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Selene überwacht deine Spurensuche, Jäger,
doch zu oft verharrt dein Schritt im Schatten.
Zeige dein Gesicht im Licht und jage den Strahl!
Stein und Erde sind an deiner Seite,
die Eule stärkt dir deinen Rücken,
Pfeil und Bogen geben dir Kraft und Mut.
Auch wenn Ares dich hat verlassen,
so ist es nicht zu deinem Schaden,
denn es macht dich frei von Wut.
Sammle dich und mach dich frei.
Verlasse deinen selbst errichteten Käfig
und sei, was du wirklich bist!


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Ich liege im Bett, sehr wach, meine Gedanken gehen seltsame Wege und die Augen sind offen. Sie versuchen die Dunkelheit, die mich umgibt, zu durchdringen. Mein Drittes Auge ist weit geöffnet, kribbelt und sucht - wie beinahe jede Nacht... Die Dunkelheit macht mir keine Angst, zumindest nicht heute. Aber es gibt Nächte, da bedrängt sie mich. In diesen strecke ich meine Finger aus, immer in der Hoffnung, daß ich etwas berühren kann, daß da jemand ist, der mich auffängt. Doch in diesen Momenten ist nie etwas oder jemand bei mir!
In diesen Augenblicken fühle ich die Leere um mich sehr stark. Sie ist allumfassend und durchweht mich mit eisiger Kälte. Ich fühle mich wie Bella, die ein Loch in der Brust hat. Doch anstelle des Loches binden mir eiserne Schnüre die Brust und die Kehle ab. Ich spüre wie sich meine Lunge weitet, der Atem sie durchströmt und doch habe ich das Gefühl zu ersticken. Das Gefühl, daß das nicht meine Lunge ist, nicht mein Atem, der sich in mir breit macht, ängstigt mich. Es wirkt alles so falsch... Panik steigt in mir hoch, lässt sich mit nichts bezwingen oder auch nur ein wenig bändigen.
"Atme", höre ich dann. "Atme ruhig ein und aus." Ein zarter Schauer beginnt an der rechten Schulter, läuft mir den Rücken entlang und durchdringt mich schließlich ganz. Meine Seele öffnet sich dem, genießt haltlos und bedingungslos. Jetzt, genau in diesem Augenblick, lebe ich. Ich spüre meinem Atem, mein Herz, spüre dem Schauer nach, der schon wieder am Abklingen ist.
Und dann ist da der Schmerz. Schmerz ist sehr objektiv und daher kaum in Worte zu fassen. Es ist nicht so, als würde man sich die Zehe stoßen oder sich das Bein brechen. Dennoch ist er ... zerreißend, stechend, von Frust, Schuld und Einsamkeit geprägt. Doch sobald ich mich wieder im Griff habe, verschwindet er hinter der Mauer meines Herzens. Eine einzelne Träne ist noch der letzte Nachhall.

Mein Herz, so habe ich schon vor einiger Zeit festgestellt, ist die Knospe einer schwarzen Rose. Manchmal öffnet sich ein Blatt um den Tau zu kosten und muss bitter mit Panik und Schmerz für ihren Mut bezahlen, bevor sie verwelkt und abfällt.
Ich frage mich, wie viele Blütenblätter noch vorhanden sind?
Ich frage mich, wie lange der Schmerz noch in mir wüten wird?
Ich frage mich, ob von innen her neue Blütenblätter nachwachsen um den Schmerz auf ewig zu bändigen zu versuchen?
Und schließlich frage ich mich, ob ich eines Tages, überwältigt von all dem Schmerz, nicht ebenso verwelken und sterben werde wie die vorwitzigen, übermütigen Blütenblätter?
Als Torwächterin tauge ich nichts. Zu leicht wurde das Tor geöffnet. Ich habe versucht, wirklich mit all meiner Kraft beseelt, das Tor wieder zu schließen. Doch der Riegel ist gebrochen, es kann nicht mehr geschlossen werden.
Nun knarren die Torflügeln im heftigen Sturm des Lebens. Mit jedem Laut wird die Panik genährt. Doch jede Bewegung erfüllt mich mit Hoffnung!
Könnte da jemand sein...? Wartet dort jemand auf mich? Soll ich es wagen auf die Suche zu gehen? Die Suche nach meiner eigenen, höchst persönlichen Droge.. und diese Droge bist DU!

