Engagierte Zärtlichkeit

Engagierte Zärtlichkeit

Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

von Andreas Frank
Internet-Version © 1997


 
9. Kapitel: Makroperspektive - Gesellschaftspolitische Aspekte von Sexualität

Der seelische Konflikt durch verdrängte Sexualität ist ein Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft mit ihren Institutionen / Sexualität in der Lehre: "Eigentlich ist es etwas zärtliches" / Die Auseinandersetzung mit Sexualität in der dritten Schulklasse / "Für Homosexuelle ist das Private politisch !" Lesben- und Schwulenpolitik im Deutschen Bundestag durch Parlamentsdebatten und das Programm "Emanzipation und Gleichberechtigung" für Lesben und Schwule / Kommunale Gleichstellungsstellen und Gleichstellungspolitik für Lesben und Schwule / Coming-Out am Arbeitsplatz: Gar nicht so fremd - Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in der Chef-Etage / Marketing und Werbung für schwule Paare: "Nie waren sie so wertvoll wie heute" - Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als Traummarkt / 25 Jahre Lesben- und Schwulenbewegung in Deutschland / Informationsteil
Ausblick / Epilog: Fürbitten und Segen für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften: "Gott, hilf, die sexuelle Existenz zu zelebrieren !" / Anhang: Aktuelle englischsprachige Auswahlbibliographie Abbildungsnachweise wichtige Adressen / Zusammenfassung der seit vielen Jahren bekannten Forschungsergebnisse

 

FRANK, ANDREAS: Engagierte Zärtlichkeit - Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften
Ein Sach- und Lesebuch der Sozialforschung über die sozialen Dimensionen
von Empfindung, Liebe, Identität, Partnerschaft, Familie, Kirche, Ehe
und Homosexualität - Internet-Version © 1997

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Der seelische Konflikt durch verdrängte Sexualität ist ein Konflikt
zwischen dem Individuum und der Gesellschaft mit ihren Institutionen

Gesellschaftliche Repressionen behindern die freie Entfaltung der Anlagen des Menschen nur zu oft. Herbert Marcuse beschreibt in seinem Werk Triebstruktur und Gesellschaft, daß der seelische Konflikt durch verdrängte Sexualität ein Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft mit ihren Institutionen ist (Marcuse 1979:195f). Ein nicht vollzogenes Coming-Out eines gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen darf also nicht als persönliches Problem individualisiert werden, sondern bedeutet eine Form der strukturellen Gewalt, die nach Johan Galtung (aaO) ganau dann vorliegt, wenn die gesellschaftliche Situation die Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit des Individuums einschränkt. Somit bedeutet eine Emanzipation des Individuums auch immer die Pflicht für den Menschen, sich auf gesellschaftspolitischer Ebene zu engagieren, um die Faktoren und Institutionen, die es lange an der Entwicklung gehindert und gehemmt haben, zu verändern.

Die Durchsetzung von Freiheit kann dabei durch eine aktive, politische Öffentlichkeitsarbeit auf gesamtgesellschaftlicher Ebene erreicht werden. Auch ist dies durch eine integrierte selbstverständliche Lehre über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für die heranwachsende Generation als Aufklärungsanspruch eines gesamtgesellschaftlichen Engagements erreichbar. Die Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sollen daher in die Schullehre (aber auch: Schulfernsehen), in Weiterbildungsangebote für Berufsgruppen sowie in Konzepte der pädagogischen Aufklärungsarbeit integriert werden - der "Baum der Erkenntnis", von dem Herbert Marcuse unter Verweis auf Kleist und Schiller spricht, muß von unseren Pädagogen und Lehrern zunächst überhaupt gepflanzt werden.


Sexualität in der Lehre: Eigentlich ist es etwas zärtliches -
Die Auseinandersetzung mit Sexualität in der dritten Schulklasse

Daß gleichgeschlechtliche Gefühle beglückend sein können, daß gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in positivem Licht dargestellt werden, kommt nun zaghaft in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zum Ausdruck. Die Frage ist: Wie können wir sich lesbisch oder schwul entfaltende Kinder und Jugendliche in dieser Gesellschaft in ihrem Erwachsen werden positiv unterstützen ? Wie erfüllt die Schule ihre Aufgabe nach § 1 des Schulgesetzes, "alle wertvollen Anlagen der Kinder und Jugendlichen zur vollen Entfaltung zubringen ?î (vgl. z.B. die Schulordnung von Berlin oder Hilgers 1995).

Detlef Mücke kommt zu dem nüchternen, aber Engagement und Motivation provozierendem Ergebnis: "Für Jugendliche, die ihr lesbisches und schwules Coming-Out haben, gibt die Schule unzureichend Hilfestellungen und versagt total, die `wertvollen Anlagen von Kindern und Jugendlichen´, nämlich das Suchen, Bejahen und Leben der eigenen Sexualität und der damit verbundenen gleichgeschlechtlichen Lebensweise `zur vollen Entfaltung zu bringen´î (aaO:79).

Im Prozeß des Ahnens, des Entwickelns und Akzeptierens ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Persönlichkeit und Identität, fühlen sich junge Lesben und Schwule von Pädagogen, Lehrern, aber auch Eltern und Freunden alleingelassen: Die Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben, ihre Integration und Umsetzung der gleichgeschlechtlichen Lebensweise im Elternhaus und Freundeskreis werden in der Schule kaum angesprochen, es sei denn, sie haben zufällig einen aufgeschlossenen Lehrer, der sie stärkt und ihnen Mut macht.

Schulgesetze sind oft sehr allgemein gehalten. Sie regeln nicht so sehr alle Details des Lebens, sondern legen viel eher Rahmenbedingungen fest. So wie die Bibel einer Auslegung bedarf; es eine breite Diskussion und viel Literatur über den Verfassungsanspruch und die Verfassungswirklichkeit des Grundgesetzes gibt; es Gesetzeskommentare gibt - so sind auch Schulgesetze interpretierbar.

Die Schulgesetze müssen dahingehend geändert und interpretiert werden, daß auch die sexuelle Orientierung und soziale Lebensorganisation sich lesbisch oder schwul entfaltender Kinder und Jugendlicher als eine wertvolle Anlage zur Entfaltung zu bringen ist - durch die Schule und ihre Pädagoginnen und Pädagogen.

In das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde und der Gleichberechtigung der Geschlechter sind alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Lebensweise, einzubEZIehen. Die Anerkennung einer grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen, die Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung und die Anerkennung der Notwendigkeit einer fortschrittlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse gilt auch für gleichgeschlechtlich empfindende Menschen und Paare. Dabei sollte die Entwicklung zum Humanismus, zur Freiheit und zur Demokratie nach wesentlichen gesellschaftlichen Bewegungen, d.h. auch nach der Lesben- und Schwulenbewegung, ihren Platz in der Lehre finden.

Basierend auf dem Gleichheitsartikel des Grundgesetzes ist für die Schule ein Beschluß "Gleichberechtigung in der Schuleî wie folgt umzusetzen:

a) Im Unterricht ist zu vermitteln, daß Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, ihrer Lebensweise, ihrer Nationalität oder Herkunft zu bewerten sind. Unter Lebensweise verstehen wir z.B. alleinerziehende Elternteile, Leben in Wohngemeinschaften, unverheiratet zusammenlebende Paare und auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften etc., die nicht wertend dargestellt werden sollen.

b) Insbesondere Schulbücher müssen darüberhinaus der Vielfalt von Lebensentwürfen und Lebensweisen Rechnung tragen.

Neben der wertfreien, positiven Sach-Aufklärung der Kinder durch die Lehrer/innen ist es insbesondere den Pädagogen selbst durch die Bereitstellung von Schulbüchern und Aufklärungsmaterialien zu ermöglichen, eine Realitätsbeschreibung durch den Lehrstoff geben zu können, die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften selbstverständlich berücksichtigt. Die Darstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften und ihrer sozialen Dimensionen müssen daher in Rahmenplänen, Schulbüchern und Medien integriert werden.

Nordrhein-Westfalen forderte z.B. bereits schon 1974 auf der Kultusministerkonferenz, daß bei der Behandlung der gleichgeschlechtlichen Liebe und deren Sozialaspekte die veränderte soziale Lage zu beachten sei. Insbesondere seien auch die neueren Erkenntnisse der Sozial- und Sexual-Wissenschaft zu berücksichtigen. Der Abbau von Vorurteilen und die Achtung der Sexualität von Menschen sei auch dann erforderlich, wenn sich diese vom eigenen und gewohnten Sexualleben unterscheidet. Gleichgeschlechtlich orientierte Sexualität sei als "Zuneigungs- und Lebensform darzustellenî wurde allerdings erst 1987 verschriftlicht. In den 90er Jahren schließlich finden wir aber beispielsweise in dem brandenburgischen Rahmenplan "Politische Bildungî folgende Ausführung: "Thema: Freundschaft und Liebe - Formen und Probleme individueller Lebensgestaltung" mit den inhaltlichen Unterpunkten: "Die erste Liebe, heterosexuelle und homosexuelle Lebensgemeinschaften, Treue, etc. ...î

Die sozialen Aspekte von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind in der Schule also nicht mehr nur auf den Biologieunterricht und die Sexualaufklärung beschränkt. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sollen in jedes Schulfach integriert werden. Hierzu sind entsprechende Konzepte zu erarbeiten - die bei den Rahmenplänen der Schulordnungen ansetzen: denn auch hier ist es eine "strukturelle Dimensionî, daß Lesben, Schwule, ihr Leben und ihre BEZIehungen im Schulbereich zu wenig vorkommen.

Neben den Gesetzen sind aber natürlich auch engagierte Lehrerinnen und Lehrer gefordert, die Rahmenpläne ändern und einen zeitgemäßen Unterricht gestalten, um die Entwicklungschancen "ihrerî Kinder und Jugendlichen und letztlich der Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Aufgrund dessen, daß Rahmenpläne bisher so allgemein gehalten sind, kann jede/r Lehrer/in im Rahmen der Eigenverantwortlichkeit für den Unterricht auch zeitgemäße und emanzipatorische Ansichten und Texte in den einzelnen Unterrichtsfächern behandeln. So ist es auch zulässig und notwendig,

·        im Deutschunterricht: gleichgeschlechtliche Liebe zu thematisieren,

·        im Englischunterricht: z.B. lesbian und gay movement als Bürgerrechtsbewegung zu diskutieren,

·        im Sozialkundeunterricht: Vorurteile nicht nur Ausländern, sondern auch anderen Minderheiten gegenüber wie gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zu diskutieren, die Schwulenbewegung als "soziale Bewegungî oder die Integrationsfrage als Systemintegration von Minderheiten zu diskutieren,

·        im Religionsunterricht: Hochzeitsrituale in der Kirche zur Trauung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zur Diskussion zu stellen.

·        im Geschichtsunterricht: ist nicht die Frage: Wie behandelte die "Geschichteî gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, sondern was ist (und sind) die Geschichte(n) der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften (z.B. Geschichte der Schwulenbewegung) die zentrale Fragestellung im Geschichtsunterricht. Es muß Wissen über die Geschichte männlicher und weiblicher Homosexualität erworben werden, ohne dabei gleichgeschlechtliche Liebe immer im Kontext von "Verfolgung" und "Diskriminierung" o.ä. zu stellen, sondern sie kann z.B. als Selbstverständlichkeit bei den Griechen der Antike dargestellt werden. Der geschichtliche Zugang ist somit auch ein gefahrenreicher, da Jugendlichen hier erstmals der Zugang zur kognitiven Kategorie "Homosexualität" meist mit einer negativen assoziativen Kopplung vermittelt wird. Dieses sollte jedoch mit einer positiven Konnotation im Mikrobereich der persönlichen Entwicklung (wie schön die Zärtlichkeit zu zweit ist) geschehen, und nicht durch eine Makroperspektive der Gesellschaftssanktionen gegen die Liebe. Die Behandlung im Fach Geschichte sollte daher erst dann erfolgen, wenn in anderen Fächern die gleichgeschlechtliche Liebe ausführlich behandelt wurde mit positiven assoziativen Besetzungen. Die Integration in das Geschichtsfach ist daher erst für Oberstufenschüler geeignet. Es müssen die Geschichten der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften erzählt werden, nicht wie "die Geschichte" mit Schwulen und Lesben verfahren ist. Zukunfts-Perspektiven der Integration von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind wichtiger als Diskriminierungen der Vergangenheit: Homosexualität ist als Thema für den Geschichtsunterricht daher eher ungeeignet,

·        im Kunstunterricht: homoerotische Aspekte z.B. bei Michelangelo hervorzuheben.

Neben neuen Rahmenplänen, engagierten Pädagogen werden aber auch neue Schulbücher benötigt. Klaus Schreiner kommentiert: "Was Schulbücher über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zum besten geben sind lediglich Unwissen und Vorurteileî (aaO).

Nur wenige Biologiebücher - geschweige denn Schulbücher im allgemeinen - versuchen in einer toleranten, verständnisvollen und positiven Weise die sozialen Thematiken der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zu erörtern und auf das mitschwingende Problem des Verständnisses in der Bevölkerung und den hieraus folgenden Schwierigkeiten in vielen Bereichen des Lebens Auskunft zu geben. Detlef Mücke kommt zu dem vernichtenden Urteil über Biologiebücher: "Gemessen an den Erkenntnissen der Sozial- und Sexualwissenschaft und den Forderungen einer emanzipatorischen Sexualerziehung und -aufklärung ist keines der derzeit zugelassenen Schul-, besonders aber Biologiebücher als geeignet anzusehenî (aaO:86).

Eine wesentliche Ursache für die fortwährende Tabuisierung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ist in der Tatsache zu sehen, daß es eine Wechselwirkung zwischen den Rahmenplänen und der Zulassung von Schulbüchern gibt. Schulbücher werden von den Kultusbehörden nur dann in einem ganz genau geregelten Verfahren zugelassen, wenn sie den Anforderungen der Rahmenpläne genügen. Da aber gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und Homosexualität in keinem Rahmenplan - außer im Fach Biologie als Sexualkundeunterricht - auftaucht, wagen auch fortschrittliche Schulbuchautor/innen und -verlage es nicht, Homosexualität und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zu thematisieren, da sie dann eine Nichtzulassung befürchten müssen. In einem Schriftwechsel zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissen (Berlin), vielen Schulbuchverlagen und der Senatsschulverwaltung wurde deutlich, daß jede Seite die Verantwortung für die Nichterwähnung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in Schulbüchern auf die andere Seite abwälzt. So schrieb beispielsweise der Schönigh-Verlag: "Sobald das Thema in den Lehrplänen mit entsprechender Gewichtung auftreten wird, werden wir auch in den Schulbüchern die notwendigen Materialien bereitstellen. Es gilt also, dieser Forderung Nachdruck zu verleihen !" (vgl. aaO). Um neue oder aktualisierte Lehrbücher zu schreiben wird also ein "Runder Tisch" aller Beteiligten benötigt: Autoren, Verlage, Schwule, Lesben, Politiker, Lehrer, Pädagogen, Schüler etc..

Aber nicht nur Schulbücher, sondern auch filmische Materialien, wie Schulfilme und Videokassetten müssen erst auf Initiativen hin von den Landesbildstellen angekauft werden.

Auch gibt es wenig systematische und methodische Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf ihre künftige sexualpädagogische Aufgabe - ganz gleich in welchem Unterrichtsfach. Hierzu muß die Didaktik-Disziplin Konzepte für die Lehrerweiterbildung und der Weiterbildung von angehenden, studierenden Lehrern entwickeln, da die - fachliche wie persönliche - Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich unzulänglich ist. Dies ist u.a. auch ein Grund dafür, daß Lehrer/innen aus Angst vor vorgestellten Konflikten mit Eltern, Schüler/innen und dem Kollegium sich eher an die Vermittlung von Fakten halten und es aus Unsicherheit weniger wagen, sich auf die emotionale Ebene der Erziehung beim Thema Liebe einzulassen.

Es wird aber auch deutlich, daß sich das gesellschaftliche Bewußtsein in der jüngeren Generation zugunsten einer positiven Einstellung gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften gegenüber gewandelt hat. Bezweifelt werden muß jedoch, daß Schulpolitiker und Oberschulräte in den Schulbürokratien die Untersuchungen zur Kenntnis nehmen, geschweige denn, sich mit den Ergebnissen überhaupt auseinandersetzen. Sie werden ihre eigenen Vorurteile und Ängste kultivieren und auf die Elternschaft übertragen, ihre eigene Unfähigkeit, sich mit den Erkenntnissen der Sozialforschung zu beschäftigen und daraus Konsequenzen zu ziehen, nicht wahrhaben wollen, und deshalb den vermeintlichen `Elternwillen´ als populistischen Schutzschild betrachten. Um Ruhe an den Schulen zu haben, wird das Gespräch mit den Eltern in den Gremien des Schulverfassungsgesetzes nur unzureichend gesucht.

Es gibt aber auch erste Ansätze, die verstärkt und ausgebaut werden müssen: Der Bildungssenat von Bremen hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit Arbeitsgemeinschaften von Eltern gleichgeschlechtlich empfindender Kinder und Jugendlicher eine Broschüre herausgegeben. Es gilt, an diese Erfolge anzuknüpfen, die bisher geleistete Arbeit fortzuführen und die Diskussion um die rechtliche, gesellschaftliche und soziale Integration lesbischer und schwuler Lebensgemeinschaften voranzutreiben. In diesem Sinne ist es notwendig, folgende Forderungen umzusetzen.

Die Impulse zur Umsetzung von Forderungen werden aber besonders (ebenso wie bei den Veränderungen in der Kirche durch schwule Pfarrer) in der Schule durch die engagierte Arbeit von Lehrern kommen, die selbst in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften leben. Dabei können gerade lesbische Lehrerinnen und schwule Lehrer ein gutes Vorbild für Schüler sein und ihnen gerade durch ein persönliches Engagement eine differenziertere Weltwahrnehmung eröffnen.


