Börsenreport 24.04.2004

Plattenbörse in der Wiener Stadthalle, 24.04.2004


Wäre am Tag darauf bei der Bundespräsidentenwahl vor den Wahllokalen ein ähnlicher Andrang gewesen wie bei dieser Plattenbörse hätte es unter Umstände jenes Ergebnis von 54 % für Benita Ferrero-Waldner zu 46 % für Heinz Fischer gegeben, dass die ORF-Technik irrtümlich zu Beginn der Spät-ZIB am Wahlabend den staunenden Zuschauern präsentierte und da das Endergebnis bekanntermaßen etwas anders ausfiel, ist unserer Leider-Nicht-Bundespräsidentin das allgegenwärtige Lächeln flugs verflogen. Im Gegensatz dazu hatte ich viel Grund zur Freude, aber nicht aufgrund es Wahlergebnisses, da mich das Amt des Bundespräsidenten ohnehin nur periphär tangiert, sondern wegen der Schätze, die ich auf der Plattenbörse ausgegraben hatte, wie auf den ersten Blick haarsträubendes wie ein Frühwerk von Roberto Blanco bis zum funky Groove von Dennis Coffees „Scorpio“. Details folgen!

ABBA – Fernando/Hey Hey Helen
Bob Andy & Marcia Griffith – Young, Gifted & Black
Romy Bäumer & die Amigos - Pepito
Brook Benton – A Million Miles From Nowhere/Devoted
Black Slate - Amigo
Roberto Blanco – Am Tag als der Regen kam/Die Gitarre und das Mee
Gerd Böttcher – Adieu-Lebewohl-Goodbye/Deine roten Lippen
James Brown – Get On The Good Foot Part 1 & 2
Chad & Jeremy - Yesterday's Gone/A Summer Song
Gigliola Cinquetti – Alle Porte Del Sole
Dennis Coffey & The Detroit Guitar Band – Scorpio/Sad Angel
Nat “King” Cole – Those Lazy-Hazy-Crazy Days Of Summer/In The Cool Of The Day
Perry Como – Perry Como Sings The Pops EP
Daisy Clan – Lions In The Tree
DBM & T – Tonight Today/Bad News
Silvio Francesco – Die blauen Nächte von Santa Maria
Frank Farian – Bleib bei mir
Gepy & Gepy - Body To Body
Gigolo Aunts – Mrs. Washington/Ask
Gitte – Mini oder Maxi/Ich verliebe mich nicht mehr
Los Hermanos Rigual – Caliente, Caliente
Reni Heiberg & die Rivieras – Weiße Rosen aus Athen
Michael Holm - Baby, du bist nicht alleine/Giorgio und ich
Michael Holm - Ein verrückter Tag/Mon amour Diane
Michael Holm - Gimme Gimme Your Love/Oh Oh July
Bata Illic - Candida
James Brothers – Wenn du heute ausgehst/Die jungen Jahre
Bert Kaempfert – Mitternachts-Blues
Renate Kern – 1990
Cliff King & Orchester - Wunder gibt es immer wieder
Anita Lindblom – Männer sind knapp
Partridge Family – I Think I Love You
Pioneers – Give A Little, Take A Little
David Seville & The Chipmunks – Alvin’s Harmonica
Donna Summer – I Feel Love
Vicky – L'amour est bleu
Vicky – Morgen sehen wir uns wieder
Gerhard Wendland – Überall blühen Rosen
Stevie Wonder – Another Star
Retta Young – Sending Out An S.O.S.
Various Artists – Klingende Post II/1967

Romy Bäumer & die Amigos – Pepito/Reni Heiberg & die Rivieras – Weiße Rosen aus Athen (1962, Single)


Keine Ahnung, wer hinter diesen imposanten Namen steckt, jedenfalls lieferten diese beiden No Names durchaus nette Coverversionen von Yvonne Carres „Pepito“ (1962; D # 15; Originalversion: Los Machucambos; 1961; A # 1; D # 2) und Nana Mouskouris„Weiße Rosen aus Athen“ (1961; A # 5, D # 1) für das deutsche Billiglabel baccarola

(beide 6/10)

Brook Benton – A Million Miles From Nowhere/Devoted (1958, Single)


