| Sturm und Drang | ||
Der Sturm und
Drang ist die Auflehnung der jungen Generation gegen die verstandesbetonte
Aufklärung. Die gesamte Epoche, die sich von zirka 1765 bis 1785
erstreckt und auch gern als Geniezeit bezeichnet wird, hat ihren Namen von
einem 1776 erschienenen Drama von Friedrich Maximilian Klinger. Dieser ist
ein Jugendfreund Goethes und schreibt in dieser Zeit der Begeisterung für
Jean-Jacques Rousseau auch noch das Werk "Die Zwillinge" (1776),
das ebenfalls dem Sturm und Drang zuzurechnen ist.
Grundcharakter
Der Sturm und Drang war seinem Wesen nach
eine Protestbewegung und zugleich eine Jugendbewegung. Der Protest
richtete sich gegen dreierlei:
die absolutistische Obrigkeiten in den
deutschen Staaten sowie die höfische Welt des Adels, das bürgerliche Berufsleben, das man für
eng und freudlos hielt, ebenso wie die bürgerlichen Moralvorstellungen,
die überkommene Tradition in Kunst und
Literatur. In dem ersten Punkt stimmte man mit den Aufklärern
überein, in dem zweiten Punkt stand man in Widerspruch zu ihnen, und was
den dritten Punkt anging, so war man radikaler als die Aufklärer. Bei
allen politischen Ideen war der Sturm und Drang in erster Linie eine
literarische Strömung. Der literarische
Protest
Als Ideal galt nicht der Dichter, der
hochgebildet war und in jeder Gattung schreiben konnte bzw. der seine
moralischen Lehren zum Ausdruck brachte (poeta doctus). Gepriesen wurde
vielmehr das Genie, das sich seine Regeln und Gesetze selbst schafft. Im
Genie äußerte sich nach der Vorstellung des Sturm und Drang die schöpferische
Kraft der Natur. Die Natur wurde zum Inbegriff des Ursprünglichen,
Elementaren, Göttlichen und war nicht mehr das vernünftig Geordnete wie
in der Aufklärung. Als wahrer Mensch wurde der
"Kraftkerl", der Selbsthelfer angesehen, bei dem Denken und
Handeln eine Einheit bilden, der Herr über seine geistigen, seelischen
und körperlichen Kräfte ist, der sich selbst treu bleibt und sich nicht
scheut, gegen eine ganze Welt anzutreten - selbst um den Preis des
Untergangs. Das Gefühl, das eigene Ich wurde Gegenstand
der Betrachtung; die Subjektivität des Menschen sollte sich ausleben und
in der Kunst ausdrücken. Es ist verständlich, dass solch radikale
Gedanken schlecht zu den traditionellen Formen passten. Man verurteile
daher die künstlerische Konvention, die Regelpoetiken des Barock
und der Aufklärung. Im Drama konnten die Ideen des Sturm und
Drang am besten Gestalt werden. Als Hauptpersonen finden wir in ihnen
Genies, Liebende, "Kraftkerle", die kompromisslos gegen die
Wirklichkeit anrennen. Die Vorschriften der Regelpoetiken über die
Einheit von Ort, Zeit und Handlung, über die klare Trennung von Tragödie
und Komödie, über den Aufbau eines Dramas werden über den Haufen
geworfen. Man folgte statt dessen dem Vorbild Shakespeares, den schon
Lessing gepriesen hatte. Man übernahm die markanten Charaktere, die
turbulente Handlung, die Mischung von tragischen und komischen Elementen
in ein und demselben Stück, den häufigen Wechsel von Ort und Zeit, die
Massenszenen. Zum Schlüsselroman des Sturm und Drang und
zum einzigen großen Erfolg wurde Goethes "Die Leiden des jungen
Werthers", ein "Kultbuch" des 18. Jh., das nicht nur eine
Modewelle verursachte, sondern sogar als Nachahmungstaten einige
Selbstmorde auslöste. In diesem Roman wird nicht ein junger Mann zu
moralischen Einsichten geführt wie im Roman der Aufklärung (s. Wieland).
Held des Romans ist vielmehr ein junger Mann, der eine verheiratete Frau
liebt und an dieser Liebe festhält. Als er sein Ziel nicht erreichen
kann, begeht er Selbstmord. Auf dem Gebiet der Lyrik markiert ebenfalls
das Werk des jungen Goethe einen entscheidenden Wandel. Goethes frühe Jugendlyrik war noch dem
Rokoko verhaftet. Rokokolyrik ist die Fortsetzung der Liebesdichtung des
mittleren Stils (s. Barock).