 
Zehn Forderungen der Lesben- und Schwulenbewegung
für die Bildungspolitik

1. Homosexualität ist von den Bildungspolitiker/innen als eine der Heterosexualität gleichwertige, gleichberechtigte und positive Lebensweise anzuerkennen und darzustellen.

2. Rahmenpläne sind dahingehend zu überarbeiten, daß sich nicht nur im Fach Biologie, sondern auch in den Fächern Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Politische Weltkunde, Fremdsprachen, Kunst, Musik und Religion die Vielfalt von Lebensentwürfen und Lebensweisen unter besonderer Berücksichtigung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wiederfindet.

3. In diesem Sinne sind auch alle Schulbücher und Medien zu revidieren und zu ergänzen bzw. neu anzuschaffen.

4. Vertreter/innen von Lesben- und Schwulenorganisationen sollen - so z.B. in Berlin gerade beschlossen, daß dieses obligatorisch ist - die Möglichkeit haben, als Referent/inn/en in der Schule Aufklärungsarbeit zu leisten. Bisher wurden die externen Multiplikator/inn/en von engagierten Lehrer/inne/n in den Unterricht eingeladen, um über ihre Lebensgemeinschaften zu informieren und Auskunft zu geben.

5. Der Beschluß der Kultusministerkonferenz zur Sexualerziehung aus dem Jahre 1968 ist entsprechend dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand und der Rechtslage neu zu fassen.

6. Lehrer/innen sollen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung zu jedem Fach zur Sexualerziehung und -pädagogik befähigt werden. Die bisherigen Angebote sind unzulänglich.

7. Aushänge von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen von Lesben und Schwulen in den Schulen sind zu genehmigen und unterstützen.

8. Aufnahme von lesbischer und schwuler (Jugend-)Literatur in Stadt- und Schulbibliotheken ist vom Lehrerkollegium anzuregen (vgl. Anhang).

9. Erstellen von Unterrichtsmaterialien und Merkblättern für Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern durch die Kultusminister in Zusammenarbeit mit den regionalen Lesben- und Schwulenorganisationen.

10. Bildungspolitik setzt auch eine an den Hochschulen vorangetriebene Forschung und Aufarbeitung des aktuellen Erkenntnisstandes über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für Studierende als spätere Multiplikatoren im Weiterbildungsmarkt und der Text-Produktion von aktueller Sachliteratur (z.B. Schulbücher für die Lehre) voraus. So gibt es beispielsweise bei der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung keine Publikation, die über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in angemessener (aktueller) Weise informiert. Hier wäre z.B. die Herausgabe eines Bandes in der vielfach in Schulen eingesetzten Reihe "Informationen zur Politischen Bildungî denkbar.

Quelle: Vgl. a. Mücke 1993:96


 
Dazu ist allerdings ein Bekenntnis des Lehrenden, in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu leben, notwendig. Wie sind jedoch die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler einzuschätzen, wenn bekannt ist, daß der Pädagoge schwul ist ? Vor allem fällt auf, daß sie es positiv bewerten, die Persönlichkeit des Lehrers besser kennenzulernen. Schülerinnen und Schüler sind eben nicht nur am "Unterrichtsbeamtenî, sondern an der Person des Lehrers interessiert. Ein Verstecken der eigenen Empfindungen hätte diese Erkenntnis und die damit verbundene intensivere Auseinandersetzung mit dem Lehrer und einem Teil seines Privatlebens verhindert. Schüler finden es anerkennenswert, daß die eigene Lebensweise und gleichgeschlechtliche Liebe zum Freund ihnen nicht vorenthalten wird. Ein Coming-Out eines Lehrers kann mit den Schülern z.B. wie folgt besprochen werden (vgl. a. f. Hansen 1993): Ein Lehrer informiert die Schülerinnen und Schüler seines Kurses in der Oberstufe des Gymnasiums auf einer Klassenfahrt darüber, daß er in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt: Um den Lehrer zu verabschieden, kam der Freund morgens mit zum Reisebus. Etwas später könnte dieser Lehrer seine Schülerinnen und Schüler etwa wie folgt befragen:

Lehrer: Seit wann wissen Sie, daß ich gleichgeschlechtlich orientiert bin und in einer schwulen Lebensgemeinschaft mit meinem Freund lebe, bzw. hatten Sie vorher bereits irgendeine Ahnung ? Falls ja, worauf begründete sich diese ?

Schülerin: Es ging schon als Gerücht herum, seitdem ich diese Schule besuche (ca. 2 Jahre). Viele sprachen davon, keiner aber wußte etwas Genaueres. Also, so richtig weiß ich das erst, seit Sie es selber erzählten.

Schülerin: Vor der Klassenfahrt habe ich das nicht gewußt, auch nicht geahnt. Irgendwann habe ich jemanden gefragt, ob Sie eigentlich eine Frau oder Freundin hätten, worauf der oder die, ich weiß es gar nicht mehr, nur ganz komisch, mit Betonung und einer blöden Handbewegung gesagt hat: "Der doch nicht !î, und ich wußte die Reaktion des Mitschülers gar nicht einzuordnen.

Lehrer: Wissen Sie noch, wie Sie innerlich reagiert haben, als Sie erfuhren, daß ich einen Freund habe ?

Schüler: Ich war ziemlich erstaunt darüber, daß Sie es für selbstverständlich hielten, daß wir dies alle wüßten. Auch fand ich es toll, daß Sie so offen darüber sprachen. Sie kamen mir anschließend auch vertrauter vor.

Schüler: Ich fand es toll, weil es für mich die erste Erfahrung mit solch einem Menschen war, ich habe zuvor noch keinen Lehrer bewußt als schwul wahrgenommen.

Schülerin: Ich hatte das Gefühl, es sei von Ihnen ganz schön offen, das zu erzählen, denn - so glaubte ich damals - als Lehrer einen Freund zu haben, das könne man sich gar nicht erlauben. Irgendwie habe ich mir dann aber auch überlegt, ob Sie die Jungen in unserem Kurs besser leiden mögen, was ja eigentlich aber quatsch ist.

Lehrer: Haben Sie Ihren Eltern von meiner Lebensgemeinschaft erzählt? Wenn nein, warum nicht ? - Wenn ja, wie haben diese reagiert ?

Schüler: Ich habe mit meiner Mutter darüber gesprochen nach dem Motto: Mal guck´n, wie die reagiert, und zu meinem Erstaunen hat sie dann gesagt, daß sie es gut findet, daß Sie uns das gesagt haben.

Lehrer: Bin ich eigentlich der erste, von dem Sie selber erfahren haben, daß er schwul ist ?

Schülerin: Ja, vorher kannte ich keinen Schwulen, habe es auch von keinem vermutet.

Schüler: Ja!

Schülerin: Ja, Sie sind der erste, von dem ich es persönlich erfahre, und ich finde es gut, daß Sie so offen darüber sprechen.

Lehrer: Würden Sie meinen, daß sich Ihre Einstellung in bezug auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften dadurch verändert hat, daß Sie mich kennengelernt haben?

Schülerin: Es ist gewiß naiv gedacht, aber ich meinte bisher, daß man es Schwulen ansieht, daß sie schwul sind.

Schüler: Doch schon, ein bißchen; meine Einstellung hat sich verändert. Ich fand es gut, daß Sie so offen damit umgehen, also, daß Sie gar nicht den Wunsch haben, das zu verheimlichen. Sicher, Sie tragen das nicht wie ein Schild vor sich her, was ja wohl auch reine Selbstdarstellung wäre. Mir hat es geholfen, gleichgeschlechtliche Liebe als etwas Selbstverständliches zu sehen.

Lehrer: Gehen Sie mit mir anders um als mit den Kollegen, die vermutlich heterosexuell orientiert sind ? Falls ja, welche Rolle spielt dabei meine Sexualität ?

Schülerin: Der Umgang mit Ihnen ist anders. Allerdings nicht aufgrund Ihres Schwulseins, sondern weil ich Sie mag. Ich bin an Ihnen als Person interessiert, auch an einer guten BEZIehung zu ihnen, was mir bei anderen Lehrern nicht wichtig ist.

Lehrerinnen und Lehrer, deren Persönlichkeit für Schülerinnen und Schüler erfahrbar ist, an der sie sich reiben und orientieren, an der sie sich abarbeiten können, erfüllen ihren ganzen Auftrag. Ihre Sexualität ist Teil ihrer Persönlichkeit, die Biographie durch den Prozeß des Akzeptierens gezeichnet. Sie haben Erfahrungen mit sich und anderen gesammelt und verarbeitet, die auch für ihr "Schulemachenî Bedeutung haben. Noch immer erfordert eben die eigene (Homo-)Sexualität eine besondere Auseinandersetzung mit der eigenen Person, Selbstreflexion und eine bewußte Beschäftigung mit sich und "der Weltî. Lehrerinnen und Lehrer sind eben nicht nur Fachfrau/mann für Unterricht und Erziehung, sondern auch Personen mit Vorzügen und Schwächen, ihren Biographien und deren Widersprüchen und Brüchen. Für Schülerinnen und Schüler ist die Erfahrbarkeit der Person von Lehrer/innen nicht nur Beiwerk oder Begleiterscheinung, die die eigentliche Aufgabe von Schule beeinflußt, sondern gerade das Charisma, von dem die Lehre lebt. Die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit Unterrichtsgegenständen ist gleichzeitig immer auch die Auseinandersetzung mit dem Medium: dem Lehrer, der Lehrerin.

Die lesbischen Pädagoginnen und schwulen Pädagogen sind in einer Situation, in der sie sich "zwangsläufigî während der Entwicklung ihrer gleichgeschlechtlich orientierten Identität mit Normen, Vorurteilen und der (Hetero-)Sexualität auseinandersetzen mußten, dabei ist "lesbische oder schwule Identitätî keine feste Größe, sondern ein ganz individueller Entwurf. Sie wird von jeder Lesbe und jedem Schwulen anders gefüllt, wandelt sich mit den durchlebten Erfahrungen und dem Umfeld, in dem sie oder er lebt.

Georg Hansen fordert daher lesbische Lehrerinnen und schwule Lehrer zu einem Coming-Out vor der Klasse auf, um die sozialen Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft als selbstverständlichen Unterrichtsgegenstand in die Lehrpläne durch engagierte Lehrkräfte und lesbische oder schwule Persönlichkeiten zu integrieren: "Die Erfahrbarkeit der Person eines schwulen Lehrers / einer lesbischen Lehrerin trägt nicht unwesentlich dazu bei, heterosexuellen Schülerinnen und Schülern einen unbefangenen Umgang mit Schwul- und Lesbischsein zu ermöglichen und gleichgeschlechtlich empfindenden Schülerinnen und Schülern, wenn auch aus der Distanz, die Selbstakzeptanz zu erleichtern !î(aaO:31).

Denn es gibt sie, die lesbischen Mädchen und schwulen Jungen in Schulen, Freizeiteinrichtungen, Vereinen - eben überall. Vielleicht sind sie nicht so leicht zu entdecken, die mit ihnen arbeitenden Pädagog/inn/en verschließen oft - bewußt oder unbewußt - ihre Augen vor dem "Anderseinî der lesbischen Mädchen und schwulen Jungen. Hier sind wir schon mittendrin in der Frage, was Pädagoginnen und Pädagogen tun können im Umgang mit sich entwickelnden, gleichgeschlechtlich empfindenden Jugendlichen.

Ausgangspunkt bei dieser Frage sind nicht - und das mag überraschen - die Mädchen und Jungen, sondern die Pädagoginnen und Pädagogen selbst und ihre sexuelle Identität. Gisela Strötges hat die Erfahrung gemacht, daß "wir Lesben uns selbst am meisten `im Wege stehen´ und daß offenes Auftreten am ehesten Integration erleichtertî(aaO:28). Mit dieser Erfahrung möchte sie allen Mut machen, offen aufzutreten.

Aber auch die heterosexuelle Lehrkraft könnte und sollte sich daher mit folgenden Aspekten auseinandersetzen:

·        Was sind meine Vor-Urteile, Meinungen, Schubladen, Wahrnehmungen von Lesben, Schwulen und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ? Wichtig ist, die Vor-Urteile zuzulassen, auszusprechen und sie nicht wegzudrängen, im zweiten Schritt dann aber das abzulegen, was nicht mit der sozialen Welt übereinstimmt.

·        Welche verinnerlichten Normen vom "üblichenî Leben trage ich in mir ? Kann ich mich von der Heterosexualität als einziger Lebensform lösen und anderes als gleichwertig zulassen ?

·        Wie ist das mit meiner Toleranz ? Es ist leicht zu sagen: "Ist schon in Ordnung wie Du bist, kein Problem.î Stimmt das wirklich ? Toleranz heißt ertragen, aushalten - mehr noch, Toleranz heißt nicht Duldung, sondern Anerkennung und Integration. Dabei geht es um das Erkennen, Aufdecken und Umgehen mit den Unterschieden, nicht um das Darüberhinwegsehen.

·        Was weiß ich von Lesben, Schwulen und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ? Bin ich bereit, mich darüber zu informieren, zu lesen, Lesben und Schwule nach ihrem Leben zu fragen ?

·        Was mache ich, wenn sich ein lesbisches Mädchen, eine erwachsene Frau in mich verliebt ? Reagiere ich mit Abweisung, gehe ich auf Distanz oder bin ich bereit, über die jeweiligen Gefühle zu sprechen ?

·        Wie gehe ich mit meinen eigenen gleichgeschlechtlichen Empfindungen um ? Sexualwissenschaftler/innen (angefangen bei S. Freund, A. Kinsey, C. Wolff, E. Haeberle u.a.) vertreten seit langem die Erkenntnis, daß Frauen und Männer - also jeder Mensch bisexuell veranlagt ist. D.h., auch jede heterosexuelle Lehrerin trägt ein Stückchen Lesbischsein in sich (vgl.aaO).

Wenn Pädagoginnen und Pädagogen einen Zugang zu dem Thema gefunden haben, aber ungenügende sachgerechte Lehrmittel finden, laden sie auch Schwule und Lesben in den Unterricht ein, damit diese selbst aus ihrem Leben erzählen. Aufklärung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften kann somit auch über Schulbesuche von externen Multiplikator/inn/en geschehen. Beispielsweise haben sich in Hamburg Pädagogen in einem Projekt vorbereitet auf die Aufklärung und Fortbildung von Multiplikator/inn/en der Jugendarbeit, auf Informationsvermittlung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für Jugendliche, sowie auf Gruppenangebote für lesbische bzw. schwule Jugendliche.

Besonders interessant sind die konkreten Projekte zur Aufklärung in Jugend- und Projektgruppen an Schulen: Ein erster Schritt der Arbeit von Jugendprojekten ist meist eine breit angelegte Öffentlichkeitskampagne in der Region. So wurde z.B. in Hamburg (vgl. Trampenau 1991) versucht, alle bestehenden Einrichtungen, die mit Jugendlichen zu tun haben, per Infoblatt über die Existenz von Aufklärungsberatung und das damit verbundene Angebot zu informieren. Daraus entstehen vereinzelte Anforderungen einer schriftlichen Selbstdarstellung oder Einladungen zur persönlichen Vorstellung der Projekte bei Verbänden (z.B. dem Landesjugendring). Längerfristig ergab sich daraus eine Reihe von Inanspruchnahmen des Multiplikatoren- bzw. Jugendinformations-Angebots wie z.B. der Besuch von Jugend- und Projektgruppen von Schulen, um vor Ort ihre Fragen zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zu klären, oder der Besuch von Lehrer/Berater, die den fachlichen Rat für ihren eigenen Umgang mit dem Thema in Anspruch nehmen etc..

Als wichtig sind diese Angebote vor allem deshalb einzuschätzen, da die sexualpädagogische Ausbildung von Lehrern und Jugendarbeitern ungenügend ist und meistens die Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften unzureichend berücksichtigt. Solange sich in deren Ausbildung nichts verändert, ist die effektivste Möglichkeit, über Lesben und Schwule aufzuklären, die direkte Information - durch die Betreffenden selbst. Im Bereich der Jugendgruppenarbeit wird daher verstärkt begonnen, Konzepte zur Sexualpädagogik in der Jugendarbeit zu entwickeln.

So werden Multiplikatoren auf Info-Veranstaltungen von Jugendverbänden zum Thema "Liebe, Sex und Partnerschaftî z.B. vom Bund deutscher Pfadfinder und dem Jugendrotkreuz eingeladen. Sie vertreten gleichgeschlechtliche Liebe als eine Variante menschlicher Lebensformen, die ein schwuler oder lesbischer Mensch leben können muß, um glücklich zu sein. Es wird der Ansatz vertreten, daß alle Pädagogen, alle Mitschüler die Möglichkeit haben sollen, gleichgeschlechtliche Liebe auf diese Art zu vermitteln. Damit helfen sowohl die eingeladenen Multiplikatoren, als auch die dann wieder neu ausgebildeten Multiplikatoren den lesbischen und schwulen Jugendlichen, klären auf und wirken an einer Veränderung der Normen für die Vielfalt menschlichen Lebens mit.