Obwohl der farbige Crooner Brook Benton (1931-1988) rund 50 Top 100-Platzierungen für sich verbuchen konnte, darunter “You Got What It Takes“ (1960; US # 5; gemeinsam mit Dinah Washington), „The Boll Weevil Song“ (1961; UK # 30, US # 2) oder “Rainy Night In Georgia” (1970; US # 4; davon gibt es eine höchst empfehlenswerte Reggaeversion von Nicky Thomas) ist er heute eher ein seltener Gast auf den Playlisten einschlägiger Radiosender. Wenn dann aber tatsächlich ein Titel von ihm gespielt wird ist das höchstwahrscheinlich „A Rockin' Good Way“ (1960; US # 7), sein Duett mit Dinah Washington. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich wurde dieser Song rund 25 Jahre nach erscheinen von Shakin’ Stevens & Bonnie Tyler erfolgreich reaktiviert (1984; A # 5; D # 22, UK # 5), was auch dem Original einen entsprechend hohen Bekanntheitsgrad beschert hat.

Zu Unrecht weit weniger populär ist “A Million Miles From Nowhere” (1958; US # 82), seine erste Chartsingle, die unverständlicherweise relativ wenig Käufer fand, schließlich kann sie mit einem für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen „Uuu-uuu“-Intro aufwarten, auch die gelungene Ballade „Devoted“ auf der Rückseite hätte weit mehr Aufmerksamkeit verdient. Die sollte Benton erst ein knappes Jahr später zuteil werden, als ihm mit „It’s Just A Matter Of Time“ (1959; US # 3) der Durchbruch gelang.

A Million Miles From Nowhere (8/10)
Devoted (8/10)

Black Slate - Amigo (1980, Single)

Anfang Juli 1989 entdeckte ich bei einem meiner Streifzüge durch das Reich der Kurzwelle auf BBC World Service die von der britischen Radiolegende Jimmy Saville (später von Paul Burnette) moderierte „Vintage Chart Show“, in der wöchentlich (meist im 9-Jahres-Rhythmus) eine „alte“ Wertung der britischen Top 10 (später Top 20) präsentiert wurde. Was das mit „Amigo“ von Black Slate (1980; UK # 9) zu tun hat? Ganz einfach, erstmals hörte ich jenen einzigen Hit dieser zu Unrecht längst vergessenen britisch-jamaikanischen Reggae-Formation anlässlich einer Sendung über die Charts des September 1980 im September 1989 und ich hätte nie gedacht, dass es fast 15 Jahre bis zu einem Wiederhören dauern sollte.

(8/10)

Roberto Blanco – Am Tag als der Regen kam/Die Gitarre und das Meer (1959, Single)

Im Herbst 2004 wurden die diversen Klatschspalten und einschlägigen Print- bzw. TV- Hausfrauenfachmagazine dominiert von Berichten über die Ehekrise im Hause Blanco. Mehr als 40 Jahre davor gab es hingegen für Roberto Blanco weit weniger Schlagzeilen, da zählbare Erfolge noch lange auf sich warten ließen. Einer der Gründe dafür war die Tatsache, dass er hauptsächlich die deutschen Versionen von internationalen Hits singen musste, die gegen jene von anderen deutschsprachigen Interpreten chancenlos waren. So wurde etwa seine Interpretation von „Wo meine Sonne scheint“, der Eindeutschung des Harry Belafonte-Hits „Island In The Sun (1957; A & D # 5, UK # 3, US # 25) von der Version von Caterina Valente (1957; A & D # 1) völlig überstrahlt .

Gleiches gilt für „Am Tag, als der Regen kam“, dass man eher mit Dalida (1959; A # 2, D # 1; englische Version: Jane Morgan - The Day When The Rains Came Down“; 1958; UK # 1, US # 21 ) als mit Roberto Blanco assoziiert wird. Dabei handelt es sich übrigens um die Rückseite von „Die Gitarre und das Meer“, das gegen das millionenverkaufte Original eines gewissen Freddy (1959; A & D # 1) freilich auch keine Chance hatte.

Roberto Blancos Karriere erhielt den entscheidenden Impuls erst 1969 mit seinem Gewinn des „Deutschen Schlagerfestivals“ mit dem Titel „Heute So, morgen so“ (1969; D # 10) und ist seither im deutschen Sprachraum großer Beliebtheit . Interessanterweise konnte danach mit Ausnahme seines Signature Tunes „Ein bisschen Spaß muß sein“ (1972; D # 15) keine seiner Singles in diese hohen Chartregionen vorstoßen. Ob „Der Puppenspieler von Mexico“ (1972; D # 49; Originalversion: Tom Jones – The Young Mexican Puppeteer“; 1972; D # 35, UK # 6, US # 80) oder „Ein himmelblaues Motorrad“ (1973) fast jeder kennt sie heute noch, aber in den Hitparaden waren sie nur marginal erfolgreich bzw. konnten sich überhaupt nicht platzieren.

