Bericht von der letzten Vorstellung am
14. Jänner 2000
Besetzung:
Joseph: Hannes Muik
Erzählerin: Lucy Thould
Pharao: Paul Kribbe
Jacob / Potiphar: Peter Färber
Judah: Norman Stehr
Simeon: Ramesh Nair
Brüder: Mariano Carlini, Ruben Heerenveen, Simon Eichenberger, Ronnie
Wagner, Marcus Tesch, Ruben Gabira, Mathias Bitterlin, Torsten Björn Schmidt,
Mariusz Bocianowski;
Ein paar Sekunden nach 18 Uhr erklangen am 14. Jänner 2001 die ersten Klänge der Overture zu "Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat" im Raimundtheater. Was einige der Besucher nicht wussten, es sollte zum letzten Mal sein.
Mit noch größerer Begeisterung als sonst wurde Lucy Thould bei ihrem Erscheinen auf der Bühne empfangen und die Tatsache, dass mitten im Intro von "Any Dream Will Do" Hannes Muiks Auftritt bejubelt wurde ließ wahrscheinlich auch bei den letzten "Uninformierten" den Glauben schwinden, dass es sich um eine ganz normale Vorstellung handeln würde.
Einige nannten es in der Pause übertrieben, aber sind wir uns ehrlich, nach so vielen Shows in denen sich dieses junge Ensemble in die Herzen der (oft noch jüngeren) Zuschauer gespielt hat, ist es doch geradezu verständlich, dass man von "Jacob and Sons" am dem ersten Auftritt der Brüder, vor lauter Beifall und Jubel im Publikum, nur noch erahnen konnte, was die Darsteller auf der Bühne sangen. Außerdem gab es bei "Jacob and Sons" auch noch kleine Eistüten für die Chorkinder.
Das nächste große Highlight stellte "One More Angel In Heaven" dar. So wurden im Publikum unzählige Taschentücher gezückt um Joseph ein letztes Mal zu winken oder Knicklichter geschwenkt, als die Brüder auf der Bühne mit ihre Feuerzeuge auspackten. Viele meinten nach der Show, "Close Every Door To Me" wäre in der Vorstellung vom 13.Jänner viel trauriger gewesen als in der vom 14. Aber eines ist sicher am Sonntag hat sich Hannes Muik praktisch selbst übertroffen und den deprimierten Joseph wirklich überzeugend gespielt.
Für die letzte Nummer vor der Pause hatte sich Marcus Tesch etwas Besonderes einfallen lassen, er variierte sein Solo als Bäcker und schloss es, nicht wie sonst üblich mit einem tiefen, sondern mit einem wunderbar getroffenen hohen Ton ab. Auch bei der Tanzszene sollte sich gegenüber der anderen Vorstellungen etwas verändern. Bäcker und Kellner, die sonst hinter der Bühne verschwinden, traten diesmal mit Beifall begleitet nochmals auf um die Gruppe zu verstärken.
Zu Beginn des zweiten Akts warteten wohl schon alle gespannt auf den Auftritt des Pharaos und, wie sollte es auch anders sein, Paul Kribbe präsentierte sich in Bestform und ließ uns noch ein letztes Mal nachdenken, ob es nicht doch sein könnte, dass Elvis noch lebt. Von Beifall begleitet sang er den "Song Of The King" und auch Ronnie Wagner wurde mit Szenenapplaus bedacht, als ihm vom Pharao befohlen wurde seinen Platz vor der Stiege wieder einzunehmen.
Eine Frage, die sich sicher einige Zuschauer bereits vor dem Beginn des Stücks stellten war :" was würde Ramesh Nair bei 'Those Canaan Days' verändern?" denn dass er das Lied einfach nur herunterspielen würde war dann doch sehr unwahrscheinlich. Ob jemand mit dieser Einlage gerechnet hatte oder nicht, kann ich beim besten Willen nicht sagen, aber bejubelt wurde sie auf jeden Fall. Anstatt wie sonst üblich dem Dirigenten nur ein Zetterl mit der Telefonnummer zuzustecken und mit ihm zu flirten, holte er diesmal eine Peitsche aus der Versenkung hervor und setzte einen traumhaften lasziv-verstörten Blick auf. Als Norman Stehr wie üblich sein "Canaan Boulevard" schmetterte öffnete Ramesh die Abdeckung am Bühnenboden nochmals um "seinen Bruder" wissen zu lassen: "Also das will ich von dir nie wieder hören!" Doch auch die Zuschauer hatten für ein Special gesorgt und unterstützten Simon Eichenberger mit lautem Getröte bei dem Versuch alle an die tollen Partys der vergangenen Zeit zu erinnern.
Der nächste Darsteller, der für seine Sololeistung mit viel Beifall bedacht wurde war Norman Stehr, der gewohnt souverän seinen "armen kleinen Bruder mit kräftiger Stimme verteidigte, und das Publikum zum mitswingen brachte. Als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab und "Wunder gibt es immer wieder" anstimmt sangen bereits viele Zuschauer lautstark mit. Während der lange Applaus nach "Any Dream Will Do" langsam zu verebben begann bereiteten sich die Schauspieler hinter der Bühne bereits auf das definitiv letzte Highlight, den "Megamix" vor.
Als das Ensemble auf die Bühne zurückkehrte wurde es mit Standing ovations empfangen und die gesamte Nummer von Beifall begleitet. Kurz nach dem Auftritt das Pharaos tanzten Werner Sobotka und Kim Duddy in Anzügen wie ihn der Pharao trug, auf der Bühne. Während des zehnminütigen Schlussapplauses, bei dem auch "ehemalige Brüder" auf der Bühne erschienen, wurden immer wieder Rufe nach einer Zugabe laut, aber vom Ensemble nicht erhört. Während des ganzen Schlussapplauses wurden Hunderte von Teddybären und Blumen auf die Bühne geschossen.
Erst nachdem der Vorhang bereits zum zweiten Mal gefallen war, die Darsteller aber nochmals auf die Bühne kamen um sich zu verabschieden, stimmten sie eine a cappella Version von "Go, Go, Go Joseph an und forderten das Publikum auf mitzusingen. Danach fiel der letzte Vorhang für "Joseph" im Raimundtheater.
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