Börsenreport 14.12.2002

Plattenbörse in der Wiener Stadthalle, 14.12.2002


Nach längerer Zeit ging sich wieder mal der Besuch einer Plattenbörse aus und wie so oft wurde das stundenlange Stöbern in den 0,75 Cent bis 1 Euro-Kisten und die damit verbundenen Rückenschmerzen mit einigen erlesenen Singles belohnt wie etwa der US-Originalsingle „Come See About Me“ der Supremes oder Joe South' Originalversion von Lynn Andersons „Rose Garden“, nicht zu vergessen einer Schallfolie der deutschen Schuhfabrik Servas mit dem unerreichten „Shoe-Shoe-Twist“.

Natürlich wurde ich auch abseits der vermeintlichen Ramschkisten fündig: Da wäre mal „Mynd Excursions“ eine Werkschau der Labels Buddah & Kama Sutra und thematisch zum Namen der letzteren Plattenfirma passend der Sampler„St. Pauli Affairs“ mit durchwegs überraschend gut gelungenen Soundtracktiteln aus den oftmals verpönten „St. Pauli“-Filmen.

Motown- & Phillysoul, Funk, Disco, Harmonypop, Westcoastrock, Rap, Instrumentalrock, Rave, etc. … bei der stilistischen Mischung sollte für jeden, der aus den unendlichen Weiten des Internets hierhergestolpert ist etwas interessantes/wissenswertes dabei sein ….

Singles:

Bangles – Walking Down Your Street
James Brown – Mother Popcorn Part 1 & 2
Christie – Man Of Many Faces
Crosby, Stills & Nash – Marrakesh Express/Helplessly Hoping
Anne-Marie David – Wonderful Dream /Tu Re Reconnaitras
Joey Dee & The Starliters – Hello Josephine/Kansas City
Jose Feliciano – Light My Fire/California Dreamin’
Grandmaster Flash & The Furious Five – New York New York
Jörgen Ingman – Apache/Echo Boogie
Mary Jane Girls – In My House
Supremes – Come See About Me/Always In My Heart
Joe South - Rose Garden/Mirrors Of Your Mind
Bill Withers – Ain’t No Sunshine/Harlem

Schallfolie:

Ralf Paulsen – Shoe-Shoe-Twist/Servas-Madison

MCD

Kicks Like a Mule – The Bouncer

CDs:

Various Artists – Mynd Excursions – A Journey Through The Vaults Of Buddah & Kamasutra
Various Artists – St. Pauli Affairs

Ralf Paulsen – Shoe-Shoe-Twist/Servas Madison (1962; Schallfolie)


„Hallo Freunde der Servas-Schallplattenreihe! Heute bringen die Servas Schuhfabriken wieder Ralf Paulsen, diesmal mit einem flotten Twist!“

Mit dieser Ankündigung beginnt eine Werbeschallfolie der deutschen Servas-Schuhfabriken, wobei man den Markennamen lautmalerisch eher dem Osten Österreichs zuordnen würde, wo „Servas“ als oftverwendete Grußformel gebräuchlich ist.

Um die Fußbekleidung möglichst publikumswirksam und zielgruppengerecht zu propagieren dürfte Servas ein nicht unbeträchtliches Werbebudget zur Verfügung gestanden sein, denn es wurden nicht weniger als über ein Dutzend dieser Schallfolien erzeugt. Dazu kommt noch, dass sie im Gegensatz zu den üblichen ähnlichen Tonträgern eine wesentlich stabilere Kunststofffolie verwendet wurde, weshalb die Platte auch beidseitig bespielt war und man es sich darüberhinaus noch leisten konnte, einen einigermaßen prominenten Sänger zu engagieren.

Im konkreten Fall handelt es sich um den Bruce Low-Verschnitt Ralf Paulsen, der nach „Tränen in deinen Augen“ (1959; A # 9, D # 7; Originalversion: John Buck & His Blazers – Chi, Chi; 1959; A # 8, D # 7) in einem Karrieretief steckte, aus dem er 1963 dank „Bonanza“ (1963, D # 7; Originalversion: Al Caiola, 1961; US # 19) für zumindest 33 Wochen (solange war „Bonanza“ in den deutschen Charts platziert) wieder herauskam, um trotz zahlreicher Veröffentlichungen mehr oder weniger in den ewigen Jagdgründen des deutschen Schlagers zu verschwinden.

Da Paulsen von seinen Plattenfirmen großteils auf das Western oder Seefahrergenre festgelegt worden war, wie man anhand Songtiteln wie „Die Cowboys von der Ponderosa“, „Fury“ oder „33 Tage keinen Hafen“ unschwer erkennen kann, boten ihm die Servas-Schallfolien zumindest eine thematische und stilistische Abwechslung, denn hier konnte er sich erstmals in die Welt der Modetänze wagen und was lag 1962 näher als sich am Twist zu versuchen?

Zu diesem Behufe wurde für Paulsen der “Shoe Shoe Twist“ (zu finden auf der empfehlenswerten Compilation „Popshopping 2“) zurechtgeschneidert, dessen Text zwar nicht die Sohlen, aber möglicherweise das Zwerchfell zum Qualmen bringt:

Twist! Twist!
Das ist der Pianist.
Der spielt den Shoe-Shoe-Twist
Und weil er klasse ist
Ja darum tanzen wir alle hier Shoe Shoe Twist

Twist! Twist!
Das weißt du ganz genau
(Eingeschobene Werbedurchsage :Unser Tipp heißt: Servas Schuhe, zauberhaft schick)
Schade, wir finden Tango trist
und darum tanzen wir alle hier Shoe Shoe Twist

Tanz ich mit einer süßen Frau
Dann ist der Twist die große Schau
Das ist die Harmonie zu zweit
Der tolle Rhythmus unserer Zeit

Baby, weil du die schönste bist
Tanz ich mit dir den Shoe Shoe Twist
Baby, damit du’s nie vergisst
Ja darum tanzen wir beide hier Shoe Shoe Twist

Ja, so wild gings damals auf den Tanzflächen zu …

Ein wenig gesitteter gestaltete sich dagegen der Madison, der 1960 durch „The Madison Time, Part 1“ (1960; US # 30; u.a. zu finden auf dem Soundtrack von „Hairspray“) der Ray Bryant Combo in den USA für Furore sorgte und mit knapp zweijähriger Verspätung auch in Deutschland kurzfristig populär wurde. Diesem Modetanz wollte man sich bei Servas Schuhe natürlich nicht verschließen und zollte ihm auf der Rückseite des „Shoe Shoe Twist“ mittels des „Servas-Madison“ unter Verwendung eines klassischen Motivs, dass ich bislang nicht eruieren konnte, auf unnachahmliche Weise Tribut:

Hallo Freunde der Servas-Schallplattenreihe! Wir tanzen Madison mit Ralf Paulsen. Eine tolle Masche!

