doch plötzlich ertönte von der anderen Seite her ein schauriges Heulen. Erschreckt sprang Night auf und lief davon und sah dabei nicht, dass Silvervein die Lichtung betrat...



Silvervein wusste nicht, wodurch er geweckt worden war, aber er sah gerade noch Kyra durch den Eingang hinausschlüpfen. Neugierig geworden, hob er vorsichtig den Kopf. Blackbird hatte es sich heute anders überlegt und schlief neben Thyrus. Amarok schnarchte friedlich vor sich hin, wie das restliche Rudel auch. Ganz sachte stand Silvervein auf und drückte sich ins Freie. Zum Glück strahlte der Mond so hell, dass er den Weg der Leit-Wölfin ohne Probleme verfolgen konnte, ohne zu weit zu ihr aufzurücken. Auf jeden Schritt bedacht und vorsichtig die Ballen aufsetzend, um keine unnötigen Geräusche laut werden zu lassen, schlich er hinter ihr her. Auf der Lichtung sah er etwas leuchten und Kyra ging mitten durch – ohne Furcht oder Anzeichen von Panik. Zwischen den letzten Bäumen blieb er dann wie angewurzelt stehen, als er in einem überirdischen Licht eine andere Wölfin stehen sah. Sie leuchtet für ihn wie der hellste Stern, wie ein Sonnenstrahl auf der Wasseroberfläche eines Sees. Er nahm kaum etwas anderes wahr als diese, in Mondlicht getauchte, Fantasie. Nicht wie Kyra sich unterwürfig gab, nicht wie sie sich hinlegte und darauf wartete, was die andere machen würde. Er sah nur fasziniert Nightshadow zu...
Er fieberte mit ihr mit, sprang mit ihr zurück, witterte mit ihrer Nase und konnte sich schließlich nicht mehr beherrschen, als sie sich endlich neben Kyra niederlegte. Mit einem Willkommens-Heulen begrüßte er sie und brach verwirrt ab, als die fremde Wölfin aufsprang und davon lief. Sofort setzte er ihr nach und wurde abrupt von der sehr aggressiven Leit-Wölfin aufgehalten. Sie stand zähnefletschend vor ihm und knurrte ihn tief und lang anhaltend an. Ja, sie erhob sogar drohend die Vorderpfote. So hatte er sie noch nie erlebt und er blieb angstvoll stehen, sah der Entfliehenden hinterher und als Kyra noch angriffslustiger wurde, legte er sich vor ihr auf den Rücken, die Kehle entblößt, auf seine Strafe wartend.
Doch ebenso schnell, wie sie drohend vor ihm auftauchte, gab sie sich mit seiner Unterwerfung zufrieden und ließ von ihm ab. Ein trauriger Ausdruck lag in ihren Augen, als sie den Weg, den die andere genommen hatte, absuchte. Doch kein Geräusch und keine Bewegung verrieten ihr, ob sie nochmals zurückkommen würde. Mit einem wütenden Blick wendete sie sich nochmals an Silver, bevor sie den Weg in die Gemeinschaftshöhle antrat. Leise winselnd schlich er hinter ihr her und konnte nicht umhin, den Duft der Fremden wahrzunehmen – Lavendel!

Geknickt schlich er hinter Kyra in die Höhle und legte sich wieder unweit des Eingangs nieder, sich ständig über die Schnauze leckend, wenn die Leit-Wölfin in seine Richtung sah. Er konnte die restliche Nacht nicht mehr schlafen, hatte ständig das Bild der fremden Wölfin im Mondlicht vor Augen und nahm ihren Geruch überall war, selbst unter dem Schutz seines Schwanzes.
Er sah die Wintersonne hoch dämmern und wagte es nicht, seinen Schlafplatz zu verlassen. Sonst war er immer der erste draußen, aber heute wusste er, dass er sich nichts erlauben durfte, sich die Zuneigung der Leit-Wölfin erneut erkämpfen musste. Er hatte einen schwerwiegenden Fehler begangen, auch wenn er nicht wusste, welcher Art genau. Kyra hatte den Wunsch diese Fremde in das Rudel zu integrieren, das war ihm heute nach langen Überlegungen klar. Wenn auch nicht der Grund dazu!
Einzelgänger hatten einen Grund es zu sein und wurde nicht respektiert, aber bei dieser Wölfin lag es wohl anders. Wie sehr im Kyra böse war, spürte er kurze Zeit später. Sie ignorierte ihn völlig, hielt ihn für Luft, schaute weder in seine Richtung noch ließ sie zu, dass dies andere taten. Das tat weh!
Oh ja, er hatte seine Lektion gelernt. Neugier konnte tödlich sein und der Entzug von Liebe ebenso, wenn es auch „nur“ ein seelischer Tod war. Den ganzen Tag lag er abseits, gemieden von den anderen. Er hatte nicht einmal Hunger, als die Meute von der heute wesentlich erfolgreicheren Jagd zurückkam. Er holte sich lediglich das, was übrig blieb, was reichlich wenig war. Seufzend legte er wieder den Kopf auf seine Vorderpfoten, als plötzlich Kyra vor ihm stand. Sofort rollte er sich auf den Rücken, bot ihr die Kehle dar und wartete auf die Bestrafung. Doch die erfolgte nicht. An dessen Stelle las er Zuneigung in ihren Augen. Sie wusste durchaus was in ihm vorging, aber er hatte den kleinen Schritt der anderen in Richtung Erfolg zunichte gemacht und das durfte sie nicht dulden. Auch nicht oder gerade deswegen, mit dem Wissen, dass er so ein Bündel Ungeduld war. Er musste lernen zu gehorchen und sich unterzuordnen. Alleine schon wegen dem Überleben des Rudels.
Zum Glück verstand Amarok sie so gut und akzeptierte ihre Art die Meute zu unterrichten, ebenso wie sie es von ihm respektierte und sich nicht einmischte. Amarok war ein guter Führer und ein noch besserer Lehrer, aber er war manchmal einfach zu weich im Herzen und es fiel ihm heute auch nicht leicht, die Bestrafung von Silvervein durch zu ziehen, aber er verstand ebenso die Lektion, die nötig war, um alle anderen nicht zu gefährden.
Silver war unendlich erleichtert, als er merkte, dass Kyra ihm verziehen hatte und duckte sich unterwürfig unter ihrem Maul zusammen. Sanft leckte er ihren Hals ab und konnte nur jubilieren, als sie es zuließ. Liebevoll schmiegte er sich an sie und kam sich wieder wie ein Welpe vor. Sie war zwar nicht seine Mutter, aber sie war die Rudel-Mutter, die, die als erste in den Kampf zog, wenn es nötig war, die, die als letzte in die Höhle kam und alle beaufsichtigte und die, die alle mit Liebe und Ruhe bedachte und so die Meute zusammenhielt. Ja, auch das musste er lernen und verstehen… Wölfinnen sind „mächtiger“, stärker, tödlicher und selbstsicherer als die Wolfs-Rüden. Schwerer Tobak für einen Jungwolf wie für ihn, der sich für den Herrn der Welt hielt. Aber das gehörte einfach dazu...

