MASSIVE NEW RECORDS 2001

MASSIVE NEW RECORDS 2001


26. April 2008

Hier ist alles aufgelistet, was im Laufe des Jahres 2001 seinen Weg in meinen Plattenschrank bzw. CD-Regal gefunden hat. Natürlich kann ich aus Zeitgründen nur einen Bruchteil dieser Scheiben rezensieren (Bewertungsnoten von 1-10; 1 Sondermüll, 10 neue Maßstäbe setzendes bzw. genrebildendes Meisterwerk) und beschränke mich deshalb großteils auf Raritäten, Kurioses und zu unrecht längst vergessenes, denn allseits bekannte Platten, ob Neuerscheinung oder Klassiker, wurden bzw. werden ohnehin ausreichend in einschlägigen Magazinen, Homepages etc. besprochen. Wer seine Meinung zu meinen Kritiken kundtun will oder inhaltliche Fehler entdeckt klickt einfach hierher.

Alle rezensierten Platten im Überblick

Singles:

Sergio Mauri - La Cosa Piu Bella
Soundtrack "Engelchen"

MCDs:

Agnelli & Nelson - Everyday
Maxim - Carmen Queasy
Des Mitchell - Welcome To The Dance
Pulp - Help The Aged
Pulp - This Is Hardcore
Ingrid Schroeder - Bee Charmer
Semisonic - Secret Smile
Zombies - She’s Not There/Leave Me Be

CDs:

BS 2000 - Simply Mortified
Deee-Lite - Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities
Deftones - Back To School (Mini Maggit)
Fun Lovin' Crimnials - Loco
Jimi Hendrix - Voodoo Child - The Jimi Hendrix Collection
Jimi Hendrix - Voodoo Chile
Neil Michael Hagerty - Neil Michael Hagerty
Kaleidoscope – Dive Into Yesterday
Lit – A Place In The Sun
Magnetic Fields - 69 Lovesongs (3 CD)
Meters - The Original Funkmasters
Soulwax - Much Against Everyone's Advice
Taproot - Gift
Travis - The Invisible Band
Various Artists - 40 Superhits Of The 60’s (2 CD)
Various Artists - Da Club Phenomena (2 CD)
Various Artists - No Boundaries – A Benefit For The Kosovar Refugees
Walkabouts - Ended Up A Stranger

MCs:

Tasmin Archer - Bloom


THE COMPLETE MASSIVE NEW RECORDS 2001



Location/Date:
Saturn, Mariahilfer Straße, 29.12.01

Exklusiv für
Walkabouts - Ended Up A Stranger (2001, CD)
Various Artists - Pop In Germany Vol. 1 (CD)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 21.12.01

Crowded House - Together Alone (CD)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 01.12.01

Ingrid Schroeder - Bee Charmer (MCD)
Lit - A Place In The Sun (CD)
Whale - We Care (CD)

Ingrid Schroeder - Bee Charmer (1995, MCD)


Ingrid Schroeder hat natürlich nichts mit dem deutschen Bundeskanzler zu tun, sondern ist vielmehr eine Kanadierin, die es in den 90ern nach London verschlagen hat und offenbar das Glück hatte, dort zur richtigen Zeit auf die richtigen Leute zu treffen, darunter unter anderem Cypress Hill-DJ Muggs, Drum’n’Bass-Großmeister und dem Mischpultsuperstar Howie B. Diese Herren sind maßgeblich daran beteiligt, daß die Single „Bee Charmer" fast schon eine Dancefloor-Referenzplatte des Jahres 1995 sein könnte, denn hier versammelt sich fast alles, was 1995 auf den Tanzflächen gehobener Clubs angesagt war.

Eröffnet wird der Reigen mit dem „D.J. Muggs Mix", wo der selbige keinen Hehl über seine Begeisterung für den damals am Höhepunkt befindlichen Trip-Hop macht und dafür sogar ein Cypress Hill-Sample („Latin Lingo") verwendet. Während Muggs sich Trip-Hop-technisch an Portishead orientiert, schielt Howie B auf seinem 7" Mix mit jeder Menge atmosphärischen Sounds eher in Richtung der frühen Morcheeba. 1995 war auch Drum’n’Bass in seinr Hochblüte und dementsprechend durfte Goldie, seines Zeichens der Godfather des Drum’n’Bass, gleich dreimal beim „Soundscape Mix", „Pray Mix" und „Roller Mix" an die Regler.

Trotz dieser klingenden Namen und vor allem Ingrid Schroeders betörender Stimme blieb diese fast 35 Minuten lange Single völlig unbeachtet und hätte es einst die FM4-Frühmorgenshow „Morgengrauen" mit Grissemann/Stermann nicht gegeben, wo der Song des öfteren gelaufen ist, würde ich wohl auch kaum diesen Song jemals gehört haben, denn unverständlicherweise gibt es kaum eine Trip-Hop-Compilation, auf der „Bee Charmer" zu finden ist. Das gleichnamige Album als auch die Nachfolgesingle„Paint You Blue" konnten Ingrid Schroeders Bekanntheitsgrad leider auch nicht wesentlich steigern, worauf sie völlig von der Bildfläche verschwand. Schade.

(9/10)

Lit – A Place In The Sun (1999, CD)



Am zweiten Tag des „Two Days A Week“-Festival in Wiesen anno 1999 konnten Lit als einer der Supportacts für Offspring nicht nur mit ihrer Hitsingle „My Own Worst Enemy“ (1999; UK # 16, US # 20) begeistern, sondern auch mit anderen Tracks ihres Albums „A Place In The Sun“, allen voran „Four“, „Miserable“, „Perfect One“ und dem Titeltrack, der anfangs sogar etwas an Placebo erinnert. Was das kalifornische Quartett seither veröffentlicht hat entfachte weit weniger Begeisterung, weshalb Lit vorerst der Sprung in die Alternative Rock-Oberliga von Offspring etc. versagt bleibt.

(6/10)

Location/Date:
Wiener Neustadt, Libro Fischapark, 27.10.01

Counting Crows - Recovering The Satellites (1997, MC)
Pretenders - The Isle Of View (1995, MC)

Tasmin Archer - Bloom (1996, MC)


“Bloom” sollte 1996 an die Erfolge des 1992 erschienen Vorgängers „Great Expections“ anschließen, das Tasmin Archer den Riesenhit „Sleeping Satellite“ (1992; A # 11, D # 12, UK # 1; 1993; US # 32) einbrachte. Die Nachfolgesingles „In Your Care“ (1993; UK # 16), „Lords Of The New Church“ (1993; UK # 26), „Somebody’s Daughter“ (1993; D # 57) und „Arienne“ (1993; U # 30) verkauften sich allerdings weitaus schlechter, ebenso die EP "Shipbuilding" (1994; UK # 40), auf der sie Songs von Elvis Costello interpretierte.

Daran konnte auch „One More Good Night With The Boys“ (1996; UK # 45), die erste Auskopplung aus „Bloom“, nichts ändern. Single als auch Album waren zwar wohlklingend, aber höhepunktslos und schlicht unspektakulär war, weshalb die hohen Erwartungen von Fans und Plattenfirma in keiner Weise erfüllt wurde und Tasmin Archer völlig von der Bildfläche, verschwand. Vielleicht klappt dieses Vorhaben mit dem neuen Material, an dem sie derzeit laut ihrer Homepage bastelt.

6/10

Pulp - Help The Aged (1997, MCD)
Pulp - This Is Hardcore (1998, MCD)


Gibt es Zufälle? Darüber kann man natürlich endlos diskutieren, Tatsache ist jedenfalls, daß in der selben Woche, in der das aktuelle Pulp-Epos „We Love Live" veröffentlicht wurde, mir die beiden beiden Singles „Help The Aged" (1997; UK # 8) und „This Is Hardcore" (1998; UK # 12) in die Hände fielen.

Wie fast auf allen mir bekannten Singles von Jarvis Cocker & Konsorten sind auf diesen Auskopplungen aus dem Vorgängeralbum „This Is Hardcore" exzellente B-Seiten vertreten, wobei ich nur mal nebenbei erwähnen möchte, daß es für den Plattensammler in mir ein überaus erfreuliches Zeichen ist, daß sich diese Bezeichung aus den grauen Vinylzeiten auch im Zeitalter der CD immer noch beharrlich gehalten hat, obwohl sie für so manchen Spätgeborenen im ersten Moment sinnlos erscheinen dürfte.

Auf „Help The Aged", ihrem Plädoyer zur Bewältung von Generationenkonflikten, findet sich das im typischen Pulp-Bombast gehaltene „Tomorrow Never Lies", wobei dieser Titel sicherlich nicht nur bei James Bond-Fans Assoziationen mit dem fast zeitgleich erschienen 007-Streifen „Tomorrow Never Dies" („Morgen stirbt nie") hervorruft. Im Vergleich dazu ist das abschließende, herrlich countrymäßig klingende „Laughing Boy", bei dem eine Casio-Drummachine und jauchzende Gitarren im Vordergrund stehen, für Pulp-Verhältnisse fast schon minimalistisch arrangiert

Als „Ladies Man" gibt sich Jarvis Cocker auf „This Is Hardcore", allerdings mit Vocoderstimme und im für Pulp untypischen 70er-Elektropop-Gewand. Ein harmloses Easy Listening-Intro leitet danach „The Professional" ein, das sich aber schon bald mit jeder Menge Dramatik zu einer Art Fortsetzung von „I Spy" auf „Different Class" entwickelt. Wer durch Jarvis Cockers atemlose Ausführungen vielleicht etwas zu emotionell aufgewühlt wurde, kann sich beim streichergetränkten „End Of The Line Remix" von „This Is Hardcore" wieder erholen.

