Börsenreport 27.04.2002

Plattenbörse in Wiener Neustadt, Ungarviertler Zentrum, 27.04.02.


Wenn schon meine Einnahmen bei dieser Plattenbörse eher als bescheiden zu betrachten waren hatte ich aufgrund des eher mäßigen Besucherzustroms ausreichend Gelegenheit, einige feine Vinylschätze auszugraben, wie zum Beispiel eine Single eines heute völlig vergessenen singenden Schauspielers, der später einer der ersten österreichischen Grünpolitiker werden sollte, einige nur auf den ersten Blick belanglose Popsingles aus den 80ern oder aber auch „Das Chris Howland Schlager-Studio 3. Folge", dessen bloße Nennung bei Vielen vermutlich Angstschweiß hervorrufen dürfte. Warum aber nicht bei mir? Check it out ...

Singles

ABBA - So Long
Wolfgang Ambros - Gö, do schaust/Wüst oda wüst net
B. Bumble & The Stingers - Nut Rocker/Bumble Boogie
Bucks Fizz - One Of These Nights
Dollar - Videotheque
Andrew Gold - Lonley Boy
Jimmy „Bo" Horne - Dance Across The Floor
Isotonik - Different Strokes/Hasta La vista
Tom Jones - Green, Green Grass Of Home/If I Had You
Propaganda - Dr. Mabuse
Frank Roberts - Johnny
Billie Jo Spears - Blanket On The Ground
Vicky - Klipp & Klar
Roger Whittaker - I Don't Believe In If Anymore

LPs

Carpenters - Beautiful Moments
Fausto Papetti - 23 Raccolta
Various Artists - Das Chris Howland Schlager-Studio 3. Folge
Various Artists - Out Of Sight

Abba - So Long (1974, Single)

1974: Ein Jahr, in dem Deutschland als Gastgeberland mit Größen wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller Fußballweltmeister wurde, Formel 1-Rennen noch ohne dubiosen Stallordern durchgeführt wurden und der Siegertitel beim Eurovisions-Songcontest noch Eingängigkeit besaß, was nicht weiter überraschend war, handelte es sich doch dabei um „Waterloo" (1974; A # 2, D # 1, UK # 1, US # 9) von Abba.

Die vier Schweden wollten allerdings bereits schon im Jahr davor beim Songcontest antreten, belegten aber bei der schwedischen Vorausscheidung, mit „Ring Ring"hinter so klingenden Namen wie Malta („Sommar’n som aldrig säger nej") und Ann-Kristin Hedmark („I varan värld") nur den dritten Platz. Während man von den beiden erstplazierten Sängerinnen keinen nachaltigen Eindruck in der Musikgeschichte hinterließen, waren Bjorn & Benny, Anna & Frieda, wie sie damals noch nannten und was auf ihren Platten prangte, die lachenden Dritten, denn „Ring Ring" (1973; A # 1, 1974; UK # 32) entwickelte sich zu einem internationalen Hit, der von Schweden über Südafrika bis nach Japan für Furore sorgte. Im deutschsprachigen Raum blieb der Erfolg vorerst nur auf Österreich beschränkt, wo sich auch die Nachfolgesingle „Nina, Pretty Ballerina" (1974; A # 8) in den Charts plazierte. Gemäß des damaligen Brauchs der deutschen Plattenindustrie wurden „Ring Ring" als auch „Nina, Pretty Ballerina" in bewährter zweifelhafter Manier eingedeutscht. Was es mit diesen deutschen Versionen auf sich hat kann man hier nachlesen.

Nach „Waterloo" und „Honey Honey" (1974; A # 2, D # 2, US # 51), das von dem englischen Duo Sweet Dreams gecovert wurde (1974; D # 42, UK # 10, US # 90) verabschiedeten sich Bjorn & Benny, Anna & Frieda, die inzwischen ihren doch etwas sperrigen Namen auf das besser zu vermarktende Trademark Abba verkürzt hatten, mit „So Long" (1974; A # 1, D # 11) von dem für sie so erfolgreichen Jahr 1974.

Obwohl die die Vier auf dieser Single in ähnlicher Manier wie bei „Waterloo" rocken und dazu noch stellenweise mit einprägsamen Syntheizer-Soundgimmicks aufpeppen erreichte sie allerdings nie den Stellenwert anderer Abba-Klassiker. Eine Ursache dafür dürfte darin zu suchen sein, daß „So Long" im Gegensatz zu anderen Abbasingles nicht weltweit, sondern nur in Dänemark, Frankreich, Jugoslawien, England, Australien, Schweden Deutschland und Österreich veröffentlicht wurde und sich überhaupt nur in den drei zuletzt genannten Ländern in den Charts plazieren konnte.

Diesen kommerziellen Durchhänger überwanden Abba aber bereits mit der nächsten Single „I Do, I Do, I Do, I Do, I Do" (1975; A # 4, D # 6, UK # 38; 1976; US # 21), die eine eindrucksvolle, ununterbrochene Hitserie einleitete, die erst 1982 mit „Under Attack" (A # 16, D # 22,UK # 26) endete.

(8/10)

Wolfgang Ambros - Gö, do schaust/Wüst oder wüst net (1975, Single)

„Gö, do schaust" (1975; A # 4) ist nicht gerade einer der populärsten Titel von Wolfgang Ambros, denn aufgrund seiner beißenden Kritik über das Österreichertum hält sich das Radioairplay dieser Single bis heute eher in Grenzen. Aber nicht nur textlich ist diese Single von Interesse, denn sie bietet auch raffinierte, bis dato nicht gehörte Keyboardsounds und die im Sirtaki-Rhythmus gehaltene Rückseite „Wüst oder wüst net" über eine zaudernde Beischlafpartnerin ist ohnehin ein Klassiker.

Gö, do schaust (7/10)
Wüst oder wüst net (7/10)

B. Bumble & The Stingers - Nut Rocker/Bumble Boogie (1973, Single)

Der eigentliche Star von B. Bumble & The Stingers, einer von 60er-Jahre-Ikone Kim Fowley produzierten Instrumentalformation war nicht etwa deren Leader und Gitarrist William "Billy" Bumble, sondern Pianist Fred Richards, der im verwegenen Stil von Jerry Lee Lewis die Tasten bediente und der Band den charakteristischen Sound verpaßte. Das Repertoire der Band bestand fast zur Gänze aus überaus rockenden Neubearbeitungen klassischer Melodien, so war der „Hummelflug" von Nikolai Rimsky-Korssakoff die Vorlage für „Bumble Boogie (1961, US # 21) und bei „Nut Rocker" (1962; UK # 1, US # 23; 1972; UK # 19) stand die „Nußknacker-Suite" von Modest Mussorski Pate.

