Börsenreport 19.05.2001

Plattenbörse in der Wiener Stadthalle, 19.05.01.


Ein in dreifacher Hinsicht stressiges Wochenende für einen Plattensammler, insbesondere wenn er noch dazu auch noch Fußballfan mit grünweißem Herzen ist: Plattenbörse in der Wiener Stadthalle, Flohmarkt in der Neubaugasse und dazu noch die beiden für die österreichische Fußballmeisterschaft entscheidenden Spiele Rapid - Salzburg bzw. FC Tirol – Sturm in Konferenzschaltung im TV. Nach Abwiegung der Wertigkeiten entschied ich mich für die Plattenbörse, was sich, wie unten ersichtlich, in quantitativer und qualitativer Hinsicht mehr als gelohnt hat, was die Tatsache, dass statt Rapid Wien wieder der FC TirolMeister wurde erheblich milderte. Es sollte aber noch weit über den Beginn der Fußballsaison 2001/2002 dauern, bis ich mich durch alle Platten durchgearbeitet hatte.

Singles:

Lynn Anderson - Rose Garden
Chubby Checker - The Twist/Let’s Twist Again
Crow - King Of Rock & Roll
Spencer Davis Group - Keep On Running/I’m A Man
Lynsey De Paul - Sugar Me
Dr. Alban - It’s My Life
Clint Eastwood & General Saint - Stop That Train
Ellis Beggs & Howard - Big Bubbles, No Troubles
Fine Young Cannibals - Ever Fallen In Love
Bill Haley & His Comets - Joey’s Song
Tommy James & The Shondells - Hanky Panky
K.C. & The Sunshine Band - That’s The Way (I Like It)
Paul Mauriat - Love Is Blue
Johnny Nash - Rock Me Baby
Oliva Newton-John - Magic
Noarrndattln - Sepperl
Gary Numan - Cars
O’Jays - For The Love Of Money
O’Jays - Love Train
Ohio Express - Pinch Me
Klaus Prünster - Blabblabb
Rattles - Come On And Sing
Kyo Sakamoto - Sukiyaki
Simple Minds - Don’t You (Forget About Me)
Slade - Get Down And Get With It
Hurricane Smith - Don’t Let It Die
T. Rex - Laser Love
R. Dean Taylor - Ain’t It A Sad Thing
R. Dean Taylor - There’s A Ghost In My House
R. Dean Taylor - Window Shopping
Tolga Flim Flam Balkan - Joint Mix
Lena Valaitis - Ob es so oder so oder anders kommt

LPs:

Russ & Ballard - Russ Ballard
Santa Esmeralda - Don’t Let Me Be Misunderstood
Various Artists - Top Of The Pops
Various Artists - The Big Hits Now

MCD:

Rui De Silva featuring Cassandra - Touch Me

CD:


Various Artists - Kopfschuß Hits
Vivid - Sundown To Sunrise

Lynn Anderson - Rose Garden (1971, Single)


Es gibt wohl kaum eine „Best Of Country", „Golden Country Classics" oder ähnlich betitltete Compilation, auf der nicht der Mainstream-Country-Klassiker „Rose Garden" (1971; A # 3, D # 1, UK # 3, US # 1) zu finden ist. Die ungebrochene Beliebtheit verdankt dieser Titel allerdings weniger der Originalversion von Joe South („Games People Play" (1969; A # 5, D # 11, UK # 6, US # 8), sondern in der Interpretation der Countrysängerin Lynn Anderson, die den Titel auf South’ Debutalbum „Introspect“ entdeckte und davon so begeistert war, daß sie ihn unter der Leitung ihres kurz davor angetrauten Produzentengatten Glenn Sutton aufnahm. Die gelungene Züchtung aus geschickt akzentuierten Rhythmusgitarren, clever arrangierten Streichern und dezenten „gepinselten" Beats wurde nicht nur mit einem Welthit und einem Grammy belohnt, sondern sogar mit einer Rosensorte, nach die nach Lynn benannt wurde.

Nicht weiter überraschend erschien auch schon bald eine deutsche Version namens „Liebe wie im Rosengarten (1971; D # 47), die allerdings nicht von Lynn Anderson selbst, die sich 1968 mit „Ich hab einen Boy in Germany“ erfolglos am deutschen Schlager versuchte, interpretiert wurde, sondern von der in den 60ern im deutschen Sprachraum sehr erfolgreichen schwedischen Schlagersängerin Siw Malmkvist („Liebeskummer lohnt sich nicht; 1964; A # 1, D # 1), was aber die Verkäufe nicht wirklich in die Höhe schnellen ließ.

Im Sog der Single „Rose Garden" verkaufte sich auch das gleichnamige Album mehr als eine Million mal, aber danach verblühte der weltweite Erfolg rasch. Nach den eher mäßigen Verkäufen der Nachfolgesingles wie „Cry" (1971; A # 9, US # 72) oder „You’re My Man" (1971; A # 13, US # 51) zog sich Lynn aus dem Musikgeschäft zurück und beschränkte sich aufs Turnierreiten, beehrt aber zwischendurch immer wieder Countryclubs mit gelegentlichen Auftritten.

Zuletzt erinnerte man sich hierzulande an Lynn Anderson, als die kanadische Danceformation Kon Kan „Rose Garden" bei ihrem einzigen Hit „I Beg Your Pardon) (1989; A # 22, D # 8, UK # 5, US # 15) sampleten

(8/10)

Chubby Checker - The Twist/Let’s Twist Again (1962, Single)


Über den Twist ist schon derart viel gesagt und geschrieben worden, weshalb ich mich hier mit einem Querverweis auf eine der ultimativen Twistsingles aus deutschen Landen begnüge.

Let’s Twist Again (7/10)
The Twist (6/10)

Crow - (Don’t Try To Lay No Boogie Woogie On The ) King Of Rock’n’Roll (1970, Single)


Ihren größten Hit „Evil Woman (Don’t Play Your Games With Me)" (1969; US # 19), den übrigens Black Sabbath für ihre Debutsingle coverten, verdankt diese Band aus Chicago vermutlich der Tatsache, daß ihr Label Amaret gegen den Willen der Bandmitglieder die für den Chicago-Sound typischen Bläsersätze dazumischte.

Die bläserfrei gehaltenen Nachfolgesingles „Cottage Cheese" (1970; US # 56) und (Don’t Try To Lay No Boogie Woogie On The ) King Of Rock’n’Roll (1970; US # 52) konnten allerdings an diesen Erfolg nicht anschließen, obwohl speziell letztere Single durchaus mehr Popularität verdient hätte, da sich Crow gekonnt zahlreicher Elemente von um 1970 den Rock stilprägendern Bands bedienten. So glaubt man bei „King Of Rock’n’Roll" Creedence Clearwater Revival zu hören, die sich in der Echokammer verlaufen haben und die Rückseite „Satisfied" klingt wie eine stark mit Orgel gewürzte Mischung aus Doobie Brothers und Steppenwolf.

Nach 2 relativ erfolgreichen Alben und Problemen mit Ihrem Label endete 1971 der kurze Höhenflug und somit auch die Karriere der Krähen.

King Of Rock’n’Roll (7/10)
Satisfied (7/10)

Spencer Davis Group – Keep on Running/I‘m A Man (1973, Single, Original Release 1966 bzw. 1967)


Es gibt wohl kaum einen Bericht über Laufveranstaltung wie etwa dem „Vienna City Marathon", bei der „Keep On Running" (1966; A # 11, D # 8, UK # 1, US # 78) nicht als Untermalung für die dazugehörigen Berichte verwendet wird, weshalb der über den Bekanntheitsgrad dieses Songs gegen 100 % gehen dürfte.

Ungerechterweise nicht so populär, aber umso besser ist das soulige „I’m A Man" (1967; A # 11, D # 17, UK # 9, US # 6), der letzten Single der Band mit Stevie Winwood, bevor er Traffic („Hole In My Shoe"; 1967; A # 14, D # 21, UK 2) gründete. Während andere britische Bands, die wie die Spencer Davis Group auch mit R & B angefangen haben, sich Anfang 1967 in den Irrgärten der Flower-Power-Bewegung verliefen, orientierten sich Spencer Davis und seine Mitstreiter weiterhin am „schwarzen" (ist dieser Ausdruck eigentlich noch politisch korrekt?) Sound und „I’m A Man" stellt puncto Arrangement und Groove sicherlich einen Höhepunkt des Blue-Eyed Soul dar und ist seiner Zeit sicherlich um etliches voraus.

Dieser Meinung dürften auch Chicago gewesen sein, die mit einer explosiven und percussiongeladenen Coverversion einen ihrer ersten großen Hits landeten (1970; A # 15, D # 10, UK # 7, 1971; US # 17)

Keep On Running (8/10)
I’m A Man (9/10)

Lynsey de Paul - Sugar Me (1972, Single)


Die 1,50 m kleine attraktive englische Sängerin und Songwriterin erregte in den 70ern nicht nur mit eingen von ihr verfaßten Hits wie etwa „Storm In A Teacup" (1972; UK # 7) für die Fortunes Aufsehen, sondern auch unter anderem die Aufmerksamkeit von Hollywoodstar James Coburn und Ringo Starr, denen sie das Leben versüßte. Das tat sie aber auch für den Rest der Welt mit ihrer passend betitelten und raffiniert arrangierten Debutsingle „Sugar Me" (1972; D # 16, UK # 5), auf der auch Synthesizerdrums eingesetzt wurden und nur an dem Gefidel einer völlig deplazierten Geige leidet. Von „Sugar Me" gibt es übrigens eine deutsche Version namens „Komm doch" von Alexandra Friedmann, die ich hoffentlich auch mal auftreiben kann. Auf der Rückseite findet sich übrigens eine nette Version des oben genannten „Storm In A Teacup" zum Besten, was ihr natürlich zusätzliche Tantiemeneinnahmen beschehrte.

Lynsey De Paul - No Honestly Diese Praxis wandte sie auch bei der B-Seite ihrer Single „No Honestly" (1974; UK # 7) an, wo sie das von ihr geschriebene „Dancing On A Saturday Night", das in der Originalversion von Barry Blue (1973, A # 2, D # 9, UK # 2) wie eine Mischung aus Glamrock und „Zorbas’s Dance" klingt, mittels relaxtem Tempo, jeder Menge Saxophon und leicht lasziver Stimme Engtanzpartykompatibel machte.

Letzter nennenswerter Erfolg war ihr Duett mit Mike Moran „Rock Bottom" (1977; A # 2, D # 4, UK # 19), mit dem sie beim Eurovisions-Songcontest den 2. Platz belegte und dieser Titel ist seither stellvertretend für den weiteren Verlauf ihrer Karriere.