Die Liebe wird als scherzhaft erotisches Spiel dargestellt, in antikem
Gewand, mit der Natur als Szenerie oder mitspielendem Partner. Um 1770 beginnt Goethe Gedichte einer neuen
Art zu schreiben, die sogenannte "Erlebnislyrik". Den Gedichten
liegen persönliche Erlebnisse zu Grunde, die im Gedicht zu allgemeinen
Aussagen erweitert werden. Dazu greift Goethe aber nicht mehr auf die
traditionelle Liebeslyrik zurück, sondern sucht zu seiner Aussage die ihr
angemessene, individuelle Form und Sprache. Die Liebe teilt sich nicht in
ernste-seelische oder scherzhafte-sinnliche Elemente auf wie bei der
traditionellen Liebesdichtung, sie wird vielmehr als etwas Totales
verstanden, umfasst Sinne und Seele. Sie ist ein persönliches Erlebnis
und eine überpersönliche Macht zugleich. Die Liebe, Natur, das Göttliche
und der Mensch bilden in diesen Gedichten eine unlösbare Einheit, einen
letztlich harmonischen Kosmos, der Liebesglück wie Liebesleid gleichermaßen
umschließt, dem einzelnen Geborgenheit bietet und die Quelle allen Lebens
und Schaffens ist. Die Goethesche Art der Erlebnislyrik prägt
die deutsche Natur- und Liebeslyrik bis weit ins 19. Jh. hinein und
bestimmt noch heutzutage das landläufige Verständnis von Lyrik (Lyrik
ist Ausdruck von Gefühlen). Vorbilder und
Anreger
Auf Shakespeare als Vorbild der Stürmer und
Dränger wurde schon hingewiesen. Der Schweizer Johann Kaspar Lavater
(1741-1801) entwickelte den Geniebegriff. Johann Gottfried Herder
(1744-1803) machte auf die Volksdichtung aufmerksam und verdrängte damit
das Ideal der antiken Kunst. Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) war
mit seiner gefühlsbetonten religiösen Dichtung "Der Messias"
(1748) ein Idol des Sturm und Drang. Werke und Autoren
Die Stürmer und Dränger kamen vorwiegend
aus dem Mittel- und Kleinbürgertum; ihre literarischen Betätigungen
suchten sie materiell durch Hauslehrer- oder Pfarrstellen abzusichern,
denn von der Literatur konnten sie nicht leben. Es fehlte ihnen nämlich
die soziale Resonanz, ihre Bewegung blieb auf die Bekannten beschränkt,
mit denen man sich zu Männerbünden zusammenschloss (z.B. Göttinger
Hain). (Goethes erwähnter Roman blieb eine Ausnahme.) Hauptorte des Sturm
und Drang waren Strassburg, Göttingen, Frankfurt am Main. Für viele
Dichter, v.a. Goethe und Schiller, war der Sturm und Drang nur eine vorübergehende
Phase ihres Lebens und Schaffens. Viele Autoren und Werke waren nur zu
ihrer Zeit den Interessenten bekannt und sind heute weitgehend vergessen. Philosophie
Um 1770 geht eine große Unruhe durch die europäische
Studentenschaft, die sich auch in der Literatur bemerkbar macht und sich
gegen die kühle, strikte und verstandesgemäße Aufklärung richtet. Außerdem
richten sich literarische wie politische Strömungen gegen jede Art der
Bevormundung oder Unterdrückung. Jeder Mensch soll sich frei entfalten können
und nicht durch irdische oder geistige Fesseln eingeengt sein. Freiheit
bricht wie ein Zauberwort in die Reihen der jungen Menschen, die sich
daraufhin selbst als Original- oder Kraftgenie bezeichnen. Das Genie
bricht aus jeder Form der Lebensart, des Zwanges, egal ob politisch oder
literarisch, aus, um sich selbst ganz zu erleben und um der dem Genie
innewohnenden schöpferischen, kreativen Kraft keine Grenzen zu setzen. Die Phantasie ist stark genug, um jede Formvorschrift und
Regel zu brechen. Es gibt keine Versform und keinen Dramenaufbau mehr; die
Form wird vom Werk erschaffen und darf nicht von außen aufgezwungen
werden. "In den 'Fragmenten" kämpft er gegen die Nachahmung
fremder Muster und legt das Recht auf Einzelpersönlichkeit wie des Volkes
dar, sich zu geben, wie sie sind. Als wichtigsten Satz verficht er die
neue Lehre, dass die Poesie nicht das Recht weniger Bevorzugter, Gelehrter
sei, sondern das Gemeingut des ganzen Volkes und damit zugleich ein Teil
der Geistes- und Seelengeschichte. [...] Er verwirft durchaus die bloße
Korrektheit, den stilistischen Regelzwang, und setzt die volkstümliche
Sprache in ihr Recht ein, die auch nicht schriftgemäße Ausdrücke und
Wendungen getrost verwenden darf, wenn darin Kraft und Eigenart liegen.
Dadurch gewann er tiefgehenden Einfluss auf die "Kraftgenies und auf
die Entwicklung unserer Sprache überhaupt." (Deutsche
Literaturgeschichte (2) über Johann Gottfried Herder; Seite 146) Jean-Jacques Rousseau prägt den Satz "Zurück zur
Natur!", eine Aufforderung, der die Stürmer und Dränger gerne
nachkommen. Sie entwickeln eine schwärmerische Liebe zur Natürlichkeit.