Nach 1962 teilten B. Bumble & The Stingers das Schicksal der meisten Kim Fowley-Produktionen wie etwa den Hollywood Argyles („Alley-Oop", 1960; UK # 24, US # 1) oder Murmaids („Popsicles And Icicles", 1963; US # 3), die allesamt nach einem oder bestenfalls 2 Hits wieder spurlos von der Bildfläche verschwanden.

Nut Rocker (6/10)
Bumble Boogie (7/10)

Bucks Fizz - One Of These Nights (1981, Single)

Nach dem Gewinn des Songcontest mit „Making Your Mind Up" (1981; A # 1, D # 5, UK # 1) und „Piece Of The Action" (A # 11, D # 35, UK # 12) war „One Of These Nights" (A # 11, UK # 20) die dritte von rund insgesamt 20 Hitsingles in England des in klassischer Abba-Besetzung agierenden Quartetts. Durchaus netter Popsong, dessen Existenzberechtigung in meiner Sammlung allerdings hauptsächlich auf sentimentalen Gründen beruht.

(6/10)

Dollar - Videotheque (1982, Single)

David Paul Van Day und Thereza Lorraine Bazar trafen sich erstmals in der Formation Guys 'n' Dolls, die mit ihrem mehr als belanglosen Pop mit „There’s A Whole Lot Of Loving" (1975, UK # 2) und dem Dusty Springfield-Cover „You Don’t Have To Say You Love Me (1976; UK # 5) zumindest 2 Top 10-Hits in England landen konnte. 1977 hatten die Beiden, die sich inzwischen nicht nur den Platz auf der Bühne teilten, aber genug von den unterdurchschnittlichen Widerlichkeiten und trennten sich von der Band, um gemeinsam eine Solokarriere als Dollar zu starten. Bereits ihre synthesizerlastige Debutsingle „Shooting Star" (1978; UK # 14, 1979; D # 35, 1980; US # 91) landete in den internationalen Charts und bis 1988 sollten über ein Dutzend Hits in England folgen, darunter mit ihrem Beatles-Cover von "I Wanna Hold Your Hand" (1979; UK # 9) ein Ärgernis ersten Ranges.

Dennoch gab es einige Lichtblicke in der Karriere des Duos, für die Trevor Horn, einst selbst erfolgreich als Hälfte des Duos Buggles („Video Killed A Radio Star"; 1979; A # 1, D # 2, UK # 1, US # 59) und später einer der Topproduzenten der 80er (Frankie Goes To Hollywood, Art Of Noise, Propaganda), verantwortlich war. Nach „Hand Held In Black And White" (1981; UK # 19), „Mirror Mirror" (1981; UK # 4), und „Give Me Back My Heart" (1982; UK # 4) war „Videotheque" (1982; A # 20, UK # 17) die vierte und auch letzte Single, die unter Horns Regie entstand. Feinster Elektropop mit Synthesizer aller Art, Vocoder, ein fast nahtloser Anschluß an die „Video Killed A Radio Star"-Thematik inkl. der vermutlich ersten Nennung der Bezeichnung „VJ" in einem Popsong ergeben eine der feinsten Singles des Sommers 1982.

Nach „Videotheque" endete allerdings Horn’s Zusammenarbeit mit Dollar, da er gleichzeitig Mitglied bei den einstigen Progressive Rock-Heroen Yes wurde, die er mit "Owner Of A Lonley Heart" in ungeahnte Charthöhen führte, aus vertraglichen Gründen nicht mehr anderweitig produzieren durfte.

Mit Trevor Horn schien sich auch der Erfolg von Dollar verabschiedet zu haben, denn ihre nächste Single „Give Me Some Kinda Magic" (1982; A # 20, UK # 34), die sie selbst schrieben und produzierten, markierte vorläufige Ende ihrer Hitserie. Knappe 6 Jahre spätzer gelang ihnen mit „Oh l’amour" (1988; A # 24, D # 27, UK # 7) einer Coverversion einer nur in Deutschland erfolgreichen Single von Erasure (1986; D # 16), noch ein kurzes Aufbäumen, nach der Nachfolgesingle „It’s Nature’s Way" (No Problem)" (UK # 58) gingen sie nicht nur privat getrennte Wege.

(7/10)

Andrew Gold - Lonley Boy (1977, Single)

Nachdem er mit der Band Bryndle seine ersten Sporen verdiente wurde Andrew Gold, Sohn des Filmkomponisten Ernest Gold (1960 Oscar für „Exodus") ein gesuchter Arrangeur und anerkannter Studiomusiker, als der er zahlreiche Platten von James Taylor, Carly Simon oder Linda Ronstadt entscheidend prägte. 1975 veröffentlichte er sein selbstbetiteltes und kaum beachtetes Debutalbum, mit dem vom Westcoastsound geprägten Nachfolgealbum "What's Wrong With This Picture?" und der daraus ausgekoppelten exzellenten Single „Lonley Boy" (1977; UK # 11, US # 6) gelang ihm schließlich der Durchbruch. Ein Jahr darauf folgten mit „Never Let Her Slip Away" (1978, UK # 5; US # 61), „How Can This Be Love" (1978; UK # 19) und „Thank You For Being A Friend" (1978; UK # 42, US # 21) drei weitere Hitsingles, aber danach lief vorerst erfolgsmäßig gar nichts mehr und nachdem sein Plattenvertrag gekündigt worden war beschränkte er seine musikalischen Talente aufs Produzieren und ging unter anderem mit Linda Ronstadt auf Tour.

1985 erfuhr sein Leben eine entscheidende Wende, denn für die Titelmelodie der allseits beliebten Sitcom „Golden Girls" wurde „Thank You For Being A Friend" ausgewählt. Das diese nicht von ihm selbst, sondern von Cynthia Fee gesungen wurde, dürfte ihm aufgrund des immer noch anhaltenden Tantiemenregens kaum stören. „Golden Girls" ist aber nicht die einzige TV-Serie mit Andrew Gold-Bezug, denn bei „Mad About You" („Verrückt nach dir", mit Paul Reiser & Helen Hunt) durfte er den Titelsong „The Final Frontier" höchstpersönlich interpretieren.

