Das weltpolitisch wichtigste Ereignis jenes Wochenendes war zweifellos der Express-Politgipfel auf den Azoren, wo die Herren Bush, Blair & Aznan zum gemeinsamen Schulterschluß gegen den Irak zusammentrafen. Was auch immer dieses Trio Infernale ausgeheckt hat, es wäre sinnvoller gewesen, hätten sie sich mit der im Titel genannten Grundthematik der "Love, Peace & Poetry"-Compilationreihe, auf der psychedelische Musik aus den USA, Asien, England, Japan und Lateinamerika präsentiert wird, auseinandergesetzt, aber diese Worte dürften wohl nicht zum Sprachschatz der Drei gehören ...
Wenn schon die weltpolitische Lage nicht wirklich erfreulich ist, gab es zumindest in meiner kleinen Welt einige kleine Erfolgserlebnisse, sämtliche Ausgaben der oben genannten Compliations auf einen Schlag zu bekommen, nach jahrelanger Suche endlich das Nachschlagewerk "Bubbling Under The Hot 100" von Joel Whitburn aufzutreiben oder die essentielle, 243 Titel umfaßende & im LP-Format gestaltete "The Complete Stax & Volt Singles 1959-1968“ 9-CD Box mit dickem Booklet zu einem verhältnismäßig günstigen Preis zu erwerben, gar nicht erst zu reden von einigen interessanten Singles wie jene der bemühten aber hoffnungslos untalentierten deutschen Coverband Lovers, die sich unter anderem an "2000 Light Years From Home" der Rolling Stones versucht. Details folgen ...
Singles:
Christie - Iron Horse
Ferrante & Teicher - Theme From “Exodus”/Theme From “One-Eyed Jack”
Fuzz - I Love You For All Reasons
Michael Holm - S.O.S. - Herz in Not
Lovers - John Brown’s Body/Dear Eloise/Daydream Believer/2000 Light Years From Home
Johnnie Ray - Yes Tonight Josephine
Edmundo Ros - Melodie d’amour
Sugar Bus - Jambo Jambo
Various Artists - Ariola-Parade mit Peter Frankenfeld
Various Artists - Klingende Post I/1963
MCDs
Beck - Beercan
Whale - I’ll Do Ya
CD
Betty Davis - Betty Davis (CD)
Otis Redding - The Definitive Otis Redding Vol. 2
Various Artists - The Complete Stax & Volt Singles 1959-1968 (9 CD Box)
Various Artists - Love, Peace & Poetry - American Psychedelic Music
Various Artists - Love, Peace & Poetry - Asian Psychedelic Music
Various Artists - Love, Peace & Poetry - British Psychedelic Music
Various Artists - Love, Peace & Poetry - Japanese Psychedelic Music
Various Artists - Love, Peace & Poetry - Latin American Psychedelic Music
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Peter Beil - Carolin Carolina (1962; Single)
Als der legendäre farbige Rhythm & Bluessänger Joe Turner „Corinne, Corinna” (1956, USA # 41) aufnahm hätte es ihn sicherlich nicht überrascht, dass dieser Song wie schon seine Klassikern „Shake, Rattle & Roll“oder „Flip, Flop & Fly“ irgendwann für den „weißen“ Markt aufbereitet werden würde. Im konkreten Fall war es Ray Petersen, der knappe fünf Jahre später mit einer von Wall Of Sound-Großmeister Phil Spector produzierten und rhythmisch sehr entschärften Version von „Corinne, Corinna” einen Hit verzeichnen konnte (1960; US # 9, 1961; A # 28, D # 7, UK # 41). Turner hätte sich vermutlich aber niemals träumen lassen, dass dieser Song auch in Deutsch aufgenommen werden würde, was aber ohne Ray Peterson Interpretation höchstwahrscheinlich nie geschehen wäre. Interpret der deutschen Version war Peter Beil, der nach über einem halben Dutzend erfolgloser Singles mit „Corinna, Corinna” (1961, A # 5, D # 6) seinen Debuthit landete. Fast gleichzeitig kletterte auch mit „Hello, Mary-Lou“ (1961, D # 9), im Original von Ricky Nelson (1961, A # 2, D # 2, UK # 2, US # 9), eine weitere seiner germanisierten Einspielungen in die deutschen Charts, wobei er hier mit sich selbst im Duett sang und die Platte unter dem Pseudonym Ricky-Boys veröffentlicht wurde.
Bei “Carolin, Carolina” (1962; D # 20) versuchte er sich aber wieder solo und ging auf Nummer sicher, denn der Titel ist nichts anderes als eine Blaupause von „Corinna, Corinna”. Im Vergleich dazu mutet die Rückseite „Dir hat der Mond den Kopf verdreht“ an, eine zeitgenössische Adaption von Perry Comos „Don’t Let The Stars Get In Your Eyes“ (1953; UK & US # 1), fast schon gewagt an.
„Und dein Zug fährt durch die Nacht“(1962; A # 2, D # 11, Originalversion: Richard Anthony - J’Entends Siffler Le Train; 1962), die Nachfolgesingle zu “Carolin, Carolina”, entwickelte sich zum populärsten Titel des heute immer noch aktiven Peter Beil, der bis 1970 noch eine Handvoll Hits hatte, darunter „Fremde in der Nacht“ (1966; D # 24) der deutschen Version von Frank Sinatras „Strangers In The Night“ (1966; A, D, UK & US # 1).
(5/10)
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Christie - Iron Horse (1972, Single)
Nach ”Man Of Many Faces” und ”Everything’s Gonna Be Alright” ist „Iron Horse" (1972, D # 47, UK # 47) nunmehr die dritte Christie-Single in meiner Sammlung als auch ein weiterer vergeblicher Versuch der Band, an die Erfolge von „Yellow River" (A # 1, D # 2, UK # 1, US # 20) und “San Bernadino" (1970; A # 4, D # 5, UK # 7) anzuschließen. Obwohl „Iron Horse" durchaus Hitqualitäten hatte ging dem Stahlroß schon bald die Luft aus und blieb Christies letzte Chartplazierung.
