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Günter
Grass wurde am 16. Oktober 1927 als Sohn eines kleinen Ladenbesitzers und
seiner Frau Helene Grass, welche genauer gesagt eigentlich selber
den Laden, ein Kolonialwarengeschäft, führte, in der freien Stadt Danzig
geboren. Sein Vater hatte zuvor in einer Papierfabrik gearbeitet und war
dort arbeitslos geworden. Günter Grass ist Sohn einer gemischt nationalen
Ehe. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Kaschubin. Bei den Kaschuben
handelt es sich um eine kleine slawische Volksgruppe, welche im Danziger
Raum lebt und alle Wanderungsbewegungen überstanden hat. Diese neben den
Deutschen und Polen dritte Nationalität spielt eine große Rolle in
Grass’ Werk, soweit es sich auf Danzig bezieht. Grass sagte selbst
einmal in einem Interview "diese beiden Elemente [also die deutsche
und die kaschubische Nationalität] rivalisieren
in mir". Günter Grass wuchs in relativ kleinbürgerlichen Verhältnissen in dem Danziger Vorort Langfuhr auf. Dort besuchte Günter Grass zunächst die Volksschule und dann das Gymnasium Conradium. Schon in seiner Schulzeit war Grass Mitglied einer Buchgemeinschaft und ging es öfteren mit der Mutter ins Theater. Mit 10 Jahren wurde Grass Mitglied des Jungvolkes, mit 14 wurde er in die Hitlerjugend eingegliedert und mit 15 war er Luftwaffenhelfer. Das Kriegsende erlebte Günter Grass nicht mehr in Danzig. Denn noch 1944 zog man ihn, den 17 jährigen Jungen, als Soldat, genauer gesagt als Panzerschütze, in den 2. Weltkrieg ein. Günter Grass war zwar nie ein richtiger Hitler - Anhänger oder ein fanatischer Nationalsozialist, doch so absolut dagegen schien er allerdings seinerzeit auch noch nicht gewesen zu sein. Denn er machte seine "Karriere" während der NS - Zeit nicht widerwillig und seine politische Einsicht wuchs erst nach dem Krieg, wenn auch erste Ansätze schon vorher vorhanden gewesen sein müssen. So las er neben Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" während der Kriegsjahre auch Remarques streng verbotenes "Im Westen nichts Neues", welches in einem Bücherschrank seines Onkels Verbot und Verbrennung überlebt hatte. Günter Grass wurde 1945 an der Ostfront bei Cottbus verwundet und gelangte von dort in ein Lazarett nach Marienbad in Böhmen. Somit geriet er hier in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In einem bayerischen Gefangenenlager begann für Günter Grass die Bewältigung der Vergangenheit. Aus Bayern ließ sich Günter Grass 1946 in ein britisches Gefangenenlager, das Munsterlager in der Lüneburger Heide, verlegen. Aufgrund einer Schulterverletzung wurde er vor einer längeren Kriegsgefangenschaft als Bergarbeiter in Großbritannien bewahrt. Nach seiner Entlassung ging er mit einem Mitgefangenen nach Köln zu dessen Mutter, da er von seinen Eltern noch keine Nachricht erhalten hatte. Dort stieg er erst einmal auf Vermittlung der Mutter seines Mitgefangenen in kleinere Schwarzmarktgeschäfte ein. Er war seinerzeit unentschlossen ob er wieder aufs Gymnasium gehen sollte um das Abitur zu machen. An die von ihm angestrebte Ausbildung als Bildhauer war in dieser Zeit, welche vom täglichen Kampf gegen den Hunger bestimmt war, nicht zu denken. Nach einem kurzfristigen Aufenthalt im Saargebiet ging Günter Grass nach Göttingen, wo er nun doch noch sein Abitur nachholen wollte. Doch
er fühlte sich dort nicht sehr wohl und verließ die Schule bald wieder.
Er wurde dann Bergarbeiter in einem Kalibergwerk bei Hannover. Nachdem er
dort schon fast ein knappes Jahr gearbeitet hatte erhielt er endlich eine
erste Nachricht von seinen Eltern. Diese waren aus Danzig geflüchtet,
hatten sich dann kurze Zeit in der sowjetischen Besatzungszone aufgehalten
und waren dann bei einem Bauern im Rheinland
untergekommen. Günter Grass zog zu seinen Eltern und seiner 16 jährigen
Schwester ins Rheinland. In den Jahren 1946 bis 1949 machte er eine
Steinmetz- und Steinbildhauerlehre. Ab
dem Wintersemester 1949 studierte Grass an der Kunstakademie in Düsseldorf
und lebte dort bescheiden in einem Caritasheim. 1951
unternahm Grass eine Reise nach Italien und 1952 gelangt er das erste Mal
nach Paris. Diesen Reisen sollten dann in den darauffolgenden Jahren
viele, meist beruflich begründete, in alle Teile der Welt folgen. So
unternahm Grass beispielsweise 1955 eine
Reise nach Spanien, 1957 und 1959 reiste er nach Polen und in den Jahren
1961 und 1962 zu Vorträgen
nach Skandinavien und England. Im
Jahre 1952 verlegte Günter Grass seinen Wohnsitz aus dem "Wirtschaftswunder
- Düsseldorf" nach
Berlin (West), wo die Auswirkungen des Krieges deutlicher sichtbar
blieben, und wurde dort Schüler des Bildhauers Karl Hartung. 1954 starb Grass’ Mutter im Alter von 56 Jahren. Im selben Jahr heiratete Günter Grass seine erste Frau Anna Margaretha Schwarz, welcher der Roman "Die Blechtrommel" gewidmet ist. Erste Anerkennung als Schriftsteller erhielt Günter Grass bei einem Lyrikerwettbewerb des Stuttgarter Rundfunks bei welchem er im Jahre 1955 den Hauptpreis für das Gedicht "Lilien aus dem Schlaf" gewann. Sein erster Lyrikband "Die Vorzüge der Windhühner" erschien 1955 / 1956. Dramatische Werke, welche in den Jahren entstanden als Günter Grass durch ein Stipendium eines Verlages über Wasser gehalten wurde, fanden zwar teilweise gute Kritiken jedoch keinen Intendanten. Von
1956 lebte Günter Grass mit seiner Familie in Paris. Hier begann er mit
seiner Arbeit an der
Blechtrommel. Als Günter Grass 1958 auf einer Tagung der "Gruppe 47",
einer Vereinigung deutscher
Schriftsteller, Teile seines derzeit noch unfertigen Romans "Die
Blechtrommel" vorlas wurde ihm der mit 3000 DM dotierte
Literaturpreis verliehen. Das Manuskript des Romans beendete Günter Grass
im Frühjahr 1959. Der Roman wurde noch im Herbst des selben Jahres veröffentlicht.