Komm, Baby, komm, wir tanzen Madison
Jeder, der kann, kommt mit zum Madison
Das ist der Tanz, der uns gefällt
Und darum komm, Baby, komm, wir tanzen Madison
Hey Baby, komm, Baby, denn jeder kennt ihn schon
Das ist der Rhythmus unsrer Welt

Den tanzt der Johnny
Den tanzt die Conny
mit ihrem Sonny
Lou & Joe, die tanzen auch schon so

Komm, Baby, komm, das ist der Madison
Hey Baby, komm, hallo, come on, come on,
Das ist der Rhythmus unsrer Welt

Der Rhythmus der Welt ist bekanntlich sehr vielschichtig und dementsprechend waren der Twist und der Madison nicht die einzigen Modetänze, die Servas für seine Schallfolien verwendete, denn auch der Hully Gully ( hier mit dem „Midnight-Hully-Gully“ von George Dimou ein interessantes als auch verstörendes Beispiel) mutierte dank Nina Westen zum “Servas Hully Gully”.

Sowohl der „Shoe Shoe Twist“ als auch den „Servas-Madison“ enden mit folgenden Slogans:

„Servas Modelle, zauberhaft schick und man kann sich immer ein Paar mehr leisten! Also: Servas, meine Damen!“

Tatsächlich dürften sich seit den frühen 60ern viele Damen das eine oder andere Paar Schuhe extra geleistet haben, denn die Servas Schuhfabrik exisitiert heute noch, wie man hier nachlesen kann. Dieser Erfolg scheint aber eher auf der Qualität der Schuhe als der Schallfolien zu beruhen …

Shoe Shoe Twist (6/10)
Servas-Madison (5/10)

Bangles – Walking Down Your Street (Remix) (1987, Single)

„Walking Down Your Street” (1987; D # 32, UK # 16, US # 11) war die vierte Singleauskopplung aus dem Bangles-Erfolgsalbum „Different Light“ und unterscheidet sich dank dem knackigen Singleremix von der Albumversion. Eine gute Einstimmung für das langerwartete, für März 2003 angekündigte Bangles-Comeback.

James Brown – Mother Popcorn Pt.1 & 2 (1969; Single)


Yeeeeeeah-Yeeeeeeeeeah-Yeeeeeeeeah!!!!!!!!!!!!!!!

Kein Wunder, daß James Brown auf dieser Single dermaßen aus dem Häuschen ist, handelte es sich hier doch um die fünfzigste Hitsingle, mit der er in den Billboard Top 100 Charts vertreten war. Das unverschämt funkige „Mother Popcorn“ (1969, US # 11) war die erfolgreichste Single aus seinem Popcorn-Zyklus, der auch die die Hits „The Popcorn“ (1969; US # 30), „Lowdown Popcorn“ (1969; US # 41), „Let A Man Come In And Do The Popcorn Part I“ (1969; US # 21) und „Let A Man Come In And Do The Popcorn Part II“ (1969; US # 40) umfasste und den gleichnamigen von ihm kreierten Modetanz popularisieren sollten.

Daraus wurde bekanntlich nichts, denn mit James Brown assoziert man eher „Get Up I Feel Like Being A Sex Machine“ (1970; D # 29, UK # 32, US # 15)oder „It’s A Man’s, Man’s World“ (1966; UK # 13, US # 8) als einen der „Popcorn“-Songs und den dazugehörigen Tanz dürfte nach 1969 nicht einmal der Godfather Of Soul selbst getanzt haben.

(8/10)

Christie – Man Of Many Faces (1971, Single)

Nachdem Christie mit „San Bernadino" (1970; A # 4, D # 5, UK # 7) erfolgreich dem gefürchteten Nimbus eines One-Hit Wonders entgangen waren, was viele nach ihrem Klassiker „Yellow River" (A # 1, D # 2, UK # 1, US # 20) prophezeit hatten, versuchten sie mit dem nicht wirklich facettenreichen „Man Of Many Faces", dass sich aber zumindest im Rhythmus von ihren beiden Hitsingles unterschied, an diese Erfolge anzuschließen. Daraus wurde es allerdings nichts, denn diese Single schaffte es lediglich in Österreich in die Charts (1971; A # 10) und auch die Nachfolgesingles „Iron Horse" (1972, D # 47, UK # 47), „Everything’s Gonna Be Alright“ (1972), „The Dealer" (1973) und „Alabama"(1974) änderten nichts am Status der Band als 2 ¾-Hit-Wonder.

(5/10)

Crosby, Stills & Nash – Marrakesh Express/Helplessly Hoping (1969, Single)

1968 schrieb Graham Nash, damals noch eine der kreativen Säulen der britischen Beatpopper Hollies und stark inspiriert vom US-Folkrock als auch unschwer erkennbar von einer Reise nach Marokko, den Song „Marrakesh Express“, der allerdings von den restlichen Bandgliedern abgelehnt wurde, da er ihrer Meinung nach nicht in das Repertoire der Band passte. Da sich auch darüber hinaus Nashs musikalische Ambitionen von den Vorstellungen der Hollies immer mehr voneinander abwichen, stieg er Ende 1968 aus und gründete gemeinsam mit David Crosby, vormals Byrds und Ex-Buffalo Springfield-Mitglied Stephen Stills das Folkrocktrio Crosby, Stills & Nash, dass bereits im Frühjahr 1969 ihr selbstbetiteltes Debutalbum veröffentlichte.