So schön kann Hardcore sein.

Help The Aged (9/10)
Tomorrow Never Lies (8/10)
Laughing Boy (8/10)
This Is Hardcore (9/10)
Ladies Man (9/10)
The Professional (8/10)
This Is Hardcore (End Of The Line Remix) (5/10)


Location/Date:
Wiener Neustadt, Müller Drogeriemarkt, 21.09.01

Jimi Hendrix - Voodoo Chile (2000; CD)


Die Neueröffnung einer Filliale der deutschen Drogeriekette Müller in Wiener Neustadt war natürlich ein willkommener Anlaß, sich auch in der dazugehörigen Tonträgerabteilung umzusehen. Wie nicht weiter überraschend war diese eher durchschnittlich bestückt und ich wollte eigentlich schon das Weite suchen, als mir die Billigcompilation „Voodoo Chile" von Jimi Hendrix in die Hände fiel.

Obwohl ich zur Fraktion der Hände-weg-von-Billigsamplern-denn-da-sind-zu-99-%-nicht-die-Originalversionen-sondern-überflüssige-Neuaufnahmen -oder- noch-schlechtere-Liveaufnahmen-drauf -Plattensammler gehöre weckte dieses Album mein ungeteiltes Interesse. Da Neueinspielungen der Songs von Jimi Hendrix eher unwahrscheinlich wären, konnte es sich nur um Livetracks handeln und das Tracklisting hörte sich überaus interessant an: Neben einigen altbekannten Klassikern wie „Little Wing", " Purple Haze" und natürlich dem Titelsong sind hier noch „Sunshine Of Your Love" und eine Reihe von mir bislang unbekannten Titeln wie „Bleeding Heart", „Wake Up This Morning And Found Yourself Dead" und „Uranus Rock" vertreten, was bei einer Gesamtlaufzeit von rund 70 Minuten die Investition von 36,90 öS/2,68 Euro vorerst rechtfertigte.

Nach einigen Recherchen zeigte sich, daß ich hier einen guten Riecher bewiesen hatte, denn auf dieser CD ist fast das komplette legendäre Konzert aus der Londoner Royal Albert Hall vom 24. Februar 1969 enthalten, bei dem unter anderem auch Dave Mason von Traffic mitspielte und dessen Setlist sich sehen lassen kann: Sunshine Of Your Love, Bleeding Heart, Fire, Little Wing, Voodoo Child (Slight Return), Room Full Of Mirrors, Purple Haze, Wild Thing

Herausragend dabei die instrumentale Coverversion „Sunshine Of Your Love", im Original von Cream (1968; UK # 25, US # 4), der langsame Blues „Bleeding Heart" und die jeweils 9 Minuten dauernden exzellenten Versionen von „Voodoo Child (slight return)" und „Room Full Of Mirrors", wobei sicherlich bemerkenswert ist, daß Hendrix am Ende des letzteren Titels kurz den "Star Spangled Banner" anspielte, der fast genau ein halbes Jahr später in Woodstock für Aufsehen sorgte. Einziger Minuspunkt dieses Konzertmitschnitts ist die Tatsache, das bei „Wild Thing" bereits schon nach 1:21 Minuten ausgeblendet wird und man so um den Genuß der ursprünglichen 3:45 Minuten kommt, in denen Hendrix unter anderem „Strangers In The Night" und „Blue Moon" zitiert hatte.

Die restlichen 3 Livetracks „Woke Up This Morning & Found Myself Dead", „Uranus Rock" und „Red House" stammen vom Gig oder vielmehr einer Jamsession im „The Scene Club" in New York vom 16.10. 1968, der musikhistorisch allerdings bemerkenswerter als der Abend in der Royal Albert Hall war und bei dem ich überaus gerne dabeigewesen wäre. Unter den Gästen dieses kleinen Clubs befand sich nämlich ein gewisser Jim Morrison, der plötzlich stark alkoholisiert die Bühne betrat, sich das Mikro schnappte und bei einigen Songs, darunter „Uranus Rock", kaum verständliches gröhlte und deftiges fluchte. Letzteres wird am Besten von „Bleeding Heart (Morrison’s Lament)" dokumentiert, das allerdings auf diesem Album nicht vertreten ist.

Dennoch sind diese beiden Livemitschnitte die ideale Ergänzung zu der von mir kürzlich rezensierten Compilation Jimi Hendrix - Voodoo Child, die in keinem guten Haushalt fehlen sollte.

(9/10)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 31.08.01

Booker T. & The MG’s - The Very Best Of (CD)
Shut Up & Dance - Dance Before The Police Come! (CD)
Sly & The Family Stone - Greatest Hits (CD)
Sunna - One Minute Science (CD)

Kaleidoscope – Dive To Yesterday (1996, CD)



Wie viele andere britische Bands startete das Quartett rund um Songwriter Peter Daltrey 1964 unter dem Namen Sidekicks als R & B-Formation, ehe sich zwei Jahre später hauptsächlich unter dem Einfluß des Beatles-Meilensteins "Revolver" die musikalische Ausrichtung gravierend änderte und man sich bei der Gelegenheit in The Key unbenannte. Dieser Wandel wurde 1967 mit einem Plattenvertrag bei Fontana Records belohnt, gleichzeitig änderte man den Bandnamen erneut in Kaleidoscope (Infos zu diesem netten optischen Spielzeug gibt es hier ) und da), was den psychedelischen Stil der Band unterstreichen sollte.

Im September 1967 erschien die Debutsingle "Flight From Ashiya", die mit Kritikerlob überhäuft und sogar von der sonst eher konservativen BBC forciert wurde, schließlich ging es in dem Song nicht um Drogen, wie der einschlägig geschulte Musikfreund anhand des Wortes "Flight", einer beliebten Metapher für die Wirkung einschlägiger Genußmittel, annehmen könnte, sondern lediglich um traumatische Erlebnisse bei einem Flugzeugabsturz. Spektatuläre Höhenflüge waren "Flight From Ashyia" allerdings nicht vergönnt, denn der Anflug auf die Charts míßlang.

Dieser zumindest kommerzielle Fehlstart sollte mit dem im November 1967 veröffentlichten Erstlingsalbum "Tangerine Dream" kompensiert werden, mit dem Kaleidoscope in die oberste Spielklasse der britischen Psychedelic aufsteigen wollten, die von stilprägenden Alben wie "Sgt. Pepper's Lonley Hearts Club Band" der Beatles oder "The Piper At The Gates Of Dawn" von Pink Floyd angeführt wurde.

Während viele ihrer zeitgenössischen Genrekollegen oftmals ihre Platten mit orchestralem Bombast oder übertriebenen Phasingeffekten regelrecht zukleisterten widmeten sich Kaleidoscope der melodiöseren Variante, ohne aber mit meist damit verbundenen, oft im Überfluß eingesetzten Ingredienzien wie Flöten oder Kinderchören zu nerven. Das der vorliegenden Compilation titelgebende "Dive Into Yesterday" oder vor allem "In The Room Of Percussion", das man eigentlich eher einer amerikanischen Band wie Strawberry Alarm Clock zuordnen würde sind Lehrbeispiele für den fortgeschrittenen britischen Psychpop. Auffälligster Titel des Albums ist aber zweifellos das abschließende achtminütige Epos "The Sky Children", wo man mit wundersamen Figuren wie Tauben in Höhlen, die Kekse und Limonade machen oder Kapitän Stachelschwein samt seiner aus sechs Hasen bestehende Crew konfrontiert wird.

"Tangerine Dream" erntete wieder vielfach hymnische Kritiken, aber so wie bei "Flight To Ashyia" blieben verkaufsmäßige Höhenflüge leider nur ein Traum. Nun wurde man bei ihrem Label Fontana langsam aber sicher unruhig, schließlich hatte man mit der Band einen Fünf-Jahres-Vertrag abgeschlossen, hatte aber im Gegensatz zu stiliistisch ähnlich positionierten Bands noch keine zählbaren Ergebnisse. Also mußte endlich ein Hit her, der von der Papierform her mit der exzellenten Psychpop- Single "A Dream for Julie" eigentlich gelingen hätte müssen. Auch hier wiederum einhellige Begeisterung unter Kritkern und jede Menge Radioairplay, aber der Traum von einer Hitsingle platzte erneut. Nicht viel besser erging es auch der nächsten, unverschämt kommerziellen Single "Jenny Artichoke", aber dieser Ohrwurm rund um die in einem Hausboot lebende Jenny Artischocke mit feuerrotem Haar fand unverständlicherweise auch kaum Käufer. Vielleicht waren Kaleidosope mit dieser Thematik einfach nur ihrer Zeit voraus, denn ein Jahr später landete Chris Andrews mit seiner "Pretty Belinda", die ebenfalls auf einem Hausboot lebte, zumindest im deutschsprachigen Raum einen Riesenhit (1969; A # 1, D # 5)

Unbestreitbare Ohrwurmqualitäten, vor allem dank des unwiderstehlichen, hymnenhaften Mitsingrefrains, konnte auch die im Frühjahr 1969 veröffentlichte Single "Do It Again for Jeffrey" vorweisen. Wiederum gab es durchwegs positive Resonanz in der Musikpresse und auch im Radio wurde der Song fleißig gespielt, aber auch damit konnte der unbergreifliche Bann der Erfolglosigkeit nicht gebrochen werden, ebenso mit dem kurz darauf veröffentlichten zweiten Album "Faintly Blowing". Hier präsentierten sich Kaleidoscope noch um einiges progressiver als auf ihrem Debut "Tangerine Dream" und waren in Sachen einprägsamen Melodien, phantasievollen Texten, Arrangement Facettenreichtum und Originalität ihren Genrekollegen um Längen überlegen, denn welche andere Band hatte schon über gediederte Tiger ("Feathered Tiger"), dem Ring der Nibelungen ("Black Fjord") oder einem unfreiwilligen Schwarzfahrer ("A Story From Tom Bitz") im Repertoire? Aber mal der Reihe nach:

"The Feathered Tiger" beschreibt einen Traum von einem ebensolchen und ist demnach so etwas wie eine Erwachsenen-Version von "The Sky Children", "Black Fjord" mit Thor, Odin, der Walküre und jeder Menge brennender Schiffen hätte aufgrund der für einen Popsong ausgewöhnlichen Thematik als Singleauskopplung durchaus Erfolgschancen gehabt und "A Story From Tom Bitz", die mit einer scheinbar harmlosen Bekanntschaft im Zug beginnt und mit einer Gefängnisstrafe endet muß man einfach gehört haben! Weitere Highlights sind die beiden Baroque-Pop-Titel "Just How Much You Are" (das bereits als Rückseite zu "Jenny Artichoke" erschien) und If You So Wish", kröndender Abschluß das mit Phasing- und Stereoeffekten fast schon überladene, grandiose "Music". Wenn man von "'ll Kiss You Once " und "Poem" mal absieht, denen man gefährliche Nähe zu den Bee Gees in ihrer "Odessa"-Phase nicht absprechen kann, gilt diese LP nicht weiter überraschend als eine der besten psychedelischen LPs der 60er, was man allerdings erst in den 80ern erkannte.

Aufgrund dieses neuerlichen Mißerfolges und dem kommerziellen Scheitern ihrer letzten Single "Balloon" waren Kaleidoscope schon bald Geschichte, die Unbenennung in Fairfield Parlour konnte an der Erfolgsbilanz von Peter Daltrey und seinen Mitspielern auch nichts ändern

(8/10)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 13.07.01

Exklusiv für
Jimi Hendrix - Voodoo Child - The Jimi Hendrix Collection (2001, 2 CD)

Location/Date:
Wiener Neustadt, Libro Merkur City, 07.07.01

Various Artists – 40 Superhits Of The 60‘s (1992, 2 CD)


Trotz des nicht sonderlich originellen Titel ist diese Compilation keine bloße Ansammlung von 08/15-Oldies, sondern beherbergt zahlreiche langesuchte Raritäten wie etwa dem Northern Soul-Kracher „Ain’t Nothing But A Houseparty" von den Showstoppers oder Fats Dominos Spätwerk „Lazy Lady". Das musikalische Spektrum reicht vom Beat (Yardbirds) über Country (Jeannie C. Riley), wilde Surfrocker (Trashmen) und Reggae (Desmond Dekker) bis hin zum Psychedelic Rock (Count Five) und deckt somit fast zur Gänze die Musikstile ab, die in den 60ern die Charts bevölkerten. Daß damals wie heute auch viel Schrott produziert worden ist und unverständlicherweise erfolgreich war, beweist hier Neil Christian mit einer hier mehr als überflüssigen Art Beat-Polka.

Alles in allem ist diese Doppel-CD zwar nicht unbedingt ein perfekter Einstieg in die Musik der 60er abseits von den Beatles und den Rolling Stones, aber zumindest eine durchaus gelungene Annäherung.

Im folgenden in bewährter Massive Music-Manier und –qualität das Tracklisting dieses Doppelalbums inkl. der dazugehörigen Chartplazierungen:

Small Faces - All Or Nothing (1966; A # 11, D # 17, UK # 1)
Count Five - Psychotic Reaction (1966; US # 5)
McCoys - Hang On Sloopy (1965; A # 9, D # 5, UK # 5, US # 1)
Unit 4 Plus 2 - Concrete & Clay (1965, UK # 1, US # 28)
Chris Montez - Let’s Dance (1962; D # 7, UK # 2, US # 4, 1972; A # 7)
Neil Christian - Two At A Time (1966; D # 14)
Amen Corner - If Paradise Is Half As Nice (1969; A # 14, D # 12, UK # 1; 1976; UK # 34)
Zombies - She’s Not There (1964; UK # 12, US # 2)
Herd - I Don’t Want Our Loving To Die (1968; D # 33, UK # 5)
Yardbirds - For Your Love (1965; D # 21, UK # 3, US # 4 )
John Fred & His Playboy Band - Judy In Disguise (With Glasses) (1968; A # 1, D # 1, UK # 3, US # 1)
Fats Domino - Lazy Lady (1964; D # 28, US # 86)
Marquis Of Kensington - The Changing Of The Guard (1967; D # 32)
Chris Farlowe - Out Of Time (1966; UK # 1) (Original Version: Rolling Stones, 1966)
Easybeats - Friday On My Mind (1966; UK # 6, 1967; A # 16, D # 10, US # 16)
Don Fardon - Indian Reservation (1968; US # 20, 1970; D # 9, UK # 3)
Bobby Fuller Four - I Fought The Law (1966; UK # 33, US # 9)
Rattles - La La La (1965; D # 19)
Gene Vincent - Be Bop A Lula ’69 (1969) (Original Version: 1956; UK # 16, US # 9)
Crispian St. Peters - Pied Piper (1966; A # 10, D # 11, UK # 5, US # 2)

Family Dogg - A Way Of Live (1969; D # 38, UK # 4)
Gene Pitney - 24 Hours From Tulsa (1963; UK # 5, US # 17)
David & Jonathan - Lovers Of The World Unite (1966;UK # 7)
Moody Blues - Go Now (1965; UK # 1, US # 8) (Original Version: Bessie Banks, 1964)
Hedgehoppers Anonymous - It’s Good News Week (1965; UK # 5, US # 45)
New Vaudeville Band - Winchester Cathedral (1966; A # 7, D # 15, UK # 4, US # 1)
Blue Mink - Melting Pot (1969; UK # 3)
Desmond Dekker - Israelites (1969; A # 2, D # 1, UK # 1, US # 6)
Yardbirds - Evil Hearted You (1965; UK # 3)
Showstoppers - Ain’t Nothing But A Houseparty (1968; UK # 11, US # 92, 1971; UK # 33)
P.P.Arnold - First Cut Is The Deepest (1967; UK # 18) Chuck Berry - Memphis Tennessee (1963; UK # 6)
Beach Boys - Surfin’ Safari (1962; US # 14) Trashmen - Surfin’ Bird (1964; D # 25, US # 4)
Small Faces -Sha La La La Lee (1966; D # 15, UK # 3) Amen Corner - Hello Susie (1969; A # 14, D # 14, UK # 4)
Jeannie C. Riley - Harper Valley P.T.A. (1968; A # 8, D # 30, UK # 12, US # 1) Vanity Fare - Early In The Morning (1969; D # 26, UK # 8, US # 3)
Herd - From The Underworld (1967; A # 10, D # 11, UK # 6)
Humble Pie - Natural Born Boogie (1969; A # 12, D # 20, UK # 4)

(9/10)

Location/Date:
Saturn Millenium City, 25.06.01

Meters - The Original Funkmasters (1996, CD)


Nicht zufällig werden Schlüsselszenen in Filmen oder TV-Serien immer wieder mit Instrumentals aus den 60er unterlegt, denn sie eignen sich vorzüglich dazu, die passende Atmosphäre zu schaffen, etwaige Assoziationen zu wecken oder einfach nur die richtige Portion Coolness mit ins Spiel bringen. Prominente Beispiele dafür sind etwa Dick Dales Surfkracher„Misirlou" (1963) in „Pulp Fiction" oder Booker T. & The MG’s smoother Soulgroover „Hip-Hug Her" (1967; US # 49) aus der whiskygetränkten Charles Bukowsky-Biographie „Barfly" mit Mickey Rourke und Ellen Barkin. Auch die die coolen, funkigen und meist mit unkonventionellen Beats unterlegten Instrumentals der Meters aus New Orleans würden sich exzellent für Soundtracks eignen, aber es ist wohl eines der großen Mysterien der Film-bzw. TV-Branche, warum sie bislang nicht dafür entdeckt worden sind.

Die Meters waren schließlich nicht irgendeine obskure Instrumentalcombo, sondern sind gemeinsam mit James Brown oder Parliament eine der Säulen des Funk, was den Albumtitel "The Original Funkmasters" völlig rechtfertigt. Ab 1967 prägten sie als Sessionband in den Studios des legendären Allen Toussaint den New Orleans-Sound der späten 60er, ehe sie ab 1969 auf dem kleinen Label Josie selbst Platten veröffentlichten. "The Original Funkmasters" dokumentiert die beste Phase der Band zwischen 1969 und 1971 und inkludiert die Singles "Cissy Strut" (1969; US # 23), "Sophisticated Cissy" (1969; US # 34), „Look-Ka Py Py" (1969, US # 56), "Ease Back" (1969; US # 61), „Chicken Strut" (1970; US # 50) und dem „Hand Clapping Song" (1970; US # 89) als auch herausragende Tracks ihrer ersten drei Alben "The Meters" (1969), "Look-Ka Py Py" (1970) und "Struttin'" (1970) wie "Live Wire" oder "Tippy Toes".

Anfangs wurden neben den Instrumentaltiteln vereinzelt auch Vokaltracks eingestreut, etwa ihre Coverversion von Lee Dorseys „Ride Your Pony" (1965; US # 29) oder „I Need More Time". Mit dem Wechsel von Josie zu Reprise 1972 stieg der Vokalanteil allerdings überproportional an, womit sich auch die musikalische Ausrichtung entscheidend änderte. Gemäß des damaligen Zeitgeists wurden die knackigen Instrumentals großteils vom Funk im Stile von Sly & The Family Stone abgelöst, womit die Meters auf ihren Platten deutlich an Profil und Individualität verloren.