Erfahrungen mit Besuchen von oder bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 22 Jahren konnten v. a. im Rahmen von projektbezogenem Unterricht entweder zum Thema "Liebe, Sex und Partnerschaftî oder zum Thema "Integration von Minderheitenî gemacht werden. Die Jugendlichen können in den Hamburger Schulprojekten meist zwischen einem Besuch beim Familienplanungszentrum, bei der Aids-Hilfe, bei einem Prostituierten-Projekt und bei Intervention e.V. wählen. Viele Jugendliche entschieden sich für das Aufklärungsprojekt "Interventionî, nach Auskunft der Lehrer sprechen sie sich allerdings in Cliquen ab, v.a. die Jungen, um Lesben und Schwule von diesem Aufklärungsprojekt kennenzulernen:

"Die festgelegte Zeit von eineinhalb Stunden wird meist überschritten, daher wird bei Schulbesuchen die Pause durchgemacht oder auf Wunsch der Jugendlichen eine Stunde angehängt. Das Thema fasziniert sie. Sie haben schon viel über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften gehört, viele Jungen haben schon Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Gefühlen bzw. sexuellen Handlungen gemacht. Sie haben Vorurteile, Bilder im Kopf, die sie mit der Realität abstimmen wollen, wozu sie aber wenig Möglichkeiten und Informationen haben. In den Medien erfahren sie nichts, in den Familien werden meist auch nur Vorurteile vermittelt und allzu interessiertes Nachfragen erhöht die Vermutung, selbst als schwul eingestuft zu werden. Wie Schwule leben und wie sie sind und fühlen, ob die Vorurteile stimmen, wissen die Jugendlichen nicht.

Über Lesben gibt es nicht so viele Vorurteile, weil ihre Existenz noch weitgehend ignoriert wird. Aber das macht es für Jugendliche interessant, etwas über sie zu erfahren. Zu Beginn werden meist Informationen über das Leben von Lesben und Schwulen angeboten, die mit individuellen Beispielen gespickt werden. Von Interesse ist: Erkennen sich Lesben und Schwule auf der Straße ? Was sagen die Eltern dazu ? Wollt Ihr Kinder ? Gibt es eine Rollenverteilung bei lesbischen Paaren ? Wo treffen sich Lesben und Schwule ? Verlieben sich Lesben oder Schwule nie wieder heterosexuell ?

Durch die unterschiedlichen Antworten von Lesben und Schwulen aus Lesben- und Schwulensicht, durch die differierenden Vorurteile und Informationen zu Lesben und Schwulen kommt es fast automatisch zu einer (beabsichtigten) Diskussion. Die Jungen gestehen ihren Wunsch, auch mal weicher zu sein, nicht immer die Macker sein zu wollen, sehr viel eher ein, wenn ein Schwuler vor ihnen steht, der ihnen sagt, daß er froh ist, seine ganze Gefühlsvielfalt zeigen zu können, die er sich sonst verkneifen müßte. Die Mädchen fühlen sich ernstgenommen in ihren Bedürfnissen, weil eine Lesbe/Frau ihnen erzählt, daß es nicht zwingend auf den Penis ankommt, wenn Mädchen/Frauen Sexualität erleben wollen. Die Frage "Was machen denn Lesben im Bettî beantwortet mit "Alles was Du Dir wünschen und denken kannst, bloß ohne die paar Zentimeter Schwanzî wird von den Mädchen positiv verstandenî(aaO).

Es gilt, den Vorteil auszunutzen, daß diejenigen als Gäste eingeladen werden, denen man durch das persönliche Kennenlernen dann solidarisch entgegentritt. So ist die Schwelle, Gedanken zu äußern, die Jugendliche ansonsten, gerade zur Sexualität, für sich behalten, gesenkt. Die Jugendlichen solidarisieren sich schneller als man anfangs ahnt: Jungen mit dem Schwulen (teils auch mit den für sie, unerreichbaren und damit interessanten Lesben) und die Mädchen mit der Lesbe und dem Schwulen. Abhängig ist dies von der Altersstufe und der Schulform, wie hoch z.B. der Normendruck ist, tolerant zu sein. Es hängt auch sehr stark von der Bereitschaft der Lesbe/des Schwulen ab, offen auch auf persönliche Fragen zu antworten und über Sexualität zu reden. Noch nicht alle Lesben und Schwulen reden offen darüber, wie sie ihre gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft im alltäglichen Leben umsetzen.

Schulbesuche sind produktiv, wenn Schwule und Lesben bereit sind, sich den Jugendlichen mit ihren Fragen zu stellen und wenn die Jugend-/Schularbeit verbindliche Angebote/Programme hat, in denen die sozialen Belange von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften integriert werden. Dies ist v.a. an Schulen und in Jugendgruppenarbeit möglich. Ansonsten geht es um die Erarbeitung langfristiger Konzepte, die kontinuierlich eingearbeitet werden in die bestehende Arbeit. In der Schule bietet sich die Erarbeitung von Unterrichtseinheiten mit ausgesuchtem didaktischen Material an, spEZIell zu den Themen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften in gesellschaftspolitischen und anderen Fächern wie Deutsch.

Mittelfristig kommt es aber drauf an, jeden Lehrer - egal in welcher Lebensgemeinschaft sie oder er lebt, dazu zu befähigen, nicht nur Fach- und Sachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch die essentiellen Dinge, wie Liebe, partnerschaftlicher Umgang Treue, Reden über Sex und Kondome etc.. Denn darüber erfahren wir in der Schule meist wenig. Daß die Schule hier grundlegende Defizite aufweist, ist bekannt: In der Schule lernen wir nichts über "lieben könnenî, und andere wichtigen Dingen des Lebens.

Umgang mit Menschen, Austausch von Aufmerksamkeiten und das Finden, Eingehen und Fortführen von Freundschaften sind Themen, die in die pädagogische Begleitung der Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden integriert werden müssen. Dieses ist ein grundlegend anderer Ansatz als Sexualität im Biologieunterricht als "die Sache mit den Bienen und den Blumenî zu umschreiben.

"Was sollte sich ein Deutschlehrer mit Befruchtung auseinandersetzen ?", wird gefragt: Kompetenzen werden bisher hin- und hergeschoben, dabei wäre gerade der Deutschunterricht ein Fach, in dem man auch über Freundschaft, Liebe und die gesellschaftliche Integration von gleichgeschlechtlichen Empfindungen sprechen könnte.

Die Aus- und Weiterbildung unserer Lehrer muß in den genannten Bereichen ausgebaut werden, es werden Informationsschriften, Konzepte / Rahmenpläne, Schulbücher und andere Unterrichtsmaterialien benötigt, um die didaktische Arbeit zu Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zu fundieren.

Andererseits müssen die Lehrer auch selbst bereit sein, sich den für sie bisher unbekannten Themen zu widmen. Dieses ist gar nicht auf die Lehrer in den Klassen der fortführenden Schulen zu beschränken. Auch in der Grundschule, ja sogar im Kindergarten können Themen wie Freundschaft und Zärtlichkeit in geeigneter Weise besprochen und thematisch aufbereitet werden. In Grundschulen kann so z.B. eine schwul-lesbische Zärtlichkeitscollage aus Zeitungsausschnitten und Zeitungsbildern angefertigt werden, wo die Heranwachsenden jeweils genau prüfen, was - nach ihrem Verständnis - in den Freundschafts- und Zärtlichkeitsrahmen gehört. Dagmar Wehr näherte sich dem Thema der Sexualpädagogik, um es dann in den einzelnen Unterrichtstunden der Grundschulkassen aufzugreifen. Sie macht Mut, die Heranwachsenden in ihren Entfaltungsmöglichkeiten wachsen zu sehen - ohne vorgefertigte Kategorien, Vorurteile und Denkmuster: Es soll auf gar keinen Fall, noch mehr Aufklärung "von der Straßeî kommen, denn diese trifft nicht immer auf bereits aufgeklärte Kinder, die sicher damit umgehen können. Ziel des Unterrichts soll es sein, für alle eine gemeinsame Basis des Wissens zu schaffen und eine einheitliche Sprachregelung zu finden. Hierdurch sollen die Schüler sich selbst sicherer ausdrücken, offener sprechen und fragen können. In einer selbstverständlich-lockeren Atmosphäre sollen sie sich unbefangen und natürlich geben können und lernen, daß eine größere Offenheit im Umgang mit der Sexualität möglich ist, als sie eingangs an den Tag legten. Das Thema bleibt dabei nicht auf den Sachunterricht oder Deutsch beschränkt, es wird eben nicht zum "Thema", sondern fächerübergreifend von verschiedenen Seiten her erfahrbar gemacht, weil es den ganzen Menschen betrifft: So soll in Musik, Spiel und Kunst das zärtliche Miteinanderumgehen besprochen werden, wozu auch die Eltern auffordern:

"Der eiligst einberufene Elternabend bestätigt manches. Ich lasse die Eltern zunächsteinmal Einblick in die von mir recherchierten Unterrichtsmaterialien nehmen. Meine abschließende Frage an die Eltern gilt ihren Erwartungen an mich, welche Wünsche, aber auch welche Befürchtungen sie eventuell haben. Eine Mutter versucht für alle zu sprechen. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen traut sie mir zu, eine entsprechende Atmosphäre schaffen zu können. Abschließend fordert sie - bestimmt für viele, die hier sitzen: "Sagen Sie alles wirklich so, wie es ist !î Mein letzter Hinweis in dieser Richtung ist, daß die Kinder sich entsprechend ihres Reifegrades aus dem Unterricht das für sie Verständliche, Deutbare, Nützliche heraussuchenwerden.

Neben den nötigen Informationen nehme ich mir vor, zunächsteinmal alles zuzulassen, was in den Köpfen herumspukt, so z.B. die Subsprache, um dann die eigentlichen Begriffe einzuführen. Das hat offensichtlich für diejenigen, die die Begriffe bislang unter dem Tisch handelten, eine befreiende Wirkung. Wir amüsieren uns über das verharmlosende "Schniedelwutzî, finden, daß "Pillermannî die Funktion sehr einengt; die "Kronjuwelenî, die ein Junge anbietet, werden gar nicht angenommen. Ganz bewußt halte ich aber alles an der Tafel fest. Überraschend jedoch ist es für mich, daß unsere Auflistung der Begriffe für das weibliche Geschlechtsorgan ausgesprochen dürftig bleibt. Das Angebot beschränkt sich auf "Muschelî und "Scheideî.

Nicht nur alles Verbale will ich zulassen. Ich ermuntere die Schüler auch immer wieder zu malen, einerseits, um den Sprachloseren unter ihnen eine Möglichkeit der Äußerung zu geben, zum anderen, um Heimlichkeiten in Form von graffiti-ähnlichen Zeichnungen den Reiz zu nehmen.

Es ist auch ein Anlaß, über den Sinn von Bildern in Boulevardzeitungen und von Aufklärungsmaterial zu sprechen. Die Konfrontation mit Zeitungen und Zeitschriften, wie aber auch Fernsehsendungen, lösen bei den Schülern viele Fragen aus, die sie jedoch nur zum Teil spontan formulieren können. Gleich zu Beginn der Unterrichtseinheit mache ich den Schülern den Vorschlag, alle Fragen, die sie haben, aufzuschreiben, anonym oder mit Namen, wie sie möchten. Diese Fragen können dann aufs Pult gelegt oder zugesteckt werden. Eine Flut von Fragen kommt, aber nur von Kindern, die ohnehin offen mit dem Thema umgehen. Die Fragen reichen von der fast poetischen anmutenden Formulierung "Wie kam Liebe ins Land ?î bis zur knallharten Frage "Was ist Sex ?î.

Die Beantwortung der Fragen ergibt sich dann aus dem Unterricht; alle weitergehenden Fragen werden in einer Fragestunde am Ende beantwortet, in der dann auch andere Schüler aufgrund eines Zuwachses an Information und einer freieren Haltung Fragen wagen. So manches Gespräch im Laufe des Unterrichts zeigt, daß die Fragen, die die Schüler haben, nichts zweideutig-schlüpfriges an sich haben, sondern sachlich-handfest sind.

Der locker-ungezwungene Umgang mit Sexualität, Liebe und Zärtlichkeit, dabei die geschickte Aufbereitung von Fragen, die Einbettung in eine Familiengeschichte, in der die Kinder abwechselnd in der Rolle des bereits-Wissenden bzw. des Fragenden sind, wirkt auf unseren Unterricht zurück. Auch wird für die Schüler deutlich der Unterschied zwischen Zuneigung, Liebe und Sexualität als Einheit und bloßer ich-bezogener Sexualität deutlich (vgl. aaO:11f).

Die Zärtlichkeitscollage : Auch in den Kunstunterricht läßt sich das Thema Sexualität gut übernehmen. Dort wird eine Zärtlichkeitscollage angefertigt und dazu aus Zeitschriften alles herausgesucht, was mit Zärtlichkeit zu tun hat. Passend zum Thema Bilder werden Bilder gefunden vom eben geborenen Baby auf dem Bauch der Mutter, darüber die schützende Hand des Vaters; kleine Hände in Großformat, die einen haltgebenden Zeigefinger eines Erwachsenen umschließen, Kleinkinder mit Kuscheltiere, halbwüchsige und junge Verliebte, bis hin zu einem alten Paar, das in seiner gegenseitigen Zuwendung unglaublich viel Zärtlichkeit ausstrahlt. Die Schüler sind nach einer Vorauswahl selbst in der Lage, dies zu deuten und entsprechend auszusortieren. Bemerkenswert ist, mit welcher Genauigkeit die Schüler untersuchen, ob die von ihnen gefundenen Bilder / Fotos in ihren Zärtlichkeitsrahmen hineinpassen. Sie versuchen, für jedes Bild einen passenden Ergänzungsbegriff zu Zärtlichkeit zu finden wie Schutz, Geborgenheit, Trost, Liebe, Wärme, Streicheln. Sie fragen sich: "Paßt das zu Zärtlichkeit ?î, und dann geben sie sich schließlich selber die Bestätigung: "Ja, das paßt !î (vgl. aaO:33). Nach den Gesprächen wird deutlich, wie wichtig ein abschließender Elternabend ist, um die Eltern wenigstens indirekt an unserer gelösten Atmosphäre mit ihren lustig-heiteren Situationen, aber auch offenen, freimütigen, kleinen Malergebnissen teilnehmen zu lassen. Es gibt so viel befreiend-herzerfrischendes während dieser Zeit, in der Natürlichkeit, Zugewandtheit und ein ungewöhnliches Ausmaß an Ausgeglichenheit, die alle wie eine Welle trägt und erfüllt:

"Ich selbst fühle mich während dieses Unterrichtskomplexes derart beschenkt durch das Zutrauen der Kinder, ihre Offenheit, ihr freundschaftlich-rücksichtsvolles und verständiges Umgehen miteinander, ihr Bemühen um schnelle, harmonische Integration, ihr intensives Mitgestalten des Unterrichts. Ich erlebe wieder mal mit Freude diese Unmittelbarkeit, die der Lehrerberuf mit sich bringen kann, und ich habe das Gefühl, es an die Eltern weitergeben zu müssen (vgl. aaO:51). Ich bin der Meinung, daß es gut war, alle Gedanken zuzulassen, nicht alles zu kanalisieren. Es hätte die Offenheit gestört, Ängste und Fragen auszuklammern, nur weil sie unbequem gewesen wären; und wir hätten uns damit um einen wesentlichen Grundzug unserer gemeinsamen Arbeit gebracht. Nicht zuletzt wirkte sich diese Harmonie, dieses Gefühl, das ist unsere gemeinsame Angelegenheit, positiv auf alle nachfolgenden Vorhaben aus. Nach diesen Erfahrungen kann ich nur jedem Mut machen, so viel Offenheit an den Tag zu legen, über die bloßen Fakten und Informationen hinauszugehen, sich selbst als Person ganz stark mit hineinzunehmen in diesen Unterricht, um ihn mit Leben zu füllen - Was wir ja schließlich bei einer Gedichtsinterpretation auch wie selbstverständlich tun ! Die Schüler spüren diese Bereitschaft sofort und lassen sich in der Mehrheit spontan darauf ein. Im Gegenteil, sie sind dankbar für diesen Vertrauensbeweis, daß man ihnen zutraut, das Thema so anpacken zu könnenî (aaO:62).

Bei "Sexualität" denken wir meistens an Geschlechtsverkehr. Die Heranwachsenden auch ? Hinzukommen manchmal Vorurteile und Ängste, daß eine frühe Beschäftigung mit dem Thema Sexualität automatisch zu vorzeitigen Aktivitäten anregen würde. Dies ist erwiesenermaßen nicht der Fall (vgl. BZGA1994:8). Je mehr Kinder und Jugendliche wissen, desto mehr Gedanken machen sie sich auch und um so vorsichtiger sind sie auch. Sexualerziehung ist nicht einfach Wissensvermittlung. In entsprechenden Büchern und Broschüren können Kinder und Jugendliche aber hineinschauen und dort etwas nachschlagen, wenn sie ungestört und aufnahmefähig sind. Aktive Unterstützung der Jugendlichen in der Bewußtwerdung ihrer sexuellen Orientierung und der Sexualität als wichtiger integraler Bestandteil ihres Menschseins bEZIeht sich aber nicht nur auf die Sexualerziehung in der Grundschule, sondern auch auf (besonders kommunale) parlamentarische Arbeit im politischen System, auf die Darstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften im Mediensystem, auf Marketing, Marktforschung und Werbung im Wirtschaftssystem und nicht zuletzt auch auf die Forschung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Wissenschaftssystem. Diese wichtigen Aspekte der Gesellschaftspolitik sollen in den folgenden Abschnitten weiter betrachtet werden.


"Für Homosexuelle ist das Private politisch !
Lesben- und Schwulenpolitik im Deutschen Bundestag durch Parlamentsdebatten und das Programm "Emanzipation und Gleichberechtigungî für Lesben und Schwule

Aus der Frauen/Lesben- und auch Schwulenbewegung kennen wir die Aussage, daß das Private für die Lesbe und den Schwulen politisch ist. Jutta Oesterle-Schwerin, die 1987 als erste offen Lesben- und Schwulenpolitik in Zusammenarbeit mit Volker Beck, dem heutigen Beauftragten, im Bundestag die Gleichberechtigung für Lesben und Schwule bestritt, äußerte sich einmal zu den Anfängen ihres politischen Engagements und ihrer Motivation wie folgt: "Früher war das Private für mich nicht politisch, jedenfalls nicht sehr. Mit meiner Lebensgefährtin führte ich acht Jahre lang ein normales Familienleben. Zwei Kinder waren da, Paterrewohnung im Hochhaus, sieben Eingänge á 30 Parteien. Stadtnah. Niemand nahm Interesse daran, daß da zwei Frauen mit Hund, mehreren Katzen und zwei Kindern zusammenleben. Für die meisten war meine Freundin "ganz einfach die Studentin, die bei mir wohnt, jetzt, wo der Mann ausgezogen ist ...

