| Klassik | ||
Einleitung: GrundideeWie die Aufklärung ging die Klassik von der Erziehbarkeit des Menschen zum Guten aus. Ihr Ziel war die Humanität, die wahre Menschlichkeit (das Schöne, Gute, Wahre). Doch der Mensch sollte nicht nur einzelne Tugenden (z.B. Toleranz, Nächstenliebe) besitzen, sondern einem Ideal zustreben, das mit den Begriffen "Harmonie" und "Totalität" umschrieben wurde. Dies bedeutete, dass alle menschlichen Kräfte und Fertigkeiten ausgebildet werden sollten: Gefühl und Verstand, künstlerisches Empfinden und wissenschaftliches Denken, theoretisches Erfassen und praktische Umsetzung (Totalität). Dabei sollten diese Eigenschaften aber nicht im Widerspruch zueinander stehen, eine auf Kosten der anderen bevorzugt werden, sondern eine ausgewogene Einheit bilden (Harmonie). Verwirklicht sah man dieses Ideal in der griechischen Antike; die Griechen des klassischen Altertums hätten - jeder einzelne und die gesamte Gesellschaft - ihre Kräfte allseitig und harmonisch entfaltet wie kein Volk zuvor oder danach. Als einen weiteren Bereich, in dem das Ideal bereits Wirklichkeit sei, verstand man die Natur. Dieser Gedanke wurde v.a. von Goethe vertreten. Er verstand sich selbst in erster Linie als Naturforscher, nicht als Dichter. Zeit seines Lebens versuchte er die mannigfaltigen Erscheinungsformen der Tier- und Pflanzenwelt auf bestimmte Urformen zurückzuführen (z.B. die Urpflanze), aus denen sich dann seiner Meinung nach die einzelnen, konkreten Formen durch Metamorphose entwickelt haben. Er entdeckte auch den Zwischenkieferknochen beim Menschen (Sutura incisiva Goethei). Das angebliche Fehlen dieses Knochens, der beim tierischen Schädel im Gegensatz zum menschlichen deutlich ausgeprägt ist, hatte vor Goethe als Beweis gegolten, dass der Mensch eine eigenständige Schöpfung der Natur (Gottes) sei. Durch seine Entdeckung zeigte nun Goethe Jahrzehnte vor Darwin den Zusammenhang zwischen Tier- und Menschenwelt und damit die Einheit ("Harmonie") der Natur. Die Wirklichkeit betrachteten die Klassiker gegenüber ihrem Ideal als unzureichend. Sie verstanden sie als geprägt durch die Arbeitsteilung der Gesellschaft, die den Einzelnen nur auf bestimmte, seinem Beruf zugeordnete Tätigkeiten und Fähigkeiten festlegte (Spezialisierung). Entsprechend herrsche im Menschen selbst ein Zwiespalt zwischen Gefühl und Verstand, Pflicht und Neigung, Denken und Handeln. Deutschland galt als rückständig, provinziell, spießbürgerlich. Große Hoffnungen setzte man zunächst auf die Französische Revolution (1789), war aber dann von deren Verlauf, v.a. der Schreckensherrschaft enttäuscht. Eine Änderung dieses Zustandes in Richtung auf das Ideal sei daher nicht durch eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft zu erreichen (wie es die Französische Revolution versuchte), sondern durch die Veränderung des Einzelnen. Wie in der
Aufklärung hielt man die Kunst für ein geeignetes Mittel, dies zu erreichen. Die Kunst sollte aber nicht nur die "Verzuckerung" der Pille sein, die unangenehme Lehren auf angenehme Weise nahe brachte. Die Kunst - so v.a. Schiller - veranschauliche das Ideal, sei ein "Vorschein" des Idealzustandes, seine Vorwegnahme im schönen Schein der Kunst. Durch die Beschäftigung mit dieser Kunst sollten die Menschen allmählich diesem Idealzustand angenähert werden. Dabei nahm man in Kauf, dass dieses Unternehmen sich zunächst auf einen kleinen Kreis von Gebildeten beschränkte, einen Kreis, der sich mit der Zeit vergrößern würde. Die Definition der Begriffe "Klassik" und "deutschen Klassik" wird erschwert durch die Wandlungen ihres Bedeutungsinhaltes. Im Überblick lassen sich folgende zwei Begriffsfelder voneinander abstecken: "Klassik" bezeichnet einmal eine zeitlich und räumlich festlegbare Epoche, in der ein Volk das "Maximum seiner Bildung" erreicht und damit Kunstwerke hervorbringt, die diese Ära als die künstlerisch fruchtbarste einer Nation erscheinen lassen. "Klassisch" bedeutet zum anderen so viel wie "absolut vollkommen", gemessen an der Antike. Dieser Begriff ist nicht an eine bestimmte Zeit gebunden. Beiden Begriffsbereichen gemeinsam ist die ursprüngliche Bedeutung und Quelle des Wortes. Sie liegt im militärischen und politischen des römischen Staates: classicus bedeutet ein/e zur ersten Steuerklasse