Zwischenzeitlich versuchte er gemeinsam mit Ex-10CC-Mitglied Graham Gouldman unter dem Namen Common Knowledge 1984 vergeblich an die alten Erfolge anzuschließen. Erst als sich die Beiden auf Wax unbenannten konnte man zumindest einige Achtungserfolge mit den Singles „Right Between The Eyes" (1986; UK # 60, US # 43) und „Bridge to Your Heart" (1987, D # 19, UK # 12) feiern. Nach dem Flop der 1989 erschienen LP„A Hundred Thousand In Fresh Notes", von dem einige Tracks wie „Pictures Of Paris" in Österreich sogar zu Airplayehren kamen, warfen Gouldman und Gold das Handtuch.

Auch wenn sich die Verkäufe seiner seither veröffentlichten Platten auf das Mindestmaß beschränken, die Tantiemeneinkünfte von den „Golden Girls" und aus Coverversionen wie Undercovers „Never Let Her Slip Away" (1992; A # 23, D # 16, UK # 5), die daraus fast eine Hymne für alle Unterwäscheverweigerer machten (Remember: „Slip Away/Slip Away/Slip Away/Never Let Her Slip Away") sorgen dafür, daß auf Golds Konto kaum Ebbe herrschen dürfte.

(8/10)

Jimmy „Bo" Horne - Dance Across The Floor (1978, Single)

Bereits mit 18 veröffentlichte der Soulsänger Jimmy "Bo"Horne 1967 seine erste Single „I Can’t Speak", aber es bedurfte erst der Zusammenheit mit Miamis bewährten Produzentenduo Howie Casey und Richard Finch alias K.C. & The Sunshine Band , daß er 1975 mit „Gimme Some" einen ersten Achtungserfolg in den US-R&B-Charts erzielen konnte und schließlich mit dem Discoklassiker „Dance Across The Floor" (1978; US # 38) seinen größten Hit landete. Auch danach sämtliche seiner Singles floppten liefen sie in den Discos auf Dauerrotation und waren später immer wieder begehrte Samplequellen: So lieferte „Spank" (1978) (bei dem speziell der prägante Bläsersatz auf unzählige Male gesamplet wurde) die Grundlage für „Deep Menace" von D'Menace (1998; UK # 20) und ist auch auf dem „Joint Mix" von Tolga Flim Flam Balkan vertreten und „Connected" (1992; UK # 18) der Stereo MC’s basiert zur Gänze auf „Let Me (Let Me Be Your Lover)" (1978; US # 60). Mit dem Ende der Discoära verschwand auch Jimmy "Bo"Horne von den Tanzflächen bzw. von der Bildfläche.

(8/10)

Isotonik - Different Strokes/Hasta La Vista (1991, Single)

Nach den eher bescheidenen Erfolgen mit den Dancefloorsingles „Expansions ‘86" (1986; UK # 58), „Back In My Arms" (1987; UK # 74) und „Turn Up The Music" (1988; UK # 73), die der englische Produzent Chris Paul unter seinem Namen veröffentlichte, verschlug es ihn unter dem Projektnamen Isotonik mit „Different Strokes" (1992; UK # 12) kurzfristig und (bislang) zum einzigen Mal unter die Top 20 der britischen Charts. Für diese Single kombinierte Paul frühen Technosound a la Prodigy mit dem Latin-House-Track „You Used To Salsa" von Richie Rich (1991; UK # 52) und samplete für den Refrain mit "Different strokes, for different folks. Whatever makes you happy" den besten Moment aus Ten City's aufgrund der nervenden Falsettstimme deren Sängers Byron Stingley nur schwer erträglichen "Whatever Makes You Happy" (1990; UK # 60). Bei der ebenfalls an Prodigy orientierten Rückseite „Hasta La Vista" stammt der Vokalbeitrag, wie könnte es anders sein, von Arnold Schwarzenegger, der diese drei magischen Worte (OK, genau genommen sind es vier, heißt es doch bekanntlich „Hasta La Vista, Baby") aus „Terminator II" zumindest zweimal aufsagen darf.

Nach dieser völlig zu Unrecht vergessenen Hitsingle und der Nachfolgesingle „Everywhere I Go/Let’s Get Down" (1992; UK # 25) scheint sich Chris Paul an den Titel deren Rückseite gehalten zu haben, denn er verschwand danach völlig in der Versenkung.

Different Strokes (8/10)
Hasta La Vista (8/10)

Tom Jones - Green, Green Grass Of Home/If I Had You (1966, Single)

„Green, Green Grass Of Home" (1966, A # 2, D # 6, UK # 1, US # 13) muß man wohl nicht weiter vorstellen, dafür aber umso mehr die dazugehörige Rückseite, dem Uptempo-Soulshaker „If I Had You", wo der Tiger so richtig die Sau raus läßt und so machne Northern Soul-Party zum kochen bringt.

Green, Green Grass Of Home (8/10)
If I Had You (8/10)

Propaganda - Dr. Mabuse (1984, Single)

1984 erlebte der legendäre deutsche Filmregisseur Fritz Lang eine kurze Renaissance. Nicht nur seine 1926 uraufgeführte bizarre Zukunftsvision „Metropolis" kam in einer nicht unumstrittenen restaurierten Fassung und mit einem von Giorgio Moroder produzierten Soundtrack, der mit „Love Kills" von Freddie Mercury (1984, A # 5, D # 25, UK # 10, US # 69) und „Here She Comes" von Bonnie Tyler (1984; A # 15, D # 43, US # 76) zwei Hitsingles aufwarten konnte, wieder in die Kinos, auch die deutsche Synthipop-Formation Propaganda brachte mit „Dr. Mabuse" (1984; D # 7, UK # 27) einen weiteren Streifen von Fritz Lang wieder in Erinnerung.

