MASSIVE NEW RECORDS 2000

MASSIVE NEW RECORDS 2000


6. November 2011

Hier ist alles aufgelistet, was im Laufe des Jahres 2000 seinen Weg in meinen Plattenschrank bzw. CD-Regal gefunden hat. Natürlich kann ich aus Zeitgründen nur einen Bruchteil dieser Scheiben rezensieren (Bewertungsnoten von 1-10; 1 Sondermüll, 10 neue Maßstäbe setzendes bzw. genrebildendes Meisterwerk) und beschränke mich deshalb großteils auf Raritäten, Kurioses und zu unrecht längst vergessenes, denn allseits bekannte Platten, ob Neuerscheinung oder Klassiker, wurden bzw. werden ohnehin ausreichend in einschlägigen Magazinen, Homepages etc. besprochen. Wer seine Meinung zu meinen Kritiken kundtun will oder inhaltliche Fehler entdeckt klickt einfach hierher.

Alle rezensierten Platten im Überblick:

Singles:

Gus Backus - Das ist viel zu schön um wahr zu sein
Cowboy Twisters - Cowboy Twist
George Dimou - Tamara/Midnight-Hully-Gully
Elkin & Nelson - Jibaro
Freddy - Banana Boat Song
Jerry Jackson - Tell Her Johnny Said Goodbye
Michael Jackson - We're Almost There
Napoleon XIV - They're Coming To Take Me Away, Ha-Haa
Clodagh Rodgers - Biljo

MCDs:

Cardigans - Erase/Rewind
Melanie G.- Word Up
Manic Street Preachers - Kevin Carter
SK Rapid Wien - Hey Rapid
Emilliana Torrini - Baby Blue

CDs:

AC/DC - Stiff Upper Lip
Doves - Lost Souls
Marvin Gaye - Love Starved Heart
Elton John - Chartbusters Go Pop!
Maxim - Hell's Kitchen
Pitchshifter - Deviant
Primal Scream - XTRMNTR
Sade - Lovers Rock
Smashing Pumpkins - Machina/The Machines Of God
Soundtrack - Mod Squad
Dusty Springfield - Am I The Same Girl
Supremes - Greatest Hits
Various Artists - Northern Soul Scene
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol .3
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol .5
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol .7
Various Artists - Just Walk In My Shoes - The Songs Of The Motown City


THE COMPLETE MASSIVE NEW RECORDS 2000



Location/Date:
X-Mas, 24.12.00

Fatboy Slim - Halfway Between The Gutter And The Stars (CD)
Maxim - Hell's Kitchen (CD, 2000)


Nachdem Prodigy nach ihren mittlerweile als klassisch einzustufenden „Fat Of The Land" (1997) eine längere künstlerische Pause bis zur Produktion des Nachfolgealbums einlegen, versuchten bislang 2 Mitglieder den Fans die Zeit bis dahin mit ihren Soloprojekten zu verkürzen.

Den Anfang machte Prodigy-Mastermind Liam Howlet mit seinem Anfang 1999 erschienenen, doch eher mäßigen DJ-Mix-Album „Dirt Chamber Sessions Part 1". Vielversprechender klang dagegen die im Sommer 1999 erschienene Single „My Web" von Katzenaugen-Kontaktlinsenträger und Prodigy-Rapper Maxim, die allerdings trotz Hitpotentials und exzellenter Breakbeats floppte.

Es dauerte fast ein Jahr, bis Maxim mit „Carmen Queasy" (2000; UK # 33) ein weiteres Lebenszeichen von sich gab.. Dabei handelt sich um eine Kollaboration mit Skin von Skunk Anansie, deren Stimme und vor allem die sogenannten „Gee-Tars", eine Art Synthisizer-Gitarren, dem Song eine einzigartige Nuance verleihen. Auch hier blieb der Erfolg überraschenderweise hinter den Erwartungen zurück, machte aber Appetit auf das dazugehörige Album „Hell’s Kitchen".

Wie man unschwer dem Albumtitel entnehmen kann, geht es hier eher oberflächlich düster und bedrohlich zu, aber letztendlich wirkt alles doch irgendwie zahnlos und auch Maxims musikalische Mitstreiter können meist auch nicht mehr viel mehr zur Besserung beitragen.

Unoriginelle, großteils paranoiagetränkte Rap-Songs wie „Spektral Wars" oder „Worldwide Syndicates" mit Gravediggaz-Rapper Divine J duellieren sich mit monotonen Instrumentals wie „Hadrians Wall", Dominant Genes" und dem Titelsong scheinbar darum, bei welchem Song man am ehesten die Vorlauftaste des CD-Players betätigt. Etwas gelungener ist „Backward Bullet" dank der Mithilfe der begabten Triphopper Sneaker Pimps („6 Underground", 1997, UK # 9, US # 45).

Halbwegs erträglich ist „Killing Cultures", daß an guten alten Prodigytage erinnert und die Destiny’s Child-Kopie „Scheming" (2000, UK # 53), zu dem Maxim’s Cousine Trina Allen die durchaus gelungen Leadvocals und Liam Howlet für seine Verhältnisse enttäuschende Beats beisteuert.

Neben „My Web" und „Carmen Queasy" ist das dem Strickmuster des letzteren Songs gebastelten „Soul Seller", bei dem erneut wieder Trina Allen mit von der Partie ist, sicherlich der Höhepunkt des Albums und hätte durchaus das Zeug zur Nachfolgesingle

Leider muß man „Hell’s Kitchen" nicht nur musikalisch eher als Flop bezeichen, auch verkaufstechnisch war nicht besonders viel los, denn das Album schaffte es nicht einmal in die englischen Top 75 Albumcharts, was angesichts des Schrotts, der sich da mitunter tummelt eigentlich verwunderlich ist. Wie sang Curtis Mayfield 1970? „Don’t Worry, If There’s A Hell Below, We’re All Going To Go." Quo vadis, Maxim? Vorläufig kocht er leider nur auf Sparflamme.

(5/10)

Location/Date:
Fischer Music & Chronicle, 22.12.00

De La Soul - De La Remix (CD)

Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol.7 (CD, 1988)


Tracklist

1. Commodores - Machine Gun (1974; UK # 20, US # 17)
2. R. Dean Taylor - There’s A Ghost In My House (1967; 1974; UK # 3)
3. Syreeta - Your Kiss Is Sweet (1974; UK # 12)
4. Frankie Valli & The Four Seasons - The Night (1972; 1975; UK # 7)
5. Miracles - Love Machine (Pt.1) (1975; UK # 3, US # 1)
6. David Ruffin - Walk Away From Love (1975; UK # 10, US # 8)
7. Diana Ross - Theme From Mahogany “Do You Know Where You’re Going To” (1976; UK # 5, US # 1)
8. Yvonne Fair - It Should Have Been Me (1975; UK # 5)
9. Diana Ross - Love Hangover (1976; UK # 10, US # 1)
10. Thelma Houston - Don’t Leave Me This Way (1977; A # 18, D # 5, UK # 13, US # 4; 1995; UK # 35; Originalversion: Harold Melvin & The Blue Notes; 1976; UK # 5)
11. Commodores - Easy (1977; UK # 9, US # 5; Coverversion: Faith No More, 1993; D # 20, UK # 3, US # 58 )
12. Marvin Gaye - Got To Give It Up (Pt.1) (1977; UK # 7, US # 1)
13. Commodores - Three Times A Lady (1978; A # 20, D # 30, UK # 1, US # 1)
14. Diana Ross - Gettin’ Ready For Love (1977; UK # 23, US # 41)
15. Commodores - Sail On (1979; UK # 8, US # 1)
16. Billy Preston & Syreeta - With You I’m Born Again (1979; UK # 2, US # 5)
17. Commodores - Still (1979; UK # 4, US # 3)
18. Jermaine Jackson - Let’s Get Serious (1980; UK # 8, US # 17)

Die letzte Ausgabe dieser Compilationserie (siehe auch Vol. 3 und 5) und Vol. 6 ) dokumentiert das definitive Ende der goldenen Ära von Motown. Keine Spur mehr vom charakteristischen Motownsound, vielmehr stilistische, aber finanziell einträgliche Orientierungslosigkeit, die sich im Engagement von völlig genrefremden Bands wie Frankie Valli & The Four Seasons und stilistisch von Popschlagern (Syreeta - Your Kiss Is Sweet) bis zu den unvermeidlichen Discohämmern (Miracles - Love Machine, Marvin Gaye - Got To Give It Up) reichte, wobei interessanterweise Motown auch von der Konkurrenz aus Philadelphia profitieren konnte, denn „Don’t Leave Me This Way“ von Harold Melvin & The Blue Notes bescherte Thelma Houston einen Discoklassiker. Der Schwerpunkt der Motownveröffentlichungen waren aber die Balladen, für die vor allem die Commodores verantwortlich zeichneten, die aber auch ein paar PS mehr zulegen konnten, wie sie mit dem funkigen Instrumental "Machine Gun" beweisen, das Ende der 80er Signation für die Ö3-Laufbandsendung „Evergreens & Superhits“ verwendet wurde. Auch Diana Ross schwelgte in Balladen, machte aber Dank „Love Hangover“ auch in der Disco gute Figur und lieferte mit „Gettin’ Ready For Love“ noch eine Reminiszenz an bessere Motownzeiten. Diese waren aber nach 1980 endgültig vorbei, denn Motown war dann nur mehr ein Soullabel unter vielen.

(6/10)

George Dimou - Tamara/Midnight-Hully-Gully (Single, 1963)


Von den späten 50ern bis Mitte der 60er gelang es einigen Exilgriechen im deutschen Sprachraum dank ihres unnachahmlichen Timbres, unüberhörbaren Akzents und natürlich viel Schmalz in der Stimme immer wieder Hits zu landen. Polydor hatte mit Jimmy Makulis („Gitarren klingen leise durch die Nacht", 1959; A # 4, D # 4) den erfolgreichsten Protagonisten dieses Genres. Im Kampf um Marktanteile am Plattenmarkt konnte Philips nicht tatenlos zusehen und versuchte mit dem nach Wien ausgewanderten Griechen George Dimu ein entsprechendes enn auch relativ erfolgloses Pendant aufzubauen. Einzige Ausbeute war der „Make Up Cha Cha" (1961; A # 18), danach war der Erfolg auch schon verblaßt und alle Nachfolgesingles floppten.

Deshalb wurde er von Philips vor die Tür gesetzt und nachdem ein Gastspiel bei Ariola seiner Karriere auch alles andere als förderlich war, versuchte er es auf dem mir bis dato unbekanntem „San Remo"-Label, wo er sich, vermutlich um exotischer zu wirken, in George Dimou umbenannte und für die A-Seite die schauerliche Schnulze „Tamara", eine ungewöhnliche Mischung aus Bouzouki und einer Art griechisch intonierenden Don Kossakenchor, aufnahm.

Viel interessanter ist allerdings die epochale Rückseite „Midnight-Hully-Gully". All jenen, die mit dem Begriff „Hully Gully" nichts anfangen können sei gesagt, daß es sich dabei um einen Modetanz handelt, der im deutschen Sprachraum fast schon die Ausmaße des Twist (siehe „Cowboytwist" der Cowboy-Twister) erreichte. Als Erfinder dieses Tanzes gilt die amerikanische Doo-Wop-Gruppe Olympics , die den Hully Gully-Reigen mit „(Baby) Hully Gully"(1959, US # 77;Hörprobe) eröffneten. In der Folge gab es ähnlich wie beim Twist jede Menge Nachzieher wie „Hully Gully Again" von Little Cesar & The Romans (1961, US # 54) „Hully Gully Baby" von den Dovells (1962; US # 25) oder „Hully Gully Guitar" von Jerry Reed (1962; US # 99), es gab sogar „(Let’s Do) The Hully Gully Twist" von Bill Doggett (1960, US # 66), nicht zu vergessen den „Hully Gully Cha Cha Cha“ von Skip & Flip (1960; USA # 109). Es bedurfte einer fast dreijährige Verspätung, bis auch die deutsche Plattenindustrie auf diesen Trend aufmerksam wurde und Titel wie„Hully Gully Holiday", ein Hit jeweils für Boris (1963; D # 35) und Charly Cotton (1963, D # 35), und „Hully Gully Lullaby" von Peter Reese (1964, D # 49) in die Charts fanden.

Um auch am Hully Gully-Erfolgskuchen mitzunaschen nahm George Dimou bzw. Dimu den bemerkenswerten „Midnight-Hully-Gully" auf. Allerdings hat der Song dem Rhythmus nach nichts mehr mit dem des Originals von den Olympics zu tun, sondern ist vielmehr eine Mischung aus deutschen 50er Jahre Rock’n’Roll mit jeder Menge Händeklatschen, die dann in einer Variation des Hits „I Saw Linda Yesterday" von Dickey Lee (1963; A # 8, US # 14) übergeht und neben einigen gelungenen Saxophonbreaks und -solos auch mit dem einzigartigen „Baddl-Di-Dam-Diddl-Di-Dam-Diddl-Di-Daddl-Di-Daddl-Di" auch als Draufgabe noch Elemente des Doo-Wops enthält.

So gesehen deckt der „Midnight-Hully-Gully" ein umfangreiches Musikspektrum ab und das Ergebnis erscheint noch erstaunlicher, wenn man zudem bedenkt, daß es sich nicht um eine deutsche Coverversion eines amerikanischen Hits, sondern um ein deutsches Original handelt. Nicht zuletzt ist „Midnight-Hully-Gully" erneut ein Höhepunkt der deutschen Textdichtung, den ich hier natürlich nicht vorenthalten möchte:

Hey Boys!
Hully Gully Time!
Hi Girls!
Hully Gully Time!

Freunde, Freunde heute um Midnight,
aber heute um Midnight
kommt ihr alle mit mir
(Baddl-Di-Dam-Diddl-Di-Dam-Diddl-Di-Daddl-Di-Daddl-Di)

Freunde, in die alte Taverne,
beider grünen Laterne
ja da tanzen wir
(Baddl-Di-Dam-Diddl-Di-Dam-Diddl-Di-Daddl-Di-Daddl-Di)

Hully Gully
ab Mitternacht
Hully Gully
Hully Gully
ab Mitternacht
Hully Gully
Hully Gully
die ganze Nacht
Hully Gully
Hully Gully
ab Mitternacht
Yeh! Yeh! Yeh!Yeh!

Wie unschwer zu erraten ging diese Single nicht wirklich in die Musikgeschichte ein, worauf George Dimu die Plattenkarriere an den Nagel hängte, sich aber dafür die Kochschürze umbund und ein griechisches Feinschmeckerlokal eröffnete. Eine Konzession für ein Tanzlokal dürfte er wohl nach dem „„Midnight-Hully-Gully" wohl nicht bekommen haben.

(Tamara 2/10) (Midnight-Hully-Gully 6/10)

Location/Date:
Wien, Lugner City/Mausimarkt, 20.12.00

SK Rapid Wien - Hey Rapid (MCD, 2000)


Wie das Leben so spielt war der SK Rapid, oder vielmehr leider nur kleine Abordnung davon, passenderweise an meinem Geburtstag anläßlich einer Charitytour zu Gast bei einer Autogrammstunde mit Punschausschank in der Lugnercity. Grund genug also, mein Geburtstagsgeschenk, das von Rapid-Tormannlegende Herbert Feurer verfaßte grün-weiße Standardwerk „Rapid-Wuchteln" von den Rapidstars signieren zu lassen.

Es war jedoch anfangs gar nicht so einfach, Autogramme zu ergattern, da der Ansturm der Rapidfans gewaltig und man sich einig war, daß bei einer Autogrammstunde von Austria Wien wohl nur die engsten Verwandten der Spieler erscheinen würden.