Die Gitarre und das Meer (6/10)
Am Tag, als der Regen kam (6/10)

James Brown - Get On The Good Foot Pt. 1 & 2 (1972; Single)

“Get On The Good Foot“ (1972; US # 18) ist nicht nur eine der besten Singles des Godfathers Of Soul, sondern gleichzeitig auch eine der besten Funksingles überhaupt, weshalb die dazugehörigen Bläsersätze, die Bassline und natürlich der Beat auf Dutzenden Hip-Hop-Scheiben auftauchten.

(9,5/10)

Chad & Jeremy – Yesterday’s Gone/Summer Song (1981, Original Release 1963/1964; Single)


Im Herbst 1963 entdeckte John Barry, seines Zeichens Leibkomponist von James Bond, das Duo britische Chad Stewart & Jeremy Clyde, dem er einen Plattenvertrag verschaffte und auch ihre Debutsingle „Yesterday’s Gone“ produzierte. Diese kletterte Ende 1963 bis auf Platz 37 der UK-Charts, danach wollten sich in ihrer Heimat aber keine weiteren Hits mehr einstellen.

Der globale Erfolg der Beatles und die damit verbundene britische Invasion eröffnete Chad & Jeremy, wie sich die beiden nun nannten, ab dem Frühjahr 1964 neue Absatzmärkte. Dabei dürften sie nicht nur davon profitiert haben, dass die US-Plattenkäufer fast alles kauften, was den Stempel „Made in England“ trug, sondern vermutlich auch von der Tatsache, dass die beiden mit ihren gleichzeitig sehr erfolgreichen Landsleuten Peter & Gordon („A World Without Love“; 1964; UK & US # 1) oftmals verwechselt wurden. Das kam nicht von ungefähr, den Ähnlichkeiten gab es nicht nur beim Sound, sondern auch optisch (Chad Stewart ebenso wie Peter Asher Brillenträger), weshalb auf den ersten Blick Verwechslungen nicht auszuschließen waren

Wie auch immer, auf alle Fälle schafften es Chad & Jeremy mit „Yesterday’s Gone“ auf Anhieb auf Platz 21 der US-Charts, mit der Nachfolgesingle „A Summer Song“ (1964; US # 7), einem relaxten Ohrwurm mit elegantem Streicherteppich gelang der größte Hit. Während man in ihrer Heimat diesen Erfolg ignorierte folgten bis 1966 mit “Willow Weep For Me“ (1964; US # 15), „If I Loved You” (1965; US # 23), “I Don't Wanna Lose You Baby“(1965; US # 35) und “Distant Shores” (US # 30) weitere Top 40 Hits. Ihre damalige Popularität in den USA lässt sich dadurch ermessen, dass sie sogar in einer Folge von „Batman“ mitwirkten, wo sie „Distant Shores“ und die unverständlicherweise gefloppte bzw. passend betitelte Single „Teenage Failure“ (1966; US # 131) zum besten gaben. Zwischendurch ging sich für Chad Stuart auch die Solosingle, „The Cruel War“ (1966; US # 110; im Original von Peter, Paul & Mary; 1965; US # 52), die er mit seiner Frau Jill aufnahm.

Nach 1966 wagten Chad & Jeremy den Schritt zur Psychdelik, aber weder die Alben „Of Cabbages And Kings“ (1967) und „The Ark“ (1968) noch die dazugehörigen Singles fanden Käufer, weshalb die beiden 1970 getrennte gingen. Nach mehreren vereinzelten Reunionkonzerten seit den 80ern haben meldeten sich die beiden 2003 aber überraschend mit einem Album zurück.

Yesterday’s Gone (4/10)
Summer Song (6/10)

Nat King Cole - Those Lazy-Hazy-Crazy Days Of Summer/In The Cool Of The Day (1963, Single)

Der Sommerklassiker “Those Lazy-Hazy-Crazy Days Of Summer” (1963; US # 6) war einer der letzten großen Hits des 1965 verstorbenen Nat King Cole, sommerliches gibt es auch auf der im mediterranen Flair gehaltenen Rückseite „In The Cool Of The Day” (deutscher Verleihtitel „Begierde an schattigen Tagen“) aus dem gleichnamigen, in Griechenland spielenden Film mit Jane Fonda und Peter Finch.