Den restlichen Tag verblieb er in ihrer Nähe und nicht mal Blackbird konnte ihn aus der Ruhe bringen, denn er war mehr als froh, dass er wieder akzeptiert wurde. Durch all diesen Stress hatte er völlig auf die andere Wölfin vergessen, doch jetzt kam sie ihm wieder in den Sinn. Da er weder Kyra noch dieses wunderhübsche Wesen verlieren wollte, hielt er still und wagte keinen neuerlichen Versuch etwas zu unternehmen. Doch ihr Lavendel-Duft jagte ihm nach wie vor Schauer über den Rücken.

Kyra zog die Strafe beinhart bis zum späteren Nachmittag durch. Sie ignorierte Silver völlig, achtete darauf, dass dies auch die anderen taten und überlegte, wie sie die hellgraue Fremde am besten wieder beruhigen konnte. Es fiel ihr nichts ein, außer einfach mal abzuwarten, wie sie sich verhalten würde. Als sie am Abend alle in die Höhle trieb, nahm sie ein seltsames Gefühl wahr. Ganz so, als wäre jemand in der Nähe. Verwundert blickte sie sich um und konnte doch nichts Außergewöhnliches feststellen. Amarok trat an ihre Seite und stupste sie zärtlich an. Ihre bernsteinfarbenen Augen blicken in die um einiges dunkleren ihres Gefährten. Ein zarter Nasenreiber von ihm ließ sie erschauern. Amarok hob die rechte Vorderpfote und zeigte Kyra damit an, dass sie ihrem Gefühl nachgehen soll und versuchen sollte herauszufinden, was in der Luft lag.
Sie drehte den Kopf in Richtung der Lichtung und schnupperte prüfend. Ihr Gefährte schubste sie an und nun endlich drehte sie sich um und marschierte los. Fürsorglich wie sie war, hatte sie ein Stück einer Keule des heute erlegten Rehs zur Seite geschafft und holte es nun aus ihrem Versteck. Unweit der Lichtung nahm sie den Geruch der anderen Wölfin wahr, aber sie konnte sie nirgendwo sehen. Also sie so ziemlich in der Mitte war, legte sie das Fleisch ab und kläffte kurz, um die eventuell in der Nähe Abwartenden anzulocken. Doch nichts, außer dem Wind, der leise durch die Stämme säuselte, regte sich. Betrübt ließ sie die Beute liegen und machte kehrt. Nur wenige Schritte war sie entfernt, als sie ein leises Heulen vernahm. Zunächst glaubte sie, dass Silvervein wieder hinter ihr hergeschlichen war, aber das Jaulen kam aus einer anderen Richtung. Aufmerksam drehte sie die Ohren, prüfte Lautstärke und Windrichtung, trabte dann zur Keule zurück, nahm sie erneut ins Maul und galoppierte in die Richtung, aus der das Heulen immer noch zu hören war.
Unweit der Stelle, wo sie sie schon einmal getroffen hatte, saß sie dann auch und heulte ihre Traurigkeit und Einsamkeit in die Nacht hinaus. Ihr helles Fell glänzte im Vollmondlicht wie Silber und ihre dunkel umrahmten Augen waren geschlossen. Den linken Hinterfuß hielt sie seitlich ein wenig weg. Kyra ließ die Keule fallen und fiepte sie an.
Entsetzt hörte Nightshadow mit ihrem nächtlichen Gesang auf und drehte sich fluchtbereit um. Und da sah Kyra, dass die linke Hinterpfote verletzt zu sein schien, denn Night belastete sie nur wenig und wenn sie sich bewegte, entlastete sie das Bein. Sachte schubste Kyra das Fleisch in ihre Richtung und trat den Rückweg an. Nach gut 20 Schritten legte sie sich hin und hoffte, dass Night sich zum Fressen begeben würde. Ängstlich sah sich Night zunächst um, machte ein paar wenige Schritte darauf zu und schaute sich wieder um. Die Panik, dass noch jemand dabei sein könnte, hielt sie fest umklammert. Als sie dann schließlich vor dem Fleisch stand, schnappte sie es sich schnell und lief so gut sie konnte damit weg. Die Leit-Wölfin blieb einfach liegen und wartete. Nach gut einer Stunde stand sie auf und lief zur Rudel-Höhle zurück.



Nightshadow jagte durch den Wald wie ein gehetztes Reh, hinter dem die gesamte Meute her wäre. Nur weg… weg von der Wölfin, weg von dem Geheule, weg von der Liebe und Wärme, die sie jetzt schon schmerzlich vermisste. Doch dieses Heulen jagte ihr mehr als nur Angst ein. Es weckte Gefühle in ihr, die sie nicht kannte und auch nicht einordnen konnte. Es jagte ihr einen Schauer nach dem anderen über ihren Rücken und ließ sie bis in ihr innerstes vibrieren.
Bei ihrer heillosen Flucht achtete sie nicht auf ihren Weg und blieb mit der linken Hinterpfote an einer Wurzel hängen. Sich in einer Schneewolke überschlagend blieb sie einen Moment verwirrt am Boden liegen. Doch als sie sich aufrappeln wollte und dabei die linke hintere Pfote belastete, ließ sie sich gleich wieder vor Schmerzen fallen. Unruhig streckte sie die Pfote nach vorne und leckte an ihr herum. Doch ein neuerliches Aufstehen brachte keine Besserung, denn wieder bohrte sich der Schmerz bis zu ihrer Hüfte hinauf. Jaulend ließ sie sich auf ihre Hinterbacken fallen und leckte wieder über die Pfote drüber. Doch das konnte den Schmerz nicht wegnehmen. Ein zweiter Versuch gelang soweit, dass sie die Zähne zusammenbiss und sich vorsichtig Schritt für Schritt zu ihrer Höhle begeben konnte. Zum Glück war es nicht mehr weit...
Völlig erschöpft, und das nicht nur von der wilden Lauferei, sondern auch von der ungewohnte Belastung der anderen Pfoten, gelangte sie endlich in ihr Versteck. Vorsichtig legte sie sich nieder und leckte erneut über ihren Hinterlauf. Mit einem Seufzer ließ sie sich dann auf die Seite fallen und versuchte zu schlafen. Aber die Schmerzen, das wild klopfende Herz und auch das Bild der eben sich gerade abgespielten Szene ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Wie dumm von ihr, so einfach kopflos davon zu stürzen. Die Verletzung war ja geradezu programmiert gewesen. Wie sollte sie jetzt überleben?
Durst war kein Problem, denn ganz in der Nähe ihrer Behausung war ein kleiner Tümpel, der von einem sanften Bächlein mit sauberem Wasser gespeist wurde. Aber wenn sie nicht regelmäßig etwas zu fressen bekam, und das war mit dieser Pfote momentan nicht möglich, dann würde sie abmagern, das Fett im Körper verbrauchen und damit irgendwann erfrieren. Lange vor dem Verhungern, wäre der Kälte-Tod ihr Schicksal!
Winselnd dachte sie an den Rüden. Er wäre so hübsch gewesen, hätte ihr durchaus gefallen können und er war es ja auch, der ihr die wohligen Schauer erzeugte, die ihr mittlerweile so gut gefielen, dass sie traurig war, wenn sie sie nicht fühlen konnte. Aber damit war nun Schluss. Hinkommen war nicht mehr drin, niemand aus dem Rudel kannte ihre Höhle und damit war sie verloren...
Einzelne Tränen lösten sich aus ihren Augenwinkeln und rannen leise und ungesehen an ihrem Fell ab. Immer wieder winselte sie leise vor sich hin. Irgendwann fiel sie dann in einen Schlaf und schon jetzt wirkte sie wie tot. Kaum ein Atemzug war zu erkennen, doch ihr Traum war sehr lebendig:

Die Große Wölfin stand wieder vor ihr und sah sie einfach nur traurig an. Ebenso traurig blickte Night zurück. Mutlos und ohne Hoffnung lag sie winzig klein vor ihr. Die Große Wölfin gebot ihr, sich zu erheben, doch Night konnte nicht. Sie wusste ja, dass sie es nicht schaffen würde. Zu groß waren die Schmerzen und zu sinnlos das Unterfangen. Erneut gebot ihr die Große Wölfin aufzustehen und da immer noch keine Reaktion von Night erfolgte, knurrte sie sie leise an.
Perplex sprang Night auf… und siehe da, sie hatte keine Schmerzen! Erstaunt sah sie die göttliche Wölfin an, die in strahlendem Weiß vor ihr stand und sich eben umdrehte. Plötzlich blieb sie stehen und drehte sich zu Night zurück. Erwartungsvoll blickte sie die irdische Wölfin an, bis Night erkannte, dass sie wollte, dass sie ihr folgte.
Zögernd tat sie es und die Große Wölfin ging ihr voraus. Gemeinsam liefen sie durch den Wald, vorbei an Seen, Flüssen, Hügeln, ja selbst die Rehe hatten keine Scheu vor den beiden Wölfen. Ganz so, als würden sie sie nicht wahrnehmen oder keine Angst vor ihnen haben. Nach einer endlos langen Zeit, wie es Nightshadow schien, brach die Große Wölfin durch ein dichtes Unterholz hindurch und auf der anderen Seite fand Night ein Welpen-Pärchen!
Eng aneinander gekuschelt lagen sie da. Eines in einem dunkleren grau wie sie selbst, das andere beinahe schwarz und mit einem Ansatz von Silber auf dem Rücken. Als sie vor den beiden stand, öffneten sie vorsichtig die Äuglein und blickten tief in Nights Seele hinein. Freudig wedelnd erhoben sie sich und bettelten leckend an ihrer Schnauze. Obwohl sie kein Futter erjagt hatte, spürte sie plötzlich zwei Mäuse in ihrem Maul und sie legte sie zärtlich vor den beiden auf den Boden. Gierig stürzten sie sich darauf.
Ein Blick über ihre Schulter zeigte, dass die Große Wölfin immer noch da war und sie fragend ansah. Sollten das ihre Welpen sein? Aber wie und von wem? Die letztere Frage erschien Night am dringendsten! Und wie um diese zu beantworten, trat der hübsche Rüde an sie heran. Zärtlich schmiegte er sich an sie und leckte sie hinter dem Ohr. Mit einem Schauer drehte sie sich zu ihm um und all die Liebe, die sie so sehr vermisste, strahlte ihr aus seinen Augen entgegen...

Mit einem Ruck erwachte Night… und wusste, dass es nur ein Traum war! Oder war es vielleicht doch mehr? Könnte das ihre Zukunft sein? Aber wie? Mit dieser Verletzung konnte sie doch nicht überleben. Ja, wäre es Sommer, dann schon, aber nicht jetzt im Winter.
Vorsichtig erhob sie sich und hinkte mühsam zum Eingang. Über Nacht war erneut Schnee gefallen und die weiße Pracht lag glitzernd vor ihr in der Morgensonne. Wieder eine Chance weniger, dass die ältere Wölfin sie finden konnte. Es gab keine Spuren mehr, denen sie folgen konnte.
Seufzend drängte sie sich aus ihrem Versteck um wenigstens ihren Durst zu stillen und schleppte sich mühsam durch den kniehohen Schnee. Jeder Schritt tat ihr weh und ihr Traum rückte in weite Ferne. Der Tümpel war zum Glück nicht dick zugefroren, nur eine leichte Eisschicht lag darüber, die Night ohne Probleme mit einem Stups ihrer Vorderpfote aufbrechen konnte und so an das Wasser rankam.
Gierig trank sie, füllte damit ihren knurrenden Magen und hoffte, dass es lange anhalten würde, denn so oft konnte sie wohl im Augenblick nicht hierher kommen. Als sie das Gefühl von Sättigung hatte, machte sie kehrt und schlich zu ihrem Versteck zurück. Um sich nicht erneut einen Weg durch die Schneemassen bahnen zu müssen, schritt sie denselben Weg wieder zurück, was sie sonst aus Vorsicht niemals tat. Aber heute war kein Grund zur Vorsicht. Im Gegenteil, wenn keine Hilfe kam, war sie wirklich verloren. Eigentlich hätte sie sich gleich mutlos hinlegen und auf den Tod warten können, aber der Traum hatte irgendwie ihren Überlebensinstinkt wachgerüttelt und sie wollte so lange wie möglich kämpfen.
Kämpfen um ihr Leben, kämpfen um ihre Liebe, denn nun wusste sie, was die Schauer bedeuteten und kämpfen um diese Welpen zur Welt bringen zu können. Ja, sie war immer schon eine Kämpferin und nun würde sie nicht aufgeben. Irgendwie würde es schon weitergehen.
Aber je mehr der Tag verstrich und die alte Wölfin nicht den Weg zu ihr fand, desto mutloser wurde Night wieder. Voller Schmerzen lief sie ganz in die Nähe des Plätzchen, wo die Leit-Wölfin sie zum ersten Mal entdeckt hatte, setzt sich dort in die weiße Wasserpracht und begrüßte den Mond, der eben über den Baumwipfeln auftauchte. Immer lauter und drängender wurde ihr Heulen und Jaulen, doch nur Stille umgab sie und bedrängte sie wie ein Gefängnis.
Ein leises Fiepen hinter ihr, schreckte sie auf und schnell drehte sie sich um. Da war sie, die ältere Wölfin und blickte sie liebevoll an. Doch obwohl Freude sich in Night breit machte, blieb sie scheu und angstvoll beobachtete sie die Umgebung. Die Wölfin legte ein Stück Fleisch auf dem Boden ab und legte sich in einer, wie Night es schien, sicheren Entfernung davon ab.
Vorsichtig ging Nightshadow darauf zu, doch schon nach wenigen Schritten schaute sie sich erneut um. War auch sonst niemand in der Nähe? Könnte dies ein Hinterhalt sein? Eine verletzte Wölfin war leichte Beute und im Winter eine mehr als willkommene noch dazu! Aber da hätte das Rudel ja von ihrer Verletzung wissen müssen… Nach wenigen Schritten war sie direkt vor dem Fleisch, schnappte es sich schnell und machte sich damit mühsam aus dem Staub.

