Naturwissenschaft – Naturphilosophie
Neurobiologische Untersuchungen über Nahtoderfahrungen sind unter Medizin sowie unter Schröter-Kunhardt angegeben. Wir beschränken uns deshalb auf zwei darüber hinausgehende Fragestellungen:
1. Beitrag der Nahtodforschung zur quantenphysikalischen Erweiterung der Neurobiologie.
Der amerikanische Anästhesist und Neuroforscher Stuart Hameroff (vgl. www.consciousness.arizona.edu/hameroff) hat die These aufgestellt, dass
Erkenntnisse über die Verschränkung von Lichtteilchen (im Sinne des Einstein-Podolsky-Rosen-Experiments) zur Erklärung außersinnlicher Wahrnehmung in Außerkörpererfahrungen (OBE) beitragen können. Das steht im Zusammenhang mit quantenphysikalischen Studien zum Bewusstsein und zur Entwicklung von Quantencomputern. Eine Festigung dieser Theorie ist wünschenswert. Man kann hoffen, dass ihr experimentelles Gegenstück, eine Untersuchung von bisher nicht neurobiologisch erklärbaren Wahrnehmungen im OBE, wie sie gegenwärtig in 25 englischen Kliniken anläuft (www.datadiwan.de/SciMedNet/library/artclesN75+/N76Parnia.nde.htm) erfolgreich sein wird. Beides wäre ein fundamentaler Beitrag zur quantenphysikalischen Erweiterung der – bisher hauptsächlich an neuronalen Netzen orientierten – Neurobiologie.
2. Beitrag zum Leib-Seele-Problem.
Ein Kernstück dieses Problems ist in der hirnbiologischen und naturphilosophischen Diskussion durch die Frage gegeben, inwiefern „Geist“ oder „Seele“ des Menschen unabhängig von einer Bindung an die neuronalen Netze existieren können. Die Frage liegt noch vor dem religionsphilosophischen oder theologischen Problem einer Fortexistenz des menschlichen Ich über den Tod hinaus. Bei ihrer Klärung nehmen empirische Studien über Nahtoderfahrungen eine Schlüsselrolle ein. In Verbindung mit den oben genannten quantenphysikalischen Untersuchungen sind Denkmodelle gefragt, die den problematischen Interaktionismus im Sinne von John C. Eccles ersetzen. Vgl. hierzu: J.C. Eccles/ K. Popper „Das Ich und sein Gehirn“, München 1996 und G. Ewald “Die Physik und das Jenseits. Zur naturwissenschaftlichen Denkmöglichkeit einer individuellen Fortexistenz nach dem Tod“, in: Hans Kessler (Hg.) „Auferstehung der Toten. Ein Hoffnungsentwurf im Blick heutiger Wissenschaften“, WBG 2004 sowie www.prof-dr-ewald.de, ferner H. Atmannspacher „Quantum theory and consciousness: An overview with selected examples“ in „Discrete Dynamics in Nature and Society 2004, 51-73 http://dx.doi.org/10.1155/S102602260440106X
G. Ewald
|