(7/10)
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Ferrante & Teicher - Theme From “Exodus”/Theme From “One-Eyed Jack” (1961; Single)
Die beiden amerikanischen Pianisten erregten Mitte der 50er erstmals Aufsehen mit Aufnahmen der experimentalen Sounds, die sie mittels diverser Modifikationen wie etwa dem Einklemmen von verschiedensten Gegenständen in die Klaviersaiten entlockten. Ab 1960 wandten sie sich aber den eher profaneren und damit auch breitenwirksamen Easy Listening-Klängen mit Orchesterbegleitung zu, spezialisierten sich auf Neueinspielungen von Titelthemen populärer Filme und wurden für diesen Schritt schon bald mit ihrem Debuthit „Theme From „The Apartment“ (1960; US # 10; aus der Billy Wilder-Komödie mit Jack Lemmon und Shirley Maclaine) belohnt. Der größte Erfolg gelang dem Duo mit der von Ernest Gold, dem Vater von „Lonley Boy“ Andrew Gold komponiertenund oscarprämierten „Theme From „Exodus“ (1961; UK # 6, US # 2; aus dem Otto Preminger-Streifen mit Paul Newman), die auf der deutschen Single mit „Theme From „One-Eyed Jacks“ (1961; US # 37; aus dem Western mit Marlon Brando, der bei diesem Film übrigens auch selbst Regie führte, nachdem Regisseur Stanley Kubrick das Handtuch geworfen hatte), gekoppelt wurde.
Mit diesen Hits im Rücken fanden auch die Alben von Ferrante & Teicher reichlichen Absatz und von denen gab es bis mehr als genug, schließlich nahmen die Beiden bis in die 80er hinein pro Jahr nicht weniger als 4 LPs auf.
Nach einigen Nachfolgehits wie „Tonight“ (1961; US # 8) aus der „West Side Story“ verschwanden Ferrante & Teicher mit dem Beginn der Beatlemania völlig aus den Singlecharts, unterbrochen von einem kurzfristigen Comeback dank einem, man glaubt es kaum, weiteren Filmthema, diesmal mit der von John Barry geschriebenen „Theme From „Midnight Cowboy“ (1969; US # 10).
Theme From „Exodus“ (8/10)
Theme From „One-Eyed Jacks“ (6/10)
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Fuzz - I Love You For All Seasons (1971, Single)
(6/10)
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Michael Holm - S.O.S. - Herz in Not (1966, Single)
Weniger populär bleib sein Beatschlager „S.O.S. - Herz in Not“ und da half es auch nicht, dass Holm den Titel gemeinsam mit Giorgio Moroder schrieb. Es sollte aber nicht die letzte Zusammenarbeit der Beiden sein, denn in der Folge perfektionierten sie ihre Songwriter- und Produzentenqualitäten, die schließlich in „Mendocino“ (1969; A # 1, D # 3; Originalversion: Sir Douglas Quintett; 1969; A # 2, D # 2, US # 15) einen ersten Höhepunkt erreichen sollten.
(5/10)
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John Brown’s Body/Dear Eloise/Daydream Believer/2000 Light Years From Home (1968, Single)
Nicht ganz so erfolgreich waren die Lovers, die sich Anfang 1968 in ein Plattenstudio verirrten, um vier gerade populäre Hits neu einzuspielen. Über die Herkunft und Besetzung der Band ist nicht bekannt, bekannt, vielleicht waren sie auch nur Studiomusiker, was aber angesichts des hier dargebotenen Dilettantismus unwahrscheinlich erscheint.
Welche vier Songs mussten daran glauben? Den Anfang macht „John Brown’s Body“ von den Lords (1968; D # 11), auch bekannt als „Glory, Glory Halleluja“. Hier fällt das mangelnde Talent der Lovers-Mitglieder nicht weiter ins Gewicht, da es sich beim Original um schlimmsten deutschen Beatschlagerschrott handelt und somit die Lovers nicht viel anrichten konnten, ganz im Gegenteil zu dem darauffolgenden äußerst matten Hollies-Cover von „Dear Eloise” (1967; A # 1, D # 8, US # 40)
Auf der Rückseite dieser EP wird die Sache aber schon viel interessanter: Bei der Lovers-Bearbeitung des Monkees-Klassikers „Day Dream Believer” (1967; A # 3, D # 4, UK # 5) ist nicht nur die Schreibweise ungewöhnlich, sondern vor allem der Text, der vom Original erheblich abweicht, wobei der Grund dafür kaum in der Kreativität der Lovers lieget, denn die kann man der Band einfach nicht zugestehen.
Vielmehr dürfte irgendjemand in Ermangelung des Originaltextes notgedrungen den Text der Monkees-Single nach Gehör niedergeschrieben, wobei jene Person offenbar nicht ganz sattelfest in der englischen Sprache war, denn bei dem so entstandenen Text zeigen sich deutliche Abweichungen zum Original.
Zum Vergleich hier zunächst der Originaltext der Monkees inkl. dem kurzen Dialog zwischen Produzenten Chip Taylor, Monkee Davy Jones und dem Rest der Band zu Beginn des Songs:
Chip Taylor: "7a."
Davy Jones: "What number is this Chip?"
Monkees and Chip: "7A!!!!"
Davy Jones: "Okay, don't mean it, don't get excited man... It's 'cause I'm short, I know."
Oh, I could hide 'neath the wings
Of the bluebird as she sings,
The six-o-clock alarm would never ring.
But it rings and I rise,
Wipe the sleep out of my eyes,
My shaving razor's cold and it stings.
Cheer up sleepy Jean,
Oh what can it mean to a
Daydream believer and a homecoming queen...?
You once thought of me
As a white knight on his steed,
Now you know how happy I can be.
Oh and our good times start and end,
Without dollar one to spend,
But how much baby do we really need...?
(Refrain) Bei den Lovers bekommt der Text fast schon surreale Qualitäten, denn hier sind beispielsweise plötzlich weiße Ritter auf einem Baum und aus der „Homecoming Queen“ wird „Homecoming green“:
? "7a."
Leadsänger: “What number is this, Jan?”
Der Rest der Band: "7a."
Leadsänger: "Okay, mean excited man... It's 'cause I'm sure I know."
Oh, I could hide, meet the wings
Of the bluebird as you sings,
The six-o-clock alarm would never ring.