In einiger Distanz legte sie sich mitsamt dem Beutestück, dass ihr die Ältere gebracht hatte, unter einem überhängenden Felsvorsprung und riss gierig ganze Stücke aus der Keule, die sie sofort und beinahe unzerkaut hinunterschlang. Das würde ihr im Magen liegen bleiben, aber egal. Der Hunger und die Angst, dass man es ihr wegnehmen könnte, zwang sie dazu. Als von der Keule nur mehr der Knochen übrig blieb, packte sie diesen mit ihrem kräftigen Fang und kehrt zu dem Platz, an dem sie die andere Wölfin sich noch erhoffte, zurück. Doch der Flecken lag leer und einsam vor ihr. Keine Wärme heute für Night, keine Zärtlichkeiten.
Traurig schnappte sie sich den Knochen und brachte ihn in ihre Behausung. Wer weiß, wann sie das nächste Mal wieder etwas zu Fressen bekam. Da war ein Knochen immer noch besser als gar nichts. Ganz in die hinterste Ecke legte sie beinahe liebevoll den Rest ihrer Mahlzeit ab, scharrte ein bisschen Erde darüber um einen eventuellen Geruch zu verhindern und legte sich zur Ruhe.
Heute hatte sie eine wesentlich bessere Nacht als die letzte!



Bekümmert kehrte Kyra ins Lager zurück und Amarok fühlte sofort, dass etwas nicht in Ordnung war. Ganz sanft legte er sich eng an sie und knabberte sie hinter dem Ohr. Mit einem Seufzer legte Kyra den Kopf auf seine Vorderpfoten und genoss die Nähe und Zuneigung ihres Gefährten. Die Verletzung der jungen Wölfin machte Kyra Sorgen. Damit konnte sie nicht überleben. Aber was machen? Wie ihr helfen, solange sie nicht Vertrauen gefasst hatte?
Die ganze Nacht wälzte Kyra dieses Problem und am nächsten Morgen hatte sie einen Anflug einer Ahnung, wie sie vorgehen konnte.
Der erste Weg war, dass sie Blue mitsamt einem Fleischklumpen mit zu dem Platz von gestern Nacht nahm. Amarok konnte sie es noch nicht zeigen. Erstens war die Wölfin sehr misstrauisch Rüden gegenüber und zweitens konnte das Rudel nicht ohne Führer dastehen. Blue war ideal dafür geeignet. Sie war jung, liebenswürdig, weckte Vertrauen und würde sich der Wölfin gegenüber schon richtig verhalten.
An der Stelle angekommen, legte sie das Fleisch ab und rief nach der anderen, indem sie einen lang gezogenen Heulton mit einem anschließenden Kläffen von sich gab. Blue beobachtete sie verwirrt dabei, denn sie hatte von allem keine Ahnung. Aber sie gehorchte der Leit-Wölfin, als diese vom Fleisch zurücktrat und es auch von ihr verlangte. Hinter Kyra beinahe versteckt, blieb sie stehen und wartete, wie es schien, vergeblich auf etwas.
Doch schon kurze Zeit später raschelte es vor ihnen im Gebüsch und hinkte trat eine hellgraue Wölfin hervor. Voller Vertrauen ging sie direkt zu dem Beutestück und fraß vor dem Augen der beiden anderen davon. Blue wollte mehr sehen und bewegte sich in die Richtung der Fressenden, doch das schreckte die andere auf. Die Ohren drohten nach hinten gelegt und den Schwanz ein wenig eingeklemmt, stand sie da und verteidigte ihr Futter. Aber Blue reagierte genauso wie es sich Kyra erhofft hatte. Sie warf sich sofort auf dem Boden, leckte sich die Lefzen und robbte langsam und total unterwürfig näher. Night wusste nicht so recht, wie sie darauf reagieren sollte, hob deshalb ihre Futter vom Boden auf und ging ein paar Schritte weg. Blue blieb ruhig liegen und rührte sich keinen Millimeter mehr weg. Also beruhigte Night sich wieder, legte das Fleisch ab und begann wieder zu fressen. Während Nightshadow beschäftigt war, legte sich Kyra neben Blue nieder. Beide beobachteten das hungrige Verhalten Nights und irgendwann begann die Leit-Wölfin Blue abzulecken. Ganz langsam und ruhig. Immer in Fellrichtung. Ab und an knabberte sie herum und zerbiss Ungeziefer.
Night äugte immer wieder hinüber, es gefiel ihr das Sozialverhalten der Alpha-Wölfin und sie sah die Verzückung Blues. Das wollte sie auch haben...
Sobald sie mit Fressen fertig war, kam sie vorsichtig näher. Immer einen Schritt vor den anderen setzend und die verletzte Pfote dabei schonend. Keine der beiden anderen beachteten sie und das gab ihr Mut. Endlich hatte sie die Ältere erreicht und langsam legte sie sich neben ihr ab. Kyra hörte mit dem Putzen von Blue auf und wandte sich an Night. Genussvoll schloss Nightshadow die Augen, als die Zunge der Wölfin über ihr Gesicht glitt. Ohne es zu merken, hatte sich Blue auf ihre andere Seite gelegt und leckte sie nun ebenfalls. Wie schön das doch war!
Night fühlte sich so wohl, dass sie sich auf den Rücken drehte und sich alles von den beiden Wölfinnen gefallen ließ. Das wollte Kyra erreichen, dass sie Vertrauen fasste, dass sie keine Angst mehr hatte und nun konnte sie Night Blue überlassen. Die braun gefleckte Wölfin war eine ausgezeichnete Jägerin und konnte Night über die Runden helfen, solange sie das Rudel mied. Langsam entfernte sich Kyra und hoffte, dass Blue verstand. Und wie diese verstand. Sie hatte die Verletzung wahrgenommen und da Kyra soviel an dieser Fremden hier zu liegen schien, blieb sie wo sie war.