Er wurde zu einem großen Welterfolg, der Günter Grass auch von
materiellen Sorgen befreite. Im
Jahre 1960 brachte Günter Grass einen neuen Gedichtband mit dem Namen
"Gleisdreieck" heraus. Im gleichen Jahr erhielt Grass den
Literaturpreis des Verbandes deutscher Kritiker. 1961 folgte dann Grass’
nächstes größeres und bedeutendes Werk, die Novelle "Katz und Maus".
Ein Jahr darauf wurde Grass ein französischer Literaturpreis verliehen.
Nach dem weltweiten Erfolg der "Blechtrommel" war der Weg auch für
Grass’ dramatische Arbeiten
geebnet. Nach kleineren Stücken, wie "Hochwasser" (Uraufführung
1957 in Frankfurt / M.), "Onkel, Onkel" (Uraufführung 1958 in Köln),
"Noch zehn Minuten bis
Buffalo" (Uraufführung 1959 in Bochum) und "Goldmäulchen"
wurden 1961 "Die bösen Köche" als ein abendfüllendes Stück
im Werkstatt - Theater des Schillertheaters
Berlin aufgeführt. Im Jahre 1963 veröffentlichte Grass’ dann den Roman
"Hundejahre", welcher seinerzeit in der Kritik auch für
erhebliche Diskussionen sorgte. Gemeinsam mit der "Blechtrommel"
und der Novelle "Katz und Maus" bilden die "Hundejahre"
Grass’ sogenannte "Danziger Trilogie". In
Berlin, wo Grass Mitarbeiter des "Spandauer Volksblatts" war,
versuchte er gemeinsam mit Wolfgang Neuss und Uwe Johnson einen Durchbruch
durch die Uniformität der Berliner
Presse zu erkämpfen. Dieser gesellschaftspolitischen Aktion folgten
sowohl Proteste gegen die
Unterdrückung der Freiheit in der DDR als auch Proteste gegen die Politik der Bundesrepublik.
In diese Linie passt sein Theaterstück "Die Plebejer proben
den Aufstand", welches das Verhalten
Brechts während des Berliner Aufstandes am 17.06.1953 behandelt. Von
1964 bis zuletzt März 1970 reiste Grass jährlich in die USA um aus
seinen Arbeiten zu lesen. Im
Jahre 1965 wurde Günter Grass der Georg - Büchner - Preis verliehen. Es
folgten 1968 der Fontane- und der Theodor-Heuss-Preis.
In den Jahren 1967 - 1969 erschienen Grass’ dritter Lyrikband
"Ausgefragt" (1967), ein Band
von Reden, Aufsätzen offenen Briefen und Kommentaren welcher "Über
das Selbstverständliche"
(1968) betitelt wurde, das Buch "Über meinen Lehrer Döblin
und andere Vorträge"(1968) und schließlich sein dritter großer
Roman "Örtlich betäubt”(1969).
Dieser, welcher vor allem in den USA zu einem Riesenerfolg wurde und ein
Protest gegen den Vietnamkrieg ist gehört zu den Büchern in welchen
Grass sowohl soziale als auch politische Themen behandelt. Dies ist typisch für seine Bücher
ab dem Ende der 60er Jahre. Weitere Bücher dieser Art sind "Der Butt"
(1977) , eine Interpretation der Beziehungen der Geschlechter während der
Geschichte, "Die Rätin". (1986) , eine Vision über das Ende
der Menschheit, welches Grass’ Angst vor dem nuklearen oder
einem Umweltdesaster widerspiegelt bzw. ausdrückt, und Unkenrufe (1992),
ein Buch welches die deutsch - polnischen Beziehungen behandelt.
Im Frühjahr des Jahres 1970 schrieb Grass das Libretto zu einem
neuen Ballett Aribert Reimanns.
1973 unternahm Grass eine Reise nach Israel. Im Jahre 1976 wurde Grass
Ehrendoktor der Harvard - University in den USA. Des weiteren ist er auch
Ehrendoktor der Kenyon -
Universität in Ohio. 1978 erschien, wie oben schon erwähnt, Grass
umfangreicher Roman "Der Butt". Es folgten 1979 "Das
Treffen in Telgte" und Jahr darauf
"Kopfgeburten". 1982 wurde Günter Grass für seine Arbeit in
Rom der Feltrinelli - Preis verliehen. Im Jahre 1986 veröffentlichte
Grass dann den Roman "Die Rätin". Von 1986 bis 1987 lebte Günter Grass für einige Monate in
den Vororten von Calcutta in Indien. Schon 1975 hatte er eine erste Reise
in dieses Land unternommen. Aus
Indien brachte Günter Grass 1987 sein Tagebuch "Zunge zeigen"
mit, in welchem er die abendländische Mitschuld am Elend der indischen
Bevölkerung darstellt. unter Grass’ bisher letztes bedeutendes Werk war
"Ein weites Feld", welches 1995 erschienen ist und von der
Kritik sehr gemischten Gefühlen aufgefasst wurde. Das Thema dieses Buches
ist die Deutsche Wiedervereinigung, welche anhand der Person des Treuhand
- Mitarbeiters Wuttke dargestellt wird. Am 19. April erhielt Günter Grass
in Kopenhagen den mit etwa 130000 Mark dotierten Sonning - Preis.* Seine
bisher letzte Ehrung wurde Herrn Grass mit der Vergabe des
Thomas Mann Preises der Stadt Lübeck am 05. Mai 1996 in Lübeck
zuteil. Günter
Grass, welcher auch heute noch in Berlin lebt, ist einer der großen
literarischen Vertreter der Nachkriegsliteratur.