Buts it rings and I rise,
While I sleep I close my eyes,
Michelle (?) and race is cold and it stings
Teardrops Sleepy Jean,
Oh what can it mean to a
Daydream believer and a homecoming green
You once tired of me
As a white knight on this tree,
Now you know how happy I can be.
Oh and the good times start so well
With a dollar one to spend,
But how much baby do it’s really mean
Möglicherweise haben sich in mein Transkript dieser einzigartigen Textadaption einige Fehler eingeschlichen, was aber nicht weiter überraschend wäre, denn der Sänger hatte unüberhörbar einen ähnlichen Level in Sachen englischer Sprache wie der Loversche Textautor oder waren beide vielleicht gar die ein und dieselbe Person? Wir werden es vermutlich nie erfahren ...
Der eigentliche Grund, warum ich mir diese EP gekauft habe ist das abschließende Rolling Stones-Cover „2.000 Light Years From Home“(1968; A # 19, D # 5), weil mich einfach mich interessierte, wie sich eine Coverband an diesen Track vom legendären und unter den Stonesfans umstrittenen Album „Their Satanic Majesties Request“ heranwagt. So inferior die Band auf den ersten drei Titeln dieser EP agiert, vermag sie hier doch einigermaßen zu überraschen, denn die spacigen Sounds vom Original bekommt die Band trotz sicherlich eingeschränkter Studiotechnik unter verstärktem Orgeleinsatz einigermaßen gut hin und ist deshalb von der Stones-Version keineswegs Lichtjahre entfernt, was allerdings nicht für die Verkaufszahlen dieser EP im Vergleich zum Original gilt ...
John Brown’s Body (2/10)
Dear Eloise (4/10)
Daydream Believer (5/10)
2000 Light Years From Home (7/10)
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Johnnie Ray - Yes Tonight Josephine (1957, Single)
(6/10)
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Edmundo Ros - Melodie d’amour (1957, Single)
Bei der Auswahl des Repertoires war Ros etwas weltoffener, denn er griff auf bewährte Popstandards zurück, denen er ein Kostüm aus Samba, Rumba etc. verpasste. Einer davon war das bereits 1947 von dem französischen Chansonier Henri Salvador aufgenommene „Maladie d’amour“, das zunächst von den Ames Brothers zu „Melodie d’amour“ (1957, A # 10, D # 16, US # 12) anglisiert und wenig später sein einziger internationaler Hit wurde (1958, A # 5, D # 4).
Für seine Version kreierte Ros fast so etwas wie eine Wall of Sound oder besser gesagt zumindest einen Gartenzaun of Sound, denn der für damalige Verhältnisse überraschend klar produzierte Song eröffnet mit Vogelgezwitscher, dann wird dreimal die Gitarre in an Kirchenglocken erinnernder Manier geschrammt, ehe es locker-flockig und percussiongeladen im Calypso-Rhythmus weitergeht, um am Ende wieder die anfangs verwendeten Soundingredienzien zu nutzen.
Möglicherweise hätte Edmundo Ros ähnliche Popularität erreicht wie sein Genre-Kollege Perez Prado, schließlich landete er 1949 in den USA einen Hit mit „Wedding Samba“, aber aufgrund der rigorosen Bestimmungen der britischen Musikergewerkschaft durfte er lange Zeit dort nicht auftreten. Zumindest eine kleine wenn auch späte Entschädigung für den dadurch entgangenen Ruhm erfuhr er im Jahre 2000, als er von der Queen für seine Verdienste zum Ritter geschlagen wurde.
(6/10)
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Sugar Bus - Jambo Jambo (1973, Single)
Dafür hat alles andere bei „Jambo Jambo“ einen afrikanischen Touch. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf den Text, der hauptsächlich aus Wiederholungen von „Jambo Jambo Hela Hela“ besteht oder erhöhtem Panflöten- bzw. Percussioneinsatz, sondern bei genauerer Betrachtung auch folgender Aufdruck auf dem Label: „MFD BY A RECORDS FOR PHONOGRAM IN E. AFRICA“. Dem widerspricht aber der Aufdruck GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, die über die Künstlertantiemen wacht), der normalerweise auf allen in Deutschland gepressten Platten prangt.
Wie auch immer, wer näheres über Sugar Bus weiß kann sich gerne bei mir melden und falls nicht macht das angesichts der nichtigen Bedeutung der Band auch nix …
(5/10)
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Various Artists - Ariola- Parade mit Peter Frankenfeld (1959, Single)
Enoch Light & The Light Brigade - I Want To Be Happy Cha Cha (1958 ; US # 48)
Mimi Thoma - Peterle (Ariola 35 681)
Hazy Osterwald Sextett - ?
Evelyn Künneke - Teenager Amour (Ariola 35 705)
? - Der treue Husar
Eddie Constantine - Sag deiner Frau(Ariola 35 787)
Ernst Jäger - Isle Of Capri/Die Katze auf dem heißen Blechdach? (Ariola 35 689)
Seite 2
? - Caravan
Dalida - Am Tag als der Regen kam (Ariola 35 686; 1959; A # 2, D # 1)
Perruchio Talganini - Vergissmeinnicht
Carla Codevilla - Strada’nfosa (Ariola 35 795)
Trapp-Familie - ?
Mona Baptiste - Mr. Wonderful (Ariola 35 770)
Zarah Leander - Mitternachtsblues (Ariola 35 719)
Peter Frankenfeld (1913 - 1979) war einer der ganz großen Entertainer Nachkriegsdeutschlands und führte nicht nur durch große Samstagabendshows wie „Musik Ist Trumpf“, sondern war nebenbei auch Schauspieler, Kabarettist, Autor, Maler und besang bzw. besprach auch Platten. Seine erfolgreichste Aufnahme war „Bum-Budi-Bum, das kann gefährlich sein“ (1961; D # 16), ein Duett mit seiner Frau Lonny Kellner, bei dem es sich um die deutsche Version von „Goodness Gracious Me“ (1960; UK # 4) des hochkarätigen Duos Peter Sellers & Sophia Loren handelte und die sich um einiges besser verkaufte als die Konkurrenzversion von Bibi Johns und John Ward. (1961; D # 37).