So wurde für Night gesorgt. Blue jagte für beide, sie tranken nebeneinander aus dem Tümpel und wurden enge Freundinnen. Eines Tages entfernte sich Blue aber von ihren gemeinsamen Plätzen und wartete darauf, dass ihr Night folgen würde. Die Hellgraue wusste nicht, was ihre Freundin vorhatte und lief ihr unbekümmert nach. Die Pfote war zum Glück nur verstaucht und das Laufen bereitete ihr nicht mehr so viele Schmerzen wie noch vor wenigen Tagen. Angenehm war es zwar immer noch nicht, aber im Augenblick konnte sie damit leben. Dank Blues Betreuung musste sie auch nicht darben und konnte ihren Hunger stillen – nicht nur den nach Fleisch, sondern auch nach Nähe und Geborgenheit.
Sie vertraute ihr blindlings und deshalb folgte sie ihr jetzt auch...
Doch schon bald merkte Night, wohin Blue sie führen wollte und sie wurde langsamer. Mit einem fragenden Kläffen hielt sie Blue an. Doch diese drehte sich nur kurz um und ging dann weiter. Unsicher wie sie sich verhalten sollte, schaute Night ihr nach. Sie wollte nicht zum Rudel – zumindest noch nicht!
Drei Meter von ihr entfernt blieb Blue plötzlich stehen und hob witternd die Nase in die Höhe. Night tat es ihr nach. War da nicht der Duft nach Thymian in der Luft? Ein Schauer lief ihr bei dem Gedanken an den hübschen Silberrücken über den Körper und zog sie beinahe gegen ihren Willen dorthin wo sich jetzt Blue ganz bequem hinsetzte. Doch halt, Blue blieb nicht sitzen, sondern legte sich auf den Bauch und robbte langsam weiter. Was hatte sie denn vor?
Neugierig kam Night dazu, legte sich ebenfalls auf den Bauch und bewegte sich langsam am Boden weiter. Gemeinsam schlichen sie so an mehrere Sträucher heran, die am Rande der Lichtung wuchsen. Die kahlen Äste boten zwar kaum Schutz, aber das helle Fell der beiden sollte im Schnee unbemerkt bleiben.
Und da war die ganze Rasselbande. Die Jungwölfe spielten wieder unbekümmert und voller Lebenslust miteinander, während die älteren rund herum lagen, sie dabei beobachteten oder einfach nur die Ruhe genossen und das Mahl verdauten. Blue konnte nach einiger Zeit nicht mehr an sich halten und raste los. Sie wollte sich mal wieder so richtig austoben, was ja mit Nights Verletzung immer noch nicht so klappte.
Verwirrt blieb Night einfach unter dem Büschen liegen. Silvervein war der erste, der Blue entdeckte und ihr freudig entgegenlief. Mit einem sanften Stupser schmiss er sie in einen Schneehaufen und als sie sich die flockigen Kristalle aus dem Fell schüttelte, wiederholte er begeistert das Spiel. Doch dann hielt er plötzlich inne und schnüffelte begeistert Blue ab. Den Duft kannte er doch? Blue leckte ihm dabei freudig das Gesicht ab und Night krümmte sich vor Eifersucht in ihrem Versteck.
Sie wollte gerade zurück zu ihrer Höhle gehen, als Blue sich von Silver losriss und ihn zu Nights Blickschutz führte. Starr vor Entsetzen ließ sich Nightshadow auf die Hinterbacken fallen und konnte den beiden nur entgegenstarren.
Kyra beobachtete mit einem Gesichtsausdruck die Szene, die an ein Lächeln erinnerte. Nun war sie gespannt, wie es weitergehen würde. Würde die andere die Flucht erneut antreten? Oder würde sie Silver an sich heranlassen?
Bebend saß Night hinter den Büschen und ließ sich ganz zu Boden fallen, als Blue mit Silver diese umrundet hatte. Silver war ganz hin und her gerissen, konnte sein Glück sie wieder zu sehen nicht fassen und blieb momentan wie angewurzelt stehen. Sicherheitshalber stieß Night warnend ein Knurren aus, als Silver sich gefasst hatte und einige Schritte auf sie zukam. Doch dieser ließ sich nicht beirren und kam ihr immer näher. Zu begierig war er darauf, diesem bezaubernden Wesen endlich ganz nahe zu sein. Als Night der Meinung war, dass er nahe genug an ihr dran war, sprang sie auf und kam dabei unglücklich auf ihrem verletzten Hinterlauf auf. Jaulend ließ sie sich fallen und Silver war sofort an ihrer Seite. Als er ihr die Pfote leckte, knurrte Night in erneut an. Und wieder ließ sich Silver nicht beeindrucken davon. Begeistert leckte er weiter bis sich irgendwann Night beruhigte und sogar die Zärtlichkeit genoss, die ihr wieder die ihr schon bekannten Schauer über den Rücken jagte.
Kyra war zufrieden und achtete darauf, dass die anderen Night nicht wieder erschreckten und sich ein gutes Stück davon entfernt hielten.
Für eine Integrierung in das Rudel war es noch zu früh...



