Wien-Geschichte des öffentlichen Verkehr

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Liesing - Kalksburg

Da die Ortschaft Kalksburg eine beträchtliche Strecke von den nächsten hochwertigen Verkehrsverbindungen entfernt lag, bemühte man sich insbesondere um eine verbesserte Verbindung mit Liesing. Im Jahre 1897 waren die Planungen für eine schmalspurige elektrische Kleinbahn von Liesing nach Breitenfurt schon weitgediehen und wurden auch von einer Kommission positiv behandelt, doch wurde dieses Projekt trotzdem nicht verwirklicht. 1906 suchte Leo Dietz um eine Befürwortung für eine Autobuslinie von Liesing über Rodaun und Kalksburg nach Altmannsdorf an, hatte damit aber keinen Erfolg. Auch eine Obuslinie von Hetzendorf nach Kalksburg wurde nicht verwirklicht.

Am 22. Mai 1908 wurde die Obuslinie von Klosterneuburg nach Weidling eröffnet. Da die örtliche Situation in Kalksburg derjenigen in Weidling sehr ähnlich war, befasste sich der Gemeinderat von Kalksburg mit diesem System. Daraufhin wurde ein "Verkehrsausschuss zur Erbauung einer elektrischen Bahn" gegründet, in den Bürgermeister Josef Weber und die Gemeinderäte Gustav Welk und August Bauer gewählt wurden. Der Bürgermeister stellte dann einen Antrag zur Erbauung einer "elektrischen Oberleitungsbahn" vom Bahnhof Liesing über die Breitenfurter Straße zur neuen Liechtensteinbrücke in Kalksburg, wo die Garage errichtet werden sollte. Der Gemeinde Liesing stellte man frei, die Linie bis Atzgersdorf oder Altmannsdorf zu verlängern. Je nach finanzieller Beteiligung wäre sie dann Miteigentümer und an den Einnahmen beteiligt.

Es folgten dann noch diverse Beschlüsse über Bauaufträge, Tarife, Haltestellen, Beförderungsbedingungen usw. im Gemeinderat. Unter anderem wurde das Rauchen erlaubt, die Mitnahme von Hunden aber verboten. Die 3.8 km lange Obuslinie wurde dann nach drei Monaten Bauzeit am 17. Juli 1909 mit einem großen Fest mit zahlreichen Ehrengästen eröffnet. Die Baukosten betrugen 140.000 Kronen. Zu diesem Zweck gewährte die "Zentralbank der deutschen Sparkassen" einen Kontokorrentkredit. Die Stromversorgung erfolgte aus dem Wiener Hochspannungsnetz, denn in Kalksburg gab es zu dieser Zeit noch überhaupt keinen Strom(!). Bei der Eröffnung waren drei rot-weiß lackierte Obusse mit Radnabenmotor vorhanden, kurz darauf folgte noch ein weiterer. In den Bussen gab es auch Posttransport.

Obus in Pötzleinsdorf
Obus auf der Fahrt nach Liesing

Der Betrieb lief eigentlich recht gut an (pro Tag wurden durchschnittlich 450 Personen befördert), doch konnte die Gemeinde die Betriebskosten trotzdem nicht decken. Daher kam es noch 1909 zu einer Fahrpreiseröhung, und 1910 folgte schon die nächste. Außerdem versuchte man, mit Werbung in Bus und auf Fahrkarten zu mehr Geld zu kommen, von einem aktiven Betrieb konnte aber keine Rede sein. Weiters machten ständig Pläne für konkurrierende Autobuslinien Probleme, die sowohl von Privaten als auch von anderen Gemeinden wie Breitenfurt und Laab im Walde beantragt wurden. Der Kalksburger Gemeinderat lehnte diese selbstverständlich ab.

Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs nahmen die Schwierigkeiten natürlich noch zu. Durch den Kauf von Hinterradreifen wendete man eine Betriebseinstellung aber gerade noch ab. Allerdings gab man zwei Busse an das k.u.k. Kriegsministerium ab, weil für diese ohnehin keine Reifen vorhanden waren. Da man den Kontokorrentkredit zwar mit 7% Zinsen pro Jahr verzinst, aber nicht getilgt hatte, wurde vom Kriegsministerium gefordert, die Wagen wieder in gutem Zustand zurückzugeben sowie die Zinsen zu übernehmen. Mit vielen Problemen konnte der Betrieb bis zum Ende des Krieges durchgeführt werden, doch erzwangen Motorschäden, fehlende Reifen (zuletzt hatte man eisenbereifte Holzspeichenräder verwendet) und andere nichtvorhandene Materialien am 15. September 1918 die Einstellung des Betriebs.

Die Zentralbank machte das Anbot, den Kontokorrentkredit in ein Kommunaldarlehen umzuwandeln, was der Gemeinderat auch am 6. Oktober annahm. Zu Beginn des Jahres 1919 gelang es, aus vorhandenen Teilen wieder ein Fahrzeug zusammenzubasteln und damit am 15. März den Betrieb aufzunehmen. Dazu mussten auch die Fahrpreise stark erhöht werden. Nach einer Strompreiserhöhung im August kam es zu einer weiteren Fahrpreiserhöhung. Am 8. Jänner 1920 beschloss der Gemeinderat daher, die Obuslinie auf Autobusbetrieb umzustellen. Zu diesem Zweck wurden von Saurer zwei Autobuschassis gekauft, die mit Karosserien von den Obussen versehen wurden. Dafür musste die Gemeinde Kalksburg bei der Zentralbank neuerlich ein Darlehen in der Höhe von 400.000 Kronen aufnehmen. Dieser Autobusbetrieb war aber auch kein Erfolg und am 1. Oktober 1920 wurde er eingestellt. In der Folge besorgten die Verbindung mit Kalksburg verschiedene andere Unternehmer, ab 1920 wurde sie von der Post übernommen.

Die ehemalige Garage in der Jakob-Sommerbauer-Straße besteht heute noch.

Obus in Pötzleinsdorf
Heutiger Zustand der ehemaligen Obusgarage


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