*
Diese Aussage bezieht sich auf den Beschluss
der Kopenhagener Universität vom Dezember
1995 und ist nur zutreffend falls keine Änderung der Entscheidung, wie
bei Grass z.B 1959 in Bremen, vorgenommen worden ist. Die
Blechtrommel
Grass’
Roman "Die Blechtrommel" handelt von dem seit Beginn seines
vierten Lebensjahres an bis zu seinem 22. Lebensjahr zwergwüchsigen Oskar
Matzerath. Dieser 1924 in
Danzig geborene Junge stürzt sich an seinem 3. Geburtstag in den Keller
hinunter um nicht weiter
wachsen zu müssen. Es wird
in diesem Roman die Lebensgeschichte des Jungen unter den Einflüssen des
Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges beschrieben. Es folgt die
Nachkriegszeit , wo Oskar im
Endeffekt in einer Irrenanstalt landet.
Der Roman "Die Blechtrommel" ist aufgebaut aus drei Büchern.
Das erste Buch beschreibt die Zeit vor dem 2. Weltkrieg, das zweite Buch die Zeit während
des 2. Weltkrieges und das dritte Buch die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in
Westdeutschland. Jedes dieser Bücher
ist dann noch einmal untergliedert in kleinere mit Überschriften
benannte Kapitel. Zu beachten ist beim Aufbau dieses Werkes des weiteren
der chronologische Ablauf der
Erzählhandlungen. Oskar Matzerath wurde 1924 geboren und hat 1927
willentlich sein Wachstum eingestellt. Im Nachkriegsdeutschland hat ihn
eine Irrenanstalt aufgenommen,
in welcher er im Verlauf zweier Jahre, 1952 bis 1954, seine Autobiographie
schreibt. Demgemäss
unterscheidet man zwei Romanebenen, die Erzählzeit, welche die genannten
beiden Jahre umspannt und die Zeit von der erzählt wird, nämlich die
Jahre 1899 bis 1954. Davon zusätzlich ist noch die eigentliche Erzählebene
zu unterscheiden. Zur Erzählform des Buches sei noch zu bemerken, dass
Oskar von sich sowohl in der ersten
als auch in der dritten Person erzählt. Die Übergänge sind fließend
und ein Wechsel findet manchmal innerhalb des selben Satzes statt. Bei der
Person Oskar Matzerath, handelt es sich um einen Ich - Erzähler
mit auktorialen Zügen. Nachzuweisen ist dies
unter anderem auf Seite 241*² wo Oskar berichtet: "Niemand hätte
vom Strand aus sehen können, wie Greff das Fahrrad ablegte [...] Fragen
sie mich bitte nicht, woher ich das weiß,
Oskar wusste damals so ziemlich alles [...]" Das
erste Buch der Blechtrommel beginnt mit einer Selbstvorstellung Oskar
Matzeraths. Dieser Insasse einer Heil - und Pflegeanstalt, wie später erwähnt
wird, befindet sich diese in Altena im Sauerland, erzählt seine eigene
Biographie von seiner Geburt 1924 in Danzig bis in die Zeit des westlichen
Nachkriegsdeutschland. Oskar bzw. der Roman beginnt , nachdem er dem Leser
noch kurz seine Situation und seinen Pfleger vorstellt, jedoch mit
einer Abhandlung über seine Vorfahren. In den mit den Überschriften
"Der weite Rock"
und "Unterm Floß"
erzählt er von seinen mütterlichen Großeltern und der Heirat seiner
Eltern. Es folgt die Beschreibung von Oskars Geburt. Anschließend
wird dargestellt wie Oskar sich an seinem dritten Geburtstag die
Kellertreppe herunterstürzt. Dies wird als Grund für die Einstellung
seines Wachstums angesehen. Oskar bekommt wie bei seiner Geburt von der Mutter
versprochen an seinem 3. Geburtstag die Blechtrommel. Er lernt trommeln
und zieht des öfteren trommelnd durch die Stadt. Er ist nicht bereit
seine Blechtrommel auch nur für einen Moment wegzugeben. Auch ist
Oskar in der Lage mit seiner schrillen Stimme Glas zu zerschreien.
Oskar sorgt durch sein Trommeln bei verschiedenen Veranstaltungen und Anlässen,
so beispielsweise auch bei einer Kundgebung der Nationalsozialisten, für
Verwirrung und richtet mit seiner Stimme auch allerlei Zerstörung an.
Oskars Mutter stirbt und wird beerdigt. Im Herbst
1937 lernt Oskar den Meister Bebra, welchen er früher im Zirkus
schon einmal gesehen hat, und
Roswitha Raguna kennen, die beide ebenfalls kleinwüchsig sind. Außerdem
befreundet er sich in dieser Zeit mit dem Kellner Herbert
Truczinski. Im Jahre 1938 wird der
Laden in welchem Oskar seine weiß - rot lackierte Blechtrommel gekauft
hat und welcher einem Mann
namens Sigismund Markus’ , einem Juden, gehört von den
Nationalsozialisten zerstört. Das
zweite Buch beginnt mit den ersten Kampfhandlungen in Danzig, kurz vor dem
eigentlichen Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Im
August 1939 versetzt der Hausmeister Kobyella die Polnische Post in Danzig
in den Verteidigungszustand..