Nicht ganz so populär war die 1959 erschienene „Ariola-Parade“, wo er Auszüge aus dem gerade aktuellen Repertoire an Singles und LPs aus dem Hause Ariola präsentierte. Diese Variante, den potentiellen Plattenkäufern mittels akustischer Appetithäppchen Neuerscheinungen am Plattenmarkt schmackhaft zu machen wurde von der deutschen Plattenindustrie seit Mitte der 50er mittels der „Klingenden Post“ praktiziert. Allerdings prangte auf dem Label bzw. dem Cover dieser Singles stets die Aufschrift „Unverkäufliches Werbeexemplar“, was aber interessanterweise bei Peter Frankenfelds „Ariola-Parade“ nicht der Fall ist. Möglicherweise hoffte man bei Ariola, dass aufgrund Frankenfelds Popularität seine Fans selbst für eine Werbeplatte den Preis einer Single zahlen würden und tatsächlich bekam man Einiges für sein Geld:
„Hallo, ihr Freunde guter Platten
Wie schön, wenn sie mir heut gestatten
Zu spielen was wir Neues hatten
Ich rede von Ariola-Platten“
So leitet Peter Frankenfeld, unterlegt von der unverkennbar auf den Spuren von Perez Prado befindlichen Enoch Light & the Light Brigade seine Plattenpräsentation ein, um sogleich das äußerst passend betitelte und zugleich schauerliche „Peterle“ von Mimi Thoma anzukündigen. „Geschenkt wird nix, aber schon für ein paar Mark gibt es ja Ariola.Schallplatten“ meint er dann und begeht danach einen ersten groben Schnitzer, da er es verabsäumt, den darauffolgenden Titel vom Hazy Osterwald Sextett nicht anzukündigen. Dafür erfährt man, dass es zwischen Osterwald und Frankenfeld offenbar Unstimmigkeiten gegeben haben muß:“ .. Unser Hazy.. er hat mir einen Brief geschrieben … er schreibt hier … mal sehen was er schreibt .. nanu, das ist ein leerer Bogen.. ach ja richtig, er spricht nicht mehr mit mir …“. Nachdem die damals fast Vierzigjährige Evelyn Künneke kurioserweise von der „Teenager Amour“ geschwärmt hat erfährt man sogar etwas über Opa Frankenfeld: „Uiii, wenn das mein Großvater gehört hätte … Ja, mein Großvater .. 104 Jahre, ein schönes Alter … Er hat’s nie erlebt, er ist mit 47 gestorben …“. Danach intoniert ein ungenannter Billy Vaughn-Verschnitt „Den neuen Husar“, Eddie Constantine gibt den Männern heuchlerische Lebenshilfetipps und schließlich endet Seite 1 mit einem wiederum nicht genannten Titel des Tanzorchesters Erst Jäger und einer bemerkenswerten Ankündigung: „Es ist schon etwas wahres daran, wenn man sagt, man muß immer beide Seiten hören. Das gilt auch für Ariola-Platten …“
Die Rückseite eröffnet mit einer interessanten Version des Jazzklassikers „Caravan“, danach folgt ein kleiner Aufmerksamkeitstest: „Sind sie schreckhaft? Sind sie schreckhaft? Sind sie schreckhaft? Sind sie schreckhaft? Keine Angst, ihre Platte ist in Ordnung. Ich wollte nur mal herausfinden, ob Sie zuhören“ und als Belohnung gibt es mit Dalidas „Am Tag als der Regen kam“. Nach einem kurzen Ausflug in die Oper mit „Vergissmeinnicht“ wird Frankenfelds Ansage rückwärts eingespielt, aber er hat auch gleich eine Erklärung dafür parat: „Oh Pardon, ich stand mit dem Rücken zum Mikrophon“. Der Grund dafür war Carla Codevilla, die er als neuen Ariola-Star ankündigt, der sie aber letztlich doch nie wurde. Mit der Trappfamilie und Mona Baptiste geht es dann auch schon wieder dem Ende zu und Frankenfeld gerät scheinbar in Zeitnot, weshalb seine Stimme nun mit erhöhter Geschwindigkeit in Mickey Maus-Manier abgespielt wird: “Jetzt wird es knapp mit der Zeit, ich glaube, ich muß mich beeilen. Jedes Wort des Lobes erübrigt sich bei einem so brillianten Namen, den ich ihnen jetzt auf Ariola präsentieren darf. Ich wünsche ihnen viel Vergnügen mit ..“ Bevor Frankenfeld aber den Namen ausspricht, bremst er sich ein und kündigt die Interpretin Zarah Leander in einer zu ihr passenden Bassstimme an. Daß deren Comebackversuche erfolglos blieben ist nicht weiter verwunderlich, ist ihr Name doch untrennbar mit einer unheilvollen Zeit verbunden, mit der man Ende der 50er Jahre nichts mehr zu tun haben wollte.
Weitaus beliebter war da natürlich Peter Frankenfeld, der die “Ariola-Parade“ so beendet, wie er sie begonnen hat, nämlich in Reimform:
“Ariola zeigt mit dieser Platte
was sie an Neuaufnahmen hatte
von Künstlern aus der ganzen Welt
Na denn, ihr Peter Frankenfeld“
Keine Ahnung, ob weitere „Ariola-Paraden“ mit Peter Frankenfeld existieren, aber auch wenn so mancher seiner Kalauer und Scherze aus heutiger Sicht eher peinlich wirken ist es auf alle Fälle ein herrlich anachronistisches Zeitdokument und eine nicht uninteressante Ansammlung von Obskuritäten.