Den Event moderierte in bewährter Manier Rapid-Stadionsprecher und -Confrencier Andi Marek, der bei dieser Gelegenheit auch gleich die die neue Rapidhymne „Hey Rapid" präsentierte. Ich machte mir selbst ein Geburtstagsgeschenk, kaufte mir diese Single, um meinen Beitrag für einen guten Zweck zu leisten und sie natürlich auch signieren zu lassen. Dann genehmigte ich mir noch einen Punsch, verfolgte ein Interview mit Richard Lugner und erfuhr exklusiv von Andi Marek, daß „Hey Rapid" bereits auf Platz 36 der österreicheichen Hitparade eingestiegen war.

Damit endet eine fast 6-Jährige Absenz von Mannschaftshymnen österreichischer Bundesligamannschaften. Zuletzt konnte Casino Salzburg nach seinen Europacuperfolgen in der Saison 1993/94 von der damaligen Begeisterung profitieren und landete als „Superchamp & Casino Salzburg" mit „Wir sind die Sieger (1994, A # 2) und „Wir sind die Salzburgfans" (1994, A # 6) veritable Hits. Als wäre das nicht genug, konnte sich Salzburgs damaliger Torhüter Otto Konrad, der auf beiden Titeln die Leadvocals besorgte, mit den „fidelen Technotalern" mit „D’Almhüttn" (1995; A # 14) ebenfalls in den österreichischen Charts plazieren. Mit dem Abflauen der sportlichen Erfolge der Salzburger war es aber auch bald mit der Sangeskarriere der Salzburger Kicker vorbei.

„Hey Rapid" basiert auf DJ Ötzi’s Hit „Hey Baby (Uh-Ah)" (2000; A # 4, D # 11; 2001; UK # 1), der wiederum den von „Dirty Dancing" bekannten Bruce Channel Hits Hey Baby" (1962; UK # 2, US # 1) schihütten- bzw. bierzeltkompatibel machte. Der Hauptgrund, warum ausgerechnet dieser Song als Basis zur neuen Rapid-Hymne auserkoren wurde,ist vermutlich die Stadiontauglichkeit des Untertitels „Uh-Ah", das fast schon an das allseits bekannte „Ole, Ole; Ole, Ole" herankommt.

Neben „Hey Rapid" und der dazugehörigen Karaokeversion versuchen die sich Rapidler an der Mitschunkel-Opus „Rapid is mei Leb’n" mit einigen stimmlich sehr beeindruckenden Einzeldarbietungen der Rapidspieler. Zu guter Letzt stimmt ein Fanchor unter der Leitung von Rapid-Voice Andi Marek das deutlich dem Slade-Hit "Run Run Away" (1983; A # 23 D # 19, UK # 7, US # 20) erinnernde „Rapid is Number One" an.

Grundsätzlich hätte sich Rapid eine würdigere Hymne verdient als diese doch billige Bierzelttechnoversion eines legendären 60er Jahre Klassikers als Grundlage zu nehmen, aber nach den mitunter mäßiger Leisungen auf dem Rasen oder Parkett kann selbst die hartgesottensten Rapidfans nichts mehr erschüttern ...

( Musik 4/10, Rapid-Faktor 9/10)

Location/Date:
Saturn Mariahilferstraße, 14.11.00

Sade - Lovers Rock (CD, 2000)


Im „Kurier" vom 24.März 1984 schien auf der von Udo Huber präsentierten Hitparadenseite „Top Ten" unter den selbigen aus England der Titel „Your Love Is King" von Sade zeigt.

Wie sicherlich so manch anderer Leser vermutete ich, daß der Kurier seinen Lesern ein „L" unterschlagen habe und daß es sich korrekterweise um die neue Single der Altrocker Slade handeln müsse, die zu dieser Zeit mit Hits wie „My Oh My" oder „Run Run Away" gerade ihr Comeback feierten. Die Überraschung war groß, als sich herausstellte, daß es sich bei dem vermeintlichen Druckfehler nicht um Altrocker im 2. Frühling , sondern tatsächlich um eine der Band namens Sade handelte, die von der um 1984 populären New-Jazz-Welle ebenso wie die längst vergessenen Working Week oder den mittlerweile auch in der Versenkung verschwundenen Matt Bianco profitieren konnte.

Noch bemerkenswerter war aber, daß sich hinter dem Name Sade nicht nur eine Band, sondern vor allem deren Sängerin, eine der schönsten und sinnlichsten Frauen der 80er und frühen 90er, verbarg. Allerdings ist Helen Folasade Adu, so der bürgerliche Name von Sade mehr als nur hübsches und exotisches Aushängeschild der Band, denn sie ist hauptverantwortlich sowohl für die Songs als auch die Produktion und verbannt somit die restlichen 3 Bandmitglieder Paul Denman, Stuart Matthewman und Andrew Hale in den Hintergrund, weshalb man Sade eher als Solokünstlerin als mit einer Band assoziert. Daß die 3 aber mehr sind als halbwegs talentierte Musiker haben sie 1996 unter dem Projektnamen Sweetback mit dem gleichnamigen großartigen und leider unterschätzten Album bewiesen.

Auf dem 1984 veröffentlichten Debutalbum „Diamond Life", daß sich übrigens ganze 98 Wochen in den englischen Albumcharts halten konnte und weltweit über 7 Millionen Interessenten fand, lieferte Sade eine zuvor nicht gehörte zeitlose Mischung aus unterkühlten Soul und eleganten Barjazz und konnte mit Titeln wie der Hitsingle „Smooth Operator" oder ihrer Version des Timmy Thomas-Klassikers „Why Can’t We Live Together" aus dem Jahre 1973 bei vielen eine bleibenden Eindruck hinterlassen und Vergleiche mit legendären Sängerinnen wie etwa Billie Holiday waren durchaus angebracht.

Die ähnlich gelungenen Nachfolgealben „Promise" (1985), „Stronger Than Pride" (1988) und „Love de Luxe" (1992), eine Greatest Hits-Compilation (1994) und Hitsingles wie „Sweetest Taboo" (1985) und „No Ordinary Love" (1992) sorgten dafür, daß sich Sade mit den Einnahmen von ingesamt 40 Millionen verkauften Tonträgern für längere Zeit aus den Musik- ins Privatleben zurückziehen konnte.

Nach 8 langen Jahren fand sie nun endlich wieder ins Studio. Während andere Interpreten nach einer derart langen Schaffenspause nur mit riesigem Promotionaufwand wieder ins Rampenlicht gerückt werden müssen, war das bei Sade nicht notwendig, denn ihr Comebackalbum „Lovers Rock" wurde von vielen schon sehnsüchtig erwartet.

Glücklicherweise hat hier sich Sade nahezu allen derzeit aktuellen Strömungen der Popmusik widersetzt und so sind hier weder Rapper noch überflüssigen Gaststars vertreten. Auf diese Formel setzten beispielsweise die vormals als alternativ angesehenen Trip-Hopper Morcheeba auf ihren aktuellen Album „Fragments Of Freedom" und sind damit kläglich gescheitert, was alleine die Tatsache beweist, daß sie sogar mittlerweile schon auf Ö3 gespielt werden.

Bereits mit dem unwiderstehlichen Opener „By Your Side", gleichzeitig die aktuelle Single, nimmt Sade mit ihrer immer reifer, fragiler und melancholischer gewordener Stimme den Hörer vom ersten Moment an gefangen und läßt ihn die folgenden 44 Minuten nicht los. Kaum eine andere Sängerin könnte so wunderschöne als auch traurige Balladen wie „King of Sorrow" oder „Somebody Already Broke My Heart" so überzeugend interpretieren. Von den jazzigen Klängen der ersten Alben ist hier allerdings kaum mehr etwas zu hören, vielmehr orientiert sich Sade am zeitgenössischen Soul, natürlich aber ohne in die kommerziellen Untiefen von Whitney Houston, Toni Braxton & Co. abzudriften. Daß sie schon seit einigen Jahren auf Jamaika lebt hat auf dem neuen Album natürlich auch seine Spuren hinterlassen. So ist „Lovers Rock" eine Bezeichnung für Reggae-Balladen und Reggaeeinflüsse hört man deutlich bei „All About Our Love", „Slave Song" und dem Titelsong. Wer beim ersten Durchhören des Albums Hits der Klasse wie „Smooth Operator" vermißt wird spätestens beim 3. Durchlauf anderer Meinung sein, den mit zunehmender Spielhäufigkeit entwickeln die zunächst eher identisch, vielleicht auch etwas dahinplätschernd und durchschnittlich klingenden Songs immer mehr Tiefe und Profil und nach und nach kann man sich dem atmosphärischen Zauber von Titeln wie etwa dem ähnlich wie „Californication" von den Red Hot Chili Peppers beginnende und verdächtig nach der kommenden Single klingende „Every Word" nicht entziehen.

Sollten Sie zu jenen gehören, die bislang nur die 14 Kuschelrock-Alben als akustisches Aphrodisiakum verwendet haben ,sollten sie diese lieber karitativen Zwecken zur Verfügung stellen und sich stattdessen alle Sade-Platten und insbesondere dieses Album zulegen, denn es ist nicht auszuschließen, daß diese Platte möglicherweise einen Anstieg der Geburtenrate bewirken könnte ...

(8/10)

Various Artists - Just Walk In My Shoes - The Songs Of The Motor City (CD, 1999)


1. Jimmy James & The Vagabonds: I Gotta Dance To Keep From Crying (1966)
Originalversion:Smokey Robinson & The Miracles, (1963, US # 35)
2. Billie Davis: Just Walk In My Shoes (1966)
Originalversion:Gladys Knight & The Pips, (1966)
3. Petula Clark: Dancing In The Street (1965)
Originalversion:Martha Reeves & The Vandellas (1964; UK # 28, US # 2, 1969; D # 36, UK # 4)
4. The Tremeloes: Loving You Is Sweeter Than Ever (1967)
Originalversion:Four Tops (1966; UK # 21, US # 45)
5. Paddy, Klaus & Gibson: No Good Without You Baby (1966)
Originalversion:Marvin Gaye (1965)
6. Small Faces: Every Little Bit Hurts (1967)
Originalversion:Brenda Holloway (1964; US # 13)
7. Ray French: Since I Lost My Baby (1966)
Originalversion:Temptations (1964; US # 17)
8. Timebox: I'll Always Love You (1966)
Originalversion:Spinners, (1965, US # 35)
9. Jan Panter: Put Yourself In My Place (1966)
Originalversion:Elgins (1966; US # 97, 1971 UK # 28)
10. Twany Reed: Needle In A Haystack (1965)
Originalversion:Velvelettes, (1964; US # 45)
11. The Undertakers: Money (1963)
Originalversion: Barrett Strong (1960; US # 23)
Different Version: Beatles (1963)
12. Bobby Rio: Ask the Lonely (1966)
Originalversion: Four Tops (1965)
13. Petula Clark: Tears Of A Clown (1971)
Originalversion: Smokey Robinson & The Miracles (erstmals veröffentlicht 1968; 1970; A # 11, D # 19, UK # 2, US # 1)
14. Tony Jackson & The Vibrations: Bye Bye Baby (1964)
Originalversion: Mary Wells (1960; US # 45)
15. Jackie Trent: Reach Out I'll Be There (1967)
Originalversion: Four Tops (1966, D # 13, UK # 1, US # 1)
16. The Searchers: I'll Be Doggone (1965)
Originalversion: Marvin Gaye (1965; US # 8
17. Jimmy James & The Vagabonds: It's Growing (1966)
Originalversion: Temptations (1965; US # 18)
18. Julie Grant: As Long As I Know He's Mine
Originalversion: Marvelettes (1963, US # 47)<
19. The Bystanders: Stubborn Kind Of Fellow
Original Version: Marvin Gaye (1962; US # 46)
20. The Tremeloes: Too Many Fish In The Sea
Originalversion: Marvelettes (1964, US # 25)
Different Version: Mitch Ryder & The Detroit Wheels (1967; US # 20)
21. Sandie Shaw: Baby I Need Your Loving
Originalversion: Four Tops, (1964; US # 11)
Different Version: Johnny Rivers, 1967 US # 3
22. Carl Wayne: My Girl (1965) Originalversion: Temptations (1965; UK # 43, US # 1, 1992, UK # 2)
German Version: Mein Girl (1965)
23. Lorraine Silver: When The Love Light Starts Shining Thru' His Eyes (1966)
Originalversion: Supremes (1963; US # 23)
24. Tony Jackson & The Vibrations: You Beat Me To The Punch (1964)
Originalversion: Mary Wells (1962; US # 9)
25. The New Formula: I Want To Go Back There Again (1967)
Originalversion: Chris Clark (1967 US # 94)
26. Sounds Orchestral: Ain't That Peculiar (1966)
Originalversion: Marvin Gaye (1965 US # 8)
27. David Garrick: Let's Go Somewhere (1966)
Originalversion: R. Dean Taylor (1966)
28. The Trends: The Way You Do The Things You Do (1964)
Originalversion: Temptations (1964 US # 11)
29. Chris Farlowe: What Becomes Of The Broken Hearted (1966)
Originalversion: Jimmy Ruffin (1966; UK # 8, US # 7, 1974; UK # 4)

Seit Mitte der 60er animierte der große Erfolg von Motown immer wieder unzählige Interpreten aus allen musikalischen Fraktionen, sich an Motownsongs bzw. dem charakteristischen Sound zu versuchen bzw. zu kopiern. Sogar heute noch findet sich in zahlreichen Popsongs der Einfluß von Motown, beispielsweise im letztjährigen nicht unpeinlichen österreichischen Songcontestbeitrag von den Rounder Girls.

„Just Walk In My Shoes" präsentiert 29 Motown-Coverversionen von britischen Bands und Interpreten der 60er Jahre, die mitunter sogar besser als das Original sind. Das sie großteils unbeachtet blieben liegt daran, daß sie meist auf B-Seiten oder auf Alben versteckt waren oder einfach gegen das Original keine Chance hatten. Auf dieser Compilation finden sich zahlreiche damals etablierte Stars wie Petula Clark, Tremeloes oder Small Faces, großteils aber unbekannte und längst vergessene Acts, die dank dieser CD vor dem Vergessenwerden bewahrt werden.

Jimmy James & The Vagabonds etwa stellen Smokey Robinson’s Original „I Gotta Dance To Keep From Crying" in den Schatten, produktionstechnisch durchaus gelungenene Adaptionen des Motownsounds gibt es bei „When The Love Light Starts Shining Thru' His Eyes" von Lorraine Silver und „Needle In A Haystack" von Twany Reed zu hören. Der Preis für den nettesten Popsong auf diesem Album geht eindeutig an Julie Grant mit „As Long As I Know He's Mine". Herausragend aber auch Jan Panters Version von „Put Yourself In My Place", das fast schon so klingt als wäre es von einem New Wave-Popsternchen anno 1980 gesungen und scheint daher fast schon 15 Jahre seiner Zeit voraus zu sein. Schon deshalb ist „Just Walk In My Shoes nicht nur für Motown-Fans interessant

(7/10)

Location/Date:
Fischer's Music & Chronicle, 10.11.00

Gus Backus - Das ist viel zu schön um wahr zu sein (Single)
Elkin & Nelson - Jibaro(Single)
Jerry Jackson - Tell Her Johnny Said Goodbye
Michael Jackson - We're Almost There (Single)
Napoleon XIV - They're Coming To Take Me Away, Ha-Haa (Single)
Clodagh Rodgers - Biljo (Single)

Gus Backus - Das ist viel zu schön um wahr zu sein (Single, 1960)


Nach 5 gefloppten Singles, darunter Coverversionen von Elvis Presleys "A Fool Such As I" (1959; UK # 1, US # 1) und Bobbejaans „Ich steh’ an der Bar und ich habe kein Geld" (1960; A # 9, D # 6) schaffte Gus Backus im Herbst 1960 mit „Brauner Bär und weiße Taube" (1960; A # 11, D # 16), der deutschen Version von Johnny Prestons „Running Bear" (1960; D # 38, UK # 2, US # 1) in Österreich und Deutschland den Durchbruch. Die kurz danach veröffentlichte Single „Das ist viel zu schön um wahr zu sein", im Original „A Kookie Little Paradise" und ein kleiner Hit für die Tree Swingers (1960; USA # 73), Jo Ann Campbell (1960; USA # 61) und Frankie Vaughn (1960; UK # 31), verstaubte allerdings in den Regalen der Plattengeschäfte. Die Idee von Gus’ Produzenten, diesen Titel zu covern war prinzipiell ganz gut, denn der Song hat durchaus Ohrwurmqualitäten und die originellen Soundeffekte vermitteln durchaus Südseeexotik.

