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Komödie |
Komödie (oder Lustspiel) ist der Oberbegriff für heitere Bühnenstücke verschiedener Art. Was dazugezählt wird, ist abhängig von dem, was man sich unter dem Komischen vorstellt, und das schwankt nach Zeit, Mode, sozialer Schicht und Nationalität. Die Grundsituation des Komischen ist die, dass der Widerspruch zwischen einem erhabenen Ideal und der niedrigen Wirklichkeit plötzlich bemerkt wird und ein befreiendes Lachen auslöst. Ist das Lachen verstehend, gemüthaft, so neigt sich das Komische zum Humor, ist es beißend und aggressiv, so wird es zur Satire. Die Grenze zwischen dem Komischen und Tragischen war bis ins 18. Jh. festgelegt durch die
so genannte »Ständeklausel«. Diese wirkt bis heute nach: Das Komische spielt weithin in den sozial jeweils tieferen Schichten (—> Dramatik), es ist realistisch und prosaisch. Als gesellschaftliche Grundlage verlangt es eine Gruppe von Gleichgesinnten, die in Geschmack und Vorurteilen übereinstimmten, die sich einig sind über das, was man komisch findet und wie weit man gehen darf. Je nachdem, was als komisch dargestellt wird, gibt es verschiedene Arten der Komödie. Wird die Unzulänglichkeit einer Person bloßgestellt, so spricht man von Charakterkomödie (Moliere, »Der Geizige«), liegt die Komik in den Gegebenheiten (Verwechslung, Verkleidung, Belauschung, Missverständnis), von Situationskomödie (Shakespeare, »Wie es euch gefällt«). Situations- und Charakterkomödie lassen sich oft nur schwer unterscheiden, denn Situationen können sich aus den Charakteren ergeben (Kleist, »Der zerbrochene Krug«). Man unterscheidet auch höheres und niederes Lustspiel; das erste gilt als die Komödie im speziellen Sinn. Sie ist in Deutschland kaum vertreten (Lessing, Kleist, Hauptmann). Zu den niederen Lustspielarten zählen der dramatische Schwank, der von harmloser, einfacher Fröhlichkeit ist und von der Situationskomik lebt (B. Thomas, »Charleys Tante«), die ausgelassenere Posse mit primitiver, derber Übertreibung und dem Hanswurst als tragender Figur (Pocci) und die Farce, ursprünglich ein derbes Zwischenspiel, später stärker satirisch zur Verspottung literarischer Gegner (Goethe, »Götter, Helden und Wieland«). Komische Szenen entstanden in Deutschland zuerst bei den Osterspielen des Mittelalters. Die Nachricht von der Auferstehung veranlasst die Jünger zu einem Wettlauf zum Grab; das gab den Anstoß zu komischer Ausgestaltung. Ein eigenständiges deutsches Lustspiel kam mit dem Aufblühen der Städte am Ende des Mittelalters zustande. Offenbar ohne Einfluss durch frühere Dramenformen entwickelte das Bürgertum, vor allem in Nürnberg, das Fastnachtspiel. Es war zunächst eine volkstümliche Darbietung zur Belustigung der Bürger, die mit Essen, Trinken und Tanzen in Wirtshäusern und
Privathäusern die Fastnacht feierten. Das kleine Spiel wurde von Handwerksgesellen vorgetragen, die das Stück einstudiert hatten, damit von Haus zu Haus zogen und sich anschließend bewirten ließen. Sie führten einfache Reihenspiele vor, d. h. Szenen ohne durchlaufenden Inhalt; sie wurden erst im späten 15. und im 16. Jh. zum Handlungsspiel (H. Sachs). Die Fastnachtspiele begründeten jedoch keine weitere Tradition. Stärkere und dauerhaftere Impulse gingen von der Commedia del l'arte aus. Italienische Komödianten verbreiteten sie seit der Mitte des 16. Jh.s in Deutschland und Europa. Sie traten in Stegreifspielen auf, d. h., sie hatten keinen in allen Einzelheiten festgelegten Text; außerdem spielten sie in einer fremden Sprache. Dass sie dennoch Erfolg hatten, war nur möglich, weil die Handlung nur wenig variierte und weil immer die gleichen Typen auftraten (Typenkomödie): Arlecchino und Colombine, Pantalone, Capitano, Dottore u. a. Jeder war festgelegt in Aussehen, Kostüm, Gestik, Mimik, im Handeln und Reagieren (ähnlich wie im Kasperltheater). Dergleichen Typen sind der Komödie lange erhalten geblieben, z. B. im Kammerdiener und der Kammerzofe. Seit dem Ende des 16. Jh.s zogen auch englische Wanderbühnen durch Deutschland. Sie banden sich stärker an den Text und waren literarisch anspruchsvoller. Die Verständigungsschwierigkeiten führten zur Ausweitung der sprachunabhängigen akrobatischen und mimischen Zwischenspiele und zur stärkeren Hervorhebung der komischen Figur. Später wurden deutsche Darsteller aufgenommen, und schließlich spielte man in deutscher Sprache. Im 17. Jh. verwandelten sie sich in rein deutsche Truppen, die sich nur aus Reklamegründen »Englische Comödianten« nannten. Eine weitere Form des Lustspiels ist das Volksstück, das im Biedermeier seinen Höhepunkt erlebte. Es kann im Dialekt geschrieben sein und verbindet eine naive Sicht des Wirklichen mit Phantastik. Seine Hochburg war das Wien Raimunds und Nestroys. Neue Aktualität gewinnt die Komödie mit possenhaften und satirischen Zügen in unserem Jahrhundert; voller Vitalität bei Hauptmann und Wedekind, aggressiver in der völligen Verzerrung des Bürgers bei Kaiser und Sternheim, nicht weniger kritisch, aber übergreifenden Gesichtspunkten untergeordnet bei Frisch und Dürrenmatt, moralistisch und klassenkämpferisch bei Brecht. Komisches wird mit Tragischem und —»Groteskem gemischt; so nennt Dürrenmatt den »Besuch der alten Dame« eine »tragische Komödie«, denn er glaubt, dass die reine Tragödie nicht mehr möglich ist und Tragisches nur noch als schrecklicher Moment aus der Komödie erwachsen kann. »Uns kommt nur noch die Komödie bei.« Literatur Catholy, E., Das deutsche Lustspiel, Bd. l: Vom Mittelalter bis zum Ende der Barockzeit; Bd. 2: Von der Aufklärung bis zur Romantik, Stuttgart (Kollihammer) 1969,1982. Steffen, H. (Hrsg.), Das deutsche Lustspiel, Kleine Vandenhoeck-Reihe Bde. 271 u 277. Prang, H., Geschichte des Lustspiels, Kröners Taschenausgabe Bd. 378. Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9 |