(6/10)
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Various Artists - Klingende Post I/1963 (1963, Single)
1. Seite - Neue Schlager
Orchester Werner Müller & Horst Fischer - The Farewell Trumpet (1963)
Gert Timmermann - Ich komm’ ja bald wieder, Madeleine (1963)
Lys Assia - Schwarze Perlen (1963)
Paul Anka - Love (Makes The World Go ‘round) (1963; US # 26)
Billy Vaughn - Down Yonder (1963)
Billy Mo - Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut (1963; A # 9, D # 1)
Caterina Valente & Silvio Francesco - Lup-Di-Lu (1963; D # 11; Originalversion: Johnny Thunder - Loop De Loop, 1963; US # 4)
Vico Torrioni - Pepino (1963; A # 4, D # 7; Originalversion:Lou Monte - Pepino The Italian Mouse; 1963; US # 5)
2. Seite - Neue Langspielplatten
Werner Müller - Werner Müllers große Schlagerparade
Various Artists - Am Lagerfeuer
Various Artists - Die schönsten Kinderlieder
Sergio Franchi - Sergio Franchi
Various Artists - Treffpunkt Wien
Various Artists - Blume von Hawaii/Frau Luna/Im weißen Rössl/Schwarzwaldmädel
Soundtrack - Die Dreigroschenoper
Einer der grundlegenden Unterschiede der „Klingenden Post“ zu den Promotionsplatten anderer Plattenfirmen wie etwa der „Ariola-Parade“ war die Tatsache, dass auf den Labels der Name des Geschäfts aufgedruckt war, in dem die Platte. Dadurch ergab sich ein doppelter Werbeeffekt, den im konkreten Fall das Elektrofachgeschäft „Radio Gundelach“ in der deutschen Provinzkleinstadt Steinheim in Nordrhein-Westfalen zu nutzen versuchte.
Im Gegensatz zu der von Peter Frankenfeld mit einiger Originalität präsentierten „Ariola-Parade“ war die „Klingende Post“ eine weitaus biedere Angelegenheit. Hauptverantwortlich dafür ist das anonyme Pärchen, dass auf dieser Ausgabe absolut humorlos und ohne soundtechnische Gimmicks durch Plattenneuheiten von Telefunken/Decca, RCA, London und Warner Brothers führt.
Seite eins versammelt Singleneuerscheinungen, darunter mit Lup-Di-Lu“ von Caterina Valente & Silvio Francesco, Vico Torrianis “Pepino“ und Billy Mo’s „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ gleich drei Chartsingles, die vermutlich auch bei den Steinheimer Plattenkäufern Gefallen fanden. Dieses Schicksal war allerdings den Neuvorstellungen der restlichen Interpreten auf der ersten Plattenseite nicht vergönnt und daran konnten selbst einst große Namen auch nichts ändern: Die Karrieren von Paul Anka , des Trompeters Horst Fischer („Mitternachtsblues“; 1958; A # 6, D # 8) als auch Billy Vaughn hatten ihren Zenit überschritten, ebenso jene von Lys Assia, die 1956 mit „Refrain“ als erste den Eurovisions-Songcontest gewann und daran konnte das irgendwie makabre „Schwarze Perlen“, das von ertrunkenen Perlentauchern handelt, nichts ändern. Mit Gerd Timmerman ist hier auch ein Sänger mit äußerst magerem Bekanntheitsgrad vertreten, was aber anhand der akustischen Kostprobe absolut verständlich ist.
Wenig erbauend ist auch die Rückseite, auf ausschließlich Auszüge aus LPs kredenzt werden, deren Bandbreite von orchestraler Tanzmusik über Kinder- und Volkslieder bis hin zur Operette reicht, nicht zu vergessen der Soundtrack zum Film „Die Dreigroschenoper“ (u.a. mit Hildegard Knef und Curd Jürgens), die überschwänglich als „Langspielplatte des Jahres“ angepriesen wird, es aber nicht einmal in die österreichischen Albumcharts schaffte.
Der Wert dieser „Klingenden Post“ ist bestenfalls mit 2,50 € zu beziffern, aber es gibt um weitaus wertvollere Ausgaben, speziell jene, auf denen sich Titel von Elvis Presley oder den Rolling Stones verstecken und bei Sammlern Preise bis zu 75 € erzielen. Wiederum ein weiteres Indiz, dass es sich lohnen kann, die vermeintlichen Ramschschachteln mit den Singles um 50 Cent zu durchwühlen.
(5/10)
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Beck - Beercan (1994, MCD)
Kaum zu glauben, es ist auch schon wieder ein Jahrzehnt her, dass sich Beck mit „Loser“ (1994; A # 10, D # 18, UK # 15, US # 10) samt dazugehörigen Longplayer „Mellow Gold“ als König der Slacker etablierte. „Beercan“ war eine weitere Auskopplung aus diesem Album, die sich allerdings nicht verkaufte. Dabei gibt es auf dieser CD-Single einige Besonderheiten, die auch dem Cover durch die Beschriftung „Beercan + More“ angedeutet werden: „Got No Mind“ ist eine alternative Version von „Pay No Mind (Snoozer)“, einer weiteren erfolglosen Single, dem bislang unveröffentlichten, anfangs ziemlich wüsten „Spanking Room“ und als Hidden Track eine ungewöhnliche Instrumentalversion von „Loser“ mit Lo-Fi-Gitarrensamples und Steeldrums!.
(8/10)
Betty Davis - Betty Davis (199?, CD; Originalveröffentlichung 1973)
Was hat eine legendäre Hollywooddiva mit 70er Jahre-Funk zu tun? Eigentlich nur die Tatsache, dass die große Bette Davis seit den 30ern in den diversen Medien oftmals zu Betty Davis mutierte und 1973 tatsächlich eine Trägerin des letztgenannten Namens an der Funkfront auftauchte, was die Namenskonfusion möglicherweise noch erhöhte.
Nach knapp einem Jahr war es aber mit dem trauten Eheglück auch schon wieder vorbei, denn Betty war alles andere als ein Kind von Traurigkeit und soll unter anderem mit Jimi Hendrix nicht nur freundschaftlich verkehrt haben. Nachdem sie für ein paar Jahre aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden war veröffentlichte sie 1973 ihr selbstbetiteltes Debutalbum, dass sie mit den Pointer Sisters und Mitgliedern von Santana, Grateful Dead und Sly & The Family Stone eingespielt hatte. Nicht nur der kompromisslose, knochentrockene Funk sorgte für Aufsehen, sondern neben ihrem selbstgestalteten sexy Bühnenoutfit vor allem ihr unverblümter Umgang mit der weiblichen Sexualität, der sich beispielsweise in Songs wie "If I'm in Luck I Might Get Picked Up" oder "Anti Love Song" manifistierte und damals den prüden Amerikanern eine Vorstellung gab, was rund 30 Jahre später in „Sex & The City“ auf sie zukommen würde.