Leider hatten die Plattenkäufer Gus Backus offenbar vorerst auf die Rolle des Cowboys und nicht des Fernweherkrankten festgelegt, was dadurch unterstrichen wurde, daß die Nachfolgesingle „Da sprach der alte Häuptling" in Österreich und Deutschland bis auf Platz 3 kletterte. Auf der Rückseite „Baby, deine Beine", einer eingedeutschten Version des obskuren Titels „Lyin’ Kisses“ von dem noch obskureren Dick Caruso versucht Gus sich übrigens als Crooner im Stile Frank Sinatras mit (zumindest textlich) Hang zu Fußfetischismus.

(Musik 5/10, Special FX 8/10)

Elkin & Nelson - Jibaro (Single, 1986)


Nach der im Zuge der Rezension von „Disco Raritäten Vol. 3" bereits besprochenen 7:25 Version von Elkin & Nelsons Klassiker „Jibaro“ hier nun die treffenderweise „Aperitivo" betitelte 3:24 Minuten-Version

Die Single unterscheidet sich allerdings nicht durch die radiofreundliche Länge bzw. Kürze, sondern auch durch das Ende, wo ein kleiner Junge irgendetwas sagt, das man vermutlich nicht entschlüsseln kann, sofern die Spanischkenntnisse nicht über „ Hasta La Vista, Baby" hinausreichen.

Darüber hinaus hat man offenbar in weiser Voraussicht, daß man die Single zu Tode spielt, „Jibaro" auf beide Plattenseiten gepresst. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass man zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Single von Elkin & Nelson keine passende Nummer für eine Rückseite zur Verfügung hatte. Erst 1989 meldeten sich Elkin & Nelson mit einer etwas lauen Coverversion von „Quizas, Quizas, Quizas", dass einst Stars wie Nat King Cole bzw. Doris Day (ihre englische Version heißt „Perhaps, Perhaps, Perhaps“ aufgenommen hatten, wieder zurück.

(8/10)

Jerry Jackson - Tell Her Johnny Said Goodbye (Single, 1980; Original Release 1964)


Es gibt immer wieder Songs, die fast jeder kennt, aber unverständlicherweise nie Hits wurden. Zu dieser raren Gattung gehört zweifelsohne „Tell Her Johnny Said Goodbye" von Jerry Jackson, das zwar heute immer noch ein relativ oft gespielter und gern gehörter Oldie ist, aber nie in den Hitlisten auftauchte. Lediglich die „Bubbling Under“-Charts von Billboard verzeichneten den Titel im Dezember 1964 auf Platz 114.

Unorthodoxes Schlagzeugintro, prägnante Orgel, Kastagnetten und vor allem die überzeugende Interpretation von Jackson waren eigentlich die idealen Vorrausetzungen, um den Status eines Soulklassiker, der aber überraschenderweise hierzulande immer noch einen relativ hohen Bekanntheitsgrad hat.

Textlich geht es um den Anruf des Hauptprotagonisten Johnny Blue bei einer gewissen Mrs. Johnson, die er um ein Gespräch mit deren Tochter und gleichzeitig Johnnys verflossener Liebe Carol bittet, die unmittelbar vor der Hochzeit steht. Wem diese Thematik bekannt vorkommt, liegt nicht falsch, denn „Sylvias Mother" (1972; A # 2, D # 7, UK # 2, US # 12) von Dr. Hook & The Medicine Show ist inhaltlich eine Kopie von „Tell Her Johnny Said Goodbye", war aber ungleich erfolgreicher.

Zu Österreich hat Jerry Jackson einen ganz besonderen Bezug, denn hier mit „Shrimp Boats (Jamaican Ska)" (1964; A # 9, US # 134; im Original von Jo Stafford; 1951; US # 2) seinen größten Hit verbuchen. Wie aus dem Untertitel ersichtlich ist hat er auch so nebenbei Pionierarbeit geleistet, da damit er den ersten Ska/Reggae-Titel nicht nur in der österreichischen, sondern auch international gesehen in den vorderen Rängen der Charts plazieren konnte. Es sollte noch ganze 4 Jahre dauern, bis sich mit „Hold Me Tight" (1968; A # 17, D # 22, UK # 5, US # 4) von Johnny Nash ein weiterer Reggaesong derart hoch in den Hitparaden aufschien.

Nach „Shrimp Boats" versuchte Jerry Jackson sich an einer Ska/Soulversion des Irving Berlin-Titels „Always" (1965), die sich auf der Rückseite der gegenständlichen Single befindet und gelegentlich im Radio läuft. Allerdings konnte auch dieser Titel seiner Karriere keinen großen Impulsschub verpassen und ihm deshalb ein prominenter Platz in der Soulgeschichte verwehrt.

(9/10)

Michael Jackson - We're Almost There (Single, 1975)


1975 war die Vormachtstellung von Motown in der Soulmusik längst beendet. Der Phillysound und die Discowelle bestimmten die Szene, noch dazu hatten etliche einst den Motownsound prägende Gruppen wie die Four Tops oder Gladys Knight & The Pips nach Ungereimtheiten bei der Tantiemenabrechnung oder anderen Ungereimtheiten dem Label den Rücken. Die noch verbleibenden Motownkünstler konnten kaum mehr musikalische Akzente setzen, so auch für Michael Jackson.

Für ihn und seine Brüder sah es nicht mehr ganz so rosig aus wie Anfang er 70er, als sie mit „I Want You Back" (1970; A # 9, UK # 3, US # 1 ) oder „ABC" (1970; UK # 8, US # 1) die Charts dominierten. Auch Michaels Solokarriere war mittlerweile ebenfalls ins Stocken geraten und er konnte an Hits wie „Got To Be There" (1971; UK # 5, US # 4) oder „Ben" (1972; UK # 7, US # 2) bei weitem nicht anschließen.

Da der „The Sound Of Philadelphia" ab 1974 alle anderen Spielarten des Soul in den Schatten stellte, versuchte auch Motown auf den „Love Train" aufspringen. Dafür rekrutierte man Brian & Eddie Holland, 2/3 des legendären Songwriterteams Holland-Dozier-Holland, die für Michael das Album „Forever, Michael“ produzierten und für ihn das soundmäßig dem Zeitgeist angepassten „We’re Almost There" (1975; US # 50, 1981; UK # 46) bastelten.

Dennoch konnten alle Phillysoundzutaten wie dicke Streicher- und Bläsersätze, interessanter Rhythmus und funky Gitarren nicht verhindern, dass die Single bald wieder aus den Charts verschwandund es noch fast 5 Jahre dauern sollte, bis er mit „Don’t Stop Til You Get Enough" (1979; A # 11, D # 13, UK # 3, US # 1) den Grundstein zu seinem Superstarstatus legte.

(6/10)

Napoleon XIV - They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!(Single, 1966)


Deutsches Cover Deutsches Label der B-Seite UK Label der B-Seite

Jerry Samuels führte ein beschauliches Leben als Toningeneur in einem New Yorker Studio und schrieb Songs, darunter den Hit „The Shelter Of Your Arms“ für Sammy Davis Jr. (1964; US # 17), bis er sich 1966 bewaffnet mit Trommel, Tambourin und einigen Soundeffekten knappe 1 1/2 Stunden Studiozeit gönnte und den bizarren Novelty-Klassiker „They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!" (1966; D # 22, UK # 4, US # 3; 1973; US # 87) aufnahm, der laut Samuels von einem Hundehalter handelt, dem sein vierbeiniger Liebling entlaufen ist und deshalb durchdreht. Ein Mitarbeiter von Warner Brothers zeigte sich davon begeistert und schon kurz darauf erschien der Titel auf Single. Als passendes Pseudonym wählte man Napoleon XIV, schließlich ist der größte bzw. kleinste Feldherr aller Zeiten ein beliebtes Sujet, wenn man in Filmen etc. ein Geisteskranker dargestellt werden soll.

Viele Radiosender fanden den Song allerdings nicht unterhaltsam bis bedenklich und nahmen ihn umgehend von ihrer Playlist, was aber wiederum zur Folge hatte, dass innerhalb einer Woche nicht weniger als 500.000 Singles abgesetzt werden konnten. Noch verrückter als die A-Seite ist aber die Rückseite „!aaaH-aH, yawA eM ekaT oT gnimoC er’yehT", wobei es sich um die rückwärts abgespielte Version von „They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!" handelt. Hier ist aber nicht nur der Song verkehrt, sondern auch die Beschriftung auf dem Label! (siehe oben)

Möglicherweise hätte Samuels weitaus mehr Exemplare von der Single verkauft, wäre am 1. August 1966 der als “University Of Texas Tower Sniper” in die amerikanische Kriminalgeschichte eingegangene Student Charles Whitman in Austin/Texas nicht Amok gelaufen und dabei 14 Menschen erschossen. Diese Tragödie sensibilisierte viele potentielle Plattenkäufer, die nunmehr Lieder über psychisch Kranke nicht mehr unterhaltsam fanden, weshalb die Single in den Billboard-Charts nach Erreichen der Höchstplazierung von Platz 3 in den Folgewochen von 5 auf 37 rutschte und bald darauf völlig aus den Charts verschwand.

Trotz der negative Begleiterscheinungen entwickelte sich eine regelrechte „They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!"-Hysterie. Den Anfang machte zunächst Samuels mit einem rasch nachgeschossenen, originell betitelten Album They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!“, danach folgte eine regelrechte Welle an Antwortsongs, Coverversionen, (sowohl englisch als auch deutsch/hessich, hölländisch, spanisch und italienisch) und Bearbeitungen aller Art, die Mutige sich mittels der Compilation “Napoleon Complex“ zu Gemüte führen können.

Wie fast alle Noveltysingles blieb auch „They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!!!" ein One-Hit-Wonder. Das Album verkaufte sich mäßig und die Entscheidung, mit “I’m In Love With My Little Red Tricycle” ausgerechnet einen der unkommerziellesten Titel daraus auszukoppeln entpuppten sich für Napoleon XIV als Waterloo. Vielleicht wäre tatsächlich alles anders gekommen, hätte man als Nachfolgesingle das weitaus unterhaltsamere „Doin’ The Napoleon“ gewählt, aber wer weiß das schon …

Sicher ist jedenfalls, dass Samuels in seiner Rolle als Napoleon XIV einen einzigen Liveauftritt absolvierte und Mitte der 70er selbst für acht Monate in psychiatrische Behandlung musste. Eine Spätfolge seiner Plattenkarriere?

(8/10)

Clodagh Rodgers - Biljo (Single, 1969)


Vermutlich dürfte der Bekannheitsgrad der irischen Schlagersängerin Clodagh Rodgers hierzulande ähnlich dem der Ex-Seniorenclub-Kellnerin Hilli Reschl in Irland sein. Ihre biederen Hitsingles wie „Come Back & Shake Me" (1969; D # 39; UK # 3) oder „Goodnight Midnight" (1969; A # 13, UK # 4) sind auch nicht gerade als Klassiker zu bezeichnen und seit ihrer Veröffentlichung kaum mehr gespielt worden. Längst vergessen ist auch das schauerliche Mitklatschliedchen „Jack In The Box" (1971; D # 36, UK # 4), mit dem sie beim Eurovisions-Songcontest aus unerfindlichen Gründen sogar den 4. Platz belegte. Auf ihren Alben scheute sie sich nicht Popstandards wie etwa „Imagine" von John Lennon oder „Mr. Bojangles" von Sammy Davis Jr. zu covern und das Ergebnis war eine Gratwanderung zwischen Ärgernis, Peinlichkeit bis hin zur Lächerlichkeit.

So gesehen ist es einigermaßen überraschend, daß Clodagh gemeinsam mit ihrem Produzenten und Songwriter Kenny Young die Single „Biljo (1969; UK # 22) zustandebrachte. So unglaublich es klingen mag, bei diesem Song würde man als Herkunftsland eher auf die USA als auf Irland tippen, denn er klingt wie eine Mischung aus dem Vocalquintett Fifth Dimension („Aquarius/Let The Sunshine In"; 1969; A # 11, D # 2, UK # 11, US # 1) und Creedence Clearwater Revival („Proud Mary", 1969; A # 1, D # 4, UK # 8, US # 2).

Fast noch gelungener ist die Rückseite „Spider", die von einer großartigen für ihre Platten außergewöhnlichen und fast schon psychedelisch anmutenden Fuzzgitarre dominiert wird. In dem Lied geht es übrigens, wie man dem Geist der späten 60ern entsprechend annehmen könnte, nicht um im Drogenrausch auftauchende Spinnen, sondern um einen barfüßigen Herumtreiber namens „Spider Jim", von dem sich Clodagh so lange anbraten läßt, bis sie ihm mit den Worten „You Can Have Me If You Want To" völlig verfällt.

Nach dieser Single verschwand Clodagh Rodgers abgesehen von ihren oben erwähnten Ausflug zum Song-Contest in der Versenkung. Zumindest einen glühenden Verehrer dürfte sie aber noch haben, denn der hat ihr zu Ehren diese Homepage gebastelt.

(6/10)


Location/Date:
Fischer's Music & Chronicle, 03.11.00

Cowboy Twisters - Cowboy Twist (Single)
Freddy - The Banana Boat Song (Single)
Pitchshifter - Deviant (CD)
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol. 3 (CD)
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol. 5 (CD)

Freddy - Banana Boat Song (Single, 1957)


Den Wiener Manfred Petz, der einst als Freddy (Quinn) in die große Welt hinauszog und neben den 7 Weltmeeren auch die deutschen und österreichischen Charts unsicher machte, braucht man wohl nicht näher vorzustellen.

Schon mit seinem Erstling „Heimweh" (1956; A & D # 1), der deutschen Version des Dean Martin-Klassikers „Memories Are Made Of This" (1956; UK & US # 1) schaffte der den Durchbruch und konnte sich nahezu für fast ein Vierteljahrhundert immer wieder in den deutschen Charts plazieren. Das Bemerkenswerte und gleichzeitig Bedenkliche dabei war zweifellos, daß nahezu alle Hits eine wahrlich schauerliche Mischung aus Fernweh bzw. Heimweh, Seemannsklischees und jeder Menge wirklich widerlichem Pathos waren, die immer wieder Käufer fand. Interessant und heute nicht mehr nachzuvollziehen ist die Tatsache, daß Elvis im deutschen Sprachraum verkaufsmäßig von Freddy bei weitem übertrumpft wurde und das „Bravo" ihn sogar als Teeny-Idol bejubelte.

