|
Anekdote |
Die Anekdote (eigentlich »nicht herausgegeben«, also eine Geschichte, die von Mund zu Mund geht) ist eine der kürzesten epischen Formen. Das Geschehen setzt nach knapper Darlegung der Situation ein, erzeugt in schneller Handlungsfolge Spannungen und entlädt sich in einer Pointe. Diese ist eine unerwartete Tat oder Aussage, vergleichbar mit der »Wendung« in der Novelle. Die Erzählzeit ist das Präteritum. Die Anekdote charakterisiert eine Person, eine soziale Gruppe oder eine Situation. Die Geschichte muss nicht historisch belegt sein, soll aber auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Sie dient der Veranschaulichung in Predigten und Geschichtsbüchern. Als selbständige Form taucht sie in Schwankbüchern auf; Höhepunkt war die Zeit um 1800, als Kleist und Hebel sie pflegten. Im Unterschied zur Kurzgeschichte hat sie das Bedeutende, Ungewöhnliche, auch das Törichte zum Thema. Literatur Grothe, V..,Anekdote, Sammlung Metzler Bd. 101. Schäfer, W. E., Anekdote — Antianekdote. Zum Wandel einer literarischen Form in der Gegenwart, Stuttgart (Klett) 1977 Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9 |