Börsenreport 20.09.2003

Plattenbörse in der Wiener Stadthalle, 20.09.2003


September 2003: Viele verfallen dem Virus für "24" und durchleiden mit Special Agent Jack Bauer den längsten Tag seines Lebens, andere finden weitaus mehr Spannungselemente beim Stöbern bei der Plattenbörse und werden wie unten ersichtlich reichlich belohnt. Details folgen!


Singles:

Blue Haze - Smoke Gets In Your Eyes
Box Tops - I Met Her In Church/People Gonna Talk
Will Brandes - Baby Twist/Traum
Bernhard Brink - Liebe auf Zeit
Casuals - Jesamine
Cliffters - Django/Amapola
Arthur Conley - Funky Street/Put Our Love Together
Crazy Elephant - There’s A Better Day Tomorrow
Cry’n Strings - Monja
Four Tops - It’s All In The Game/Love Is The Answer
Gideon - Oh! Sweet Love/Keep It Up
Max Greger - Hey! Eula/El Roncho Rock
Max Greger - Let’s Hully-Gully/Maxi-Saxi-Hully Gully
Lee Hazlewood - Sand/My Baby Cried All Night Long
Ted Herold - Küss’ mich/Küss mich
Leo Leandros - Lebwohl, Jasmina/Bambus-Bambina
Lions Of Judah - Our Love’s A Growing Thing/Katja
Marion - Wer Liebe sucht/Auf, auf und davon
MFSB - Sexy/Human Machine
Nilsen Brothers - Aber dich gibt's nur einmal für mich
Petra Prinz - Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann/Wünsch’ dir niemals mehr
Radha Krishna Mantra - Hare Krishna Mantra/Prayer To The Spiritual Masters
Sandie Shaw - Du bist wunderbar/Dein anderes Gesicht
Spinach - Action Man Part 1 & 2
Caterina Valente - Precipite volissime volmente
Vicky - Grünes Licht/Sagt mir, wo ist mein Boy
Waikikis - Hawaii Tattoo/Waikiki Welcome
Ricky Wilde - I Am An Astronaut

LP:

Herb Alpert - Going Places

Blue Haze - Smoke Gets In Your Eyes (1972, Single)

„Smoke Gets In Your Eyes“? Da dankt man natürlich zu allererst an die Version der Platters, aber wie so manches, daß die im Laufe ihrer Karriere aufgenommen haben (z.b. „Harbour Lights“;1960; US # 8, ursprünglich Thema des Films „The Long Voyage Home“ aus dem Jahre 1940, 10 Jahre später ein Hit für Sammy Kaye & Orchester (1950; US # 1)) hatte auch dieser Titel ein Vorleben, denn erstmals ertönte der Song 1933 in dem Musical „Roberta“. Seither haben sich neben den Platters zahlreiche Interpreten an dem Titel versucht, darunter auch die britische Studioformation Blue Haze. Deren im zaghaft angedeuteten Pop-Reggae-Rhythmus gehaltene Version ist allerdings nicht ganz konform nach den gegenwärtigen EU-Richtlinien für Raucher, denn sie wird mit der zackigen, fast schon als Aufforderung aufzufassenden „Smoke! Smoke! Smoke! Smoke! Smoke! Smoke! Smoke! Smooooooke!” eingeleitet. Damals hatte man diesbezüglich aber keinerlei Vorbehalte, schließlich lebte der Marlboromann noch, Raucher und Nichtraucher führten ein unbeschwertes Nebeneinander und sorgten dafür, daß die Single in die mittleren Positionen der internationalen Charts kletterte (1972; D # 42; UK # 32, US # 27). Eine Ausnahme bildete allerdings Österreich, wo sich dieser Titel nicht platzieren konnte, dafür aber wiederum die Nachfolgesingle, ihre Variante der wohlbekannten „Unchained Melody“, die immerhin bis auf Platz 9 vorstieß. Weitere Blue Haze-Adaptionen von Oldies wie „Blue Moon“ (1973) oder „You’ll Never Walk Alone“ (1973) verpufften aber ungehört.

(5/10)

Box Tops - I Met Her In Church/People Gonna Talk (1968, Single)

„I Met Her In Church“ (1968; US # 37) bescherte Alex Chilton & Co. den fünften Hit in den USA und war die erste ihrer Singles, die es nicht unter die Top 20 schaffte, woran die irgendwie unausgegorene Mischung aus Gospel und Country nicht ganz unbeteiligt war.

Versöhnlich stimmt hingegen die mundharmonika-geladene Rückseite „People Gonna Talk“, wo die Band wieder auf ihren bewährten „Blue-Eyed-Soul-Sound zurückgreift.

I Met Her In Church (5/10)
People Gonna Talk (7/10)

Will Brandes - Baby Twist/Traum (1962, Single)


Conny & Peter Kraus waren Ende der 50er bekanntlich das Traumpaar des deutschen Schlagers, pikanterweise aber mit Electrola (Conny) und Polydor (Brandes) bei verschiedenen Plattenfirmen unter Vertrag. Wenn auch beide Labels von der Popularität der beiden Stars umsatzmäßig profitierten und die Conny mit dem Peter in dem Film „Wenn die Conny mit dem Peter“ gemeinsam „Teenager Melodie“ und „Ich möcht’ mit dir träumen“ sang konnte man sich anfangs aus firmenpolitischen Gründen nicht zu gemeinsamen Plattenveröffentlichungen durchringen. Um die dazugehörige Single doch noch auf den Markt zu bringen rekrutierte man kurzerhand Ersatz für den jeweiligen Duettpartner: Polydor angelte sich die damals 16-jährige Wienerin Micky Main, die gleich mit ihrer ersten Single „Hey Boys, How Do You Do“ (1959; A # 4, D # 11), das Conny ebenfalls in dem Film gesungen hatte und mit dem sie selbst erfolgreich war (1959¸A # 4, D # 4), ihren Debuthit landete. Gleichzeitig kletterten beide Seiten der Duettsingle mit Peter Kraus, „Teenagermelodie“ (1959; A # 5, D # 10) und „Ich möcht mit dir träumen“ (1959; A # 6, D # 8) in die Hitparaden. Mit „Honey Baby” (1959; A # 3, D # 3; Originalversion: Andy Williams - I Like Your Kind Of Love; 1957; US # 9) folgte ein weiters Duett mit Peter Kraus, aber so schnell Micky Main aus dem Nichts aufgetaucht war, so rasch verschwand sie nach dieser Single ebendort.