Rousseau geht jedoch weiter. In einer preisgekrönten Schrift über die
Wirkung der Wissenschaften und der Künste behauptet er, dass diese den
Menschen nicht besser, sondern schlechter gemacht haben. "Alles ist
gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den
Händen des Menschen." (Literaturkunde Seite 83). Rousseau macht die
Wissenschaft und Künste für die sozialen und politischen Probleme der
Zeit verantwortlich, prangert die sogenannte Zivilisation an und fordert
zu einem Rückschritt und Zurückschritt zur Natur auf, in der der Mensch
anfänglich glücklich gewesen ist. Die Natürlichkeit soll sich auch in anderen Bereichen
durchsetzen, so strebt der Sturm und Drang eine natürliche
Gesellschaftsordnung an, in der der Mensch nicht nach seiner Geburt
beurteilt wird. Der Adel wird des Machtmissbrauchs angeklagt und (leider
nur auf der Bühne) vor Gericht gestellt und verurteilt. Hier werden die
Fehler und Unzulänglichkeiten, die Vergehen und Verbrechen aufgezeigt,
angeprangert und angeklagt, anders als in früheren Epochen, in denen die
bessere Welt skizziert, aber kein Angriff auf die bestehende unternommen
wurde. Die Ideen des Sturmes und Dranges können sich politisch jedoch
nicht durchsetzen, da die Masse des Volkes zu dieser Zeit kein
Mitspracherecht in der Regierung hat, sondern absolutistisch geführt wird
(siehe Geschichte). Der Mensch, der in seiner Vergänglichkeit nur ein
Gleichnis, ein Symbol des Göttlichen ist, hat die Aufgabe, einen Gedanken
der Schöpfung zu verwirklichen, um diese weiterzuführen und seinen Vers
dazu beizutragen. "Dies geschieht am besten dadurch, dass er sich an
die Aufgaben, die ihm aus dem bestimmten Kreis seines Lebens zuwachsen,
hingibt und sie in fortschreitender Entwicklung und Läuterung der persönlichen
Begabung zu lösen sucht. So handelt schließlich Faust, so auch Wilhelm
Meister" (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 143). Jeder Mensch
hat also die Kraft und Macht, anders ausgedrückt das Genie, die Welt zu
verändern, zu formen, zu gestalten und sollte sich nicht durch Gesetze,
Sitten oder Gebräuche daran hindern lassen. Das Genie entwickelt sich das
ganze Leben lang, es wird geformt, es reift. Es verkümmern zu lassen wäre
eine Schande. Geschichte
In fast allen Ländern Europas ist ein absolutistischer
Herrscher an der Macht, in unserem Fall regiert Maria Theresia Österreich
(von 1740 bis 1780). Nach den österreichischen Erbfolgekriegen, die 1763
enden, erhält Preußen Schlesien und wird zur Großmacht. Deutschland ist
in viele kleine Fürstentümer zersplittert, die von Fürsten mit fast
uneingeschränkte Macht regiert werden. Der Schriftsteller Christian
Friedrich Daniel Schubart wird auf Befehl des Herzogs Karl Eugen von Württemberg
ohne Prozess eingekerkert, und dies nur, weil er einige kritische
Bemerkungen in seiner "Deutschen Chronik" veröffentlicht. Während
der Haft schreibt er das Gedicht "Die Fürstengruft", welches
ihm weitere sieben Jahre Haft einbringt. In diese Zeit fällt auch der
Unabhängigkeitskrieg, der Kampf der amerikanischen Siedler gegen die
Kolonialmacht England, der mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776
beginnt. Der Göttinger Hain
Der Sturm und Drang hat besonders in zwei Städten Fuß
gefasst und diese sind Göttingen und Straßburg. Während in Straßburg
der junge Goethe mit seinen Freunden lebt, die ihre Geniezeit ganz in das
Zeichen des Dramas setzen, und Schiller seine Liebe zu dieser Epoche noch
nicht entdeckt hat, frönt die Göttinger Jugend eher der Lyrik, und sechs
Dichter schließen sich 1772 zu einem Bund zusammen, den sie einfach nur
"Hain" nennen. "Ihr leuchtendes Vorbild war der
Messiasdichter, während sie den "Sittenverderber" Wieland
hassten. Die neuen Ideen wirkten sich in diesem Bunde zwar nicht mit der
gleichen vulkanischen Wucht wie beim dramatischen Sturm und Drang aus,
aber auch die Hainbündler beseelte glühende vaterländische
Begeisterung, Freiheitsliebe, Tyrannenhass, schwärmerische
Empfindsamkeit, die sich in Freundschaftskult und einem feinfühligen Verhältnis
zur Natur auswirkte und ihnen das singbare volkstümliche Lied eingab.
Ihre Gedichte veröffentlichten sie unter Leitung des ältesten, Christian
Boies (des Dichters der 'Lore am Tore'), in dessen 'Deutschem Museum', vor
Wielands (Anmerkung des Autors:
Christoph Martin Wieland, Dichter der Aufklärung und Feindbild des
"Hains") 'Merkur' der besten deutschen Zeitschrift, und
besonders im "Musenalmanach" [= Taschenkalender mit
literarischen Beiträgen]" (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite
150). Literatur
In den folgenden Kapiteln möchte ich einen Überblick über
die vertretenen Literaturgattungen geben. Es sollen Beliebtheit, Stil und
Themen der jeweiligen Art analysiert und diese Behauptungen durch Zitate,
beziehungsweise Leseproben untermauert werden. Die gewählten Werke werden
für die Epoche charakteristisch, jedoch nicht vorwiegend von den
bekanntesten Autoren sein, da diese, samt ihrer Werke, in einem eigenen
Kapitel namens Personen
bearbeitet werden. Epik
Der Roman ist im Sturm und Drang nicht so beliebt wie in
anderen Epochen. Wenn diese Art der Literatur verwendet wird, so meist in
den Formen eines Tagebuches oder Briefes, da sich die Gefühle in solchen
persönlichen Aufzeichnungen besonders gut abzeichnen und eine feine
Deutung und Nachempfindung des Erzählten möglich ist. Diese Romane sind
oft Selbstanalysen, die auf persönlichen Erlebnissen, Empfindungen, Gefühlen
des Autors beruhen. Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen
Werther" hat nicht zuletzt deshalb einen so großen Erfolg, weil er
den Vorstellungen und Wünschen der Leser genau entspricht (siehe auch Der
junge Johann Wolfgang Goethe). Lyrik
In der Lyrik löst das freie Lied das Gedicht der Aufklärung,
welches durch seine strengen Formvorschriften und Normen stark eingeengt
ist, ab. Der Stil des einfachen Volkslieds wird wiederentdeckt und
aufgearbeitet, als Themen Erlebnisse geschildert. Diese Erlebnislyrik
bedient sich gerne der Natur als Mittel zur Darstellung des Gemütszustandes
der Hauptperson. Sonnenschein, duftende Wiesen und blühende Blumen sollen
das Gefühl der Heiterkeit ausdrücken und auf den Leser einwirken.