Sugar Me (7/10)
Storm in A Teacup (6/10)
No Honestly (6/10)
Dancing On A Saturday Night (7/10)

Dr. Alban - It’s My Life (1992, Single)


Auch wenn es die meisten (noch) nicht zugeben werden, Dr. Alban’s Dance-Smash "It’s My Life" (1992; A # 1, D # 1, UK # 2 ) ist für viele das geheime Lieblingslied des Jahres 1992. Obwohl es sich hier auf den ersten Blick um 08/15 Eurodance-Schrott handelt, für den Schwedens Produzentenstar Denniz PoP, der unter anderem das enge Soundkorsett für die Backstreet Boys und 'N Sync maßgeschneidert hat, verantwortlich zeichnet, konnte ich mich spätestens nach dem 748. Mal hören der Magie von Dr. Albans Plädoyer für die Toleranz der persönlichen Freiheit nicht widerstehen, wobei der herrlich blubbernde Sequenzer sicher nicht ganz unbeteiligt war.

Dem singenden Zahnarzt und übrigens Onkel von Tic-Tac Toe-Drittel Ricky gelang übrigens das seltene Kunststück, zeitgleich sowohl mit der Originalversion als auch einer Remixversion namens „Ragga-Dagg-Mix" (1992; A # 2) in den österreichischen Charts vertreten zu sein.

Nach 1997 war von Dr. Albans musikalischen Doktorspielchen nicht mehr viel zu hören und er dürfte seither vermutlich statt in die Gehörgänge wieder in Zähnen bohren.

(7/10)

Clint Eastwood & General Saint – Stop That Train (1983, Single)


Der Name des legendären Schauspielers und Regisseurs Clint Eastwood geistert nun schon seit eingen Monaten dank des gleichnamigen Hits des vielfach überschätzten Blur-Seitenprojekts Gorillaz (2001;A # 2, D # 2, UK # 4 ) durch die internationalen Charts und die Musikpresse. Fast vergessen ist aber, daß „Dirty Harry" höchstpersönlich für das Westermusical „Paint Your Wagon", bei uns bekannt als „Westwärts zieht der Wind", den Song "I Talk To The Trees" zum Besten gab, das sich sogar in den britischen Charts plazieren konnte (1970; UK # 18), aber in puncto Popularität mit dem ebenfalls aus diesem Muscial stammenden "Wandrin’ Star" (1970, UK # 1) von Lee Marvin nicht ganz mithalten kann.

Der Name Clint Eastwood scheint ein weiteres mal in den Annalen des Pop auf, allerdings nur als Pseudonym des in London lebenden Jamaikaners Robert Bremmer, der sich seit den 70ern in England als Dancehall DJ von sich reden machte. Ab 1981 tat er sich mit DJ-Kollegen General Saint zusammen und die Beiden feierten mit ihren humorvollen Reggaesongs kurzfristige Erfolge als "Laurel und Hardy" des Reggae". Nach "Stop The Train" (1983; A # 8), das interessanterweise nur in Österreich in die Charts kletterte, konnten aber weder „Last Plane (One Way Ticket)" (1984; UK # 51) noch „Oh Carol" (1994; UK # 54) verhindern, daß das Duo am Abstellgleis der Musikgeschichte landete.

(8/10)

Ellis, Beggs & Howard - Big Bubbles, No Troubles (1988, Single)


Kajagoogoo waren 1983 hauptsächlich wegen ihres Sängers Limahl, der angeblich seine Haare mit Weichspüler pflegte und ihnen damit den außergewöhnlichen haarsträubenden Look verpaßte, eine der führenden Teeniebands und konnten in diesem Jahr mit „Too Shy" (1983; A # 3 , D # 1, UK # 1, US # 5), „Ooh To Be Ah" (1983; A # 17, D # 20, UK # 7) und „Hang On Now" (1983; D # 41, UK # 13, US # 78) drei Hits in den internationalen Charts unterbringen. Nach diesen 3 Singles trennte sich Limahl nach heftigen Streitereien von der Band und bescherte seinen Fans mit „Only For Love" (1983; A # 1, D # 8, UK # 16, 1985; US # 51) und „Never Ending Story" (1984; A # 1, D # 2, UK # 4, 1985; US # 17), dem Titelsong der gleichnamigen Michael Ende-Verfilmung, zwei überraschend erfolgreiche Solosingles, um bald darauf in der Versenkung zu verschwinden.

Bassist Nick Beggs übernahm bei Kajagoogoo sowohl die Führungsrolle als auch die Leadvocals und unter seiner Leitung konnte die Band mit „Big Apple" (1983; A # 10, D # 13, UK # 8), „The Lion’s Mouth" (1984; A # 24, D # 40, UK # 25) und „Turn Your Back On Me" (A # 7, D # 25, UK # 47) 3 weitere Hits verbuchen. Allerdings konnte er nicht verhindern, daß die Fans den Titel ihres letzten Hits zu wörtlich nahmen und der Band merklich den Rücken kehrten.

Nach einjähriger Schaffenspause und der Verkürzung des Bandnamens auf Kaja versuchten Nick Beggs & Co. mit „Shouldn’t Do That" (1985; UK # 63) an die früheren Erfolge anzuschließen. Auch hier war der Songtitel programmatisch und nach dem Flop dieser Single waren Kajagoogoo als auch Kaja (Pop)Geschichte.

Nach einer Phase der musikalischen Neuorientierung meldete sich 1988 Nick Beggs gemeinsam mit Keyboarder Simon Ellis und Sänger Austin Howard unter dem nicht sonderlich originellen Namen Ellis, Beggs & Howard mit dem souligen und auf prägnanten „blubbernden" Synthesizersounds basierenden Discosmash „Big Bubbles, No Troubles" (1988; D # 16, UK # 59, 1989; UK # 41) zurück. Interessanterweise war dieser Song ursprünglich als Rückseite konzipiert und ist stilistisch gänzlich unterschiedlich zu den anderen Titeln ihres Albums "Homelands", wo mitunter eine eher härtere Gangart eingeschlagen wurde, wie die Rückseite „Rock Me" beweist.

Spätestens nach der Nachfolgesingle „Where Did Tomorrow Go" (1988; D # 55) mußten Ellis, Beggs & Howard, erkennen, daß es für sie kein Morgen mehr gab.

(8/10)

Fine Young Cannibals - Ever Fallen In Love (1987, Single)


Knapp 2 Jahre, bevor sie mit „She Drives Me Crazy" (1989; A # 1, D # 2, UK # 5, US # 1) den Zenit ihrer Karriere erreichten, coverten sie für den Soundtrack des mittlerweile vergessenen Films „Something Wild" den Song „Ever Fallen In Love" (1987; D # 19, UK # 9) von den bei vielen Spät-78ern unvergessenen Punkrockern Buzzcocks (1978; UK # 12).

Diese von Talking Head Jerry Harrison mitproduzierte Single wurde zwar von vielen Punkpuristen abgelehnt, aber letztlich brachte sie die Buzzcocks und somit auch den britischen Punk der späten 70er einer neuen Hörerschicht nahe. In diesem Sinne sollte man einer noch so überflüssigen Coverversion, wobei die hier vorliegende sehr fein gelungen ist, einen gewissen popmissionarischen Grundgedanken zugutehalten.

(6/10)

Bill Haley & His Comets - Joey’s Song (1959, Single)


Bill Haley’s Versuch, mit dem schon für damalige Verhältnisse anachronistischem aber dennoch netten Instrumental „Joey’s Song" (1959; US # 46) an seine Erfolge als Geburtenhelfer des Rock’n’Rolls anzuschließen, konnte seinen Kometen auch nicht mehr zum glühen bringen.

(6/10)

Tommy James & The Shondells - Hanky Panky (1966, Single)


Tommy James, der bereits mit 9 Jahren seine erste Platte veröffentlichte, verdankt ähnlich wie Kyo Sakamoto seinen Erfolg einem umsichtigen amerikanischen Radio-DJ. 1963 nahm er mit den Shondells für ein kleines Label „Hanky Panky" auf. Dieser Song wurde übrigens vom kongenialem Songwriterduo Jeff Barry & Ellie Greenwich („Be My Baby", „Da Doo Run Run") in Ermangelung einer B-Seite für ihre eigene als Raindrops veröffentlichten Single „The Kind Of Boy You Won’t Forget" (1963; US # 17) in nur 20 Minuten geschrieben. Die Version der Shondells entwickelte sich in Illinois, Michigan und Indiana zu einem kleinen lokalen Hit, aber da sich dieser Erfolg nicht wirklich in barer Münze niederschlug, trennte sich Tommy von der Band und ging aufs College. Ende 1965 erreichte ihn der Anruf eines DJs aus Pittsburg/Pennsylvenia, der das mittlerweile über 2 Jahre alte „Hanky Panky" ausgegraben und im Radio gespielt hatte. Das alleine wäre nicht so weltbewegend gewesen, aber vielmehr war es die Tatsache, daß jemand den Song mitgeschnitten hatte und in der Folge rund 80.000 Schwarzpressungen in den örtlichen Plattenläden auftauchten und sich überraschend gut verkauften.

Kaum hatte er diese frohe Kunde vernommen, wollte Tommy umgehend die Shondells zusammentrommeln, um mit ihnen nach Pittburgh zu fliegen, was er letztlich aber allein tun mußte, da die Band keinerlei Interesse daran hatte. Notgedrungen rekrutierte er eine Pittsburgher Band namens Raconteurs, die sich zu diesem Zweck in Shondells umtauften und der Rest ist Geschichte.

„Hanky Panky" (1966; A # 5, D # 3, UK # 38, US # 1) war die Initialzündung zu einer bis 1970 dauernden Hitserie, die Klassiker wie „Mony Mony" (1968; A # 3, D # 3, UK # 1, US # 3) „I Think We’re Alone Now" (1967; US # 4) oder „Crimson & Clover" (1969, A # 1, D # 1, US # 1) umfaßte. Die über die Jahre hindurch ungebrochene Popularität dieser Songs führte fast zwangsläufig dazu, daß sie von anderen Interpreten gecovert wurden: Joan Jett versuchte sich an „Crimson & Clover" (1982; A # 12, D # 19, UK # 60, US # 7), Billy Idol landete mit seiner Liveversion von „Mony Mony" (1987; D # 38, UK # 7, US # 1) seinen größten Hit und auch das längst vergessene Popsternchen Tiffany konnte mit „I Think We’re Alone Now" (1987; D # 14, UK # 1, US # 1) am Zenit ihrer kurzen Karriere. Von „Hanky Panky" gibt es interessanterweise keine nenneswert erfolgreiche Coverversion und die von den Pick-Ups will ich nur so nebenbei anmerken.