Das mit exzellentem Gitarrenspiel garnierte “Marrakesh Express” (1969; UK # 17, US # 28) mit der überaus eingängigen Akustik-Folk-Ballade „Helplessly Hoping“ auf der Rückseite wurde als erste Single ausgekoppelt und brachte der Band vor allem dank mit der Promotion ihres umjubelten Auftritts in Woodstock die erste Hitsingle ein, der Ende 1969 die fast 7:30 Minuten lange Judy Collins-Hommage „Suite: Judy Blue Eyes“ (1969; US # 18) folgte. Hommage „Suite: Judy Blue Eyes“ (1969; US # 18) folgte. Zwischenzeitlich mit Neil Young zum Quartett angewachsen sicherten sich Crosby, Stills, Nash & Young bis zu ihrer erstmaligen Trennung 1971 dank ausgedehnter Tourneen als auch der Alben „Deja Vu“ und „Four Way Street” ihren Superstarstatus und konnten mit „Woodstock“ (1970; A # 12, US # 10), „Teach Your Children“ (1970, US # 16), “Ohio“ (1970; US # 13) und „Our House“ (1970; US # 20, A # 13) weitere Hitsingles verzeichnen.

Marrakesh Express (8/10)
Helplessly Hoping (8/10)

Anne Marie David – Wonderful Dream/ Tu te reconnaitras (1973, Single)

Beim Eurovisions-Songcontest 1973 wurde allgemein damit gerechnet, dass der Sieger eigentlich nur Cliff Richard heißen könne, der mit seiner Verbrüderungshymne „Power To All Our Friends“ (1973; A # 2, D # 4, UK # 4) zum zweiten Mal nach 1968 („Congratulations“ (1968; A # 1, D # 3, UK # 1) antrat, wo er hinter der Spanierin Massiel „(La La La“ (1968; A # 8, D # 12) nur den zweiten Platz belegte. Auch wenn der letztgenannte Siegertitel schon nach ein paar Wochen vergessen war und dagegen „Congratulations“ nicht nur ein Riesenhit wurde, sondern sich als ein immer noch beliebter Oldie etabliert hat, wollte der Peter Pan des Pop Revanche für diese Schmach und gleichzeitig seine etwas ins Stocken geratene Karriere wieder in Gang bringen. Aus beiden Vorhaben wurde allerdings nichts, denn aus dem Sieg wurde es nichts und seine Plattenverkäufe sollten nach „Power To All Our Friends“ erst drei Jahre später mit „Devil Woman“ (1976; UK # 9, US # 6) wieder altgewohnte Höhen erreichen bzw. ihm erstmals den amerikanischen Markt erschließen.

Verantwortlich für Cliff Richards Desaster waren die zweitplazierten Portugiesen Mocedades und natürlich die Siegerin Anne-Marie David. „Tu te reconnaitras" (1973; D # 40) der für Luxemburg angetretenen Französin ist einer der zahlreichen Siegertitel mit keinerlei Wiedererkennungswert und wäre da nicht das Singlecover könnte man sich aus heutiger Sicht nicht vorstellen, warum dieser Titel letztlich die Nase vorne hatte, aber diesem Lächeln dürften viele der damaligen gestrengen Juroren bzw. Voter schwach geworden sein …

Wie es sich für einen Gewinner des Eurovisions-Songcontests gehört erschien der Titel auch in Deutsch („Du bist da“ (1973; D # 36) und englisch („Wonderful Dream“; 1973; UK # 13), aber danach war der Traum auch schon wieder zu Ende.

1979 wandelte Anne Marie David offenbar auf den Spuren Cliff Richards und versuchte sich ein zweites Mal, diesmal allerdings für Frankreich, mit „Je suis L’enfant soleil“ beim Songcontest, wo sie kurioserweise wie Cliff ebenfalls den dritten Platz belegte. Auch wenn sie im Titel meinte, sie sei ein Kind der Sonne, verlief ihre Karriere trotz dieses Comebackversuchs danach im Schatten bzw. im Sand.

Wonderful Dream (5/10)
Tu te reconnaitras (5/10)

Joey Dee & The Starliters – Hello Josephine/Kansas City (1962; Single)


Während Ende 1962 in den USA die Twisteuphorie spürbar nachließ erfreute sich der Twist im deutschen Sprachraum immer noch großer Beliebtheit, wovon unter anderem auch Joey Dee & The Starliters, die sich mit dem „Peppermint Twist" (1962; A # 11, UK # 33, US # 1) als eine der führenden Twistformationen etablierten, profitierten konnten. Bevor Dee dazu überging, sich kurzfristig nur auf den deutschsprachigen Plattenmarkt zu konzentrieren und dementsprechend einige Singles in deutscher Sprache wie “No No“ aufzunehmen, konnte er mit „Hello Josephine" (1962; A # 15, D # 42), eine Coverversion von Fats Dominos „My Girl Josephine" (1960; UK # 32, US # 14) noch in den österreichischen und deutschen Charts platzieren.

Auf der Rückseite ist mit „Kansas City“ ein oftgecoverter Klassiker aus der Feder des legendären Rock’nRoll-Songwriterduos Jerry Leiber & Mike Stoller, der bereits 1952 erstmals von Little Willie Littlefield aufgenommen wurde. Die bei weitem erfolgreichste Version stammt von Wilbert Harrison (1959; US # 1), was diesem den größten seiner einzigen beiden Hits bescherte (1959; US # 1). Beim anderen Song handelt es sich um „Let’s Work Together“ (1970; USA # 29), das Canned Heat coverten (1970; A # 10, D # 6, UK # 2, USA # 17 und Brian Ferry zu „Let’s Stick Together“ (1976; D # 47, UK # 4) mutieren ließ.

Hello Josephine (6/10)
Kansas City (6/10)

Jose Feliciano – Light My Fire/California Dreamin’ (1968, Single)


Lange bevor Shakira, Jennifer Lopez oder Ricky Martin die Charts, Videokanäle und Jugendzeitschriften bevölkerten war Jose Feliciano zumindest in unseren Breiten der unangefochtene König des Latinpop. Seine intensive Interpretation von „Light My Fire“(1968; UK # 6, US # 3; Originalversion: Doors; 1967; US # 1, UK # 49; 1991; UK # 7), bei der vor allem sein virtuoses Gitarrenspiel beeindruckt, brachte ihm nicht nur den verdienten Durchbruch, sondern auch zwei Grammys ein. Fast wäre noch ein dritter für das atmosphärische Arrangement von George Tipton, der unter anderem mit den Monkees oder Nilsson arbeitete, dazugekommen, aber diesen Grammy kassierte Jim Webb für seine Arbeit an Richard Harris’ „MacArthur Park“ (1968; UK # 4, US # 2; 1972; UK # 38).