Es folgen Kämpfe um das Gebäude der Polnischen Post. Jan Bronski,
Oskars Onkel, welchen Oskar aber als seinen wahren Vater ansieht, und der
Hausmeister Kobyella verteidigen die Post, welche die Heimwehr stürmen
will. Das Gebäude der Polnischen Post fällt, der Hausmeister stirbt. Jan
Bronski, wie gesagt Oskars
mutmaßlicher Vater wird wegen Freischärlerei erschossen. Am ersten
September, also genau zum Zeitpunkt des Beginn des 2. Weltkrieges
gesteht sich Oskar ein, dass
seine Trommel, nein sogar er selbst, der Trommler, erst seine Mutter und
dann seinen "Onkel und Vater" (S.288) ins Grab gebracht hat.
Denn er, Oskar, hatte den Männern von der Heimwehr in einer Art "Judasschauspiel"
erzählt, dass
ihn Jan Bronski mit in die Post geschleppt hätte um ihn als Kugelfang zu
benutzen. Er wurde dafür "getätschelt und gerettet" sein Onkel
aber grausam getreten und behandelt und im Endeffekt, zwar nicht aus
diesem direkten Grund, sondern eben
wegen Freischärlerei erschossen wurde. Ende 1939 taucht Maria, die jüngste Schwester von Oskars
Freund Herbert, dem Kellner,
im Geschäft des Vaters auf. Denn Oskar war zu klein und außerdem auch
nicht gewillt hinter dem Ladentisch im Geschäft zu stehen. Diese Maria
wird zu Oskars erster
richtiger Liebe. Bei einem Badetag an der Ostsee kommt es zu ersten
seltsam anmutenden
amourösen Szenen. Anfang
November 1940, besteht kein Zweifel mehr. Maria ist schwanger. Oskar, so meint
er wäre der Vater, doch entdeckt er ein Zusammensein von seinem
angeblichen Vater
mit ihr. Dieser heiratet Maria dann auch, doch Oskar bleibt auch weiterhin
davon überzeugt, dass
es sein Kind sei. Oskar versucht vergeblich Maria zu überreden das Kind
abzutreiben. Doch vergeblich, am 12. Juni 1941 wird sein Kurt, so hatte
ihn Herr Matzerath, sein angeblicher Vater, genannt, geboren.
Zu seinem dritten Geburtstag so verspricht es Oskar soll auch er
von ihm eine Blechtrommel bekommen. An Kurts zweitem Geburtstag weilt
Oskar nicht in Danzig - Langfuhr, sondern in
Metz. Denn er trifft vor einer Danziger Schule, einer derzeitigen Luftwaffenkaserne seinen alten Freund Bebra. Gemeinsam mit ihm und Roswitha geht er an die Westfront um dort Fronttheater zu spielen. So kommt er unterem anderem auch nach Paris, wo er Arm in Arm mit Roswitha durch die Stadt spazieren geht. Auch hat er hier Auftritte vor verwöhnten deutschen Wehrmachtsangehörigen und er zersingt seine Gläser sogar nach einer kunsthistorisch chronologischen Folge. Oskar hatte zwar seine Lieben daheim nicht vergessen, doch er schickte auch keine Nachricht. Er bot ihnen einfach die Möglichkeit ein Jahr ohne ihn zu leben. Im April 1944 ziehen sie mit ihrem Fronttheater an den Atlantikwall um dort Aufführungen zu geben. Roswitha stirbt beim Angriff der alliierten Truppen während sie versucht einen Becher Kaffee aus der Feldküche zu holen. Bebra und Oskar kehren nach Berlin zurück, wo sie sich trennen und Oskar trifft einen Tag vor Kurts Geburtstag in seiner immer noch unversehrten Heimatstadt Danzig ein. Die Begrüßung seines Vaters bei seiner Heimkehr ist so herzlich, dass sich Oskar von jenem Tage an "nicht nur [...] Oskar Bronski, sondern auch Oskar Matzerath nannte [...]". Oskar schenkt seinem Sohn Kurt eine Trommel, welche dieser jedoch nicht annimmt und zugleich zu Schrott zerschlägt. Oskar wird Anführer einer Jugendbande namens die Stäuber. Es folgen Brand und Zerstörung Danzigs durch die Russen. Oskar bringt Herrn Matzerath, welchen er inzwischen als seinen richtigen Vater ansieht, um. Er steckt ihm beim Eindringen der Russen sein Parteiabzeichen mit geöffneter Anstecknadel zu, welches dieser dann verschluckt und daran stirbt. Es folgt seine Beerdigung. Oskar gesteht sich ein, dass er es satt hatte sein Leben lang einen Vater mit sich herumschleppen zu müssen. Oskar schmeißt seine Trommel in das offene Grab seines Vaters und beschließt zu wachsen. Als er dann von seinem Sohn Kurt mit einem Kieselstein am Hinterkopf getroffen wird fällt er ins Grab und beginnt zu wachsen. Mit einem Alter von 21 Jahren beginnt er nun wieder an Größe zuzunehmen. Oskar wird krank. Die herbeigerufene Ärztin rät Oskar und seinen Angehören in Richtung Westen "weg[zu]kommen" (S.489). So fahren sie dann auch mit einem Güterzug Richtung Westen. Hier findet ein Wechsel des Erzählstils statt. Da Oskar, wie es geschrieben steht, aufgrund seiner geschwollenen Finger schlecht schreiben kann, bittet er seinen Pfleger Bruno Münsterberg dies zu tun. So erfolgt eine Umänderung des autobiographischen Stils in eine Erzählform der 3. Person. Auch wenn Oskar in seiner Biographie teilweise ebenfalls über sich selbst in der 3. Person schreibt, so stellt der Pfleger Oskars Situation objektiver dar und vermittelt dem Leser ein anschaulicheres Bild über ihn. Oskar, Maria und Kurt fahren mit diesem Zug lange Zeit Richtung Westen. Denn des öfteren wird der Zug von ehemaligen Partisanen oder polnischen Jugendbanden angehalten und ausgeraubt. Auch den Rucksack von Maria wollte eine solche Bande mitnehmen, als sie aber das Fotoalbum, welches Oskar noch schnell herausgezogen hatte sahen, ließen sie den Rucksack fallen und nahmen das Gepäck anderer Reisender und verschwanden. Auch, so meint Oskar, hat das ständige Rütteln und ‘Schütteln während der Eisenbahnfahrt sein Wachstum gefördert. Er meint er sei während der Fahrt um etwa zehn Zentimeter gewachsen , doch leider hat sich das Ausbilden eines Buckels nicht verhindern lassen. Oskar
wird in Lüneburg in ein Krankenhaus eingeliefert, wird aber bald darauf
nach Hannover überwiesen.