Erwähnenswert ist aber auf alle Fälle das fulminante Surfinstrumental „Thunderbolt" auf der Rückseite von „Hanky Panky", daß diese Single zu einem Favoriten in jeder Jukebox machen

Hanky Panky (9/10)
Thunderbolt (7/10)

K.C. & The Sunshine Band - That’s The Way (I Like It) (Single, 1975)

Miami/Florida gilt nicht nur als Paradies für US-Pensionisten oder als einstige kriminalistische Spielwiese der Miami Vice-Cops Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, sondern war in den 70ern dank des von Harry Wayne Casey a.k.a K.C. und Richard Finch kreierten den „Miami Sound" neben Philadelphia eines der musikalischen Zentren der USA.

Bevor die beiden aber mit ihrer 1973 gegründeten Formation K.C. & The Sunshine Band durchstarteten und von ihrer ihrer explosiven Melange aus Motown, Funk, Latin und karibischen Klängen weltweit kolportierte 75 Millionen Tonträger absetzen konnten, verdienten sie sich bei ihrem Label TK Records ihre ersten studiotechnischen Sporen. Während K.C. sich von der Vertriebsabteilung bis ins Studio vorarbeitete, wo er auf zahlreichen Aufnahmen auf dem Keyboard mitspielte, lernte Finch das Produzieren von der Pike auf. Seine erste eigene Produktion war übrigens Last Tango In Paris von Antique, das ich bereits in diesem Theater präsentiert habe.

Bereits mit ihrer ersten Single „Blow Your Whistle" konnten sie in die US- R & B-Charts einsteigen, aber der kommerzielle Erfolg wollte sich aber zunächst nicht in den USA einstellen und war vorerst nur auf England limitiert, wo sich die Nachfolgesingles „Queen Of Clubs" (1974; UK # 7; 1975; US # 95) und „Sound Your Funky" (1974; UK # 17) zu veritablen Hits entwickelten.

Ihr erster wirklich großer Wurf war aber ihre Komposition „Rock Your Baby" (1974; A # 1, D # 1, UK # 1, US # 1), die nicht nur den bis dato unbekannten George McCrae aus dem Nichts zu einem der ersten großen Discostars katapultierte, sondern auch gleichzeitig US-Radiostationen auf die kompositorischen Talente von K.C. und Richard Finch aufmerksam machte, was letztlich zu verstärktem Airplay von Platten von K.C. & The Sunshine Band führte, was sich äußerst positiv bei den Verkäufen der Single „Get Down Tonight" (1975; UK # 21, US # 1 ) auswirkte. Dieser Hit entpuppte sich keineswegs als Eintagsfliege, denn K.C. & The Sunshine Band waren nicht eine der der zahl- und gesichtslosen Studioretorten-Discoformationen, sondern ein Kollektiv exzellenter Musiker, was sie auch bei ihren zahllosen Auftritten unter Beweise stellten, wo sich mitunter bis zu 11 Bandmitgliedern auf der Bühne tummelten, und hatten daher das Potential, sich bis Anfang der 80er mit Discoklassikern wie ihrem wohl populärsten Song „That’s The Way" (I Like It) (1975; D # 20, UK # 4, US # 1), "(Shake Shake Shake) Shake Your Booty (1976; D # 23, UK # 22, US # 1), „Keep It Comin’ Love" (1976; UK # 31, US # 2), „I’m Your Boogie Man" (1977; UK # 41, US # 1). Als Draufgabe gab es 3 Grammys, darunter einer für „Boogie Shoes" (1978; UK # 34, US # 41), ihr Beitrag zum John Travolta-Glockenhosenepos „Saturday Night Fever"

Neben den Erfolgen mit der Sunshine Band konnte K.C. auch im Duett mit Teri deSario mit überflüssigen Neuaufnahmen der Oldies „Yes I’m Ready" (1979; US # 2; Originalversion: Barbara Mason, 1965; US # 4) und „Dancin’ In The Streets" (1980; US # 66, Originalversion: Martha Reeves & The Vandellas, 1964; UK # 28, US # 2, 1969; D # 36, UK # 4) zwei weitere Hits auf seinem Konto verbuchen.

Während der Rest der Welt zu den Klängen von K.C. & The Sunshine Band abtanzte, wie es so schön im „Taxi Orange"-Neuspech heißt, ignorierte Österreich weitgehend deren Existenz. Einzig die für ihre Verhältnisse untypsiche Ballade „Please Don’t Go" (1979; A # 11, D # 20, UK # 3, US # 2) konnte sich hierzulande kurzfristig in den Charts plazieren. Erfolgreich waren dagegen die Coverversionen dieses Titels: Im deutschsprachigen Raum dominierte die Version des italienischen Danceproject Double You (1992, A # 2, D # 3, UK # 41). Aufgrund vertraglicher Probleme mit der Lizensierung des Songs außerhalb Europas nahm die britische Studioformation K.W.S. „Please Don’t Go" mit ähnlichem Arrangement kurzerhand nochmals auf und konnte damit nun auch in Amerika und England punkten (1992; D # 7, UK # 1, US # 6). Kurioserweise war K.W.S. Nachfolgesingle mit „Rock Your Baby" (1992; UK # 8) neuerlich eine Coverversion einer K.C./Finch-Komposition.

Mit dem Wechsel von TK Records zu Epic 1981 ging für K.C. & The Sunshine Band auch die Sonne des Erfolges unter und nach deren Auflösung startete K.C. eine Solokarriere. Einzige Ausbeute war „Give It Up (1983; D # 23, UK # 1, 1984; US # 18), das Epic allerdings in Amerika nicht veröffentlichen wollte und K.C. deshalb eine eigene Plattenfirma gründete, um auch seine Heimat an dem Partyknaller teilhaben zu lassen.

Nachdem weitere Hits ausblieben, zog sich K.C. ins Privatleben zurück und genoß die Früchte seines Erfolgs in Form der Songtantiemen. Dank der Verwendung von K.C. & The Sunshine Band in zahlreichen TV-Commercials wie etwa kürzlich der österreichische Möbelriese „Kika", der seine Werbung mit „That’s The Way" (I Like It) beschallte und der Inkludierung in einer Reihe von Soundtracks von „Space Jam" bis zu „Boogie Nights" ließen für K.C. als auch für Richard Finch die Kassa klingeln.

Auch als Samplequelle wurden K.C. & seine Mannen wiederentdeckt, so diente „Get Down Tonight" als Samplebasis für „Bamboogie" (1998; UK # 2), des englischen Danceacts Bamboo und das ist sicherlich nicht das letzte Mal, daß sich jemand aus dem reichen musikalischen Fundus von K.C. & The Sunshine Band bedienen.

(8/10)

Paul Mauriat & His Orchestra - Love Is Blue (L’amour est bleu) (1968, Single)


Wie zahlreiche seiner Kollegen veröffentlichte der französische Orchesterchef Paul Mauriat in den späten 60er Jahren Alben mit orchestralen Verwässerungen gerade aktueller Hits. Eines davon war das Ende 1967 erschienene "Blooming Hits," wo er ganz dem Plattentitel entsprechend Flower-Power-Ära-Klassiker wie „Penny Lane", Somethin’ Stupid" oder „Puppet On A String" neu einspielte.

Für die Single wurde allerdings keiner dieser Titel ausgekoppelt, sondern „Love Is Blue", eine Coverversion von Vicky Leandros’ „L’Amour est bleu" (1967; A # 18, D # 27), mit dem sie beim Eurovisions-Songcontest 1967 den 4. Platz erreichte.

Entgegen allen Erwartungen entwickelte sich „Love Is Blue" zu einem Welthit (1968; A # 19, D # 32, UK # 12, US # 1). Speziell in den USA konnte Mauriat erstaunliche Erfolge feiern. Nicht nur, daß es der erste Instrumentalhit seit „Telstar" von den Tornadoes (1962; A # 10, D # 6, UK # 1, US # 1) war, der es an die Spitze der US-Charts schaffte, war nicht nur die Single, sondern auch das dazugehörige Album „Blooming Hits" für 5 Wochen die Nummer 1 und konnte sogar legendäre LPs wie Bob Dylan's „John Wesley Harding", "Magical Mystery Tour" von den Beatles oder „Axis:Bold As Love" von Jimi Hendrix auf die Plätze verweisen.

Der Grund, warum „Love Is Blue" dort dermaßen erfolgreich war, dürfte vermutlich Mauriats aus Chembalo, Harfe, schwermütiger Oboe, satten Bläsersätzen und üppigen Streichern arrangierter Wall Of Sound sein, die eine Verwandtschaft mit dem Genre des Baroque-Pop, dessen bekanntester Vertreter Left Banke mit „Walk Away Renee" (1966; US # 5) waren, nicht leugnen kann. Deshalb dürften sich auch nicht nur ältere Popverweigerer, sondern auch Blumenkinder die Single zugelegt haben.

Wie bei vielen Instrumentalhits ließen Vokalversionen nicht lange auf sich warten und so waren beispielsweise Crooner Al Martino (1968; US # 54) als auch die amerikanische Soulformation Dells (1969; UK # 15, US # 14) erfolgreich. Letztere coverten aber nicht nur einfach den Song, sondern packten ihn in das Medley „I Can Sing A Rainbow - Love Is Blue".

Erwähnt sollte auch die mißlungene Semi-Instrumentalversion des britischen Gitarrengotts Jeff Beck (1968; UK # 23) werden, die an den völlig deplazierten und untalentierten Backgroundsängerinnen scheitert.

Neben seiner Arbeit als Orchesterchef war er auch als Songwriter erfolgreich: Von ihm stammt beispielsweise „Chariot", ursprünglich ein französisch und später auch in deutsch (deutsche Version „Cheerio"; 1963; A # 6, D # 6, UK # 39) gesungener Hit für Petula Clark , der erst in der englischen Version von Little Peggy March namens „I Will Follow Him" (1963; A # 6, D # 6, US # 1) ein Klassiker wurde.

Auch wenn der Erfolg in den Singlecharts ein kurzfristiger war, wie die Plazierungen von „Love In Every Room" (1968; US # 60) und „Chitty Chitty Bang Bang" (1969; US # 76) beweisen, verbuchte Paul Mauriat bis in die 80er mit seinen Alben weltweit erstaunliche Umsätze.

(6/10)

Johnny Nash - Rock Me Baby (1985, Single)


Von Kindheit an gospelgeschult wurde der farbige Texaner Johnny Nash mit 13 Jahren entdeckt und konnte bereits als siebzehnjähriger mit „A Very Special Love" (1958; US # 46) seinen ersten Hit verbuchen. Es sollte aber noch 10 Jahre dauern, bis er mit „Hold Me Tight" (1968; A # 17, D # 22, UK # 5, US # 4) nicht nur sich selbst, sondern auch dem Reggae zum weltweiten Durchbruch verhalf und als Draufgabe auch mit „Stir It Up" (1972; UK # 13, 1973; US # 11) einen Bob Marley-Song popularisierte.