Die Mitte der 50er Jahre alles beherrschende Plattenfirma Polydor hatte mit Freddy eines der zugkräftigsten Pferde im Stall und wollte ihn daher auch gleich auf den internationalen Rennstrecken einsetzten. Zu diesem Behufe nahm er ab 1957 immer wieder englische Titel auf, die sang- und klanglos untergingen, aber heute Raritäten sind. So ist die japanische Pressung seiner 1958 erschienen Interpretation des Danny & The Juniors-Hits „At The Hop" (1957; UK # 3, US # 1) bis zu unglaublichen 4000 ATS wert. Etwas günstiger ist die hier vorliegende Single „Banana Boat Song", die ich schon um 29,- ATS erstanden habe.

Wie nicht weiter schwer zu erraten handelt es sich hier um eine Coverversion des Klassikers von Harry Belafonte (1957; A # 2; D # 1, UK # 2, US # 5), die allerdings mit dem Original fast nichts gemeinsam hat. Verantwortlich dafür ist Orchesterchef Horst Wende, der hier als „Horst Wende & His Rhythm Boys" Freddy’s stimmlichen Erguß begleitet und dem Titel ein gänzlich anderes Arrangement verpaßt hat. Keine Talking Drums und Echos, dafür andere interessante Percussioneffekte, ein Mandolinen-Riff und nicht zuletzt sind der Refrain und der Rhythmus ganz unterschiedlich. Dazu kommt noch, daß hier immer wieder von einem mysteriösen „Hillengolly Rider" gesungen wird und von dem von Harry Belafonte besungenen „Hey. Mr. Daliman, Dali Me Banana" (oder so ähnlich) überhaupt keine Rede mehr ist. Freddy selbst klingt hier, als hätte er zur Einstimmung auf den Song zuviele Gläser Rum gebechert.

Auf der Rückseite knödelt sich Freddy, erneut mit tatkräftiger Unterstützung von Horst Wende & His Rhythm Boys, durch den Pat Boone-Hit „Don’t Forbit Me" (1957; UK # 2, US # 1). Auch hier gibt es unterschiedliches Arrangement, allerdings nicht ganz so krass wie auf „Banana Boat Song". Das Grundgerüst bleibt hier im großen und ganzen gleich, allerdings wurde beispielsweise hat man auf das vom Original bekannte Intro „Babababababababababa!" verzichtet.

Daß diese Single 1957 sowohl gegen das Original von Harry Belafonte, das sich in Österreich ganze 41 Wochen in der Hitparade halten als auch gegen die einzig nenneswerte deutsche Version von Leo Leandros (1957; A # 8, D # 11) nicht durchsetzen konnte, lag daran, daß Polydor nur die deutschsprachigen Aufnahmen von Freddy forcierte und diese Platte in erster Linie nur für den Export bestimmt war, was eigentlich schade ist, denn dieses musiklische Kuriosum hätte sich hierzulande mehr Hörer verdient.

(6/10)

Cowboy-Twisters - Cowboy-Twist (Single, 1962)


Seit Mitte der 50er überfluteten unzählige Modetänze wie etwa Limbo oder Madison die Tanzflächen und natürlich auch die Charts, aber keiner konnte in der Musikgeschichte solche Spuren hinterlassen wie der Twist. Von 1960-1962 konnte man der Twistwelle kaum entkommen und sogar Frank Sinatra konnte sich diesem Phänomen nicht entziehen, wie sein Hit „Ev’rybody’s Twistin’„ (1962; UK # 22, US # 75) beweist.

Dabei verdankt dieser Tanz seine Entstehung nur einer Notlösung. Hank Ballard, Sänger und Songwriter der Doo-Wop-Gruppe Midnighters, brauchte für die Single „Teardrops On Your Letter" (1959; US # 87) eine B-Seite und da gerade nichts brauchbares vorhanden war, schrieb er binnen einer Stunde den Titel „The Twist". Wie bei den meisten B-Seiten interessierte sich aber vorerst niemand dafür. Mit der steigenden Popularität von Hank Ballard & The Midnighters, für die deren Hit „Finger Poppin’ Time" (1960; US # 7) hauptverantwortlich war, kam irgendjemand auf die Idee, auch mal in die Rückseite von „Teardrops On Your Letter" zu spielen, was letztlich dazu führte, daß sich plötzlich „The Twist" zu einem Hit entwickelte (1960 US # 28).

Wie damals üblich wurden populäre Hits oftmals gecovert und so nahm Chubby Checker, der außer einem kleinen, aber feinen Novelty-Hit namens „The Class" (1959, US # 38) noch keine nenneswerte Erfolge vorweisen konnte, für das auf Teeniepop spezialisierte Label Cameo-Parkway „The Twist" auf und lieferte damit die Initialzündung sowohl für seine für damalige Verhältnisse sensationell erfolgreiche Karriere als auch für die Twisthysterie. Chubby’s Version versetzte die USA und den Rest der Welt in ein noch nie dagewesenes Tanzfieber, daß sich natürlich auch in den Charts niederschlug und anhand der Anzahl der Plazierungen und Re-Releases kann man sehen, welche Bedeutung und Beliebtheit diese Single hatte: (1960; UK # 44, US # 1; 1962; D # 12, UK # 14, US # 1; 1975, UK # 5; 1988 (Neue Version mit den Fat Boys); A # 2, D # 1, UK # 2, US # 16 ). Daneben konnte Chubby in den USA noch über 20 andere Dancehits verbuchen, deren Aufzählung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.

Die Twisthysterie brach Ende 1961 auch über den deutschen Sprachraum herein und die deutsche Plattenindustrie konnte natürlich auch nicht daran vorbeigehen und brachte Machwerke wie etwa den „Willhelm Tell Twist" von Charly Cotton (1963; A # 12, D # 11) heraus, wobei anzumerken ist, daß diese Twistversion der „Wilhelm Tell Overtüre" zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, als der Twist in den USA schon fast ein Jahr wieder out war und daran konnte selbst so spektakuläre Kreationen wie der „Bossa Nova Watusi Twist“ von Freddy King (1963; US # 107) nichts ändern.

Ein weiters Twistopus aus deutschen Plattenschmieden ist die hier vorliegende Single „Cowboy-Twist", wobei es sich um die deutsche Version des Chubby Checker-Hits „The Hucklebuck (1960; US # 14) handelt. Hinter den für dieses akustische Verbrechen verantwortlichen Cowboy-Twisters steckt eine im Auftrag ihrer Plattenfirma Polydor ausschließlich zum Abcashen der Twisthype ins Leben gerufene Studiocombo. Die musikalische Qualität dieses Songs läßt sich am Besten aus dem Text entnehmen, denn der spricht wirklich für sich:

Zunächst leitet eine tiefe, knödelige Stimme den „Cowboy-Twist" ein, und dann beginnt schon das Grauen:

Wer nie (da da da) in Tennessee war (da da da)
Wer nie (da da da) in der Prairie war (da da da)
der wird uns bestimmt beneiden (da da da)
Ein Cowboy hat es gut (Yeah!)
Er hat ‘nen großen Hut (Yeah!)
er braucht ein kleines Mädchen das aus liebe alles tut
ein Cowboy hat es fein (Yeah!)
sie küßt nur ihn allein (Yeah!)
und sagt zu ihm „Ich liebe dich" beim Lagerfeuerschein
Ein Cowboy hat es gut
ein Cowboy hat es fein
jeder Boy möchte gern ein Cowboy sein

Philosophisch, musikhistorisch und psychologisch ist der Song bis hierher sehr gelungen, finden sich doch hier Elemente des Dadaismus, erste Anzeichen der Beatwelle (Yeah!) und freudsche Symbolik (ein großer Hut wirkt anziehend auf Frauen). Jedoch ist nicht ganz nachvollziehbar, warum nur deshalb jeder Mann ein Cowboy werden möchte.

Auf diese Strophe folgt kurzfristiges Brunftgeschrei, ein gelungenes Saxophonsolo, gemixt mit einigen da da da’s und dann geht’s schon wieder weiter:

Wer nie (da da da) in Idaho war (da da da)
Wer nie (da da da) dort mit uns froh war (da da da)
der wird uns bestimmt beneiden (da da da)
Ein Cowboy der hat Glück (Yeah!)
in jedem Augenblick (Yeah!)
und macht auf seinem alten Banjo Tag und Nacht Musik
Ein Cowboy hat es schön (Yeah!)
braucht keinen Schritt zu gehn’ (Yeah!)
er sitzt auf hohem Roß und kann die Welt von oben sehn’
Ein Cowboy hat es gut
ein Cowboy hat es fein
jeder Boy möchte gern ein Cowboy sein

In dieser 2. und glücklicherweise letzten Strophe wird die Symbolik des Textes befremdlicher. Kaum jemand wird wirklich darauf Wert legen, in Idaho mit den Cowboy-Twisters „mal froh zu sein", was auch immer das bedeuten möge. Warum es aber einem Cowboy den richtigen Kick gibt, Tag und Nacht auf dem Banjo zu spielen erscheint rätselhaft. Wenigstens hat man aber vom Pferd aus einen guten Ausblick und man kann zumindest einmal „auf dem hohen Roß" sitzen.

Auf diese Strophe folgt erneut kurzfristiges Brunftgeschrei, ein gelungenes Saxophonsolo, erneut gewürzt mit einigen da da da’s und schließlich ein wirklich interssantes und herbeigesehntes apruptes Ende

Kann man dem „Cowboy-Twist" noch einigermaßen unfreiwillig komische Element abgewinnen und die Saxophonsolos wirklich brilliant sind , ist die Rückseite „Pony Express", einer Coverversion eines kleinen Hits von Danny & The Juniors (1961; US # 60) wirklich abgrundtief schlecht

Den Text hier näher zu beleuchten kann ich niemand zumuten, daher hier nur eine kurze Inhaltsangabe: Die fleißigen Goldgräber aus Silvertown gönnen sich nach einer harten Arbeitswoche den allwochenendlichen Ausflug in Bordell, in dem alle Freudenmädchen sehnsüchtig auf den Freitag warten, da unter der Woche das Geschäft eher flau ist.

Überraschenderweise floppte diese Single anno 1962 und es blieb das einzige Lebenszeichen der Cowboy Twisters.

Dennoch ist es ein gutes Zeugnis dafür, daß sich das Sammeln dieser deutschen Coverversionen lohnt, denn solche Untiefen der Unterhaltung kriegt heute einfach niemand mehr hin.

(Musik 1/10, Kuriositätsfaktor 8/10, Saxophon 9/10)

Pitchshifter - Deviant (CD, 2000)


Beeinflußt von den Erfolgen von Prodigy begann die ursprünglich als Hardcoreband gestartete britische Formation Pitchshifter nach und nach die diversen Dancefloortechnologien zu nutzen. Auf ihrem 1998er Album „www.pitchshifter.com" waren schon stellenweise gute Ansätze zu erkennen, was in den Hitsingles „Genius" (1998; UK # 71) und „Microwaved" (1998, UK # 54) resultierte.

Auf ihrem aktuellen Album „Deviant" hat sich die Band zwar nicht wesentlich weiterentwickelt, allerdings bieten die gut eingesetzten Breakbeats, Samples und Gitarrenriffs einigen Facettenreichtum und decken mühelos ein musikalisches Spektrum ab, das von den Industrialmeistern Ministry über die Alternative Rock Teeange-Rebellen Korn bis hin zu den unterschätzten Dancefloorgrößen Junkie XL reicht. Bestes Beispiel dafür ist „Hidden Agenda", dessen Video sich übrigens auf der CD befindet und wo sich zu den Einflüssen der zuvor genannten Gruppen auch Drum’n’Bass-Einsprengelungen unter die Beats mischen. Weitaus kreativer als das Gesamtwerk von Limp Bizkit & Co. sind auch „Wafer Thin" und die zweite ausgekoppelte Single „Dead Battery" (2000; UK # 71). Herrausragend ist aber sicherlich das abschließende Instrumental „P.S.I.cological", das mit genialen Gitarrensamples und prägnanten Big Beats aufwarten kann.

Musikalisch mögen Pitchshifter also einigermaßen überzeugen, aber inhaltlich gibt es leider einige Mängel: Entsprechend dem Albumtitel „Deviant" (=Abweicher") will die Band gegen Mittelmäßigkeit in jeder Form ankämpfen. So dürfte auch vermutlich das Coverbild zu erklären sein, wo der Papst mit der Queen verschmilzt und die beiden nach dem Verständnis der Band die Sinnbilder für unsere mittelmäßige Gesellschaft sind. Allerdings weichen sie leider nicht wirklich von der üblichen Norm den üblichen teenagergerechten Rebellionsgesängen ab, wie etwa „Everything’s F****d" beweist. Zumindest gelingt Pitchshifter mit „As Seen On TV" aber auch etwas augenzwinkernde Gesellschaftskritik, wo sie unter Mithilfe von Dead Kennedys-Leader Jello Biafra die Einflüsse von Rockmusik auf die diversen Amokläufe in amerikanischen Schulen betrachten.

Im Booklet zur CD befindet sich ein Comic, in dem die Band einer Ratte namens Rat Bastard im Kampf gegen die Gehirnwäsche, für die ein Monopolsender namens „Mediocrity Broadcasting Company" verantwortlich ist , ihre neue CD übermitteln will. Bei der Übergabe werden sie allerdings von der Polizei gestellt, aber Rat kann fliehen und dringt in den Sender ein, wo er die CD schließlich auf Sendung bringt und so die Wahrheit über „Mediocrity Broadcasting Company" ans Tageslicht bringt.

Obwohl „Deviant" grundsätzlich ganz gelungen ist, fehlt ihr doch bei weitem das Potential, so revolutionär zu sein, wie es das Comic andeuten will und angekündigte Revolutionen finden bekanntlicherweise nicht statt.