Produziert wurde diese Single von keinem Geringeren als Trevor Horn, einstiger Hälfte des Duos Buggles („Video Killed A Radio Star"; 1979; A # 1, D # 2, UK # 1, US # 59) und zu diesem Zeitpunk einer der damaligen Topproduzenten (Frankie Goes To Hollywood, Grace Jones, Art Of Noise, Yes („Owner Of A Lonley Heart") , Dollar („Videotheque") ). Ähnlich wie bei Frankie Goes To Hollywood’s Relax wurden auch von Dr. Mabuse zahlreiche Remixes veröffentlicht, die passend zur mysteriösen Hauptfigur mit Wortungetümen wie „Das Testament Des Mabuse "The Third Side The World", " Femme Fatale (The Woman With The Orchid") oder (The Ninth Life Of...) Dr. Mabuse (The Word) betitelt waren. Auf der „normalen" Single war „Dr. Mabuse" (A Paranoid Fantasy) "The First Side A To-day" und „Dr. Mabuse der Spieler (An International Incident) "The Second Side: B To-Morrow" zu finden, wobei die Rückseite mit Elementen aus „Dr. Mabuse", einem überaus dramatischen Streichersatz und einem Cover von Velvet Undergrounds „Femme Fatale" eine Art akustischer Filmtrailer sein soll, der die diversen Remixes schmackhaft machen sollte.

Nach „Dr. Mabuse" dauerte es mehr als ein Jahr, die Propagandmaschinerie mit den ebenfalls von Trevor Horn produzierten Hits „P Machinery" (1985; D # 26, UK # 50) und „Duel" (1985; D # 30, UK # 21) wieder erfolgreich anlief, um danach aber bald wieder ins Stocken zu geraten und nach den Singles „Heaven Give Me Words" (1990, D # 40, UK # 36) und „Only One Word" (1990; UK # 71) gänzlich verstummte.

(7/10)

Frank Roberts - Johnny (1963, Single)

Wie viele längst vergessene Singles wären mir vorborgen geblieben, würde ich nicht das „Österreichische Hitlexikon" von Wolfgang Wittmann besitzen. In diesem unverständlicherweise nahezu unbekannten Standardwerk zur jüngeren österreichischen Musikgeschichte sind unter anderem alphabetisch sämtliche Interpreten aufgelistet, deren Platten es von 1956 - 1983 in die österreichischen Singles- bzw. Albumcharts schafften.

Wenn man diesen knapp 600 Seiten starken Wälzer durchblättert findet man beispielsweise zwischen dem illegitimen Roy Black-Nachfolger Chris Roberts („Hab ich dir heute schon gesagt daß ich dich liebe"; 1971; A # 7, D # 3) und Ralf Roberts, der mit seinem „Leierkastenmann von Notre Dame" (1959; A # 8) nicht wirklich in die deutschsprachige Musikgeschichte einging, einen gewisser Frank Roberts, dessen Single „Johnny" (1964; A # 10) sich auch in den österreichischen Charts plazieren konnte.

Auch ohne diese Platte jemals zuvor gehört zu haben hat sie bereits optisch einigen Unterhaltungswert, denn auf dem Label ist als Titel „Jonny" angegeben und als Interpret scheint „Frank Roberts; Sprecher und die Bongo-Band mit Chor" auf und mit einer derartig hochkarätigen Band im Rücken konnte für Frank Roberts natürlich fast nichts schiefgehen. Zusätzlich ist noch eine Backgroundsängerin mit von der Partie, die in dem Stil intoniert, der Elvis in seiner bekannten „Lachversion" von „Are You Lonesome Tonight" einen Lachkrampf auslöste. Allerdings ist die musikalische Begleitung für 1963 einigermaßen anachronistisch, denn man würde sie mit der „galoppierenden" Percussion und der Mundharmonika stilistisch eher einem um 1957 produzierten Westernsong zuordnen. Tatsächlich ist der Titel statt in der Prärie aber in der Manege angesiedelt, denn er dreht sich um einen einst bejubelten und umschwärmten Clown, der sein Karriereende nicht verkraften kann, sozial absteigt und schließlich im Fieberwahn nochmals seine großen Erfolge durchlebt. Allerdings handelt es sich bei dem Clown nicht um Jonnie äh Jonny, sondern um besten dessen Freund, gleichzeitig „der Einzge Mensch, der ihn verstand", der ihm schließlich auch im Fiebertraum erscheint

„Freundschaft das wahre Glück" ist die Quintessenz dieses rührseligen Songs, den man nach Möglichkeit unter 4 Bier nicht anhören sollte ist und um Freundschaften geht es auch auf der im bewährten Heurigenmusikstil gehaltenen Rückseite „Schau dir deine Freunde gut an", die in der Version von Rudolf Carl so manchem Wunschkonzertgeschädigten bekannt sein dürfte. Hier finden wir eine andere Konstellation als auf der A-Seite. Während bei „Johnny" Frank Roberts alleine das Ruder bzw. das Mikro in der Hand hat, teilt er sich die B-Seite mit den Pepper-Twins, die verblüffenderweise so klingen, als würde Gus Backus mit sich selbst im Duett singen. Deren Part beschränkt sich allerdings nur auf den Refrain, während Roberts im Mittelteil beklagt, daß er einst in seiner bittersten Stunde von seinem angeblich treuesten Freund im Stich gelassen wurde. Tja das Leben ist halt hart und ungerecht ...

Wer aber war Frank Roberts? Als das „Österreichische Hitlexikon" 1984 erschien gab es verhältnismäßig wenig Material wie Biographien zu vielen unbekannten Interpreten und von Medien wie dem Internet wagte man damals nicht einmal zu träumen. Dementsprechend sparsam war Wolfgang Wittmanns Kommentar zu Frank Roberts:

„"Johnny" war für Frank Roberts nur in Österreich ein Hit, es blieb auch sein einziger"

Dank des Internets konnte ich zumindest etwas mehr zur Person Frank Roberts herausfinden: Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der Schauspieler und Regisseur Frits Fronz, der einige Jahre später Meisterwerke des österreichischen Films wie „Das Mädchen mit dem Mini" (1965) oder „Perfekt in allen Stellungen" (1971) drehte und Anfang der 80er einer der ersten Grünpolitiker Österreichs wurde.

Fronz war/ist aber nicht der einzige österreichische Grünpolitiker mit Gesangsambitionen, denn auch Peter Pilz soll bei Gelegenheit gern mal zum Mikrophon greifen. Kein Wunder, das die Politikverdrossenheit steigt ...