Wolken, Nebel, Regen und Kälte sollen dem Leser bei ihrer Schilderung
real erscheinen und ihn in die, nun schlechte, Stimmung der Hauptperson
bringen. Eine andere Art der Lyrik sind die hymnischen Gedichte.
Wie schon am Namen zu erahnen ist, werden Helden, die gerne aus der Antike
stammen, beschrieben und besungen. Die Gedichte unterliegen keinerlei
Formbeschränkungen, sondern werden in freien Rhythmen erzählt. Die
Zeilen sind unterschiedlich lang, haben nicht die gleiche Anzahl von
Hebungen und Senkungen und sind nicht in Reimform. In diese Epoche fallen
auch die Homer-Übersetzungen von Johann Heinrich Voss, der 1781 die
"Odyssee" und 1793 die "Ilias" in die deutsche Sprache
übersetzt. 1771 schreibt Goethe seinen Prometheus und drückt damit
das Aufbegehren der Stürmer und Dränger gegen die alte Aufklärung, das
Ablehnen der reinen Vernunftebene, den Protest gegen die Unterdrückung
und Bevormundung aus. Bedecke deinen Himmel, Zeus, An Eichen dich und Bergeshöhn! [...] Ich dich ehren? Wofür? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet [...] Hier sitz' ich, forme Menschen Dramatik
Das erste Sturm und Drang-Drama ist "Ugolino",
das Wilhelm Heinrich von Gerstenberg auf die Bühne bringt. Es ist eine
Hungerturmtragödie, deren Stoff aus Dantes "Göttlicher Komödie"
stammt und in der er Shakespeare nachahmen will, den er bewundert. Die
Handlung beschränkt sich eigentlich darauf, dass ein Vater mit seinen
drei Söhnen in einem Turm verhungert. Diese magere Handlung wird
absichtlich gewählt, um die Gefühle, die Leidenschaften und nicht
zuletzt das Leiden genauer darstellen zu können. Shakespeare ist für die meisten Dramatiker des Sturmes
und Dranges ein Vorbild, da er in seinen Werken mehrmals den Schauplatz
wechselt und Jahre überspringt, damit die Dramatik des Gezeigten voll
wirken kann. "Die erste Seite, die ich in ihm las, machte mich
zeitlebens ihm eigen [...] Ich zweifelte keinen Augenblick, dem regelmäßigen
Theater zu entsagen. Es schien mir die Einheit des Orts so kerkermäßig
ängstlich, die Einheiten der Handlung und der Zeit lästige Fesseln
unsrer Einbildungskraft. Ich sprang in die freie Luft und fühlte erst,
dass ich Hände und Füße hatte." (aus dem Aufsatz "Zum
Shakespeare-Tag" vom jungen Goethe (1771), entnommen aus der
Literaturkunde Seite 83). Das Genie des Sturm und Drangs sprengt alle stilistischen
und sprachlichen Fesseln, da es keine Einschränkung der künstlerischen
Freiheit duldet. Die Dramen sind meist in Prosa verfasst, grammatikalische
Regeln werden missachtet, halbe Sätze, Ausrufe und einzelne Wörter als
Stilmittel verwendet. Diese Art der Schreibweise wird als Explosivstil bekannt. Friedrich Maximilian Klinger, der, wie schon erwähnt,
durch sein Schauspiel "Sturm und Drang" (1776) der ganzen Epoche
ihren Namen gibt, ist der "wuchtigste" Dramatiker der Straßburger
Gruppe um Goethe (vergleiche Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 153)
und beeindruckt am meisten mit seinem Werk "Die Zwillinge", das
auch 1776 veröffentlicht wird. Es geht hier um ein Brüderpaar, von dem
sich beide Brüder in das selbe Mädchen verlieben, in Streit geraten und
ihren Konflikt nur durch die Tötung des einen Bruders durch den anderen
aus der Welt schaffen können. Als ein von Wahnsinn geplagter Mann und begabter Kritiker
schreibt Michael Reinhold Lenz die realistischen Komödien
"Hofmeister" (1774) und "Soldaten" (1776). Im
"Hofmeister" beschreibt er die Schäden, die eine
Privaterziehung anrichten kann, in "Soldaten" berichtet er über
die Folgen der allgemein geforderten Ehelosigkeit der Offiziere. Persönlichkeiten
In diesem Kapitel sollen die interessantesten und
bekanntesten Literaten der Sturm und Drang-Epoche kurz vorgestellt und
ihre Werke beschrieben werden. Es werden nur die für diese Zeit wichtigen
Dichtungen berücksichtigt und der Lebenslauf im Großen und Ganzen auf
diese Zeit beschränkt. Aus diesem Grund sind auch bei den Kapiteln über
Goethe und Schiller die Worte "Der junge" hinzugefügt, um zu
zeigen, dass diese sich in ihrer Jugend dem Sturm und Drang widmeten, später
jedoch in der Klassik etc. weiterarbeiteten. Johann Georg Hamann
Der 1730 in Königsberg geborene, leidenschaftliche und
tief religiöse Hamann beginnt schon 1760 den Kampf gegen die
verstandesgemäße Aufklärung und gilt somit als einer der Bahnbrecher
des Sturmes und Dranges. Goethe sagt einmal selbst, dass es Hamann ist,
dem er am meisten verdankt, und auch Herder, dessen "Fragmente über
die neuere deutsche Literatur" die neue Epoche vollends einläuten,
ist von ihm inspiriert. Er bricht in seinen Werken die Formvorschriften
und schreibt in einem abgehackten, mystischen Stil, der die kommende Zeit
schon im voraus ankündigt, wenn er gegen die verkommene Literatur der
Aufklärung wettert. "Nicht Leiter! - Noch Pinsel! - eine
Wurfschaufel für meine Muse, die Tenne heiliger Literatur zu fegen! [...]
Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts; wie der
Gartenbau alter als der Acker: Malerei - als Schrift: Gesang - als
Deklamation: Gleichnisse - als Schlüsse: Tausch - als Handel. [...] Sinne
und Leidenschaften reden und verstehen nichts als Bilder. In Bildern
besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit."
(aus der Deutschen Literaturgeschichte (2) Seite 144) Er fordert, dass die Welt und das Leben "instinktmäßig"
erfasst werden, und zwar als Ganzes, nicht, wie durch die Vernunft, nur in
einzelnen Teilen. "'Gefühl oder Magie' müssten herrschen; Poesie
und Glaube müssten die "ausgestorbene Sprache der Natur wieder zu
gewinnen suchen." (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 144). Durch
den Ausspruch "Gefühl oder Magie" erhält er den Beinamen der
"Magus (oder Magier) aus dem Norden". Was Hamann in schwer verständlichem
Text verpackt ("Sokratische Denkwürdigkeiten" (1759),
"Kreuzzüge der Philologen" (1762)), versucht später Herder zu
klaren Ideen zu sammeln. Johann Gottfried Herder
Herder wird in 1744 in Ostpreußen als Sohn eines armen
Lehrers geboren und wächst in kleinen Verhältnissen auf. Als Schreiber
des Predigers seines Heimatortes kann er zwar viel lesen und seinen
Wissensdrang befriedigen, aber erst als er nach Königsberg kommt, um
Theologie zu studieren, kann er sich voll entfalten. Hier kommt es auch zu
der Begegnung mit Hamann, der ihn in die Werke von Shakespeare und die
Ideen von Rousseau einführt. Seine eigene schriftstellerische Tätigkeit
beginnt erst in Riga, wo er 1764 Prediger ist, und von wo er 1769 eine
Reise mit dem Schiff ins Unbekannte unternimmt, die ein einschneidendes
Erlebnis werden soll. "Den 3. Juni (Anmerkung des Autors: 1769)
reiste ich aus Riga ab, und den 5. 6. ging ich in See, um, ich weiß nicht
wohin? zu gehen. Ein großer Teil unserer Lebensgegebenheiten hängt
wirklich vom Wurf von Zufällen ab. So kam ich nach Riga, so in mein
geistliches Amt, und so ward ich desselben los; so ging ich auf Reisen.
Ich gefiel mir nicht als Gesellschafter, weder in dem Kreise, da ich war;
noch in der Ausschließung, die ich mir gegeben hatte. Ich gefiel mir
nicht als Schullehrer, die Sphäre war für mich zu enge, zu fremde, zu
unpassend, und ich für meine Sphäre zu weit, zu fremde, zu beschäftigt.
Ich gefiel mir nicht als Bürger, da meine häusliche Lebensart Einschränkungen,
wenig wesentliche Nutzbarkeiten und eine faule, oft ekle Ruhe hatte. Am
wenigsten endlich als Autor, [...] Alles also war mir zuwider [...] Ich
musste also reisen: und da ich an der Möglichkeit hiezu verzweifelte, so
schleunig, übertäubend und fast abenteuerlich reisen, als ich
konnte." (aus dem "Reisejournal"; entnommen aus dem Buch
Deutsche Literaturgeschichte Seite 145). Er landet an der französischen Küste und trifft sich in
Paris mit vielen Schriftstellern der Aufklärung, die ihm allerlei
Anregungen geben. Auf seiner Rückreise trifft er Gotthold Ephraim
Lessing. Im Sommer 1770 macht er seine zweite Reise, diesmal nach Italien.
Noch auf der Reise, in Darmstadt, lernt er Karoline Flachsland kennen, die
einmal seine Frau werden soll, und schon in Straßburg gibt er die Reise
auf und trifft auf den jungen Goethe. Sie pflegen einen regen
Gedankenaustausch, in dem Goethe zu sich selbst findet. (vgl. Deutsche
Literaturgeschichte (2) Seite 145) Goethe ist es auch, der ihn später eine Anstellung als
Generalsuperintendent in Weimar verschafft, die Herder anfangs gerne
annimmt, ihn über die Jahre hinweg aber immer missmutiger werden lässt.