Nach einer Reihe von Klassikern wie „I Can See Clearly Now" (1972; A # 10, UK # 5, US # 1), das von Jimmy Cliff (1994; D # 52, UK # 23, US # 18) für den Film „Cool Runnings" gecovert wurde und „Tears On My Pillow" (1975; D # 28, UK # 1), eine Coverversion eines Doo-Wop-Klassikers von Little Anthony & The Imperials (1958; US # 4), konnte sich der doch eher polierte und manchmal weichgespülte Reggae von Nash gegen den authentischen Roots Reggae von Bob Marley, Peter Tosh & Co. nicht mehr durchsetzen.

Mit dem Ende 1985 veröffentlichten L’amourhatscher „Rock Me Baby" (1985; UK # 47, 1986; A # 8, D # 9), ohne den seither kaum eine Engtanzparty oder die Kuscheleckenphase einer langen Provinzdisconacht auskommt, schaffte er zumindest im deutschsprachigen Raum ein kurzfristiges Comeback.

(6/10)

Olivia Newton-John – Magic (1980, Single)


Nachdem Olivia Newton-John’s Filmkarriere dank des Fake-50er-Filmmusicals "Grease" (1978), in dem sie neben dem pomadengetränkten John Travolta agierte und gemeinsam mit ihm die unverständlich erfolgreichen Songs „You’re The One That I Want" (1978, A # 2 , D # 1, UK # 1, US # 1; 1998; UK # 4) und „Summer Nights" (1978, A # 1, D # 4, UK # 1, US # 4) trällerte, ihren Höhepunkt erreicht hatte, versuchte mit dem Epos "Xanadu" an diesen Erfolg anzuschließen. Allerdings entwickelte sich der Film Xanadu zum kommerziellen Waterloo, aber der dazugehörige Soundtrack, den sich Olivia mit dem Electric Light Orchestra teilte, zu einer der meistverkauftesten Platten des Jahres 1980.

Hauptverantwortlich dafür waren nicht nur der millionenfach verkaufte Titelsong (1980; A # 1, D # 1, UK # 1, US # 4), „Suddenly", ihr Duett mit Cliff Richard (1980; UK # 15, US # 19) und die ELO-Klassiker "I’m Alive" (1980; A # 7; D # 16, UK # 20, US # 14) und "All Over The World" (1980; A # 8, D # 27, UK # 11, US # 8), sondern auch das mittlerweile fast vergessene "Magic" (1980, A # 6, D # 36, UK # 32, US # 1).

Der Titel ist überaus passend, denn der Song strahlt tatsächlich Magie aus, allerdings nicht durch Olivias in Echo gebettete, stellenweise fast engelhafte Stimme aus, die perfekt zu dem von Schutzengeln handelnden Text paßt, sondern auch das nahezu perfekte Soundkorsett oder vielmehr Soundneglige, das ihr Produzenten John Farrar, vormals Bassist der legendären britischen Gitarrrencombo Shadows, verpaßte und das er unter anderem bei Olivias wohl populärsten Hit „Physical" (1981; A # 4, D # 4, UK # 7, US # 1) perfektionierte.

Etwas Magie scheint auch beim Film „Xanadu" mit im Spiel gewesen sein, wenn auch schwarze Magie, denn keiner der neben Olivia Mitwirkenden, darunter der einstige Tanzstar Gene Kelly, mit dem sie auf der Rückseite von „Magic" ein belangloses, im Stil der 40er gehaltenen Duett singt, wurde danach jemals wieder auf der Leinwand gesehen.

(7/10)

Noarrndattln - Sepperl (1982, Single)


Vor rund 20 Jahren bildeten neben einer Vielzahl anderer musikalischen Strömungen vor allem New Wave und die Neue Deutsche Welle den Humus, auf dem sich der Austropop der frühen 80er prächtig entwickelte und diese Saat ging sogar in dem an einigermaßen guten Band eher unterversorgten Burgenland in Form der Noarrndattln auf. Diese Formation, deren Namen sich für alle Nichtostösterreicher am einfachsten mit „Narren" übersetzen läßt, kreierte mit ihrer Mischung aus Dialekt und New Wave so etwas wie die „Neue Burgenländische Welle".

Bei „Sepperl", laut Duden eine Koseform für Josef, geht es nicht um eine konkrete Person, sondern hier steht der Name als Synonym für den „Vogel" bzw. Spleen, den jeder von uns mehr oder weniger in sich hat. Zur besseren Veranschaulichung hat man die Rache eines betrogenen Kanalarbeiters, der die Früchte seiner Arbeit über den Schauplatz des Ehebruches gießt und eine suizidgefährdete und alkoholkranke einstige Dame der Gesellschaft zwei eher mäßig unterhaltsame Beispiele in den Text eingebunden.

Trotz oder wegen des nicht wirklich anspruchsvollen musikalischen und textlichem Niveau reichte es zumindest für überregionale Bekanntheit und Powerplay auf Radio Burgenland, was allerdings nicht verhindern konnte, daß die Noarrndatteln keinerlei nachhaltigen Einfluß auf die österreichische Musiklandschaft machen konnten.

(5/10)

Gary Numan - Cars (1979, Single)


Nach ihrem gefloppten Debutalbum tauschte die ursprünglich als Punkband rekrutierte Tubeway Army die Gitarren dem damaligen Zeitgeist entsprechend gegen Synthesizer aus, was mit der Hitsingle „Are Friends Electric" (1979; A # 12, D # 23, UK # 1, US # 99) belohnt wurde. Ab diesem Erfolg lief die Tubeway Army nur mehr unter dem Namen ihres Oberbefehlshabers, Songwriters und Sängers Gary Numan. Obwohl viele seiner Songs nicht wirklich kompositorische Glanzlichter sind, die Musik stellenweise seelenloser als Kraftwerk wirkt und sein gesangliches Talent eher im Verborgenen liegt konnte er bis heute nicht weniger als 36 Singles in den UK-Charts plazieren.

Daran hat der zeitlose Synthiepopklassiker „Cars" (D # 40, 1979: UK # 1, US # 5) einen nicht unbeträchtlichen Anteil, denn neben der Originalversion kam der Titel gleich 3 weitere Male in ebensovielen Remixes in die britischen Charts (1987; UK # 16, 1993; UK # 53, 1996; UK # 17).

Auch als Samplequelle wurde „Cars" wiederentdeckt wie beispielsweise bei Armand van Helden’s Hit "Koochy" (2000, UK # 4) und damit Gary Numan kurzfristig wieder ins Rampenlicht gerückt, was ihm mit seinen eigenen aktuellen eher mäßig spannenden Plattenveröffentlichungen allerdings nicht gelingt und daran dürfte sich angesichts seiner ins schon lange Stocken geratenen Kreativität wohl nichts ändern.

(8/10)

O’Jays - Love Train (1973, Single)
O’Jays - For The Love Of The Money (1974, Single)


Die 1958 ursprünglich als Triumphs gegründeten und im Laufe der Zeit vom Quintett zum Trio geschrumpften O’Jays erregten ab Anfang der 60er mit ihren Singles „Lonley Drifter" (1963; US # 93), „Lipstick Traces (On A Cigarette) (1965; US # 59) und "I'll Be Sweeter Tomorrow (Than I Was Today)" (1967, US # 35) nicht nur das Interesse der Soulfans, sondern auch das vom legendären Producer Phil Spector, der sie einlud, unter anderem bei Songs der Crystals („Da Doo Ron Ron"; 1963; D # 22, UK # 5, US #3) oder der Ronettes („Be My Baby; 1963; UK # 4, US # 2) im Background zu singen.

Ab 1968 arbeiteten sie anfangs eher erfolglos unter der Regie des Produzentenduos Kenny Gamble und Leon Huff, bis die beiden die Erfolgsformel für den Phillysound gefunden hatten und die O’Jays mit „Back Stabbers" (1972; UK # 14, US # 2) einen der ersten großen Hits dieses Genres verbuchen konnten. Mit der Friedenshymne „Love Train" (1973; UK # 9, US # 1) etablierten sich als eines der wichtigsten Aushängeschilder des Phillysounds.

Ihre sicherlich interessanteste Arbeit war 1974 das sozialkritische Konzeptalbum „Ship Ahoy", auf dem sie sich unter anderem eingehend mit der Verschleppung afrikanischer Sklaven nach Amerika beschäftigten und dessen Titeltrack sicherlich vielen Soulfans und U4-Besuchern wohlbekannt sein sollte. Herausragend auf dieser LP ist zweifellos das als Single ausgekoppelte und oftmals gesamplete „For The Love Of The Money" (1974, US # 7), das dank der prägnanten Bassline und zahlreichen für die damalige Zeit sensationellen Soundeffekten als eines der besten Produktionen aus dem Hause Gamble/Huff gilt. Mit Einsetzen der Discowelle ließ der Erfolg der O’Jays merklich nach und nach „Use Ta Be My Girl" (1978; UK # 12, US # 3) war nicht nur der „Love Train" sondern auch deren Erfolgszug abgefahren.

Im Gegensatz zu anderen längst vergessen Bands aus Philadelphia sind die O’Jays aber immer noch aktiv und nehmen nicht nur laufend, wenn auch erfolglos Platten auf, sondern touren auch durch die USA, oftmals gemeinsam mit Gerald und Sean Levert, den beiden Söhnen von O’Jays-Leadsänger Eddie Levert, die als Levert mit „Casanova" (1987; D # 10, UK # 9; US # 5) ihren bislang einzigen Hit landen konnten.

Love Train (7/10)
For The Love Of The Money (9/10)

Ohio Express - Pinch Me (1969, Single)


Ende der 60er kreierten die beiden amerikanischen Produzenten Jerry Kasenetz und Jeff Katz das Genre des Bubblegumpops und konnten mit ihren musikalisch meist wertlosen erstaunliche Erfolge erzielen. Neben ihren großteils auf den Teeniemarkt zugeschnittenen Platten veröffentlichten die beiden unter dem Pseudonym Cpt. Groovy & His Bubblegum Army die gleichnamige Single „Cpt. Groovy & His Bubblegum Army" (1969; US # 128), deren psychedelische Rückseite „Dark Part Of My Mind - Part 1" mit tonnenschweren Fuzzgitarren und drogengetränkten Lyrics vermutlich die wahre (dunkle) Seite des Produzentenduos zeigt.