(6/10)

Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol. 3 (CD, 1988)
Various Artists - Motown Hits Of Gold Vol. 5 (CD, 1988)


Motown Hits Of Gold Vol. 3

Tracklist

1. Martha Reeves & The Vandellas - Dancing In The Street (1964; UK # 28, US # 2, 1969; D # 36, UK # 4)
2. Marvin Gaye & Tammi Terrell - You Ain’t Livin’ Till You’re Lovin’ (1968; UK # 21)
3. Marv Johnson - I’ll Pick A Rose For My Rose (1968; UK # 10)
4. Diana Ross & Suprems & Temptations - I’m Gonna Make You Love Me (1968; UK # 3, US # 2; Originalversion: Dee Dee Warwick, 1966)
5. Marvin Gaye - I Heard It Through The Grapevine (1968; UK # 1, US # 1; 1986; D # 48, UK # 8; Originalversion: Gladys Knight & The Pips; 1967; UK # 47, US # 2)
6. Temptations - Get Ready (1966; US # 29, 1969; UK # 10; Coverversion: Rare Earth; 1970; D # 22, US # 4)
7. Stevie Wonder - I Don’t Know Why I Love You (1969; UK # 14, US # 37)
8. Jr. Walker & The All Stars - (I’m A) Road Runner (1966; US # 20, 1969; UK # 12)
9. Isley Brothers - Behind A Painted Smile (1969; D # 35, UK # 5)
10. Diana Ross & The Supremes - I’m Livin’ In Shame (1969; UK # 14, US # 10)
11. Smokey Robinson & The Miracles - The Tracks Of My Tears (1965; US # 16; 1969; UK # 9)
12. Four Tops - What Is A Man (1969; UK # 16)
13. Stevie Wonder - My Cherie Amour (1969; UK # 4, US # 4)
14. Marvin Gaye - Too Busy Thinking About My Baby (1969; UK # 5, US # 4) 15. Temptations - Cloud Nine (1968; US # 6; 1969; UK # 15)
16. Isley Brothers - Put Yourself In My Place (1966; 1969; UK # 13
17. Diana Ross & Supremes & Temptations - I Second That Emotion (1969; UK # 18; Originalversion; Smokey Robinson & The Miracles; ( 1967; UK # 27, US # 4)
18. Four Tops - Do What You Gotta Do (1969; UK # 11)
19. Jr. Walker & The All Stars - What Does It Take (To Win Your Love) (1969; UK # 13, US # 4)
20. Stevie Wonder - Yester-me, Yester-you, Yesterday 1969; A # 15, D # 15, UK # 2, US # 7)

Motown Hits Of Gold Vol. 5

Tracklist

1. Jackson 5 - I’ll Be There (1970; A # 14, UK # 4, US # 1)
2. Detroit Spinners - It’s A Shame (1970; UK # 20, US # 14)
3. Supremes - Stoned Love (1970, UK # 3, US # 7)
4. Smokey Robinson & The Miracles - Come Round Here (I’m The One You Need) (1966; UK # 45, US # 17; 1971; UK # 13)
5. Martha Reeves & The Vandellas - Forget Me Not (1968; 1971; UK # 11)
6. Diana Ross - Remember Me (1971; UK # 7, US # 16)
7. R. Dean Taylor - Indiana Wants Me(1970; UK # 2, US # 2)
8. Elgins - Heaven Must Have Sent You (1966; US # 50, 1971; UK # 3)
9. Smokey Robinson & The Miracles - I Don’t Blame You At All (1971; UK # 11, US # 18)
10. Temptations - Just My Imagination (Running Away With Me) (1971; UK # 8, US # 1)
11. Supremes & The Four Tops - River Deep, Mountain High (1970; US # 14; 1971; UK # 11; Originalversion: Ike & Tina Turner, 1966; UK # 3, US # 88; 1969; UK # 33)
12. Diana Ross - I’m Still Waiting (1971; UK # 1, US # 42)
13. Supremes - Nathan Jones (1971; UK # 5, US # 16)
14. Four Tops - Simple Game (1971; UK # 3; 1972; US # 81)
15. Diana Ross - Surrender (1971, UK # 10, US # 38)
16. Stevie Wonder - If You Really Love Me (1971; UK # 20, US # 8)
17. Michael Jackson - Got To Be There (1971; UK # 5, US # 4)
18. Supremes - Floy Joy (1972; UK # 9, US # 18)

Diese beiden Ausgaben der „Motown Hits Of Gold“-Compilationreihe (siehe auch Vol. 6 und Vol. 7 ) beleuchtet die chronologisch die Veröffentlichungen von Motown in England beleuchtet, versammeln fast durchwegs exzellentes und essentielles Material aus der goldenen Motown-Ära und sollte deshalb in keinem Haushalt fehlen. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, denn die hochkarätige Titelauflistung spricht Bände ...

Motown Hits Of Gold Vol. 3 (9,5/10)
Motown Hits Of Gold Vol. 5 (9,5/10)


Location/Date:
Fischer's Music & Chronicle, 13.10.00

Diana Ross & The Supremes - Greatest Hits (1988; CD)


1. Where Did Our Love Go (1964; D # 16, UK # 3, US # 1, 1965; A # 13)
2. Baby Love (1964; D # 15, UK # 1, US # 1; 1974 UK # 12)
3. Come See About Me (1964; UK # 27, US # 1)
4. Stop! In The Name Of Love (1965; D # 3, UK # 7, US # 1; 1989, UK # 62)
5. I Hear A Symphony (1965; UK # 39, US # 1)
6. You Can’t Hurry Love (1966; UK # 3, US # 1)
7. You Keep Me Hangin’ On (1966; UK # 8, US # 1)
8. When The Lovelight Starts Shining Through His Eyes (1963; US # 23)
9. Love Is Here And Now You’re Gone (1967; UK # 17, US # 1)
10. The Happening (1967; A # 7, UK # 5, US # 1)
11. Reflections (1967; A # 10, UK # 5, US # 2)
12. My World Is Empty Without You (1966; US # 9)
13. Unchained Melody (1965; Originalversion; Al Hibbler, 1955; UK # 2, US # 5; Bekannteste Version: Righteous Brothers, 1965; D # 27, UK # 14, US # 4; 1971; A # 9; 1990; A # 1, D # 6, UK # 1, US # 13)
14. With A Song In My Heart (1965) (Rogers/Hart)
15. A Lover’s Concerto (1965; Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Minuet in G, Hitversion: Toys, 1965; UK # 5, US # 2)
16. Back In My Arms (1965; D # 34, UK # 40, US # 1)

17. Grundsätzlich sollte man einen weiten Bogen um Billig-Compilations machen bzw. sie niemals kaufen, ohne vorher reingehört zu haben, da man hier in den meisten Fällen oftmals überflüssige bis schauerliche Neuaufnahmen oder äußerst fragwürdige Remixe in Kauf nehmen muss. Mitunter gibt es aber auch auf diesem Gebiet auch Lichtblicke wie eben diesen Greatest Hits-Sampler von Diana Ross & den Supremes mit fast allen ihrer Hits, lediglich Spätwerke wie „Love Child" (1968; UK # 15, US # 1) oder „Someday We’ll Be Together“ (1969; UK # 13, US # 1) fanden keine Berücksichtigung. Einziger Makel des Albums ist die Inkludierung der LP-Tracks „Unchained Melody“, „With A Song In My Heart” und “A Lover’s Concerto” vom Album ” I Hear A Symphony” ,die nicht wirklich zu den musikalischen Höhepunkten der Supremes zählen, aber das lässt sich dank der geballten Ladung an Motown Magic bzw. der Vorwärts-Taste des CD-Players leicht verschmerzen.

(9/10)


Location/Date:
Fischer's Music & Chronicle, 08.09.00

Robbie Williams - Sing When You're Winning (CD)
Elton John - Chartbusters Go Pop! (CD, 2000)


Elton John - Chartbusters Go Pop! (D)

Elton John hat vor kurzem angekündigt, daß er sich ab 2001 gänzlich vom Musikgeschäft in den Ruhestand zurückzuziehen will. Sicherlich ein weiser Entschluß, denn auf seinen letzten Alben hatte er alles andere als Kreativität bewiesen. Bekanntlicherweise war das nicht immer so, denn gemeinsam mit seinem kongenialen Texter Bernie Taupin war er seit Anfang der 70er für unzählige Klassiker verantwortlich, die sehr häufig gecovert wurden.

Mit Coverversionen hatte Elton John allerdings schon zu Beginn seiner Karriere sehr oft zu tun. Nachdem seine ersten beiden Singles floppten und sich der Erfolg nicht so recht einstellen wollte, mußte er, um sich über Wasser zu halten, Jobs als Studiomusiker annehmen und ist beispielsweise auf Hits wie „Delilah" von Tom Jones (1968; A # 1, D # 1, UK # 2, US # 23) oder „He Ain’t Heavy, He’s My Brother" von den Hollies (1969, A # 9, D # 9, UK # 3, US # 8) zu hören.

Allerdings beschränkten sich seine stimmlichen Talente nicht nur auf den Background, sondern ab und zu durfte er auch die Leadvocals übernehmen, allerdings mit der Einschränkung, daß er dies nicht unter seinem Namen tun durfte, sondern als Teil einer gesichtslosen Studioband. Diese Band oder vielmehr deren wechselnde Musiker waren verantwortlich für ein ganz spezielles Phänomen der späten 60er und frühen 70er Jahre, nämlich den Coverversionen-Alben.

Diese Platten, die es in keinem Plattengeschäft, sondern nur in den großen Warenhäusern wie Woolworth oder in Supermärkten gab, beinhalteten ausschließlich Coverversionen der jeweils aktuellen Hits und erschienen monatlich auf Billig-Labels wie Pickwick, Contour, Music For Pleasure, Hallmark oder Marble Arch. So manchem Sammler werden diese Plattenfirmen sicher bekanntvorkommen, hat man doch die eine oder andere Compilation, die „20 Disco Dancin’ Hits", „20 Super Hits - 20 Super Stars", „20 Original Rock Hits" oder ähnlich betitelt ist im Plattenschrank stehen. Diese Billigsampler waren nach folgendem Erfolgsprinzip aufgebaut: Billiges bis scheußliches Cover, Lizensierungen von vormals erfolgreichen LPs und meist gediegene Auswahl der Titel bescherten etwa Pickwick jährlich bis zu 15 Millionen (!) Käufer.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Coverversions-Alben, deren bekannteste „Top Of The Pops", „12 Tops" oder „Hot Hits" hießen, speziell in England so erfolgreich waren. Viele damalige Hits waren von keinen „wirklichen" Bands, sondern von Studiogruppen eingespielt worden und sich daher kaum vom Original unterschieden, weshalb vielen der Song wichtiger war als die Interpretation. Weiters war die steigende Bedeutung der LPs gegenüber den Singles, die meist spärlich bekleideten attraktiven Models auf den Plattenhüllen und die Tatsache, daß 2 Singles fast soviel kosteten wie ein derartiges Album, sehr verkaufsfördernd.

1971 war der Höhepunkt der Coverversions-Alben-Welle, denn da schafften es einige Alben „Top Of The Pops" Nr.1 in den offiziellen englischen Albumcharts zu werden und selbst solche Kaliber wie Pink Floyd’s „Meddle", T.Rex’ „Electric Warrior" oder John Lennon’s „Imagine" auf die Plätze zu verweisen! Die Plattenindustrie darüber reagierte mit Bestürzung, sprach von Wettbewerbsverzerrung und die Gremien, die für die Erstellung der Charts verantwortlich waren, verbannte seitdem diese Platten aus den Hitparaden.

Mit der Veröffentlichung der ersten K-Tel und Arcade Compilations 1972, die zu einem ansprechenden Preis die statt der Coverversionen nun die Originalhits lieferte, endete der Siegeszug der Coverversions-Alben und Anfang der 80er war dann endgültig der Ofen aus.

Um wieder auf „Chartbusters Go Pop" zurück zu kommen, auf diesem Sampler sind 16 Coverversionen vertreten, die Elton John vor seinem Durchbruch mit „Your Song" (1971; UK # 7, US # 6) aufgenommen hat. Überraschenderweise sind diese Interpretationen sehr gelungen und er verstand es, stimmlich in die Haut eines Soulsängers, Countryrockers oder Reggaesängers zu schlüpfen. Warum aber lange Zeit niemand davon Notiz nahm liegt wohl daran, daß diese Platten maximal vielleicht 3-mal gespielt wurden, dann lange Zeit im Plattenschrank verschwanden und erst beim Entrümpeln für den Flohmarkt wieder hervorgeholt wurde.

Hier 3 der zahlreichen Coverversions-Alben, auf denen sich von Elton John interpretierte Songs verstecken:

Top Of The Pops Vol. 9 Top Of The Pops Vol. 12 Hot Hits

Im Folgenden habe ich die einzelnen Titel unter die Lupe genommen und interessante Details zu den Originalhits zusammengetragen:

1. Yellow River

Originalversion: Christie, 1970 (A # 1, D # 2, UK # 1, US # 20)

Ursprünglich hätten ursprünglich die Tremeloes diesen Klassiker aufnehmen sollen, aber als diese sich nicht dazu durchringen konnten nahm Jeff Christie, aus dessen Feder „Yellow River" stammt, den Titel mit seiner eigenen Band kurzerhand selber auf und landete prompt einen Welthit. Die Nachfolgesingle „San Bernadino" (1970; A # 4, D # 5, UK # 7) wurde übrigens von Roberto Blanco gecovert! Nach 1970 versanken Christie allerdings im Fluß der Vergessenheit.

Obwohl natürlich nicht so „dicht" produziert kann die Coverversion durchaus mit dem Original mithalten.

(6/10)

2. Travellin' Band

Originalversion: Creedence Clearwater Revival (1970; A # 2, D # 4, UK # 8, US # 2)

Einer der schlechtesten CCR-Titel wird hier einigermaßen erträglich interpretiert.

(5/10)

3. My Baby Loves Lovin

Originalversion: White Plains (1970 UK # 9, US # 13)

Die White Plains waren eine der oben erwähnten Studiobands, die Ende der 60er und Anfang der 70er zahlreiche Hits in den verschiedensten Verkleidungen verbuchen konnte. Leadsänger Tony Burrows war auch unter anderem auch auf den Hitsingles „Gimme Dat Ding" von den Pipkins (1970; D # 24, UK # 6, US # 9), „United We Stand" von Brotherhood Of Man (1970, UK # 10, US # 13, Details dazu weiter unten), Love Grows (Where My Rosemary Goes) von Edison Lighthouse (1970; D # 8, UK # 1, US # 5) und „Beach Baby" von First Class (1974; D # 48, UK # 13, US # 4) zu hören. „My Baby Loves Lovin’" ist wie alle diese Hits perfekter konstruierter Frühsiebziger-Mitsingpop und deshalb für den Einsatz auf Oldiesendern geradezu prädestiniert.

Die Coverversion unterscheidet sich kaum vom Original, was den Verdacht zuläßt, das "White Plains" und die Musiker auf dieser Platte identisch sind. (6/10)

4. Cotton Fields

Originalversion: Beach Boys (1970; A # 12, D # 29, UK # 5, US # 95)

1970 konnten die Beach Boys mit ihrer Version des Traditionals „Cotton Fields" in den Charts punkten und die Coverversion schafft auch Gutpunkte in der Stimmungsskala

(6/10)

5. (I'm A) Natural Sinner

Originalversion: Fair Weather (1970; D # 24, UK # 6)

Fairweather entstanden aus den Resten der Band Amen Corner („If Paradise Is Half As Nice, 1969; A # 14, D # 12, UK # 1) und „Natural Sinner" war ihr einziges nennenwertes Lebenszeichen.

In diesem Fall ist die Coverversion sehr nützlich, da ich das Original bislang noch nicht gekannt habe und nun verstehe, warum dieser unoriginelle, von echolastingen „A-A-A-A’s", stellenweise von Mundharmonika und atonalen Klavier unterbrochene Rocksong in der Musikgeschichte keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

(4/10)

6. Lady D'Arbanville

Originalversion: Cat Stevens (1970; A # 13, D # 23, UK # 8)

Das Original kennt natürlich jeder und hier ist das Arrangement mit Glockenspiel und wiederum echolastigen „A-A-A-A-A’s" auch sehr gelungen.

(6/10)

7. Come and Get It

Originalversion: Badfinger (1970; A # 5, D # 34, UK # 4, US # 3)

Geschrieben von Paul McCartney bedeutete „Come And Get It" den Durchbruch für Badfinger, die mit „No Matter What (1970; D # 32, UK # 5, US # 4) „ und „Day After Day" (1972, A # 10, D # 25, UK # 10, USA # 2) weitere Beatlesesquen Hits hatten.

Die Coverversion klingt dem Original täuschend ähnlich und man könnte fast annehmen, daß Badfinger hier höchstpersönlich am Werk sind.

(8/10)

8. United We Stand

Originalversion: Brotherhood Of Man (1970, UK # 10, US # 13)

Brotherhood Of Man hatten ihren ersten Hit mit dieser Randgruppen-Verbrüderungshymne, die in Elton John einen äußerst glaubwürdigen Interpreten gefunden hat. Weniger überzeugend ist allerdings die stimmliche Leistung seiner ungenannten Gesangspartnerin, die dieses Duett verunstaltet.