Durchaus grammyverdächtig ist aber auch die soulige Rückseite „California Dreamin’“ (Originalversion: Mamas & Papas, 1966; D # 31, UK # 23, US # 2), die „Light My Fire“ in puncto Intensität und gelungenem Arrangement um nichts nachsteht.

Nicht weiter überraschend blieb Feliciano seinem Erfolgsrezept treu, Pop-, R & B oder Soulhits ein lateinamerikanisches Appeal zu verpassen und landete unter anderem mit „High Heel Sneakers“ (1968; US # 9; Originalversion: Tommy Tucker, 1964; US # 44), „Hey Baby (1969; US # 30; Originalversion: Bruce Channel; 1962; UK # 2, US # 1, sollte höchstwahrscheinlich auch in der Version eines gewissen DJ Ötzi bekannt sein (2000; A # 4, D # 11; 2001; UK # 1), My World Is Empty Without You“ (1969; US # 47, Originalversion: Suprems, 1966; US # 4), „La Bamba“ (1969; A # 11; Originalversion: Richie Valens, 1959, US # 22), „She’s A Woman (1969; US # 89; Originalversion: Beatles,1965), Suzie Q (1970; US # 73; Originalversion: Dale Hawkins, 1957; US # 29; Bekannteste Version: Creedence Clearwater Revival, 1968; US # 11) und “Samba Pa Ti” (1983; A # 8; Santana, 1974; UK # 27) in den Charts punkten.

Trotz Millionenumsätzen mit seinen Alben und weiteren Grammys konnte er nach 1970 in den USA keinen weiteren Hit landen, während der Rest der Welt die teilweise auch selbstverfassten Songs wie “Destiny” (1970; A # 13), “Che Sara” (1971; A # 1, D # 7) oder “Rain” (1971; A # 7) zu schätzen wusste.

Zuletzt Aufsehen erregte er 1988, als er sich einen Jugendtraum erfüllte und mit den Wiener Symphonikern zur Freude der österreichischen Fremdenverkehrswerbung „The Sound Of Vienna“ (1988; A # 1, D # 62) aufnahm.

Welchen Stellenwert Felicianos Interpretation von “Light My Fire” mancherorts immer noch genießt zeigt sich in der Tatsache, daß sich kürzlich Will Young, einer der Gewinner der britischen Talent(?)suchshow „Popidol“ (oder vielmehr sein Produzent), stilistisch großteils daran orientierte. In einer besseren Welt wäre diese Single nie veröffentlicht worden, aber leider ist das Leben ungerecht und bescherte Young einen Charttopper in England (2002; UK # 1).

Light My Fire (8/10)
California Dreamin’ (8/10)

Grandmaster Flash & The Furious Five – New York New York (1983; Single)


Nach „The Message“ (1982; A # 3, UK # 8, US # 62), dass neben „Rapper’s Delight" der Sugarhill Gang (1979; A # 5, D # 3, UK # 3, US # 45) dem Rap letztlich zum endgültigen Durchbruch verhalf, sollte mit „New York New York“ ein weiteres Ghettodrama nahtlos an diesen bahnbrechenden Erfolg anschließen. Die Vorrausetzungen dazu waren auch gegeben, denn als Zutaten dienten einmal mehr New Yorker Alltagsschilderungen von höchster Street Credibility, erstklassige funkige Elektrobeats als auch ein einprägsames Refrain-Mantra („Too Much, Too May People, Too Much“). Kurioserweise fand diese Single nur in Deutschland Käufer (1983; D # 18) und die einzige Single, mit der Grandmaster Flash & The Furious Five in weiterer Folge für Furore sorgen sollten ist der Anti-Kokain-Song „White Lines (Don’t Don’t Do It)“ (1983; UK # 60, 1984; UK # 7, UK # 75, 1985; UK # 73;1994; UK # 59 (Remix)), der gezählte 23 Wochen benötigte, um in die Top 10 der britischen Charts zu klettern.

(8/10)

Jimmy „Bo" Horne - Let Me (Let Me Be Your Lover)/Ask The Birds And The Bees (1978, Single)

Mit seiner von Howie Casey & Richard Finch alias K.C. & The Sunshine Band produzierten dezenten Aufforderung „Let Me (Let Me Be Your Lover)“ (1978; US # 60) und dem auf der Rückseite befindlichen thematisch ähnlich gelagerten „Ask The Birds And The Bees“ versuchte Jimmy "Bo"Horne vergeblich an seinen Discohit “Dance Across The Floor” (1978; US # 38) anzuschließen und vermutlich würde sich heute niemand für diese Single interessieren, hätten sie nicht die Stereo MC’s wieder ausgegraben und als Basis für „Connected“ (1992; UK # 18) verwendet.

Let Me (Let Me Be Your Lover (6/10)
Ask The Birds And The Bees (6/10)

Jörgen Ingmann – Apache/Echo Boogie (1960; Single)


Anfang 1960 schrieb der britische Songwriter Jerry Lordan den Instrumentaltitel „Apache“, der zunächst von dem Gitarristen Bert Weedon aufgenommen und ein kleiner, aber vorerst kaum beachteter Hit wurde (1960; US # 24). Erst als die Shadows den Titel kurz darauf veröffentlichten entwickelte sich der Titel beinahe zum Welthit (1960; A # 22, D # 10, UK # 1), dem sich einzig die Heimat der Apachen verweigerte.

Was den Briten nicht gelang schaffte der dänische Gitarristen Jörgen Ingmann, dessen Version von „Apache“ (1960; A # 8, D # 6, US # 2) sich in den USA durchsetzte. Der Grund dafür könnte in dem auf den ersten Blick eher sparsamen, knochentrockenen und deshalb auch etwas exotisch anmutenden Arrangement liegen und den Klängen, die Ingmann seiner Gitarre entlockte wie etwa dem Immitieren von vorbeizischenden Pfeilen.

Ursprünglich hätte Ingmann übrigens lieber den von ihm komponierten „Echo Boogie“ auf der A-Seite statt auf der Rückseite gesehen, wo er seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellte und sich damit in Amerika einen Namen machen wollte, aber bei Atlantic Records, die den Vertrieb seiner Platten in den USA übernommen hatte, hielt „Apache“ richtigerweise für weitaus zugkräftiger.