Neben der 1910 Fruitgum Company („Simon Says"; 1968; A # 2, D # 6, UK 2, US # 2) und Crazy Elephant (Gimme Gimme Good Lovin’ (1969, A # 6; D # 22, UK # 12, US # 12) waren Ohio Express die erfolgreichsten Aushängeschilder aus dem Hause Kasanetz/Katz. Im Gegensatz zu den genannten Bands konnten sie aber bereits mit „Beg, Borrow And Steal" (1967; US # 29) und „Try It" (1967; US # 83) zwei Charthits vorweisen, bevor sie das Produztentenduo unter seine Fittiche nahm und für sie Hits wie„Yummy Yummy Yummy" (1968; A # 2, D # 3, UK # 5, US # 4), „Down At Lulu’s (1968; D # 20, US # 33), Chewy Chewy (1968; A # 18, D # 7,US # 15), „Sweeter Than Sugar" (1969; D # 16, US # 96) und Mercy (1968, A # 17, D # 14, US # 30) maßschneiderte.

Wie viele der Bubblegum-Formationen waren auch Ohio Express eine Studiocombo mit wechselnden Musikern, wo auch mitunter Mitglieder des Produktionsteams mitwirkten. Während auf ihren ersten 7 Singles Joey Levine, der hauptberuflich bei dem zum Kasenetz/Katz-Imperium gehörenden Label Buddah arbeitete, mit seiner nahezu grotesk nasalen Stimme den Vokalpart übernommen hatte, sind auf den restlichen Ohio Express-Veröffentlichungen verschiedene Sänger zu hören, wie beispielsweise kein geringerer als das spätere 10cc-Mitglied Graham Gouldman auf „Sausalito (Is the Place To Go)" (1969, US # 86)

Für „Pinch Me (Baby Convince Me) (1969; US # 99), neben „Zwickt’s mi" von Wolfgang Ambros (1975; A # 1) vermutlich der einzige Song zum Thema Zwicken, wurde unüberhörbar „Everyday People" von Sly & The Family Stone (1969; UK # 36, US # 1) als Vorlage genommen, wobei vor allem das Intro 1:1 abgekupfert wurde. Das nutzte letztlich aber gar nichts, denn mageren Erfolgen mit „Cowboy Convention" (1970; A # 14, US # 101) und „Hot Dog" (1970; A # 13) war der Zug für den Ohio Express endgültig abgefahren.

(5/10)

Klaus Prünster – Blabblabb (1983, Single)


Eine der wichtigsten technischen Innovationen für die Popmusik war Ende der 70er der legendäre Fairlight Computer-Synthesizer, mit dem es erstmals möglich war, Klänge aller Art zu samplen und je nach Geschmack zu bearbeiten. Als erste experimentierten damit hierzulande die beiden österreichischen Elektronik-Pioniere Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader, ihres Zeichens Gründer der Rock-Elektronikformation Eela Craig, die mit der Rockmesse „Missa Universalis" (1978) im deutschsprachigen Raum erstaunliche Verkäufe verzeichneten.

Ein Auftritt der beiden in Vorarlberg und insbesondere die musikalischen Möglichkeiten des Fairlight-Computer-Synthesizers begeisterten den Musiklehrer Klaus Prünster dermaßen, daß er sich vom Ländle nach Oberösterreich versetzen ließ, um in der Nähe des Bogner/Zuschrader-Studios namens „Elekronisches Försterhaus" sein zu können.

Dort bastelte das Trio Prünsters aufsehenerregenden Debuthit "Wunderwelt" (1982, A # 2), dessen Samples sich großteils auf das Zusammenschlagen von Steinen beschränkten. In der Urzeit des Samplens war es eben noch nicht Usus, von anderen Platten zu klauen, sondern nach Möglichkeit selbst irgendwelche Sounds zu produzieren oder nach Klängen aus der Natur zu suchen, weshalb der Fairlight auch als „Erdenklang-Computer bezeichnet wurde. Waren es also bei „Wunderwelt" noch Steine, steigerte sich Prünster bei der Nachfolgesingle "Liebe mich so wie ich bin" (1982, A # 8) auf Cognacgläser und bei "Blabblabb" (1983; A # 25) schließlich auf Kindergebrabbel.

Nach einer 2-jährigen schöpferischen Pause meldete er sich Ende 1985 mit sozialkritischen "Planet # 1" zurück, das mit der ersten Songzeile „ 9 Out Of 10 Kiss The Asses Of Heroes" zwar Aufsehen erregte, jedoch aber nicht genug, um einen bleibenden Eindruck in den österreichischen Charts zu hinterlassen.

Etwas besser verkaufte sich sein bislang letzter Hit "Flieg mit mir zu den Sternen" (1987; A # 16), aber letztlich blieben die Sterne des Erfolgs unerreichbar und aus einem karrieretechnischen Höhenflug wurde es nichts.

Zuletzt trat Klaus Prünster wie viele andere einst in den 80ern erfolgreiche und mittlerweile fast vergessene Musikerkollegen als Soundtrackkomponist in Erscheinung und lieferte die musikalische Untermalung zu dem exotischen Ärzte-Epos „Klinik unter Palmen", was zweifellos nicht wirklich als ein Höhepunkt in seiner Karriere angesehen werden kann.

(6/10)

Rattles - Come On And Sing (1966, Single)


Eines der wenigen schlagkräftigen Argumente, die Deutschland den Beatles entgegensetzen konnte, waren die Rattles aus Hamburg. Dort waren sie naheliegenderweise Stars im legendenumworbenden Star-Club und entwickelten eine unglaubliche Popularität im deutschen Sprachraum , daß sogar ein Beatfilmchen namens „Hurra, die Rattles kommen" produziert wurde, aus dem „Come On And Sing" stammt. Es scheint nur auf den deutschen Patriotismus zurückzuführen zu sein, daß sich dieser drittklassige Beatlschlager zumindest in Deutschland zu einem annehmbaren Hit entwickelte (1966; D # 11). Interessanter und gelungener dagegen die Rückseite „Candy To Me", bei dem es sich um eine Coverversion eines der wenigen Solohits von Motown-Songwriters Eddie Holland handelt (1964; US # 67).

Erwähnenswert sicherlich auch die Tatsache, daß wie so oft in der Rockmusik der Militärdienst die Karrieren der einzelnen Musiker der Rattles unterbrach bzw. beendete und so kam es, das zum Zeitpunkt ihres größten internationalen Erfolges "The Witch" (1970; A # 20, D # 4, UK # 8, US 69) kein Originalmitglied mehr bei der Band war.

Come On And Sing (4/10)
Candy To Me (5/10)

Simple Minds – Don’t You (Forget About Me) (1985, Single)


„Kann man eine Frau lieben, deren Lieblingsband die Simple Minds hört?"

Diese Frage auf dem Klappentext von Nick Hornby’s Bestseller ist oberflächlich betrachtet durchaus legitim, denn die Simple Minds waren nie eine Band, die durch Coolness beeindruckte oder deren T-Shirts man stolz trug. Dennoch waren sie in den 80ern und 90ern eine durchaus nicht zu unterschätzende Größe in der englischen Musikszene.

Nach einigen kleineren Hits in England und jahrelangem Touren gelang der Band um Sänger und Simple Minds-Mastermind Jim Kerr dank der Verwendung ihres Songs „Don’t You (Forget About Me)" (1985; A # 7, D # 4, UK # 7, US # 1) in dem Highschoolfilm „The Breakfast Club", mit dem Molly Ringwald („Pretty In Pink"), Judd Nelson („Susan") und Emilio Estevez („Young Guns") ihre Karriere starteten, der weltweite Durchbruch und gleichzeitig einer der besten Popsongs der 80er.

Der Rest ist Musikgeschichte und der Erfolgslauf der Band endete mit dem Flop der Single „Glitterball" (1998; UK # 18) als auch dem dazugehörigem Album „Neopolis", das die Band künstlerisch als auch kommerziell ins Niemandsland beförderte.

(8/10)

Slade - Get Down And Get With It (1971, Single)


Rund ein halbes Jahr, bevor „Coz I Luv You" (1971; A # 6, D # 9, UK # 1) Slades eindrucksvolle Hitserie einleitete, die alleine in England bis 1976 17 Top 20 Hits, darunter 6 Nr. 1 Hits umfaßte, kletterten sie mit der im bewährten Mitklatsch- und Mitstampfrhythmus gehaltenen und für 1971 eher anachronistischen Little Richard-Coverversion „Get Down And Get With It" (1971; D # 34, UK # 16) erstmals in die Charts. Interessant sicherlich auch die für Slade-Verhältnisse komplexe Rückseite „Gospel According To Rasputin".

Produziert hat beide Tracks übrigens Ex-Animals Bassist Chas Chandler, der auch für Jimi Hendrix Durchbruch verantwortlich war.

Auf dem Cover wirken Slade eher wie Arbeiter in einem Gemüsegroßmarkt, die auf ihre Lohntüten warten, aber das Outfit sollte sich bald ändern, wurden sie doch kurz darauf mit aus heutiger Sicht lächerlichen Kostüme und Frisuren eines der Aushängeschilder des Glamrock.

Get Down And Get With It (7/10)
Gospel According To Rasputin (6/10)

Kyo Sakamoto - Sukiyaki (1962)


Ende 1962 hörte Louis Benjamin, Chef des britischen Plattenlabels Pye, das unter anderem die Kinks beherbergte, anläßlich eines Japanaufenthalts „Ue O Muite Aruko" von Kyo Sakamoto. Überzeugt von der Qualität des Titels importierte er ihn mit nach England , wo ihn die Dixielandformation Kenny Ball & The Jazzmen aufnehmen sollte. Natürlich konnte außerhalb Japans kaum jemand mit dem Originaltitel etwas anfangen und daher benannte er ihn nach einem seiner liebsten japanischen Gerichte „Sukiyaki". Diese Vorgangsweise machte sich bezahlt, denn tatsächlich konnten Kenny Ball & His Jazzmen mit diesem Titel in den britischen Charts punkten (1963, UK # 10). Angeregt von dieser Version begann ein amerikanischer DJ Kyo Sakamoto’s Original zu spielen und schon bald konnte ganz Amerika und in der Folge der Rest der Welt der Kombination aus Noveltyeffekt und Exotik der japanischen Sprache nicht wiederstehen. Der Erfolg von „Sukiyaki" (1963; D # 2, UK # 6,US # 1) brachte mit sich, daß die deutschen Plattenschmieden auch am Sukiyaki-Kuchen mitnaschen wollten und mit den Blue Diamonds (1963, A # 10, D # 2) eine deutsche Version auf den Markt brachten, die mit den unsterblichen Worten „Beim Suki-Suki-Yaki in Naga-Naga-Saki" eingeleitet wurde.

Kyo Sakamoto genoß zwar in Japan einige Popularität, konnte aber seinen Welterfolg nicht wiederholen und kam erst 1985 wieder in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, das er eines der 520 Todesopfer war, die ein Flugzeugabsturzes in Japan forderte.