Dann heirateten Rainer und Margit, zwei gute Freunde, damit Margit, wenn sie als Medizinstudentin ins Praktische Jahr kommt, einen Platz an der örtlichen Uni bekommt.

Da wurde mir zum ersten Mal klar, daß bei uns so etwas nicht geht, was bei anderen selbstverständlich ist. Steht bei uns gegen Ende des Studiums meiner Lebensgefährtin eine räumliche Trennung bevor ? Meine Freundin: "Ich werde sagen, ich lebe mit Frau und zwei Kindern zusammen, die dringend auf mich angewiesen sind ... ". Das wurde dann schließlich nicht nötig: Die Plätze an der Uniklinik waren doch nicht so begehrt, so daß sie auch unverheiratete Studentinnen bekommen konntenî (Oesterle-Schwerin aaO:201).

Damals wurde Jutta Oesterle-Schwerin auch zum ersten Mal lesben- und schwulenpolitisch aktiv: Der Kreisverband stellte sie weder "wegenî noch "trotzî der Tatsache als Bundestagskandidatin auf, daß sie Lesbe war. Das spielte überhaupt keine Rolle. Was anstand war ein Wahlkampf mit Schwerpunkt Friedenspolitik und Atom. Das traute man ihr zu, da sie ja auch schon Erfahrungen aus der Arbeit im Kommunalparlament mitbrachte. Dann gab sie ihre Kandidatur für den Fraktionsvorstand bekannt und sagte: " ... ich kandidiere als Unabhängige, als Frauenpolitikerin und nicht zuletzt als offen-lesbisch lebende Frau !î(aaO).

Jutta Oesterle-Schwerin schreibt: "Der Widerwille, den mein offen-lesbisches Auftreten bei Kollegen mitunter auslöst, trägt dazu bei, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in Kreisverbänden zu thematisieren, die sich sonst nie damit beschäftigt hätten. In einer benachbarten Stadt war man aus verschiedenen Gründen sehr unzufrieden mit der zuständigen Abgeordneten. Man beschloß mich dorthin zu bitten, um mal so richtig Dampf abzulassen. Nachdem die Themen `Gewalt´ und `§ 218´ abgehakt waren, brach peinliches Schweigen aus. Ich merkte genau, daß die Leute noch etwas auf dem Herzen hatten und wußte auch was. Niemand wollte jedoch so richtig raus mit der Sprache. "Habt ihr noch mehr Probleme mit Eurer MdB, vielleicht mit Lesben- und Schwulenpolitik ?", fragte ich. Das Eis schien gebrochenî(aaO).

Bei einer Landesnominierungsversammlung lernte sie Volker Beck kennen, der heute in der neuen Wahlperiode Lesben- und Schwulenpolitik im Bundestag vertritt, zum Rednerpult geht und offensiv und mutig kontert. Besonders wichtig sind neben den Diskussionen im Parlament aber auch die verschriftlichten Forderungen, also z.B. die Bundestagdrucksachen, Anträge, kleine und große Anfragen, Konzeptpapiere etc.

Denn letzten Endes geht es um mehr: Einerseits muß auf die Untätigkeit im schwul-lesbischen Bereich hingewiesen werden, andererseits, falls es irgendwann einmal zu Sachverhandlungen kommt, die eine größere Durchsetzungschance für Gleichberechtigung geben würden, werden Beauftragte für schwule und lesbische Politik für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nicht mit leeren Händen zum Verhandlungstisch kommen. "Hierbei kann frau und mann keineswegs davon ausgehen, daß das, was für uns längst selbstverständlich ist, vom Verhandlungspartner auch nur schon im Ansatz begriffen wurde,î konstatiert Jutta Oesterle-Schwerin (aaO).

Wie folgt sah ein wichtiger Grundsatzantrag zum "Programm Emanzipation und Gleichberechtigung für Schwule und Lesbenî (BTDS 11 / 5003) aus den 1980er Jahren aus, der im Deutschen Bundestag verhandelt wurde:

Der Deutsche Bundestag wolle beschließen:

I. Rechtliche Gleichstellung für Lesben und Schwule:

Der Deutsche Bundestag stellt fest, daß Homo- und Hetero-Sexualität gleichwertige Formen sexueller Orientierung sind. Schwule und Lesben werden in der Bundesrepublik Deutschland in verschiedenen Lebensbereichen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert. Die Entwicklung des Verhältnisses Homosexualität und Gesellschaft bzw. der gesellschaftlichen Situation der Lesben und Schwulen und der staatlichen Politik in der Bundesrepublik Deutschland blieb hinter der Entwicklung in anderen europäischen Ländern zurück. Gefordert ist eine rechtliche Gleichstellung für Lesben und Schwule: Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, einen Entwurf eines Ersten Gesetzes zur rechtlichen Gleichstellung von Schwulen und Lesben (Antidiskriminierungsgesetz für Schwule und Lesben) vorzulegen.

II. Einrichtung jeweils eines Lesben- und Schwulenreferates bei der Bundesregierung:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, der Abteilung "Familie und Sozialesî im Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit eine Dienststelle "Schwulenreferatî und im "Arbeitsstab Frauenpolitikî eine Dienststelle "Lesbenreferatî einzurichten. Diese sollen die Federführung in allen Schwule und Lesben betreffenden Fragen und Belange erhalten.

III. Initiativen der Bundesregierung zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation von Lesben und Schwulen:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, mit Modellprogrammen und anderen geeigneten Maßnahmen die gesellschaftliche Situation der Schwulen und Lesben in der Bundesrepublik Deutschland zu verbessern. Folgende Modellprogramme sollen von der Bundesregierung unverzüglich in Angriff genommen werden: (.)

- Probleme des Coming-Out von Schwulen und Lesben und Möglichkeiten der Förderung von Selbstakzeptanz durch Selbsthilfe-, Jugend- und Sozialarbeit.

- Probleme von Lesben und Schwulen am Arbeitsplatz.

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für eine institutionelle Förderung bundesweiter Organisationen und überregionaler Maßnahmen der Lesben- und Schwulenbewegung durch die Bundesregierung zu schaffen.

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit und der Erstellung ihrer Materialien zur Sexualaufklärung Homosexualität als gleichwertige Variante sexuellen Verhaltens darzustellen und über die gesellschaftliche Situation der Schwulen und Lesben der Bundesrepublik Deutschland zu informieren.

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, wissenschaftliche Studien über die gesellschaftliche und rechtliche Situation der Lesben und Schwulen in allen Lebensbereichen in Auftrag zu geben und zu veröffentlichen.

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, regelmäßig einen Bericht über die gesellschaftliche Situation von Lesben und Schwulen (Lesben- und Schwulenbericht) vorzulegen. (.)

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, in die Fragestellung zum Jugendbericht der Bundesregierung die Situation schwuler und lesbischer Jugendlicher ausdrücklich mit aufzunehmen.

IV. Gleichstellung aller freigewählten Lebensformen:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, eine grundlegende Reform des Ehe- und Familienrechtes sowie des Rechtes der nichtehelichen Lebensgemeinschaft mit dem Ziel vorzuschlagen, die Selbstbestimmung zu fördern und keine Lebensform oder Lebensgemeinschaft gegenüber anderen zu benachteiligen.

V. Programm zur gesellschaftlich und rechtlichen Gleichstellung
von Schwulen und Lesben:

Mit diesem Programm zur gesellschaftlichen und rechtlichen Gleichstellung von Schwulen und Lesben sollen endlich gleiche Menschen- und Bürgerrechte für die Lesben und Schwulen in der Bundesrepublik Deutschland durchgesetzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland gilt es, Jahre gesellschaftlicher Entwicklung im Verhältnis Homosexualität und Gesellschaft aufzuholen. Damit nähert sich die bundesdeutsche Gesellschaft dem freiheitlichen Standard mehrerer europäischer Länder und mehreren Entschließungen des Europäischen Parlaments sowie der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben ist Teil der Perspektive einer pluralen Gesellschaft. (.)

In zahlreichen Lebensbereichen werden Schwule und Lesben aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Lebensform oder ihres Familienstandes immer noch diskriminiert. Während in vielen Ländern zum Teil sehr umfangreiche Antidiskriminierungsgesetze für Schwule und Lesben erlassen wurden, bietet das bundesdeutsche Recht bisher keinen Schutz gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Offensichtlich ist die Politik nur unzureichend um eine schwulen- und lesbenfreundliche Politik bemüht. Seit der Strafrechtsreform gibt es keine Initiative der Bundesregierung, die mehr Gleichberechtigung oder Freiheit für Lesben und Schwule gebracht hätte. Bisher scheint es in der Bundesregierung noch nicht einmal eine Stelle zu geben, die für die Belange von Schwulen oder Lesben zuständig ist. Anfragen, auch zum Themenkomplex der männlichen Homosexualität, werden zuweilen sogar vom Arbeitsstab Frauenpolitik erledigt. Eine institutionelle Absicherung der Schwulen- und Lesbenpolitik ist jedoch nur sinnvoll, wenn es einen politischen Willen für eine lesben- und schwulenfreundliche Politik gibt. Die Grundlage hierfür legt dieser Antrag. Politik für Lesben muß ein selbstverständlicher Teil der Frauenpolitik der Bundesregierung sein. Daher wird das Lesbenreferat in der Abteilung Frauenpolitik angesiedelt, während das Schwulenreferat in der Abteilung Familie/Lebensformen und Soziales angesiedelt werden soll.

Mit Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und der Aufklärung sowie Modellprogrammen sollen die wichtigsten sozialen Probleme von Schwulen und Lesben einer Lösung zugeführt werden. Eine Zusammenarbeit bei den Modellprogrammen mit den bundesweiten Organisationen der Lesben und Schwulen ist jeweils anzustreben. Durch geeignete Aufklärungsmaterialien ist in der Jugendarbeit und in der Schule antihomosexuellen Ressentiments frühzeitig und in geeigneter Weise zu begegnen. Die offene Auseinandersetzung über und mit Schwulen und Lesben in Jugendarbeit und Schule ist auch ein wichtiges Mittel, um die Phase des Coming-Out von lesbischen und schwulen Jugendlichen zu erleichtern. Durch die Errichtung eines Haushaltstitels zur Förderung von Maßnahmen der Lesben- und Schwulenbewegung soll die wichtige Selbsthilfe- und Emanzipationsarbeit, die diese Bewegung subsidiär für den Staat leistet, anerkannt und auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in verschiedenen völkerrechtlichen Abkommen zu regelmäßigen Berichten über die Situation ethnischer Minderheiten verpflichtet. Durch eine regelmäßige Berichtspflicht zur gesellschaftlichen Situation der Lesben und Schwulen wird diese soziale Gruppe mit anderen Minderheiten diesbezüglich (für eine Sozialberichterstattung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften) gleichgestellt.

Lesbische und schwule Lebensgemeinschaften sind von den Privilegien der Ehe ausgeschlossen, da die bürgerliche Ehe in der (Interpretation der) Paragraphen §§ 1297 bis 1588 BGB ein heterosexuelles Rechtsinstitut ist. Das Recht auf Selbstbestimmung [Eheschließungsfreiheit], auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, darf durch den besonderen staatlichen Schutz der Ehe und Familie nicht eingeschränkt werden.

Dieser zuletztgenannte, zentrale Punkt, der vollständigen Übertragung des Rechtsinstituts der Ehe auch auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wurde dann ein immer klareres Ziel der Lesben- und Schwulenbewegung, nachdem diese grundlegenden Forderungen zur Integration fixiert wurden. Weiterhin geht es auch um das Familienrecht (Sorgerecht, der Pflegeerlaubnis und des Adoptionsrechts).

Interessant sind auch die Parlamentsdebatten über Lesben- und Schwulenpolitik im Deutschen Bundestag. Auf der Tagesordnung stehen Anträge z.B. zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der Bundesrepublik Deutschland sowie Gesetzesentwürfe zur Sicherung der Wohnung für den hinterbliebenen Lebenspartner und Gesetzesentwürfe zur Gleichstellung im Ehe- und Familienrecht: "Die Bevorzugung der Regierung der heterosexuellen Kleinfamilie ist eine Rechtslage, die zutiefst diskriminierend, unsozial und unbarmherzig istî, so der Sprecher eines Antrages Volker Beck. Dieses Bild sei eines der Hauptursachen der Diskriminierung von Lesben und Schwulen. Von der Erkenntnis, daß Homo- und Heterosexualität gleichwertige Varianten menschlicher Sexualität und Lebensweisen sind, seien sowohl einem Teil des öffentlichen Bewußtseins als auch der Gesetzgebung der Bundesrepublik noch sehr weit entfernt. Die SPD Bundestagsfraktion unterstützte ausdrücklich die Forderung der Lesben- und Schwulenbewegung nach Erweiterung des Gleichheitsgrundsatzes im Grundgesetz, nach der niemand aufgrund seiner "sexuellen Identitätî und Orientierung diskriminiert werden dürfe. Zur Gleichstellung durch Eheschließungsfreiheit für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften befand die Familienrechtspolitikerin Margot von Renesse: "Solange es noch ein Paar auf dieser Welt gibt, das heiraten will, so lange wird es niemand verweigern dürfen !î(aaO).

Die Bundesrepublik Deutschland bietet gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften keinen gesetzlichen Rahmen zur Regelung ihrer Rechtsverhältnisse durch die Ehe an und die Rechtsprechung betrachtet die Partner einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft bisher grundsätzlich noch als Fremde. Diese Situation hat vielfältige Behinderungen zur Folge, wobei ein Teil dieser Schwierigkeiten damit zusammenhängen, daß die Partner gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften nicht den Rechtsstatus von `Angehörigen´ wie bei der Ehe haben. Als Beispiele können unter anderem das gegenseitige Zeugnis- und Auskunftsverweigerungsrecht vor Gericht genannt werden, ebenso die häufige Auskunftsverweigerung der Ärzte in Unglücks- und Krankheitsfällen, Benachteiligungen beim Steuerrecht oder im Erbrecht. Ohne Testament-Möglichkeit besteht für Schwule und Lesben kein Erbrecht, sie werden, wie auch zu Lebzeiten des Partners als Fremde betrachtet. Im Falle eines Testaments steht ihm oder ihr ein Erbschaftssteuerfreibetrag von nur 3.000 Mark zur Verfügung, während hinterbliebene Ehe-Partner bis zu 600.000 Mark beanspruchen kann (vgl. a. Kap. 7). Der jetzige Zustand stellt eine schwerwiegende Diskriminierung von Minderheiten aufgrund ihrer sexuellen Identität dar. So wurde aktuell auch ein Antrag (Bundestagdrucksache 13/2728) zur Änderung des Ehegesetzes eingebracht, danach sollen gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen können wie heterosexuelle Paare auch, so sieht es der veröffentliche Antrag zur Änderung des Paragraphen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) vor.

Zu erinnern ist ebenfalls an die Entschließung des Europäischen Parlaments zur Herstellung der Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in der Europäischen Gemeinschaft, in der besonders die Zulassung von gleichgeschlechtlichen, homosexuellen Lebensgemeinschaften zur Eheschließung als ein besonderes Anliegen bezeichnet worden ist, um den Mißstand der Nicht-Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare zur Ehe baldmöglichst zu beseitigen:

Das Europäische Parlament hat darin die Mitgliedstaaten der europäischen Union dazu aufgefordert, "die ungleiche Behandlung von Personen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung in den Rechts- und Verwaltungsvorschriften zu vermeidenî. Das Europäische Parlament will die geforderten Mindeststandards zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der Europäischen Gemeinschaft durch eine "Empfehlung betreffend gleiche Rechte für Schwule und Lesbenî gegenüber den Mitgliedstaaten durchsetzen. Die Empfehlung sollte dabei "mindestens auf die Beseitigung folgender Mißstände hinwirkenî: nämlich durch:

·        Zulassung von gleichgeschlechtlichen Paaren zur Eheschließung mit der amtlichen Eintragung der Lebensgemeinschaft

·        Erweiterung des Rechts von Lesben und Schwulen auf Elternschaft durch Adoption und Erziehung von Kindern (BTDS 12/7069:4).

In Deutschland ist dazu ein Gesetzesentwurf (vgl. Kasten) zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts veröffentlicht worden, als Lösung zur Behebung der Ungleichbehandlung wird vorgesehen: Es wird durch Ergänzung von § 1353 BGB klargestellt, daß auch gleichgeschlechtliche Personen eine Ehe eingehen können.

Prof. Dr. Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestages, CDU, sprach sich zur Frage der rechtlichen Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften durch die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe bereits 1991 in der Bunten (Heft 29) aus: "Ich sage es ganz bewußt: Es gibt in dem Bereich der Eheschließung für homosexuelle Paare Dinge, die neu zu regeln sind: Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar ein Leben lang füreinander sorgt, dann muß der Staat dies entsprechend berücksichtigen - hier müssen wir uns gesellschaftspolitisch für die gleichgeschlechtliche Ehe öffnen !î (Süssmuth aaO).


 
Die Ehe für lesbische & schwule Paare: So einfach geht das ...

Der Bundestag beschließt das folgende Gesetz:

Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches

Es wird durch Einfügung der Worte: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossenî in § 1353 Abs. 1 Satz 1 BGB klargestellt, daß auch gleichgeschlechtliche Personen eine Ehe eingehen können.