Allerdings vermochte Ingmann diesen Erfolg nicht zu nutzen, denn mangels USA-Touren und entsprechender Promotion gelang mit „Anna"(1961; A # 12; D # 19, US # 54) nur mehr eine weitere US-Chartsingle. Weitaus besser lief es dagegen in Europa, wo er 1963 gemeinsam mit seiner Frau Grethe den Eurovisions-Songcontest mit „Dansevise“ (Deutsche Version „Der Sommer ging vorüber“; 1963; D # 49) gewann und speziell in Deutschland, wo „Pepe“ (1961; D # 15), „Violetta“ (1961; D # 16), „Valencia“ (1962; D # 35), „Drina-Marsch" (1965; D # 5), „Desert March“ (1964; D # 25), „Zorba le Grec“ (1965; US # 14) und „Korfu" (1966; D # 39) seine Popularität bis 1966 halbwegs aufrecht hielten, bis er infolge gesundheitlicher Probleme völlig von der Bildfläche verschwand.

Apache (7/10)
Echo Boogie (6/10)

Mary Jane Girls – In My House (1985, Single)

Anfang der 80er konnten einige Girlgroups aus dem Dunstkreis etablierter Soul und Funk-Superstars einige Achtungserfolge verbuchen wie etwa die besonders offenherzigen Vanity 6 aus dem Paisley Park-Stall von Prince oder George Clintons Brides of Funkenstein. Da wollte Motowns Funkrebell und Produzent Rick James („Superfreak“; 1981; US # 16), dessen Karrierehöhepunkt damals allerdings schon überschritten war, dem zum nichts nachstehen und funktionierte 1983 vier seiner Backgroundsängerinnen zu den Mary Jane Girls um, was sich bereits mit den ersten drei Singles „Candy Man" (1983; UK # 60), „All Night Long“ (1983; UK # 13; 1995; UK # 51 (Remix)) und „Boys" (1983; UK # 74) bezahlt machte. Einziger Schönheitsfehler war die Tatsache, dass sich diese Platten vorerst nur England verkauften, aber das änderte sich zwei Jahre später mit dem funkigen „In My House“ (1985, US # 7), einer typischen Rick James-Produktion mit charakteristischem Synthesizersounds, die wiederum nur in die US-Charts kletterte.

Den Nachfolgesingles „Wild & Crazy Love (1985; US # 42) als auch „Walk Like A Man“ (1986; US # 41), eine überflüssige Coverversion des gleichnamigen Klassikers von Frankie Vallie & The Four Seasons (1963; UK # 12, US # 1), konnten allerdings nicht mehr an diesen Hit anschließen. Als sich Rick James Ende 1986 von Motown trennte und aus einem von den Starproduzenten Jimmy Jam & Terry Lewis produzierten Album nichts wurde, ging auch das Quartett 1987 getrennte Wege.

(7/10)

Joe South - Rose Garden/Mirrors Of Your Mind (1971, Single)


Als Anfang 1971 Lynn Anderson’s “Rose Garden” so richtig aufblühte versuchte Capitol Records mit der Veröffentlichung der Originalversion des Songautors Joe South, die erstmals 1968 auf dessen Debutalbum „Introspect“ erschien, daraus Kapital zu schlagen. Allerdings erwies sich diese Single als Ladenhüter, denn auch wenn sich Souths Version ansatzweise am Sound von Produzentenzampano Phil Spector orientierte hatte sie einfach keine Chance gegen den Charme von Andersons massenkompatibler Countryversion.

Interessanter als „Rose Garden“ ist aber die Rückseite „Mirrors Of Your Mind“, ein weiterer Song aus „Introspect“. Hier kann er nicht nur ein weiteres Mal als Songwriter überzeugen, sondern auch mit seinen Gitarrenkünsten aufwarten, war er doch auch anerkannter Sessiongitarrist und ist unter anderem auf Aretha Franklins „Chain Of Fools“ (1968; UK # 43, US # 2) zu hören.

Auf „Mirrors Of Your Mind“ sind aber weder die von seinem Erstlingshit „Games People Play" (1969; A # 5, D # 11, UK # 6, US # 8) bekannte elektrische Sitar als auch die mit dem damals beliebten „Blubbereffekt“ verfremdete Gitarre bemerkenswert, sondern die Songstruktur. Ab 2:15 Minuten zieht South plötzlich für eine Minute die Tempobremse und dieses rund einminütige Intermezzo mündet in einem völlig überraschenden halbminütigen intensiven psychedelischen Fade-Out, ehe es für die restliche Laufzeit so weitergeht, als wäre nichts geschehen.

Daß sich seine Version von „Rose Garden“ zum Flop entwickelte dürfte für Joe South, der bereits mit 18 Jahren mit „The Purple People Eater Meets The Witch Doctor“ (1958; US # 71) seinen ersten Hit landete und unter anderem mit seinem Song „Hush“ für den entscheidenden Karrierepush von Deep Purple sorgte (1968; US # 4; 1988; UK # 62), 1971 wohl das geringste Übel gewesen sein, denn der Selbstmord seines in seiner Begleitband spielenden Bruders und Drogenprobleme führten dazu, dass er sich, unterbrochen von einem erfolglosen Comebackversuch 1975, vom Musikgeschäft völlig zurückzog.

Rose Garden (6/10)
Mirrors Of Your Mind (7/10)

Supremes – Come See About Me/Always In My Heart (1964; Single)


Bemerkenswert an dieser Single von Diana Ross & The Supremes ist nicht nur, dass es sich bei „Come See About Me“ (1964; UK # 27, US # 1) um den dritten ihrer insgesamt 12 # 1 Hits in den USA handelt oder dass sie davon eine deutsche Version namens „Johnny & Joe“ aufgenommen haben, sondern die melancholische Rückseite „Always In My Heart“, einem der wohl untypischsten Motown-Songs, dem man hauptsächlich aufgrund der die Dramatik verstärkenden Pauken überhaupt nicht anhört, dass er von Motowns legendären Produzenten & Songwriterteam Holland/Dozier/Holland stammen würde.