So gibt er die Stellung, aber auch sein Verhältnis zu Goethe auf, reist
umher, unruhig, getrieben von Unzufriedenheit mit der Literatur, die er ja
selbst mitgeschaffen hat. Er stirbt 1803 nach Jahren der Vereinsamung und
ist, nach Goethes Worten "verzweifelt in die Grube gefahren". Seine bedeutendsten Werke sind "Fragmente über die
neuere deutsche Literatur" (1767/68), in dem er gegen die Nachahmung
fremder Muster, für das Recht auf Einzelpersönlichkeit und Kultur für
jedermann kämpft, und "Kritische Wälder" (1769), wo er die
Korrektheit anprangert und die Freiheit der Kunst und Sprache feiert. "Die Kunst kommt und löscht die Natur aus."
(angeblicher Ausspruch Herders; entnommen aus dem Buch Deutsche
Literaturgeschichte (2) Seite 146). Herder ist von der sogenannten
Naturpoesie begeistert, die eine starke Aussage hat, aber keinen Wert auf
stilistische Korrektheit legt. Seiner Meinung nach wird alles in ein unnatürliches
Regelwerk gepresst, welches die eigentlichen Gefühle unterdrückt und
dann so perfektioniert werden muss, damit dies nicht mehr auffällt. Mehr
oder minder reine Naturpoesie sei noch bei Homer, in der Bibel (Altes
Testament), aber auch bei Shakespeare und in Volksliedern zu finden. 1772
veröffentlicht er seine Schrift "Vom Ursprung der Sprache", die
1772 von der Berliner Akademie ausgezeichnet wird und auf die ein halbes
Jahrhundert später die vergleichende Sprachwissenschaft aufbaut. Der junge Johann Wolfgang Goethe
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main,
damals eine der bedeutendsten Städte Deutschlands, als Sohn gut
situierter Eltern geboren. Durch zahlreiche in- und ausländische Gäste
im Hause Goethe und ein vielseitiges Leseangebot wird der junge Johann
Wolfgang zum eigenen Schaffen ermutigt. Mit sechzehn geht er an die
Universität in Leipzig um Rechtswissenschaften zu studieren, von deren Nüchternheit
jedoch abgeschreckt, belegt er fortan Kunstfächer. Aus der Liebe zu der
Gastwirtstochter Käthchen Schönkopf entstehen einige beschwingte Werke,
wie zum Beispiel das "Leipziger Liederbuch" und die Komödien
"Die Laune der Verliebten" und "Die Mitschuldigen". In
allen diesen Werken spielt die Liebe eine wichtige Rolle. Nach einem Blutsturz, der ihn in Lebensgefahr bringt, geht
er, immer noch nicht voll genesen, im September 1768 nach Frankfurt zurück
und betreibt alchemistische Studien, die sich im Faust niederschlagen.
Erst im Frühling 1770 geht er nach Straßburg, um sein Studium zu beenden
und den Doktor zu machen. In Straßburg trifft er auch auf Johann
Gottfried Herder, der ihm die Natürlichkeit, und damit die Gedanken des
Sturm und Drang, näher bringt. Goethe entdeckt die Schönheit Homers,
Ossians, Shakespeares, des Volkslieds und ließt die Bibel. Eifrig sammelt
er für Herder Volkslieder und schreibt selbst sein "Heidenröslein".
In dieser Zeit, während den Gesprächen mit Herder und den einsamen
Spaziergängen, steigen zum ersten Mal die Gestalten des Götz und des
Faust in ihm auf, doch durch seine Liebe zur Pfarrerstochter Friederike
Brion entstehen Lieder wie "Willkommen und Abschied", "Mit
einem gemalten Band" und das "Mailied". "Ich sah dich, und die milde Freude Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe! Im August 1771 kehrt Goethe nach Frankfurt zurück, wo er,
bis auf kleine Unterbrechungen, bis 1775 bleibt. Es ist eine Zeit des
Schaffens und Wirkens, eine Zeit, die voll dem Sturm und Drang gewidmet
ist. 1771 entsteht die "Geschichte Gottfriedens von
Berlichingen", welche sozusagen der Urgötz ist und 1773 zum "Götz
von Berlichingen" umgearbeitet wird. In diesem Drama geht es um Götz
von Berlichingen, der sich gegen die Bevormundung von Bischof von Bamberg
ankämpft. Er will sein Land selbst verwalten und in ehrlichem Kampf den
Sieger bestimmen, doch er wird beim Kaiser wegen Landfriedensbruch
angeklagt. Götz lässt den Ankläger, der ein verräterischer Freund ist,
vergiften und wird mit der Reichsacht bestraft. Er wird in seiner Burg
belagert und durch Verrat gefangengenommen. Als er wieder befreit wird, schwört er
"Urfehde" und zieht sich in seine Burg zurück, wo ihn die
Bauern, die zu einem Aufstand entschlossen sind, bitten, ihre Führung zu
übernehmen. Er tut dies nur, um zu verhindern, dass der Kampf zu blutrünstig
wird und als er dies nicht verhindern kann, will er sich abwenden - zu spät
- er wird in einen Kampf verwickelt, verwundet und gefangengenommen; es
ist auch das Gefängnis, in dem er mit dem Ruf "Freiheit"
auf den Lippen stirbt. Dieses Ende gestaltet Goethe so: "[...] Er war
der beste Junge unter der Sonne und tapfer. - Löse meine Seele nun! -
Arme Frau! Ich lasse dich in einer verderbten Welt. Lerse, vergaß sie
nicht. - Schließt eure Herzen sorgfältiger als eure Tore. Es kommen die
Zeiten des Betrugs, es ist ihm Freiheit gegeben. Die Nichtswürdigen
werden regieren mit List, und der Edle wird in ihre Netze fallen. Maria,
gebe dir Gott deinen Mann wieder. Möge er nicht so tief fallen, als er
hoch gestiegen ist! Selbitz starb, und der gute Kaiser, und mein Georg. -
Freiheit! Freiheit! (Er stirbt.)" (Götz von Berlichingen Seite 111). Goethe hat die Figur des Götz zu einem Kämpfer für die
Freiheit, einem Unbeugsamen, einem Streiter gegen Unterdrückung, kurz
einem Helden gemacht, obwohl die geschichtliche Vorlage zu diesem Stück
weitaus negativer besetzt ist. Das Drama allgemein zieht sich über viele
Jahre und wechselt oft die Schauplätze, eine Freiheit des Sturmes und
Dranges, die von Shakespeare inspiriert ist. Herder urteilt deshalb auch
schlecht über das Stück und war der Meinung: "Shakespeare hat Euch
ganz verdorben!". Im Sommer 1772 ist Goethe in Wetzlar und sein Freund
Kestner stellt ihm seine neunzehnjährige Verlobte Charlotte Buff vor, in
die Goethe sich sofort verliebt. Aus Charlotte wurde Lotte, die Geliebte
des Romanhelden und als sich ein junger, begabter Gesandtschaftssekretär
in Wetzlar aus Liebeskummer umbringt, steht auch das Ende des Romans fest.