Das Gesetz tritt nach Beschluß in Kraft. Bundestagdrucksache 13/2728



Die vorliegende Lösung berührt nicht die Sphäre der Regelung von Eheangelegenheiten bei Kirchen und Religionsgemeinschaften. Wegen der Trennung von Staat und Kirche durch das Grundgesetz hat die Änderung des Zivilrechts (Ehegesetz) keinerlei rechtliche Auswirkungen auf die Praxis der Kirche, die auch weiterhin gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wie verschiedengeschlechtlichen Ehepaaren die gleichen Hochzeitsegnungen zukommen lassen könnten (vgl. zur Kirchlichen Trauung Kap. 8).

In den Landesregierungen gibt es Fachbereiche für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, ausgestattet mit je einem Referat für Lesben und einem Referat für Schwule. Die Fachbereiche werden nun auch auf kommunalen Eben in den Rathäusern der Gemeinden angesiedelt, oft in Kooperation mit den bereits bestehenden Strukturen der städtischen Gleichstellungsstellen für Frauen. In der Jungen Union hat sich eine "Schwule Gruppeî formiert. Vorbild ist der Arbeitskreis Schwuler Sozialdemokraten (Schwusos) beim SPD-Parteivorstand. Die Grünen als eine wichtige politische Lobby der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind ebenso im Bundestag vertreten.


Kommunale Gleichstellungsstellen und Gleichstellungspolitik
für Lesben und Schwule

Die grundlegenden politischen Forderungen der Schwulen- und Lesbenbewegung werden nun umgesetzt. Es gibt nicht nur Referate für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in den Länderregierungen und auch jeweils Lesben- und Schwulenbüros im Bereich der einzelnen lokalen Kommunal- und Stadtverwaltungen, die mit einer Lesbenreferentin und einem Schwulenbeauftragten (z.B. in Kooperation mit den Gleichstellungsstellen für Frauen) entstanden sind.

Wenn von Gleichstellungspolitik die Rede ist, geht es gemeinhin um das Verhältnis der Geschlechter, um Frauenemanzipation. Hierfür wurden in den zurückliegenden Jahren entsprechende kommunale Strukturen, sprich: Planstellen und Referate für Gleichstellungsbeauftragte auf verschiedenen politischen Ebenen erreicht und errichtet. Für Schwulen- und Lesbenpolitik gibt es in Deutschland aber noch zu wenige behördliche Instanzen: Der Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen des Landes Berlin (dem Senat für Familie angegliedert), dem Fachbereich für Lesben und Schwule im Ministerium des Landes Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalens, oder die Schwulen- und Lesbenbeauftragten der Stadt Leipzig. Generell ist zu überlegen, ob Schwulen- und Lesbenbeauftragte nicht in die bestehenden Strukturen der (Frauen-)Gleichstellungsstellen der Kommunen integriert werden können, so daß die Frauen-Referate zu "Gleichstellungsstellen" werden, die aus einem Team für Gleichberechtigungsfragen aus einer (weiblichen) Gleichstellungsbeauftragte für Frauen, einer (weiblichen) Lesbenbeauftragten und einem (männlichen) Schwulenbeauftragten und weiteren MitarbeiterInnen besetzt werden.

 

So beschäftigt beispielsweise Leipzig in der Kommunalverwaltung eine Beauftragte für Lesben und einen Beauftragten für Schwule. Europäisch gesehen ist das kein Novum, denn es existieren z.B. in den Niederlanden in jeder Kommune gleichartige Behörden, um Diskriminierungen lesbischer und schwuler Bürgerinnen bzw. Bürger abzubauen.

Entscheidend für die Durchsetzung der Forderung nach mehr Mitbestimmung im gesellschaftlichen Leben war die starke Schwulen- u. Lesbenbewegung wie sie sich insbesondere in Leipzig entwickelt hatte. Die schwul-lesbische Emanzipationsbewegung formierte sich seit 1981/82 unter dem Dach der evangelischen Kirche und war bis 1987 fast ausschließlich in kirchlichen Arbeitskreisen aktiv. Um sich aber in das gesellschaftliche Leben besser einbringen zu können, mußten andere Organisationsformen gefunden werden. Die Vielzahl der Gruppen schufen sich Institutionen zur Zusammenarbeit und Koordinierung der Öffentlichkeitsarbeit. Ein wesentlicher Aspekt zur besseren Durchsetzung politischer Forderungen war die Gründung einer Initiative in Leipzig, dem späteren Schwulenverband in Deutschland (SVD). Als Ergebnis der "Kommission Minderheitenpolitikî des Runden Tisches Leipzig forderten Vertreterinnen und Vertreter aus Frauen-, Schwulen-, Ausländer und Behindertengruppen von dem zu wählenden Stadtverordneten ein Dezernat für Gleichstellung. Im Mai 1990 erhielten der SVD und der Unabhängige Frauenverband jeweils ein Mandat zur Kommunalwahl, die von einem Schwulen und einer Lesbe in Anspruch genommen wurden. Ihre Kandidatur führte sie erfolgreich ins Stadtparlament. Vor allem beider Engagement ist es zu verdanken, daß im Dezember 1990 der Antrag zur Einstellung von Beauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Hauptausschuß der Stadtverordnetenversammlung Leipzig einbrachte wurde. Es muß hinzugefügt werden, daß der Fachausschuß "Allgemeine Verwaltungî, in dem auch alle Fraktionen Sitz und Stimme haben, nach Anhörung von Vertreterinnen und Vertretern der Lesben- und Schwulengruppen den Antrag einstimmig (!) - also ohne Gegenstimme und Enthaltung - befürwortet hatte.

Die nicht ganz eindeutige Formulierung des Antrages ergab eine erneute Diskussion über die Notwendigkeit von zwei Stellen (für Lesben und für Schwule), da das Verwaltungsdezernat der Meinung war, es handele sich um ein und dasselbe Problemfeld. Somit kam es zunächst zur Ausschreibung nur einer Stelle. Für Außenstehende ist es meist schwierig einzusehen, daß für diesen sensiblen Bereich eine Lesbe und ein Schwuler benötigt wird. Sicher, die Integrationsbemühungen homosexueller Menschen sind im allgemeinen auf die gleiche fehlende Integration zurückzuführen. Aber dabei wird die unterschiedliche Sozialisation von Männern und Frauen vergessen, die dominierende wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schwulsein und die alltägliche Ungleichbehandlung der Geschlechter. Erst am Tag des Vor- bzw. Einstellungsgespräches, an dem der Stadtrat für Soziales und Gesundheit, der Amtsleiter des Personalamtes und Vertreterinnen und Vertreter aus den Leipziger Lesben- u. Schwulengruppen teilnahmen und die Gründe zur Schaffung zweier Beauftragtenstellen nochmals exakt dargelegt und untermauert wurden, kam es zur endgültigen Entscheidung, je eine Beauftragtenstelle für Lesben und Schwule in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu schaffen. So nahmen z.B. in Leipzig Peter Thürer und Kathrin Sohre ihre Arbeit auf.

Die beiden Beauftragtenstellen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen sind in einem Referat zusammengefaßt und dem Stadtrat für Soziales und Gesundheit direkt unterstellt. Außer einer Organisationsverfügung vom Oberbürgermeister, die einige allgemeine Aufgaben, Ziele und Kompetenzzuweisungen enthielt, fanden sie keine grundlegenden Richtlinien für die Arbeit vor. Einerseits war das vorteilhaft, da sie durch langjährigen Aktivitäten in Schwulen- und Lesbengruppen selbständig Aufgabengebiete erschließen konnten. Andererseits war es eine Herausforderung, schwul-lesbische Mitbestimmung im kommunalen Verwaltungsbereich konkret umzusetzen. Viele Probleme, die Lesben und Schwule in ihrem gesellschaftlichen Umfeld haben, lassen sich nur auf Landesebene bEZIehungsweise auf Bundesebene lösen. Im Ehe- und Familienrecht, Erbrecht, Wohnrecht sowie Ausländer u. Asylrecht finden sich entscheidende Benachteiligungen, deren Abschaffung Betroffene einklagen. Die subtileren Diskriminierungen sind nicht nur schwieriger zu benennen, auch ihre Beseitigung ist ein zäher, langwieriger Prozeß. Die erste Aufgabe, die sich die Leipziger damals stellten, betraf die Interessenvertretung der Lesben und Schwulen im kommunalen Verwaltungsbereich. Durch Informationsgespräche über die Situation und Probleme gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften versuchten sie in allen Fraktionen und den entsprechenden Ämtern, Abgeordnete und Angestellten für die Arbeit zu sensibilisieren.

·        Die ständige Präsenz der Beauftragten in verschieden Fachausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung gewährleistete die Möglichkeit zur Klärung von Sachverständigenfragen und führte letztendlich dazu, daß die Lesben- u. Schwulengruppen erstmalig Mittelanträge auf städtische Zuwendungen bewilligt bekamen, daß Verwaltungseinrichtungen (z. B. Personalamt, Obdachlosenberatung des Sozialamtes, Betreuungsbehörde des Sozialamtes, Aids-Beratung des Gesundheitsamtes, Kinder-, Jugend- und Elternberatungsstelle des Jugendamtes, Prostituiertenfürsorge des Gesundheitsamtes u. a.) mit entsprechenden Anliegen zur Weiterbearbeitung an die Gleichstellungsstelle für Lesben und Schwule herantraten. Weiterhin wurde damit begonnen, Informations-, und Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften für unterschiedliche Berufsgruppen zu organisieren.

·        Als zweiter Schritt in dieser Präventivarbeit sollen regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen und der Druck einer Informationsbroschüre erfolgen. Analog zu diesem Projekt bemühte man sich auch um die Sexualaufklärung in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen. So gelang es, durch eine kleine Anfrage an das Kultusministerium, die Erarbeitung eines Leitfadens zur Sexualerziehung für die Schulen anzuregen und auch daran mitzuarbeiten. Inzwischen ist der Leitfaden fertiggestellt, das Thema gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften positiv integriert, die Besprechung der sozialen Dimensionen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in der Schule verpflichtend geregelt.

·        Drittens wird eine allgemeine Bürgerberatung zum Thema gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften durchgeführt. An den Sprechtagen werden die Beauftragten mit den verschiedensten Problemen und Fragen konfrontiert: Eherecht, Familienrecht, Wohnrecht, Strafrecht, Erbrecht, Ausländer u. Asylrecht, Beratung in Krisensituationen oder Begegnungsmöglichkeiten sind nur einige Bereiche, in denen Auskunft gegeben wird. Selbst Schüler kommen zu den Gleichstellungsstellen für Schwule und Lesben, z.B. um einen Vortrag über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften gründlich vorzubereiten.

·        Viertens wird in Zusammenarbeit mit den Medien die Öffentlichkeit über die Lebensweise und Interessen von Lesben und Schwulen informiert. Die Öffentlichkeitsarbeit wird als Schwerpunkt der Tätigkeit von kommunalen Gleichstellungsstellen für Lesben und Schwule angesehen. Interviews mit Presse und Rundfunk bringen die Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in das Bewußtsein der Bevölkerung. Auch wenn Medien oft nur an Sensationen Interesse zeigen, so ist es doch wichtig, daß eine Auseinandersetzung erfolgt (vgl. Sohre aaO:12).

Andere Veranstaltungen wie z. B. den alljährlichen Christopher-Street-Familientag, Buchlesungen oder dem Welt-Aids-Tag, werden meist zusammen mit den Schwulen- u. Lesbenvereinen organisiert und gestaltet. Eine kleinere, aber nicht zu vernachlässigende Öffentlichkeit wird mit einer Referententätigkeit in Schulen, bei Tagungen und bei Aufklärungsveranstaltungen erreicht. Als Sachverständige arbeiten kommunale Beauftragte für Lesben und Schwule mit Bundestagsabgeordneten zusammen, die sich um rechtliche Gleichstellung bemühen, aber in erster Linie ist die Arbeit in den genannten Projekten städtischer Ämter vor Ort zentral.

Bei der schwul-lesbischen Kommunalpolitik geht es um die Förderung von gleichen Rechten für Lesben und Schwule auf kommunaler Ebene und um die Unterstützung von Emanzipationsarbeit lokaler Schwulen- und Lesbenorganisationen. Dazu ist es notwendig, daß Politik und Verwaltung lesben- und schwulenpolitische Kompetenz erwerben und eine Bestandsaufnahme der lokalen Selbstorganisation von Schwulen und Lesben vorzunehmen. Weiter ist festzustellen, durch welche Aktivitäten die Kommune in der Vergangenheit die Emanzipation von Lesben und Schwulen unterstützt oder behindert hat. Schließlich sind Leitlinien für eine kommunale Antidiskriminierungspolitik zu erarbeiten und zu beschließen. Eine mögliche Organisationsform dieser Kooperation ist ein Runder Tisch von Rat, Verwaltung sowie Lesben- und Schwulenbewegung. Weitere Eckpunkte einer kommunalen Integrationspolitik sind daher:

·        Städte und Gemeinde als Arbeitgeber: Bewerbungs- und Einstellungsverfahren der Kommunen werden auf Integrationspotentiale überprüft. In die Personalrichtlinien wird eine Integrationsklausel eingefügt. Die Kommunen als Arbeitgeber sind gehalten, auf Dauer angelegte schwule und lesbische Lebensgemeinschaften von Beschäftigen anzuerkennen und sie mit Ehepaaren gleichzustellen. Für bestimmte Bereiche der Verwaltung kann die gEZIelte Einstellung von offen schwul oder lesbisch lebenden BewerberInnen für zusätzliche Fachkompetenz sorgen.

·        Kultur, Bildung, Sport. In den Bibliotheken wird für eine ausreichende Präsenz lesbischer und schwuler Medien gesorgt. Die Volkshochschulen werden angeregt, in Kooperation mit der lokalen Selbstorganisation der Schwulen und Lesben Veranstaltungen zu lesbisch-schwuler Thematik anzubieten. Die Schulämter sind angehalten, die Coming-Out-Hilfe und Beratungsarbeit der lesbischen und schwulen Selbstorganisation im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen. Dazu gehört beispielsweise die Weiterleitung von Informationsmaterial. Ebenso werden die Schulämter LehrerInnen und Schulklassen motivieren, ReferentInnen von Schwulen- und Lesbenorganisationen in den Unterricht einzuladen. Schwule und lesbische Sportprojekte und -vereine sind zu berücksichtigen.

·        Öffentlichkeitsarbeit und Fremdenverkehr: Die Zeitschriften und Informationsmaterialien der lokalen schwulen und lesbischen Selbstorganisation werden wie die Medien aller anderer bürgergesellschaftlicher Organisationen in öffentlichen Einrichtungen ausgelegt. In der Touristikwerbung und Außendarstellung der Kommunen werden Informationen über das lesbische und schwule Leben angemessen berücksichtigt.

·        Soziales / Gesundheit: In kommunalen Krankenhäusern ist sicherzustellen, daß die PartnerInnen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ein Auskunftsrecht erhalten. AIDS-Beratungsstellen in den Gesundheitsämtern sind als eigenständige Beratungsstellen zu erhalten.

·        MigrantInnen und Asyl: Die derzeitige Rechtslage im Ausländerrecht diskriminiert gemischtnationale schwule und lesbische Lebensgemeinschaften. Schwulen und Lesben muß der Aufenthalt in der Bundesrepublik ermöglicht werden, wenn sie hier eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft leben wollen. Ihnen wird häufig ein dauerhaftes Zusammenleben unmöglich gemacht, da der ausländische Partner kein Aufenthaltsrecht erhält. Heterosexuelle Menschen können hier eine Ehe eingehen. Die vollständige Umsetzung der Ehe nach dem BGB auf Bundesebene ist daher auch ein Ziel der kommunalen Arbeit.

·        Wohnungswesen: Für schwule und lesbische Lebensgemeinschaften in lesbischen bzw. schwulen Lebens- oder Wohngemeinschaften müssen Wohnberechtigungsscheine zusammenlegen können.

·        Ältere Schwule und Lesben: Die Situation älterer und alter Schwuler und Lesben wird von der traditionellen Altenarbeit völlig ignoriert. In den Seniorenplänen ist daher zukünftig die besondere Situation von Lesben und Schwulen zu berücksichtigen. Generationenübergreifende und integrative Wohneinrichtungen sind zu fördern.

·        Unterstützung lesbisch-schwuler Selbsthilfearbeit / Lebensberatungsstellen: Die Kommunen und Kreise werden die Arbeit von lesbischer und schwuler Selbsthilfe unterstützen und fördern. Hierzu können die Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel oder auch die Überlassung von Räumlichkeiten gehören.

·        Jugendarbeit: Die MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit sollen dazu befähigt werden, lesbische und schwule Jugendliche im Prozeß des Coming-Out zu unterstützen. In Aus- und Fortbildung werden sie sowohl über schwule und lesbische Lebensgemeinschaften informiert als auch über die Problematik des Heterosexismus, der Fixierung auf eine heterosexuelle Rollenerwartung. Bei Adoptionsentscheidungen ist sicherzustellen, daß die sexuelle Identität keinen Einfluß auf die Einschätzung der Fähigkeit zur Kindererziehung hat. Jugendgruppen von Lesben und Schwulen sind ebenso zu fördern wie andere Jugendorganisationen.


Coming-Out am Arbeitsplatz: Gar nicht so fremd -
Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in der Chef-Etage

Norbert Zillich hat auf Grundlage der Figurationssoziologie von Norbert Elias die Situation von schwulen Männern in der Arbeitswelt untersucht, insbesondere das BEZIehungs-Verhältnis (die Figuration) zu den Arbeitskollegen wurde betrachtet. Für die 1980er Jahre kommt er zu vier verschiedenen Typen von Figurationen, wie sich der lesbische bzw. schwule Mensch in den Kollegenkreis integriert:

·        Erste Figuration - Der Unschlüssige: Der Unschlüssige führt nicht im Privaten, aber im Berufsleben noch ein Doppelleben vor den Arbeitskollegen und versucht, eine heterosexuelle Existenz aufrechtzuerhalten, da er Angst hat, daß er bei seinen Arbeitskollegen nicht angenommen wird.

