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JVC EVERIO GZ-MG50e und MG40e – Testbericht

 

Selten ist eine VideoCam-Serie von so vielen Video- und Computer – Zeitschriften in großen Lettern vorangekündigt, selten eine Cam-Serie aber so wenig getestet worden, wie die JVC EVERIO-G. Die Leistungsdaten wurden großteils aus der JVC-Promotion wort-wörtlich übernommen und da, wo man sich ein wenig den Anstrich von „schon getestet“ geben wollte, auch prompt durcheinander gebracht. Merkwürdig, dass niemand auf die Idee gekommen ist, das „Highlight des Sommers 2005“ einfach in Japan zu besorgen und zu testen. Die beiden Modelle MG20 und MG30 sind dort allemal schon seit geraumer Zeit erhältlich. Schade, dass man diese Basisinvestition nirgendwo getätigt hat. Sie hätte sich sehr schnell gerechnet, wenn man nur ein bisschen in den Videoforen geblättert hätte. So gespannt haben viele Freaks schon auf die Produkttests gewartet, hoch bereit in Zeitschriften zu investieren, die fundierte Erfahrungsberichte bringen würden.

Nun stehen die Cams überall in den Regalen. Ein Verkäufer von MM meinte über die GZ50e (e … Europa), sie sei in der Qualität etwa so wie eine (welche?) Mini-DV Cam, nur halt mit Festplatte: No tape, no disk, no risk. Die Inbetriebnahme gelang nicht, was allerdings nichts über die Cam, hingegen alles über den Verkäufer aussagte. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich die EVERIO-G bereits. Ich hatte sie schon um den 20. August über den Internethandel besorgt, wahrscheinlich an einem der ersten Tage, an dem sie überhaupt in Europa ausgeliefert wurde. Die beiden Typen MG40e und MG50e sind übrigens baugleich, sie haben nur unterschiedliche Festplattenkapazitäten von 20Gbyte bzw. 30GByte.

Nun muss man allerdings wissen, dass das Paket – bestehend aus Camera und Cyberlink-Software – als eine Einheit aufgefasst werden muss, da man sonst Gefahr läuft, eine herbe Enttäuschung zu erleben. Die technischen Daten mögen Sie bitte bei JVC nachlesen, was zählt, ist nur, was das Gerät in der Praxis leistet. Nach dem Laden des Akkus kann man prinzipiell mit dem Filmen los legen. In wenigen Sekunden ist die Cam Einsatz bereit. Die Menüeinstellungen sind mit einem Diagonaltaster schnell vorgenommen, die Aufnahmeauslösung auf der Cam-Rückseite lässt eine Bedienung ohne Verwackelung der ersten und letzten Bilder kaum zu. Dazwischen sind aber einwandfreie Aufnahmen möglich. Auf Grund der kurzen Gehäusebauform ist zu empfehlen, ausschließlich das 15-fach optische Zoom zu nutzen, da man sonst ständig ein Stativ mitführen müsste, um nicht nur verwackelte Aufnahmen zu erhalten. Das Digitalzoom ist in der Praxis ohnehin kaum nötig.

Hat man einige Szenen aufgenommen, geht es an das Abspielen. Zunächst wird ein Pal-TV-Gerät angesteuert, die Aufnahmen sind erscheinen im großen und ganzen in Ordnung, wozu natürlich das F 1,2 Zoom mit seiner Lichtstärke viel beiträgt. Die Störeinwirkungen der Festplattengeräusche sind nur bei hoher MIC-Empfindlichkeit deutlicher wahrnehmbar, das Klangbild insgesamt ausgeglichen. Der Autofocus hat seine Arbeit gut und präzis erledigt, auch hier ist in der Wiedergabe nicht viel auszusetzen. Aber das Material ist natürlich noch unbearbeitet. Soll ein vorzeigbarer Film entstehen, sind die MPEG2-codierten Szenen in einen Computer zu überspielen. Also: hochfahren und USB-Kabel anschließen. Die Festplatte der Cam wird im PC als Laufwerk erkannt, die Filmszenen sind rasch überspielt.

Die böse Überraschung ereilt einen, wenn man nun probeweise die überspielten Szenen doppelclickt und ein Player sich daran macht, eine Szene abzuspielen. Einmal wird ein Kameraschwenk mit herben Nachzieheffekten honoriert, dann wieder Personenbewegungen in Ecken und Kanten an den Rändern wiedergegeben. Sicherheitshalber teste ich auf zwei weiteren Software-Playern. Das Ergebnis ändert sich aber kaum. Spätestens jetzt, so denke ich, sollte man wissen, wofür man die Cam einsetzen möchte. TV-Wiedergabe also eher problemlos, in PC-Projekten ließe sich so ein Film nicht gut verwenden, obwohl der ultrafeine Auflösungsmodus bei den Aufnahmen eingestellt war.

Das Problem löst sich: und die Lösung stellt sich in Form von Cyberlink ein, was ich der spartanisch ausgestatten Cam-Beilage nicht zugetraut hätte. Ich habe nach dem Startbildschirm nur noch widerstrebend die Filmszenen zugeladen, dann nicht lange herumgefackelt und das eingespielte Material wieder als MPEG2-Paket ohne Softrendering ausgegeben. Ich verlasse die Software, Doppelclick auf das Ergebnis und sehe und staune: Die Fehler von vorhin sind wie weggeblasen. Alles heiter, Wonne, Eierkuchen. Die Szenen zeigen sich völlig rund erneuert. Die Stimmung steigt. Da macht es gar nicht viel aus, dass die Cyberlink-Software an Effekten und sonstigen Bearbeitungen kaum etwas zulässt. Ab jetzt ist das ganze ein Fall für Magix-Video-De-Luxe 2005/2006 (das ich vor einigen Monaten für 45,- Eulen erstanden habe). Interessanterweise bringt Magix, wenn man auf die Vorbearbeitung mit Cyberlink verzichtet, die oben beschriebenen Fehler nicht im Mindesten hinaus. Das war ein Erfahrung wert! Und so komme ich noch einmal auf den Kern meiner Aussage zurück.

 

Die Everio-G kann nur als Einheit von Cam und mitgelieferter Videobearbeitungssoftware verstanden werden! Das muss man wissen, bevor man zu diesem Produkt greift. Dann darf man allerdings seinem Filmhobby in ungetrübter Freude nachgehen.

Das Idealmodell für Profis ist sie nach meiner Meinung aber nicht. Die greifen ohnehin eher nach „massigeren“ Modellen.

 

JVC hat mit der Entwicklung der neuen Kameraserie deutlich vorgegeben, wie sich das Hobbyfilmen in Zukunft weiterentwickeln wird. Der MPEG2-Standard ist schwächer als Mini-DV. Wenn man Filme auf DVD brennt, wird aber auch ein DV-Format-Film „nur“ in MPEG2 übergeführt. Und da kann die Everio-G Cam allemal mithalten.

 

                                                                         e-test

 

 

 

 

 




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