Zugehörige(r). Von Cicero wurde das Wort auf die Literatur übertragen. Heute bezeichnet die Umgangssprache als "Klassiker" einen Dichter oder Schriftsteller, der zu einem über den Geschmacksstreit erhabenen Bestand unserer literarischen Tradition gehört. "Klassiker" in diesem Sinne wären nicht nur Goethe und Schiller, sondern auch Hebbel, Grillparzer, ... Für die Geschichte der strengeren Begriffsbildung des Wortes ist es wichtig, dass sich im 18. Jahrhundert die Meinung bildete, dass das "Klassische" erst durch die Auseinandersetzung mit den aus der Antike überkommenen Kulturgehalten entstehe. 2. Geschichtlicher HintergrundFrankreich war unter Ludwig XIV. die Vormacht Europas. Die vielen Kriege, die der "Sonnengott" führte, und seine verschwenderische Hofhaltung überforderten jedoch die Wirtschaftskraft des Landes. Adel und Geistlichkeit hatten große Vorrechte, die Bauern wurden ausgebeutet. Zur Lösung der Finanzkrise des Staates berief Ludwig XVI. die Generalstände ein. Der dritte Stand erklärte sich zur Nationalversammlung. Da die Gefahr bestand, dass der König mit seinen Truppen die Nationalversammlung auflösen konnte, bewaffneten sich zahlreiche Pariser und stürmten am 14. Juli 1789 die Bastille, das verhasste Staatsgefängnis. Eine Welle von Gewalt überflutete das ganze Land. Im September 1791 erhielt Frankreich eine Verfassung, die auf dem Grundsatz der Gewaltenteilung beruhte. 1792 wurde Frankreich eine Republik. Im Jannuar 1793 wurde Ludwig XVI. wegen Hochverrates angeklagt und zum Tode verurteilt. Die Franzosen sehnten sich nach Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Der Mann, der dafür sorgen sollte, stand schon bereit. Er hieß Napoleon Bonaparte. Napoleon ging nun daran, den Staat neu zu ordnen. Seine Krönung zum Kaiser nahm Napoleon im Beisein des Papstes selbst vor (1804). Napoleon wollte ganz Europa seiner Herrschaft unterwerfen. Seine ehrgeizigen Pläne scheiterten am Widerstandswillen der Völker und der gegen ihn verbündeten Mächte. 1813 besiegten die Verbündeten (Russen, Preußen, Österreicher) die französische Armee. Napoleon dankte ab. Die Sieger verbannten ihm auf die Insel Elba. Ludwig XVII., der Bruder des in der Revolution hingerichteten Königs, bestieg den Königsthron. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabeigewesen.”3 LiteraturDer Klassiker, lateinisch classicus , war ursprünglich ein römischer Bürger aus der höchsten Steuerklasse, dann, als scriptor classicus, ein Schriftsteller ersten Ranges. Dieser Qualitätsbegriff bekam historische Bedeutung, als die Humanisten der Renaissance die Kunst der griechisch-römischen Antike zum Vorbild erhoben und "klassisch" nannten. Ähnlich bezeichnet nun das Wort jeweils den Zeitraum, in dem einzelne Nationalliteraturen zur höchsten Blüte gelangten. In der deutschen Literatur kommt es nach der heute weniger bekannten mittelhochdeutschen Klassik um 1200 noch einmal um 1800 zu einer jüngeren und darum noch stärker nachwirkenden Klassik. Diese hauptsächlich von Goethe und Schiller getragene Weimarer Klassik verdient ihren Namen nicht nur als eine zweite Gipfelleistung der deutschen Literatur, sondern auch weil sie an das Humanitätsideal und die Kunstauffassung der Renaissance anknüpft und dadurch wie diese mit der Antike in Verbindung steht. Goethe und Schiller verwenden das Wort "Klassik" hin und wieder, beziehen es aber auf die Antike. Sie bezeichneten sich nie als Klassiker und ihre Werke nie als klassisch. Erst von der Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts werden sie als Klassiker gekennzeichnet.