Allerdings ist die Karriere von Betty Davis ein gutes Beispiel dafür, dass die altbekannte Weisheit „Sex sells“ nicht immer gelten muß. Nicht weiter überraschend traf sie der Bannstrahl der meisten Radiostationen, aber selbst für Soulsender schien sie zu hart zu sein und die Proteste von religiösen Organisationen waren offenbar zu zaghaft, um die Aufmerksamkeit der Plattenkäufer an „Betty Davis“ als auch den Nachfolgealben “They Say I'm Different” (1974) und “Nasty Gal” (1975), auf denen sie ihrem Image treu blieb, zu erregen.
Nach dem Misserfolg dieser Platten verschwand sie Ende der 70er völlig von der Bildfläche und soll heute zurückgezogen irgendwo in Pennsylvania.leben. Im Gegensatz zu anderen weiblichen Soul & Funkstars ist sie aber nicht völlig in Vergessenheit geraten, denn dafür sorgen Rap- und Soulstars wie Lil’ Lim oder Macy Gray, die sie in Interviews als Vorbild nennen.
(7/10)
Various Artists - The Complete Stax Singles 1959-1968 (1991, 9 CD-Box)
Mit Memphis/Tennessee assoziiert man höchstwahrscheinlich in erster Linie Elvis und der wäre heute möglicherweise ein übergewichtiger, vom Frust, dass er es nie zu etwas außer zum LKW-Fahrer gebracht hatte, zerfressener Rentner, hätte er nicht im Sommer 1953 im heimatlichen Memphis bei Sun Records den Schallplatten-für-Jedermann-Dienst genutzt und die Single "My Happiness"/That's When Your Heartches Begin" aufgenommen. Dessen Besitzer, der im Juli 2003 verstorbene Sam Philips erkannte sofort Presleys Fähigkeiten und der Rest ist Geschichte.
Neben Presley hatte Philips aber noch andere hochkarätige Rock’n’Roll- und Country-Stars wie Johnny Cash, Roy Orbison, Carl Perkins oder Jerry Lee Lewis unter Vertrag, weshalb Sun Records als wichtigste Plattenfirma in Memphis galt. Ende der 50er ging allerdings mit dem Wechsel jener überaus profitablen Stars zu anderen Plattenfirmen für Sun Records die Erfolgsonne unter, aber dafür der Stern von Stax Records auf. 1957 vom Bankangestellten und Teilzeit-Countryfiddler Jim Stewart und seiner Schwester Estelle Axton gegründet nannten die beiden ihr Label zunächst Satellite und veröffentlichten vorerst insgesamt 5 Countrysingles (Satellite 100 - 104), die kaum Beachtung fanden. Die eigentliche Geburtsstunde schlug aber 1959, als Stewart aufgrund seines wachsendem Interesses an R & B das Label völlig umkrempelte und das Repertoire von Country auf schwarze Musik umstellte. Die erste entsprechende Veröffentlichung war "Fool in Love/Someday" (Satellite 100; mit dem Relaunch begannen die Katalognummern wieder von 100) von den Veltones, das immerhin von Mercury für landesweite Distribution aufgegriffen wurde, aber kaum Käufer fand.
Wesentlich beliebter war dagegen "Gee Whiz" von Carla Thomas (Satellite 104; 1960; US # 10), was dem Label schon mit der erst vierten Single den ersten überregionalen Hit als auch eine Vertriebskooperation mit Atlantic Records einbrachte, die zunächst nur mit Handschlag vereinbahrt und erst 1965 schriftlich fixiert wurde. Ein halbes Jahr später gelang mit dem Instrumental "Last Night" der Mar-Keys (Satellite 107/Stax 107; 1961; US # 3) ein weiterer Erfolg, dessen Beliebtheit darauf zurückzuführen ist, dass es der erste Instrumentaltitel war, zu dem man twisten konnte. Allerdings meldete sich nun eine kalifornische Plattenfirma namens Satellite, die diesen Namen für sich beanspruchte, weshalb Stewart und Axton einen neuen Namen für ihr Label benötigten. Nach eingehender Überlegung einigte man sich schließlich auf die Kombination der jeweils ersten beiden Anfangsbuchstaben ihrer Familiennamen und damit war Stax geboren.
Gemeinsam mit Motown oder Atlantic war Stax ein prägender Faktor des Soul der 60er, was diese großartige 9 CD-Box, die im LP-Format gestaltet ist und ein überaus informatives Booklet inklusive kompletter Singlediscographie beinhaltet, äußerst eindrucksvoll dokumentiert. Die Tatsache, daß hier sämtliche 244 Stax/Satellite-Singles bzw. jene des Sublabels Volt inkludiert sind bringt natürlich mit sich, dass hier neben den wohlbekannten Klassikern von Otis Redding, Sam & Dave oder Booker T. & The MGs zahlreiche Kuriositäten vertreten sind, die man nicht unter dem Trademark Stax vermuten würde.