(8/10)

Perry Como – Perry Como Sings The Pops (1958, EP)


Just Born To Be Your Baby (1957; US # 19)
Ivy Rose (1957; US # 32)
Catch A Falling Star (1958; A # 10, D # 16, UK # 9, US # 9)
Magic Moments (1958; UK # 1, US # 27)

Das Kunststück, das es die A- und B-Seite einer Single in die Charts schaffen, ist keineswegs nicht alltäglich. Dem legendären Crooner Perry Como gelang das aber etliche Male, darunter mit den vier Titeln dieser feinen EP.

Just Born To Be Your Baby (5/10)
Ivy Rose (5/10)
Catch A Falling Star (8/10)
Magic Moments (8/10)

Daisy Clan – Lions In The Tree (1969, Single)
Michael Holm – Ein verrückter Tag/Mon Amour Diane (1971, Single)
Michael Holm – Es ist schön bei dir zu sein (1972, Single)
Michael Holm – Gimme Gimme Your Love/Oh Oh July (1973, Single)
Michael Holm – Baby, du bist nicht alleine/Giorgio und ich (1973, Single)


Nach seinem ersten großen Hit „Alle Wünsche kann man nicht erfüllen“ (1965; D # 16) sollte es noch knappe 4 Jahre dauern, bis die Karriere von Michael Holm nach etlichen erfolglosen Singles wie „S.O.S.-Herz in Not“ mit „Mendocino“ (1969; A # 1, D # 3; Originalversion: Sir Douglas Quintett; 1969; A # 2, D # 2, US # 15) so richtig durchstartete. Wesentlichen Anteil daran hatte Giorgio Moroder, mit dem Holm seit 1966 ein überaus aktives Songwriter- und Produktionsduo bildete und unter dem Namen Spinat vor allem in Japan für Furore sorgten.

Darüberhinaus zeigte auch die Zusammenarbeit mit Joachim Heider, einem weiteren umtriebigen Produzenten und Songwriter, der auch selbst als Alfie Khan erfolgreich war („Sie kommt noch heut“; 1970; A # 6, D # 23), Anfang 1969 erste Früchte. Als Daisy Clan konnte man mit „Muny Muny Muny“ (1969; D # 27) in Deutschland einen kleinen Hit landen, ein paar Monate später wurde man auch in Österreich auf den Happysound des Daisy Clan aufmerksam, wo sich „Lions In The Tree” (1969; A # 9) und „Love Needs Love” (1970; A # 14) in den Charts platzieren konnten.

Nach 1970 war der Daisy Clan auch schon wieder Vergangenheit, denn Holm konzentrierte sich vermehrt auf seine höchst erfolgreiche Solokarriere. „Barfuß im Regen“ (1970; D # 6) und „Wie der Sonnenschein“ (1970; D # 9; Originalversion: Los Diabolos – Shalalala Oh Oh oh“) schlossen fast nahtlos an „Mendocino“ an, ebenso wie „Ein verrückter Tag“ (1971; D # 6), für dessen Rückseite „Mon amour Diane“ Produzent Giorgio Moroder sich gegen Ende deutlich an „Lucky Man“ von Emerson, Lake & Palmer (1971; D # 23, US # 48) orientierte.

Spätere Singles von Holm waren fast durchwegs deutsche Versionen internationaler Hits: „Es ist schön bei dir zu sein“ (1972; D # 22) war ein Cover von „Nice To Be With You“ von Gallery (1972; D # 28, US # 4), von „Gimmy Gimme Your Love (1973; D # 36; Originalversion: Giorgio)/Oh Oh July” (1972; D # 25; Los Diabolos) schafften es gleich beide Seiten in die deutsche Hitparade. Bemerkenswert an „Baby, du bist nicht alleine“ (1973; D # 19), dessen Original “I’d Love You To Want Me” von Lobo (1972; A # 9, US # 2; 1973; A # 9, A # 1, D # 1, 1974; UK # 5) erst im zweiten Anlauf in Österreich nach Verwendung des Titels in der Kommissar-Folge „Sonderbare Vorkommnisse im Hause von Professor S.“ so richtig zündete ist auch die Rückseite “Giorgio und ich“. Hier geht es wider Erwarten nicht etwa um eine Aufarbeitung der bisherigen Karriere von Holm und Moroder, sondern um eine klassische Dreiecksgeschichte. Ob dieser Titel tatsächlich autobiographische Züge trägt oder der Name Giorgio nur zufällig gewählt wurde konnte trotz eifriger Recherchen bislang allerdings nicht geklärt werden.