Auf ihre handwerklichen Fähigkeiten in Sachen Instrumentenbeherrschung hatte das natürlich keinerlei Auswirkungen, weshalb immer wieder gerne auf die Meters als Sessionband zurückgegriffen wurde, etwa von der New Orleans-Legende Dr. John oder Robert Palmer. Auch die Rolling Stones schätzen die Band und engagierte sie als Vorgruppe auf ihre Welttournee 1976, wo sie für Fuore sorgten. Es sollte aber der letzte Meilenstein der Meters sein , denn ein Jahr später löste sich die Band auf. Vereinzelte Reunions anläßlich von Festivals führten aber letztlich dazu, daß die Band in geänderter Besetzung als Funky Meters immer noch aktiv ist.

(9/10)

Maxim - Carmen Queasy (2000, MCD)


Dieser durchaus gelungene Vorbote auf Maxim’s nicht ganz so gut gelungenen Soloalbum „Hell's Kitchen" wurde nicht nur von Prodigyfans als sicherer Hit prognostiziert, kam aber trotz stimmlicher Unterstützung von Skunk Anansie-Sängerin Skin zur Überraschung vieler nicht über Platz 33 in den britischen Charts hinaus.

Enttäuschend aber nicht nur der mäßige Erfolg dieser Single, sondern auch der unnötige, nervende und uninspirierter „Digital Dubz Digi Dub" 2-Step Remix, aber glücklicherweise macht die unbearbeitete Instrumentalversion dieses Manko einigermaßen wieder wett.

Spätestens mit dem vorraussichtlich 2002 erscheinendem langerwarteten neuen Prodigyalbum sollten sich Maxim & Co. wieder in die gewohnten Erfolgssphären katapultieren, die ihren Soloprojekten leider nicht vorbehalten sind.

(7/10)

Location/Date:
Saturn Millenium City, 18.06.01

Travis - The Invisible Band (2001, CD)


Ihr letztes Album „The Man Who" (1999) mit den dazugehörigen grandiosen und mittlerweile als Klassiker zu wertenden Singles „Writing To Reach You" (1999; UK # 14), „Driftwood" (1999; UK # 13), „Turn" (1999; UK # 8) und natürlich „Why Does It Always Rain On Me" (1999; UK # 10), das sogar auf Österreichs (S)Hitradio Ö3 zu Powerplayehren kam, katapultierte das schottische Trio aus der Masse der zahllosen Britpopcombos in den erlauchten Kreis der wichtigsten britischen Bands. Dieser Popularitätsschub ermöglichte auch, daß sich die Non-Album-Single „Coming Around" (2000; UK # 5) ohne große Promtion hoch in den britischen Charts plazieren konnte.

Starallüren und andauernd im Blickfeld der Öffentlichkeit zu stehen sind für Travis nicht von Belang und daher entgehen sie im Gegensatz anderen großmäuligen und publicitysüchtigen Bands aufdringlichen Fans und eine Travismania scheint auch nicht wirklich bevorzustehen.

Aus dieser speziellen Anonymität erklärt sich auch der Titel des neuen Albums „The Invisible Band", der auch optisch entsprechend umgesetzt wurde: Ist auf dem Cover von „The Man Who" die Band in einer trostlosen, an den Film „Fargo" erinnernden Schneelandschaft zu sehen und daher fast unübersehbar im Mittelpunkt steht, scheint sich das Trio auf „The Invisible Band" in einer Aulandschaft zu tarnen.

Mitverantwortlich für den Erfolg von Travis ist sicherlich Produzent Nigel Godrich, dessen charakteristisches Soundkostüm bereits Radiohead den entscheidenden Karriereimpuls beschert hat. Während diese aber zum Leidwesen vieler Fans in die dunkeln Gefilde des Artrock abgedriftet sind, haben sich Travis unter der diesmal eher zurückhaltenden Regie von Godrich auf „The Invisible Band" an die Grundwerte des Pop zurückbesonnen und widmen sich der bei zahllosen anderen Bands meist erfolglosen Mission, den perfekten Popsong zu schreiben. Unglaublicherweise gelingt das der Band auf diesem Album nicht etwa einmal oder zweimal, sondern auf fast allen der 12 großteils sehr 60er-folkrockorientierte und zeitlose Popperlen, die allesamt von einer fast schon unheimlichen Eingängigkeit und vom ersten Moment an vertrauten Melodien geprägt sind. Über allem schwebt jede Menge Melancholie, Sentimentalität und die manchmal etwas nervende Falsettstimme von Leadsänger Fran Healy, die aber im Gegensatz zu „The Man Who" hier erfreulich selten, aber doch in Selbstmitleid und Wehleidigkeit ertrinkt.

Die die auf- und abschwellenden gesampleten Glocken auf dem Opener „Sing", zugleich der ersten Singleauskopplung, läuten einen der wohl besten zeitgenössischen Popsongs ein, dem das Banjo eine außergewöhnliche Nuance verleiht. Herausragend auch das brilliante "Side", in dem überaus treffend beschrieben wird, daß Neid nicht nur eine typisch österreichische Eigenschaft ist. Die Ohrwürmer und höchstwahrscheinlich kommenden Singles „Flowers In the Window", das übrigens in "Last Train" textlich eine Fortsetzung findet, als auch „Safe" beweisen, daß die oftmals gezogenen Vergleiche mit den Kompositionen von Lennon/McCartney keineswegs hinken.

Es mag zwar etwas nachdenklich stimmen, daß die Single „Sing" mittlerweile auch des öfteren auf Ö3 läuft, aber von Abrutschen in den Mainstream kann bei diesem zeitlosen Album keinesfalls die Rede sein und niveauvolle Musik kann Ö3 sicher nicht schaden.

(9/10)

Various Artists - Das war ein harter Tag (1995, CD)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 08.06.01

Soulwax - Much Against Everyone's Advice (1998, CD)


Soulwax - Much Agains Everyone's Advice

Manchmal ist das Leben wirklich ungerecht. Österreich rühmt sich bekanntlicherweise, Musikland # 1 zu sein und kann Dank Mozart, Strauß und Co. diesen Anspruch absolut überzeugend unterstreichen. Vom Ruhm fast gänzlich ausgenommen ist allerdings die populäre Musik des späten 20. Jahrhunderts, wo Österreich, abgesehen von einer Handvoll Ausnahmen, kaum wichtige Akzente setzen konnte.

Wenn man bedenkt, daß sogar Island anerkannte Popgrößen wie Björk, Gus Gus, Sigur Ros oder neuerdings Gloss hervorbringt, könnte sich beim österreichischen Musikfan fast schon so etwas wie Neid oder gar Depression einstellen. Es ist aber fast noch deprimierender, daß ausgerechnet Belgien, das bekanntlich wehement für die letztjährigen EU-Sanktionen eingetreten ist und dessen Außenminister seinen Landsleuten ernsthaft nahegelegt hat, das Schifahren in Österreich zu unterlassen, da dies aufgrund der herrschenden politischen Lage unmoralisch sei und damit nicht nur bei Ex-Krone-Starkolumnist Staberl und seinen Lesern Verwunderung auslöste, also eben genau dieses Land nicht nur die formidable Formationen wie deus („Little Arithmetics", 1996; UK # 44) oder K’s Choice („Almost Happy", 2000) hervorbringt, sondern so nebenbei auch mit Soulwax eine der talentiertesten Bands des Kontinents vorweisen kann, die sogar immer wieder fälschlicherweise als Britpopformation schubladisiert wird?

Die überaus kreativen Köpfe dieses Quartetts sind die Brüder David und Stephen Dewaele, die nicht nur gelegentlich als DJs auf europäschen Tanzflächen für Furore sorgen, sondern bislang auch so unterschiedliche Interpreten wie Alex Gopher, Beastie Boys, Beck und die Einstürzenden Neubauten remixten.

Nach dem Achtungserfolg ihres Debutalbums „Leave The Story Untold" (1996) nahmen Soulwax 1998 teils im fernen Los Angeles, teils im heimischen Gent, unter der Leitung von Produzenten Dave Sardy, der als Referenz unter anderem seine Arbeit an dem Red Hot Chili Peppers-Album „Blood Sugar Sex Magik" (1991) vorweisen kann, ihr zweites Album „Much Against Everyone’s Advice" auf. Die Mischung aus kalifornischer Sonne und belgischer Tristesse dürfte sich äußerst positiv auf die Kreativität aller Beteiligten ausgewirkt haben, denn Resultat ist nicht mehr und nicht weniger als eines der besten Alben der 90er überhaupt.

Beweise gefällig? Die gibt es zur Genüge, nämlich sämtliche 14 facettenreichen Titel dieses Albums, für die sich die Gebrüder Dewaele meisterhafte Songs mit fast waffenscheinpflichtigen Ohrwurmmelodien und überaus originelle Texte einfallen haben lassen, für die die beiden eigentlich das Prädikat Lennon & McCartney der Beneluxstaaten verdienen würden.

Musikalisch greifen Soulwax nicht auf die im Britpop üblichen Quellen zurück, sondern orientieren sich hauptsächlich an den Spät-70er/Früh-80er-Heroen Elvis Costello, Squeeze oder XTC, was bei „Overweight Karate Kid", „Sunday" und „Proverbial Pants" fast unüberhörbar ist.

