Absurdes Theater

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Absurdes Theater

Die Geisteshaltung, die hinter dem Theater des Absurden steht, ist die Erkenntnis, dass Werte und Ideale früherer Zeiten ungültig geworden sind. Sie hat sich seit der Jahrhundertwende weit verbreitet. Den Menschen befällt ein Gefühl der existenziellen Angst, weil er das Leben als sinnlos erkennt. »Absurd ist etwas, das ohne Ziel ist ... Wird der Mensch losgelöst von seinen religiösen, metaphysischen oder transzendentalen Wurzeln, so ist er verloren, all sein Tun wird sinnlos, absurd, unnütz, erstickt im Keim« (lonesco). Ihre Erfahrung fassen die Autoren des absurden Theaters in eine neue dramatische Form. Sie verzichten auf Logik, Argumentation und einen klaren Aufbau ihrer Stücke, missachten die altüberlieferten Grundlagen des Dramas; sie lehnen aber auch das epische Theater ab. »Ich schreibe keine Stücke, um eine Geschichte zu erzählen. Das Theater kann nicht episch sein . . ., weil es eben dramatisch ist . 

Ein Theaterstück ist ein Gefüge, das sich aus einer Folge von Bewusstseinszuständen oder Situationen zusammensetzt, die sich steigern, sich verdichten, sich miteinander verknüpfen, um sich wieder voneinander zu lösen oder um in unerträglicher Unentwirrbarkeit zu enden« (lonesco). Die Stücke haben keinen Anfang und kein Ende, kaum eine Handlung oder Intrige. Die Figuren sind wie Marionetten, ihre Dialoge sinnloses Gerede. Sie wirken wie Albträume mit den Themen: Vereinzelung des Individuums, Unmöglichkeit der Kommunikation, Konformismus der Gesellschaft, Gewissheit des Todes. Aber man diskutiert nicht nur die Absurdität des Daseins, man stellt sie dar in Bildern. Um dieses Ziel zu erreichen, benutzt man alle technischen Einfälle und Kunstgriffe, u. a. die Schockmethode, die alle Realität zertrümmert, um Platz zu machen für eine neue Wirklichkeit. So treibt das absurde Theater den Verfremdungseffekt weiter als Brecht. Man will ja keine Morallehren, sondern ein Existenzgefühl vermitteln. Das ist nicht möglich durch Begriffe, sondern nur durch Erleben, durch emotionale Bilder.

Mit der Abwertung der Begriffe ist die Abwertung der Sprache eng verbunden. Was geschieht, ist wichtiger als das, was gesprochen wird (nach Esslin). Die Dramatiker des absurden Theaters sind Einzelgänger, sie bilden keine programmatische Schule. Der Ausgangspunkt ist Paris; dort wirkten nach dem Zweiten Weltkrieg der Ire Samuel Beckett, der Rumäne Eugene lonesco, der Russe Arthur Adamov. Deutscher Vertreter des absurden Theaters ist Wolfgang Hildesheimer. Aus dem gleichen Grundgefühl des Absurden entwickelte sich auch das existenzialistische Theater, dieses hält jedoch an den überkommenen Formen fest und argumentiert streng logisch (Sartre, Camus). 

Vorläufer finden sich im Dadaismus (Expressionismus) und dem daraus erwachsenen Surrealismus, der vor allem die Malerei beherrscht (Picasso). Eine enge Verbindung besteht zur > Groteske. 

Literatur

Esslin, M., Das Theater des Absurden, rowohlts deutsche enzyklopädie Bd. 23436.

Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9