3.1 ZieleDie Klassiker erstrebten die Erziehung und Bildung des Menschen zu einer harmonischen, in sich widerspruchsfreien Persönlichkeit. Das Bildungsmittel sollte die Kunst sein. Es wurde ein neuer Begriff der Kunst entwickelt: Nicht mehr die schöpferische Willkür des Kraftgenies der Sturm-und-Drang-Zeit, das sich keinem Gesetz, keiner Regel unterwirft, war das künstlerische Glaubensbekenntnis, sondern das Erkennen und Erfüllen der als zeitlos verstandenen objektiven Gesetze der Kunst. Diese Gesetze erschienen den Klassikern in den Werken der Antike am besten verwirklicht. Goethe und Schiller waren überzeugt, dass die Menschen des klassischen Altertums ihr Leben heiter und glücklich gelebt haben. Zu dieser Harmonie wollten die Klassiker den innerlich zerrissenen Menschen ihrer Zeit mit Hilfe der Kunst führen.
3.2 Johann Wolfgang GoetheGoethe wurde am 28.08.1749 in Frankfurt am Main als Sohn eines kaiserlichen Rates geboren. Er studierte in Leipzig und in Straßburg und ließ sich 1771 in Frankfurt als Anwalt nieder. 1788 schloss er einen Liebesbund mit Christiane Vulpius, die ihm 1789 den Sohn August gebar und die er 1806 heiratete. Die Freundschaft zu Schiller seit 1794 regte Goethe zu sehr fruchtbarem Schaffen an. Er starb am 22.03.1832 in Weimar. Goethe, dessen erste Schaffensperiode in die Zeit des Sturm und Drang gefallen war, ging 1775 als Freund des achtzehnjährigen Herzogs Karl August nach Weimar. Dort führte er den jungen Regenten zu Verantwortungsbewusstsein und Pflichterfüllung und gewann die Achtung und Freundschaft der Frau Charlotte von Stein. Unter ihrem Einfluss kehrte er sich vom Sturm und Drang seiner Jugendzeit ab. Neben dienstlichen Arbeiten und Reisen für Kriegs- und Wegebaukommission entstand im Frühjahr 1779 das Schauspiel Iphigenieauf Tauris . Bei der Uraufführung auf einer Liebhaberbühne spielt Goethe selbst den
Orest. In den ebenfalls vor der Italienreise (1786 - 1788) entworfenen, aber erst später vollendeten Dramen Egmont (1787) und Tasso (1790) zeigt Goethe zwei Sturm-und-Drang-Naturen. Egmont, Tasso und auch der Faust haben ihre Wurzeln im Sturm und Drang. Goethe brachte das Manuskript des Urfaust mit nach Weimar. 1790 gab er den Faust als Fragment heraus, 1808 den vollständigen ersten Teil. Den zweiten Teil vollendete er 1832, wenige Tage vor seinem Tod. Die Entstehung dieses großartigen Dramas zieht sich damit über fast sechzig Jahre hin. In dieser langen Zeit ging so viel mit in das Werk ein, dass das Ergebnis mit dem Wort "Klassik" kaum zu erfassen ist. Die Klassiker verglichen ihre Werke gern mit antiken Mustern. Dem Epos als einer frühen, zugleich hochentwickelten Gattung galt dabei besondere Aufmerksamkeit. Hiervon angeregt, schrieb Goethe 1797 Hermann und Dorothea , ein Epos in neun Gesängen. Wilhelm Meister wurde auch als Musterstück des formstrengen Epos bezeichnet. Der Entwurf reicht wiederum in die Sturm-und-Drang-Zeit zurück; und wie der Faust wurde dieser Entwurf erst auf Schillers Drängen hin nach Goethes Italienreise weiterbearbeitet. Der erste Teil, Wilhelm Meisters Lehrjahre , erschien 1795, der zweite Teil, Wilhelm Meisters Wanderjahre , 1821. Die Wahlverwandtschaften (1809), ein Liebes- und Eheroman, zeigt an einem Modell, wie der Mensch im Konflikt zwischen Natur- und Sittengesetz durch Entsagung seine geistige Freiheit behaupten kann. Die klassische Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (1811 - 1833) enthält den Versuch, die gelebte Wirklichkeit dichterisch sinngebend nachzugestalten. Er erzählt sein Leben bis zum Aufbruch nach Weimar. In seinen letzten Lebensjahren galt Goethes Anteilnahme wieder in starkem Maße der Naturwissenschaft, die ihn schon früher viel beschäftigt hatte.