Natürlich sind die 90er an Soulwax nicht spurlos vorbeigegangen: So wie bei "The Salty Knowledge Of Tears" und „Funny" könnten Radiohead klingen, wären sie nicht in den Sumpf der Prä-Maturantenprogressivität gefallen und hätten sie nicht den zum Leidwesen vieler alter Radioheadfans immer mehr zur mansich-depressiven Heulsuse mutierten Thom Yorke als Leadsänger. Auch Blur wird hier das Fürchten gelehrt, denn der Titelsong, wäre der Ideale „Song 2"-Nachfolger, den Damon Alburn & Co. nie geschrieben haben und „Conversation Intercom" und „Too Many DJs" sind ohnehin eine Klasse für sich. Dasselbe gilt für die großartigen Balladen „When Logics Die", „Flying Without Wings", „More Than This", Temptlingly Yours", „Scream" und „More Than This", die guten Gewissens als zeitlose Meisterwerke eingestuft werden können.

Außergewöhnlichster Titel ist zweifellos der von einem Streichquartett getragene „My Cruel Joke", an dem Tracy Bonham, die Tochter des 1980 verstorbenen Led Zeppelin-Drummers mitgeschrieben hat und auch zum Mikrophon greift.

Aber nicht nur musikalisch brillieren Soulwax, sondern auch bei dem liebevoll gestalteten Booklet. Hier wurden ähnlich wie beim Video von Cornershops „Brimful Of Asha" (1996; UK # 60), alte Singlecover entsprechend adaptiert, was nicht nur für Plattensammler optisch äußerst ansprechend wirkt. Die verwendeten Platten stammen übrigens aus der Sammlung von Zaki Dewaele, dem Vater der Dewaele-Brüder, der in den späten 60ern den Status eines belgischen John Peels hatte.

Als wäre das nicht genug, bietet das Album auch noch mit einem originellen Multimediateil mit einem überaus originellen, einem alten Synthesizer nachempfundenen Multimediaplayer und als Draufgabe gibt es noch das herrlich oldschoolmäßige PC-Game „Soulvaders".

Trotz all der genannten Zutaten könnten man meinen, „Much Against Everyone’s Advice" sollte eines der wichtigsten und erfolgreichsten Alben der 90er sein, aber die Realität holt den Soulwaxfan auf den harten Boden der Realität zurück: Weder das Album, noch die ausgekoppelten Singles „My Cruel Joke" (1998), „Conversation Intercom" (2000; UK # 65; 2001; UK # 50)", „ Much Against Everyone's Advice" (2000; UK # 56) und „Too Many DJ’s" (2000; UK # 40) erhielten trotz begeisterten Pressestimmen und Wiederveröffentlichung nicht die ihnen zustehende Aufmerksamkeit bei den Plattenkäufern.

Daran konnte leider auch ihre bei zahlreichen Festivals erworbene ausgezeichnete Livereputation nichts ändern, wo sie ihre Fans immer wieder mit gelungenen Coverversionen, deren Sprektrum von Nik Kershaw’s „Wouldn’t It Be Good" (1984; A # 13, D # 2, UK # 4, US # 46) über Prince’ „Pop Life" (1985; D # 65, UK # 60, US # 7) bis hin zu T. Rex' „Children of the Revolution" (1972; A # 1, D # 4, UK # 2) reicht, überraschten.

Auf dem Frontcover des Albums sieht man die von Krimis bekannten mit Kreide gezeichneten Umrisse einer Leiche, an derem Kopfteil ein Kopfhörer liegt, was natürlich den Schluß zuläßt, daß das vermeintliche Opfer der begeisterte Hörer dieses großartigen Albums zu sein scheint, denn hier gilt: 14 Killer, No Filler.

In einer besseren Welt würden Soulwax am Popolymp zumindest einen platz neben Travis oder Blur einnehmen einnehmen. Allerdings kann aber jeder für uns mit dem Kauf von „Much Against Everyone’s Advice" seinen persönlichen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Musik (9,5/10)
Cover (9/10)

Location/Date:
Fischers Music & Chronicle, 11.04.01

Exklusiv für
Deftones - Back To School (Mini Maggit) (2001, CD)

Location/Date:
noize.cc, 08.03.01

Exklusiv für :
BS 2000 - Simply Mortified (2000, CD)
Neil Michael Hagerty - Neil Michael Hagerty (2001, Promo-CD)

Taproot - Gift (2000, CD)

Als am 8. März 2001 mit Taproot, Linkin Park und den Deftones gleich drei hochkarätige Vertreter des Nu Metals in der Wiener Libro Music Hall gastierten war das für mich nicht nur in musikalischer Hinsicht ein Highlight, sondern auch deshalb, da an diesem Tag mein Debut als Interviewer für noize.cc feiern durfte und mit Taproot eine knappe Viertelstunde plauderte, was man hier nachlesen kann.

Taproot, die trotz etlicher Inkludierungen auf Soundtracks und diverser einschlägiger Compilationen bislang nicht über den Status als ewiger Geheimtip nicht hinausgekommen sind, setzen im Gegensatz zu Nu Metal-Größen wie Papa Roach, Korn, Limp Bizkit, Slipknot und eben Linkin Park inhaltlich nicht plakativ auf die typischen Teenagerprobleme und üblichen Krawallattacken , sondern bewegen sich auf einem deutlich höherem Level: Komplex strukturierte Songs mit anspruchsvollen Texten, geringere Elektronikeinsprengelungen als bei Linkin Park, der manchmal doch irgendwie weinerliche Gesang von Sänger Stephen Richards, der oftmals zwischen wütenden Zornausbrüchen und Wohlklang pendelt und letztlich der Sound der Band, den man irgendwo zwischen Deftones und Faith No More einreihen kann, alles das entwickelt seine Wirkung erst nach mehrmaligen Hören und beginnt sich, gemäß dem Bandnamen, schon bald in den Gehörgängen des anspruchsvolleren Nu Metal-Hörer zu verwurzeln.

Der vollständige Titel ihres Albums lautet" Yesterday Is A History, Tomorrow Is A Mystery And Today Is A Gift". Ein durchaus brauchbarer sozialkritischer Ansatz, denn viele der meist jugendlichern Nu-Metal Fans sind sich meist nicht bewußt, das die Zeit, in der sie Leben, tatsächlich ein Geschenk ist und ihr Lebensstandard keineswegs selbstverständlich ist. Nachdenken kann in Zeiten wie diesen sicherlich nicht schaden und Taproot hätten sich für diesen Gedankenanstoß zumindest mehr Aufmerksamkeit verdient. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

(7/10)

Location/Date:
Altwaren Müller, Wiener Neustadt, 03.03.01

Sergio Mauri - La Cosa Piu Bella (1969?, Single)

Die detusche Übersetzung dieses Titel heißt „Süßes Ding“, was auf dem Coverfoto optisch äußerst gelungen umgesetzt wurde. Weniger schmackhaft ist dagegen die wahrlich schauerliche gesangliche Darbietung des völlig zu Recht unbekannt gebliebenen Sergio Mauri und es ist sicherlich kein Zufall, daß sein Name nicht einmal auf dem Cover aufscheint ...

Song (0/10)
Cover (9/10)

Soundtrack "Engelchen" (1968, Single)

Mein Wissen über den Film „Engelchen" hält sich eher in Grenzen, was aber nicht weiter tragisch ist, da für diese Homepage ohnehin nur der Soundtrack von Belang ist.

Verantwortlich dafür zeichnet der französische Jazzer Jacques Loussier, der von „Play Bach", einem Album mit „poppigen" Bearbeitungen von Bach-Stücken, Mitte der 60er für Fuore sorgte und davon einige Millionen Exemplare absetzte. Bei „Engelchen" (1968; D # 37) geht er allerdings weder jazzig noch klassich ans Werk, sondern greift bei diesem Uptempo-Spät-60er-Instrumentaltitel, der stellenweise an britische Instrumentalcombos wie den Shadows erinnert, in die Orgeltasten.

Auf der Rückseite versucht sich die hierzulande unbekannte französische Schauspielerin Sophie Damier an einer nicht uninteressanten Mischung aus verruchten Chanson und Bossanova Namens „Femme, Femme", das sicherlich gut auf eine der unzähligen Lounge-Compilation passen würde.

Bleibt nur zu hoffen, daß der dazugehörige Film irgendwann im Fernsehen wiederholt wird, damit man sich auch neben dem Ton auch ein Bild vom „Engelchen" machen kann.

Engelchen (7/10)
Femme, Femme (6/10)

Location/Date:
Libro Fischapark, Wiener Neustadt, 24.02.01

Deee-Lite - Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities (CD)
Everything But The Girl - The Best Of (CD)
Armand Van Helden - Da Club Phenomena (2CD)
Soundtrack - That Thing You Do! (MC)

Deee-Lite – Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities (1996, CD)

Mit „Groove Is In The Heart (1990; A # 25, D # 17, UK # 2, US # 4) kreierte das aus Lady Miss Kier, Supa DJ Dmitri und DJ Towa Towa bestehende Dancefloor-Trio Deee-Lite einen der wichtigsten und facettenreichsten Tanzflächenfüller der 90er, der auch nach über einem Jahrzehnt kaum Staub angesetzt hat. Wie viele andere Danceacts konnten aber auch sie nie mehr an diesen Erfolg anschließen und so war nach der Nachfolgesingle „Power Of Love" (1990; D # 43, UK # 25, US # 48) der Zauber des Deelight-Grooves wieder vorbei.

Auf der retrospetiven Remix-Compilation „Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities" versuchen sich Remix-Größen wie Todd Terry, Carl Craig & Ian Pooley an Material aus Dee-Lites gelungenem Debutalbum „World Clique" (1990) als auch aus den eher mißlungenenen und mitunter auch.überambitionierten Alben "Infinity Within" (1992) und „Dewdrops In The Garden" (1994). Im Gegensatz zu unzähligen anderen eintönig dahinplätschernden Remixalben kann man das Ergebnis durchaus als gelungen bezeichnen, denn hier wird in den meisten Fällen das ursprünglich eher mäßige Ausgangsmaterial zu hochkarätigem House- oder Drum’n’Bass-Diamanten geschliffen.

