Naturalismus

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Naturalismus

Der Naturalismus verstand sich selbst als »konsequenten Realismus«, also eine Weiterführung des poetischen Realismus. (Die begriffliche Abtrennung erfolgte erst durch die Literaturwissenschaft.) In Deutschland ist der Naturalismus die vorherrschende Richtung zwischen 1885 und 1895. Als erster entwickelte der Franzose Zola das naturalistische Programm folgerichtig (»Le roman experimental«, 1880); Arno Holz und Johannes Schlaf verschärften es für Deutschland. Die Kunst erhält die Aufgabe eines wissenschaftlichen Experiments, denn realistische Gestalten kann der Künstler nur schaffen - so glaubt man -, wenn er die determinierenden Daseinsbedingungen des Menschen genau beobachtet, analysiert und darstellt. Determiniert wird - wie schon Taine, Comte, Darwin und Feuerbach sagten - das individuelle wie das gesellschaftliche Leben und Handeln durch Milieu und Vererbung, eine freie Willensäußerung ist weitgehend ausgeschlossen.

Photographisch getreu und in einem pedantisch eingehaltenen geradlinigen Zeitablauf (Sekundenstil) beschreiben die Naturalisten Alltägliches, Hässliches und Triebhaftes, auch bis dahin tabuierte Themen, denn unerbittliche Wahrheit ist das Prinzip. Die unvermeidliche Subjektivität wird auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Muster wird der »Papa Hamlet« von Holz und Schlaf; den Durchbruch auf dem Theater schafft Gerhart Hauptmann mit dem Drama »Vor Sonnenaufgang« (1889); er wird zum Hauptvertreter des sozialen Dramas im Naturalismus.

Lektürevorschlag:

G. Hauptmann: Die Weber; Der Biberpelz; Die Ratten; Bahnwärter Thiel; Der Ketzer von Soana.

Quelle:

Weltbild Kolleg - Abiturwissen Literatur; Autoren: Dr. Wolfgang von Rinsum, Dr. Annemarie von Rinsum