Frau Maria sieht Oskar für lange Zeit nicht, denn diese wohnt
weit entfernt, da es in der Nähe der Klinik keinen Wohnraum gibt.
Später findet sie eine Stelle als Putzfrau in der Klinik, muss
aber jeden Tag drei Stunden zur
Arbeit fahren. So stimmen die Ärzte einer Verlegung nach Düsseldorf zu,
wo Maria eine
Wohnberechtigung erhalten hat. Denn dort hat ihre Schwester eine Wohnung,
in welcher sie ein Zimmer
abgibt. In der Düsseldorfer Klinik liegt Oskar von August 1945 bis
Mai 1946. Dann wird er noch einmal von seinem auch dortigen Pfleger Münsterberg
gemessen und verlasst mit 1.23 m die Klinik.
Somit kann er nun ein neues erwachsenes Leben beginnen. Das dritte
Buch beginnt damit, dass
Maria sich mit Schwarzhandel den Lebensunterhalt
verdient. Oskar tritt im Frühjahr 1947 als Praktikant in eine
Steinmetzerei ein. Im Jahre
1948 macht er Maria einen Heiratsantrag, welchen diese jedoch ablehnt. Oskar gibt seine Stelle bei der Steinmetzerei auf und geht in die Kunst. Er hat seine Absicht aufgegeben ein guter Biedermannn zu werden. Oskar stellt sich als Modell, allerdings auch als Aktmodell den Professoren und Schülern der Kunstakademie zur Verfügung. Dies tut er dann auch gemeinsam mit der ehemaligen Schneiderin Ulla. Ein daraus entstehendes Aktbild sieht Maria. Sie ist enttäuscht über ihn. Sie überredet ihn die gemeinsame Wohngemeinschaft zu kündigen und ein Zimmer in der Nähe zu nehmen. Er zieht bei Familie Zeidler als Untermieter ein. Ein anderer Untermieter bei Zeidlers ist die Schwester Dorothea, welche Oskar ganz genau inspiziert, insbesondere etwas eifersüchtig die Briefe, welche sie von einem gewissen Doktor Weber, Arzt im Marienhospital, empfängt. Gemeinsam mit einem weiteren Untermieter Zeidlers, namens Münzer, von Oskar jedoch Klepp genannt, und einem Gitarristen namens Scholle gründet Oskar eine Kapelle. Die drei treten im "Zwiebelkeller" des Gastwirtes Schmuh auf. Oskar trommelt die Gäste dort zur Tür heraus. Schmuh stellt einen Stehgeiger an, holt die drei dann aber doch wieder zurück, weil sonst die besten Gäste fernzubleiben drohen. Her Schmuh verunglückt tödlich und ein ehemaliger Gast Dr. Dösch, welcher eine Konzertagentur leitet einen lukrativen Vertrag an. Vor dem Beginn des Vertrages will Oskar jedoch noch eine Reise in die Normandie, wo er im 2. Weltkrieg mit dem Frontheater war, machen. Dann begibt sich Oskar zur Konzertagentur West, wo Dr. Dösch ihn mit offenen Armen empfängt. Dösch meldet Oskar beim Chef an. Zu seiner Überraschung findet er hinter dem großen Schreibtisch seinen noch lebenden Freund Meister Bebra in einem Rollstuhl. Meister Bebra stellt Oskar erst einmal ein wenig über seine Vergangenheit und seine begangenen direkten oder indirekten Morde zur Rede. Oskar unterschreibt hier einen Arbeitsvertrag für Konzerttourneen, welchen er aber erst, nachdem er ihn unterschrieben hat, zu lesen bekommt. Schlimmes hatte Oskar befürchtet, aber nichts dergleichen enthielt dieser Vertrag. Oskar wird durch seine Tourneen ein reicher Mann. Als er von einer Tournee zurückkommt ist Meister Bebra tot. Um ihn trauernd leiht sich Oskar einen Rottweiler mit dem er einsame Spaziergänge macht. Eines Tages stöbert der Hund einen weiblichen beringten Finger in einem Feld auf. An
dem Ring ist ein Edelstein .Oskar steckt den Finger samt Ring ein. Dies
hat ein Mann, namens Gottfried von Vittlar aus seinem Schrebergarten
beobachtet. Dieser Mann, welchen Oskar sogar als einen Freund betrachtet,
zeigte ihn damals bei der
Polizei an. Dieser hatte ihn jetzt gerade wieder einmal in der Heilanstalt
besucht. Als Vittlar Oskar damals zu Hause besuchte hatte Oskar den Finger
in einem Weckglas aufbewahrt
und dieses angebetet. Vittlar hatte die Worte genau notiert, denn die
Angaben über die Besitzerin
des Ringfingers glichen denen über die ermordete Dorothea Oskar fordert Vittlar später auch auf Anzeige zu erstatten, er selber flieht dann aber erst einmal noch. Damit endet die zweite, die innere Romanebene und Grass kehrt auf die äußere Romanebene, die Erzählzeitebene, zurück. Oskar schreibt, dass er als er damals floh 28 Jahre alt war und heute gerade seien 30. Geburtstag begeht. Es erscheint gerade heute an seinem 30. Geburtstag sein Anwalt mit der Meldung, dass man eine neue Spur in dem Ringfinger - Prozess erfunden hat und dieser wieder neu aufgerollt wird. Eine gewisse Schwester Beate soll aus Eifersuchtsgründen Schwester Dorothea aufgrund des Dr. Werners getötet haben. Oskar wurde damals aufgrund des Feldes für schuldig befunden, jedoch nicht für voll genommen und in die Heilanstalt eingeliefert. Der Roman "Die Blechtrommel" besitzt einen großen zeithistorischen Gehalt, welcher "mithin schon äußerlich an der formalen und chronologischen Gliederung des Werkes sichtbar wird. Denn der Krieg als Geschichtsperiode bildet nach Aufbau und Thematik dieses