3.3 Friedrich SchillerSchiller wurde am 10.11.1759 in Marbach als Sohn des Militärwundarztes Johann Casper Schiller geboren. Er besuchte die Militärakademie und studierte die Rechte und die Medizin. Schiller starb am 09.05.1805 in Weimar. Nachdem Schiller 1782 aus Württemberg geflohen war, suchte er, von Geldsorgen, Krankheit und enttäuschten Hoffnungen geplagt, in sieben Wanderjahren eine neue Lebensgrundlage. Zunächst gewährte ihm Henriette von Wolzogen Zuflucht auf ihrem Gut in Bauerbach in Thüringen. Dann, 1783, verpflichtete er sich bei Dalberg in Mannheim als Theaterdichter. Als er, schwer erkrankt, die von ihm geforderten Theaterstücke nach Jahresfrist nicht abliefern konnte und der kümmerliche Vertrag nicht verlängert wurde, reiste er 1785 zu dem damals erst brieflich bekannten Verehrer Körner, bei dem er für die nächsten zwei Jahre in Leipzig und Dresden zu Gast blieb. Denn Körner bezahlte nicht nur Schillers Schulden, sondern unterstützte seinen Freund auch ferner mit Rat und Tat. Dankbar begeistert schrieb Schiller das "Lied an die Freude" (1785), doch sein dramatisches Schaffen stockte. Das 1782 als Familientragöde entworfene Drama Don Carlos fand erst 1787 als politisches Ideendrama seinen Abschluss. In den elf Jahren zwischen dem Don Carlos und dem Wallenstein versuchte Schiller zunächst als Geschichtsschreiber Geld zu verdienen. Die aus der Arbeit am Don Carlos erwachsene Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung (1788) brachte Schiller soviel Ansehen als Historiker, dass ihm Goethe eine unbesoldete Geschichtsprofessur in Jena vermitteln konnte. Durch eine kleine Pension von jährlich 200 Talern ermöglichte Herzog Karl August von Weimar seinem neuen Hofrat, Charlotte von Lengefeld zu heiraten. Die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs (1791 - 1793) sollte den Hausstand gründen helfen. Doch bald erkrankte Schiller so schwer, dass er sich nie wieder ganz davon erholen konnte. Zum Glück halfen der dänische Erbprinz Friedrich Christian von Augustenburg und Graf Ernst von Schimmelmann dem arbeitsunfähigen Dichter mit einer dreijährigen Ehrengabe von jährlich 1000 Talern. Schiller nutzte die Zeit wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu einem eingehenden Studium der Schriften Kants, in dieser Zeit entsprangen Schillers Gedanken Über Anmut und Würde (1793). Nach der theoretischen Beschäftigung mit dem Schönen, dem Guten und dem dichterisch Wahren kehrte Schiller von der Geschichtsschreibung zur Dramendichtung zurück. Über der Prosadarstellung der Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs war er immer stärker vom Charakter und Schicksal des kaiserlichen Generals Albrecht von Wallenstein gefesselt worden. In über vierjähriger Arbeit schrieb Schiller die dramatische Trilogie mit den Teilen Wallensteins Lager (1798), Die Piccolomini (1799) und Wallensteins Tod (1799). Der Erfolg des Wallenstein auf dem Weimarer Hoftheater und die Absicht, auch bei zukünftigen Proben eng mit Goethe zusammenzuarbeiten, veranlassten Schiller, mit seiner Familie von Jena nach Weimar zu ziehen. Ein halbes Jahr nach dem Umzug war die Tragödie Maria Stuart (1800) fertig. Das letzte von Schiller vollendete Schauspiel ist Wilhelm Tell (1804). 