Da wären beispielsweise die Aufnahmen von Nick Charles, im Hauptberuf DJ bei der örtlichen Radiostation WLOK, der offenbar aus Gefälligkeit dafür, daß er Stax-Platten mit ins Programm nahm, zwei Singles aufnehmen durfte. Diese unterschieden stark vom üblichen Stax-Repertoire, handelte es sich doch bei "Sunday Jealous (Stax 119, 1962) und "The Three Dogwoods" (Stax 122, 1962) um schauerliche Countryballaden. Weiters untypisch ist auch "That's My Guy" (Stax 136, 1963) der beiden weißen Teenager Cheryl & Pam Johnson, die diese Aufnahme offenbar als Geburtsgeschenk von Daddy bekommen hatten. Interessant auch der Versuch von Stax, auf die Merseybeatwelle aufzuspringen. Wie man in der Rezension der Beatles-Single “All My Loving/Thank You Girl“ nachlesen kann konnten einige Kleinlabel wie Tollie oder Vee-Jay dank der wenn auch kurzfristigen Lizensierungen von Beatles-Singles hohe Umsätze verbuchen und da sich fast alles, was 1964 erschien und in England produziert worden war, wie von selbst verkaufte, war man auch bei Stax der Meinung, daß man auch auf diesem Sektor mitmischen sollte. Allerdings wurden Bands von der Größenordnung der Beatles, Rolling Stones, Animals, Herman's Hermits oder Dave Clark Five, die Mitte 1964 den Beatmarkt beherrschten, längst von Majorlabels wie Capitol oder Decca/London lizensiert, was zur Folge hatte, dass man zwangsläufig auf nicht so geläufige Namen zurückgreifen musste. Möglicherweise klangen aber sämtliche in Frage kommenden Beatscheiben für die am Auswahlverfahren beteiligten Personen mehr oder weniger gleich, weshalb man vermutlich dazu überging, sich weniger an der musikalischen Qualität, sondern vielmehr am Bandnamen zu orientieren. Ob es der Cadillac Fleetwood war, den ein Entscheidungsträger bei Stax besaß oder man nur eine Münze geworfen hat, kann man heute nur mutmaßen, jedenfalls entschied man sich für die vermutlich aus London stammende Beatformation Fleets. Deren Single "Please Return To Me" (Volt 129, 1964) ging aber völlig unter und damit waren die Ambitionen bei Stax, die britische Invasion zu nutzen, auch recht bald vorbei. Welche Bedeutung die Fleets in der Beatgeschichte haben lässt sich dadurch ermessen, dass sie nicht einmal in Vernon Joynson’s British Beat & Psychedelic-Bibel („Tapestry Of Delight“ aufscheinen, wo ansonsten noch jede so obskure Formation inkludiert ist.
Um beim Thema Obskurität zu bleiben, dort landeten unverdienterweise einige Tracks auf “Complete Stax Volt Singles 1959-1968” , die durchaus das Zeug zum Klassiker hatten wie etwa Eddie Kirks fulminantes Twistinstrumental „The Hawg“ (Volt 106, 1963), den Rock/Soul-Kracher „Big Bird“ von Eddie Floyd (Stax 246, 1968; US # 132), Rufus Thomas’ „Sophisticated Sissy“ (Stax 221, 1967), „Don’t Pass Your Judgement“ der Blue-Eyed-Soul-Formation Memphis Nomads (Stax 243, 1968) oder die großartige Ballade If I Ever Needed Love“ von Ruby Johnson (Volt 147, 1967).
Neben diesen Entdeckungen bringt diese Compilation auch für fundierte Musikkenner einige neue Erkenntnisse: So dürfte vermutlich nur fortgeschrittenen Elvis Costello-Fans bekannt sein, dass dessen „I Can’t Stand Up For Falling Down“ (1980, UK # 4) im Original von Sam & Dave stammt und sich auf der B-Seite deren Single „Soothe Me“ (Stax 218, 1967) versteckt. Auf einem anderen musikalischen Niveau als Costello bewegten sich Anfang der 90er die Soul-Bougroup Colour Me Badd, die ihren Ruhm hauptsächlich dem vertonten Anmachspruch „I Wanna Sex You Up“ (1991; A # 11, D # 4, UK # 1, US # 2) verdanken. „All 4 Love“ (1991; D # 23, UK # 5, US # 1) war eine ihrer Nachfolgesingles und das einzig nenneswerte daran ist die Tatsache, dass sie auf „Patch My Heart“ von den Mad Lads (Volt 139, 1966) basiert.
“I Ain’t Particular” von Johnnie Taylor (Stax 253; Mai 1968) beschließt “Complete Stax Volt Singles 1959 - 1968” und war gleichzeitig auch die letzte Veröffentlichung innerhalb des Distributionsvertrages mit Atlantic, dass im Mai 1968 von Warner Brothers gekauft worden war. Deshalb wollte Stax-Boss Jim Stewart den bestehenden Vertrag an die geänderten Bedingungen anpassen, erlebte aber bald eine böse Überraschung. Er hatte nämlich in der 1965 unterzeichneten Vertriebsvereinbahrung eine Klausel übersehen, wonach sämtliche bei Stax produzierten Masterbänder nunmehr Atlantic gehörten. Deshalb war es keine große Überraschung, dass Stewart den Vertrag kündigte und Stax an den Gulf & Western-Konzern verkaufte. Damit wurde gleichzeitig eine neue erfolgreiche Stax-Ära eingeleitet, die ausführlich in der 9 CD-Box „ Complete Stax Volt Singles 1968-1971“ (hier kann man in sämtliche Titel reinhören, ebenso durch Anklicken der beiden anderen Box-Sets) und der 10 CDs umfassenden Box „ Complete Stax Volt Singles 1972-1975“ dokumentiert wird und mit dem.Bankrott des Labels 1975 ein trauriges Ende fand.
Verglichen mit diesen beiden Compilations ist „ Complete Stax Volt Singles 1959-1968“ aber die bei weitem interessanteste, da in diesem Zeitraum Stax seinen eigenen, die Entwicklung der Soulmusik entscheidend prägenden Weg ging, während man nach 1970 großteils oftmals vergebens anderen Trends hinterher jagte.
(9,5/10)
P.S. : Alles, aber wirklich alles zum Thema Stax gibt es hier
Various Artists - Love, Peace & Poetry - American Psychedelic Music (1997, CD)
Viele glauben fälschlicherweise, erstklassige psychedelische Musik wäre ausschließlich in den USA bzw. England produziert worden, aber dem ist natürlich nicht so. Eindrucksvolle Belege dafür liefert nicht nur Simla Beat 70/71 sondern auch die Compilationserie "Love, Peace & Poetry“ mit jeder Menge Überraschungen, denn wer hätte gedacht, dass mehr als ebenbürtiges Material auch in so exotischen Ländern wie Singapur, Kambodscha oder Peru entstanden ist?