(7/10)

Hurricane Smith - Don’t Let It Die (1971, Single)


Seit den 50ern arbeitete Norman Smith als Tontechniker in den legendären Abbey Road Studios und saß beispielsweise bei den Beatles-Alben „Rubber Soul" (1965) und Revolver (1966) an den Reglern. Gelegentlich durfte er auch höchstpersönlich die Produktion leiten wie etwa bei den frühen Album von Pink Floyd.

Während einer dieser Aufnahmesessions, die oftmals unterbrochen werden mußten, da die Bandmitglieder dem Geist des „Summer Of Love" und den dazugehörigen Begleiterscheinungen zu sehr fröhnten, um es mal vornehm auszurücken, nutzte Smith, der wie fast alle Produzenten davon träumte, selber Popstar zu werden, die verbliebene Studiozeit, um an eigenem Material zu basteln und nahm unter anderem den Song „Don’t Let It Die" auf. Ursprünglich wollte er den Song keinem geringeren als John Lennon anbieten, aber Produzentenkollege Mickie Most, der unter anderem Donovan und die Animals betreute, ermutigte Smith dazu, den Titel selbst aufzunehmen.

Daraufhin nannte sich Norman Smith nach der Titelfigur des heute längst vergessenen Films „Hurricane Smith" und feierte im zarten Alter von 48 Jahren mit dem von einem elektronischen Piano, üppigen Streichern und und vor allem seiner krächzenden Stimme dominierten „Don’t Let It Die" (1971; D # 33, UK # 2) seinen Debuthit.

Als noch erfolgreicher erwies sich die im Stile der 40er Jahre arrangierte Nachfolgesingle „Oh Baby, What Would You Say" (1972; UK # 4, US # 3), die ihm vor allem in den USA einige wenn auch kurzfristige Popularität bescherte.

Der Titel seiner nächsten Single „Who Was It" (1972; UK # 23, US # 49), von der er auch eine deutsche Version mit dem überraschenden Titel „Wer war es" aufnahm, war symptomatisch für den weiteren Verlauf seiner Karriere, denn so rasch Hurricane Smith in den Charts war, so schnell wurde aus dem Hurrikan ein laues Lüfterl und schon bald konnte sich niemand mehr an den Interpreten von „Don’t Let It Die" und „Oh Baby, What Would You Say" erinnern.

(7/10)

T. Rex – Laser Love (1976, Single)


Mitte der 70er Jahre schien es, als würde Marc Bolan und seine Formation T. Rex, die mit Klassikern wie "Hot Love" (1971, A # 1, D # 3, UK # 1, "Get It On" (1971; A # 5, D # 3, UK # 1, 1972; US # 10) oder "Children Of The Revolution (1972; A # 1, D # 4, UK # 2) den Glamrock entscheident mitprägten, von der Discowelle hinweggespült werden. Zusätzlich waren seine treuesten Fans reifer und anspruchsvoller geworden und hatten sich an den nach dem ewig gleichem Strickmuster fabrizierten Rocksongs sattgehört. Dementsprechend plazierten sich die Singles, falls sie es überhaupt in die UK-Charts schafften, dort nur mehr in mittleren bis hinteren Positionen, außerhalb Englands war die einstige „Rextase" gänzlich verebbt.

Neben seiner schwindenden Popularität hatte Bolan aber auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen, so ließ er sich in dem für ihn turbulenten Jahr 1975 nicht nur scheiden, sondern löste auch T. Rex auf und erlitt als Draufgabe noch einen Herzanfall.

Wieder genesen meldete er ein Jahr später mit dem für seine Verhältnisse eher mäßigen „I Love To Boogie" (1976; UK # 13) zurück. Eine ähnlich hohe Chartsplazierung konnte die um einges gelungeren Nachfolgesingle "Laser Love" (1976; UK # 41), die frappant an Elton Johns „Saturday Night’s Alright For Fighting" (1973; D # 44, UK # 7, US # 8) erinnert, leider nicht erreichen. Dabei konnte diese Single mit dem akustischen „Life’s An Elevator" eine exzellente Rückseite vorweisen.

Als sich "The Soul Of My Suit" (1977; UK # 42) auch mäßig verkaufte und „Dandy In The Underworld" als auch „Celebrate Summer", bei dem schon deutlich Punkeinflüsse hörbar waren, völlig floppten, wandte er sich anderen Gebieten zu wie dem Schreiben von Artikeln für die britische Musikpostille „Record Mirror", dem Moderieren einer eigenen wöchentlichen TV-Show, die originellerweise „Marc" betitelt war und produzierte einige Platten seiner Freundin Gloria Jones, von der übrigens das Original des Soft Cell-Klassikers „Tainted Love" (1981; A # 1, D # 1, UK # 1, 1982; US # 8, 1991; UK # 5) stammt. Es war Bolan allerdings nicht vergönnt, diese Tätigkeiten lange auszuführen, denn in den Morgenstunden des 16. August 1977 starb er bei einem Verkehrsunfall.

Auch noch fast 25 Jahre nach seinem frühen Tod ist Marc Bolan immer noch eine Kultfigur, die hauptsächlich wegen seiner vor 1970 mit Tyrannosaurus Rex aufgenommenen Platten bei Fans und Kritikern einen hohen Stellenwert genießt und alle paar Jahre ein Revival erlebt. Es wäre zu wünschen, wenn beim nächsten Mal „Laser Love" und „Life’s An Elevator" auch die Aufmerksamkeit erhalten würden, die diesen Songs zweifellos zusteht..

Laser Love (7/10)
Life’s An Elevator (8/10)

R. Dean Taylor - Ain’t It A Sad Thing (1971, Single)
R. Dean Taylor - There’s A Ghost In My House/Let’s Go Somewhere (1974, Single)
R. Dean Taylor - Window Shopping (1974, Single)


1965 wurde Brian Holland, seines Zeichens ein Drittel des den Motownsound prägenden Produzenten- und Songwritertrios Holland/Dozier/Holland, auf die kompositorischen Talente des Kanadiers Roger Dean Taylor, der seit Anfang der 60er einige Rock’n’Roll und Countrysingles veröffentlicht hatte, aufmerksam und nahm ihn als einen der ersten weißen Mitarbeiter in das Motown Produktionsteam auf.

Taylors Songs unterschieden sich von den für Motown üblichen meist klischeehaften Liebesliedern dadurch, daß er Themen wie soziale Probleme oder gesellschaftliche Außenseiter aufgriff, dabei aber zahlreiche Klischees strapazierte. Beste Beispiele sind die beiden Diana Ross & The Supremes-Ghettoschilderungen „Love Child" (1968; UK # 15, US # 1) und „I’m Livin’ In Shame" (1969; UK # 14, US # 10), die nicht gerade Aushängeschilder für Street Credibility darstellen.

Neben diesen Titeln leistete er auch seinen Beitrag zu Klassikern wie „Standing In The Shadows Of Love" (1966; D # 29, UK # 6, US # 2) von den Four Tops oder „Love Is Here And Now You’re Gone (1967; UK # 17, US # 1) von Diana Ross & The Supremes, scheint allerdings nicht unter den Songwritercredits auf. Den alleinigen Songwriterruhm und somit die Tantiemen streiften Holland/Dozier/Holland ein, die Taylor statt mit Tantiemenanteilen mit Cash abspeisten. Diese Praxis scheint angesichts der hunderten Songs, die das Trio zwischen 1963 und 1967 geschrieben haben soll, auch bei anderen Motownsongwritern des öfteren angewandt worden zu sein.

Offenbar als Ausgleich zu den entgangenen Einkünften durfte er ab 1965 auf Motown bzw. ab 1970 auf dem weißen Acts vorbehaltenen Motown-Sub-Label Rare Earth einige Singles veröffentlichen. Erste erfolglose Versuche waren „Let’s Go Somewhere" (1965) und „There’s A Ghost In My House" (1966), die trotz tatkräftiger Mithilfe von Holland/Dozier/Holland gnadenlos floppten. Der Grund dafür lag sicher darin, daß die beiden Songs eher maßgescheidert für Marvin Gaye bzw. den Four Tops zu sein schienen als für Taylor, der hier weitgehend deplaziert wirkt. Bei diesen beiden Titeln zeigt sich allerdings deutlich der Quantensprung, der sich im Motownsound zwischen 1965 und 1966 vollzogen hatte:

„Let’s Go Somewhere" ist ein typischer früher flotter Motown-Uptempo-Song mit einer Überdosierung an Tambourin und obligatem Saxophonsolo, bei dem offenbar versucht wurde, Taylor als Motowns Antwort auf Bob Dylan zu positionieren.

Inhaltlich geht es nicht nur um gesellschaftliche Außenseiter („As I’m Walking Down The Street/The People Stop And Stare At Me/They Think I’m Different And They Wanna See/Why Don’t They Let Me Be"), was eigentlich ein Thema ist, das man eher bei Garagenbands als auf Soulplatten erwarten würde, sondern auch um die Diskriminierung gemischtrassiger Beziehungen. Letzteres wird hier speziell dadurch unterstrichen, daß in den betreffenden beiden Strophen eine leider unbekannte aber mit großer Wahrscheinlichkeit farbige Sängerin aus dem Motownstall mit Taylor duettiert:

Im Gegensatz zu Amerika erregte „Let’s Go Somewhere" zumindest in England soviel Interesse, daß es von David Garrick für die Rückseite seiner Single „Lady Jane" (1966; UK # 28) gecovert wurde. Allerdings ertrinkt diese Version, die auf dem Sampler Just Walk In My Shoes - The Songs Of The Motor City zu finden ist, in dem damals für den britischen Pop üblichen Bombastarrangement und zusätzlich wurden sogar einige Textpassagen gestrichen.

Im Gegensatz zu „Let’s Go Somewhere" ist „There’s A Ghost In My House" geprägt von einer einer treibenden, für Motownverhältnisse ungewohnten Fuzzgitarre und für Tanzwütige unwiderstehlichem Beat. Allerdings wäre das Ergebnis sicherlich erfolgreicher gewesen, hätten die Four Tops den Song interpretiert

Der Erfolg stellte sich für Taylor erst mit den melodramatischen Singles „Gotta See Jane" (1968; UK # 17; 1971; US # 56) und „Indiana Wants Me" (1970; UK # 2, US # 2) ein, beides mit Soundeffekten aufgepeppte akustische Roadmovies. Danach ging es aber vorerst rasant bergab. Weder der Mitpfeif-Happysound „Ain’t It A Sad Thing" (1971; US # 58), noch Candy Apple Red (1971; US # 98) und „Taos New Mexico" (1972; US # 83) konnten in die Sphären von „Indiana Wants Me" vorstoßen und so schien Taylors Plattenkarriere beendet.