Etwas beständiger war hingegen die Karriere für den von Electrola engagierten Will Brandes, der nach seinen beiden Duetten mit Conny, „Teenagermelodie“ (1959; A # 5, D # 10) und „Ich möcht mit dir träumen“ (1959; D # 13) ein weiters mit Ruth Fischer namens „Was wäre ich alles ohne dich“ (1959; A # 7) nachschob und danach mit seiner deutschen Version von „Marina“ (1959; A # 1 für 11 Wochen, D # 7; Originalversion: Rocco Granata; 1959; A & D # 1, US # 31) jene für Polydor aufgenommene Variante von Jack Terry (1960; D # 32) verkaufsmäßig weit hinter sich ließ. Nach den beiden kleinen Hits „Gärtner aus Liebe“ (1960; A # 10) und „Annemarie“ (1961; D # 35) war aber bei Electrola für Brandes der Ofen aus und er wechselte ausgerechnet zu Polydor. Dort versuchte zunächst erfolglos ihn mit Titeln wie „Musikanten der Liebe“, einem weiteren Duett, diesmal zur Abwechslung mit Margot Eskens, „Baby, mein blondes Baby“, „Rosen und Flieder“ und „Elisa“ Brandes zu einem Interpreten für ein gesetzteres Publikum aufzubauen, erst ein weiteres Duett brachte ihn wieder auf die Siegerstraße zurück. Seine Duettpartnerin war diesmal aber keine seine ehemaligen Gesangskolleginnen, sondern ein kleines Mädchen namens Elisabeth, deren diverse Äußerungen (z.b.“Elisabeth, wer ist der Beste?“ „Mama!“) nach Art des „Babysitter-Boogie“ (1961; A # 1, D # 1; Originalversion: Buzz Clifford, 1961; UK # 17, US # 6) von Ralf Bendix in den „Baby-Twist“ (1962; A & D # 2) inkludiert wurde.

Auf der Rückseite „Traum“, der deutschen Version von Bobby Darins „Things“ (1962; UK # 2, US # 3), ist Brandes wieder solo unterwegs, aber auch hier besteht ein Zusammenhang mit dem Themenkreis „Duette“, schließlich ist die populäre Version von „Things“ jene von Dean Martin & Nancy Sinatra, die es allerdings nie in die Charts schaffte.

Nach dem „Baby-Twist“ ging die Erfolgsformel Kleinkind x Modetanz mit dem „Baby-Babbel-Bossa-Nova“ (1963; D # 9) noch ein weiteres Mal auf, aber danach konnte keine noch so ausgeklügelte Marketingstrategie Will Brandes wieder aus dem Karrieretief hieven.

Baby-Twist (6/10)
Traum (5/10)

Bernhard Brink - Liebe auf Zeit (1977, Single)

Bernhard Brink, auch im neuen Jahrtausend immer noch an vorderster Schlagerfront unterwegs, landete mit “Liebe auf Zeit“ (1977; A # 21, D # 13), der Vokalversion von Ricky Kings Instrumentalklassiker „Le Reve“(1977; A # 9, D # 7) seinen wohl populärsten Hit und ist gleichzeitig wieder einmal eine Single, die hauptsächlich aus sentimentalen Gründen den Weg in meine Sammlung gefunden hat, aber wenn man alt genug ist, sich daran zu erinnern, als diese Platte damals rauskam, darf man sich diesen Luxus ohne weiteres leisten.

(6/10)

Casuals - Jesamine (1968, Single)


Das es in England aufgrund der übermächtigen Konkurrenz erfolgsmäßig nicht klappen wollte übersiedelten die Casuals 1966 nach Italien, teils mit englischen als auch italienisch gesungenen Titeln erfolgreich waren, darunter „Alla fine della strada“ (1969), das ein paar Monate später von Tom Jones erfolgreich gecovert wurde(1969; A # 14, D # 11, UK # 9, US # 8), der italienischen Version von „Massachussetts“ (1967; Originalversion: Bee Gees; 1967; A; D & UK # 1; US # 11) und „Siamo Quattro”, hinter dem sich ein Cover des Whistling Jack Smith-Pfeif-Klassiker „I Was Kaiser Bill's Batman“ (1967, A # 10, D # 4, UK # 5, US # 20) verbirgt.

1968 gab es für die Band aber guten Grund, kurzfristig in die britische Heimat zurückzukehren und der hatte einen Namen: „Jesamine“ (1968; A # 4, D # 9, UK # 2). Dieser gelungene Flowerpop-Ohrwurm, den ein paar Monate zuvor hatte die walisische Band Bystanders, aus der später die Progressivrocker Man werden sollten, unter dem Titel „When Jesamine Goes“ erfolglos aufnahmen, kletterte europaweit in die Charts und auch die Nachfolgesingle „Toy“ (1969; D # 7, UK # 30) hatte noch ansprechenden Erfolg, aber danach war der Zauber auch schon wieder vorbei.

(7/10)

Cliffters - Django/Amapola (1963, Single)

Eine schwer von den Shadows beeinflusste Instrumentalcombo aus Dänemark, die mit dem Titel „Django“ die gleichnamige Spaghettiwestern-Filmserie um drei Jahre vorwegnahm und auf der Rückseite ein enttäuschend schwaches Cover des mexikanischen Klassikers „Amapola“ im Shuffle-Rhythmus abliefert, den die schwedischen Spotniks 1964 weitaus besser interpretierten.

Django (6/10)
Amapola (3/10)

Arthur Conley - Funky Street/ Put Our Love Together (1968, Single)

Nach seinem aufsehenden Debuthit „Sweet Soul Music“ (1967; UK # 7, US # 2) gelang dem 2003 verstorbenen Arthur Conley leider kein adäquater Hit mehr, einzige Ausnahme war „Funky Street“ (1968; UK # 46, US # 17), wobei die Rückseite „Put Our Love Together“, auf der er stilistisch als auch stimmlich auf den Spuren von Sam Cooke und seines Mentors Otis Redding wandelt, weitaus mehr überzeugt.

Funky Street (5/10)
Put Our Love Together (7/10)

Four Tops - It’s All In The Game/Love Is The Answer (1970, Single)

Ihre Neuauflage des Tommy Edwards-Klassikers „It’s All In The Game“ (1951; US # 18; 1958; UK & US # 1) gehört zwar nicht zu den überzeugendsten Songs von Levi Stupps & Co, aber zumindest reichte es für einen mittleren Hit (1970; UK # 5, US # 24) und außerdem hatten die „Didididip-Di-Dip“s genug Appeal, um über zwei Jahrzehnte später als Sample in Betty Boos „Let Me Take You There“ (1992; D # 50, UK # 12) aufzutauchen.