(5/10)

Billie Jo Spears - Blanket On The Ground (1975, Single)

Bereits mit 13 Jahren nahm die Texanerin Billie Jo Spears 1950 ihre erste Single „Too Old For Toys, Too Young For Boys" auf, aber es sollte noch fast 20 Jahre dauern, bis sich mit „Mr. Walker, It's All Over" (1969; US # 69) ein erster nenneswerter Erfolg einstellte. Danach schien vorläufig auch für Billie Jo alles vorbei zu sein, bis sie 6 Jahre später mit „Blanket On The Ground" (1975; A # 15, D # 39, UK # 6, US # 98), einer Ode an den Beischlaf unter freiem Himmel, eine Single veröffentlichte, die sich zu einer der populärsten Countrysingles im deutschen Sprachraum entwickelte und deren Eingängigkeit ihr bis heute zahlreiche Rundfunkeinsätze beschert. Ähnliches gilt auch für „Sing Me An Old Fashioned Song" (1976; UK # 34) und der dazugehörigen deutschen Version „Weißt du, du was du für mich bist" von Daliah Lavi (1977; A # 18, D # 12).

Danach beschränkten sich ihre Erfolge nur mehr auf England, wo sie mit „What I’ve Got In Mind" (1976; UK # 4) und „I Will Survive" (1979; UK # 47), einer grammynominierten Countryversion von Gloria Gaynors gleichnamigen Discoklassikers (1979; A # 17, D # 7, UK # 1, US # 1) ihre letzten Chartsnotierungen verzeichnete. Seither manifestiert sich ihre Verbundenheit zu England nicht nur durch regelmäßige Gastspiele auf der britischen Insel, sondern auch durch die Heirat mit einem Engländer. Ob die beiden die Thematik ihres größten Hits jemals aufgegriffen haben ist allerdings nicht überliefert, wäre aber im Falle des dabei Erwischtwerdens durchaus eine gelungene Publicityidee gewesen.

(8/10)

Vicky – Klipp und Klar (1970, Single)

Auf ihrer ersten Single der 70er, gleichzeitig der vorletzten Veröffentlichung unter ihrem Vornamen, sorgte Vicky Leandros für klare Verhältnisse und wurde dafür mit einem mittleren Hit belohnt (1970; D # 23)

(6/10)

Roger Whittaker – I Don’t Believe In If Anymore (1970, Single)

Bei Roger Whittaker denkt man in erster Linie an Schlager wie “Wenn es dich noch gibt” (1983; A # 5, D # 14) oder weiß, dass er nebenbei gut pfeifen kann („Mexican Whistler“, 1969). Die Tatsache, dass er früher selber Songs schrieb ist hingehend weitgehend unbekannt bzw. vergessen wie etwa das nachdenkliche Frühwerk „I Don’t Believe In If Anymore” (1970; UK # 8), das er auch in der deutschen Version „“Das es schön war weiß man erst viel zu spät“ aufnahm.

(6/10)

Carpenters - Beautiful Moments (1980, LP)

Tracklisting:

1. Sweet, Sweet Smile (1978; D # 22, UK # 40, US # 44)
2. There’s A Kind Of Hush (1976 US # 17; Originalversion: Herman’s Hermits; 1967; A # 11, D # 26, UK # 7, US # 3)
3. Jambalaya (On The Bayou)" (1974; A # 8, D # 50, UK # 12; Originalversion: Hank Williams, 1952)
4. Top Of The World (1973; D # 38, UK # 5, US # 1)
5. For All We Know (1971; UK # 18, US # 3)
6. Solitaire" (1975; UK # 32, US # 17; Originalversion: Neil Sedaka, 1973)
7. (They Long To Be) Close To You (1970; UK # 6, US # 1)
8. Only Yesterday (1975; D # 43, UK # 7, US # 6)
9. Please Mr. Postman" (1975; D # 10, UK # 2, US # 1); Originalversion: Marvelettes (1961, US # 1)
10. Reason To Believe (1970; Originalversion: Tim Hardin, 1966
11. I’ll Never Fall in Love Again (1970; Originalversion: Dionne Warwick, 1969; US # 7)
12. Rainy Days And Mondays" (1971, US # 2)
13. Desperado (1975, Originalversion: Eagles, 1973)
14. Breaking Up Is Hard To Do (1976, Originalversion: Neil Sedaka, 1962; D # 42, D # 7, US # 1)
15. We've Only Just Begun (1970; UK # 28, US # 2)
16. Yesterday Once More (1973, UK # 2, US # 2)

Neben den millionenfach verkauften Hitsamplern wie Out Of Sight hatte K-Tel mit Alben, die sich nur auf einen Interpreten beschränkten, ein weiteres, wenn auch deutlich weniger lukratives Standbein. Im Gegensatz zum englischen wurden im deutschen Sprachraum relativ wenig derartige Platten veröffentlicht, die sich aber vor allem Dank der intensiven Promotion in Radio & Fernsehen gut verkauften wie beispielsweise „Beautiful Moments" von den Carpenters, die rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 1980 auf #1 in den deutschen und # 2 in den österreichischen Albumcharts kletterte.

Daß es K-Tel in erster Linie ums abkassieren ging ist anhand der doch eher lieblosen Zusammenstellung dieser LP erkannbar, die unter dem Slogan „The Carpenters mit ihren schönsten Liedern - zärtlich, sanft und heiter" beworben wurde. Wenn es auch unbestreitbar ist, daß der Großteil des Capenters-Repertoires Fremdkompositionen waren und hier mit „Top Of The World", „Yesterday Once More" und „Only Yesterday" nur 3 Songs von Richard Carpenter und Carpenters-Bassisten John Bettis stammen, hat man für dieses Album die eher mäßig interessanten Interpretationen von „Reason To Believe", „Desperado" und „Breaking Up Is Hard To Do" ausgegraben, die man beim breiten Publikum offenbar für zugkräftiger hielt als großartige Songs wie „Goodbye To Love", „Hurting Each Other" oder „Superstar".

Somit bleiben letztlich zumindest zwei gute Argumente für dieses Album: Erstens der Kaufpreis von 1 Euro und die Tatsache, daß hier einige Originale der Coverversionen des von mir hier bereits gewürdigten großartigen Tributealbum „If I Were A Carpenter" zu finden sind.