So entstehen "Die Leiden des jungen Werther", die 1774 veröffentlicht
werden. Goethe erzählt in diesem Stück nicht nur das Schicksal
einer einzelnen unglücklichen Liebe, sondern die Tragik der Jugend und
der Liebe im Allgemeinen. Viele Menschen fühlen sich von diesem einfühlsam
geschriebenen Werk in fortlaufender, einseitiger Briefform verstanden, und
es findet großen Anklang. Leider kommt es auch zu einer Idealisierung der
Werther-Figur, so dass es eine Reihe junger Menschen gibt, die sich ebenso
wie dieser kleiden, nämlich mit blauen Frack, gelber Weste und Hose und
Stulpenstiefeln, aber auch solche, die das selbe Ende wie er wählen. In
diesem Roman ist Werther unglücklich in Lotte verliebt, was er seinem
Freund Wilhelm in vielen Briefen erzählt. Im Laufe der Handlung
verschlechtert sich der seelische Zustand des feinfühligen, empfindsamen
und leicht verletzlichen Werthers immer mehr, bis er am Ende den Freitod wählt.
Dies ist der erste deutsche Roman, der über die Grenzen hinaus bekannt
wird und in ganz Europa Anerkennung findet. Er wird in viele Sprachen übersetzt
und oft kopiert. Im realen Leben entzieht sich Goethe seiner Liebe zu
Charlotte durch die Flucht nach Frankfurt. Dort verlobt er sich mit der
Bankierstochter Elisabeth Schönemann; die Verlobung wird jedoch bald
darauf wieder gelöst. 1774 schreibt er den "Urfaust", veröffentlicht
ihn jedoch nicht, arbeitet am "Ewigen Juden" und schreibt des
"Wanderers Sturmlied", Mahomets Gesang", "Ganymed"
und "Prometheus" (siehe Kapitel Literatur/Lyrik). In weiterer Folge schreibt er noch zwei
Gesellschaftsdramen, nämlich "Clavigo" (1774) und
"Stella" (1776). In dieser Zeit gehen in seinem Elternhaus viele
berühmte Persönlichkeiten ein und aus, mit denen er einen regen
Gedankenaustausch pflegt. Um sich vollends von Elisabeth zu lösen, macht
er eine Reise in die Schweiz, wo er den jungen Erbprinzen Karl August von
Weimar kennen lernt, der ihn nach seiner Thronbesteigung 1775 nach Weimar
holt, wo er auch Herder eine Stellung verschafft. Herzog Karl August und
Goethe verstehen sich nicht nur gut, sie haben auch die Liebe zur Kunst
gemeinsam und unternehmen eine gemeinsame Schweizreise (1779/80). Danach ernennt Karl August Goethe zum Präsidenten der
Kammer, womit er das höchste Amt im Herzogtum nach dem Fürsten vergibt.