3.4 LyrikDie Neigung der Klassik zum Typushaften, zu Ordnung und Maß löste die Lyrik der Epoche aus ihrer volkstümlichen Verwurzelung und bewirkt eine Abkehr von der Formfreiheit des Sturm und Drang. Anstelle der Reimstrophen des Liedes und der gefühlsstarken freien Rhythmen der Geniezeit treten antikisierende Formen. Damit kehrt sich die Lyrik von der Urwüchsigkeit der Volksliedtradition ab. Die Grenzen zwischen Vers und Prosa werden wieder scharf gezogen, Sprache wird als künstlerischer Werkstoff behandelt. Themen: Ordnung der menschlichen Gesellschaft, Gesetzlichkeit des Lebens, sittliche Verantwortung des Menschen und geschichts- und kulturphilosophische Betrachtung. 3.5 EpikDas Bestreben nach Angleichung an klassische Formprinzipien ließ das antike Versepos richtungweisend für das epische Schaffen der deutschen Klassik werden. Neben der Tendenz des Zeitalters, die einzelnen Gattungen in ihrer charakteristischen Eigenart zu verwirklichen, war vor allem die hohe Auffassung von Homer ausschlaggebend für die Wesensbestimmung des Epischen im Allgemeinen und die Mustergültigkeit des Versepos im Besonderen. 3.6 DramaDer Mythos von Zeitlosigkeit und unbedingten Mustergültigkeit der antiken Kunst bestimmte auch das Drama. Die Sprache dieser auf Innerseelisches gerichteten Dramatik ist gebunden an den stilisierenden, gleichzeitig jedoch lockeren jambischen Vers. Die Architektur dieser Dramen ist sparsam und streng durchkomponiert, sie konzentriert sich auf wenige Grundlinien, was sich in der Beschränkung der Personenzahl, des Schauplatzwechsels und der Einheit im Zeitablauf ausdrückt.
4.MusikIm engeren geschichtlichen Sinn wird die Musik zwischen 1780 und 1830 im deutschsprachigen Raum als Klassik bezeichnet, sie findet ihren Höhepunkt im Schaffen Haydns, Mozarts und Beethovens (Wiener Klassik).
4.1 Wolfgang Amadeus MozartMozart wurde am 27.01.1756 in Salzburg geboren und starb an einer schleichenden Krankheit am 05.12.1791 in Wien. In der Wiener Klassik zwischen Haydn und Beethoven stehend, schuf er Werke aller musikalischer Stile und Gattungen.
4.2 Joseph HaydnEr wurde 1732 geboren und starb 1809. Als Ältester der Wiener Klassik legte er vor allem durch seine Streichquartette und Sinfonien den Grund für das Schaffen von Mozarts und Beethovens.
4.3 Ludwig van BeethovenAm 16.12.1770 in Bonn geboren, starb er am 26.03.1827 in Wien, wo er seit 1792 lebte. Ein schweres Gehörleiden, das sich schon vor 1800 bemerkbar machte, führte 1819 zu völliger Taubheit. Beethoven führte die Epoche des Wiener klassischen Stils zur Vollendung. Im ersten Schaffensabschnitt (bis 1802) ist die Anlehnung an Mozart und Haydn erkennbar, doch in der zweiten Schaffensperiode (1802 - 1812) rückt die Verarbeitung des thematische Materials in den Vordergrund. Nach einer Schaffenspause (1813 - 1817) ist die letzte Zeit Beethovens, die Zeit seiner Taubheit, durch seine erzwungene Abkehr von der Welt gekennzeichnet. Ihr entspricht eine in ihren Mitteln oftmals äußerst reduzierte musikalische Sprache. Aus dieser Zeit sind die Werke wie die 9. Sinfonie und Missa
solemnis, in denen Beethoven eine Synthese von Chor und Orchester erreicht. Werke: 9. Sinfonien: 1800: Nr. 1 C-Dur ("Adagio")
1802: Nr. 2 D-Dur
1804: Nr. 3 in Es-Dur ("Eroica")
1806: Nr. 4 B-Dur
1808: Nr. 5 in c-moll
1808: Nr. 6 in F-Dur ("Pastorale")
1812: Nr. 7 A-Dur
1812: Nr. 8 F-Dur
1823: Nr. 9 d-moll mit Schlusschor nach
Schillers Ode "An die Freude" Oper: Fidelio (1805, umgearbeitet 1806 und 1814) 5 Violinkonzerte 32 Klaviersonaten 10 Violinsonaten 16 Streichquartette
5 KunstDie Kunst in der Klassik basiert auf wiederkehrenden Kunstströmen, die sich bewusst auf antike, meist griechische Vorbilder berufen, dieser Rückgriff auf historische Formen wird Historismus genannt.