Wie man ja weiß, sind Drogen nicht gut. Sie vernichten, gleich welcher Art diese Droge ist. Ich hab sie versucht zu bekämpfen. Sie unterdrückt, sie von mir geschoben, sie versucht ins Chaos zu stürzen, dann wiederum zu binden, fest zu fesseln, um sie im tiefsten Winkel meines Herzens unter schweren Steinen zu vergraben. Doch das alles war sinnlos. Die Droge ist stärker! Oder ist es die Sucht, die stärker ist und deshalb der Droge den Gewinn zugesteht? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Und dieses Unwissen bereitet mir Qualen. Solcher Art von Qualen, daß sie - ebenso wie das Knarren der Torflügeln - meine Panik nährt. Wie kann man eine Panik bekämpfen, wenn man die Sucht nicht in den Griff bekommt?

Ein Gedankenblitz! Drachen!!! Drachen?
Ja, die Wächter der Weisheit, des Chaos, der Elemente und der Kräfte, der Himmelsrichtungen und der Ordnung. Soll ich es wagen? Drachen sind mächtige Wesen, können aber auch zum ärgsten Feind werden. Sie lassen sich nicht gerne kontrollieren. Doch wer die Kontrolle verliert, verliert mehr als sein Leben. Ist meine Verzweiflung schon so groß, daß ich mich in die Hände der Drachen wagen kann? Oder ist gerade meine Verzweiflung das Übel, und ich sollte damit warten, um mich nicht noch mehr in Gefahr zu bringen?
Meine geistigen Argumente stärken mich und ich lese alle Bücher, die Drachenmagie betreffen und meine Bücherregale bevölkern. Ich werde einen Chaosdrachen rufen... Die Vorbereitungen gehen nur langsam vonstatten. Einige Materialien bekomm ich erst wieder im Frühling oder sogar erst im Sommer, wie Rabenfedern. Meine Ungeduld wird größer. Auch so ein Übel!
Aber das noch viel größere Übel stellt sich erst mit der Zeit, die verstreicht, ein. Die Unsicherheit! Ist es denn richtig, was ich vorhabe? Was würde der Chaosdrache zerstören, auch wenn er den Befehl bekommt nichts zu zerstören? Was setze ich mit den Energien die ich aussende in Gang? Und schließlich die größte aller Fragen: Will ich das überhaupt? Brauche ich nicht gerade diese wenigen Momenten, in denen ich lebe, wirklich lebendig bin?
Da ist sie wieder, die Sucht!!! Sie nagt, sie zweifelt, sie hadert, sie ist aber vor allem gewillt zu leben... Aber ich will doch auch leben, oder nicht? Dazu wäre aber wohl vergessen wichtig. Doch sind es nicht gerade unsere Erinnerungen, die uns zu dem machen, was wir sind? Edward hat zu Bella im zweiten Band gesagt: "Es wird so sein, als ob es mich nie gegeben hätte." Doch das ist nicht möglich. Nicht ohne einer Gehirnwäsche!
Edward ist Bellas Droge, und umgekehrt genauso! Doch wie es aussieht, bin ich allein die Drogensüchtige.
Und dann kommt da eine Botschaft...

Selene überwacht deine Spurensuche, Jäger,
doch zu oft verharrt dein Schritt im Schatten.
Zeige dein Gesicht im Licht und jage den Strahl!
Stein und Erde sind an deiner Seite,
die Eule stärkt dir deinen Rücken,
Pfeil und Bogen geben dir Kraft und Mut.
Auch wenn Ares dich hat verlassen,
so ist es nicht zu deinem Schaden,
denn es macht dich frei von Wut.
Sammle dich und mach dich frei.
Verlasse deinen selbst errichteten Käfig
und sei, was du wirklich bist!

Und das soll ich weitergeben? Wie soll ich denn das anstellen? Wieso bekomm ich diese Botschaft und was richtet sie an, wenn ich nicht den Mut finde, sie weiterzugeben? Und vor allem: wen geht sie an? Die Aussage auf diese Frage, daß ich es dem "blinden Jäger" übergeben solle, lässt mich verwirrt zurück. Auch das Bild eines Wolfes bringt mich nicht wirklich weiter. Zu groß ist die Möglichkeit, daß ich jemanden vergesse oder ich es den falschen Personen übermittle.
Die Botschaft kam drei Tage vor Weihnachten... ist es schon zu spät, sie weiterzureichen?
Nun, versuche ich es eben auf diesen Weg. Möge die Göttin geben, daß es die richtige Person erreicht... und vielleicht meine Sucht lindert!


(© by Lightdancer, 18. Jänner 2009)

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