Das ruhige und ablenkungsreiche Leben bei Hof ist nicht gerade förderlich
für Goethes Schaffensdrang, lässt ihn aber auch nicht völlig
abstumpfen. Er schreibt "Die Geschwister", beginnt
"Egmont", vollendet "Iphigenie" (in Prosa) und
schreibt Teile von "Tasso" und der Urform von "Wilhelm
Meister". Nebenbei entstehen einige Dichtungen, wie "Wanderers
Nachtlied", "An den Mond", "Über den Gipfeln",
"Harzreise im Winter", "Gesang der Geister über den
Wassern", "Grenzen der Menschheit", "Das Göttliche",
"Der Fischer" und auch der "Erlkönig". Mit der Zeit
langweilen ihn die Amtsgeschäfte immer mehr, sodass er im September 1786
Richtung Süden aufbricht, nach Rom, durch Italien und wieder nach Rom
reist und sich mit der antiken Kunst befasst. Diese alte Literatur
fasziniert ihn immer mehr, sodass Shakespeare Homer weichen muss. Er
schreibt "Iphigenie" in jambische Verse um und beginnt damit
seine klassischen Leistungen. Der junge Friedrich Schiller
Schiller wird am 10. November 1759 in dem württembergischen
Städtchen Marbach am Neckar geboren. Seine Jugend verbringt er während
der unruhigen Zeit des Siebenjährigen Krieges, 1773 muss er auf Geheiss
des Herzogs Karl Eugen an die Hochschule, um Rechtswissenschaften zu
studieren. Er leidet sehr unter dem Kasernenleben, ebenso an der ihn nicht
interessierenden Rechtskunde. Er nennt die Schule eine "Seelenfabrik
und Sklavenplantage". 1775 wird die Schule nach Stuttgart verlegt und
um eine medizinische Abteilung erweitert, wodurch er die Gelegenheit hat,
nun Medizin zu studieren. Hier kommt er auch zum ersten Mal mit der
Literatur von Klopstock, Rousseau, Shakespeare, Ossian und Dichtungen des
Sturmes und Dranges in Berührung, woraufhin er heimlich "Die Räuber"
schreibt. Er erhält zahlreiche Auszeichnungen für philosophische und
medizinische Arbeiten. 1780 verlässt er die Karlsschule und arbeitet als
Regimentsmusikus und veröffentlicht "Die Räuber", welche am
13. Jänner 1782 uraufgeführt werden. In diesem Stück geht es um den alten Graf von Moor, der
zwei Söhne hat. Der ältere, Karl, ist mit ein sehr intelligenter und kräftiger
Junge, während sein Bruder Franz missgestaltet ist. Dafür hasst er
seinen Bruder und verbreitet solange falsche Nachrichten über ihn, bis
ihr Vater Karl verstößt. Der ist tief gekränkt und als auch seine
Reuebriefe keine Antwort finden, was ebenfalls an Franzens Tücke liegt,
bricht er mit der erbarmungslosen Gesellschaft und wird der Kopf einer Räuberbande.
Er durchstreift die Lande und richtet nur die "Schuldigen",
wobei er erst später bemerkt, dass ihm dies nicht immer gelungen ist - so
steigt Reue in ihm auf. Das Heimweh treibt ihn wieder nach Hause zurück,
wo Franz während dessen den Vater in Hungerturm gefangen hält und quält.
Karl will seinen Vater befreien, doch dieser stirbt auf den Schock, einen
Räuberhauptmann als Sohn zu haben. Franz tötet sich aus Angst vor der
Rache Karls selbst und mit seiner Leiche wird auch die Braut Karls,
Amalia, zu ihm gebracht, die in all den Jahren der Versuchung durch Franz
trotzdem treu geblieben ist. Da die Räuberbande Karl voll für sich beansprucht, sieht
Amalia keine Zukunft für sie beide und bittet Karl, sie zu töten. Er
zweifelt an seiner Lebensweise: "O über mich Narren, der ich wähnte,
die Welt durch Gräuel zu verschönern und die Gesetze durch
Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache und Recht - Ich maßte
mich an, o Vorsicht, die Scharten deines Schwertes auszuwetzen und deine
Parteilichkeiten gutzumachen - da steh ich am Rand eines entsetzlichen
Lebens und erfahre nun, dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der
sittlichen Welt zugrunde richten würden." (Die Räuber Seite 102).
Er tötet Amalia und richtet sich dann selbst. Der Erfolg seines Stückes beflügelt ihn und es entsteht
die "Verschwörung des Fiesko" (1783) und die Idee zu
"Kabale und Liebe" (1784). Der Herzog, der schon für die
Einweisung in die Schule verantwortlich ist, wird durch zwei unerlaubte
Reisen nach Mannheim verärgert und verbietet weitere künstlerische
Aktivitäten. Daraufhin verlässt dieser heimlich Stuttgart und flieht
nach Mannheim. Es folgt eine unruhige Zeit, in der "Kabale und
Liebe", "Don Carlos", "An die Freude", "Der
Verbrecher aus verlorener Ehre" und andere Stücke geschrieben und
veröffentlicht, und die als "Wanderjahre" (1782 bis 1787)
bekannt werden. Im Sommer 1787 geht er nach Weimar, um das klassische
Altertum zu studieren. Er übersetzt griechische und römische
Schriftsteller in den "Göttern Griechenlands" und trauert darin
über das verlorene Paradies der Menschheit. Im Mai 1789 entsagt er der
Dichtung und widmet sich seiner Arbeit als Lehrer, die er durch Goethe
erhalten hat, obwohl sich die beiden noch nicht persönlich kennen. Sie
lernen sich erst 1794 kennen, was aber keinen Einfluss auf die Sturm und
Drang-Zeit Schillers hat. Resümee
Die Sturm und Drang-Epoche ist durch ihr Aufbegehren gegen Einschränkungen gekennzeichnet und besticht durch die Kraft ihrer Werke, die aus der Masse der Normen ausbrechen. Eine Identifikation mit den verarbeiteten Stoffen ist auch heute noch leicht möglich, da jeder in seinem Leben schon einmal einen Kampf gegen Autoritäten ausgefochten hat. Dies beginnt beim Streit des Jugendlichen mit den Eltern, geht über die Zwiste im Büro bis zum Kampf gegen den Staat. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Werke des Sturm und Drang noch heute viele Leser, beziehungsweise Zuseher begeistern und bewegen. |
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