Werkes genau die Romanmitte. Die "Blechtrommel" ist zwar auch ein politisches und geschichtliches Buch, doch in erster Hinsicht ist und bleibt es die Wiedergabe von Oskar Matzeraths Lebenslauf in welchem sich die Geschehnisse seiner Zeit widerspiegeln. Günter Grass enthält sich in seinem Werk auch einer direkten Beschreibung der Kriegsereignisse und der politischen Vorgänge. Er lässt die Geschehnisse Gestalt gewinnen indem er sie in Bezug auf die Romanfiguren widerspiegelt. So ist Oskar beispielsweise mit Aufmärschen oder Versammlungen der Nationalsozialisten beziehungsweise Hitlerjugend mit seiner Trommel zugegen oder es ist in Bezug auf die Störtebeckerbande von BdM - Führerinnen die Rede. Günter Grass umgeht es in diesem Roman auch eine ständige Anprangerung des Nationalsozialismus und des Krieges vorzunehmen. Er kritisiert zwar die Zeit der Nationalsozialisten, jedoch findet sich in diesem Werk keine Spur von Hass auf das Regime. Grass zeigt alle Situationen aus des zumindest in dieser Hinsicht ganz normalem Kleinbürgers Oskar Matzerath. Es mag sein, dass Günter Grass diesen Roman auch geschrieben hat um dem Verdrängungsprozess der Geschehnisse des zweiten Weltkrieges mit seinen Mitteln entgegenzuwirken. Denn auch sein Romanheld Oskar Matzerath gibt zu, dass er versucht bestimmte Geschehnisse, wie zum Beispiel den Mord an Jan Bronski, weitestgehend aus seinen Gedanken zu verdrängen beziehungsweise wie er selber bezeichnend sagt "auszuradieren". Der erste Hinweis auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Werkes findet sich in dem Kapitel "Falter und Glühbirne", wo geschrieben steht "Der Krieg [,hiermit ist der 1. Weltkrieg gemeint,] hatte sich verausgabt. Man bastelte, Anlass zu ferneren Kriegen gebend, Friedensverträge". "Das Gebiet ... [um Danzig] ... wurde zum Freien Staat erklärt und dem Völkerbund unterstellt" (S.40/41). Die sich wieder zunehmend mit Spannung füllende Verhältnis zwischen Deutschen und Polen wird anhand einer Schlägerei zwischen dem Polen Stephan, der Sohn des Cousin von Oskars Mutter, Jan Bronski, und einem deutschen Jungen dargestellt. Wie an dieser Stelle so sind auch an vielen anderen Stellen des Werkes die Zeitereignisse eng mit der Romanhandlung verknüpft. Es wird beispielsweise erzählt, dass sich Vater Matzerath seit dem Tode der Mutter nur noch für seinen "Parteikram" interessiert. Auch werden seine Sammlungen für das Winterhilfswerk, eine Organisation zur Stärkung der Kampfmoral der Soldaten während der Kriegsjahre, erwähnt an welchen sich Oskar auch selber einmal beteiligt. Die
Judenpogrome werden anhand der Ermordung des Spielwarenhändlers Sigismund
Markus’, wo Oskar regelmäßig seine Trommeln zu kaufen pflegte, und der
Zerstörung seines Ladens dargestellt.
Die ersten Kriegsereignisse kurz vor dem eigentlichen Ausbruch des
2. Weltkrieges in Danzig
werden aus der Sicht Oskars, welcher mit seinem "Onkel" und
mutmaßlichen Vater in die Polnische Post gekommen ist, dargestellt. Diese
wird von der Heimwehr angegriffen und eingenommen. Weitere Kriegsereignisse werden in Form von Sondermeldungen, welche Oskar im Radio hört, dargestellt. Die Siegesmeldungen, welche in Danzig aus den Lautsprechern klingen, werden durch Oskars Trommeln begleitet und fließen somit in die Romanhandlung ein. Die Ereignisse in Stalingrad und der Niedergang Rommels in Nordafrika werden in Verbindung mit Ereignissen in Oskars Familie dargestellt. So heißt es, in Bezug auf Stalingrad, dass Oskar sich "aber weniger um die sechste Armee...", als, "vielmehr um Marias]..." Grippe sorgte (S.376). Der Ende Rommels Afrikakorps wird mit dem Ende von Kurtchens Keuchhusten verglichen. Aktiv am Kriegsgeschehen nimmt Oskar während seiner Zeit in Bebras Fronttheater teil, wo er mit einer Propagandakompanie nach Frankreich geht. Oskar Matzerath erlebt den Westwall, den Atlantikwall und die Invasion der Alliierten. Das Leid und der Tod hierbei werden am Beispiel des Tods Roswithas erwähnt. Es folgen Bombenangriffe und schließlich erlebt Oskar die Zerstörung seiner Heimatstadt Danzig. Er sieht den Brand und die Vernichtung der Stadt allerdings nur weil er auf dem Dachboden seine Trommel , seinen Rasputin und Goethe und einen Falter von Roswitha gelagert hat, welche er unbedingt in Sicherheit bringen will. Auch anhand dieses Beispiels werden Leid und Zerstörung gezeigt. Das
Ende der Nationalsozialistischen Partei (Deutschlands) wird am Ersticken
des Vaters Matzerath an seinem Parteiabzeichen dargestellt, welches Oskar
ihm beim Eindringen der Russen mit geöffneter Anstecknadel zugesteckt
hat. Gleichzeitig wird er auch noch von einem russischen bzw. sowjetischen
Soldaten erschossen. Mit dieser Szene, "welche eine geniale Erfindung
des Romanautors [Günter Grass] ist" (S.52, Quelle 4) wird das Ende
des Dritten Reiches auf sehr anschauliche Weise dargestellt.