Von diesem Erlebnis an, war Night immer öfters in der Nähe des Rudels, jedes Mal von Blue hierher geführt und Silver war dann stets an ihrer Seite. Sie genoss seine Nähe, seine Zärtlichkeiten und seinen Duft nach Thymian. Die Vertrautheit, die sich zwischen den beiden entwickelte, schien immer da gewesen zu sein. Und eines Abends schickte Blue Night alleine in ihre Höhle zurück. Enttäuscht ging Nightshadow davon und verstand die Welt nicht mehr. Doch schon nach wenigen Schritten im Unterholz sah sie Silver vor sich stehen und auf sie warten. Freudig lief sie zu ihm und sie leckten sich gegenseitig das Gesicht. Ermuntert durch seine Zuneigung lief sie übermütig ein paar Schritte voraus und hoffte, dass er ihr nachlief. Und das tat er auch...
Sie jagten sich durch die Stämme hindurch, stießen sich gegenseitig in den Schnee und schlitterten sogar einmal über eine spiegelglatte Fläche, die sich unter den Schneemassen verborgen hatte. Sie umsprangen sich, freudig erregt und kläfften und heulten sich an. Sie rieben sich aneinander und merkten kaum, dass sie immer näher an Nights Höhle gelangten. Als Night endlich merkte, wo sie sich befanden, wurde sie seltsam befangen. Rasch führte sie unauffällig Silver an einen ihrer Plätze, an denen sie so oft alleine saß.
Silver hielt die Luft an, ob der Schönheit dieses Platzes. Es war wie eine kleine Lichtung, die in eine Richtung offen war, da steil abfiel und den Blick auf sie umgebene Berge und Wälder freigab. Vor dem Abhang lag ein größerer flacher Stein, der beinahe schneefrei war. Darauf setzte er sich und betrachtet die Umgebung. Night stieß leise zu ihm und nahm eng an ihn geschmiegt an seiner rechten Seite Platz. Sie ließen gemeinsam die Blicke über das langsam dunkler werdende Tal streifen, über die in einiger Entfernung wahrnehmbare Bergkette, über die Mischwälder und sogen die Naturschönheiten in sich ein.
Als schließlich der Mond aufging, heulten sie gemeinsam und passten ihren Gesang an den anderen an, sodass ein stimmiger Zweiklang entstand. Nach gut einer halben Stunden legte Silvervein den Kopf über Nights Rücken und sie schloss glücklich die Augen. Schließlich standen sie in völliger Übereinstimmung auf und liefen eng aneinander geschmiegt zu Nights Versteck.

Kyra war mehr als angenehm überrascht, dass Night nun jeden Tag bei ihnen verweilte. Sie hielt sich zwar stets ein wenig abseits, aber sie kam doch von Tag zu Tag näher an das Rudel und dieses hielt noch ruhig. Vermutlich auch deshalb, weil Silver ständig an ihrer Seite und auch Blue nie weit entfernt war. Doch die intelligente Blue hielt sich zurück, denn sie merkte ebenso wie alle anderen, was sich da zwischen Night und Silver anbahnte. Sie verlor dadurch zwar einen geliebten Spielkameraden, aber sie gewann gleichzeitig eine neue Freundin. Dennoch war sie irgendwie traurig, als sie Night alleine in die Höhle zurückschickte. Silver hatte ihr zu verstehen gegeben, dass sie das tun solle. Nun blickte sie ihr wehmütig nach, als Night nichts ahnend und schon gar nicht verstehend was nun los war, sich auf den Weg zu ihrer Behausung machte.
Und auch Kyra war diesbezüglich überrascht. Sie lief zu Blue und blaffte sie an. Die gescheckte Wölfin duckte sich am Boden zusammen und hielt still. Wie sollte sie auch erklären, was Silver vorhatte? Sie gönnte dein beiden eine Nacht alleine. Aber sie wusste nicht, dass dies die Situation von Night verschärfen konnte, wenn sie zum Rudel dazu stoßen wollte.
Als die Leit-Wölfin den beiden verärgert nach lief und sie beobachtete, freute sie sich dennoch darüber. Endlich hatte Night soviel Zutrauen, dass sie auch andere Wölfe an sich heran ließ. Als sie sah, wie die hellgraue Wölfin Silver von ihrer Höhle wegführte, war sie beruhigt, dennoch gab sie ihren Beobachtungsposten nicht auf. So verliebt, wie die beiden waren, merkten sie weder Tod noch Teufel. Sie sahen nur einander, nur den Mond und sangen gemeinsam ihr Lied. Als es dann soweit war, dass beide zu Nights Behausung liefen, konnte es Kyra nicht über sich bringen, die beiden zu trennen. Aber sie hielt Wacht die ganze Nacht und war ständig in der Nähe und lauschte auf jedes verdächtige Geräusch. Sie sanften Töne aus der Höhle erinnerten sie an die Zeit mit Amarok und wäre sie ein Mensch, sähe man sie jetzt lächeln.
Doch eine Stunde vor Morgengrauen drang sie in das Versteck ein und trieb Silver heraus. Mit einem Knurren jagte sie ihn vor sich her, während eine verdutzte Night zurückblieb. Kyra hetzte Silver an eine offene Wasserstelle, stieß ihn hinein und als er völlig nass wieder herauskam, schnupperte sie ihn von der Nasenspitze bis zum Schwanzende ab. War auch kein Geruch von Night mehr an ihm? Nicht ganz zufrieden, ließ sie ein wenig ab von ihm. Silver war ein wenig geschockt und doch immer noch seltsam verträumt nach der Nacht mit Night. Er lief zu einer Kiefer und rieb sich daran, dann wälzte er sich noch genussvoll im Schnee, während er immer noch seine Gefährtin vor Augen hatte. Nun war Kyra endlich zufrieden, schickte ihn zum Rudel zurück und verwarnte ihn noch knurrend, ja nicht auf die Idee zu kommen und in die andere Richtung zu laufen.
Sie selbst lief zu Night zurück, die ängstlich vor ihr zurückwich. Nightshadow hatte nicht verstanden, warum Kyra das tun musste. Aber sie wiederholte dieselbe Prozedur wie schon mit Silver mit ihr nun auch. Verdattert stand die junge Wölfin vor ihr, aber Kyra fand, das es heute an der Zeit sei zu sehen, wie das Rudel die Neue aufnehmen würde. So ging es jedenfalls nicht weiter.
Gemeinsam liefen sie zum Lager zurück. Amarok hatte die Truppe schon aus der Höhle getrieben und zur Wasserstelle begleitet und stand nun leicht erhöht an der Böschung um das Rudel vor einer eventuellen Gefahr rasch warnen zu können, als seine Gefährtin mit der fremden Wölfin auftauchte. Alle spitzten die Ohren und hörten mit dem auf, was sie gerade machten, als Kyra schnell auf sie zu lief, in Begleitung der scheuen Schönheit der letzten Tage und Wochen. Silvervein wollte schon auf Night zugehen, als Amarok in knurrend warnte. Was sollte denn das jetzt wieder? Aber er gehorchte demütig.
Es musste sich weisen, ob Night dazu fähig war sich zu integrieren. Da konnte und durfte keiner helfen. Als die junge Hellgraue merkte, was von ihr verlangte wurde, stockte ihr Schritt. Doch Kyra ließ kein Zaudern zu. Beinahe gewalttätig stieß sie Night mitten in die Menge hinein. Ausgerechnet Blackbird war die erste, die sich an sie heranwagte und obwohl Kyras feine Nase sicher war, dass die anderen nicht merkten, was sich in der Nacht abgespielte hatte, wusste Blackbird trotzdem irgendwie sofort Bescheid.
Knurrend stieß sie auf Night zu, aber lediglich die Zähne fletschend und kurz vor ihr abstoppend, in der Hoffnung, dass Night Schwäche zeigte und zurückwich. Doch diesen Gefallen tat sie ihr nicht… sie zog die Lefzen zurück und grollte Blackbird entgegen. Black umrundete lauernd die Rivalin, denn sie wollte Silver mit niemand teilen, auch wenn sie eigentlich gar keine Ansprüche an ihn hatte. Aber wenn sie schon nicht durfte, dann auch keine andere!
Magnus war der nächste, der sich vorsichtig an sie heran machte, was wiederum Andra misstrauisch beobachtete. Magnus fand Gefallen an Night und weckte ein lautes Knurren von Seiten Silvers. Kyra beobachtete immer noch das Ganze und wurde allmählich nervös, aber noch mischte sie sich nicht ein. Romas und Thyrus waren die nächsten, die sich interessiert an Night wandten. Blackbird ließ hingegen nicht von ihr ab und knurrte immer lauter. Night drehte sich mit ihr mit und beachtete die Rüden gar nicht. Silver wollte sich schon einmischen, doch diesmal war es Amarok, der ihn davon abhielt. Nightshadow musste sich einfach bewähren.
Blue stand auf der anderen Seite des Rudels und beobachtete fasziniert, was sich da vor ihren Augen abspielte. Aber sie war jederzeit bereit ihrer Freundin bei zustehen, wenn es notwendig war. Als Blackbird Night wieder entgegensprang und diesmal auch Andras angriff, weil Magnus gar zu fasziniert von der „räudigen Hündin“, wie sie meinte, war, preschte sie rückhaltlos zu Night durch und deckte ihr den Rücken. Thyrus wurde nun auch zu aufdringlich, fand Silver, und wurde von ihm aufgemischt. Da er seinen Freund so nicht kannte, gab Thyrus schnell auf und trollte sich. Ein Rivale weniger, dachte Silver bei sich. Doch noch war Romas hinter Night her. Silver stand knurrend zwischen seiner Gefährtin und seinem Bruder. Das Leit-Paar verhielt sich immer noch ruhig, ließen aber die Kontrahenten nicht aus den Augen. Als Blackbird Night mal kräftig zwickte, fuhr Silver sie zähnefletschend an. Black fuhr entsetzt zurück… und musste damit einsehen, dass sie verloren hatte. Silver war ja nie richtig nett zu ihr, aber so aggressiv hatte er sich noch nie ihr gegenüber verhalten. Wehmütig winselnd machte sie kehrt.
Blieb noch Andras und Romas! Doch auch Silvers Bruder merkte bald, dass er da keine Chance hatte und begab sich zu den alltäglichen Dingen zurück. Blue blieb an Nights linker Flanke, während Silver die rechte deckte. Andras war verbissen in ihrem Zorn, auch wenn Magnus schon lange nicht mehr um Night herumscharwenzelte. Doch gegen drei hatte sie keine ebenfalls keine Chance und musste sich sogar mit einer blutigen Nase, weil sie sich einmal zu weit nach vorne wagte, zufrieden geben.
Als sich die Aggressionen einigermaßen gelegt hatten, traten die anderen aus dem Rudel an Night heran, immer unter ständiger Bewachung von Silver und Blue und schnüffelten die hellgraue Wölfin ab. Waren sie mit ihr einverstanden, stießen sie sie sachte an oder leckten ihr übers Gesicht. Wenn nicht, so wie Andras, dann zeigten sie ihr die kalte Schulter. Um Andras machte sich Kyra keine Sorgen, weil sie wusste, dass dies zwar länger dauern würde, aber sich doch irgendwann von alleine legen würde, wenn das Rudel akzeptierte, dass Silver und Night zusammen gehörten. Viel mehr ging ihr Blackbird nicht mehr aus dem Kopf...
Und wie Recht sie behalten sollte!