Die Rückseite „Love Is The Answer“ mit seinem fuzzgitarrengeladenen Intro macht etwaige Enttäuschungen über die A-Seite aber wieder wett.

It’s All In The Game (5/10)
Love Is The Answer (6/10)

Crazy Elephant - There’s A Better Day A-Coming/Space Buggy (1969, Single)

Nach ihrem Hit „Gimme Gimme Good Lovin’“ (1969; A # 6, D # 22, UK # 12, US # 12) wollte der gehobenen Bubblegum-Formation trotz durchaus gutem Material wie „Sunshine, Red Wine“ (1969; US # 104) mit der gelungenen Rückseite „Pam“ und „Gimme Some More“ (1969; US # 116) einfach kein vergleichbarer Hit mehr gelingen.

Das galt auch für den Uptemposong “There’s A Better Day A-Coming” mit seinem einprägsamen “Na Na Na Na”s, für den sich der Optimismus im Titel nicht erfüllte , denn er schaffte es im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht einmal mehr in die untersten Regionen der US-Billboard-Charts.

Interessant an dieser Single ist die B-Seite „Space Bugy“, die mit seinen spacigen Sounds den Spacerock von Bands wie etwa Hawkwind um einige Jahre vorwegnahm.

Nach dem „Space Buggy“ stiegen Crazy Elephant für ihre nächste und gleichzeitig letzte Single auf den „Landrover“ um, der sie aber auch nicht aus dem äußerst unwegsamen Tal der Erfolglosigkeit herausführte.

There’s A Better Day A-Coming (6/10)
Space Buggy (6/10)

Cry’n Strings - Monja/Bu Bu Bi Du (1967, Single)


Wer Ulrich Seidls “Hundstage” gesehen hat erinnert sich sicherlich noch an die Autostopperin, die ihre nichtsahnenden Opfer entweder mit diversen Top 10-Listen konfrontiert oder für die Beschallung der Autos mit ihrem Lieblingslied „Monja“ von Roland W. (1967; A # 3, D # 4) sorgt. Für viele ist dieser Titel nichts anderes als eine typische deutsche Schlagerschnulze, bei älteren Semestern (sofern sie überhaupt wagten, sich den Film anzusehen) weckte das Wiederhören möglicherweise sentimentale Gefühle, schließlich konnte man diesem L’amourhatscher nur sehr schwer entkommen und hatte sicherlich einen Einfluß auf die erhöhte Geburtenrate im Herbst 1968.

„Monja“ wird stets mit Roland W(ächter, Infos zu seiner Nachfolgesingle „My Maria“ gibt es hier) in Verbindung gebracht, tatsächlich stammt der Song aber von den Cry’n Strings. Geschrieben von deren kreativen Kopf Gerhard Jäger nahm zunächst niemand von dem Titel Notiz, bis „Monja“ auf einer Single, die man lediglich als Promotionplatte für Auftritte bei dem kleinen Label Kerston pressen ließ erschien. Fred Kersten, der Besitzer von Kerston, erkannte das Potential der Single, sicherte sich unter dem Pseudonym Dal Finado als Mitautor Tantiemen und schon bald war „Monja“ (1967; A # 4, D # 11) in den Charts zu finden.

Die Rechte der im für Ende 1967 bereits antiquierten Beat-Sil von Casey Jones & The Governors („Don’t Ha Ha“; 1965; A # 17, D # 2; Originalversion: Huey Piano Smith & The Clowns - Don’t You Just Know It; 1958; US # 9) gehaltenen Rückseite „Bu Bu Bi Du“, die nahe an den textlichen Höhen von „Balla Balla“ der Rainbows (1965; A # 14, D # 3) kratzte, überlies Kersten aber gütigerweise ganz allein Gerhard Jäger.

Schon bald stellte sich aber heraus, dass der Erfolg Kerston Records völlig überforderte, was sich überaus günstig für die Verkäufe der Konkurrenzversion von Roland W. auswirkte und damit die Cry’n Strings relativ bald aus den Charts verdrängte, wohin sie es trotz stilistisch ähnlich gelagerten Titeln wie „My Sweet Anja“, „Addio Margaretha“, „Ciao Angelina“ oder „Kleine Sonja“ auch nie wieder schafften

(6/10)

Gideon - Oh! Sweet Love/Keep It Up (1969, Single)

Auf der A-Seite typischer Bubblegum-Pop des Hauses Buddah Records aus dem Summer of `69, die Rückseite überrascht mit dem souligen „Keep It Up“ und das ist auch schon alles, was man je von Gideon hörte.

Oh! Sweet Love (6/10)
Keep It Up (6/10)

Max Greger - Hey! Eula/El Roncho Rock (1958, Single)
Max Greger - Let’s Hully-Gully/Maxi-Saxi-Hully-Gully (1963, Single)

Von den 50ern bis hinein in die 80er war Max Greger einer der beliebtesten Bandleader im deutschen Sprachraum und nahm für Polydor an die 50 Singles auf, von denen sich allerdings nur „Bongo Rock“ (1957; A # 6, D # 7) „Moskauer Nächte“ (1959; A # 10) „Yakety Sax“ (1963; D # 40), „Harem“ (1964; US # 21) und „Java“ (1964; D # 25) in den Charts plazieren konnten.

Die beiden vorliegenden Singles sind ein gutes Beispiel dafür, wie Greger auf gerade gängige Trends reagierte. „Hey! Eula“ ist ein typisches zeitgenössisches Instrumental, das den Vergleich mit den amerikanischen Vorbildern nicht zu scheuen braucht und wo Greger mit seinem Saxophonspiel zu beeindrucken vermag.

Auf der Rückseite gibt es ein Cover von „El Roncho Rock“ der Champs (1958; US # 30), das übrigens ein paar Jahre später dank Peter Hinnen zu „Auf meiner Ranch bin ich König“ (1962; A # 1, D # 5) mutierte.