In der Zwischenzeit hatte die britische Northern Soul-Szene Taylors Songs entdeckt und wie auch bei zahlreichen anderen Northern Soul-Hits wurde „There’s A Ghost In My House" wiederveröffentlicht und kletterte 1974 bis auf Platz 3 der britischen Charts. Im Sog dieses Hits wurde auch der 1967 aufgenommene und an den frühen Neil Diamond erinnernde Uptempo-Stomper "Window Shopping" (1974; D # 35, UK # 36) als auch „Gotta See Jane" (1974; UK # 41) wiederveröffentlicht und führten ihn wieder kurzfristig auf die Erfolgstraße.

Nachdem Taylor 1972 Motown verlassen hatte, besann er sich wieder seiner Wurzeln als Countrysänger und veröffentlichte 1973 auf seinem eigenen Label Jane die drittklassige Countrysingle „Bonnie", aber weder diese noch alle weiteren Comebackversuche konnten seine Karriere wieder in Gang bringen.

Ain’t It A Sad Thing (4/10)
There’s A Ghost In My House (8/10)
Let’s Go Somewhere (8/10)
Window Shopping (9/10)

Tolga Flim Flam Balkan - Joint Mix (1988, Single)


Ende der 80er entdeckten immer mehr DJs und Produzenten die musikalischen und auch kommerziellen Möglichkeiten, die ihnen das Samplen eröffnete und es war nur eine logische Konsequenz, daß schon bald zahllose mit Samples vollgestopften Mixplatten in den Charts auftauchten. Großteils waren es bloße und nicht immer originelle Aneinanderreihungen von Auszügen aus allen möglichen Platten, eingestreuten Filmdialogen und unterlegt mit einem halbwegs brauchbaren Beat. Die erste Single dieses neugeschaffenen Genres, die groß einschlug, war „Pump Up The Volume" von M/A/R/R/S (1987, A # 13, D # 2, UK # 1, US # 13). Annimiert von diesem Erfolg folgten schon bald Hits wie „Beat Dis" von Bomb The Bass (1988; A # 4, D # 6, UK # 2), „Check This Out" (1988; A # 13, UK # 6) von LA Mix und „ Theme From S-Express" von S-Express (1988; A # 16, D # 2, UK # 1, US # 91).

Mit über einjähriger Verspätung versuchte man auch hierzulande auf den S(sample)-Express aufzuspringen und einer der wenigen Mutigen war der damals in Österreich prominente DJ Stevie B., der sich unter dem Projektnamen Fresh mit dem überhaupt nicht funkigen „Funky Stuff"(1989; A # 20) kurzfristig in die Charts verirrte.

Etwas erfolgreicher war das (vermutlich) italienische Danceprojekt Tolga Flim Flam Balkan mit dem „Joint Mix" (1988; A # 6, D # 4), dessen Samplequellen, wie unten ersichtlich, von Mozart bis Michael Jackson reichte.

Nach 1989 ließ die Begeisterung für die Mischmasch-Mix-Platten merklich nach, nur Österreich weigerte sich noch einige Zeit, von diesem Trend Abschied zu nehmen, wie der Erfolg des Kindersendungs-Titelmelodie-Potpourris „Alle meine Lieda" von den Original Fast Remix Poidln (1990; A # 6) beweist.

Eines haben diese Platten zumindest ausgelöst: Den bei vielen beliebten Sport, die Originale der Samples herauszufinden, dem natürlich auch ich mich nicht entziehen konnte.

Hier eine leider noch unfertige Auflistung der von mir Samples des „Joint Mix". Danke im voraus an alle, die darunter etwas vermissen und dabei helfen können, die fehlenden Mosaiksteinchen einzufügen.

Michael Jackson – Bad
Odyssey - Going Back To My Roots
Orange Juice Jones - The Rain
S-Express - Theme From S-Express
Doug E. Fresh - The Show
Harold Faltermeyer - Axel F.
James Brown - Sex Machine
M/A/R/R/S - Pump Up The Volume
Mozart - Eine kleine Nachtmusik
K.C. & The Sunshine Band - That’s The Way I Like It
Pig Bag - Papa’s Got A Brandnew Pig Bag
Prince – Kiss
B B & Q Band - On The Beat
Jimmy Bo Horne – Spank
Tyrone Brunson - The Smurf
Man Parrish - Male Stripper
Liaisons Dangereuses - Los Ninos De La Noches
Stretch - Why Did You Do It
Hugo Montenegro - I Dream Of Jeanny

(6/10)

Lena Valaitis - Ob es so oder so oder anders kommt (1971, Single)


„Ob es so oder so oder anders kommt" (1971; D # 26), die deutsche Version vom „Nickel Song" der Folkpoetin Melanie (A # 7, D # 43, US # 40) war nicht nur der Erstlingserfolg der gebürtigen Litauerin Lena Valaitis, sondern auch das Motto für den Verlauf ihrer Karriere in der 2. Liga des deutschen Schlagers . Nach einigen kleineren bis mittleren Hits spezialisierte sie sich ab Mitte der 70er auf Folkloretitel, woraus Wunschkonzertklassiker wie „Da kommt Jose, der Straßenmusikant" (1976; D # 17), „Ich spreche alle Sprachen dieser Welt" (1977) und „Ein schöner Tag" (1976; A # 18, D # 11), der deutschen Version des Traditionals „Amazing Grace".

Ihr bekanntester Titel ist sicherlich das rührselige „Johnny Blue" (1981; A # 14, D # 9), mit dem sie den 2. Platz beim Eurovisions-Songcontest belegte, was aber ihrer Karriere keinen wesentlichen positiven Impuls geben konnte. Das letze mir bekannte Lebenszeichen war 1988 „Hallo Mr. Gorbatchov", eine Hymne an den populärsten ÖBB-Fahrgast, seither steht Lena Valaitis allerdings am Abstellgleis.

(6/10)

Russ Ballard - Russ Ballard (1984, LP)


Konnte Gitarrist Russ Ballard als Mitglied bei der britischen 70er-Rocker Argent, der Band von Ex-Zombies-Keyboarders Rod Argent, mit „Hold Your Head Up" (1972; UK # 5, US # 5) oder „God Gave Rock’n’Roll To You" (1974; UK # 18, 1992 ein Hit für Kiss) einige Hits landen, war die Ausbeute Ballards 1974 gestarteter Solokarriere eher mager. Lediglich „On The Rebound"(1980; US # 72) konnte sich in den Charts plazieren und sein 1984 erschienenes selbstbetiteltes Album konnte ihm auch nicht den Weg zum Erfolg ebnen. Fast durch die Bank ist hier uninspirierter Früh-80er 08/15-Rock mit starkem Synthesizeranteil.

Der einzige nennenswerte Grund, warum ich mir diese Platte gekauft habe ist der großartige Song „Voices", der sich zumindest in Österreich zu einem Discohit entwickelte und bei keiner 80er-Jahre Party fehlen sollte. Warum für die ausgekoppelten Singles die überraschend unoriginellen Tracks „I Can Hear You No More" und „Two Silhouettes" ausgewählt wurde und nicht „Voices", mit dem er garantiert einen Risenehit gehabt hätte, ist wohl eines der großen Mysterien der Popmusik.

Voices (8/10)
Die restlichen Tracks (1/10)

Santa Esmeralda - Don’t Let Me Be Misunderstood (1977, LP)


Ein paar Wochen, bevor das das Saturday Night Fever samt dem dazugehörigen Soundtrack über die Welt hereinbrach und die Bee Gees alle Glockenhosen zum Schwingen brachten, erweiterten Santa Esmeralda das Genre Disco um die Facette des Flamenco-Disco.

Das stimmliche Aushängeschild hinter diesem kurzlebigen Projekt war der Studiomusiker Leroy Gomez, der unter anderem auf Elton John’s Album „Goodbye Yellow Brick Road" (1973) Saxophon spielte. Mitte der 70er sprang er auf den Discozug auf und veröffentlichte 1977 die LP „Don’t Let Me Be Misunderstood". Hauptsächlich dank des 16 Minuten und 11 Sekunden langen über eine Plattenseite erstreckenden Titelsongs, bei dem es sich um eine Coverversion eines Hits der Animals (1965; UK # 3, US # 20) handelt, verkaufte sich das Album bis heute weltweit über 25 Millionen mal, 15 Millionen davon übrigens bereits innerhalb weniger Monate nach Erscheinen.

Die Beliebtheit dieses Titels erklärt sich daraus, das er mit den starken spanischen Einflüssen wie den Flamencogitarren und pulsierenden Percussionelementen von den üblichen schablonenhaften Discohits unterschied und Santa Esmeralda dafür mit beachtlichen 48 Gold und 42 Platinauszeichnungen nur für dieses eine Album belohnt wurde.

Die überraschend hohen Verkäufe erscheinen umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß man die 3 restlichen Titel der LP, darunter mit „Gloria" eine weiteres Cover, diesmal von den Them (1965; US # 81), bestenfalls als belanglos einstufen kann.

Für die ausgekoppelte Single wurde„Don’t Let Me Be Misunderstood" auf radiotaugliche 3:20 Minuten gekürzt und entwickelte sich zu einem der größten Hits der Discoära (1977; A # 1, D # 1. UK # 41, US # 15).

Relativ kurz nach dem Debutalbum wurde „Santa Esmeralda II" veröffentlicht, allerdings ohne Leroy Gomez, der durch Jimmy Goings ersetzt wurde. Es war nicht weiter überraschend, daß die Platte nur einen Bruchteil des Vorgängeralbums verkaufte, denn der Noveltyeffekt war rasch aufgebraucht.

Zumindest entwickelte sich die Nachfolgesingle „The House Of The Rising Sun" (1978; A # 13, D # 27, US # 78), erneut eine Coverversion eines Klassikers der Animals (1964; A # 9, D # 10, UK # 1, US # 1), zu einem kleinen Hit in Europa, danach ging für Santa Esmeralda endgültig die Sonne unter.

Mit "Don’t Let Me Be Misunderstood" (9/10)
Ohne "Don’t Let Me Be Misunderstood" (3/10)

Various Artists - The Big Hits Now (1972, LP)

Tracklisting

Three Dog Night - Eli’s Coming (1969; US # 7)
Eddie Holman - Hey There Lonley Girl (1969; US # 2, 1974; UK # 4)
Grass Roots - Heaven Knows (1969; US # 12)
Mama Cass Elliot - New World Comin’ (1970; US # 24)
B.B. King - The Thrill Is Gone (1970; US # 13)
Tommy Roe - Jam Up & Jelly Tight (1969; A # 11, US # 4)
Tyrone Davis - Can I Change My Mind (1969; US # 5)
Grass Roots - Baby Hold On (1970; US # 26)
Smith - Take A Look Around (1970; US # 26)
Steppenwolf - Hey Lawdy Mama (1970; D # 33, US # 24)
B.B. King - So Excited (1970; US # 50)
Three Dog Night - Celebrate (1970; US # 11)

„The Big Hits Now" ist eine Compilation des einst renommierten Labels ABC/Dunhill, mit der versucht wurde, den potentiellen Plattenkäufern mit den hier vertretenen akustischen Appetizern die wichtigsten Pferdchen in ihrem gut sortierten hauseigenen Labelstall bzw. Backkatalog zu präsentieren.