Mit ähnlicher Thematik lieferten Brotherhood Of Man ein Jahr später mit „Reach Out Your Hand" (US # 77) einen grandiosen Northern Soul-Klassiker ab, Karrierehöhepunkt war 1976 natürlich ihr Sieg beim Eurovisons-Songcontest mit „Save Your Kisses For Me" (1976; A # 3, D # 2, UK # 1, US # 48)..

(4/10)

9. To Be Young Gifted and Black

Originalversion: Bob & Marcia (1970; A # 10, UK # 5)

Um 1970 waren Reggaeversionen von bekannten Hits sehr begehrt, wie etwa im gegenständlichen Fall „Young, Gifted And Black", das ursprünglich ein kleiner Hit für Nina Simone (1970; US # 86) gewesen war, und das ebenfalls hier inkludierte „Love Of The Common People" beweisen.

Bob & Marcia waren übrigens nur in Österreich und England mit „Get Together" (A # 10, im Original von den Youngbloods, 1969; US # 6) und Pied Piper (UK # 11, Original Crispian St. Peters; 1966; A # 10, D # 11, UK # 5, US # 2) erfolgreich.

Im Gegensatz zum vorhergehenden Duett ist dieses mit einer talentierten Sessionsängerin viel ansprechender und besticht durch die Tatsache, daß ausgerechnet Elton John stolz intoniert, daß er „Young, Gifted & Black" sei. Dieser Umstand dürfte aber kaum jemand aufgefallen sein, da Elton John auch hier seine Sache recht gut über die Bühne bringt macht und die Mehrheit der Käufer der Coverversions-Alben an politischen Botschaften und glaubwürdiger Interpretation nicht wirklich interessiert war.

(6/10)

10. Spirit in the Sky

Originalversion: Norman Greenbaum (1970; A # 4, D # 1, UK # 1, US # 1)

Bei diesem Klassiker schienen österreichs Plattenkäufer von allen guten Geistern verlassen zu sein, denn "Spirit In The Sky" schaffte mit Ausnahme Österreichs weltweit überall auf Nummer 1 in den Charts. Dafür kletterte die Nachfolgesingle „Gondolieres" nur exklusiv in Österreich in die Hitparade und gondelte bis Platz 11.

Auf dieser Coverversion zeigen sich ganz deutlich die Auswirkungen, die das schmale Budget der Plattenfirmen, die uns die Coverversions-Alben bescherten, hatte: Auf der Originalversion sind bekanntlicherweise ein Syntesizer und einige Spezialeffekte zu hören, deren Anschaffung bzw. Verwendung aber für diese Produktion zu kostspielig gewesen wären und man sie einfach durch Gitarren „immitierte", was diese Version erst so richtig intessant macht.

(7/10)

11. Neanderthal Man

Originalversion: Hotlegs (1970; A # 7, D # 4, UK # 2, US # 22)

Bevor Kevin Godley, Lol Creme und Eric Stewart gemeinsam mit Grahem Gouldman 10 CC gründeten und mit erstklassigen Popmeisterwerken wie etwa „I’m Not In Love" (1975; D # 24, UK # 1, US # 3) produzierten, marschierten sie als Hotlegs durch die internationalen Charts. Hauptverantwortlich für den Erfolg war vermutlich neben dem stampfenden Rhythmus und der simplen Melodie der sinnige Text, der im Laufe des Songs immer wiederholt wird:

I’m A Neanderthal Man
You’re An Neanderthal Girl
Let’s Make Neanderthal Love
In The Neanderthal World

Diesem Meisterwerk an Textdichtung folgte verwunderlicherweise nichts vergleichbar erfolgreiches, lediglich „Lady Sadie" konnte sich nur in Östereich bis auf Platz 13 vorkämpfen.

Das sich die Nachfolgesingle ausschließlich in Österreich plazieren konnte ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit „Spirit In The Sky", denn auch hier mußte das Fehlen des Syntesizer entsprechend kompensiert werden.

(7/10)

13. In The Summertime

Originalversion: Mungo Jerry (1970, A # 1, D # 1, UK # 1, US # 1)

In diesem Fall ist die Coverversion viel besser als das inzwischen totgespielte Original. Während bei Mungo Jerry die diversen Zischlaute und anderen Geräusche vergleichbar dezent eingesetzt werden, werden diese Effekte um ein Vielfaches verstärkt, wie das prägnannte, fast schon leidenschaftliche „Uh!" und das Imitieren einer Blähung deutlich beweisen, das man fast schon meinen möchte, bei „In The Summertime" gehe um sommerliche Stuhlprobleme nach Verzehr von Bohneneintopf . Alleine diese Version rechtfertigt den Kauf von "Chartbusters Go Pop"!

(9/10)

12. Up Around the Bend

Originalversion: Creedence Clearwater Revival ( 1970, A # 2, D # 3, UK # 3, US # 2)

Die 2. CCR-Coverversion, die interessanterweise langsamer als das Original eingespielt wurde.

(6/10)

14. Good Morning Freedom

Originalversion: Blue Mink (1970, D # 31, UK # 10)

Wieder eine Studioband, die einige Hits in England verbuchen konnte und zu Recht vergessen ist. Das einzig nenneswerte ist die Wah-Wah-Gitarre und das prägnante „Fe-Fi-Fa-Fa-Fa-Fa-Fa-Fau" am Ende jedes Refrains.

Auf der Coverversion duelliert sich Elton John erneut mit einer untalentierten Sängerin, die vermutlich dieselbe wie auf „United We Stand" sein dürfte.

(5/10)

15. Love Of The Common People

Originalversion: Nicky Thomas (1970; UK # 9)

Nach „Young, Gifted And Black" die 2. Reggae-Coverversion auf diesem Album. Nicky Thomas schaffte es im Gegensatz zu Brenda Lee, deren Version 1966 floppte, den Song zu einem Klassiker zu machen. Leider gelang im mit seinen Nachfolgesingles wie seiner gelungenen Version des Brook Benton-Hits „Rainy Night In Georgia" (1970; US # 2) nie an diesen Erfolg anzuschließen und bleib ein One-Hit-Wonder. Zumindest inspirierte seine Version Paul Young zu einer musikalisch völlig unterschiedlichen Neuadaption (1983; A # 2, D # 5; UK # 2; US # 45).

Möglicherweise dürfte sich Elton John auf der hier vorliegenden Version gut mit dem Text, in dem es über Armut der unteren Bevölkerungsschichten geht, identifiziert haben, denn wie schon oben erwähnt, war von einem gefüllten Bankkonto noch lange nicht die Rede, weshalb er für 15 Pfund die Woche diese Studiojobs übernahm und zusätzlich noch in einem Plattengeschäft arbeiteten mußte.

(8/10)

16. I Can't Tell The Bottom From The Top

Original Version: Hollies (1970; A # 11, D # 25, UK # 7, US # 75)

Eine Ballade im Fahrwasser des Hollies-Klassikers „He Ain’t Heavy, He’s My Brother", für die Elton John nicht viel einstudieren mußte, spielt er doch beim Original Klavier und singt auch im Background mit!

(7/10)

Auf der englischen und US-Version dieser Compilation sind übrigens zusätzlich noch folgende 4 Titel enthalten:

Elton John - Chartbusters Go Pop! (US & UK)

Snake in the Grass

Original Version: Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich (1969; A # 7; D # 18, UK # 23)

She Sold Me Magic

Original Version: Lou Christie ( 1969; UK # 25)

Signed Sealed Delivered, I’m Yours

Original Version: Stevie Wonder (1970; UK # 15, US # 1); diese Version erschien auf nicht weniger als 6 verschiedenen Cover-Alben!

It's All In The Game

Original Version: Four Tops (1970; UK # 5, US # 16)

Elton John selbst dürfte vermutlich kaum noch wissen, wie viele Titel er tatsächlich für die Coverversions-Alben aufgenommen hat. Elton John-Chronist Paul McLauchlan hat das Unmögliche aber wahrgemacht und in seinem Elton John-Tagebuch alle Titel aufgelistet, die er zwischen August 1969 und August 1970 aufgenommen hat und die hier begutachtet werden können.

Bis vor kurzem gehörte ich auch zu jenen, die Cover-Alben auf Plattenbörsen und Flohmärkten ablehnend gegenüberstanden, aber seit „Chartbusters Go Pop" ist mir klar, daß sich hinter diesen scheinbar musikalisch wertlosen Platten mitunter auch Jugendsünden später bekannter Musiker verbergen können. So sangen auf diesen Alben unter anderem David Byron, späterer Leadsänger von Uriah Heep ("Lady in Black", 1971; D # 24) oder Daniel Boone ("Beautiful Sunday", 1972; A # 1, D # 1, UK # 21, US # 15), aber auch keine geringere als Dana Gillespie, die bei uns mit „Move Your Body Close To Me" einen Hit hatte (1984, A # 4) und später bei Blue Danube Radio moderierte.

Mal sehen, wer sich noch aller auf diesen Alben tummelt ...

(7/10)

Hier noch einige interessante Links zu dem Thema: Top Of The Pops
Eine weitere Top Of The Pops-Site
Top Of The Pops Covermodels
Hot Hits
Retrotrash Database


Location/Date:
Saturn Milleniumcity, 08.09.00

Various Artists - Cool Vibes Vol. 2 (2 CD)
Various Artists - Ibiza 99 (2 CD)
Soundtrack - Mod Squad (1999, CD)

"Mod Squad" basiert auf der gleichnamigen zumindest in Amerika legendären Krimi-Serie aus den späten 60ern und frühen 70ern, in der jugendliche Verbrecher als Undercover-Agenten eingesetzt werden und für die übrigens Produzent Aaron Spelling (Dynasty, Beverly Hills 90120) verantwortlich zeichnet. Wer darüber mehr wissen will, kann hier oder da näheres erfahren. Allerdings war der Film nicht so ganz erfolgreich wie andere Remakes wie beispielsweise derzeit "Charlie's Angels" und hat deshalb nicht einmal den Weg in österreichs Kinos gefunden.

Wie auf allen guten Soundtracks findet sich auch hier eine sehr abwechlungsreiche und gute Mischung aus einer Vielzahl von Stilen: Busta Rhymes rappt sich im Partyfieber („Party Is Goin’ On Over Here"), Everlast besingt „Ends" (und nicht „Ants", wie ich beim Erscheinen dieses Titels fälschlicherweise angenommen habe!), die Crash Test Dummies achten auf das Wesentliche („Keep A Lid On Things"), Björk hat ihren „Alarm Call" aufgeboten, Alana Davis gibt sich orientierungslos („Can’t Find My Way Home") und der kürzlich verstorbene Curtis Mayfield im Duett mit Lauryn Hill prophetisch („Here But I’m Gone (Part II)". Soulig geben sich auch Gerald Levert & Lil’ Mo („Hello Its Me") und vor allem Ivan Matias mit dem großartigen, auf John Lennons „Imagine" basierenden „Messin’ Around". Mit SX10 („Goin’ Crazy"), Breeders („Collage") und Morphine („You’re An Artist") fehlen hier natürlich auch die obligaten Alternative Rock-Nummern nicht. Die Funk-Perle „Action Speaks Louder Than Words" von Chocolate Milk aus dem Jahre 1974 und der vom Skerik & Keefus Trio interpretierte Jazz-Standards „My Favourite Things" runden den bunten musikalischen Reigen ab.

Auch ohne den Film gesehen zu haben ist dieser Soundtrack wegen seines gleichbleibend hohen Niveaus und keinerlei akustischen Blindgängern sicherlich die Anschaffung wert

(7/10)

Location/Date:
Saturn Mariahilferstraße, 18.08.00

Emilliana Torrini - Baby Blue (1999, MCD)

Emilliana Torrini schafft es zumindest in zweierlei Hinsicht zu überraschen: Wer erstmals ihren Namen hört, vermutet zunächst, daß es sich um eine italienische Sängerin handelt und wer sie erstmals hört, glaubt hier die beste Björk zu hören, die es jemals gab. Tatsächlich stammt sie aber aus Island, weshalb es vielleicht auch kein Zufall ist, daß sie täuschend ähnlich wie Björk klingt. Im im Gegensatz zu Björk kann man sich aber Emillianas empfehlenswertes aktuelles Album „Love In the Time Of Science" in einem Stück anhören, während mir das bei Björk beim besten Willen noch nie gelungen ist...

Emilliana kam mir erstmals via FM4 zu Ohren, wo „Easy" des öfteren läuft. Grund genug also, sich auch diese Single zuzulegen. Wer sich wie ich auch die Credits auf dem Cover durchliest, erlebt des öfteren einige Überraschungen. So wurde dieser Song wie auch Teile des Albums von keinem geringeren als Roland Orzabal, Kopf der 80er-Superstars Tears For Fears geschrieben und produziert. Das erklärt vielleicht auch, warum die Radioversion von „Baby Blue" fast schon etwas zu bombastisch geworden ist. Sehr gelungen ist das trip-hoppige Rae & Christian Remix. Das abschließende Runaways-Mix macht dagegen seinen Namen alle Ehre. Bleibt nur zu hoffen, daß Emilliana endlich den verdienten Durchbruch schafft und das nicht nur Björk oder Gus Gus (mit denen Emilliana sie übrigens auch schon gearbeitet hat) Islands Hauptexportartikel bleiben.

(7/10)


Location/Date:
Saturn Mariahilferstraße, 22.07.00

Various Artists - Northern Soul Scene (1998, CD)

Soul mag den meisten ja ein Begriff sein , was aber ist Northern Soul? Auch mir war dieser Begriff nicht geläufig, bis ich 1990 in dem exzellenten, dem Soul in seiner ganzen Bandbreite gewidmeten Buch „Chasin’ A Dream" von Gerald Hündgen in dem Kapitel "Englands längste Nacht" erstmals über diesen Stil erfuhr. Speziell die im Anhang befindliche Auflistung von 30 Northern Soul-Klassikern, von denen ich aber keinen einzigen kannte, wodurch mein musikalischer Forscherdrang geweckt wurde und ich auf den damals sehr schwierigen Wegen (kein www, kaum entsprechende Tonträger erhältlich) langsam, aber sicher meinen Wissensdurst stillte und eine kleine,aber feine Sammlung an Northern Soul-Compilations zusammentragen konnte.

Was also ist Northern Soul? Hier eine hilfreiche Definition eines deutschen Soulfans:

Northern Soul ist keine Musikrichtung im herkömmlichen Sinn. Das heißt, man kann nicht ohne weiteres Merkmale angeben, die ein Stück eindeutig als dem Northern Soul zugehörig klassifizieren. Daher tun sich auch alle anderen Autoren mit Definitionen schwer. Ursache für dieses Problem ist, daß die Zuordnung, ob ein Stück zu Northern Soul gehört oder nicht tatsächlich von den Fans selbst vorgenommen wird. Diese Zuordnung variiert somit auch von Fan zu Fan. Hinzu kommt, daß der Northern Soul zu fast allen populären Musikstilen wie Country, R&B, Rn'R, Beat, Rock, Salsa, Reggae u.s.w. fließende Übergänge besitzt. Auf dem Allnightern, den Tanzveranstaltungen, wurde anfangs nur 60er Soul gespielt, aber später bildete sich eine erst separate, heute integrierte Fraktion der Fans von rarem Modern Soul. Der klassische Allnighter beginnt erst nach Mitternacht und endet morgens um acht. Seine Besucher haben keine einheitliche Art sich zu kleiden, vielmehr wird die Kleiderwahl durch die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen wie z.b. Mods bestimmt. Beim Tanz herrschen zwei Stile vor, eine relativ feste Schrittfolge und die Kombination dieser Schrittfolge mit akrobatischen Elementen, die dem späteren Breakdance ähneln.

