| Literaturgattungen |
Märchen |
Das Märchen ist eng verbunden mit dem Mythos, den Vorstellungen von Götterdasein und -wirken. Es ist einsträngig: Eine Person hat Erlebnisse und vollbringt Taten, ihr ist alles Geschehen zugeordnet. Die Darstellung erfolgt ausschließlich durch Handlung. Es gibt bestimmte Formeln des Eingangs (»Es war einmal . . .«), des Abschlusses (»Und wenn sie nicht gestorben sind . . .«), formelhafte Motive, (drei Aufgaben, Tierhilfe) und stets einen glücklichen Ausgang (der benachteiligte Bruder gewinnt die Prinzessin, die misshandelten Kinder werden erlöst). Der Erzähler spricht von längst vergangenen Zeiten und unbestimmten Orten. Im Gegensatz zur Sage ist das Märchen losgelöst von wirklichem Geschehen. Das Volksmärchen hat keine feste Gestalt, da es mündlich überliefert worden ist. Es gibt oft mehrere Hundert »Varianten«, die stark voneinander abweichen, vor allem, wenn sie über Kontinente verbreitet sind (Turandot bzw. die Freierprobe). Das Kunstmärchen ist der Versuch einer Nachgestaltung durch einen Autor. Literatur Lüthi, M., Märchen, Sammlung Metzler Bd. 16. Lüthi, M., Es war einmal. Vom Wesen des Volksmärchens, Kleine Vandenhoeck-Reihe Bd.136/137. Lüthi, M., So leben sie noch heute, Betrachtungen zum Volksmärchen, Kleine Vandenhoeck-Reihe Bd. 294/96. Schödel, S. (Hrsg.), Märchenanalysen, (Reclam) RUB 9532 Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9 |