Eines der damaligen Aushängeschilder von ABC/Dunhill waren Three Dog Night, eine erfolgreichsten US-Bands der 60er, die hier mit den fast gospelartigen Titeln „Eli’s Coming" und „Celebrate" gleich doppelt vertreten und Dank des öfters auf Soundtracks verwendeten, von Randy Newman geschriebenen „Mama Told Me Not To Come" (1970; D # 12, UK # 3, US # 1 ) nicht gänzlich in Vergessenheit geratenen sind. Dagegen fast gänzlich vergessen sind die Grassroots, die mit „Let’s Live For Today" (1967; US # 5) einen oft gecoverten Rockklassiker herausbrachten und deren damalige Popularität daraus ersichtlich , daß auch sie hier mit den vergleichbar biederen „Heaven Knows" und „Baby Hold On" in zweifacher Ausführung zu finden sind.

Das Privileg des Doppelpacks wird hier auch Blueslegende B.B. King zuteil, der seine „Lucille", wie er seine Lieblingsgitarre nennt, auf dem großartigen Bluesklassiker „The Thrill Is Gone" und dem mit einem interessanten Beat unterlegten „So Excited" so richtig schön jaulen läßt.

Die restlichen 6 Interpreten dürfen auf „The Big Hits Now" zwar nur einmal aufgeigen, sind aber nicht minder interessant: Eddie Holman erweckt mit seiner haarsträubenden Ballade „Hey There, Lonley Girl" gewisse Zweifel, daß er aufgrund seiner beängstigend hohen Falsettstimme und damit naheliegenden Assotiationen tatsächlich Chancen bei seiner Angebeteten hat, Ex-Mamas & Papas-Mama Cass Elliott hoffte mit "New World Comin’" auf eine bessere Welt, in der sich ihre Soloplatten nach „Dream A Little Dream Of Me" (UK # 11, US # 8; 1992; D # 5) besser verkaufen würden, Steppenwolf unterstreichen auf „Hey Lawdy Mama" ihren Status als Heavy Metal-Giganten und Tommy Roe liefert mit „Jam Up & Jelly Tight" eine Blaupause seines Oldies „Dizzy" (1969; A # 1, D # 1, UK # 1, US # 1), Weiters ist hier eine Band namens Smith zu finden, bei der es sich natürlich nicht die Formation rund um Morrissey handelt, sondern diejenige, die mit „Baby, It’s You" (1969; US # 2), ihrer Neuauflage des gleichnamigen Shirelles-Klassikers (1962; US # 8), an dem sich auch schon die Beatles versuchten, einen Überraschungshit landen konnten. Mit ihrer Nachfolge- und gleichzeitig letzten Hitsingle „Take A Look Around" schienen sie zumindest dem Titel nach bereits auf ihren kurzfristigen Erfolg zurückzublicken. Etwas erfolgreicher war dagegen Soulcrooner Tyrone Davis, der sich dem hier inkludierten „Can I Change My Mind" und seinem größten Hit „Turn Back The Hands Of Time" (1970; US # 1) mit wechselndem Erfolg zumindest bis in die frühen 80er hinüberretten konnte, bis auch seine Zeit abgelaufen war.

Der Titel dieses Albums „The Big Hits Now" war zu keiner Zeit aktuell, erschien es doch erst 2 Jahre später nach Veröffentlichung der jüngsten hier kompilierten Titel und ist natürlich absolut keine Pflichtplatte für eine gediegene Oldiesparty, aber eine überaus brauchbare Raritätensammlung und Werkschau des damals erstaunlich breiten Repertoires von ABC/Dunhill.

(6/10)

Various Artists – Top Of The Pops (1972, LP)

Tracklisting:

How Do You Do (Originalversion: Mouth & McNeal, 1972; A # 1, D # 5, US # 8)
Acropolis Adieu (Mireille Mathieu, 1971; A # 10, D # 3)
Mama Oh Mama (1971, George Baker Selection)
Is This The Way To Amarillo (Tony Christie, 1971; A # 1, D # 1, UK # 18)
Soley Soley (Middle Of The Road; A # 7, D # 2, UK # 5)
Coz I Luv You (Slade , 1971; A # 6, D # 9, UK # 1)
Jeepster (T. Rex, 1971; A # 5, D # 3)
Without A Worry In The World (Georges Moustaki - Le Meteque; 1969; A # 14)
Johnny Reggae (Piglets ,1971; A # 4, D # 19, UK # 3),
Theme From „Shaft" (Isaac Hayes, 1971; A # 4, D # 35, UK # 4, US # 1)
Non, Non, Rien N’A Change (Poppys, 1971)
With Queen Of New Orleans (Redbone, 1971; A # 12, D # 16, UK # 2, US # 17)

Die sensationellen Verkäufe der Top Of The Pop-Coverversionssampler in England (s. der im Zuge der Kritik von Elton John’s "Chartbusters Go Pop" initierten Coverversionsalben-Schwerpunkt ) führten fast zwangsläufig dazu, daß man diesen Erfolg auch in andere europäische Länder ausdehnen wollte und daher eine europäische Ausgabe auf den Markt warf. Im Prä-K-Tel-Zeitalter schien das auch zunächst eine erfolgreiche Marktstrategie zu sein, wie die Liner Notes dieses Albums beweisen:

„A million thanks to all you Pop lovers for making our first edition of „European Top Of the Pops" (EHM.3001) such a fantastic success. With your help, our first edition won a golden disc awards in two european countries!

Here is the second edition with twelve great tracks all stepping very high in the European and American charts. This album has been specially recorded in London by the finest session musicians and vocalists in the UK and we belive it will be an even greater success than the first edition.

We have tried very hard to produce an album geared to suit the taste of every pop enthusiast in Western Europe.

We hope you will like it."

Wie das obige Tracklisting dieser zweiten Ausgabe der „European Edition" beweist, hat man tatsächlich keine Mühen gescheut, eine möglichst breite und dementsprechend auch wilde Mischung diverserster Stile auf einem Album zu versammeln. Das Spektrum reicht von der fast schon waffenscheinpflichtigen Schnulze „Mama Oh Mama" über den sonnigen Mainstreampop-Klassiker „Soley Soley" bis hin zum klassischen T.Rex-Rocker „Jeepster".

Das obligate Covermodel ist auch nicht von schlechten Eltern, wobei allerdings auch der an Computerkabel erinnernde Patchwork-Gürtel ins Auge sticht

Das Auftauchen der späteren Compilationsriesen K-Tel und Arcade, die bekanntlicherweise auf Originale als auf Coverversionen zurückgriffen versetzte den „European Editions" der Top Of The Pops-Compilations allerdings den Todesstoß.

Musik (5/10)
Cover (6/10)

Rui Da Silva - Touch Me (2000, MCD)


Portugal ist nicht wirklich das Musikexportland Nummer 1 in Europa, und abgesehen von für mitteleuropäische Ohren meist exotisch klingenden Beiträgen zum Eurovisionssongcontest erreichte uns hierzulande kaum etwas nenneswertes.

Mit Rui Da Silva, Mitglied beim „Underground Sound Of Lisbon Team" hat sich das aber schlagartig geändert, denn seine Trance-Hymne „Touch Me" (2001; UK # 1) schoß als erste Single im Jahr 2001 an die Spitze der UK-Charts und füllt auch hierzulande die Tanzflächen. Neben der Melodie ist es aber hauptsächlich die Stimme von Cassandra Fox, die diesen Track von anderen Trancesingles hervorhebt.

Von den 4 Remixes ist besonders das an die Bearbeitungen von Armand van Helden erinnernde „Peace Division Higher Dub Mix" herausragend

Da seit dieser Single bislang nichts neues von Rui Da Silva erschienen ist bleibt zu befürchten, daß er sich unter die unzähligen anderen One-Hit-Wonder-Danceacts einreihen wird.

(6/10)

Vivid - Sundown To Sunrise (1999, CD)


Vivid scheinen auf ihrem zweiten Album „Sundown To Sunrise" über weite Strecken schamlos die US-Mainstream-Alternative-Rocker Creed, die mit "With Arms Wide Open" (2001; A # 15, US # 1) und ihrem 99er-Album „Human Clay" nunmehr auch hierzulande mit einiger Verspätung den Durchbruch schafften, zu kopieren: Auch hier wird großteils Pearl Jam-Leadsinger Eddie Vedder immitiert und melodiöse Uptempo-Rocksongs wechseln sich mit den obligaten Rockballaden ab. Mit diesen Zutaten und einer facettenreichen Produktion von internationalen Format würde wohl jeder hinter Vivid eine US-Band vermuten, tatsächlich stammt das Quartett aber unglaublicherweise aus dem niedersächschen Salzgitter.

Fast alle der 11 Titel, die meist irgendwo im weiten Land zwischen Pop und Alternative Rock pendeln, bestechen durch einprägsame Riffs und raffinierte, ausgefeilte Melodien, bei denen der oftmals verpönte Begriff „Ohrwurm" absolut zulässig ist. Bereits der Openener „Nice Day" zeigt die Stärken aber auch die Schwächen dieser Band auf: Kompositorisch erstklassig steckt der Song voller interessanter und abwechslungsreicher Soundideen und elektronischer Speilereien, mitunter wirkt das Ganze aber überladen und überproduziert.

An Ambition mangelt es Vivid also nicht und Songs wie „Kingdom Underground", „Off We Go" oder „Again" sind nahezu makellos, „Up To Me" kommt sogar Creed’s „With Arms Wide Open" gefährlich nahe. Mißlungen dagegen „Dancing Girl", das an Nik Kershaw erinnert und daher auf diesem Album deplaziert wirkt und auch das grundsätzlich gelungene „Come Around", das gegen Ende von einem überflüssigen Kinderchor regelrecht vergewaltigt wird.

Herausragend sicherlich das abschließende „Music (Mind Expanding)", das entfernt an die ganz frühen Radiohead erinnert und mit originellenen Textideen aufwarten kann („I’m The Car Crash That Will Break Your Neck/So Don’t Trust In German Safety Belts").

Vivids Musik ist natürlich weder bewußtseinserweiternd noch revolutionär, dieses Feld überlassen sie lieber Radiohead und Konsorten. Vielmehr liefern sie mit „Sundown To Sunrise" möglicherweise das beste Mainstream-Rockalbum aus deutschen Landen der letzten Jahre ab, das zum Zeitpunkt des Erscheinens in den Regalen liegenblieb, aber es besteht noch die begründete Hoffnung, das sich das im Sog des Erfolgs von Creed noch ändern könnte.

(7/10)

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