5.1 Claude - Nicolas LedouxEr war französischer Baumeister. Er wurde am 27.03.1736 in Dormans geboren und starb am 19.11.1806 in Paris. Ledoux baute zuerst im Stil seines Lehrers Blondel Schlösser und Hotels, aber ab 1774 vollzog sich der Übergang zu einem auf strengen geometrischen Formen basierenden Klassizismus. Mit seinen Entwürfen für die Salinenstadt Chaux erweist er sich als der wichtigste Vertreter der Revolutionsarchitektur.
5.2 Jean Auguste Dominique IngresIngres war französischer Maler, wurde 1780 geboren und ist 1867 gestorben. Er verbindet in seinen Bildern (weibliche Akte, mythologische Bilder und historische Kompositionen) die durch zeichnerische Linie bestimmte Form mit eingehender Naturbeobachtung.
5.3 Antonio CanovaEr lebte von 1757 - 1822, war führender italienischer Bildhauer des Klassizismus. 1802 wurde er Oberaufseher der Kunstdenkmäler. 6. Das SchulsystemEbenfalls von den Ideen der Klassik beeinflusst und außerdem für die Geschichte des deutschen Schulwesens von entscheidender Bedeutung war der mit Goethe und Schiller befreundete Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Während seiner Tätigkeit im preußischen Staatsdienst 1809 leitete er eine Reform des Schulwesens ein, wobei er besonderes Gewicht auf das Gymnasium legte. (Außerdem gründete er die Universität in Berlin.) Gemäß dem Ideal der Klassik, der allseitigen und harmonischen Entfaltung des Einzelnen und der Gesellschaft, sollte die Schule nicht für einen bestimmten Beruf ausbilden. Eine zu frühe Spezialisierung verhindere die allgemeine Menschenbildung. Diese sei das eigentliche Ziel der Schulbildung und ohnehin die beste Voraussetzung für eine spätere Spezialisierung. Da die Allgemeinbildung nämlich zur Selbständigkeit führe, sei es später kein Problem, sich auf die speziellen Anforderungen des Berufs einzustellen. Diesen Zielen entsprechend dürfe die Methode des Unterrichts nicht von Drill und Auswendiglernen geprägt sein, sondern von Motivation und selbständigem Lernen. Der Erfolg dieser Bildung solle durch das Abitur überprüft werden. Das Abitur berechtigte dann zum Studium und höheren Staatsdienst. Eine besondere Rolle bekamen die alten Sprachen Latein und Griechisch. Dies hing mit der erwähnten Tatsache zusammen, dass die deutschen Klassiker in den Griechen der Antike ihr Ideal der Totalität und Harmonie verwirklicht sahen. Die Römer der Antike galten als Vorbild an Tugend, Tatkraft und Vaterlandsliebe. Die Reform sollte alle Schulen umfassen, man konzentrierte sich aber in der Praxis auf die Gymnasien (Lehrplan, Prüfungsordnung, Lehrerausbildung). Das Schulsystem, auch das Gymnasium, hat seitdem viele Veränderungen erfahren. Dass der Humboldtsche Bildungsbegriff dennoch überlebt hat, kann man noch heute in den Begriffen "Studierfähigkeit", "Basiswissen", "Allgemeinbildung", "erweiterter Qualifikationsbegriff", "Grundkurse", "Pflichtauflagen" erkennen, die in Richtlinien, Verlautbarungen und in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftauchen.
7 LiteraturverzeichnisGabriele Wirsich-Irwin
Deutsche Literatur 7 Klassik
Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 1974 Kurt Rothmann
Kleine Geschichte der deutschen Literatur
Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 1985 Robert Killinger
Literarurkunde Hölder-Pichler-Tempsky, 1992
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