Straßentheater

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Straßentheater

Das Straßentheater geht zurück auf die Zeit der russischen Oktoberrevolution, als man revueartige »lebende Zeitungen« auf den Straßen bot, um die Massen auf einfache Art über politisch Aktuelles aufzuklären und zur Aktion zu veranlassen. Man arbeitete mit Plakaten, Spruchbändern, Wandzeitungen, Mauerinschriften, Filmen, Szenen: man trieb Agitprop. In der französischen und deutschen Studentenbewegung von 1968 versuchte man, das Straßentheater wiederzubeleben. Es sollte Theater für die Arbeiter sein, in dem diese ihre Probleme vorführen und zur Diskussion stellen  sollten  (Max  von  der Grün, »Notstand«, »Das  Straßentheater kommt«).

Im ursprünglichen Straßentheater agieren Laienkollektive; Protagonisten treten hervor als ihre Sprecher, ein Chor kommentiert, eingeschaltet werden Dokumente, Berichte, Pantomimen, Sprechchöre usw. Als politisches Agitationstheater will es Realität wiedergeben; künstlerischen Ehrgeiz hatte es zunächst nicht. Erst als sich einige Künstler des Happenings mit der politischen Opposition verbanden  (Mai-Unruhen  1968), wurden auch Kunstfragen aufgeworfen und die Wirklichkeit zum Kunstakt erklärt. Inzwischen sind Straßentheater von Berufsschauspielern gegründet worden, die auch die alte Dramaturgie verwenden. Sie sind nichts anderes als Freilichtbühnen mit Kabarettcharakter.

Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9