Bleiben wir gleich mal bei Peru, denn von dort stammen The (St.Thomas) Pepper Smelter, die hier mit dem schlicht betitelten „Betty Boom-Little Monster-Doggie And Peggie At The Witches Castle“, einer bemerkenswerten Mischung aus Jimi Hendrix „Purple Haze“, Kinderliedern und einer psychedelischen Version von „Blue Moon“ aus ihrem 1969 erschienen Album „Soul & Pepper“ vertreten sind. Von diesem Album habe ich vor einigen Jahren einige wundersame Dinge gehört, weshalb mein Interesse geweckt wurde und ich es in die Wunschliste (derzeit außer Betrieb) auf meiner Homepage hinzugefügt habe. Ende 2001 bzw. Anfang 2002 habe ich dann überraschend zwei Angebote für diese LP bekommen: Das Erste kam direkt aus Peru von einem gewissen Cesar, der mir das Originalalbum für 700 $ offerierte und das zweite vom führenden Wiener Tonträger-Raritätentempel Ton um Ton, wo mir die Scheibe für 596 Euro ohne Porto angeboten wurde. Das Porto würde ich mir natürlich ersparen, denn in diesen Wiener Plattenladen könnte ich natürlich ohne weiteres pilgern (was ich auch von Zeit zu Zeit ohnehin tue), aber bei 596 Euro (in echtem Geld rund 8200 Schilling) hört ist die fiskale Schmerzgrenze meiner Sammelleidenschaft weit überschritten, denn zumindest ich kann es mir nicht wirklich leisten, einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Monatsgehalts für eine einzelne Platte hinzublättern. Außerdem gibt es die CD-Version von „Soul & Pepper“ bei einigen einschlägigen Mailorder Shops um maximal 20 Euro, was preislich weitaus sympathischer erscheint …
Dieses Beispiel beweist aber, welche Preise die Originalversionen dieser Raritäten, von denen oftmals nicht mehr als 100 Stück gepresst wurden, oftmals erzielen können, weshalb "Love, Peace & Poetry“ sicherlich der denkbar beste als auch günstigste Einstieg in die Welt der mehr oder weniger exotischen Psychedelic ist. Gleichzeitig kann diese Compilationserie auch als Appetizer betrachten werden, denn nahezu alle Alben der hier inkludierten Interpreten wurden erfreulicherweise wiederveröffentlicht.
Eine ganze CD ist Japan gewidmet und das kommt nicht von ungefähr, denn die damalige japanische Musikszene war mehr als explosiv und fernab jeder beschaulichen Geisha-Kirschblüten-Romantik, denn auf diesem Album werden Bluesrock, Progressive Rock, aber auch fast schon morbid psychedelisches serviert wie das unglaubliche „The Lost Mother Land (Pt.1) Apryl Fool, die bei den Aufnahmen vermutlich nicht nur Sake konsumiert haben dürften.
Natürlich hatten auch in Japan die Beatles einen wesentlichen Einfluß und so manche Band stand völlig unter dem Regiment von Sgt. Pepper, wie etwa die Happenings Four bei ihrer „Happenings Theme“. In diesem Zusammenhang sei die Compilation „Pepperisms“ erwähnt, auf der Bands aus Chile, Malaysia oder Südafrika vertreten sind, die sich hauptsächlich von „Sgt. Peppers Lonley Hearts Club“ inspirieren ließen. Weiters empfehlenswert ist „GS I Love You - Garage Bands Of The 1960s“ mit unglaublichen Coverversionen von Sam & Daves „Hold On I’m Coming“ oder „I Saw Her Standing There” der Beatles, die man einfach gehört haben muß!.
Neben den japanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Ausgaben von "Love, Peace & Poetry“ gibt es aber auch welche für US und britische Psychedelic, die auch mit zahlreichen hochklassigen Raritäten aufwarten kann. Dank der informativen Booklets erfährt man auch so einiges Wissenswertes wie etwa die Geschichte von Arcesia. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ein Big Band-Sänger der 40er Jahre, der Ende der 60er mit LSD experimentierte und unter diesem Einfluß ein Album im Stile der Doors aufnahm!
"Love, Peace & Poetry“ hat aber nicht nur in akustischer Hinsicht einiges zu bieten, sondern vor allem auch optisch dank dem Covermodel Cheryl Shrode. Im April 1967 wurde ihr die Ehre zuteil, das Titelblatt des Playboy zu zieren
Cheryl Shrode, Go-Go dancer and filmstudent, Age 21, long blond hair, brown eyes, 36/24/36 (für Europäer, die mit der Maßeinheit Inches nix am Hut haben klingt 90/60/90 sicherlich etwas vertrauter)
Kein Wunder also, dass sie seither alle weiteren Volumes von "Love, Peace & Poetry“ (Mittlerweile ist auch eine brasilianische Ausgabe erschienen) ausgiebig verschönt. Ob sie wohl überhaupt von diesem späten Ruhm ahnt?
(alle 8/10)
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Knappe fünf Jahre davor gab es aber noch keinen Grund für Verwechslungen, denn da hieß Betty Davis noch Betty Mabry und bewegte sich in den Musikerkreisen von Größen wie Jimi Hendrix oder Sly Stone. Als sie im Frühjahr 1968 den Jazzgiganten Miles Davis kennenlernte und schon bald darauf heiratete sollte das für Beide ein in jeder Hinsicht intensiver Lebensabschnitt werden. Mabry war nicht nur das Covermodel von Davis’ Album „Filles de Kilimanjaro“ und Inspirationsquelle für den darauf befindlichen Song "Mademoiselle Mabry", durch sie entdeckte er Soul und Rock für sich, deren Einflüsse sein nächstes Album „Bitches Brew“ (1969) entscheidend prägten.
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Various Artists - Love, Peace & Poetry - Latin American Psychedelic Music (1997, CD)
Various Artists - Love, Peace & Poetry - Asian Psychedelic Music (1999, CD)
Various Artists - Love, Peace & Poetry - Japanese Psychedelic Music (2001, CD)
Various Artists - Love, Peace & Poetry - British Psychedelic Music (2001, CD)
, aber wie so viele andere Playboy Bunnies konnte sie die kurzfristige Popularität nicht zu einer Karriere beim Film etc. nutzen. Glücklicherweise entdeckte irgendjemand in irgendeinem Archiv einige ihrer Fotosessions aus den Jahren 1967/68 und hielt wie für geschaffen als perfektes „California Girl“ für das Booklet der ersten Ausgabe von "Love, Peace & Poetry“, die sich mit amerikanischer Psychedelic beschäftigte. Dazu hat sicherlich auch ihre Kurzbiographie datiert aus dem Jahre 1968 beigetragen:
Hobbies: Designing clothes, cooking Asian food, underground music and writing poetry.
4. Dezember 2006