Etwas ausführlicher wird die Vertreibung der Deutschen aus Danzig
und den anderen Ostgebieten
am Beispiel der Matzeraths dargestellt. Es folgt dann die Darstellung
der Schwierigkeiten, welchen diese Leute gegenüberstanden und wie
sie versuchen mussten
in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Weitere Fakten, welche allerdings nicht jedem Leser im ersten Moment auffallen dürften, die einen historischen Bezug besitzen findet man in den einzelnen Textabschnitten wieder. So deutet beispielsweise Oskars permanentes Trommeln sicherlich auf die die gesamte Zeitsituation beherrschende Aggressivität hin. Das Trommeln signalisiert das kriegerische Tun und die militärische Disziplinierung die seinerzeit herrschten. Es stellt einen Kontakt zu den zerstörerischen Strebungen der nationalsozialistischen Zeit her. Ähnliches lässt sich von Oskars Fähigkeit mit seiner Stimme Glas zu zerschreien feststellen. Ab Ende 1932, aus Anlass des Zerschreiens der Scheiben im Foyer des Danziger Stadttheater, wird Oskar, welcher "bislang nur aus zwingenden Gründen geschrieen hatte"(S.115) an diesem Punkt "zu einem Schreier ohne Grund und Zwang" (S.115). Im historischen Bezug gesehen, bedeutet dies wohl, dass mit der nahe bevorstehenden Machtergreifung der Nationalsozialisten die Aggressionen wieder zunehmen. Des weiteren mag das Zerscherben von Glas auf die durch den Krieg hervorgerufene Beschädigung von militärischen und zivilen Objekten hindeuten. Auch stellt Grass zwischen der schrillen und zerstörerischen Stimme seiner Hauptperson und den Kriegswaffen eine Verbindung her, indem er sie mit dem "Nazi - Terminus "Wunderwaffe" benennt. Weiterhin ist interessant festzustellen das sich Oskar genau am 01. September 1939 seine große Schuld eingesteht seine Mutter und seinen "Onkel und Vater" (S.288) ins Grab gebracht zu haben. Dabei sind Parallelen von der Individualperson Oskar zum gesamten deutschen Volk sichtbar, welches genau an diesem Tage erkannt haben dürfte, wohin es Hitler und seine Partei mit seiner Unterstützung gebracht hat. Wichtig zu bemerken sei auch , dass Oskar genau zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation und des Kriegsendes, nämlich im "Mai 1945" sein Wachstum wieder aufnimmt und somit versucht einem normalen Leben entgegenzuwachsen. Eine Quelle sieht in Oskar Matzerath auch eine direkte Verbindung zu der Figur Adolf Hitlers. Denn auch Adolf Hitler stammte aus einem kleinbürgerlichen Milieu und lehnte sich genauso wie Oskar Matzerath mit vehementen Protest gegen die materielle Enge des Sozialmilieus und gegen die väterliche Autorität auf. Weiterhin erinnern an Hitler, die öfters beschriebene Blauäugigkeit Oskars und sein "weltumfassendes Halbwissen". Auch wurde Hitler vor allem in politischen Auseinandersetzungen während der letzten Jahre der Weimarer Republik des öfteren als "Trommler" tituliert und dargestellt. In dem Werk "Die Blechtrommel" und in der Person Oskar Matzerath sind aber auch viele Bezugspunkte zu Günter Grass eigener Biographie zu sehen. Es
spiegeln sich sogar einige
Elemente aus Grass’ Biographie in Oskar Matzeraths Lebenslauf wider.
Denn Günter Grass lässt seinen Helden an vielen Schauplätzen und
Orten an denen er selber
aufgewachsen ist leben und handeln. So sind einige Lebensabschnitte dieser
beiden Personen sicherlich von Günter Grass nicht nur rein zufällig
gleich oder ähnlich gewählt worden. Zum einen dürfte Grass durch das
Kennen der Schauplätze an denen er
die Handlung des Buches stattfinden lässt, tatsächlich geschehene
Ereignisse leichter mit
einfließen haben lassen können und zum anderen kann er die Situation
seines Heldens selbst nachempfinden, da auch er sie als Kind
beziehungsweise Jugendlicher so erlebt hat. Sowohl
Günter Grass als auch sein Romanheld Oskar Matzerath wachsen in
dem Danziger Stadtteil Langfuhr während der späten zwanziger Jahre auf und verbringen dort ihre Kindheit und frühe Jugend. Auch ist Grass’ Romanheld, genau wie er selbst, der Sohn eines kleinen Kolonialwarenhändlers und es existieren auch in seiner Familie mehrere Nationalitäten. Grass selbst, so sagt er selber, verfügte als Kind, genau wie sein Romanheld Oskar, über eine sehr genaue Beobachtungsgabe. Eine Gemeinsamkeit existiert auch zwischen Oskars "Onkel" Jan Bronski und Grass’ Onkel Franz. Denn auch dieser war Angestellter der Polnischen Post und war bei der Kapitulation der Verteidiger tatsächlich von der Heimwehr erschossen worden. Günter Grass musste, wenn auch unter anderem Umständen seine Heimatstadt Danzig verlassen und gelangte nach dem Kriege nach Westdeutschland. Die Flucht aus Danzig mit all ihren Strapazen und Schwierigkeiten dürfte Grass aber von seinen Verwandten so übermittelt bekommen haben. Grass lernte in Westdeutschland unter anderem die Romanschauplätze Hannover und Düsseldorf in der Nachkriegszeit kennen. Er machte genau wie sein Romanheld Oskar eine Steinmetzlehre und kam später, zwar nicht als Model, sondern als Student ebenfalls an die Kunstakademie in Düsseldorf. Außerdem