Am besten funktionieren „D.M.T" im raffinierten DJ Silver & Supa DJ Dmitry Remix, „Call Me" im Method One-Drum’n’ Bass Remix und das interessante und fast schon an Massive Attack erinnernde „ Say Ahh .." im DJ Ani- Remix. Herausragend auch der R & B-Track „I Won’t Give Up", der einen guten Beweis für die musikalische Bandbreite von Deee-Lite liefert und Appetit machen sollte, nicht nur in „Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities", sondern auch in ihre regulären Alben zumindest mal reinzuhören.

(6/10)

Various Artists – Da Club Phenomena - The Remixes Of Armand van Helden (1997, 2CD)

Bis vor kurzem hatte Van Helden noch Hits wie das auf dem Gary Numan-Klassiker "Cars" (1980; D # 40, UK # 1, US # 5) basierenden "Koochy" (2000, UK # 4), "You Don't Know Me" (1999; UK # 1) oder "The Funk Pheomena", (1997, D # 55, UK # 38). In harten Zeite wie diesen war das seinem Label jedoch eine zu magere Ausbeute, weshalb er Anfang dieses Jahres gefeuert wurde.

"Da Club Phenomena" ist eine interessante Werkschau 16 seiner Arbeiten, wobei das Spektrum der Künstler respektive der Songs, die über Van Helden’s’ Mischpult gingen, einigermaßen verblüfft, denn es reicht von Faithless ("Insomnia"; 1995; UK # 27; 1996; A # 5, D # 2, UK # 3) bis hin zu Ace Of Bass ("Living In Danger";1994; D # 23, UK # 18, US # 20). Den bei weitem ertragreichsten Remixauftrag konnte er mit Tori Amos’ "Professional Widow" (1997; D # 38, UK # 1) an Land ziehen.

Van Helden’s Remixes zeichnen sich nicht wirklich durch Innovation aus, sondern hauptsächlich durch kräftiges Drehen durch den Club-Remixfleischwolf, was vielen Songs interessante Nuancen beschert. Allerdings übertreibt er manchmal mit seinen Mischpultspielereien und zieht sie unnötig und mit einer Überdosis Monotonie in die Länge. Bestes Beispiel dafür ist der 13 Minuten sich dahinziehende "Armand’s Crazy Trauma Mix" von Barbara Tucker’s "Stay Together" (1995, UK # 46), der eindeutig die zeitliche Schmerzgrenze überschreitet, beim Hörer aber glücklicherweise eher zu Müdigkeit als zum Trauma führt.

"Da Club Phenomena" ist nicht wirklich phänomenal, aber zumindest die Ausgabe von 20 Schilling wert …

(6/10)

Location/Date:
Noize.cc, 21.02.01

Exklusiv für :
Fun Lovin' Criminals - Loco (Promo) (2001, CD)

Crime Doesn’t Always Pay. Das mußten Huey, Fast & Steve, unsere 3 zumindest im Popbusiness beliebtesten Deliquenten aus New York spätestens mit ihrem letztem Album "Mimosa" (1999) erkennen, auf dem sie sich unter anderem des Verbrechens schuldig machten, unschuldige Rocksongs wie etwa Ozzy Osbourne’s „Crazy Train" oder ältere Eigenproduktionen wie „Scooby Snacks" zu pseudocoolen oder wie es korrekt laut FLC-Neusprech heißen sollte, „schmooven" Lounge/Easy Listening-Versionen zu verarbeiten oder gemeinsam mit Echo & The Bunnymen-Boss Ian McCulloch eine Grabschändung an Frank Sinatras „Summerwind" zu betreiben.

Leider war aber einerseits der Loungezug schon längst abgefahren und das laue Ergebnis bestensfalls mit einem Glas Mimosa (dabei handelt es sich übrigens um einen Cocktail, Rezept gibts für Interessierte auf Anfrage) erträglich. Strafmildernd ist aber, daß es sich bei „Mimosa" um eine Kuriositätensammlung von B-Seiten und bisher unveröffentlichten Material handelt und somit das 1998 erschienene „100 % Columbian" als das letzte „echte" Album der FLC zu betrachten ist, das ganz im Zeichen des kontroversiellen Albumtitels stand und auf dem sie auch den bewährten Beischlafanimator Barry White mit dem Titel „Love Unlimited" huldigten. Mit der Coolness, Abwechslungsreichtum und dem hohen Spaßfaktor des fulminanten Debutalbums „Come Find Yourself" konnte es aber bei weitem nicht mithalten.

Um sich im harten Musikbusiness besser zu positionieren und der Globalisierungsfalle zu entgehen, mußten Konsequenzen folgen: Zunächst wurde Drummer Steve durch Ex-Bad Brains-Schlagwerker Maxwell Jayson ersetzt, der sich fortan „Mackie" nennen muß und vermutlich hierzulande zumindest seinem Künstlernamen nach sicherlich der bekannteste FLC werden dürfte, da man damit hauptsächlich mit einer amerikanischen Fastfood-Kette assoziieren dürfte. Danach studierte man ausgiebigst das musikalische Schaffen offenbar vorwiegend zweitklassiger großteils britischer Bluesrockformationen und Funkbands, zog sich aber auch einige Punkrock- und Countryalben rein, schielte nebenbei darauf, was sich so in den aktuellen Charts abspielte und überlegte sich effektive Promotionideen.

Erstes Ergebnis war der raffinierte Streichzug, den Titelsong des neuen Albums in einer Werbung einzusetzen, was bekanntlich für dieVerkaufszahlen selten ein Nachteil ist, wie die Erfolge von Levi’s Commercials schon immer wieder bewiesen haben. Die Idee ist umso genialer, da es sich um eine Bierwerbung handelt und damit nicht nur Fans der FLC, sondern auch Biertrinker, Biernichttrinker und anonyme Alkoholiker auf die Band aufmerksam wurden. Musikalisch gesehen klingt „Loco" wie ein Song, der bei der Zusammenstellung für Carlos Santanas maßlos überschätztes und viel zu oft verkauftes Album „Supernatural" unter den Tisch gefallen sein könnte: Netter 70s-Midtempo-Groove, je eine Prise Funk und Latinrock und vor allem das brilliante Gitarrenriff haben zumindest in England dazu gereicht, in den dortigen Charts bis auf Platz 5 zu klettern.

Als weiteres Resultat der Neupositionierung versuchen die FLC auf dem gleichnahmigen Album eine möglichst große Bandbreite an populären Stilen einfließen zu lassen. Wie sich aber in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, kann das ziemlich in die Hosen gehen, da diese Mischung zumeist unausgegoren wirkt und diesen Eindruck gewinnt stellenweise leider auch auf „Loco".

Bereits der Opener „Where The Bums Go", ein erschreckend plumper Punkrocksong, den nicht einmal Blink 182 in ihr Repertoire aufnehmen würden, wirkt völlig deplaziert. Danach geht es in bewährter FLC-Manier weiter, was in großteils spärliche Verwendung von Samples und durchaus authentischen 70er-Jahre Arrangements resultiert. Allerdings kann die Qualität des Songswritings nicht immer mit der Produktion mithalten und sowohl die immer wiederkehrenden platten Gangsterplatitüden, versetzt mit mit jeder Menge Drogenbezügen als auch Hueys vokalmäßige, zeitweise enervierende Coolness vermögen nicht wirklich zu überzeugen, die Ironie bleibt auf der Strecke und alles in allem wirken manche der Songs schlichtweg monoton und unspektakulär.

Wie oben schon angedeutet, hat der Funk, den die FLC hier abliefern, eher britischer als amerikanische Wurzeln: So dürften bei „Run Daddy Run" und der Eric B. & Rakim-Coverversion „Microphone Fiend" die 70er Jahre-Britfunker Stretch („Why Did You Do It") oder Average White Band („Pick Up The Pieces") Pate gestanden haben, wobei man allerdings nicht einmal an diese Vorbilder herankommt und die Songs bei größten Wohlwollen höchstens so funky wie ein Käsebrot erscheinen. Auch die Disco/Dancefloor-orintierten „The Biz" und „Bump" kommen trotz ihrer ironischen Lyrics auch nicht über Mittelmaß hinaus. Den Hip-Hop-Anteil des Albums erfüllt der Hidden Track „Kill The Bad Guy", wo Old-School-Hip-Hop auf Herb Alpert in dessen „Bullish"-Phase trifft und dabei das Titelthema vom "Paten" intoniert. Für unter Schlaflosigkeit leidende bieten die FLC, wenn auch ungewollt, schwere Geschütze auf: „Underground" klingt wie ein Albumtrack von einem frühen Dire Straits-Album und wirkt dementsprechend einschläfernd und scheint sich schier endlos dahinzuziehen. Ähnliches gilt für „She’s My Friend", daß aber zumindest einige nette Hooks und Countrygitarreneinsprengsel hat, womit wir schon bei den starken Countryeinflüssen gegen Ende des Albums sind. Diese entpuppen sich aber bei „Dickholder" als überflüssiger, unorigineller Uptempo-Country-Rock und „Little Song" ist eine beklemmend schlechte Countryschnulze.

Glücklicherweise gibt es aber auch gute Momente der Platte, die allerdings erst nach dem x-ten Durchlauf ihre Wirkung erzielen: Die Ballade „Half A Block" klingt, als würden Air auf Jazzfunker Roy Ayers treffen, „Swashbucklin’ In Brooklyn" mit seinem „Superhero"-Refrain und das atmosphärische mit Wah-Wah-Gitarre gespikte „My Sin" dürften die besten Chancen auf kommende Singleauskoppelungen haben.