In Kontinentaleuropa, besonders in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Italien, wurde der Northern Soul in den 80er Jahren populär. Aber entgegen der nur leicht abgeflauten Beliebtheit im Mutterland lebt der Northern Soul hier mittlerweise nur noch im Schatten kleiner treuer Fangemeinden. Auch sonst gibt es ein paar Unterschiede. Während in England nur Singles gespielt werden, werden in Resteuropa auf Grund der schlechten Erhältlichkeit von Singles auch LPs aufgelegt. Bei der Kleiderwahl wird stärker auf 60er Style geachtet, es gibt eine größere Vielfalt an Tanzarten und schließlich andere Lieblingsstücke.

Im Anhang des oben erwähnten Kapitels "Englands längste Nacht" befindet sich eine Auflistung von 30 Northern Soul-Klassikern, von denen ich aber keinen einzigen kannte, wodurch mein musikalischer Forscherdrang geweckt wurde und ich auf den damals sehr schwierigen Wegen (kein www, kaum entsprechende Tonträger erhältlich) langsam, aber sicher meinen Wissensdurst stillte. Mittlerweile habe ich eine kleine,aber feine Sammlung an Northern Soul-Compilations beisammen, zu der "Northern Soul Scene" perfekt paßt.

„Northern Soul Scene“ versammelt ausschließlich Material von Decca und seinem Sublabel Deram aus den Jahren 1965-1974 und wenn auch die Qualität der 25 Songs nicht durchgehend auf einem hohen Level ist, rechtfertigen einige Überraschungen und Raritäten den Kauf dieser CD und geben einen guten Überblick darüber, was letztlich alles unter Northern Soul einzureihen ist. Deshalb sicher auch für Einsteiger und Oldiefans empfehlenswert.

Meine Favourites:

Frankie & Johnny - I’ll Hold You (1966):

Großartige Mischung aus Righteous Brothers und Cher (7/10)

Flirtations - Nothing But A Heartache (1968):

Toller Spätsechziger Girlgroup- Soul, bombastisches Arrangement, und als einziger Titel auf diesem Album auch ein Hit (1969; US # 23 (8/10)

John E. Paul - I Wanna Know (1967):

Es ist eines der großen Mysterien der populären Musik, warum dieser geniale Uptempo-Shaker floppte, obwohl er damals sicher das Zeug zum Hit gehabt hätte. Toller Beat und die für die Melodie der Bläsersätze geklaut von Bert Kaempfert’s „Swinging Safari" ... Genial! (8/10)

Brotherhood Of Man - Reach Out Your Hand (1971):

Brotherhood Of Man kennt man hauptsächlich nur wegen ihres Songcontest-Siegertitels „Save Your Kisses For Me" (1976; A # 3, D # 2, UK # 1, US # 48), aber hier präsentiert sich die Band mit „Theme From Shaft"-ähnlichem Intro, die Leadvocals sind Jackie Wilson täuschend ähnlich und der Song orientiert sich deutlich an 5th Dimension. Niemand würde beim ersten Mal hören auf Brotherhood Of Man als Interpreten tippen ... (8/10)

Truly Smith - My Smile Is Just A Frown (1965):

Wundervolle Coverversion einer zu Unrecht wenig bekannten Smokey Robinson-Komposition, die die „Tracks Of My Tears“-Theamtik variiert. (8/10)

Bats - Listen To My Heart (1966):

Klassisch-dramatisches Intro, toller Up-Tempo Song, der hauptsächlich vom Klavier dominiert ist und stark nach Hollies klingt, die sich Stevie Winwood als Sänger ausgeborgt haben. (8/10)

Northern Soul Scene (7/10)

Dusty Springfield - Am I The Same Girl (1996, CD)

Diese 19 Titel umfassende Compilation bietet einen guten Einblick in die Entwicklung Dusty Springfields von der Schlagersängerin zur glaubhaften Soulinterpretin. Der Bogen spannt sich von einer Phil Spector-Kopie „Stay Awhile" (1964; UK # 13, US # 35 ) über 60s-Bombast-Pop („I Close My Eyes And Count To Ten“, 1968; D # 40, UK # 4) bis hin zu großartigen Soultiteln wie dem allseites beliebten „Son Of a Preacherman“ (1969; A # 8, D # 38, UK # 9, US # 8) oder einem großartigen Cover von „Take Another Little Piece Of My Heart“ (1968), das die Originalversion von Erma Franklin (1967; US # 68, 1992; UK # 9), die 1992 im Zuge eines Levis-TV-Commercial wiederveröffentlicht wurde als auch die Version von Janis Joplin/Big Brother & The Holding Company (1968; US # 14) in den Schatten stellt. Leider kann man das bei „Am I The Same Girl“ (1969; UK # 43), im Original von Barbara Acklin (1969; US # 52) und 1992 erfolgreich von Swing Out Sister gecovert (1992; D # 52, UK # 21, US # 45), nicht behaupten, denn Dusty scheint hier zumindest 2 Oktaven zu hoch zu singen. Obwohl auf diesem Album Klassiker wie „You Don’t Have To Say You Love Me" (1966; D # 33; UK # 1, US # 4) oder „I Only Wanna Be with You" (1963; UK # 4, US # 12) fehlen, eine lohnende Anschaffung!

(7/10)


Location/Date:
Libro Meidlinger Hauptstraße, 20.07.00

Der Sommer bringt neben Urlaubszeit bekanntlicherweise auch den Sommerschlußverkauf. Bei Libro hat Lara Croft dankenswerterweise die Tiefpreisschlacht eröffnet und mir so zu den folgenden 3 Schätzen aus der Abverkaufs-Wühlkiste verholfen:

Cardigans - Erase/Rewind (1998, MCD)

Diese Auskopplung aus ihrem großartigen Album „Gran Tourismo" ist wirklich was ganz besonderes: Neben der bekannten Albumversion, dem Vocoder-getränkten Naid Remix und einem Electrobeat Remix von „Explode" ist hier das komplette Video ihres Smashes „My Favourite Game" inklusive der 4 möglichen „Not so Happy Endings". Mein persönlicher MTV-Video-Award geht an dieses Meisterwerk... Watch Out For It!

(8/10 Songs, 9/10 Video)

Manic Street Preachers - Kevin Carter (1996, MCD)

Diese 3. Singleauskopplung aus ihrem Album „Everything Must Go" ist zweifelsohne eine meiner gelungensten Investitionen von 5 Schilling seit langem. Neben „Kevin Carter" gibte es 3 tolle Non-Album Tracks: „Horses Under Starlight" klingt wie eine Bacharach/David Komposition mit den charakteristischen Trompeten , „Sepia" und First Republic" sind wiederum für die Band typische, erstklassige Songs. This Is My Truth, Tell Me Yours...

(8/10)

Melanie G.- Word Up (1999,MCD)

Keine Angst, für den Kauf dieser Platte war nicht die musikalische, sondern einzig die visuelle Qualität ausschlaggebend.

Über die uninspirierte und mißlungene Timbaland-produzierte Coverversion des Cameo-Klassikers (1986; A # 9, D # 3, UK # 3, US # 6)und die beiden anderen überflüssigen Titel nur ein Wort zu verlieren wäre zu schade. Glücklicherweise gibt es da aber auch noch das großartige, surreale Video, beim dem einzig und allein nur das Lied stört, aber glücklicherweise kann man ja den Ton abschalten ...

(2/10 Songs, 8/10 Video)


Location/Date:
Fischer Music & Chronicle, 14.07.2000

Silvana Mangano - Anna (Single)
Headswim - Despite Yourself (CD)


Location/Date:
Libro Mariahilferstraße 14.07.2000

Everclear - Sparkle & Fade (CD)


Location/Date:
Libro Milleniumcity, 01.07.2000

Richard Ashcroft - Alone With Everybody (CD)


Location/Date:
Saturn Mariahilferstr. 30.06.2000

David Bowie - London Boy (CD)
Al Green - The Very Best Of (CD)
Various Artists - Charly’s Extraordinary Sensations (CD)


Location/Date:
Libro, Merkur City, Wr. Neustadt, 08.06.00

Marvin Gaye - Love Starved Heart (CD, 1999)

“The Greatest Music You’ve Never Heard” verspricht der Aufkleber auf "Love Starved Heart", einer Zusammenstellung großteils bislang unveröffentlichter Tracks von Marvin Gaye, die im Zuge der Compilationserie "Lost & Found" von Motown erschienen ist. Dieser Anspruch scheint auf den ersten Blick etwas zu hoch gegriffen zu sein, denn tatsächlich findet sich hier wie auch auf den weiteren in dieser Serie erschienen Alben von den Four Tops, Smokey Robinson & The Miracles oder den Temptations weitgehend eher durchschnittliches Material, bei dem es eigentlich nicht weiter verwunderlich ist, dass es unveröffentlicht blieb.

Es gab aber auch Songs, die fast in den Motown- Archiven verschimmelt wären, etwa Marvin Gaye's bereits im Frühjahr 1967 aufgenommene Version von "I Heard It Through The Grapevine". Sein Produzent Norman Whitfield war davon überzeugt, das Gaye damit einen sicheren Hit abliefern würde und plädierte dafür, den Titel als Single herauszubringen. Berry Gordy, der die Oberaufsicht über alle Veröffentlichungen des Labels hatte, war allerdings anderer Meinung und so wanderte die Aufnahme vorerst ins Archiv.

Gordys Abneigung gegen den Song änderte sich auch nicht, als ihn im Herbst 1967 Gladys Knight & The Pips aufnahmen und es bedurfte jeder Menge Überredungskunst der Band, ehe Gordy die Singleveröffentlichung schließlich genehmigte. Wie sich ein paar Wochen später zeigte, machte sich das für alle Beteiligten mehr als bezahlt, denn auch trotz geringer Promotion entwickelte sich "I Heard It Through The Grapevine" rasch zu einem Riesenhit, der bis auf Platz 2 der Billboard Charts vorstieß. Mehr war allerdings nicht drin, denn an der Chartspitze hielt sich damals wochenlang hartnäckig der „Daydream Believer“ der Monkees.

Hartnäckig blieb aber auch Gordy, als ihn Norman Whitfield angesichts dieses Erfolges erneut vergeblich zu überzeugen versuchte, Gayes Version als Single herauszubringen. Zumindest erreichte Whitfield die Inkludierung des Titels auf Gaye's Mitte 1968 erschienen Album „In The Groove“, das sich allerdings ebenso wie die beiden Singleauskopplungen „You“ und „Chained“ zunächst eher mäßig verkaufte.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit erregte hingegen der Albumtrack "I Heard It Through The Grapevine", den diverse Radiostationen laufend spielten und immer wieder von den Hörern verlangt wurde. Aufgrund dieser überwältigenden Resonanz gab Berry Gordy Ende Oktober 1968 schließlich seinen Sanctus für die Singleveröffentlichung und konnte damit binnen weniger Wochen die bis dato meistverkaufte Motown-Single verbuchen.

Angesichts dieses Klassikers, der beinahe keiner geworden wäre dürfte es in den Archiven von Motown noch etliche derartige Schätze geben, die aufgrund Gordys Vetorecht nie erschienen sind. Dies bestätigt teilweise "Love Starved Heart" mit 25 bislang unveröffentlichten Songs und einem Interviewausschnitt aus den Jahren 1963-1969.

Frühe Uptempo-Songs wie „Gotta Say It“ oder Balladen wie „Darling You’re Wonderful" vermögen zwar nicht wirklich zu überzeugen. Gänzlich anders verhält es sich bei dem Opener "It's A Desperate Situation", "Get Away Heartbreak" oder vor allem "Love Starved Heart", denn diese Songs wären im Falle der zeitgerechten Veröffentlichung höchstwahrscheinlich Riesenhits geworden. Ähnliches gilt für seine Interpretationen der beiden Ashford & Simpson- Kompositionen „When I Feel The Need" und „Dark Side Of The World", die fast maßgeschneidert für Gaye's Duette mit Tammi Terrell zu sein scheinen.

Ob die Veröffentlichung der genannten Titel Gayes Karriere entscheidend geändert hätten, darf aber bezweifelt werden. Als Tammi Terrell im Oktober 1967 während eines gemeinsamen Konzerts zusammenbrach und ein Gehirntumor diagnostiziert wurde, an dem sie 1970 starb, fiel er in eine Phase der Depression. Diese konnte er erst überwinden, als er, ausgelöst u.a. durch die Rückkehr seines Bruders Frankie aus Vietnam und dessen Berichte über die dortigen Greuel, dem typischen Motownsound den Rücken kehrte und mit der Arbeit an dem in jeder Hinsicht bahnbrechenden Album "What's Going On" begann, das Musikgeschichte schreiben sollte

(7/10)


Location/Date:
Saturn Millenium City, 05.06.00

DOVES - LOST SOULS (CD, 2000)

Fast jede Woche wird eine andere Band von den diversen britischen Musikzeitschriften wie New Musical Express oder Melody Maker als neueste Hoffnung im englischen Gitarrenpop oder zumindest als neue Oasis (mir reichen schon die alten!) gepriesen. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings nur um Eintagsfliegen, deren Erwähnung in den diversen Publikationen und Medien meist nicht auf musikalischer Qualität, sondern eher auf der Quantität der verschiedensten Promotionartikel der Plattenfirmen oder PR-Manager an die Kritiker und Programmverantwortlichen beruht. Andere Bands müssen sich mühsam eine gute Reputation über Konzerte und Platten aufbauen, schaffen aber meistens wegen schlechtem Management, unzureichenden Connections oder mangelnder Promotion nie den Durchbruch.

Zu letzterer Fraktion drohten bis vor kurzem auch die Doves zu gehören, aber Dank ihres großartigen neuen Albums „Lost Souls" hat sich das nun grundliegend geändert.

Ursprünglich startete die Band unter dem Namen die Sub Sub ein Dancefloorprojekt und konnte 1993 mit „Ain’t No Love ( Ain’t No Use)" einen großen Dance-Hit verbuchen. Ein Nachfolgehit wollte sich aber nicht einstellen und so drohte die Band ein One-Hit-Wonder zu werden. Nichtsdestotrotz arbeiteten sie aber fleißig in ihrem Studio an neuem Material und vielleicht wären sie tatsächlich den Nimbus einer One-Hit-Wonder losgeworden, aber ein Brand im Studio, dem neben dem teueren Equipment sämtliche Aufnahmen der Band zum Opfer fiel, machte diese Bemühungen zunichte.

Nach 2 Jahren Trauerarbeit entschloß man sich einen gänzlich anderen Weg zu gehen. Dancefloor war der Band ohnehin zu langweilig geworden und daher schwenkte man auf Gitarrenmusik um. Erstes Resultat war das Album „Delta Tapes", wo sie unter anderem mit New Order-Leadsänger Bernard Sumner oder Trip-Hopper Tricky zusammenarbeiteten. Obwohl es sich hier um erstklassiges und abwechslungsreiches Album handelt, verstaubte es unbeachtet in den Regalen.