1963 brach in Deutschland das Hully Gully-Fieber aus (Infos dazu liefert George Dimou’s „Midnight-Hully-Gully“ ), dem sich natürlich auch nicht Max Greger als auch seine Begleitmusiker, die kurzerhand zu den Hully-Gullies mutierten , nicht entziehen konnten und das mit interessanten, fast schon spacigen Sounds und zwischendurch zwei lautmalerischen Varianten der Aussprache von „Hully Gully“ versehene „Let’s Hully-Gully“ ablieferten. Jedoch wollte kaum jemand dieser Aufforderung Folge leisten und daran konnte die nicht unspektakulär betitelte, aber umso enttäuschendere Rückseite „Maxi-Saxi-Hully-Gully” nichts ändern.

. Hey! Eula (6/10)
El Roncho Rock (6/10)
Let’s Hully-Gully (7/10)
Maxi-Saxi-Hully-Gully (4/10)


Lee Hazlewood - Sand (& Suzi Jane Hokom)/All Night Long (1966; Single)


Nicht zufällig wurde Lee Hazlewood vor einigen Jahren mit einigen Tributealben bedacht, denn seine Bedeutung für den anspruchsvollen Pop kann gar nicht genug gewürdigt werden. Erstmals trat er Anfang der 50er als Songwriter und Radio-DJ in Erscheinung, produzierte ab 1955 Platten, darunter den Countryhit „The Fool“ von Sanford Clark (1956; US # 9), brachte Duane Eddy bei, wie man den twangy Sound aus der Gitarre herausholt und veröffentlichte unter diversen Pseudonymen als auch unter eigenem Namen Soloplatten, die sich allerdings mäßig verkauften.

Das änderte sich schlagartig 1966, als Nancy Sinatra mit dem von ihm geschriebenen und produzierten „These Boots Are Made For Walking“ (1966; A, D, UK & US # 1) einen heute auf Oldiesendern und Soundtracks regelrecht omnipräsenten Welthit landete. Dieser Erfolg animierte Hazlewood dazu, die Zusammenarbeit mit Nancy zu intensivieren, indem er neben seinen Songwriter- und Produzentenqualitäten auch seine prägnante tiefe Stimme einsetzt. Resultat war unter anderem das großartige Album „Nancy & Lee“ mit den inzwischen zu Klassikern avancierten Hitsingles „ Summer Wine“ (1967, A # 15, D # 49), „Jackson“ (1967; A # 2; D # 8, US # 14), „Some Velvet Morning“, (1967; US # 26; später auch ein kleiner Hit für Vanilla Fudge; 1969; US # 103) und „Ladybird“ (1967; A # 18; D # 33; UK # 47, US # 20). Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusammenhang der Orchesterchef und Arrangeur Billy Strange bleiben, der für die mehr als gelungenen Bombastarrangements dieser Songs sorgte.

Einer der Tracks war auf dieser LP bzw. die Rückseite von „Ladybird“ war „Sand“ (kletterte ihrerseits in den US-Charts bis Platz 107), das allerdings schon ein Jahr zuvor auf Single veröffentlicht wurde. Hier war auch Billy Strange am Werk, aber als Duettparnterin fungierte allerdings nicht Nancy Sinatra, sondern Hazlewoods Lebensgefährtin Suzi Jane Hokom, deren Stimme frappant jener von Nancy ähnelt.

Auf der Rückseite „All Night Long“ ist Hazlewood wieder solo unterwegs, thematisch geht es aber nicht etwa ums Durchmachen, sondern um das klassische Thema der beziehungstechnischen Retourkutsche und deren Folgen.

Diese Single fand aber ebensowenig Käufer wie Hazlewoods zahlreiche andere gemeinsame Aufnahmen mit Suzi Jane Hokom, Nina Lizell („The Girls In Paris“, 1967) und Ann-Margret („The Cowboy & The Lady“, 1969). Etwas besser ging es „Did You Ever“ (1971; UK # 2), einem weiteren Duett mit Nancy Sinatra, aber danach verschwand Hazelwood aus den Hitlisten als auch weitgehend aus dem Bewusstsein seiner alten Fans, die ihn nach seiner Übersiedlung nach Schweden 1969 völlig aus den Augen verloren.

Sand (8/10) All Night Long (8/10)

Ted Herold - Hey Baby/Küss’ mich (1959, Single)


Im Gegensatz zum pflegeleichten und gerade noch familentauglichen Peter Kraus war Ted Herold der wahre deutsche Rock’n’Roller, was er mit “Hey Baby” (1959; D # 45), der deutschen Version von Elvis’ „A Big Hunk O’Love (1959; D # 23; UK # 4,US # 1) unterstreicht und das außer dem Titel natürlich nichts mit DJ Ötzi zu tun hat. Hier wie auch bei der Rückseite „Küss’ mich” scheint er sich in der Echokammer der Polydor-Studios verlaufen zu haben, aus der er offenbar bis zu seiner Einberufung 1963 nicht mehr herausfand. Wie auch bei seinem Idol Elvis hatte auch Herold nach seinem Dienst am Staat den richtigen Biss verloren, aber der hätte ihm angesichts der Beatlemania auch nicht viel genützt. So sattelte er notgedrungen auf Elektrikermeister um und konnte mit Hilfe von Udo Lindenberg 1980 mit „Rockabilly Willy“ (1980; D # 50; Originalversion: Matchbox - Rockabilly Rebel, 1979; UK # 18, 1980, A # 12, D # 17) und „Rock’n’Roll For President“ (1980; D # 46) ein kurzfristiges Comeback feiern.

Hey Baby (7/10)
Küss’ mich (5/10)

Lebwohl, Jasmina/Bambus-Bambina (1962, Single)


Bevor er sich als Produzent und Komponist völlig der Karriere seiner Tochter Vicky widmete hatte Leo Leandros ab 1957 einige Hits wie „Banana Boat Song“ (1957; A # 8; D # 11, Orignalversion: Harry Belafonte, 1957; A # 2, D # 1, UK # 2, US # 5) oder „Mustafa“ (1960; A # 1, D # 1; Originalversion: Bob Azzam, 1960; A # 1; D # 31), die inhaltlich meist in exotischen Gefilden angesiedelt waren. Nicht anders war es bei „Lebwohl, Jasmina“, wo Leandros von der durch Nana Mouskouris „Weiße Rosen aus Athen“ (1961; A 5, D # 1) um 1961/62 ausgelöste Begeisterung für alles Griechische erfolglos zu profitieren versuchte.