Lions In The Tree (6/10)
Ein verrückter Tag (6/10)
Mon amour Diane (7/10)
Es ist schön bei dir zu sein (5/10)
Gimmy Gimme Your Love (5/10)
Oh Oh July (6/10)
Baby, du bist nicht alleine (7/10)
Giorgio und ich (6/10)

Gepy & Gepy – Body To Body (1977, Single)

Gepy & Gepy waren kein Duo, sondern der rund 150 kg schwere Bud Spencer-Verschnitt Giampiero Scalamogna, dem 1977 mit dem Italo-Discohammer „Blu“ (1977; A # 17) der große Wurf gelang. Weitere Singles fanden außerhalb Italiens allerdings kaum Interesse, was möglicherweise an mangelnden Auftrittsmöglichkeiten lag, schließlich waren damals Großraumdiscos nicht so verbreitet.Vielleicht ist aber schlicht und einfach die musikalische Qualität von „Body To Body“ dafür verantwortlich, schließlich handelt es sich hier um zeitgenössischen Durchschnittsdisco, wie man ihn einst für zweitklassige Italo-Komödien oder Billigpornos einsetzte.

Zu Letzteren passt auch die Covergestaltung von „Body To Body“, wobei man sich wundert, warum Signore Scalamogna angesichts seiner Badebegleitung derartig grimmig blickt. War ihm das Wasser zu kalt (was man bei näherer Betrachtung des Covers, insbesondere bei zwei der drei Bathing Beauties eventuell auch annehmen könnte) oder hatte er Magendrücken, weil er vor dem Fotoshooting das gesamte Buffet verputzte?

(5/10)

Bata Illic - Candida (1970, Single)

Mit „Candida“ (1970; D # 4), der deutschen Version des gleichnamigen Hits von Dawn (1970; A # 5, D # 18, UK # 9, US # 3) gelang Bata Illic der erste Top 10-Hit in Deutschland. Unverständlicherweise geriet dieser Titel im Gegensatz zu seinen Wunschkonzertdauerbrennern “Mit verbundenen Augen“ (1968; D # 16), „Michaela“ (1972; D # 1), „Schwarze Madonna“ (1974; A # 9, D # 6) oder „Ich möcht’ der Knopf an deiner Bluse sein“ (1977; D # 36) nach 1970 völlig in Vergessenheit. Dabei hat seine Interpretation von „Candida“ einiges zu bieten, nämlich eine unbestreitbare Affinität zu Michael Holms „Mendocino“ (1969; A # 1, D # 3): So wie dieser in der kalifornischen Kleinstadt ist auch Bata auf der Suche nach seiner Liebsten, dazu hat man sich beim Arrangement die von „Mendocino“ bekannte Farfisa-Orgel abgeschaut und auch im Vergleich zum Original das Tempo deutlich erhöht.

(7/10)

Bert Kaempfert – Mitternachts-Blues (1958, Single)


Der „Mitternachts-Blues“ war der Titelsong zu dem Ruth Leuwerik-Streifen “Immer wenn der Tag beginnt“ und erschien in mehreren Versionen, auf denen sich diverse Trompeter in Szene setzen konnten. Die etwas sparsam arrangierte aber durchaus interessante Aufnahme von Heinz Schachtner schaffte es zwar nicht in die Hitparaden, aber zumindest in meine Sammlung. Weitaus erfolgreicher waren die Interpretationen von Horst Fischer (1958; A # 6, D # 8) und jene von Bert Kaempfert (1958; A # 6, D # 6). Hier spielte übrigens Billy Mo die Trompete, der bald darauf mit Singles wie ”Swing, Methusalem/Mary, My Girl” eine Solokarriere startete und knappe fünf Jahre später mit „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut (1963; A # 9, D # 1)“ seinen größten Hit landete.