war er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft in Köln, genauso wie die Romanfigur Maria in Düsseldorf, an kleineren Schwarzmarktgeschäften beteiligt. Auch genaue Orts- und Situationsbeschreibungen, wie beispielsweise die Beschreibung des Stadtteils Danzig - Langfuhr, des Danziger Brandes, welchen Grass ebenfalls so von seinen Angehörigen geschildert bekommen haben dürfte, und die Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten in Düsseldorf sind Grass durch das persönliche Kennen und Erleben möglich gemacht worden. Ebenfalls fließen tatsächlich in Günter Grass’ Leben vorhandene Orte in die Romanhandlung mit ein. So dient zum Beispiel das Düsseldorfer Jazzlokal Dixieland in welchem Günter Grass abends mit Freunden musizierte als Vorbild für den "Zwiebelkeller" in der Blechtrommel. Die Blechtrommel entstand in den Jahren 1956 bis 1959 in einem kleinem Pavillon in einem Pariser Hinterhof, wo Günter Grass damals mit seiner Frau Anna lebte. Seinen Ursprung hat der Blechtrommler in der Figur eines Säulenheiligen gehabt. Diesen hatte Günter Grass im Jahre 1952, während einer Reise durch Frankreich auf der er ununterbrochen schrieb, kreiert. Einer anderen Quelle zufolge, wo Grass aus einem Interview zitiert wird, ist der Gedichtzyklus "Der Säulenheilige" allerdings schon während der Zeit von Grass’ Autostop - Reisen in den Jahren 1950 / 51 entstanden. Das Gedicht "Der Säulenheilige", welches nur noch in Bruchstücken erhalten ist und nie veröffentlicht wurde birgt die Keimzelle des Romans "Die Blechtrommel". Das
Gedicht wurde von Grass verworfen, aber die Figur des Säulenheiligen und
die entrückte Perspektive blieben interessant. Die Perspektive des Säulenheiligen
wurde für die Figur des allwissenden Zwerges
Oskar Matzerath im Grunde genommen noch ausgebaut. Die Einsamkeit
des Säulenheiligen ist verbunden mit Oskars Angst und seiner Sehnsucht
nach Rückkehr in den Mutterleib. Zwar hat der Autor die Säule und mit
ihr den erhöhten Standpunkt seiner Hauptperson aufgegeben, er bleibt aber
von der ihn umgebenden Gesellschaft
deutlich abgehoben. Im Spätsommer 1952 trat die Person des Oskar
Matzeraths tatsächlich im Leben des Günter Grass in Erscheinung.
Bei der Rückkehr von einer Reise aus Südfrankreich über die Schweiz sah
er bei einer Kaffeetafel einen dreijährigen Jungen mit einer
Blechtrommel. Günter Grass fiel an diesem Jungen die "selbstverlorene
Vergessenheit [...] an sein Instrument" auf
und wie dieser gleichzeitig die "Erwachsenenwelt", die
nachmittäglich plaudernde Kaffeewelt,
ignorierte. Für drei Jahre blieb diese "Findung" vergessen bis
dieser Junge
1956 aus Grass’ Erinnerung wieder auftauchte und er mit seiner Arbeit an
dem Roman, welchen er seiner Frau Anna gewidmet hat, begann.
"Die
Blechtrommel", wie auch nach ihr noch die "Hundejahre" und
vor kurzem gerade erst "Ein
weites Feld" wurde in der Literaturkritk sehr unterschiedlich aufgefasst. Es gab als Reaktion auf dieses Werk "Schreie der Freude"
und "Hymnen" auf der einen
Seite, und Schreie des Entsetzens, der Empörung und der Entrüstung auf
der anderen Seite. Die
unterschiedlichen Ansichten über das Werk gingen mitten durch
einen Literaturpreis, welchen man Günter Grass eigentlich für
anerkennen wollte hindurch. Eine unabhängige Jury erkannte Grass zum
Jahresende 1959 den Bremer Literaturpreis
zu, der Bremer Senat, welcher formal zustimmen musste, verweigerte dies
und erkannte ihm somit den Preis wieder ab. Die Blechtrommel wurde jedoch
trotz allem zu einem großen Erfolg und zählt schon heute
zu den klassischen Werken der deutschen Nachkriegsliteratur. Quellen: 1. Volker Neuhaus, Günter Grass - Die Blechtrommel - Interpretationen; 1. Auflage © 1982 R. Oldenburg Verlag GmbH, München 2.
V. Neuhaus - Stuttgart, Metzler, 1979 / JOB. Metzlersche
Verlagsbuchhandlung und Carl
Ernst Poeschel Verlag (ISBN 3 - 476 - 10179 - 7) 3.
Günter Grass - Materialienbuch, herausgegeben von Rolf Geißler; Sammlung
Luchterhand - Juni 1976, Luchterhand Verlag Darmstadt und Neuwied 4.
Königs Erläuterungen und Materialien, Band 159 - Günter Grass - Die
Blechtrommel von
Edgar Neis; C. Bange Verlag - Hollfeld 5.
Günter Grass “Die Blechtrommel” - Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH
& Co. KG, München (dtv); 4. Auflage Januar 1996 - © 1993 Steidl
Verlag, Göttingen (nach
dieser Ausgabe sind außer *² alle Seiten der Zitate angegeben) 6.
einige digitalisierte Zeitungsartikel und Berichte oder Lexikoneinträge
(Internet), -
z.B: EMP; Encyclopedia Britannica; taz - Jörg Lau (TAZ - Bericht vom 26.08.1995
- Seite 13/14),taz - Matthias Deutschmann (TAZ - Bericht vom 31.08.1995 -
Seite 4), taz - Karl Schlögel (TAZ - Bericht vom 04.09.1995 - Seite 10),
Contrapres Media GmbH; Presse und Informationsamt der Hanse- stadt Lübeck,
(LyNet GmbH); Maja Groothuis; Meulenhoff Amsterdam; Die Welt (19.08.1995)
- Bericht von Reinhard Tschapke; - für die Seitenangabe von *² wurde das Werk Günter Grass "Die Blechtrommel" als Sonderausgabe 1984, Darmstadt und Neuwied verwendet |