Come See About Me (8/10)
Always In My Heart (8/10)

Bill Withers – Ain’t No Sunshine/Harlem (1971, Single)

So manchen gelang der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, Bill Withers hingegen kletterte die Karriereleiter von der US-Navy über die für „Was bin ich“ sicherlich interessante Profession des Toilettensitzmonteur bei Boeing bis hin zum Tantiemenkönig. Den Grundstein dafür legte er bereits mit seiner exzellenten, mit einem Grammy prämierten Debutsingle, „Ain’t No Sunshine“ (1971; US # 3), die wie auch das dazugehörige Album „Just As I Am“ von Booker T. Jones, dem Boss der legendären Instrumentalcombo Booker T. & The MGs („Green Onions“, 1962; US # 3, 1979; UK # 7) produziert wurde und auf deren Rückseite mit der Ghettoschilderung „Harlem“ ein ähnlich hochkarätiger Song zu finden ist. Wie sehr die Qualitäten von „Ain’t No Sunshine“ geschätzt wurden zeigt sich in den zahlreichen Coverversionen, die schon bald darauf auftauchten, darunter jene von Michael Jackson (1972; UK # 8) mit jeder Menge Motown-Melodramatik inkl. Mundharmonika und Fuzzgitarre.

Die Nachfolgesingle „Grandma’s Hands“ (1971; US # 42) erlangte zwar nicht die Popularität des Vorgängers, dürfte aber vielen nicht ganz unbekannt sein, denn ein Vierteljahrhundert später tauchte deren Intro als Sample in “No Diggity” von Blackstreet (1996; A # 16, D # 14, UK # 9, US # 1) auf.

Den beiden danach veröffentlichten Aufforderungen „Lean On Me“ (1972, UK # 18, US # 1) und “Use Me” (1972; US # 2, Originalversion Aaron Neville) folgten Millionen Amerikaner und markierten den Zenit von Withers Karriere. Während letzterer Song aber nach seiner Erstveröffentlichung kaum mehr Beachtung fand entwickelte sich „Lean On Me“ zu einem oftmals gecoverten Tantiemenbringer, woran beispielsweise Club Nouveau (1987; D # 9, UK # 3, US # 1) einen beträchtlichen Anteil hatten.

Danach schien es aber mit der Anlehnungsbereitschaft der Plattenkäufer vorbei zu sein, denn die Singles „Friend Of Mine” (1973; US # 80), „Kissing My Love” (1973; US # 31), „Let Us Love“ (1974; US # 47), „Same Love That Made Me Laugh“ (1974; US # 50), „Heartbreak Road” (1975; US # 89), “Make Love To Your Mind” (1976; US # 76) und “I Wish You Well” (1976; US # 54) stießen trotz der in fast allen Titeln enthaltenen Liebes- und Freundschaftsbezeugungen nur auf relativ wenig Gegenliebe, was sich kurzfristig mit dem mittlerweile zum Klassiker avancierten „Lovely Day“ (1977; UK # 7, US # 30) änderte.

Sein Gastauftritt bei „Just The Two Of Us“ (1981, A # 14, UK # 34, US # 2) des Saxophonisten Grover Washington Jr. brachte ihm einen weiteren Grammy ein als auch einen weiteren Tantiemenregen dank einer Coverversion von Will Smith (1998; D # 82, UK # 2, US # 20) und der Verwendung bzw. Adaption des Titels in „Austin Powers - Spion in geheimer Missionarsstellung“.

Seither scheint sich Bill Withers weitgehend auf seinen Tantiemenlorbeeren auszuruhen, wozu die Remixes von „Lovely Day“, (1988; D # 27, UK # 4), “Ain’t No Sunshine” (1990; D # 30) und „Harlem“ (1990) auch ihren Teil beigetragen haben.

Ain’t No Sunshine (9/10)
Harlem (8/10)

Kicks Like A Mule – The Bouncer (1992, MCD)


Kicks Like A Mule waren eines der zahllosen britischen Dancefloorprojekte, die nach einem Hit wieder in der Versenkung verschwanden oder unter einem anderen Namen wieder auftauchten. So genau dürfte das aber außer denjenigen, die hinter diesem Namen steckten, wohl kaum jemand wissen, denn speziell am Dancefloorsektor herrscht eine große Fluktuationsrate, die es absolut unmöglich macht, den Überblick zu bewahren.

„The Bouncer“ (1992; UK # 7) ist ein früher britischer Ravetrack mit den damals gebräuchlichen Soundzutaten wie fast schon gesundheitsschädlichem Bass, Sirenen, Pfeifen und als besonderes Merkmal Sprachsamples eines Türstehers, der mit Sätzen wie "Your name's not down, you’re not comin' in" oder "Not tonight... you’re not on the list" uneingeladenen Gästen den Eintritt in den Club verwehrt.

Diverse zeitgenössische Remixes konnten diesen Beinaheklassiker zwar bislang nicht wieder in die Charts bzw. Tanzflächen katapultieren, aber man sollte nicht überrascht sein, wenn das irgendwann doch plötzlich der Fall sein sollte.

(7/10)

Mynd Excursions – A Journey Through The Vaults Of Kama Sutra/Buddah (1993, CD)

Tracklisting

1. Vacels - You're My Baby (And Don't You Forget It) (1965; US # 63)
2. Boys - Splendor In The Grass (1965, Originalversion: Jackie De Shannon, 1964)
3. Vacels - Can You Please Crawl Out Of Your Window (1965; Orignalversion: Bob Dylan, 1966; UK # 17, US # 55)
4. Vacels - I'm Just A Poor Boy (1965)
5. Tradewinds - Mind Excursion (1966; US # 51)
6. Innocence - There's Got To Be A Word (1966; US # 33)
7. Good Times – Hard Life (1966)
8. Tradewinds - Catch Me In The Meadow (1966)
9. Mulberry Fruit Band - Yes We Have No Bananas (1967)
10. Pete Anders – Sunrise Highway(1967)
11. Innocence - Mairzy Doats And Dozy Doats (1967; US # 87)
12. Bobby Bloom - Love Don't Let Me Down (1967)
13. Innocence - Your Show Is Over(1967)
14. Innocence - Only When I'm Dreamin' (1967)
15. Innocence – The Day Turns Me On (The Bufferin Song) (1967)
16. Don Ciccone - Down When It's Up Up When It's Down (1969)
17. Innocence -Do You Believe In Magic (1967)
18. Tradewinds Huggin' In The Hall (1967)
19. Tradewinds - All I Ask (1967)
20. Tradewinds - I Believe In Her (1967)
21. Tradewinds – A Lifetime Lovin' You (1966)
22. Tradewinds - Bad Misunderstanding (1967)
23. Brooklyn Bridge - Worst That Could Happen (1969; US # 3)
24. Pendulum - She Can Blow Your Mind (1969)
25. Jaggerz – The Rapper (1970; US # 2)
26. Myddle Class - Don't Let Me Sleep To Long (1966)
27. Myddle Class - I Happen To Love You (1966)
28. Chiffons - So Much In Love (1969; Originalversion: Tymes, 1963; UK # 21, US # 1)
29. Steve Martin - Two By Two (I'm Losing You) (1970)
30. Puss n' Boots - I Want Your Love (1964/65?)