Einige Tage lang ließ Kyra Silver und Night nicht aus den Augen. Night schlief eng an ihren dunklen Gefährten gekuschelt in der Höhle, ganz in der Nähe des Ausgangs und ständig bereit sich aus dem Staub zu machen, wenn es ihr zu heiß wurde. Die immerwährenden, manchmal grob wirkenden, Zuneigungsbekundungen waren ihr ebenso fremd, wie das gemeinsame Rudeljagen. Aus diesem Grunde ließ Kyra sie auch die erste Zeit nicht mitlaufen. Doch Amarok nahm sie liebevoll unter ihre Fittiche und er lernte ihr, wie man zumindest zu zweit kleine Beutetiere wie Mäuse, Biber, Hasen und sogar Vögel erjagt. Bald lief auch Silver mit ihnen mit und zu dritt wurden sie schon bald ein eingespieltes Team.
Reif genug um einige Wochen später an einer Rudeljagd teilzunehmen, wie Kyra fand. Der Schnee war schon beinahe dahin geschmolzen. Matsch machte sich breit, aber auch die ersten grünen Hälmchen kamen zögernd aus der Erde und die Vögel trällerten bereits schon heller und freier ihre Lieder, als Night endlich die Erlaubnis erhielt mit der Jagdtruppe mitzulaufen. Begierig schloss sie sich an und blieb in Silvers Nähe, denn Blackbird hatte sich mit der Situation noch nicht ganz ausgesöhnt und argwöhnte ihr gegenüber immer noch. So manchen harten Knuff oder sogar Biss musste sie von ihr erdulden. Aber sie wollte keinen Ärger und ertrug diese Kleinigkeiten und besonders wenn sie dann des Nachts neben Silver lag und seinem Atem in ihrem Fell spürte, vergaß sie solche Kränkungen recht schnell.
Blackbird aber vergaß niemals etwas. Ihr Zorn wurde unerträglich in ihr und die Eifersucht zernagte sie innerlich. Die kleinen Verstöße sah niemand, aber leider schienen sie auch Night nichts anzuhaben. Black hatte sich zwar scheinbar mit der Situation arrangiert und sich an Thyrus gewandt, aber sie konnte immer noch nicht das verliebte Getue von Silver und seiner Gefährtin vertragen. Doch geduldig wartete sie auf ihre Zeit...
Und bei der ersten Jagd, bei der Night mitlief, bot sich eine Gelegenheit. Das Rudel hatte einige Elche ausgemacht und war gerade dabei das schwächste Glied zu hetzen, während die anderen auf der anderen Seite der Lichtung darauf warteten es zu reißen, als eines der fliehenden Tiere Night vom Rudel drängte und mit gesenkten Kopf auf sie losging. Das riesige Tier jagte Night soviel Respekt ein, dass sie sich abwandte und anstatt zu den anderen zu laufen, in die entgegensetzte Richtung rannte. Blackbird bekam das mit und galoppierte hinterher. Magnus sah dies und meinte noch, dass Black wohl Night zurück helfen wollte, doch niemand rechnete mit den nachfolgenden Ereignissen.
Der Elch, obwohl nicht ganz ausgewachsen, trieb Night vor sich her. Als dann Blackbird hinter ihm auftauchte, ergriff er doch lieber die Flucht und keilte dabei nach Black. Doch diese hatte offenbar damit gerechnet und wich geschickt aus. Night wollte schon zum Rudel zurückkehren, als plötzlich die Rivalin mit gefletschten Zähnen und tief drohend knurrend ihr den Weg versperrte. Die hellgraue wollte dies aber nicht auf sich sitzen lassen und drohte ebenso mit nach hinten gelegten Ohren und hochgezogenen Lefzen. Der erste Angriff wurde von Black in einem Sprung angesetzt. Night konnte gerade noch ausweichen. Geschwind drehte sich Black um und beide stellten sich auf die Hinterläufe und gingen mit Zähne und Vorderpfoten auf sich los. Da die zwei ziemlich ähnlich von den Kräften her waren, blieb es einige Minuten lang unentschieden und ohne Verletzungen ab. Doch während Black immer verbissener kämpfte, ermattete Night immer mehr. Ihre zierliche Gestalt war hier klar im Nachteil und ihre Unerfahrenheit so und so.
Als sie letztendlich einmal zu langsam reagierte, packte Black sie an einer der Vorderläufe und biss zu. Ein beinahe unerträglicher Schmerz ließ Night laut aufjaulen und dann übermannte sie rasende Wut und sie schüttelte Black ab. Doch die Verletzung war größer als Nights Wut und Herz. Sie erlahmte immer mehr und Black trieb sie, von ihr völlig unbemerkt, an einen Abgrund heran. Trotz all ihres Mutes und Überlebenswillen konnte sie sich irgendwann bei einem Rückwärtssprung zwar vor Black, aber nicht vor dem Geröllabhang retten. Haltlos rutschte sie ihn hinab… und Blackbird stand frohlockend oben und beobachtete den Fall ihrer Feindin.
Mit einem dumpfen Laut schlug Night am Boden auf. Jeder Knochen tat ihr weh, ihre Lungen schmerzten, ihre Nase blutete ebenso wie ihr Vorderbein, aber sie lebte. Doch sie war im Augenblick nicht fähig sich zu rühren. Nicht einmal ein Winseln konnte sie sich abringen.
Blackbird lief zum Rudel zurück und alarmierte scheinheilig das gesamte Team. Silver war völlig aus dem Häuschen und war der erste am Abhang. Immer wieder versuchte er zu seiner Gefährtin zu kommen, doch bei jedem Versuch gab soviel Geröll unter ihm nach, dass auch er unweigerlich hinunterstürzen würde. Amarok war der einzige, der nicht den Kopf verlor und Blue anwies einen Weg nach unten zu suchen, abseits des Abhangs.
Während Blue einen solchen Weg suchte, inspizierte der Leit-Wolf den Platz des Geschehens. Er sah das Blut Nights, er erkannte die Kampfspuren und die Fährte des Elches und all dies machte ihn traurig, weil es ihn zu Maßnahmen zwang, die das Rudel schwächte.
Er ging sofort auf Blackbird los und stieß sie aus der Meute aus. Verrat konnte nicht geduldet werden!
Nun war Night das Wichtigste. Jedes einzelne Mitglied war wichtig für das Rudel und wurde nur schmerzlich verloren gegeben, besondern jetzt, wo es wieder um ein Mitglied weniger zählte. Nach einiger Zeit hatte Blue sich tatsächlich einen Weg zu Night gebahnt und Silver stürmte auf derselben Strecke hinunter. Sanft stupste er seine Liebste an und auf ein leises Winseln von ihr hin, leckte er sie fürsorglich ab und untersuchte sie übervorsichtig. Auch die anderen kamen auf diesen Weg hinunter und forderten sie immer wieder auf, sich zu erheben. Doch Night schwirrte immer noch der Kopf. Allein Silvers Aufforderungen drangen zu ihr durch und sie versuchte sich mühsam zu erheben. Erst nach mehrmaligen Versuchen und niederschmetternden Ergebnissen gelang es ihr sich soweit auf den Beinen zu halten, dass sie sich langsam auf drei Pfoten springend fortbewegen konnte.
Das Rudel teilte sich auf. Mehrere liefen zurück zu der erlegten Beute, die anderen blieben bei Silver und Night. Mit viel zärtlichem Gestupse und Hilfestellungen kam Night völlig erschöpft im Lager an. Wäre das Bein gebrochen gewesen, hätte die Meute sie dort liegen gelassen um zu sterben. Im Schutz des Reviers brach Night kraftlos zusammen und Silver legte sich sie wärmend an ihre Seite und seinen Kopf auf ihre Schulter.
Kyra kam den anderen traurig entgegen und merkte sofort, dass die Verletzungen nicht von einem Jagdunfall stammten. Als die anderen mit dem Elchkalb ankamen und Blackbird nicht dabei war, wusste sie, was passiert war. Ihre Tochter war für das Rudel verloren. Nun hieß es erneut Nightshadow auf die Beine zu bringen, dass es nicht noch eine Familienangehörige weniger gab.