·        Zweite Figuration - Der Vorsichtige: Der Vorsichtige will wohl seine gleichgeschlechtliche Orientierung als integralen Bestandteil seiner eigenen Existenz präsentieren, ist jedoch vorsichtig. Trotzdem trifft der Vorsichtige eine klare Abrenzung gegenüber der dauerhaften Inszenierung eines heterosexuellen Mannes wie beim Unschlüssigen. Der Vorsichtige will nach Möglichkeit nicht lügen und würde niemals sagen, daß er verheiratet sei oder eine Freundin hätte: "Ich sage, daß ich ledig bin, und sage nicht, daß ich eine Frau habe, sondern ich sage, daß ich `versorgt bin´, die anderen können sich dann was denken, jedenfalls möchte ich so wenig wie möglich lügen müssenî, könnte die Einstellung des Vorsichtigen lauten. Es fällt dem Vorsichtigen jedoch schwer, von seinem Lebenszusammenhang vor den Kollegen zu sprechen. Das unflexible Handeln heterosexueller Kollegen wird mit eigenem unflexiblem Handeln beantwortet. So erreicht der Vorsichtige durch seinen Rückzug aber nur, Verständigungsmöglichkeiten zu blockieren und Kommunikationsbarrieren zu verfestigen.

·        Dritte Figuration - Der Gelassene: Der Gelassene hat die Einsicht, daß das Leben in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft nicht als ein privates oder individuelles Phänomen zu betrachten ist. Das Leben in einer Lebensgemeinschaft ist ein Produkt, das aus Prozessen der sozialen Interaktion verstanden werden muß, an der auch die Arbeitskollegen beteiligt sind: (Homo)sexualität bzw. das Leben in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft wird damit zu einem gesellschaftlichen Phänomen. Die Sozialisation und Entwicklung, die der Typus des Gelassenen im Laufe seines Lebens durchlaufen hat, läßt ihn zu einem Selbstverständnis kommen, daß auch den Arbeitskollegen nicht vorenthalten werden darf, daß er in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt. Die Unterscheidung in gleichgeschlechtliche oder verschiedengeschlechtliche Lebensgemeinschaften stellt für den Typus des Gelassenen eine Nebensächlichkeit dar. Die potentielle Unverständnis bei Kollegen, die diese Erkenntnis möglicherweise nicht so haben, berührt sein Selbstwertgefühl nicht. Durch das gelassene Auftreten ist es für den Kollegenkreis meistens auch nichts ungewöhnliches mehr, daß der Kollege in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt: Der Gelassene hat ihnen bereits die Möglichkeit gegeben, ihre Neugier zu stillen.

·        Vierte Figuration - Der Entschiedene: Der Entschiedene tritt vor seinen Arbeitskollegen gEZIelt und bewußt als jemand auf, der in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt. Seine BEZIehung nicht zu erwähnen, würde er als persönliche Einschränkung erleben. Sein soziales Umfeld ist oft durch Engagement in schwulen Arbeitsgruppen gekennzeichnet, so daß dieses ein Gedankengebäude zur Verfügung stellt, daß seine Selbstbejahung bestärkt. Im Hinblick auf einen Sichtbarmachungsprozeß am Arbeitsplatz ist das Engagement in Arbeitsgruppen für Schwule und Lesben eine maßgebliche Ressource sozialer Unterstützung. Ebenso kann er dem Aspekt schwuler oder lesbischer Arbeitskollegen im Arbeitsbereich großer Unternehmen gesonderte Aufmerksamkeit schenken, da es sich dabei nicht um einen Ausnahmefall handelt, sondern um eine allgemeine Erscheinung: Man freundet sich mit ebenfalls schwulen Arbeitskollegen an (vgl. aaO).

Heute in den 1990er Jahren läßt sich die Tendenz feststellen, daß sich nicht nur die bisher "Vorsichtigen" bei den Arbeitskollegen offen verhalten und mit den Kollegen über ihre Liebes- und Lebensgemeinschaften sprechen. Sie treten als Paar auf Betriebsfeiern gemeinsam auf oder unternehmen mit den Arbeitskollegen am Wochenende etwas gemeinsam.

Aber auch besonders in den Führungsetagen ist eine offenere Haltung zur eigenen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft festzustellen: Der Chef will mit seiner BEZIehung vorbildlich bei seinen Kollegen vorangehen. Ein Tabu in der Chefetage gibt es nicht mehr - die Integration hat auch hier stattgefunden. US-Unternehmen gehen mit Schwulen und Lesben längst gelassen um, und deutsche Manager lernen von ihren US-Kollegen: So stellte es die Deutsche Lufthansa den Mitarbeitern frei, einen gleichgeschlechtlichen Partner als Nutznießer von vergünstigten Tickets anzugeben. Weiter setzt sich auch die ÖTV bei evtl. Schwierigkeiten für eine stärkere Integration im Arbeitsleben ein.

Die Wirtschaft wird sich der gesellschaftlichen und politischen Liberalisierung nicht entziehen können - im Gegenteil, kein Unternehmen kann auf den "tüchtigen und überdurchschnittlich gebildeten Mitarbeiterî genausowenig verzichten wie auf den "überdurchschnittlich wohlhabenden und konsumfreudigenî schwulen Kunden (aaO). Gerade die Wirtschaft wird es sein, die durch Werbung, Marktforschung und Marketing für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften Motor für ihre Integration sein wird.


 
Immer mehr schwule Mitarbeiter haben die Heimlichtuerei satt:

Was macht Jens-Uwe Lückemeier, wenn Sven Kielgas Tagungen besucht ? Er nimmt, witzelt Lückemeier über sich selbst, am "Damenprogrammî teil. Kielgas ist Abteilungsleiter der deutschen Niederlassung des amerikanischen Softwareunternehmens Novell, Lückemeier Freiberufler. Und beide sind ein schwules Paar. Sie leben zusammen in einer eleganten Altbauwohnung in Düsseldorfer Edel-Viertel Oberkassel und schätzen sich selbst als wertkonservativ und sehr bürgerlich ein. Von Anfang an hat der 30jährige Kielgas weder die Vorgesetzten noch seine 17 Mitarbeiter im unklaren gelassen: Wenn sie von ihren Frauen erzählen, dann berichtete der Jungmanager von seinem Freund. Kommen die Kollegen mit Partnerinnen zum Betriebsfest, bringt er Jens-Uwe mit. Es ist in der Düsseldorfer Dependance des 3600-Mitarbeiter-Unternehmens Novell eine Selbstverständlichkeit.

Novell, ein in den USA als konservativ geltendes Unternehmen hat mit dem unverkrampften Auftreten seines deutschen Marketingleiters kein Problem. Der Marketingmanager Kielgas und sein Freund Lückemeier sind überzeugt, daß "die eigene Schere im Kopf den Schwulen größere Probleme bereitet, als es tatsächliche Diskriminierung tutî. Lückemeier nimmt verblüffte Reaktionen auch niemandem übel: "Man muß den Heteros eine Chance lassen. Die erwarten auf einem Empfang halt nicht zwei Männer als Paarî

(Wirtschaftswoche 15/93:36).



Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind, wie die Grafiken weiter unten zeigen, eine kaufkräftige Zielgruppe: das Jahreseinkommen ist fast doppelt so hoch wie das des Durchschnittbürgers, fast 50 Prozent arbeiten in einer Führungsposition, 60 Prozent haben einen höheren Bildungsabschluß: "Es ist der stille Triumph, als Minderheit zur Elite zu gehören, so der Soziologe Martin Dannecker in der Wirtschaftwoche (aaO).

Der US-Präsident Bill Clinton machte es der Wirtschaft vor: Seine inzwischen verwirklichte Ankündigung, qualifizierten Lesben und Schwulen hohe Regierungsämter zu geben, verschafften dem neuen Präsidenten 80 Prozent der Gay-Stimmen.

Besonders betriebswirtschaftliche Gründe sprechen für einen Kurswechsel des Managements hin zu Stellenausschreibung besonders für gleichgeschlechtlich orientierte Mitarbeiter: Lesbische und schwule Mitarbeiter/innen repräsentieren ein wertvolles Mitarbeiterpotential. Unternehmen mit einem verklemmten Klima hingegen sind nach US-Erkenntnissen weniger produktiv. Aufgeklärte Personalchefs wissen, daß Schwule in allem, was mit sozialer Interaktion zu tun hat, bestens geschult sind. Das macht sie zu hervorragenden Verkäufern, Beratern und Dienstleistern etwa in Banken und Versicherungen, im Hotelgewerbe und im Einzelhandel. Vom schwulentypischen Hang zur Ästhetisierung leben kreative Branchen wie Mode, Marketing, Werbung oder Raumgestaltung. Schwule sind Trendsetter, haben im Arbeitsalltag besondere Führungsqualitäten, da sie geschickter sind in klimatischen Dingen und im Umgang mit den Mitarbeitern. Weiterhin sind Lesben und Schwule "erprobte Grenzüberschreiterî und in der Lage über Konventionelles hinwegzudenken. Sie haben einen flexiblen Perspektivenwechsel, der ihnen eine gute Fähigkeit zur Analyse gibt, die z.B. im Management dringend benötigt wird.


 
"Schwule und Lesben sind die besseren Chefs

Nicht nur wer sein eigener Chef ist, kann die Unternehmenskultur selbst bestimmen, auch große Unternehmen schätzen schwule und lesbische Mitarbeiter als wertvolles Potential: "Wenn jeder schwule oder lesbische Arbeitnehmer bzw. -geber einen Tag lang rot anlaufen würdeî, meint Robert Bray von der National Gay and Lesbian Task Force, "dann sähe die Wirtschaft wie ein Kirschbaum in voller Tracht und Blüte aus.î Ein Gedanke, mit dem sich viele Unternehmen identifizierten können: Denn seit das prüde Amerika mit missionarischem Eifer seine Homophobie in Unternehmen bekämpft, nähern sich viele Manager bei der Personal-Einstellung gerade schwulen und lesbischen Mitarbeitern. Hunderte von Konzernen veranstalten regelmäßige Homophobie-Workshops. Der Unternehmensberater hat allein beim Telefon-Riesen AT&T seit 1987 rund 4000 Manager über den Umgang mit Schwulen und Lesben "gebrieftî: "Homophobie vermindert die Produktivität eines Unternehmens um zehn Prozentî. Von den 500 größten US-Unternehmen haben bereits mehr als 100 daher Bestimmungen gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Präferenzen erlassen. Die Integration macht es möglich, daß Gays etwa bei Apple Computer, AT&T, Boeing, Hewlett-Packard, Lockheed, Polaroid, Xerox und Levi Strauss Interessengruppen bilden. In firmeneigenen Computernetzen existieren Nachrichtenbörsen für Schwule und Lesben: Das schwule Schwarze Brett Xerox´ riet z.B. kürzlich zu behutsamen Umgang mit den als homophob geltenden europäischen Xerox-Kollegen. Aber auch im Silicon Valley gibt es die "High-Tech-Gaysî: Personalmanager wie Russ Campanello vom Softwareunternehmen Lotus Development sehen den Ruf der Toleranz längst als Wettbewerbsvorteil. Dadurch habe er bereits "einige anerkannte lesbische und schwule Spitzentechnikerî engagieren können. Auch der Niederlassungsleiter eines großen deutschen Pharmaunternehmens im europäischen Ausland genießt ein offenes Leben: Die Kollegen wissen Bescheid über seine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft. Kokett gibt der Mittdreißiger zu: "Wenn ich als Personalchef zwischen zwei gleichqualifizierten Bewerbern entscheiden muß, dann nehme ich den netterenî

(Wirtschaftswoche 15/93:43).


 

Ausgestattet mit neuem Selbstverständnis und gewachsenem Selbstbewußtsein gehen Schwule und Lesben in die Offensive. In der Wirtschaft zeigen auch Selbständige Flagge: In Köln organisiert der Chef des Unternehmens Toolbox einen "Arbeitskreis lesbische und schwule Unternehmerî. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen gehören mittlerweile dazu, die einen Jahresumsatz von 135 Millionen Mark repräsentieren. Auch in München bündeln rund 100 schwule Chefs ihre Kräfte: Über 200 Gay-Betriebe aus der bayerischen Landeshauptstadt führt ein herausgegebener Branchenführer auf. Ebenso in anderen Ländern: Modezarin Jil Sander steht die mit Presserummel begleitete Eröffnung ihres Geschäftes in Paris selbstverständlich gemeinsam mit ihrer Partnerin Dickie Mommsen durch. Und viele schwule und lesbischen Manager sind Trendsetter im schwul-lesbischen Marketing, um einerseits Schwule und Lesben zu umwerben, andererseits aber auch, um den Zeitgeist zu treffen.


Marketing und Werbung für schwule Paare: "Nie waren sie so wertvoll wie heuteî - Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als Traummarkt

Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind eine attraktive Zielgruppe: Immer häufiger sprechen auch konventionelle Groß-Unternehmen die (lesbischen und) schwulen Luxuskonsumenten direkt an: Ein gleichgeschlechtliches Paar schlendert durch das Kaufhaus mit dem Elch und sucht Möbel für die gemeinsame Wohnung aus: Diese Szene aus einem IKEA-Werbespot im US-Fernsehen ist auf deutschen Schirmen auch vorstellbar, denn allmählich entdeckt die Werbung wie auch die Politik gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als Zielgruppe für Marketing. Midway Airlines, Remy Martin und viele andere schalten regelmäßig ganzseitige Anzeigen in der (schwul-lesbischen) Presse und entwickeln schwule Anzeigenkampagnen für die konventionelle, überregionale Werbung. Coca-Cola und Philip Morris sponsern schwule CD´s oder schwule Partyveranstaltungen, ein männliches Pärchen mit Hund wirbt kess für "Toyota - das Familienautoî.

Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften waren nie so wertvoll wie heute: Das Jahreseinkommen des amerikanischen Schwulen liegt, so errechnete das Marktforschungsinstitut Simmons Market Research und der US Census 1991, fast doppelt so hoch wie das des Durchschnittsamerikaners. Knapp 60 Prozent der Schwulen haben einen College-Abschluß (US-Durchschnitt: nur 18 Prozent) und fast 50 Prozent arbeiten in einer Führungsposition, im US-Durchschnitt sind es nur 16 Prozent (vgl. Wirtschaftswoche 15/93:38 sowie Spiegel Special 5/95:99).

Ähnliche Trends ermittelten deutsche Forscher: Die Koblenzer Werbeagentur Remy & Marcuse hat über 2000 Leser der Berliner Schwulen-Zeitschriften "Männer aktuellî und "Magnusî befragt und 3000 deutschen Werbemanagern die Ergebnisse der Studien vorgelegt: Schwule Männer sind demnach "überdurchschnittlich gebildet, wohlhabend, markentreu und konsumfreudig" (aaO). Nicht nur für den Reisemarkt sind die Schwulen in Deutschland daher eine attraktive Zielgruppe: 49 Prozent der Schwulen haben ein überdurchschnittliches Einkommen von über 5000 Mark netto zur Verfügung. Über 30 Prozent der Schwulen haben sogar mit mehr als 6000 DM ein äußerst überdurchschnittliches Spitzeneinkommen pro Monat. Im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung haben dieses Spitzeneinkommen nur etwa 7 Prozent. Nur 16,2 Prozent der Bevölkerung, aber 61,3 Prozent der schwulen Männer in Deutschland verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von 3000 Mark und mehr. 16,2 Prozent der Bundesbürger, aber 31,3 Prozent (also fast doppelt soviele) der deutschen Schwulen haben die Hochschulreife (vgl. Remy/Marcuse-Studie 1995; f. Berichterstattung in: Focus 14/95:226; Spiegel Special 5/95:99; Focus12/96:205f).


 
Das Freizeitverhalten der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ist eher luxuriös: Sie reisen öfter und weiter als andere. Remy & Marcuse-Geschäftsführer Volker Remy erwartet einen grundlegenden Wandel in der Haltung von Markenartikelherstellern gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden. Inzwischen sei Produzenten, wie auch Werbern bewußt, daß die Schwulen-Szene Trendsetter ist und vor allen Dingen, daß sie markentreu sind: Ein Traummarkt.

Auch die deutschen Werbechefs entwickeln derzeit gerade Lifestyle-Kampagnen, um gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften anzusprechen. So hat die Reisebranche als erste den Markt der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften entdeckt: Von knackigen Kerlen und hübschen Jungs aus ganz Europa schwärmt der Reisekatalog über Gran Canaria und offeriert "gay-freundliche Hotels und Pensionenî. Die Berliner Reiseagentur RTS-mantours brachte vor einigen Jahren ihren ersten schwulen Reisekatalog auf den Markt. Die Reiseunterlagen erhält der Kunde allerdings aus Oberursel: Alle Angebote der Berliner hat Großveranstalter Neckermann (NUR) übernommen, mantours ist nur Vermittler. Ein Hotelpartner der Bonner ist die Hotel-Gruppe Maritim: Es gibt bei dem Unternehmen keine Interessengruppe, die sie nicht umwerben würden, so werde laut Untemehmenssprecher Reiner Mühlhausen keinem das Gastrecht verwehrt. Schwule und Lesben werden - genau wie Taucher, Singles und Frauen - als Special-Interest-Gruppe betrachtet - und das ist ein nicht zu unterschätzender Markt. Ähnlich sieht die Deutsche Lufthansa die neue Klientel: "Uns sind gleichermaßen alle Kunden willkommen, so LH-Sprecher Peter Höbel im Focus (14/95:226). In Amerika ist die Lufthansa Mitglied in der International Gay Travel Association (IGTA), und die wirbt zusammen mit starken Hotelpartnern wie Hilton, Hyatt oder der US-Fluggesellschaft American Airlines um gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.