Weitaus interessanter als die stereotype A-Seite ist der nette wenn auch für 1962 etwas anachronistisch wirkende Calypso „Bambus-Bambina“ auf der Rückseite.„Im Bambusbusch beim Bongoklang wirft Bambus-Bambina ihren Bumerang und der, der ihn fangen kann macht bei ihr sein Glück“ heißt es da etwa da und wer die Auswahl des Lebens-/Lebensabschnittspartners mittels Bumerang nicht schon befremdlich genug findet dürfte sich über einige geographische als auch logische Ungereimtheiten wundern. So wirft Bambus-Bambina ihren Bumerang nicht etwa im australischen Busch, sondern „im Urwald von Batavia“, was jeden fortgeschrittenen Fernreiseinteressierten sicherlich verwundert, denn Batavia ist eine Stadt in Indonesien und dort wird ein Bumerang meines Erachtens eher selten benutzt. Außerdem wird Bambus-Bambina als „das allerschönste Hulagirl“ bezeichnet, wobei sich hier auch ein Widerspruch ergibt, denn Hulamädchen sind bekanntlich nur in Hawaii anzutreffen. Wie auch immer, diese Kleinigkeiten dürften ohnehin kaum jemand aufgefallen sein, denn damals konnte viele einfach nicht genug Exotik in Form von Tonkonserven serviert bekommen, was dadurch unterstrichen wird, dass, wie auf dem Cover ersichtlich, einer der Vorbesitzer dieser Single „Bambus-Bambina“ als „Sehr gut“ empfunden hat.

Lebwohl, Jasmina (4/10)
Bambus-Bambina (5/10)

Lions of Judah - Our Love's A Growin' Thing/Katja (1968, Single)


1965 in Tel Aviv gegründet nahm die Band zahlreiche englisch gesungene Singles auf, die zwar Käufer fanden, aber nie im Radio liefen, da die dortigen Medien englischsprachige Platten von israelischen Bands boykottierten, was die Band natürlich frustrierte. Abhilfe verschaffte 1969 ein vom Bassisten Haim Saban organisiertes mehrmonatiges Gastspiel in England, wo ihnen schon relativ bald die Chance bekamen, eine Single aufzunehmen. Das an eine eine schlechte Tremeloes-Albumtrack erinnernde „Our Love's A Growin' Thing“ floppte allerdings gnadenlos und wäre nicht erwähnenswert, würde sich auf der Rückseite nicht ein ungeschriebenes Gesetz der kleinen schwarzen Scheiben bestätigen, nämlich dass viele Bands auf der Rückseite ihr wahres Gesicht zeigen. Im gegenständlichen Fall ist es der famose Progressive Rock-Hammer „Katja“, den man einer israelischen Band niemals zutrauen würde und der auf den British Psycedelic-Compilations "Rubble Vol. 11" bzw. "Best Of Rubble Collection Vol. 2" zu finden ist.

Weitere Singleveröffentlichungen in England blieben aus, weshalb die Band wieder nach Israel zurückkehrte und nach zahlreichen Umbesetzungen immer noch aktiv ist. Bassist Haim Saban machte indes große Karriere in den USA, denn ihm verdanken wir alte Bekannte wie die Power Rangers und die Ninja Turtles

Our Love's A Growin' Thing (4/10)
Katja (8/10)

Marion - Wer Liebe sucht/Auf, auf und davon (1969, Single)

Ihre Feststellung „Er ist wieder da“ (1966; A # 5, D # 6) brachte Marion (Litterscheid) Anfang 1966 nach mehreren erfolglosen Anläufen in die deutschsprachigen Hitparaden, aber nach den mittelmäßig erfolgreichen Nachfolgehits „Wir halten zusammen“ (1966; D # 29) und „Ich hab einen guten Freund gehabt“ (1967; A # 19, D # 33) war der große Erfolg auch schon wieder weg. Auch die Spezialisierung auf deutsche Coverversionen internationaler Hits konnte daran nichts ändern.

Einer dieser brotlosen Versuche war „Wer Liebe sucht“, im Original Tammy Wynettes Country-Schmachtfetzen „Stand By Your Man“ (1968; US # 19; 1975; D # 36; UK # 1), dem Michael Holm den deutschen Text verpasste, aber weder bei der Originalveröffentlichung 1969 noch bei der Wiederveröffentlichung 1975 im Zuge von Tammy Wynettes verspäteten Hit in Europa interessierte sich niemand dafür. Nicht wesentlich besser erging es der Rückseite „Auf, auf und davon“, wo sich Marion an dem Jim Webb-Standard „Up, Up & Away“ (US-Hitversion von den Fifth Dimension; 1967; US # 5) versuchte.

Anfang der 70er fügte sie ihrem Vornamen ein Maerz hinzu und probierte es gleich mit einer ganzen LP mit Songs einer weiteren amerikanischen Songwriterlegende, nämlich Burt Bacharach. „Seite 1 - Marion Maerz singt Burt Bacharach“ brachte allerdings auch keinen wesentlichen Karriereimpuls und abgesehen von „Du gehst fort“ (1975; D # 15), der deutschen Version von „Tu t’en vas“ von Alain Barriere & Noelle Cordier (1975, A # 1, D # 2) dümpelt ihre Karriere bis heute, unterbrochen von künstlerischen Schaffenspausen, eher erfolgs- und orientierungslos dahin.

Wer Liebe sucht (5/10)
Auf, auf und davon (5/10)

MFSB - Sexy (1975; Single)


Der Phillysound wurde nicht nur geprägt durch die beiden Songwriter und Produzenten Kenny Gamble & Leon Huff, sondern vor allem durch die kongeniale Umsetzung ihrer musikalischer Vorstellungen durch das über 30 Musiker umfassendes Musikerkollektiv Mother, Father, Sister, Brother, besser bekannt unter dem Kürzel MFSB, dass als Begleitband auf zahlreichen Hits von Herold Melvin & The Bluenotes, O’Jays, Billy Paul oder den Three Degrees zu hören ist. Vereinzelt agierten MFSB auch auf Platten, die dem Phillysound nicht zugeordnet werden wie etwa William DeVaughn „Be Thankful for What You Got“ (1974; UK # 31, US # 4), das Jahre später von Massive Attack auf ihrem Album „Blue Lines“ (1991) coverten.

Neben der Studioarbeit gingen sich zwischendurch auch mal eigene Platten aus, darunter gemeinsam mit den Three Degrees (deren Wortanteil sich nur auf die gegen Ende hin gesungenen „Do-Do-Do-Do-Do-Do“s und „Let’s Get It On/It’s Time To Get Down“ beschränkt) den fast zwingenden Tanzflächenfüller „T.S.O.P (The Sound of Philadelphia)“ (1974; A # 17, D # 5, UK # 22, US # 1), gleichzeitig eine der Hymnen des Phillysounds und gleichzeitig das Titelthema der US-Musikshow „Soultrain“.