(5/10)

Fausto Papetti – 23 Raccolta (1976, LP)

Fausto Papetti – 18 Raccolta.Da das Saxophon, mal abgesehen von Sade’s Stimme, als das erotischte aller Instrumente gilt, sind auch oftmals die Plattencovers vieler Saxophonisten entsprechend gestaltet. Ein Großmeister dieses Metiers war Fausto Papetti (1923 - 1999), dessen Single „Goldfinger" ich hier bereits vorgestellt habe. Seine „Raccolta"(„Sammlung") betitelte Serie brachte es seit den frühen 60ern auf über 50 Ausgaben, die fast durchwegs optisch weitaus mehr überzeugten als musikalisch, wie beispielsweise „ 18 Raccolta" beweist.

Auch „23 Raccolta" bietet geschmackvolle Covergestaltung und die für Papetti übliche musikalische Mischung aus gediegenen, aber auch unspektakulären Easy Listening und stilistisch abwechslungsreichen Coverversionen, denn neben dem Jazzstandard "Moonlight in Vermont" und Louie Armstrongs „What A Wonderful World" (1968; A # 1, D # 8, UK # 1, 1988; UK # 53; US # 32) ist hier auch „Daddy Cool" von Boney M. (1976; A # 1, D # 1, UK # 6) zu Gast. Das ist übrigens nicht der einzige Ausflug Papettis ins Discogenre, denn "Wow" und „Trouble Maker" sind durchaus tanzflächenkompatibel.

Da sich möglicherweise auch auf anderen Ausgaben der „Raccolta"-Serie ähnlich interessante Tracks verstecken lohnt es sich durchaus in musikalischer Hinsicht, nach Fausto Papetti-Alben Ausschau zu halten, aber höchstwahrscheinlich dürfte hier der optische Anreiz überwiegen ...

Musik (6/10)
Cover (9/10)

Various Artists - Das Chris Howland Schlager-Studio 3. Folge (1966, LP)

Tracklisting:

1. Chris Andrews - Yesterday Man (1965; A # 4, D # 1, UK # 3, UK # 80)
2. Marion - Er ist wieder da (1965; A # 5, D # 9)
3. Righteous Brothers - Ebb Tide (1965; UK # 48, US # 4)
4. Elisa Gabbai - Nach Tahiti, Hawaii und Jamaica (1966, die Rückseite ihrer Hitsingle „Winter In Canada" (1966; D # 13)
5. Jörgen Ingmann - Korfu (1966; D # 39)
6. Sandie Shaw - I Don’t Need That Kind Of Lovin’(1966)
7. Jan & Kjeld - Ein Kuß zum Abschied (1966; Originalversion: Herb Alpert & The Tijuana Brass - A Taste Of Honey; 1965; US # 3)
8. Udo Jürgens - Merci Cherie (1966; A # 3, D # 4)
9. Peter Alexander - Wenn das geschieht (1966; A # 4, D # 12)
10. Francoise Hardy - Ich bin nun mal ein Mädchen (1966; A # 12, D # 24)
11. McCoys - Fever (1965; D # 34; UK # 44; Originalversion: Little Willie John; 1956; US # 27; bekannteste Version: Peggy Lee, 1958; UK # 5, US # 8)
12. Fritz Weichbrodt - Nabucco-Melodie (1966)
13. Siw Malmkvist - Sieben Tränen (1966; D # 11)
14. Sonny & Cher - But You’re Mine (1965; UK # 17, US # 17)
15. Petula Clark - Es steht in den Sternen (1966; D # 35)
16. Chris Howland - Superkalifragilistisch Expiallegorisch (1966; Julie Andrews & Dick van Dyke - Super-cali-fragil-istic Expi-ali-docious, 1965; US # 73)

„Hallo meine Freunde! Eine neue Schlagerstudio und diesmal haben wir eine sehr schene internationale Programm!"

Mit diesen Worten begrüßt Chris Howland, ungekrönter König des Kauderwelsch und auch bekannt als „Heinrich Pumpernickel", zur dritten Ausgabe seines „Schlagerstudios", durch das er in Form einer imaginären Weltreise mit den dazugehörigen, meist mäßig unterhaltsamen Überleitungen von Titel zu Titel führt. Auch wenn man es aus der eher mäßigen Originalität der „Moderation" auf dieser Platte nicht schließen kann erfreute sich Howland im Nachkriegsdeutschland großer Beliebtheit. Seit 1952 im deutschen Rundfunk als DJ tätig ermöglichte ihm sein imageträchtigen Kriegsfuß mit der deutschen Sprache nicht nur Plattenaufnahmen, mit denen er Hits wie „Fraulein" (1958; A # 4, D # 3; Origianlversion: Bobby Helms, 1957, US # 36) oder „Das hab ich in Paris gelernt" 1959; A # 4, D # 3) landete, sondern ab 1954 auch die Mitwirkung in rund 30 Filmen, darunter einige Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen. Darüberhinaus moderierte er im deutschen Fernsehen „Vorsicht, Kamera!" und von 1961 bis 1969 „Musik aus Studio B", bevor er sich für Jahre aus dem Showgeschäft zurückzog, um in Mallorca ein Hotel zu führen.

„Das Chris Howland Schlagerstudio 3. Folge" versammelt passend zum Titel in erster Linie natürlich große Stars und Sternchen des deutschen Schlagers wie Peter Alexander, Siw Malmkvist, Marion und Petula Clark. Auch Udo Jürgens ist mit „Merci Cherie" hier zu finden und es gibt ein deutliches Indiz dafür, daß dieses Album vor seinem Gewinn beim Eurovisions-Songcontest produziert worden sein muß, denn Howland gratuliert hier „nur" zum Gewinn des „Goldenen Löwen" von Radio Luxemburg. Mit Sandie Shaw ist eine hier auch eine weitere zukünftige Songcontest-Gewinnerin („Puppet On A String", 1967; A # 1, D #: 1, UK # 1) vertreten, deren „I Don’t Need That Kind Of Lovin’" zwar nicht zu ihren populärsten Titeln gehört, aber zumindest die Aufmerksamkeit von Drafi Deutscher („Marmor, Stein und Eisen bricht", 1965; A # 1, D # 1; englische Version: „Iron Bends & Marble Breaks", 1966; US # 60) erregte, der den Titel 1966 coverte. Die Qualität seiner Interpretation läßt sich am Besten dadurch ermessen, daß sie es immerhin auf Vol. 24 der Garage Punk-Compilationreihe „Pebbles" schaffte.