 


Der Geschäftsführer von Holigays-Reisen Bemhard de Paz ist mit 34 ReisEZIelen Deutschlands größter Veranstalter für schwules Reisen und hat zum Beispiel auf Key West oder in San Francisco klassische Schwulen-Destinationen - unter anderem auch reine Männer-Hotels oder schwul-lesbische Kreuzfahrten - im Angebot. Meist werden aber gemischte Hotels angeboten. Der Service bEZIeht sich auf die Kenntnis der schwul-lesbischen Infrastruktur des Urlaubsziels und Hotels in zentraler Lage zum entsprechenden Nightlife. Männerpaare äußern den Wunsch nach Unterbringung im französischen Bett statt in getrennten Betten und wollen an der Rezeption nicht schief angesehen werden. Diese Häuser erhalten dann in den Katalogen daß Prädikat "gay-freundlichî.

Während die deutsche Reisebranche den gleichgeschlechtlichen Travelmarkt entdeckt, hat Nachbar Holland bereits seit längerem Erfolg. Bereits anfang der 1990er Jahre warb der Marketing-Manager für Nordamerika Cees Bosselaar im Niederländischen Büro für Tourismus (NBT) mit einer Gay-Anzeigenkampagne erfolgreich auf dem US-Markt: Es konnte in einer Marktnische mit wenig Aufwand enormer Erfolg verzeichnen werden. So bietet der amerikanische Veranstalter `Atlantis´ sogar schwulen Erlebniscluburlaub an. Die Atlantis-Ressorts sind allesamt Club-Med-Anlagen, die zu bestimmten Terminen dem Männerpaar zur Verfügung stehen. So hat sich unter der Klientel das mexikanische Cancún als beliebtes ReisEZIel für den Urlaub gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften etabliert.

Aber nicht nur die Werbeindustrie, auch Hollywood bringt eine Welle schwul-lesbischer Gesellschaftspolitik in die Kinos: Das Bild, das die Filmindustrie und Hollywood von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in den Medien vermittelt, hat sich grundlegend geändert, ist ein neues: Eine schwul-lesbische Ästhetik beherrscht mittlerweile auch Filme, die mit Schwulen gar nichts zu tun haben. Tom Cruise´ zärtlicher Biß in Brad Pitts Hals in "Interview mit einem Vampir" ist mehr als zweideutig. Auch Hollywoods neue Helden Johnny Depp und Leonardo DiCaprio geben sich androgyn - Schwulsein ist im Spielfilm gesellschaftsfähig.

Viele schwul-lesbische Filme führten in den USA die Kinohitparade an. Das breite amerikanische und deutsche Publikum begeistert sich für schwul-lesbische Filme. Die Unterhaltungsindustrie schwimmt geradezu auf einer Welle der schwul-lesbischen Kultur. Kaum eine Woche vergeht, ohne daß ein Spielfilm mit Thematiken von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in die Kinos kommen wie "The incredible adventure of two girls in love", der von der ersten große Liebe zwischen zwei Mädchen erzählt, oder "Jeffrey", die Love-Story zweier Männer, "Wigstock", "Philadelphia", Schlafes Bruder", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" etc. Auch in TV-Serien, wie "NYPD Blue", "Rosanne", "Frasier" oder "Melrose Place", tauchen immer häufiger Schwule, Lesben und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften auf. Sogar auf Familienunterhaltung ausgerichtete Konzerne wie Disney produzieren Gay-Filme wie "The priest".

Filme über die Kultur und die Themen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind Kassenschlager: Die Film- und Fernsehindustrie hat erkannt, daß mit "Gay movies" Geld verdient werden kann - z.B. "Birdcage": weil Lesben und Schwule ins Kino gehen, um sich einen Film über sie betreffende Thematiken anzuschauen, spielte der Film ein Surplus im Gewinn von bislang über 100 Millionen Dollar ein (vgl. Die Welt 22.9.95). Ähnlich die deutschen erfolgreichen Spielfilme "Echte Kerle" oder "Stadtgespräch". Die Integration der Darstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in Filmen und Serien macht das Medienangebot zum Quoten-Renner.


Schwule Paare in TV-Serien und Magazinen garantieren die Quote

Die "Lindenstraße" war Vorreiter, aber auch andere neuentstandene tägliche TV-Serien wie "Marienhof", "Unter uns", "Verbotene Liebe" oder "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" kommen heute nicht ohne ein schwules oder lesbisches Paar aus. Schauspieler Georg Uecker hat vor einigen Jahren in seiner Rolle als Carsten Flöter in der "Lindenstraße" drehbuchgerecht seinen Freund Martin Armknecht geküßt: Ein Mann knutschte lustvoll einen Mann im Familienprogramm. Heute wartet jede in Deutschland produzierte tägliche Serie inzwischen mit dem einem schwulen und/oder lesbischen Pärchen auf: In "Jede Menge Leben" vom ZDF verliebt sich Arztgattin Carmen in die Detektivin Jeanette. In der RTL-Serie "Unter uns" ist Armin Franke als Schwuler in eine Frauen-WG eingezogen. Im "Marienhof" der ARD findet Kindermädchen Babette - vormals mit Ria verbandelt - in Andrea ihr neues Glück. In "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" entdeckt RTL-Star Saskia Valencia ihre gleichgeschlechtliche Neigungen. Lesben und Schwule sind anscheinend besonders daran interessiert, im brav-bürgerlichen Familienprogramm präsent zu sein: In der SAT.1-Kuppel-Show "Nur die Liebe zählt" - ebenso wie in Linda de Mols "Traumhochzeit" - sinken sich gleichgeschlechtliche Pärchen in die Arme. Zuletzt tauschten Tanja und Nadja ihren ersten glücklichen Kuß vor applaudierendem Studiopublikum und einem gnädig lächelnden Kai Pflaume. Die Message der Serien-Macher zeigt, daß es keinen Grund gibt, Menschen in ihren sexuellen Neigungen zu diskriminieren - sie werden selbstverständlich integriert. Daß Frauen Frauen knutschen und Männer Männer streicheln, regt seit langem keinen TV-Redakteur oder Zuschauer mehr auf. Fazit: Gleichgeschlechtliche Liebe ist heute in den Medien alltäglich.

Aber auch in Wirklichkeit bekennen sich schwule Schauspieler, Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und vor allem auch Sänger öffentlich zu ihrer Liebe, ohne daß es ihre Karriere beeinflußt. In einer vom Magazin "Entertainment Weekly" durchgeführten Umfrage stimmen die Zuschauer für das Coming-Out von Regisseuren, Drehbuchautoren und Schauspielern, Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner stört es nicht, daß der jugendliche Held im Liebesfilm privat gar nichts mit Frauen im Sinn hat und in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt.


Schwule Redakteure und Drehbuchautoren für schwul-lesbische Themen gesucht

Was fehlt noch im deutschen Fernsehprogramm ? Es ist ein monatliches schwul-lesbisches Magazin: Die beiden Redakteure David Wilms und "Lindensträßler" Georg Uecker von der Kölner Produktionsgesellschaft Pro GmbH, an der auch Alfred Biolek beteiligt ist, haben das Konzept "Jungs und Mädels" entwickelt. Das Magazin soll Zuschauern jeder Couleur schwul-lesbische Sichtweisen nahebringen. Auf unterhaltsame Weise, natürlich. Schwule sind in Sachen Ästhetik, Lifestyle und alternative Lebensformen immer schon Vorreiter gewesen. Das interessiert besonders das junge Publikum. Zudem ist es immens wichtig, Jugendlichen im Fernsehen Orientierungshilfe zu geben. Viele junge Menschen, die in einer heterosexuell geprägten Umwelt aufwachsen, wissen nicht, was sie tun sollen, wenn sie merken, daß sie lesbisch bzw. schwul empfinden. Vorbilder aus den Medien helfen ungemein beim Coming-Out. Die Bilder von glücklichen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sollen jetzt in einem monatlichen Magazin für Lesben und Schwule geliefert werden. Ähnlich die Projekte bei einer Hamburger Filmpoduktionsgesellschaft: Dort hat der Kölner Magazin-Entwickler Karsten Roeder das Programm-Konzept "Max und Moritz" entwickelt. Auch bei den Öffentlich-Rechtlichen Programmen wird beim ZDF-Chefredakteur als auch beim ARD-Programmdirektor überlegt, ein monatliches Magazin für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zu planen, denn in die öffentlichen Fernsehanstalten gehört ein "Minderheiten"-Programm per Senderauftrag ja auch hin. Matthias Frings war Vorreiter in dem Magazin "liebe sünde" und brachte als erster Moderator schwule bzw. lesbische Lebensgemeinschaften auf den Bildschirm: Mit schwulen Themen lief `liebe sünde´ sogar noch besser als mit heterosexuellen Themen.

Der Kreativität von Schwulen verdanken TV-Redakteure und Werbeagenturen einen großen Prozentsatz aller Ideen. Bisher hinkt Deutschland der Entwicklung in den Staaten noch hinterher. In den USA nämlich hat die Film-, Fernseh- und Werbeindustrie die Gay-Lesbian-Community schon lange als eine der lukrativsten Zielgruppen - auch für die Fernsehquote - entdeckt. Markenartikler wie Mercedes, Volkswagen, Ikea, Tchibo, und Diesel reißen sich mit extra entwickelten Anzeigen- und TV-Spots-Kampagnen um gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. In Deutschland wird sich das auch bald schnell ändern, wenn erst mal weiteres Forschungs- und Datenmaterial sowie empirische Studien der Sozialforschung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ihren sozialen Dimensionen vorliegen.

 

Marketing, Werbung und Marktforschung
für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

z.B. Sparkassenwerbung für schwule Jugendliche

In den Lifestyl-, Fernseh- und Jugend-Zeitschriften gibt es jetzt eine schwule Anzeigenserie der Sparkasse mit zwei sich liebkosenden schwulen Jungs (z.B. in BRAVO-Ausgabe 19/96:24 oder auch z.B. in TV-Movie 10/96:104), allerdings findet ein Leserbrief es "schade, daß das wieder mal nicht ganz eindeutig ist, ob das zwei Jungs sind: Wenn, dann ist aber der hintere ausgesprochen niedlich." Wie folgt, so der Leserbrief, sei die Anzeigenkampagne wohl kreiert worden:

Marketing-Chef einer Werbefirma und sein Knecht (Creativ-Assistant) Krause unterhalten sich.

Marketing-Chef: Krause ? KRAAAAUUUUSEEEE !!!

Creativ-Assistant: Ja Chef ? Bin schon da, Chef.

Marketing-Chef: Ich lese hier gerade im Managermagazin, daß Schwule überdurchschnittlich viel Geld, Bildung und Erfolg im Beruf haben sollen und außerdem gilt es gerade als schick ! Das ist doch ideal ! Wir machen da eine schwule Anzeige für die Sparkassen draus ... .

Creativ-Assistant: Aber Chef, werden da nicht all die alten Omas ihre Sparbücher auflösen? Sie wissen doch, die Menschen sind intolerant !

Marketing-Chef: Nein, nein. Auch Omas freuen sich über den Besuch von schwulen Enkeln - und wenn er seinen Freund mitbringt, sind sie umso weniger einsam ! Wer sollte sich da schon beschweren ? Ihre eigene Schere im Kopf, Krause, ist das schlimme, die ihre Kreativität hemmt und den Erfolg unserer Werbe-Agentur beschneidet. Die Gesellschaft akzeptiert sehr wohl die Liebe Jugendlicher. Notfalls machen sie es einfach ein wenig zweideutig, dann kann sich jeder denken, was er will - oder ? Wir brauchen jetzt Portraits von glücklichen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in der Werbung ! Krause, sie machen das schon ... - ich will den Entwurf in zwei Stunden ... .


 

Öffentlichkeitsarbeit über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für die bürgerliche Gesellschaft kann nicht negativ beurteilt werden - im Gegenteil. Das Medien- und Wirtschaftssystem kann dabei über die dem Markt eigene Charakteristik, wie der Transparenz und der schnellen Zusammenführung von Nachfrage (nach positiven Identifikationen) und Angebot (von neuen Schwulenbildern), eine gesellschaftliche Integration von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wesentlich schneller leisten, als das (träge) politische System oder die alltägliche soziale Praxis der Bürger. Nachbarschaftliches Miteinander ist zwar auch zentral, aber die gesellschaftliche Integration wird über die globalen Medien (Öffentlichkeitsarbeit) mit ihrem Marketing bzw. Öffentlichkeitsarbeit für schwule und lesbische Lebensgemeinschaften führen, denn hinter dem schwulen Marketing stehen auch gesellschaftliche Inhalte und dabei kann man sicher sein, daß diese nicht im geringsten eine Diskriminierung beinhalten, sondern auf eine sehr positive Integration setzen: Marketing setzt das Paradies auf Erden um.

Nicht das Marketing für Schwule, sondern das Karrierestreben von Schwulen wird von manchen Schwulen jedoch kritisch gesehen, denn es gibt nicht nur den Yuppie-Schwulen, sondern auch den schwulen Sozialhilfeempfänger oder schwulen Familienvater.

Gegen das Motto "Nie waren sie so wertvoll wie heute" wenden sich besonders ältere Schwule, die ein neues Schwulenbild nicht akzeptieren können, da sie noch eines kennengelernt und verinnerlicht haben, bei dem sie noch mit Engagement gegen Diskriminierung kämpfen mußten. Schwule und Lesben klagen seitjeher, daß es keine öffentliche Bilder über sie gibt. Da werden diese nunmal durch die gesellschaftliche Veränderung hin zur Integration modifiziert und jeder ältere Schwule sieht gleich seine mühsam an diesen Bildern aufgebaute Identität zusammenbrechen. Ein Marketingbild von glücklichen schwulen Paaren läßt für sie daher auch einen Teil ihres Lebenssinns sterben, der in aktivem Engagement gegen Diskriminierung bestand. Das Engagement für eine Integration ist aber auch heute noch wichtig und notwendig, da noch zu wenig in der Öffentlichkeit für Toleranz geworben wird. Schließlich muß man auch betrachten, welche Wirkungen Öffentlichkeitsarbeit auf die bürgerliche Gesellschaft hat und zweitens welche Bilder sich bei den Schwulen selbst verändern. Und der jugendliche Schwule ? Mit welchem Schwulenbild mag er sich wohl lieber oder eher identifizieren: Mit einem der für Ehe, Treue und Safer Sex bereit ist, oder einem, der wegen Aids im Vollstadium gepflegt werden muß ? Mit einem erfolgreichen, aber konsumorientierten lebensfrohen Yuppie-Manager oder einem diskriminierten, damals als krank bezeichneten Schwulen, der unter Hitler verschleppt wurde ?

Hinter dem neuen, öffentlichen Marketing für schwule bzw. lesbische Paare steht nicht nur eine Konsumorientierung, Werbung ist ein generelles Phänomen unserer Zeit und nicht besonders ein Kritikpunkt, weil nun Schwule und Lesben umworben werden: In der heutigen Zeit werden alle Menschen umworben. Daß Werbung für Schwule gemacht wird, ist dabei auch nicht neu: schwul-lesbische Buchläden, Verlage und Versandfirmen machen dies seit jeher. In den 1990er Jahren haben jedoch auch große Unternehmen z.B. der Reisebranche oder der Medienindustrie neben den heterosexuellen auch die schwulen Familien entdeckt, die gut verdienen. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften werden als voll integriert in der Gesellschaft dargestellt.

Die empirischen Forschungen sind nicht von der Hand zu weisen, da die Forschung sowohl in Amerika als auch in Deutschland zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Wie immer man sie bewerten mag, diese Ergebnisse gehören zu den einigen wenigen empirisch-statistischen Forschungen, die zunächst einmal dokumentiert werden müssen. Neue Bilder von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften müssen zu Kenntnis genommen werden, damit man sie reflektieren kann, aus denen man sich das heraussuchen kann, was einem selbst entspricht. Öffentliche Vorbilder werden benötigt - die Medien werden sie liefern.

Wenn nun Schwule sowieso eine Creme kaufen, warum sollte dann nicht Nivea mit einem sich gegenseitig eincremendem schwulen Paar Werbung für die Creme Nivea machen ? Wenn Schwule sowieso ins Kino gehen, warum sollen Sie sich dann nicht Kinofilme mit den sozialen Thematiken und Belangen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften anschauen ? Schwule wollen auf der Leinwand den Casablanca-Satz "Schau mir in die Augen" auch von zwei sich im Arm haltenden Männern wahrnehmen. Ebenso die schwul-lesbischen Buchläden - sie gäbe es gar nicht, wenn Lesben und Schwule ihre Bücher in "heterosexuellen" Buchhandlungen oder über eine alle Zielgruppen ansprechende Online-Buchhandlung des Internet bestellen würden. Gerade schwule und lesbische Manager müssen die neuen Portraits von glücklichen gleichgeschlechtlichen Paaren in ihre Werbung aufnehmen. Hinter dem schwulen Marketing der Marktwirtschaft stecken schließlich auch gesellschaftliche Inhalte des Schwulseins, die vermittelt werden und eine Integration in kürzestere Zeit leisten können. Schwul-lesbisches Marketing bedeutet auch Emanzipation, Öffentlichkeit (= Selbstverständlichkeit) und ein "Coming-Out of the Closet [Nische]".

Wenn Lesben heiraten, warum sollen Sie dann nicht mit Brautmoden umworben werden ? Wenn schwule Männer Bücher kaufen, warum sollen Sie diese dann nicht in einem schwul-lesbischen Buchladen kaufen ? Wenn Schwule ins Kino gehen, warum sollten sie sich dann nicht auch das "Schwule Casablanca" oder "Echte Kerle" ansehen ? Die Werbung wird zwei junge Männer oder zwei Frauen zunehmend selbstverständlich integrieren, wie es sich in Spielfilmen bereits abzeichnet. Besonders im Freizeit- und Erlebnisbereich werden Schwule und Lesben umworben. Bestes Beispiel ist die Gleichstellung und Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren in den USA durch Walt Disney.