Die Heilung war langwierig, aber noch viel mühsamer der seelische Schaden bei Night. Blackbird tauchte nie wieder auf. Zu groß war ihre Angst dem Leit-Paar unter die Augen zu treten, denn sie wusste, dass sie dann mit ihrem Tod rechnen musste.
Silver kümmerte sich mehr als nur liebevoll um seine Gefährtin. Er umhegte sie, verwöhnte sie und legte ihr die besten Fleischstücke vor. Wenn auch Night sonst niemand jemals wieder näher an sich heran ließ, aber diese Aufmerksamkeiten ihres Partners genoss sie in vollen Zügen.
Monate später hatte die Welpenhöhle eine neue Bewohnerin...
Night hatte so eben ihre ersten beiden Welpen zur Welt gebracht und der stolz geschwellte Vater wurde, wie von allen ängstlichen Müttern vertrieben. Als die Kleinen die Augen öffneten, führte sie die beiden das erste Mal an das Rudel heran. Es waren eine etwas dunklere Wölfin als Nightshadow selbst und ein kleiner vorwitziger Rüde, der irgendwann wohl Silver zum Verwechseln ähnlich aussehen würde.

Sobald die Kleinen zur Nachtruhe gebettet worden sind, gingen Nightshadow und Silver an einem ihrer Lieblingsplätze und sangen gemeinsam das Wolfslied, voller Liebe, voller Leidenschaft und wildem Verlangen hinauf zum Mond...



(© by Lightdancer, September 2005)

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