Nach einigen kleineren Achtungserfolgen diversen Festivals und Auszeichnungen als vielversprechende Newcomer veröffentlichten Sie im April das Album „Lost Souls", daß man ohne schlechtes Gewissen schon jetzt als eines der Alben des Jahres handelt. Allerdings stellt sich auch die Frage, für welches Jahr? Teile der Platte könnten großteils eigentlich schon 1971 erschienen sein, denn die psychedelischen und Progressiv-Rock-Einflüsse sind enorm. So würden etwa Titel wie „Break Me Gently" „Rise" oder dem Titelsong ohne weiteres auf das Pink Floyd -Album „Meddle" (1971) passen. Wer jetzt aber glaubt, es geht hier altmodisch zu, der irrt, denn wie bei den meisten britischen Gitarrenbands haben Radiohead einen erheblichen Einfluß, der bei „Sea Song" oder „The Man Who Told Everything" deutlich zu spüren ist. Bestechend atmosphärisch sind „Cedar Room", das Instrumental „Firesuite" und die mysteriöse Folk-Akustik-Ballade „A House" mit dem leiernsten Mellotorn, das man je auf Platte gebannt hat und bei dem man beim ersten Mal hören fast schon eine Defekt des CD-Players befürchtet. Als wäre das alles schon nicht genug, liefern sie mit „Catch The Sun" DEN eigentlichen Sommerhit ab, den man nicht weiter überraschend vergeblich auf der Sommerausgabe der „Ö3 Greatest Hits" sucht.

Die Doves erheben nicht den Anspruch, den Rock zu revolutionieren, denn damit sollen sich andere herumquälen. Vielmehr scheint es ihr Ziel zu sein, jedem geschmacksicheren Rocknostalgiker die Seele zu rauben. Da bin ich gerne ein williges Opfer. (9/10)


Location/Date:
Saturn Mariahilfer Straße 26.05.2000

Pearl Jam - Binaural (CD)


Location/Date:
Cosmos Lugner City, 26.05.2000

DJ Mörtel featuring Mausi - Österreich ist frei (MCD)


Location/Date:
Plattenbörse Stadthalle Wien, 20.05.2000

Peter Brown - Do You Wanna Get Funky With Me (Single)
Tommy James & The Shondells - Hanky Panky (Single)
Robbie Robertson - Somewhere Down The Crazy River (Single)
Richard Ashcroft - A Song For The Lovers (MCD)
Terranova - Chase The Blues (MCD)
Various Artists - Really! They Sing It In German! Vol. III (CD)
Various Artists - A Reggae Tribute To The Beatles Vol. 2 (CD)


Location/Date:
Fischer Music & Chronicle, 15.05.2000

Verve - The Drugs Don’t Work (MCD)
Tin Tin Out - Eleven To Fly (CD)


Location/Date:
Plattenbörse Wiener Neustadt, 06.05.2000

AC/DC - Ballbreaker (CD)
Green Day - 1.039/Smoothed Out Slappy Hours (CD)
Green Day - Insomniac (CD)
Green Day - Kerplunk (CD)


Location/Date:
Cosmos Lugner City, 21.04.2000

Moloko - Things To Make And Do (CD)


Location/Date:
Saturn Millenium City, 13.03.2000

Molotov - Donde jugaran las ninas? (CD)
Pixies - Surfer Rosa/Come On Pilgrim (CD)
Presidents Of The United States Of America - Pure Frosting (CD)


Location/Date:
Plattenbörse, Wiener Stadthalle, 11.03.00

John Buck & His Blazers - Chi Chi (Single)
Kinks - Mr. Pleasant (Single)
Matt Bianco - More Than I Can Bear (Single)
Karl Schranz - Der Tyrolia Hit (Single)
Stretch - Fixin’ To Die (Single)
Andrea True Connection - What’s Your Name, What’s Your Number(Single)
Various Artists - Sixties Archives Vol. 2 (CD)

AC/DC - Stiff Upper Lip (CD, 2000)

Wer vor rund 20 Jahren begann, die Musik und alles damit Verbundene zu entdecken, war höchstwahrscheinlich Fan von den Teens , Abba , Kiss oder AC/DC

Die Teens sind längst vergessen, genauso wie ihre Hymne "Give Me More", Abba haben sich zwar 1983 aufgelöst, allerdings nichts von ihrer Anziehungskraft verloren, sondern sind fixer Bestandteil des 70er-Revivals und finden derzeit immer wieder neue Nachahmer wie beispielsweise in Form der mehr als unnötigen A*Teens, deren Abba-Coverversionen nicht nur bei Abba-Puristen für blankes Entsetzen sorgen. Kiss können beim x-ten Comebackversuch an ihre damaligen Erfolge - ob geschminkt oder ungeschminkt - nie mehr anschließen. Somit bleiben als einzige Überlebende dieser Ära sind die unverwüstlichen AC/DC!

Wenn man in die neue AC/DC-CD "Stiff Upper Lip" reinhört, hat man den Eindruck, als hätte die Band nicht nur die Zeit seit Erscheinen ihres letzten Albums "Ballbreaker" (1995) ohne Kontakt zur Außenwelt auf einer Farm irgendwo in der australischen Steppe verbracht, es scheint vielmehr, als wären sie in einer Zeitmaschine in das Jahr 1980 zurückgereist, um an ihr bahnbrechendes Album "Back In Black" anzuschließen.

Auf den ersten Blick könnte man eine Band, deren 5 Mitglieder ein Gesamtalter von rund 250 Jahren haben, als Rentnerband bezeichnen, tatsächlich aber lassen alle 12 Titel von "Stiff Upper Lip" so manche junge aufstrebende Gruppe eher alt aussehen! Keine Spur von den Innovationen und Experimenten, die in den letzten Jahren Bands wie Radiohead oder Nine Inch Nails der Rockmusik gebracht haben, hier gibt es nur guten und zeitlosen Hardrock. Die Versuche anderer Altrocker, gängige Stile in ihre Musik einfließen zu lassen, kann man eher als gescheitert betrachten, wie z.B. die Rolling Stones mit dem Titel "Might As Well Get Juiced" von ihrer letzten CD "Bridges To Babylon" (1997) mehr als eindrucksvoll bewiesen haben. AC/DC dagegen klingen Anno 2000 fast so frisch und unverbraucht wie auf ihrer ersten, 1975 erschienenen LP "High Voltage", was vielleicht auch daran liegt, daß sie vermutlich zu weniger harten Erfrischungen greifen als Keith Richards und Konsorten…

So bleibt fast alles beim Alten: Angus Young quetscht wie in seinen besten Zeiten prägnante Riffs aus seiner Gitarre und Brian Johnson schreit sich wie eh und je auf erstklassigen bluesgetränkten Rocksongs wie "Meltdown", "House Of Jazz" oder "Can’t Stand Still" die Seele aus dem Leib.

Das Festhalten der australischen Rock-Traditionalisten an ihrem altgedienten Sound scheint auch dazu geführt zu haben, daß sich sogar die CD-Presswerke offenbar wieder in die 70er Jahre zurückgebaemt haben und dem interessierten Fan den auf der Coverrückseite angekündigten interaktiven Teil mit Tourdaten, Links zur Homepage usw. vorenthalten.

Böse Zungen könnten natürlich behaupten, AC/DC treten seit fast 3 Jahrzehnten auf der Stelle und das Einzige, was sich bei ihnen irgendwie weiterentwickelt hat ist das Bankkonto. Um dem zu widersprechen kann man einen Vergleich von AC/DC mit Maggi heranziehen: Die optische Aufmachung hat sich zwar im Laufe der Jahre geringfügig geändert, der Inhalt ist aber im großen und ganzen der gleiche geblieben und gibt dem Leben eines Rockfans erst die richtige Würze.

(6/10)

PRIMAL SCREAM - XTRMNTR (CD, 2000)

Das neue Album von Primal Scream ist eigentlich eine Abschiedsplatte. Nicht, weil sich die Band aufgelöst hätte, sondern da "XTRMNTR" als letzte Platte auf dem legendären Independentlabel Creation erschienen ist, das früher auch unter anderem Heimat für Oasis war, über deren neues und enttäuschendes Album "Standing On The Shoulder Of Giants" ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen möchte.

Ein ganz anderes Kaliber ist dagegen "XTRMNTR", wo man nicht die geringste Spur von Langeweile oder mangelnder Kreativität erkennen kann und das schon jetzt als eines der wichtigsten Alben des Jahres 2000 bezeichnet werden kann.

In den mittlerweile schon eineinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Band schon eine Reihe von Stilwechseln vollzogen. Das Spektrum reicht von der typisch englischen, von den 60er-Jahren stark geprägten Gitarrenband über die Raveband, die 1991 mit "Screamadelica" eines der wichtigsten Alben der 90er ablieferte und schließlich 1994 auf "Give Out But Don’t Give Up" bei dem Versuch, wie die Rolling Stones zu klingen einen ziemlichen Absturz erleidete.

Die 1997 erschienene Single "Kowalski", die der Hauptfigur des legendären Roadmovies "Vanishing Point" (bei uns bekannt als "Fluchtpunkt San Francisco") gewidmet ist, brachte die Band wieder auf die Gewinnerstraße. Das nach diesem Film benannte Album zeigte eindrucksvoll, daß diese Musiker den kreativen und kommerziellen Absturz bestens überstanden hatten. Eine annähernd geniale wie extravagante Mischung aus Electro, Punk, Psychedelic, Free Jazz, Reggae, 70er Jahre Soundtracks und jeder Menge Rock’n’Roll konnte seither keine andere Platte bieten!

"XTRMTR" hat ein ähnliches Spektrum an Stilen anzubieten und ist knapp daran, "Vanishing Point" den Rang als Primal Screams bislang beste Platte abzulaufen, scheitert aber knapp daran.

Der Grund dafür liegt an der sehr aggressiven und düsteren Grundstimmung des Albums. Die vereinzelte Leichtigkeit und Aufbruchsstimmung, die auf "Vanishing Point", (von dem es sogar ein eher farbloses Dub-Remixalbum namens "Echo Dek" gibt) auf Titeln wie "Star" zu hören war, ist nun einer Depression und Paranoia gewichen. Außerdem scheint neben Österreich auch England von strikten Sparmaßnahmen der Regierung betroffen zu sein, denn Primal Scream sparen beim Titel ihrers neuen Albums sogar schon bei den Selbstlauten. Der komplette Titel sollte "Exterminator" lauten, was auf deutsch soviel wie "Kammerjäger" bedeutet. Vertilgen wollen Primal Scream aber nicht unbedingt Insekten, sondern menschliches Ungeziefer wie etwa korrupte Politiker oder Neonazis, Titel wie etwas "Kill All Hippies", "Shoot Speed Kill Light" oder "If They Move, Kill ‘em" sprechen eine deutliche Sprache: Härtere Zeiten verlangen härtere Klänge und die gibt es hier zur Genüge. Wer beispielsweise Spät-60er Punk/Garagerock wird sicher an "Accelerator" Gefallen finden, Fans der Abteilung Dancefloor werden mit dem von den Chemical Brothers produzierten "Swastika Eyes" gut bedient und das ungewöhnliche Instrumental "Blood Money" erfordert gänzlich neue Hörgewohnheiten.

Daher wird diese Platte wohl kaum als Untermalung zur Frühaerobic im Club Med zu hören sein, HNO-Ärzte und Stress-Therapeuten sollten sie aber ihren Patienten dringend verordnen, denn sie eignet sich vorzüglich zum längst fälligen Frühjahrsputz der Gehörgänge bzw. zum Aggressionsabbau. Ob jedoch die Krankenkassen ihren Teil dazu beitragen werden, stand beim Verfassen dieses Artikels leider noch nicht fest.

(7/10)

Location/Date:
Cosmos Lugnercity, 08.03.00

SMASHING PUMPKINS - Machina/The Machines Of God (CD, 2000)

Ende der 80er Jahre begann sich in den USA die Alternative Rock- und Grunge-Szene mit Bands wie Nirvana, , Soundgarden , Pearl Jam, so richtig prächtig zu entwickeln und eine Frucht dieser Szene waren und sind die Smashing Pumpkins aus Chicago.

Bereits mit ihrem Erstling "Gish" (1991) trat die Band mit Hilfe der von Leadsänger Billy Corgan inbrünstig vorgetragenen erstklassigen Songs aus dem Schatten der tausenden anderen amerikanischen Alternative-Rock-Bands. Die Ballade "Disarm" aus dem Album "Siamese Dream" (1993) bescherte der Band den ersten Hit, aber zu Superstars in ihrem Genre wurden sie 1995 mit dem Doppelalbum "Mellon Collie And The Infinite Sadness", das übrigens mit 4 Millionen verkauften Exemplaren als das meistverkaufte Doppelalbum aller Zeiten gilt und mit "Tonight, Tonight" und "1979" 2 großartige Hitsingles enthielt.

Nach der darauffolgenden Tour kam der Band jedoch der Schlagzeuger abhanden, weshalb sie ihr 1998er Album "Adore" ohne Schlagzeuger einspielten, diesen Part kurzerhand dem Drumcomputer überließen oder gänzlich auf Percussion verzichteten. Das brachte aber mit sich, daß all jene, die von den Smashing Pumpkins auch härtere Kost gewohnt waren, eher enttäuscht reagierten. Die Enttäuschung war allerdings unbegründet, denn auf diesem Album sind einige der besten Songs der Band wie etwa "Perfect" oder "Apples & Oranjes". Dennoch verstaubte die Platte großteils in den Regalen.

Damit sich das mit dem neuen Album "Machina/The Machines Of God" nicht wiederholt, haben die tollen Kürbisse wieder ihren alten Drummer rekrutiert und eine härtere Gangart eingelegt.

Die daraus resultierende Mischung aus Spätsiebziger-Hardrock und erstklassigem Pop zündet vom ersten Akkord des fulminanten Openers "The Everlasting Gaze", in dem sich Billy Corgan mit den Worten "You Know I’m Not Dead" lautstark zurückmeldet und gleich klarmacht, daß die Band wieder zu alter Frische zurückgefunden hat.

Nahezu sämtliche der 15 Titel liefern den Beweis, daß die Maschinerie der Smashing Pumpkins hervorragend lauft, was speziell mit den Songs "Try, Try, Try", "Raindrops & Sunshowers" und der grandiosen Single "Stand Inside Your Love" unter Beweis gestellt wird.

Alles in allem ein weiterer Meilenstein in deren Disco-& Biographie, der in Österreich aber leider nur eine klägliche Anzahl an Hörern finden dürfte, da die heimischen CD-Player bekanntlicherweise oftmals nur mit musikalischem Junk-Food der Kategorie Eiffel 65, A*Teens oder Vengaboys gefüttert werden und kulinarische Schmankerln wie diese Kürbisspezialität leider kaum Anklang finden. Gottes Maschinen und Wege sind eben unergründlich…

(7/10)

P.S.: Wie schnelllebig das Rockbusiness ist beweist die Tatsache, daß Billy Corgan vor kurzem bekanntgegeben hat, daß sich die Band nach der laufenden Tournee auflösen wird… Näheres hier

Location/Date:
Saturn Mariahilfer Straße 03.03.2000

Freda Payne - The Best Of (CD)
Various Artists - Soul Galore (CD)

Location/Date:
Virgin, 18.02.2000

American Pie (Soundtrack) (CD)

Location/Date:
Cosmos Euro City, 27.01.2000
Various Artists - Chess Soul - A Dekade Of Chicago’s Finest (2 CD)

Location/Date:
Libro Lugner City, 21.01.2000

The Acid House (Soundtrack)
Various Artists - The No.1 Christmas Album (2 CD)

Location/Date:
Saturn Millenium City, 05.01.2000

Cath Coffee - Walk With Me (MCD)
G Punkt - Jakob’s Dröhnung I + II (MCD)
Garbage - You Look So Fine (MCD)
Goo Goo Dolls - Iris (MCD)
Three Amigos - Louie Louie (MCD)
Mono - Formica Blues (CD)
Morcheeba - Who Can You Trust (CD)
Various Artists - Down & Out - The Sad Soul Of The Black South (CD)

Location/Date:
Virgin, 05.01.2000

Mandalay - Beautiful (MCD)

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