Die Nachfolgesingle „Love Is The Message“ (1974; US # 85), bei der ebenfalls Three Degrees mit von der Partie waren und gleichzeitig der Titeltrack ihres Debutalbum, konnte bei weitem nicht an den Erfolg von „T.S.O.P“ anschließen, etwas besser verkaufte sich hingegen der gänzlich instrumentale, allerdings zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geratene Discokracher „Sexy“ (1975; UK # 37; US # 42“). Ähnlich erging es allen anderen danach veröffentlichten MFSB-Platten, mit Ausnahme des auf dem Soundtrack zu „Saturday Night Fever“ inkludierten „K-Jee“ und dem kurz vor ihrer Auflösung erschienen „Mysteries Of The World“ (1981; UK # 41).

(7/10)

Nilsen Brothers - Aber dich gibt’s nur einmal für mich (1967; Single)


Zu dieser allseits bekannten Single, die sicherlich selbst strikte Schlagerverweigerer mögen oder gar in angeheiterten Zustand gesungen haben, was sie aber natürlich nie zugeben würden, gibt es eigentlich nicht mehr viel sagen außer der Tatsache, dass es der bereits 1965 aufgenommene Titel trotz der immensen Popularität nicht in die deutsche, sondern nur in die österreichische Hitparade schaffte (1967, A # 3) und bislang nicht geklärt werden konnte, ob die Gebrüder Nilsen (die eigentlich keine Brüder waren, sondern nur eine an ihren Produzenten Nils Nobach angelehnte Wortschöpfung) für dieses Cover, insbesondere für das eigentümliche Gehänge, um das sie selbst Zuhälter und Rapper beneiden dürften, einen Waffenschein benötigt haben.

(7/10)

Petra Prinz - Wer fürchtet sich vor’m schwarzen Mann/Wünsch dir niemals mehr (1965, Single)

Neben singenden Schauspielern, Nonnen oder Sportlern versuchten in den 60ern auch Vertreter nicht so außergewöhnlicher Berufsgruppen im Plattengeschäft Fuß zu fassen. Ob jene Werktätigen nun auch tatsächlich der ihnen nachgesagten Beschäftigung nachgingen oder ob es nur ein Promotiongag war sei einmal dahingestellt, jedenfalls schafften nur wenige den meist kurzfristigen Sprung von der Werkstatt, Büro etc. auf die Showbühne wie etwa das österreichische Duo Helmut & Robert. Beide präsentierten sich als „singende Schlosser“ und brachten es dank „Hejo Hejo Blue River Baby“ (1965; A # 5) immerhin zu einer Hitsingle.

Nicht im Blaumann, sondern mit weißer Schürze versuchte sich auch die Krankenschwester Petra Prinz in diesem Metier und die Chancen, dass sie tatsächlich den Durchbruch schaffen könnte, standen ziemlich gut. Schließlich waren ihre ersten Aufnahmen die deutschen Versionen zweier Hits von Sonny & Cher, „I Got You Babe“ (1965; A # 9, D # 3, UK # 1, US # 1) und „But You’re Mine“ (1965; UK # 17, US # 17), die sie 1965 gemeinsam mit Benny Quick („Motorbiene“, 1962; D # 27; Originalversion: Tico & The Triumphs alias Simon & Garfunkel - „Motorcycle, 1962; US # 99) für eine Single aufnahm, aber „Bleib bei mir, Babe“ als auch „Wir gehen unseren Weg allein“ blieben gegen die Originale chancenlos.

Nach diesem Flop versuchte es Petra Prinz solo, ein Erfolg für „Wünsch’ dir niemals mehr (als dir die Liebe bestimmt)“ mit dem in Zeiten wie diesen zumindest dem Titel nicht ganz den Regeln der Political Correctness entsprechenden, aber natürlich harmlosen „Wer fürchtet sich vor’m schwarzen Mann“ blieb bloßes Wunschdenken. Nicht viel besser erging es den Nachfolgesingles „Wenn du von Liebe sprichst“/Uff sprach das Indianergirl“ (1966) und „Und die Sterne seh’n zu dir“/“Ich brauch keine Reichen“ (1966), was zur Folge hatte, dass Petra zwangsläufig ihre Karriere vom Tonstudio wieder ins Krankenhaus verlegte.

Daß sie ihrer Profession auch treu blieb ist allerdings nur eine Vermutung, denn wer beispielsweise mit google Infos über Petra Prinz ersurfen will wird etwa irgendwann auf diese Homepage stoßen, wo der (S)Exploitation-Film „Ich, ein Groupie“ mit Ingrid Steeger in der Hauptrolle rezensiert wird und unter den Darstellerin eine Petra Prinz aufscheint.

(5/10)

Radha Krishna Temple - Hare Krishna Mantra/Prayer To The Spiritual Masters (1969, Single)

Hare Krishna
Hare Krishna
Krishna Krishna
Hare Hare

Hare Rama
Hare Rama
Rama Rama
Hare Hare

Diese meditative Ausrufungsformel der Hare Krishna-Jünger dürften heutzutage nicht nur fleißigen Fußgängerzonenfrequentierern in Großstädten bekannt sein. Um 1970 hörte man es zwar weitaus seltener in Fußgängerzonen, aber dank der Londoner Formation Radha Krishna Temple und ihrer Single „Hare Krishna Mantra“ (1969; A # 10, D # 15, UK # 12) umso öfter im Radio und auf Platte. Es ist aber fraglich, ob dieser Überraschungserfolg ohne der tatkräftigen Mithilfe des wohl bekanntesten Hare Krishna-Anhänger zustande gekommen wäre, denn schließlich war dieser kein Geringerer als George Harrison, der seine Begeisterung für Hare Krishna kurze Zeit später in seinem Klassiker „My Sweet Lord“ (1971; A, D, UK, & US # 1; 2002; UK # 1) verlautbarte.

Für Radha Krishna Temple beschränkte sich seine Missionstätigkeit allerdings auf das Produzieren und neben „Hare Krishna Mantra“ und der dazugehörigen Rückseite “Prayer To The Spiritual Masters” resultierten daraus die LP „Radha Krishna Temple“ und mit „Govinda“ eine weitere und zugleich letzte Hitsingle (1970; UK # 23). Dabei handelte es sich um ein weiteres Mantra, das mehr als zweieinhalb Jahrzehnte später von Kula Shaker noch erfolgreicher aufgegriffen wurde (1996; UK # 7), ohne jedoch eine spürbare Erhöhung der Mitgliederzahl an Hare Krishna-Anhängern zu bewirken.