Wie der Untertitel dieses Albums bereits erahnen lässt handelt es sich hier um eine Werkschau von Kama Sutra und seinem Sub- bzw.Schwesterlabel Buddah, wo ab Mitte der 60er beachtliche Plattenumsätze mit einer Produktpalette von alternativen Folkrock von Captain Beefheart bis hin zum oftmals verpönten Bubblegum-Pop beachtliche Umsätze erzielt wurden. Kama Sutra, dem der Löwenanteil dieses Albums gewidmet ist, wurde 1965 von der gleichnamigen Produktions- und Verlagsgesellschaft gegründet und bereits die erste Singleveröffentlichung, “You're My Baby (And Don't You Forget It) von den Vacels kletterte in die Charts. Dieser Achtungserfolg brachte diesen Folkrockern die Ehre ein, auf der Nachfolgesingle mit „Can You Please Crawl Out Of Your Window“ einen Song von Bob Dylan interpretieren zu dürfen, noch bevor der Meister selbst ihn selbst auf Single veröffentlicht hatte. Wie die Erfolge der Byrds mit „Mr. Tambourine Man“ 1965; A # 4, D # 2, UK # 1, US # 1) oder die Turtles mit „It Ain’t Me, Babe“ (1965; US # 8) zeigen waren speziell 1965 Dylan-Coverversionen ein Erfolgsgarant, aber diese Rechung sollte für die Vacels nicht aufgehen, denn ihre durchaus gelungene Version ging sang- und klanglos unter.

Mit der zweiten Single, „Do You Believe In Magic“ von Lovin’ Spoonful (1965; US # 9), konnte Kama Sutra den ersten Top 10-Erfolg in den US-Charts feiern. Diesem sollten noch 9 weitere dieser legendären Band folgen, darunter Klassiker wie „Daydream“ (1966; D # 30, UK # 2, US # 2) oder „Summer In The City (1966, D # 5, UK # 8, US # 1), die Lovin’ Spoonful als größten Umsatzbringer für das Label etablierten, vermutlich aber aus rechtlichen Gründen nicht auf diesem Album vertreten sind .

Ein Pfeiler des Erfolges für Kama Sutra war das hauseigene Songwriter- und Produzentenduos Pete Anders und Vinnie Poncia, die ihre Karriere bereits als Teenager 1958 bei der Band Videls starteten, wo sie mit „Mister Lonley“ (1960; US # 73) einen kleinen Hit landeten. Bald wurde man auf die Songwritertalente der Beiden aufmerksam, was sie unter anderem mit Starproduzenten Phil Spector in Kontakt brachte und mit dem sie die beiden Singles „(The Best Part Of) Breakin’ Up“ (1964; US # 51) und „Do I Love You“ (1964; US # 43) für die Ronettes schrieben. Das brachte ihnen wiederum einen Job bei Red Bird, der Plattenfirma des legendären Songwriterduos Jerry Leiber & Mike Stoller ein, wo sie neben ihrer Produktions- und Songwritertätigkeit auch zwischendurch Zeit für eigene Aufnahmen fanden. Unter dem Namen Tradewinds gelang den Beiden schon relativ bald mit „New York’s a Lonley Town“ (When You’re The Only Surfer Boy Around) (1964; US # 32), einer Art Parodie auf die Beach Boys, ein mittlerer Hit, der ihnen schließlich die Tür zu den Studios von Kama Sutra öffnete. Mitte 1966 reaktivierten sie den Projektnamen Tradewinds, der davor fast zwei Jahre auf Eis gelegen war, und ließen die Plattenkäufer an ihrer „Mind Excursion“ (1966; US # 51) teilhaben und mit der Single „There's Got To Be A Word“ (1966; US # 33), die sie unter dem Namen Innocence herausbrachten, konnte sich eine weitere ihrer Produktion in den US-Charts platzieren. Danach hätten sie es allerdings dabei belassen sollen, keine weiteren Platten für sich selber zurechtzubasteln, denn die Ergebnisse waren beispielsweise wirklich schrecklicher Bubblegum-Pop wie etwa „Mairzy Doats And Dozy Doats“ (1967; US # 87) oder überflüssige Beach Boys-Immitationen („I Believe In Her“) und an den mehr als ein Dutzend dieser Songs dürften wohl nur Kama Sutra-Komplettisten iher Freude haben.
Dabei konnten es die beiden viel besser, wie beispielsweise ihre Arbeit bei Bobby Blooms großartigen Blue-Eyed-Soul-Track „Love Don’t Let Me Down“ oder dem fast schon in die Kategorie Garagenrock einzureihenden „Hard Life“ der Formation Good Times. Interessant ist zweifellos auch das von ihnen als Mulberry Fruit Band aufgenommene „Yes We Have No Bananas”. Dabei handelt es sich einen Titel , der als „Ausgerechnet Bananen“ hinlänglich bekannt sein sollte und mit dem sie die im Frühjahr 1967 von Hippies in die Welt gesetzten Gerücht, dass man durch das Rauchen von Bananenschalen high werden (Details hier), kommerziell mit der passenden Platte zu nutzen versuchten. Der Erfolg hielt sich allerdings in Grenzen, denn so schnell wie der Boom rund um das Bananenrauchen (dessen einzige halluzinogene Wirkung bestenfalls durch etwaige auf den Schalen befindlichen Pflanzenschutzmitteln entstehen könnte) war auch diese Single, bei der es sich um die erste Veröffentlichung auf Buddah handelte, wieder vom Markt verschwunden.