Geschrieben wurde „I Don’t Need That Kind Of Lovin’" wie viele andere der frühen Hits von Sandie Shaw wie „Girl Don’t Come" (1965; UK # 3, US # 29) oder „Long Live Love" (1965; A # 10, D # 28, UK # 1) von Chris Andrews, der mit „Yesterday Man" seinen Durchbruch schaffte und danach vornehmlich in Österreich erfolgreich war, wo sich „Pretty Belinda" (1969; A # 1, D # 5), „Carole OK" (1970; A # 2, D # 18), („Brown Eyes", 1970; A # 15), „Yoyo" (1970; A # 4), „Michigan River" (1971; A # 9) und „Sugar Daddy" (1973; A # 10) in der Hitparade plazieren konnten.

Das Fernweh ist bekanntlich einer der Hauptthemen des deutschen Schlagers und dementsprechend dürfen hier natürlich auch Titel wie „Nach Tahiti, Hawaii und Jamaica" der kurzfristig in Deutschland populären Israelin Elisa Gabbai, nicht fehlen. Ebenfalls in südliche Gefilde führt „Korfu" (1966; D # 39) des dänischen Gitarristen Jörgen Ingmann, der unter anderem mit „Apache" (1960; A # 8, D # 6, US # 2; Originalversion: Shadows, 1960; A # 22, D # 10, UK # 1), „Anna"(1961; A # 12; D # 19, US # 54) und dem„Drina-Marsch" (1965; D # 5) erfolgreich war und 1963 gemeinsam mit seiner Frau Grethe mit „Dansevise" den Eurovisions-Songcontest gewann, was seiner Karriere allerdings auch nicht wirklich wesentliche Impulse brachte. Auch aus Dänemark und wie Ingmann bereits am Rande der Versenkung waren die einstigen Kinderstars Jan & Kjeld, die nach dem Stimmbruch vergeblich mit der Vokalversion von „A Taste Of Honey" von Herb Alpert & The Tijuana Brass an die Erfolge von „Banjo Boy" (1960; A # 2, D # 1, US # 58) oder „Hello Mary Lou" (1961; A # 2, D # 2; Originalversion: Ricky Nelson, 1961; A # 2, D # 2, UK # 2, US # 9) anzuschließen versuchten. Keine Probleme mit dem Stimmbruch hatte dagegen die süße Französin Francoise Hardy und niemand könnte ihre Feststellung „Ich bin nun mal ein Mädchen" auch nur einen Augenblick in Frage stellen.

Ganz raffiniert zu sein glaubte der Trompeter Fritz Weichbrodt (oder vielmehr seine Produzenten), indem er den Gefangenenchor aus „Nabucco" ganz im Stil von Nini Rossos „Il Silencio" (1965; A # 1, D # 1, UK # 8, US # 94) aufnahm, was allerdings nicht von den Plattenkäufern honoriert wurde.

Weitaus erfolgreicher waren da natürlich Sonny & Cher als auch die McCoys, die hier jeweils mit den Nachfolgesingles zu ihren Welthits „I Got You Babe" (1965; A # 9, D # 3, UK # 1, US # 1) bzw. „Hang On Sloopy" (1965; A # 9, D # 5, UK # 5, US # 1) zu hören sind als auch die Righteous Brothers, die mit „Ebb Tide" feinsten Phil Spector-Bombast liefern.

Da Howland neben seiner Arbeit als Radio- und Fernsehmoderator und als Filmschauspieler immer wieder Platten aufnahm, ist es natürlich nicht weiter verwunderlich, daß er auf diesem Album auch als Interpret in Erscheinung tritt. War es auf der ersten Ausgabe von seinem „Schlager-Studio" das formidable „Jenkka, Jenkka, Blindekuh" (1965; D # 21), mit dem er bei dem damaligen finnischen Modetanz Jenkka, der auch in Mitteleuropa durch die Finnish Jenkka All Stars (1965; A # 13, D # 21) und Roberto Delgado (1965; A # 6, D # 3) mitzunaschen versuchte, ist es hier das epochale „Superkalifragilistisch Expiallegorisch" aus „Mary Poppins".

Howland war natürlich nicht der einzige Moderator, der durch derartige Platten führen durfte, so gibt es beispielsweise ähnliche Alben von Radio Luxemburg-Legende Camillo Felgen („Camillos Hitparade"), der wie Howland auch einige Hits wie „Sag Warum" (1960; A # 9, D # 16; Originalversion: Teddybears „Oh Why", 1959; US # 91) für sich verbuchen konnte.

(6/10)

Various Artists – Out Of Sight (1975, LP)

Tracklisting:

1. Eric Clapton - I Shot The Sheriff (1974; A # 10, D # 4, UK # 9, US # 1)
2. Tinker’s Moon - Shang-A-Lang (1974; Originalversion: Bay City Rollers, 1974; D # 41, UK # 2)
3. Billy Joel - Piano Man (1974; US # 19)
4. Jim Weatherly - The Need To Be (1974; US # 11 )
5. Paper Lace - The Night Chicago Died (1974; A # 1, D # 3, UK # 3, US # 1)
6. Rubettes - Sugar Baby Love (1974; A # 1, D # 1, UK # 1, US # 24)
7. Hollies - The Air That I Breathe (1974; A # 3, D # 4, UK # 2, US # 4 )
8. Fancy - Wild Thing (1974; US # 14; Originalversion: Troggs, 1966; A # 5, D # 7, UK # 2, US # 1)
9. Dave Loggings - Please Come To Boston (1974; US # 7)
10. Chilliwack - Crazy Talk (1974)
11. Elton John - Saturday Night’s Alright For Fighting (1973; D # 44, UK # 7, US # 8)
12. MFSB - TSOP (1974; A # 17, D # 5, UK # 22, US # 1)
13. Hudson Brothers - So You Are A Star (1974; US # 28 )
14. Stylistics - Let’s Put It All Together (1974; UK # 9, US # 16)
15. Tony Orlando & Dawn - Steppin’ Out (Gonna Boogie Tonight) (1974; US # 11)
16. Gladys Knight & The Pips - I Feel A Song (In My Heart) (1974; US # 16)
17. Mac Davis - One Hell Of A Woman (1974; US # 19)
18. Stealers Wheel - Star (1974; UK # 25, US # 37)
19. Lobo - Rings (1974; US # 45; Originalversion: Cymarron, 1971; US # 24)
20. Stampeders - Ramona (1974)