Radha Krishna Mantra (7/10)
Prayer To The Spiritual Masters (7/10)

Sandie Shaw - Du bist wunderbar/Dein anderes Gesicht (1968, Single)


Nach ihrem Gewinn beim Songcontest 1967 mit „Puppet On A String“ (1967; A # 1, D # 1, UK # 1) gelang der barfüßigen Popprinzessin zwar kein adäquater Erfolg mehr, die dadurch gewonnene Popularität ermöglichte noch bis 1970 vereinzelte Chartnotierungen.

Wie manche ihrer Kolleginnen sorgte sie höchstpersönlich für die Eindeutschungen ihrer eigenen Hits, so auch bei „Du bist wunderbar“ (1968; D # 28), der deutschen Version von „You’ve Not Changed“ (1967; UK # 18), der wie die meisten ihrer Hits von „Yesterdays Man“ Chris Andrews geschrieben wurde.

Keine Ausnahme davon bildet die Rückseite „Dein anderes Gesicht“, im Original „You’ve Been Seeing Her Again“, der B-Seite von „Tonight In Tokyo“ (1967; UK # 21), die mit einem interessanten Arrangement (Hawaiigitarren, Percussion) aufwarten kann.

Du bist wunderbar (6/10)
Dein anderes Gesicht (7/10)

Spinach - Action Man Part 1 & 2 (1971, Single)


Unter dem Namen „Stop International Produktion“ bastelten Michael Holm und Giorgio Moroder seit Mitte der 60er zahlreiche Hits, teils für andere als auch für sich selbst wie etwa Holms Mendocino“ (1969; A # 1, D # 3; Originalversion; Sir Douglas Quintett; A # 2, D # 2, US # 15) oder Moroders „Looky Looky“ (1969; D # 26). Was solo bestens funktionierte, konnte eigentlich auch gemeinsam gar nicht schief gehen, dürften sich die Beiden 1971 gedacht haben und schritten zur Tat. Unter dem Pseudonym Spinach veröffentlichten die Beiden 1971 unter dem Pseudonym Spinach die Single „Action Man Part 1 & 2“, wobei sie dafür mittels einem bis auf rote Socken, einige Handvoll Salatblätter und ein Stirnband unbekleidetes Model ein Cover gestalteten, bei der Alice Schwarzer möglicherweise rot gesehen hat. Die durchaus geschmackvolle Mischung aus, sagen wir mal Santana und Jethro Tull (letztere Einflüsse sind aufgrund des massiven Querflöteneinsatzes auf der instrumentalen Rückseite nicht zu leugnen) verwelkte überraschenderweise in den Regalen der deutschen Plattenläden, lediglich in Japan erfreute man sich dem bekömmlichen Gemüse. Bevor Moroder etwas später in den USA Donna Summer discotauglich trimmte und Holm in den Gefilden des deutschen Schlagers schipperte schoben Holm & Moroder deshalb exklusiv für den japanischen Markt ein „Spinach“-Album nach, dass erst kürzlich wiederveröffentlicht wurde.

Action Man Part 1 & 2 (7/10)

Caterina Valente - Precipite volissime volmente (1963, Single)

1963 schien das Dauerabonnement von Caterina Valentes auf vordere Plätze in den deutschen Charts langsam aber sicher abzulaufen. Ihre Soloplatten schafften es ab diesem Zeitpunkt bestenfalls unter die Top 30, gleichzeitig waren „Lup-di-lu“ (1963; D # 11), „Goodbye Hawaii (1963; D # 46) und „I Love You“ (1963; A # 17, D # 17; Originalversion: Perry Como - (I Love You) Don’t You Forget It; 1963; D # 17, US # 39) die letzten erfolgreichen Singles mit ihrem Bruder Silvio Francesco.

Glücklicherweise hatte Caterina dank ihrer Aufnahmen in über einem Dutzend Sprachen ein paar zusätzliche Standbeine und konnte deshalb auch ein paar Erfolge in Italien verzeichnen, darunter auch mit dem flotten, mit einem furiosen Saxophonsolo garnierten Twistschlager “Precipite volissime volmente”, wo Caterina in atemberaubenden, fast schon rapverdächtigen Tempo agiert.

(7/10)

Vicky - Grünes Licht/Sagt mir, wo ist mein Boy (1967, Single)


Ein paar Monate nach ihrem 4. Platz beim Eurovisions-Songcontest mit „L’amour est bleu“ (1967; D # 18, D # 27) (was Orchesterchef Paul Mauriat dazu inspirierte, den Titel äußerst erfolgreich als „Love Is Blue“ (1968; A # 19, D # 32, UK # 12, US # 1) neu aufzunehmen), ging Vicky Leandros Farbenspiel mit „Grünes Licht“ (1967; A # 18, D # 36) munter weiter. Dieser auffallend gut produzierte Uptempo-Beatschlager kann eine starke Ähnlichkeit mit „Here Comes My Baby“ von den Tremeloes (1967; A # 11, D # 14, UK # 4, US # 12) nicht leugnen und auch auf der Rückseite gibt es bekanntes, nämlich mit „Sagt mir, wo ist mein Boy“ die deutsche Version des Bee Gees-Hits „New York Mining Desaster 1941“ (1967; D # 10, UK # 12, US # 14).

Grünes Licht (7/10)
Sagt mir, wo ist mein Boy (6/10)

Waikikis - Hawaii Tattoo (1961, Single)

„Die amerikanische Instrumentalgruppe hatte Anfang der 60iger Jahre mit schlichter, hawaiianischer Folklore großen Erfolg, “Hawaii Tattoo war die erste Aufnahme der Combo, die erst über Europa in ihrer Heimat in die Hitparade kam“

Soweit Wolfgang Wittmann mit seiner Kurzbeschreibung der Waikikis in seinem 1984 erschienen „Österreichischen Hitlexikon“. Damals gab es kaum Informationen zu dieser Band, das Internet war noch einigen amerikanischen Wissenschaftlern und Universitäten vorbehalten und deshalb dürfte Wittmann aufgrund des authentischen Sounds der Band gemutmaßt haben, dass die Band eigentlich nur aus Amerika stammen müsse.