Da Kama Sutra anfangs in erster Linie einen Produktionsfirma war arbeiteten Anders und Poncia unter anderem auch für Produktionen für andere Labels wie beispielsweise Kapp, einem Sublabel von Decca. Eine der von ihnen betreuten Bands waren die gemäßigten Folkrocker Critters, deren Leadsänger und Songwriter Don Ciccone auf diesem Album mit seiner Solosingle „Down When It's Up Up When It's Down“ vertreten ist und später Mitglied bei den Four Seasons wurde. Die Band konnte mit „Younger Girl“ (1966; US # 42, Originalversion: Lovin Spoonful, 1965), „Mr. Dieingly Sad“ (1966; US # 17) und “Don’t Let The Rain Fall Down On Me“ (1967; US # 39) immerhin 3 Top 40 Hits in den US-Charts verbuchen konnte, wobei letzterer Song eine Besonderheit aufweist, denn als Songautor ist nämlich ein gewisser James Ryan angegeben. Ob es sich dabei tatsächlich um den aus dem gleichnamigen Steven Spielberg Antikriegsepos bekannten „Soldaten James Ryan“ handelt ist eher unwahrscheinlich, aber wie der Zufall es will machte ich diese Entdeckung just an jenem Tag, als der ORF „Der Soldat James Ryan“ ausstrahlte …

Etwas weniger mysteriös sind die restlichen Tracks auf „Mynd Excursions“ wie die nette Jackie De Shannon-Coverversion „Splendor In The Grass“ von den Boys, die sich aber zum Zeitpunkt der Aufnahme noch weit vor vor dem Stimmbruch befunden haben müssen, da sie eher nach Girlgroup als Boygroup klingen, das harmlose „She Can Blow Your Mind“ von Pendulum oder dem für Kama Sutra-Verhältnisse fast schon funkigen, entgegen dem Titel allerdings völlig rapfreien One-Hit-Wonder „The Rapper“ von den Jaggerz. Eine weitere Eintagsfliege auf diesem Album stammt von Brooklyn Bridge und „Worst That Could Happen“ war tatsächlich das Beste, dass dieser 11-köpfigen Formation rund um Johnny Maestro, einst Sänger bei den Crests („Sixteen Candles; 1958; US # 2) und danach auch solo mit Singles wie „Model Girl“ (1961; US # 20) erfolgreich, passieren konnte. Im Gegensatz zu Maestro blieb dem Girltrio Chiffons, ein paar Jahre zuvor mit „He’s So Fine“ (1963; UK # 12, US # 1, „One Fine Day“ (1963; UK # 29, US # 5) und „Sweet Talkin’ Guy“ (1966; UK # 31, US # 9; 1972; UK # 4) eine der erfolgreichsten Girlgroups , ein wenn auch kurzfristiges Comeback allerdings völlig versagt, denn ihre Version von „So Much In Love“ der Tymes fand bei den Plattenkäufern keinerlei Gegenliebe.

Ähnlich verhält es sich bei Steve Martin, nicht identisch mit dem gleichnamigen Schauspieler und vormals Sänger von Left Banke, die gleich mit ihrer Debutsingle „Walk Away Renee“ (1966; US # 5) einen Riesenhit landeten, der kurz darauf erfolgreich von den Four Tops gecovert wurde (1968; UK # 3, US # 14). Die Nachfolgesingle „Pretty Ballerina“ (1966; US # 15) verhinderte zwar den Nimbus eines One-Hit-Wonders, aber danach war trotz großartigem Songmaterial, was etwa auf ihrem originell betiteltem Debutalbum „Walk Away Renee/Pretty Ballerina“ belegt wird, der Zauber auch schon wieder vorbei. 1970 nahm Martin für Buddah das unüberhörbar von den späten Beatles beeinflusste „Two By Two (I'm Losing You)“ auf, das auch im Andy Warhol-Film „Hot Parts“ verwendet wurde, was diese exzellente Single allerdings auch nicht davor bewahrte, in Vergessenheit zu geraten.

Etwas anders verhält es sich bei Myddle Class, einer talentierten Rockband aus Summit/New Jersey, die 1966 unter den Fittichen des Songwriterpärchens Gerry Goffin & Carole King die Single „Don't Let Me Sleep To Long/ I Happen To Love You“ herausbrachten, die unter Sammlern von US-Garagenpunk der 60er als eine der besten Singles dieses Genres gilt. 1969 wechselten Myddle Class zu Buddah , wo man die Platte ein weiteres mal erfolglos herausbrachte und auch ein Album aufgenommen wurde, dass allerdings unveröffentlicht blieb, was letztlich zur Auflösung der Band führte.

So schlummert möglicherweise noch ein Schatz in den Archiven von Buddah, der bislang allerdings noch nicht gehoben wurde. „Mynd Excursions“ machte es aber möglich, dass eine andere bislang unveröffentlichte Kostbarkeit ausgegraben wurde, nämlich „I Want Your Love“ von der Girlgroup Puss n' Boots, das so um 1964/65 aufgenommen worden sein dürfte, aber mangels vorliegender Details so genau vermag das heute niemand mehr zu sagen.

Weitaus bekannter sind dagegen die Bubblegum-Lieferanten 1910 Fruitgum Company („Simon Says"; 1968; A # 2, D # 6, UK 2, US # 2) oder Ohio Express („Yummy Yummy Yummy"; 1968; A # 2, D # 3, UK # 5, US # 4), die Buddah hohe Umsätze brachten, aber nicht auf dieser Compilation inkludiert sind, was aber wohl zu verschmerzen sein dürfte. Auch nicht vertreten sind weitere Hitsingles für Buddah/Kama Sutra wie „Hello Hello” von Sopwith Camel (1966; US # 26); Lou Christies „I’m Gonna Make You Mine“ (1969; D # 29, UK # 2, US # 5) oder “Put Your Hand In The Hand” von Ocean (“Put Your Hand In The Hand”; 1971; A # 12, D # 13, US # 2), “Brother Louie” der Stories (1973; US # 2) oder so manches von Gladys Knight & The Pips, die bis zum bitteren Ende von Buddah Anfang der 80er der größte Umsatzbringer waren. Sie alle dürften aber möglicherweise auf „Mynd Excursions Vol. 2“ zu finden sein, sofern es eine zweite Ausgabe dieser Label-Werkschau überhaupt existiert

(6/10)

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