Was heute im deutschen Sprachraum die „Bravo Hits" und in England und den USA „Now That’s What I Call Music" waren in den 70ern die diversen Compilations von Polystar („High Life"), Ariola („Super 20"), Arcade („Hit Fever") und natürlich K-Tel. Letzteres Label ging aus einer Firma hervor, die unter anderem beschichtete Pfannen oder eigentümliche Turngeräte („K-Tel’s Multi-Trimmer") unters Volk zu bringen versuchte, ehe man 1971 mit der LP „25 Polka Greats" sich ins Musikbusiness wagte. Das große Geschäft machte K-Tel natürlich nicht mit Polkaplatten, sondern mit den unzähligen Samplern aktueller Hits, die sich weltweit insgesamt mehr als 100 Millionen Mal verkauften. Obwohl von vielen „seriösen" Musikfans einst belächelt entdeckten viele Sammler im Laufe der Jahre die stilistisch oftmals bunt zusammengewürfelten K-Tel-Compilations als Fundquelle für Raritäten und Obskuritäten aller Art. Darüberhinaus hatten diese Platten aufgrund ihrer weiten Verbreitung einen unbestreitbaren Einfluß auf zahlreiche Rockmusiker, weshalb sogar eine Reihe von auf Pravda Records Tributealben veröffentlicht wurden, auf denen Indie-Bands wie Hüsker Dü, Yo La Tengo oder die Melvins ihre Lieblingssongs von den K-Tel-Platten interpretierten.

Mit dem Einnahmen aus den sensationellen Verkaufserfolgen begann K-Tel bereits in den frühen 70ern Niederlassungen in zahlreichen Ländern zu eröffnen, um damit besser auf die jeweiligen regionalen Musikgeschmäcker regieren zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist die 1975 in Kanada veröffentlichte Compilation „Out Of Sight". Neben den obligaten internationalen Hits von Eric Clapton, Hollies, Elton John & Co. sind hier kanadische Lokalmatadore vertreten, die auch in den USA und Europa kurzfristig Popularität erreichten wie Chilliwack („My Girl (Gone, Gone, Gone)"; 1981; US # 22) oder den Stampeders („Sweet City Woman"; 1971; US # 8; „Hit The Road Jack" (1976; US # 32), bei dem sie neben dem Ray Charles-Klassiker (1961, UK # 6, US # 1) auch den legendären DJ Wolfman Jack reaktivierten). Kaum Beachtung außerhalb Kanadas fanden dagegen Tinker’s Moon mit ihrerm Bay City Rollers-Cover „Shang-A-Lang", aber deshalb ist es gleichzeitig auch der rarste Titel dieses Albums. Auch schwer zu kriegen sind beispielsweise das One-Hit-Wonder „Please Come To Boston" von Dave Loggings, das unüberhörbar von den Beatles inspirierte „So You Are A Star" der Hudson Brothers, deren Anfänge als New Yorkers man auf Northwest Battle Of The Bands Vol. 2 hören kann oder „Wild Thing" von Fancy, wobei es sich bei den Interpreten nicht um den ehemaligen bayrischen Discokönig („Slive Me Nice", 1984; A # 2, D # 11) handelt, sondern um eine hochkarätig besetzte britische Studioband, die den Troggs-Oldie mit einer lasziven weiblichen Stimme anreicherte.

Auf „Out Of Sight" sind mit Jim Weatherly und Mac Davis auch zwei äußerst talentierte Songwriter vertreten, die allerdings zu Unrecht fast völlig in Vergessenheit geraten sind, obwohl viele ihre Songs zu Klassikern wurden. Weatherly schrieb unter anderem zahlreiche Hits für Gladys Knight & The Pips wie „Midnight Train To Georgia" (1973; US # 1; 1976; UK # 10) und wie der Zufall es will ist diese Band auch auf diesem Album zu finden, allerdings mit einem Titel, der nicht von Weatherly stammte. Um einiges erfolgreicher war aber Mac Davis, der nicht nur eine Reihe von Hitsingles wie „Baby, Don’t Get Hooked On Me" (1972; UK # 29, US # 1) oder „Rock’n’Roll (I Gave You The Best Years Of My Life" (1974; US # 21) verweisen kann, sondern seit Ende der 60er aufgrund eines stetigen Tantimenregens ausgesorgt hat. Verantwortlich dafür ist Elvis Presley, der seine Songs „Memories" (1969; US # 35), „In The Ghetto" (1969; A # 5; D # 1, UK # 2), und „Don't Cry Daddy" (1970; A # 10; D # 14, UK # 8, US # 5) veredelte. Seit kurzem darf sich Davis über zusätzliche hohe Zuwächse auf seinem Bankkonto freuen, denn aus seiner Feder stammt auch "A Little Less Conversation." (1968; US # 69), das aus dem Elvis-Filmopus „Live A Little, Love A Little" stammt und dementsprechend bis vor kurzem bestenfalls eingefleischten Elvis-Fans bekannt war. 2001 wurde der Song für den Soundtrack von „Ocean’s Eleven" wieder ausgegraben und erregte die Aufmerksamkeit der Nike-Werbeabteilung, die zur musikalischen Untermalung ihres Werbespots anläßlich der Fußball-WM 2002 beim holländischen DK Tom Holkenborg aka Junkie XL einen zeitgemäßen Remix in Auftrag gaben, der den King passend zum 25. Todestag wieder in die Charts katapultierte. (2002, A # 3, D # 10, UK # 1, US # 50).

Bis vor kurzem gab es neben Platten wie „Out Of Sight" auch eine weitere Möglichkeit, kanadische Oldies zu lauschen, nämlich via Internet mit dem Oldiesender 1050CHUM, auf dessen Homepage auch ein umfangreiches Chartarchiv zu finden war. Leider wurde diesem Sender im Mai 2002 der Saft abgedreht

(6/10)


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