Zwei Jahrzehnte später wissen wir es allerdings besser: Die Waikikis dürften vermutlich am gleichnamigen hawaiianischen Strand nur mit dem Finger auf der Landkarte gewesen sein, denn sie stammten tatsächlich aus dem nicht ganz so exotischen Belgien. „Hawaii Tattoo” (1962; A # 5, D # 4; 1964: US # 23,1965; UK # 41) versüßte im deutschen Sprachraum den Winter und das Frühjahr 1962 und kletterte, welchen Gründen auch immer, mit zweijähriger Verspätung auch in die amerikanischen und englischen Charts.

Die Rückseite „Waikiki Welcome“ steht „Hawaii Tattoo” übrigens in Sachen breitenwirksamen Hawaii-Klischee fast um nichts nach, wäre da nicht diese enervierende Flöte.

Nach “Hilo Kiss” (1962; D # 24) und der thematisch möglicherweise daraus resultierenden “Hula-Hochzeit” (1962; D # 40) war der Hulazauber allerdings wieder verpufft, obwohl die Waikikis durchaus originelle Bearbeitungen bekannter Standards im Repertoire hatten wie „Der dritte Mann auf Hawaii“, „Mein Hut, der hat drei Ecken“, oder „When The Saints Go To Hawaii“, die man auf dem bei Bear-Family erschienen Album „Hawaii Tattoo“ lauschen kann. Baströckchen, Hulamädchen und Sand werden allerdings nicht mitgeliefert.

Hawaii Tattoo (8/10)
Waikiki Welcome (6/10)

Ricky Wilde - I Am an Astronaut (1972, Single)

Ricky Wilde ist der kleine Bruder von Kim Wilde und der Sohn des britischen Rock’n’Roll-Stars Marty Wilde, der gemeinsam mit Songwriter & Produzenten Pete Shelley seinem damals elfjährigen Sohn das im “Neanderthal Man“-Beat gehaltenen „I Am an Astronaut“ maßschneiderte, aber den Flug in die Charts nicht schaffte.

(6/10)

Herb Alpert & The Tijuana Brass - Going Places (1965, LP)


Hm, das obige Plattencover ist jenes der Herb Alpert & The Tijuana Brass-LP „Ninth“, aber warum ist als Titel dieser Rezension „Going Places“ betitelt? Hier besteht, um einen früheren österreichischen Bundeskanzler zu zitieren, Erklärungsbedarf und der sieht folgendermaßen aus:

Auf der Plattenbörse stöberte ich unter hunderten von LPs um 2,50 Euro herum und entdeckte die besagte Herb Alpert & The Tijuana Brass-LP „Ninth“, auf der sich mit „A Banda“ (1967, A # 9; US # 35; 1968; D # 22) und „The Happening“ (1967; US # 32; Originalversion: Supremes; 1967; A # 7, UK # 6, US # 1) zwei Titel befinden, die ich schon länger gesucht hatte. Es folgte ein kurzer routinermäßiger Check des Zustands der Platte, ein Blick auf das Label bestätigte, dass Plattenfirma (A & M) und Interpreten übereinstimmten und schon wechselte die LP den Besitzer.

Zuhause wurde die Platte gereinigt, auf den Plattenteller gelegt, die Nadel auf ihre Reise durch Herb Alperts „Ninth“ losgeschickt und in freudiger Erwartung mit „A Banda“ der erste Track des Albums erwartet. Daraus wurde es allerdings nichts, denn die Freude wich rasch der Verwunderung darüber, als statt „A Banda“ der Titel „Tijuana Taxi“ erklang. Nach Betätigen der „Cut“-Taste meines Plattenspielers und einem Blick auf das Label war alles klar: Statt „Ninth“ befand sich in der Plattenhülle die LP „Going Places“ und dazu fiel mir sofort nebenstehender Witz aus dem Melody Maker vom 20. August 1977 ein: Zur Erklärung, Kathy Kirby war eine englische Schlagersängerin, die in den 60er einige Hits hatte, darunter „Secret Love“ (1963; UK # 4), einer aufgrund ihrer etwas gewöhnungsbedürftigen Stimme schauerlichen Version des gleichnamigen Hits von Doris Day (1954; UK & US # 1) und wenn ein Stranglers-Fan in der Plattenhülle eines Albums seiner Lieblinge stattdessen eine LP namens „The World Of Kathy Kirby“ vorfindet ist das wahrhaft ein harter Schlag. Im gegenständlichen Fall hielt sich die Enttäuschung bzw. der Ärger darüber, das ausgerechnet mir ein derartiger Lapsus passiert war, natürlich in Grenzen, denn „Going Places“ sicherlich das beste Album von Herb Alpert & The Tijuana Brass.

Wer daran zweifelt bzw. das aufgrund unbegründeter Vorurteile das Gesamtwerk von Herb Alpert grundsätzlich in Frage stellt sollte sich mal die hier enthaltene „Third Man Theme“ (1965; US # 47), der fast schon Go-Go-Club-tauglichen Version von Anton Karas’ Thema zum dritten Mann (1950; US # 1) zu Gemüte führen, die als erste Single ausgekoppelt wurde. Noch aufsehenerregender eine weitere Bearbeitung eines populären Filmthemas, nämlich „Zorba The Greek“ (1965; US # 11) aus „Alexis Sorbas“ mit einer temporeichen Symbiose von Marriachi-Trompeten auf Bouzoukis. Darüberhinaus sind gibt es auf „Going Places“ mit „Tijuana Taxi“ (1965; UK # 37, US # 38) und „Spanish Flea“ (1965; UK # 3, US # 27) zwei jener Titel, mit denen man untrennbar den typischen Sound von Herb Alpert & The Tijuana Brass assoziiert, ähnliches gilt auch für „I'm Getting Sentimental Over You“, „Felicia“, „Cinco de Mayo“, bei denen sich, ohne sie dem Titel nach zu kennen, zumindest meinerseits auch Vertrautheit einstellt.

Eine LP, randvoll mit partytauglichen Klassikern, mehr kann man eigentlich nicht von einem unfreiwilligen Fehlkauf eigentlich nicht erwarten. Oder vielleicht doch, nämlich da passende Cover. Sollte also jene(r) Plattenkäufer(in), der/die in der Hülle von „Going Places“ die LP „Ninth“ vorgefunden hat, diese Zeilen lesen, weiß sie/er hoffentlich, was zu tun ist ...

(8/10)


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