Der interessante Titel des Albums ist aber zweifelos das Instrumental „There Was A Time", das zunächst sehr an den besten Moment von „Mimosa", nämlich der ihrer Coverversion des Climax Blues Band-Hits „Couldn’t Get It Right" erinnert. Getragen wird der Song aber von dem Sample von einer zumindest bis jetzt nicht zu identifizierenden Countrysängerin gesungenen Ballade, das derart meisterlich eingesetzt wird, wie es seit Portishead niemand mehr gelungen ist, als sie auf ihrem Meisterwerk „Dummy" Johnnie Ray’s „I’ll Never Fall In Love" in den Titel „Biscuit" einfließen haben lassen.

Der Geist der späten 70er, der nahezu über dem gesamten Album schwebt, macht „Loco" zwar zu einem einigermaßen unterhaltsamen Album für all jene, der musikhistorischer Background nach 1980 endet, aber alle anderen wirft es nicht wirklich vom Hocker, plätschert doch so mancher Track uninspiriert vor sich hin und erinnert bisweilen an Rückseiten so mancher 70er Jahre-Funksingles, die wegen Belanglosigkeit nur ein einziges Mal auf dem Plattenteller rotierten.

Zum Einstieg in die World Of Crime der FLCs ist daher ihr Debutalbum „Come Find Yourself" zu empfehlen, wo neben der bekannten, von „Pulp Fiction" inspierierten Hitsingle „Scooby Snacks" auch die allesamt brillianten Songs „The Fun Lovin’ Criminal", „Scooby Snacks", Bombin’ The L ", „King Of New York" „Bear Hug", „Methadonia", „Come Find Yourself" und „Crime & Punishment" erfrischende Coolness versprühen, die auf „Loco" leider nur zur Pose degradiert wurde.

(5/10)

Location/Date:
Virgin, 16.02.01

Agnelli & Nelson - Everyday (MCD)
Semisonic - Secret Smile (MCD)
Zombies - She’s Not There/Leave Me Be (MCD)
Magnetic Fields - 69 Love Songs (3 CD)

Agnelli & Nelson - Everyday (1999, MCD)


Stammhörern von Dave Pearce’s „Dance Anthems" auf BBC Radio 1 (jeden Sonntag 20-22 Uhr) dürfte dieses irische DJ-Duo nicht ganz unbekannt sein und konnte in England bereits mit „El Nino" (1998; UK # 21), Everyday (1999; UK # 17), „Embrace" (2000; UK # 35) und „Hudson Street" (2000; UK # 29) einige Charterfolge feiern, was doch einigermaßen bemerkenswert scheint, da die meisten dieser Dancefloorprojekte nicht über das Stadium von One-Hit-Wondern hinauskommen. Prinzipiell handelt es sich hier um Mainstream-Trance mit den obligaten Zutaten wie weibliche Vocals, einer netten Ohrwurmmelodie und den allseits bekannten Effekten, aber zumindest klingt es mit einigen Ambientanklingen speziell beim „Original Mix" um einiges kreativer als das Gesamtwerk von Gigi D’Agostino, aber das sollte kein Qualitätskriterium sein.

(6/10)

Semisonic - Secret Smile (1998, MCD)


Zu den unzähligen amerikanischen Alternative Rockbands, die sich in den letzten jahren über kurzfristige Erfolge freuen können, zählen auch Semisonic. Stammhörern der leider Mitte letzten Jahres eingestellten American Top 40 mit Casey Kasem, wo man immer wieder Platten gespielt wurden, die man in Österreich kaum hören geschweige denn kaufen , können sich vielleicht noch an ihren Hit „Closing Time" (1998; US # 6; 1999; UK # 25) erinnern. Hierzulande wurde das Trio aus Minneapolis aber erst mit dem von FM4 forcierten, großartigen „Secret Smile" (1999; UK # 13) so richtig populär. Die beiden anderen auf dieser Single befindlichen Titel „Completly Pleased" und „Erotic City" können sich auch durchaus hören lassen, sind aber nicht ganz so gelungen wie etwa der letztjährige, bereits 1996 auf ihrem Debutalbum "Great Divide" erschienene FM4-Radiohit "Delicious". Es bleibt abzuwarten, ob Semisonic an diese Erfolge anschließen kann, denn üblicherweise zeigen rund 60 % aller Alternative Rock-Bands nach einem erfolgreichem Album und dem damit verbundenen Tourstress Zerfallserscheinungen.

Secret Smile (8/10)
Completly Pleased (6/10)
Erotic City (5/10)

P.S.:

Nur eine Woche, nachdem ich diese Rezension geschrieben habe, steigen Senisonic mit der Single "Chemistry" in den britischen Charts auf Platz 35 ein. Somit zeigen sich wie oben angedeutet glücklicherweise noch keine Zerfallserscheinugnen bei Semisonic ...

Zombies - She’s Not There/Leave Me Be (1995, MCD; Original Release 1964)


Für viele Fans gelten die Zombies als eine der wichtigsten und unterschätzten Bands der 60er. Obwohl sie nicht ganz erfolglos waren hatten sie nie den kommerziellen Erfolg und den Stellenwert, der ihnen trotz ihrer qualitativ hochstehenden Produktionen zustand. Vermutlich lag es daran, daß ihrer Zeit einfach zu weit voraus waren, denn ihre Songs waren großteils für damalige Verhältnisse relativ komplex strukturiert und im Gegensatz zu anderen Beatgruppen meist mehr von Melancholie als von Fröhlichkeit geprägt.

Bereits ihre Debutsingle „She’s Not There" (1964; UK # 12, US # 2), Jahre später gecovert von Santana (1977; UK # 11, US # 25), hat alle Ingredienzien, die für die Musik der Zombies charakteristisch waren: Oftmalige Tempowechsel und interessante Percussuioneffekte, das Orgelspiel von Keyboarder Rod Argent und den mitunter dramatischen Gesang von Colin Blunstone. Diese Mischung kam vor allem bei einer Vielzahl von amerikanischen Garagenbands gut an, denn waren für viele waren die Zombies einflußreicher als etwa die Beatles oder die Kinks.

„Leave Me Be" (1964), die Nachfolgesingle zu „She’s Not There" ist meiner Meinung nach noch gelungener als der Erstling, aber leider dürften die Plattenkäufer den Titel zu wörtlich genommen haben. Der danach veröffentlichten Single „Tell Her No" (1965; UK # 42, US # 6) erging es etwas besser, aber dann war es vorerst mit den Erfolgen vorbei.

Nachdem sich keine ihrer Platten nenneswert verkaufte, löste sich die Band Ende 1967 auf. Einige US-Radiostationen hielten jedoch immer noch große Stücke auf die Zombies und da ganz speziell auf deren letzte Single „Time Of The Season" (1969; US # 2), die sich neben „Tell Her No" zu ihrem 2. amerikanischen Millionseller entwickelte.

Leider war auch dieser Erfolg nur kurzfristig und schon bald das Schicksal der Zombies besiegelt. Nach ihrer endgültigen Auflösung gründete Keyboarder Rod Argent seine eigene Rockformation Argent, die mit „Hold Your Head Up" (1972; UK # 5, US # 4) und „God Gave Rock’n’Roll To You" (1974; UK # 18) zwei veritable Hits landete. Letzterer Titel dürfte vermutlich Kiss-Fans nicht ganz unbekannt sein, da sie diesen Titel coverten und so ihren bislang letzten nennenswerten Erfolg landeten. (1992; A # 16, D # 9; UK # 4). Auch Sänger Colin Blunstone versuchte es auf eigene Faust: Unter dem Pseudonym Neil MacArthur nahm er „She’s Not There" (1969; UK # 34) neu auf, unter eigenem Namen gelang ihm mit „Say You Don’t Mind" (1972; UK # 15) ein Hit und das letzte Gastspiel in den Charts feierte er als Gastsänger von Dave Stewart (nicht der von den Eurythmics, sondern der mit „It’s My Party" (1981; A# 2, D # 3, UK # 1 ) mit einer Coverversion des Jimmy Ruffin-Klassikers „What Becomes Of The Broken Hearted" (1981; UK # 13). Seither herrscht auch bei ihm plattenmäßige Funkstille.

Für wen bislang der einzige Zugang zur exzellenter Popmusik der 60er das aktuelle Beatles-Albums „1" gewesen ist, für den lohnt es sich garantiert, auch mal in die Welt der Zombies hineinzuhören.

She’s Not There (7/10)
Leave Me Be (8/10)

Magnetic Fields - 69 Love Songs (2000, CD)


Animiert von den Lobeshymnen über „69 Love Songs" und dem FM4-Powerplay von „Long-Forgotten Fairytale" hörte ich mich im örtlichen Megastore durch die Erste der 3 CDs und war sofort von der Vielfalt an Stilen, guten Texten und eingängigen Melodien einigermaßen überrascht.

Verantwortlich für die 69 Liebeslieder für alle Gelegenheiten und Stimmungen, die sich über 180 Minuten erstrecken, ist der New Yorker Songwriter Stephen Merritt, der nach den Future Bible Heroes und 6ths mit Magnetic Fields ein weiteres Projekt ins Leben gerufen hat. Hätte er mit seiner sonoren, oftmals an Leonard Cohen erinnernden Stimme auf allen 69 Titeln gesungen, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr groß, das sich Eintönigkeit und Fadesse breit gemacht hätten. Glücklicherweise hat Merritt für sein ehrgeiziges Mammutprojekt zahlreiche unbekannte, aber umso talentierten Gastsänger und -innen engagiert, deren Vokalleistungen „69 Love Songs" zu einem erstaunlich facettenreichen Album machen.

