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Volkslied |
Der Verfasser eines Volkslieds tritt, wie bei aller Volkskunst (Märchen, Abzählreimen, Witzen), vollständig in die Anonymität zurück; sein Text wird mündlich weiterverbreitet. Die Romantiker glaubten daher, das Volk selbst habe die Volkslieder geschaffen. Kennt man den Verfasser von vergleichbaren Texten, so spricht man von »volkstümlichen Liedern« (Goethe, »Heidenröslein«; Heine »Loreley«). Das Volkslied ist eine soziale Kunstform, bestimmt dazu, in einer Gruppe gesungen zu werden. Zu den einfachen, gereimten strophischen Liedern gehört auch eine Melodie. Oft werden sie »zersungen«, d. h. umgeändert, durch Motive aus anderen Liedern erweitert, einer anderen Gemeinschaft angepasst. Die Stoffe sind dem Erlebnisbereich und Gefühlsgehalt des einfachen Volkes angepasst: Liebe, Abschied, Krieg, Wanderschaft, Tod, Frühling, Tanz, Ernte, Feste u. ä. Obwohl das Volkslied anspruchslos ist, hat es oft einen durchaus kunstvollen Aufbau: Jede Zeile ist für sich ein geschlossenes Gebilde, fügt sich dann mit der nächsten Zeile zu einer Sinneinheit, mit dem folgenden Paar zu einer Strophe und dem weiteren Strophen zum Lied zusammen. Wie die Zeilen bauen sich auch bestimmte immer wiederkehrende Formeln und Symbole auf zu größeren Zusammenhängen (Vogel als Liebesbote). Die Blütezeit des Volkslieds war vom 13. bis 17. Jh.; zu Anfang unseres Jh.s lebte es noch in Kinderstuben, Jugendgruppen und Schulen. Heute ist es verdrängt vom Schlager, der ähnliche Stoffe bietet, aber kurzlebiger ist. Nicht mehr die gemeinsame, aktive Teilnahme wird verlangt, sondern marktgerechter, passiver Konsum. LiteraturSuppan, W., Volkslied. Seine Sammlung und Erforschung, Sammlung Metzler Bd. 52. Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, Friedrich Belzner; ISBN 3-89350-164-9 |