| Literaturgattungen |
Epigramm |
Das Epigramm, auch Sinngedicht, ist ein scharfsinniger Einfall, kurz und pointiert formuliert, manchmal satirisch. Im Unterschied zum Aphorismus ist es in Reimform gefasst, meist in Alexandrinern, seit Klopstock auch als Distichon. Teuer ist mir der Freund, doch auch der Feind kann mir nützen. Epigrammatiker schöpfen den Vorrat an poetischen Mitteln aus, um trotz der Kürze viel zu sagen. Sie verwenden Antithese (Freund-Feind) und Wortspiel (Logau: der Soldat sei re-sol-ut), häufen Synonyme (Stunde, Tage, Jahr und Zeit), gebrauchen Bilder (Logau: Die Welt ist wie das Meer; . . . der Teufel macht den Sturm, die Sünden Ungewitter) und paradoxe Wendungen (Logau: Zu fragen, die sind taub; zu hören, die nichts sagen). Das Epigramm kommt aus dem Griechischen, wo es sich von der Aufschrift auf Grabmälern und Gebäuden zu einer literarischen Gattung entwickelt hat. Im Abendland wurde es in der Renaissance wieder eingeführt und war in allen antikisierenden Epochen beliebt. Ein überragender Vertreter dieser Kunstform ist Friedrich von Logau, von dem seine eigene Zeit kaum Notiz nahm; erst Lessing, selbst Epigrammatiker, machte ihn bekannt. Bis 1800 waren die bevorzugten Stoffe: Lob berühmter und vornehmer Personen, Angriffe auf die Laster der Zeit (Nachäffen der Franzosen), einzelner Stände (Studierte). Seit Klopstock setzte sich ein literarischer Inhalt durch: theoretische Fragen der Metrik, Wesen der Dichtkunst (vgl. auch Xenien von Goethe und Schiller). Literatur Neumann, G. (Hrsg.), Deutsche Epigramme, (Reclam) RUB 8340. - Textsammlung mit Nachwort. Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9 |