Fast so vielfältig wie das Thema Liebe sind die Stimmungen als auch die Stile, in die Merritt brilliant und authentisch die 69 Songs verpackt hat. Die Bandbreite reicht von a cappella, sparsam nur mit akustischer Gitarre oder Klavier arrangierte Miniaturen und Songskizzen über Country, New Wave, irische Folksongs, Experimentelles, Früh-80er Elektropop der Marke OMD, zahlreiche Julian Cope-Kopien bis hin zu Jazz und Kammermusik.

Bei diesem umfangreichen stilistische Spektrum ist es fast logisch, daß nicht alle der 69 Titel den Geschmack des Hörers treffen und jeder sicherlich seine eigenen Favoriten hat. Hier sind meine (CD/Track) :

I Don’t Believe In The Sun (1.2)
All My Little Words (1.3)
A Chicken With It’s Head Cut Off (1.4)
Reno Dakota (1.5)
I Don’t Wanna Get Over You (1.6)
Come Back From San Francisco (1.7)
The Luckiest Guy On The Lower Eastside (1.8)
Let’s Pretend We’re Bunny Rabbits (1.9)
The One You Really Love (1.15)
Punk Love (1.16)
Sweet-Loving Man (1.22)
When My Boy Walks Down The Street (3.2)
Very Funny (2.5)
No One Will Ever Love You (2.7)
If You Don’t Cry (2.8)
Long-Forgotten Fairytale (2.15)
Kiss Me Like You Mean It (2.16)
Underwear (3.1)
It’s A Crime (3.2)
I’m Sorry I Love You (3.4)
The Death Of Ferdinand de Saussure (3.6)
Yeah! Oh Yeah! (3.10)
I Can’t Touch You Anymore (3.16)

Es wäre sicherlich nicht uninteressant, ob meine Lieblingstracks auch mit denjenigen all jener übereinstimmen, die „69 Love Songs" bereits besitzen oder vielleicht gar aufgrund dieser Kritik gekauft haben. Entsprechende Zuschriften werden gerne veröffentlicht!

(8/10)

Location/Date:
Libro Euro City, 26.01.01

Various Artists - Formel 1 (2 CD)
Various Artists - Halbstark (CD)
Various Artists - Summervybes (2 CD)
Various Artists - This Year’s Love (2 CD)

Auf den ersten Blick handelt es sich hier nicht gerade um für den anspruchsvollen Musikfreund empfehlenswerte Compilations, aber dennoch ist nicht nur die Tatsache, daß samtliche hier aufgelistete CDs um 20 öS quasi verschenkt wurden, Kaufanreiz genug.

Auf diesen Sampler verstecken sich beispielsweise einige Titel, die ich schon länger gesucht habe. „Formel 1" beinhaltet das auf „Get Down Tonight" von KC & The Sunshine Band (1975; UK # 21, US # 1) basierende „Bamboogie" von Bamboo (1998; UK # 2) und den grandiose NuSoul-Groover „My Love Is The Shhh!" von Somethin’ For The People (1997; D # 24, UK # 64, US # 4). „Summer Vybes" bietet den Reggae-Smash „Compliments On Your Kiss" von Red Dragon (1994, UK # 2), „This Year’s Love" mit „5 Miles To Empty" von Brownstone (1997; UK # 12, US # 39) gediegenen Girlgroup-Soul und „Halbstark" kann mit dem grandiosen Twistschlager „Steiler Zahn" von den noch grandioser benannten Oliver Twist & The Happy Twisters (1962; D # 47) aufwarten.

Der Rest auf diesen Scheiben ist meist Kommerz-Dancefloor von brauchbar bis unerträglich, Mainstream-Hip-Hop und normales Chartsfutter, aber zumindest wie nahezu alle ähnlichen Sampler ein interessantes Zeitdokument, das beweist, wie schnelllebig das Popgeschäft nun mal ist, da die meisten der Interpreten, die vor nur wenigen Jahren überaus populär waren, bereits komplett vergessen sind.

Various Artists - Formel 1 (5/10)
Various Artists - Halbstark (6/10)
Various Artists - Summervybes (6/10)
Various Artists - This Year’s Love (6/10)

Location/Date:
Fischer Music & Chronicle, 19.01.01

J.J.Barnes, Steve Mancha & Darrell Banks- The Sound Of Detroit (CD)

Location/Date:
Saturn Milleniumcity, 05.01.01

Various Artists - House Of Pain Vol. 2 (CD)
Various Artists - No Boundaries – A Benefit For The Kosovar Refugees(1999, CD)


Mittlerweile dürften die meisten von uns die schrecklichen Bilder des Balkankrieges verdrängt haben und sich kaum noch daran erinnern, welche Flüchtlingsströme damals unterwegs waren. Als die Erinnerung daran aber noch frisch war und die Spendenbereitschaft noch vorhanden, wurde der Sampler „No Boundaries" veröffentlicht, auf dem 17 Stars aus dem Alternative-Rock-Genre zugunsten der Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten bzw. für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen" bislang unveröffentlichtes Material zur Verfügung stellten.

Sicherlich bekanntester Titel dieses Albums ist „Last Kiss" von Pearl Jam. Ursprünglich nur als akustisches Präsent für die Mitglieder des offiziellen Pearl-Jam-Fanclubs gedacht, entwickelte sich diese Coverversion eines legendären Klassikers und gleichzeitigen One-Hit-Wonders von J. Frank Wilson & The Cavaliers (1964; US # 2) zum größten Hit der Band (1999; UK # 42, US # 3). Grundsätzlich handelt es sich bei diesem Song um eine der schlimmsten Schnulzen der Musikgeschichte, aber dennoch verkörpert sie wie kaum eine Single die Unschuld und Biederkeit der späten 50er und frühen 60er, wo die beherrschenden Themen in der Popmusik Liebe, Herz und Schmerz waren und kaum Spuren von Sozialkritik oder Politik vorhanden auftauchten. Das dürfte auch Eddie Vedder & Co.dazu verleitet haben, „Last Kiss" auf diese Benefiz-Platte zu bannen und die Band macht den hierzulande gänzlich unbekannten Oldie zu einem der Songs, bei denen man in Zukunft beim hören automatisch in das Jahr 1999 zurückversetzt wird, vermutlich aber kaum mehr an den Balkankrieg denken wird. Pearl Jam steuern mit einer Liveversion des Arthur Alexander-Songs „Soldier Of Love" auch gleich einen zweiten Titel bei.

Wo es um die Kombination von Politik und Rock geht, können auch die Polit-Alternativerocker Rage Against The Machine nicht weit sein und sie präsentieren hier ihre Coverversion des Bruce Springsteen-Titels „The Ghost Of Tom Joad". Anläßlich ihres Auftritts beim Sundance Festival 1997 auf der Wiener Donauinsel, wo sie im Vorprogramm von Prodigy spielten, hörte ich den Titel erstmals und rätselte ich lange Zeit, wie der besagte Song nun wirklich heißt, da sie ihn bislang nur live spielten und auf keiner Platte zu finden war. Im gegebenen Fall handelt es sich allerdings nicht um die auf dem unlängst erschienen „Renegades"-Album enthaltene Live-, sondern um die rare Studioversion.

Auch die restlichen 15 Titel sorgen dafür, daß sich der Kauf von „No Boundaries" nicht nur aus moralischen, sondern auch aus musikalischen Gründen lohnt. So präsentieren Alanis Morissette („Baba") und Neil Young mit dem passend betitelten „War Of Man" Liveversionen ihrer Songs und Korn („Freak On A Leash"), Black Sabbath ("Psycho Man") und die Manic Street Preachers („She Is Suffering") liefern Remixes ab.

Herausragend sind aber auch das großartige „Leather Jacket" von den Ben Folds Five, das instrumentale Funkmunster „Wolf In Sheep’s Clothing" von Jamiroquai und die Akustikballade „Take Me Away" von Oasis.

Es ist nur schade, daß es immer einer derartigen Tragödie bedarf, daß solche verborgenen Schätze veröffentlicht werden.

(8/10)

Location/Date:
Libro Mariahilferstraße, 04.01.01

Des Mitchell - Welcome To The Dance (1999, MCD)


Ibiza ist bekanntlich nicht nur ein spanischer Mittelklassewagen oder der Titel des gleichnamigen Hits des kürzlich verstorbenen deutschen Schlagerstars Ibo (1985; D # 42), sondern vor allem die Partyinsel schlechthin, die während der Sommermonate vornehmlich von britischen Tanzwütigen bevölkert ist und das Cafe Del Mar sollte nicht nur Insidern ein Begriff sein, ist doch eine ganze Chillout-Compilationreihe danach betitelt. Bedingt durch diese Popularität überschwemmen zahllose House-, Techno- und Trancehits die englischen Charts.

Zu den letzteren zählt „Welcome To The Dance" des englischen DJs Des Mitchell (2000; UK # 5), das nach dem bewährten Trance-Strickmuster, das erstmals erfolgreich von Chicane mit „Offshore" (1997; D # 34, UK # 14) angewendet wurde und seither nahezu identisch geblieben ist: Andeutung einer Melodie, das charakteristische Keyboard, die ewig gleichen Beats usw.

So gesehen ist „Welcome To The Dance" alles andere als ein abwechslungsreicher Dancefloorklassiker, aber zumindest kann man es sich 4 nicht sonderlich originellen Remixes lang anhören und der ORF den Titel zum Zusammenfassen der Highlights von Skiübertragungen verwenden.

(5/10)

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