(6/10)

Partridge Family – I Think I Love You (1970, Single)

Mit der ab September 1970 ausgestrahlten TV-Serie „The Partridge Family” rund um eine musizierende Familie, deren Vater verstorben ist und zwecks Lebensunterhalt eine Rockband gründen, wurden David Cassidy & Co. schlagartig zu Teeniestars. Gleich die erste dort präsentierte Single „I Think I Love You“(1970; A # 4, D # 29, UK # 18, US # 1) kletterte an die Spitze der US-Charts und wurde seither immer wieder gecovert, unter anderem von Voice Of The Beehive (1991; UK # 25). Aufgrund der enormen Popularität der Serie konnten sich mit “Doesn't Somebody Want To Be Wanted” (1971; US # 6), “I'll Meet You Halfway” (1971; US # 9), “I Woke Up in Love This Morning” (1971; US # 13), “It’s One Of Those Nights” (Yes Love)” (1971; US # 20; 1972; UK # 11), “Breaking Up Is Hard To Do” (1972; UK # 3, US # 28; Originalversion: Neil Sedaka, 1962; UK # 7, US # 1), “Looking Through The Eyes Of Love” (1972; US # 39, 1973; UK # 9) Gene Pitney (1965; UK # 3, US # 28), Am I Losing You (1972; US # 59), Friend And A Lover (1973; US # 99) und “Walking In The Rain” (1973; UK # 10) Ronettes (1964; US # 23), weitere, allesamt im umsatzträchtigen Bubblegum-Stil gehaltene Singles in den Charts plazieren. Nebenbei startete Cassidy mit Hits wie “How Can I Be Sure” (1972; D # 33, UK # 1, US # 25), “I Am A Clown” (1973; A # 2, D # 12, UK # 3) oder “Rock Me Baby” (1973; A # 14, D # 9, US # 38) eine erfolgreiche Solokarriere, die ihn nach dem Auslaufen der Partridge Family vor allem in England noch ein paar Hits einbrachte. Nach einem hitlosen Jahrzehnt ließ er mit „The Last Kiss“ (1985; D # 10, UK # 6; mit Backgroundvocals von George Michael) und „Romance“ (1985; D # 41, UK # 54; mit Samantha Fox als Partnerin im Video) kurzfristig wieder von sich hören, seither herrscht allerdings Funkstille.

(6/10)

Pioneers – Give And Take (1971, Single)

Das aus den Brüdern Sydney & Derrick Crooks und Glen Adams bestehende jamaikanische Reggaetrio Pioneers konnte um 1970 mit „Long Shot Kick De Bucket“ (1969; UK # 21), „Let Your Yeah Be Yeah“ (1971; UK # 5) und „Give And Take“ (1972; UK # 35, geschrieben und produziert von Jimmy Cliff) drei Chartsingles verbuchen. Danach gelangen den Pioneers keine Pioniertaten mehr, waren aber 1980 im Zuge der Ska-Welle mit „Long Shot Kick De Bucket“(1980; UK # 42) kurzfristig wieder in den UK-Charts vertreten.

(6/10)

Gerhard Wendland – Überall blühen Rosen (1967, Single)

“L’Important C’est La Rose” ist einer der legendärsten Chansons von Gilbert Becaud a.k.a. Monsieur 100.000 Volt, der auch selbst die deutsche Version „Überall blühen Rosen“ aufnahm. Ein paar Volt weniger hat die zurückhaltende Interpretation dieses Titels von Deutschlands damals führenden Crooner Gerhard Wendland, wenn auch diese mit Spinnett, Chor und großem Orchester etwas üppiger arrangiert ist. Allerdings fand diese Single, mit der Wendland seine nach 1966 ins Stocken geratene Karriere vergeblich wieder in Gang zu bringen versuchte, kaum Käufer und geriet völlig in Vergessenheit, während die Aufnahme von Becaud immer noch auf einschlägigen Radiosendern läuft.

(6/10)

Retta Young – Sending Out An S.O.S. (1975, Single)


“American Soul Smash” verheißt das Cover von “Sending Out An S.O.S” (1975; UK # 28), tatsächlich gibt es hier netten, wenn auch unspektakulären, mit Wah-Wah-Gitarren angereicherten Mitt-70er-Discosound. Retta Youngs Hilferuf für einen Nachfolgehit verhallten ungehört, denn ihr Kurzausflug in die britischen Charts blieb ihr erstes und zugleich letztes Lebenszeichen.

(6/10)

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