 

Die Kulturindustrie wie z.B. Walt Disney umwirbt die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in Amerika: Filmproduktionen für gay´s sowie großangelegte Aktionen in den Freizeitparks für Lesben und Schwule. Marketing, Werbung und Merchandising für Lesben und Schwule - vom T-Shirt über Mickey-Mouse-Masken und Butterfahrten mit dem Reisebus für Lesben und Schwule aus anderen Städten zu den schwul-lesbisch-orientierten Tagen in den Freizeitparks. Weitere Infos im Internet unter unter www.gayday.com: War Donald Duck jetzt nun ein schwuler Onkel oder nicht ?

Unlängst fragte das New Yorker `Wall Street Journal´: "Wie nennt man 24 Millionen schwule Männer und Lesben ?î und lieferte die Antwort gleich mit: "Einen Traummarkt.î Schließlich, so die Zeitung weiter, sei diese typische schwule Familie - nicht immer, aber oftmals mit Kindern - ein Haushalt von Doppelverdienern. An diesen will weder die Reisebranche, die Herren-Kosmetikbranche noch die Film- und Fernseh-Industrie, ganz zu Schweigen von der Freizeit-Industrie vorbei - denn die Kassen klingeln und Schwule wollen sich im Kino Werbung und Filme mit ihren Lebensgemeinschaften betreffenden Themen anschauen: "Schau mir in die Augen, Kleiner".


25 Jahre Lesben- und Schwulenbewegung in Deutschland

Aber nicht nur die Marketingbranche setzt auf Public Relations, auch die Schwulenbewegung selbst bedient sich der Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, um sich ihren selbstverständlichen Anspruch auf Gleichberechtigung und Integration Gehör zu verschaffen. Die Schwulenbewegung ist dabei noch gar nicht so alt: In den alten Bundesländern gibt es seit etwa 25 Jahren eine schwul-lesbische Bewegung. Ihrer Gründung gingen Jahre der Lockerung sexueller Sitten voraus. Akzeptanz von Schwulen war immer eng verbunden mit allgemeiner Akzeptanz von Sexualität. Bewegungs-Power kam aber zuerst aus den USA: Dort hatten in New York im Juni 1969 Schwule und Lesben sich gegen Schikanen zur Wehr gesetzt. Hauptort war die New Yorker Schwulenkneipe "Stonewallî - "Pride Dayî ein Name, der zum Inbegriff für Schwulenemanzipation werden sollte. Nach einiger Zeit waren Tausende von Menschen aus Solidarität hinzugekommen. Die Bewegung nahm ihren Anfang. Das Aufbegehren in Amerika beflügelte sich nun auch hierzulande:

Anfang der Siebziger Jahre entstanden in Deutschland erste Zeitschriften und kleinere Verbände. Die Voraufführungen von Filmen, einige Jahre später dann auch im Fernsehen, erbrachten zahlreiche vorwiegend studentische Gruppengründungen. Die Aktionsgruppen boten bereits Selbsterfahrungsgruppen an. Typisch war allerdings deren fließender Übergang zu inhaltlichen Arbeitsgruppen. Diese bereiteten Medienkampagnen vor und widmeten sich der schwulen Öffentlichkeitsarbeit. Eine erste Demo fand 1972 in Münster statt. Eine organisierte Bewegung entstand einige Jahre später. In einigen Großstädten wurden zum jeweiligen Jahrestag Demonstrationen organisiert. Heute gehen zum "Pride Dayî in den Großstädten wie z.B. in Berlin, Köln, Hamburg, Ruhrgebiet oder München ca. zehntausend Menschen auf die Straße. In New York waren es zum 25jährigen Jubiläum (1994) über eine Million.

Seit Mitte der Siebziger Jahre wurden auch zahlreiche Projekte gegründet. Eine Projektkultur sollte entstehen: schwule und lesbische Verlage, Theater, Zeitschriften, Buchläden und Cafés. Zahlreiche Aktivisten warben in den großen gesellschaftlichen Institutionen um Solidarität. Kirchliche, gewerkschaftliche und parteigebundene Gruppen entstanden. Schon Mitte der Siebziger forderten einige ein Antidiskriminierungsgesetz, mit dem die Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften abgebaut werden soll. Bis Mitte der Achtziger gründeten sich in der Bundesrepublik Deutschland über vierhundert Gruppen - heute sind sie fast unzählig (Winiarski 1995:164; Eckert/Salmen aaO).

Aus den kleineren Projekten wurden oft große Kommunikations-Zentren. In den letzten 15 Jahren haben in den größeren Städten viele den Sprung in die staatliche Förderung geschafft. Einige Projekte werden über öffentliche Gelder unterstützt, da sie auch Aids-Präventionsarbeit leisten. Die Schwulenbewegung hat Maßstäbe gesetzt hat. Das gilt vor allem für die Gay-Switchboards oder schwulen Infoläden. Sie sollen neben dem Informations- und Kontaktservice auch Aids-Aufklärung an den Mann und die Frau bringen. Weiterhin gibt es heute schwule Radio- und Fernsehprojekte, die ausgebaut werden müssen. In der schwulen Bewegung selbst existieren Bestrebungen zu einer engeren Zusammenarbeit - es erfolgte die Gründung vom `Bundesverband Homosexualität´ (BVH), in dem viele ihre politische Heimat fanden.

Einige Jahre später trat der `Schwulenverband in Deutschland´ (SVD) in den Vordergrund. Der SVD fordert ein Gesetz zur "gleichgeschlechtlichen Eheî mit Rechten und Pflichten nach Heteroart. Der Schwulenverband ist der gesamtdeutsche schwule Bürgerrechtsverband und wurde von schwulen Bürgerrechtlern gegründet. Er besteht seit 1974, seine gesamtdeutsche Aufgabe nimmt er seit der Fusion von Ost/West-Verbänden seit 1990 wahr. Besonders Leipziger Bürgerrechtler haben dem neuen Verband im vereinigten Deutschland Profil gegeben: Mit den Begriffen "Emanzipationî, "Partizipationî und "Integrationî hat der Schwulenverband sein theoretisches und praktisches Programm einer schwulen Bürgerrechtspolitik umrissen.

Heute hat der Schwulenverband in allen teilen Deutschlands Mitglieder, die sich in Landes und Ortsverbänden untergliedern. Bekannt wurde der Schwulenverband in Deutschland und Europa mit der Aktion Standesamt (s.o.): Über 250 schwule und lesbische Paare zogen im August 1992 auf die deutschen Standesämter und verlangten das Recht auf Eheschließung und die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der vollständigen Übertragung der Ehe auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind ebenso ein Antidiskriminierungsgesetz für Schwule und Lesben sowie die soziale Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften Ziele des Verbandes. Weiterhin tritt der Schwulenverband in Deutschland besonders für die materielle Absicherung der Präventions-Arbeit gegen Aids ein: Prävention und Sexualaufklärung in verschiedensten Konzepten sind zentrale Anliegen des Verbandes. Mit seinem verbandseigenen Bildungswerk, dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Bildungswerk, fördert der SVD die politische Bildung und die Weiterbildung von Mitarbeitern und Multiplikatoren schwul-lesbischer Bildungseinrichtungen.

Wären Schwule damals nicht aktiv geworden, wäre eine Aufklärung und Förderung, wie wir sie heute kennen, undenkbar gewesen. Dabei sind auch die eigentlichen schwulenpolitischen Ziele stärker in dem Blick geraten: Es konnten in Bundesländern Schwulenbeauftragte durchgesetzt werden, die in zumeist enger Regierungsanbindung für Lesben und Schwule unzureichende Vorschriften, Gesetze und Amtshandlungen von Behörden beobachten und auf Änderung drängen. Dazu zählt auch das Herausgeben von Broschüren zur Aufklärung, Information und Weiterbildung über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Darüber hinaus gibt es in vielen Städten Polizeibeauftragte, die sich als Weiterbildungsbeauftragte um Integration kümmern.

Wenn Schwule ihre Interessen nicht selbst in die Hand genommen hätten und sachlich und fachlich - aber auch mal schrill - in die Öffentlichkeit getreten wären, hätte es keine Integration gegeben ! Es gäbe keine Coming-Out-Gruppen, keine Beratungsstellen, keine Zentren, von Infoläden ganz zu schweigen. Es gäbe auch keine Diskussion auf breiter Front über schwule Gleichstellung im Ehe-, Familien-, Arbeits- und Sozialrecht. An den Universitäten konnte in einigen Großstädten die Wissenschaft von nicht mehr zeitgemäßen Lehrinhalten entrümpelt werden. Schwule Studierendengruppen bewirken eine Bewußtseinsbildung darüber, daß Schwulsein als Lebensweise und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften anderen Lebensgemeinschaften gleichzustellen sind. Das Hohelied "Ach, wir sind ja so diskriminiert" ist vorbei, heute lauten die Forderungen: Integration, Partizipation, Gleichstellung. Nicht die Ungleichbehandlung wird betont, sondern die Bereiche und Perspektiven, wo und wie eine Integration umzusetzen bzw. umsetzbar ist. Dafür ist die Erarbeitung von Konzepten (Visionen), wie der bessere Zustand zu denken wäre oder aussehen könnte, wichtig - und nicht die Herausstellung des Zustandes, mit dem man unzufrieden ist.

Dafür lohnt es sich auch weiterhin, ein Netzwerk aufzubauen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Insbesondere die lokale Arbeit in der Stadt ist wichtig. Gruppen lassen sich als eingetragener Verein registieren, da es dann öffentliche Zuschüsse bis 50.000 DM pro Jahr geben kann. Die regionalen Vereine vernetzten sich an Runden Tischen und im Arbeitskreisen durch regelmäßige Treffen und sind in den Räten der Stadtverwaltung präsent, um ihre Anliegen vorzutragen. Und es lohnt auch weiterhin politisch in der Kommune aktiv zu werden: Schließlich sind Schwule und Lesben noch unzureichend gleichgestellt, sie wollen Eintreten für eine gemeinsame Wohnung im Sozialen Wohnungsbau, die gemeinsame Versicherung, die gemeinsamen Rechte und Pflichten über die Ehe. Sie wollen eine Absicherung des Partners, wenn sie gemeinsam den Haushalt geführt haben, weiterhin sind Ansprüche auf Rente und Erbschaft in diesem Zusammenhang ein Thema wie auch insbesondere die Familienpolitik im Rahmen der Eheschließung (Sorgerechte für und Adoptionsrecht von Kindern). Die Kirchliche Hochzeit von gleichgeschlechtlichen Paaren ist ein weiteres, dringendes Ziel.

Zu alledem gehört auch, schwule Kultur zu pflegen. Auch dafür gibt es Gruppen, die ihre Angelegenheiten in Hand nehmen: Wer sonst sollte schwule Literatur für die Nachwelt schreiben, bewahren, archivieren und verleihen ? Lesben und Schwule selbst müssen viel dazu beitragen, es waren immer schwul-lesbische Vereine, die mit politischer Aufklärung gegen unzureichende Politik für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften antraten.


 
Mach´ mit: Einige Erfolge der Lesben- und Schwulenbewegung

Es gilt, sich der bisherigen Erfolge bewußt zu werden, sie zu bündeln und sich im Erfahrungsaustausch aller Interessierten - auch unter EinbEZIehung Europas gegenseitig zu unterstützen. Als Erfolge der Lesben- und Schwulenbewegung können angeführt werden:

·        Die gesellschaftliche Diskussion um den Abbau der rechtlichen Benachteiligung von Lesben und Schwulen in den Parteien (Schwusos), den Gewerkschaften (Antidiskriminierungsgesetzentwurf der ÖTV) und Parlamenten (z.B. Verfassung von Brandenburg).

·        Die Diskussion in der Kirche, die zum Ziel hat, daß Homosexualität als gleichberechtigte Ausdrucksform menschlicher Sexualität anzusehen ist. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften betreffen die selben sozialen Dimensionen wie verschiedengeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Daher ist die Umsetzung von kirchlichen Hochzeitsritualen zur Eheschließung das Ziel.

·        Beschlüsse zur "Gleichberechtigung in der Schuleî, die u.a. fordern, daß in Rahmenplänen und Schulbüchern sich die Vielfalt von Lebensentwürfen und besonders gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wiederfinden muß.

·        Beschlüsse, Vertreter und Vertreterinnen von Lesben- und Schwulenorganisation die Möglichkeit zu eröffnen, als Referent/inn/en in Schulklassen Aufklärung zu leisten.

·        Die Arbeit des Jugendnetzwerkes Lambda, dessen "Verein für homosexuelle Aufklärung e.V.î überwiegend in den Schulklassen Gespräche durchführt.

·        Die Arbeit von Fachbereichen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Ministerien und Stadtverwaltungen, die u.a. durch Vortragsreihen, Fortbildungsveranstaltungen, Studientage, Erstellen von Broschüren Aufklärungsarbeit über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in Jugendfreizeitheimen, Schulklassen und Weiterbildungseinrichtungen fördern.

·        Sensibilisierung der medialen Landesbildstellen und Bibliotheken für das Thema der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mit dem Erfolg. daß Bücher und Filme für den Unterricht angekauft wurden.

·        Erstellung von Elternmerkblättern für Sexualerziehung in Zusammenarbeit zwischen Lesben- und Schwulenorganisationen und dem Staat.

·        Umsetzung der Forderungen zur Gleichberechtigung durch die vollständige Übertragung des Eherechts auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften



und vieles, vieles mehr. Lesben- und Schwulenbewegung fängt im Kleinen, im persönlichen Gespräch an und muß aber auch durch die übergreifende Publizistik mit Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation, Verschriftlichung und durch das Schreiben von Konzeptpapieren fortgeführt und auf eine gesamtgesellschaftliche Ebene transformiert (veröffentlicht) werden.

Wie z.B. das schwule Netzwerk Lambda, das Informationen an die einzelnen Regionalgruppen verteilt und für diese Tätigkeit auch staatliche Unterstützung (z.B. bei den Kopierkosten) erhält, kann auch der eingetragene Verein "SCHLIPS E.V." als ein weiteres Beispiel für Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit betrachtet werden, der die ihm zugetragenen Informationen in Presse-Präsentationen aufbereitet. Hinter dieser Netzwerkorientierung steht so etwas wie ein ehrenamtlicher Pool von Journalistinnen und Journalisten. Ein paar Worte zu Entstehung und Konzept: "Schlips" steht für: Schwul-lesbischer Informations- und Presseservice. Warum nicht monatliche Artikel Zeitungen gegen Honorar zum Abdruck anbieten ? Tageszeitungen werden redaktionelle Beiträge unter dem Signum Schlips offeriert, und zwar gEZIelt zu Lesben-, Schwulen- und auch Frauenthemen. Es gehen Honorare ein, mit denen dann ein Teil der Druckkosten und Portokosten abgedeckt werden. Schlips ging dann sogar in einem staatlich geförderten ABM-Projekt auf, in dessen Rahmen es recht erfolgreich war. Etwa 90 Artikel wurden binnen eines Jahres an die "großeî Presse geliefert. Derzeit sind dort zahlreiche Leute aus Berlin und Nordrhein-Westfalen tätig, alle mit Erfahrungen in der Presse- und Rundfunkarbeit.

Das Konzept ist eigentlich simpel: Viele lesbisch-schwule Vereine fühlen sich in der Pressearbeit überfordert. Entweder fehlt es an geeigneten Leuten oder am Kontakt zu den Redaktionen. Hier setzt Schlips e.V. an: Aus den Infos, die von schwulen und lesbischen Vereinen, Verbänden, Gruppen etc. zugehen, machen sie druckfertige Artikel oder Presseinformationen, die gEZIelt in den 35 großen überregionalen Tageszeitungen Deutschlands, den über 50 Stadtmagazinen oder den über 30 Schwulenzeitschriften in Deutschland untergebracht werden. Das kommt auch den betreffenden Tageszeitungen entgegen, die sich häufig nur unzureichend auskennen in der schwul-lesbischen Kultur und der Frauengleichstellung. Da sind Insider ja weitaus sachkundiger und somit in der Lage, Recherchen und Hintergründe anzubieten, Adressen von Gruppen und Aids-Hilfen und/oder geeignete Interviewpartner/innen zu vermitteln. Momentan bietet der Journalistenpool auch den Medien von Lesben und Schwulen bevorzugt ehrenamtliche Unterstützung an. Dabei leisten sie aber nicht einfach nur unkritische Lobbyarbeit für Vereine: Sie suchen sich auch selbst Themen, die interessieren, wobei Kritik an Lesben- und Schwulengruppen keineswegs ein Tabu ist.

Mit den Jahren hat sich Schlips e.V. bei den Redaktionen einen guten Ruf erworben; inzwischen bieten sie Texte nicht mehr nur an, sondern der jeweilige "Verkaufsredakteurî bekommt auch dann und wann gEZIelte Aufträge für pointierte Glossen, scharfe Rezensionen, politische Kommentare oder Essays. Auch haben sie sich weitere Felder erschlossen, zum Beispiel unterhaltsame Anthologien und Bücher herauszugeben, Seminare zu organisieren über "Redaktionsarbeit bei Lesben- und Schwulenthemen in Tageszeitungen" oder Überblicksvorträge über die lesbisch-schwule Presselandschaft in Deutschland zu halten. Hinzu kommen zahlreiche Lesungen der Autoren, aus schwuler und lesbischer Literatur. Mit den Honorareinnahmen, die nicht für Kopierkosten und Porto draufgehen, werden zu einem großen Teil an andere Projekte ausgezahlt: so erhielten zum Beispiel unlängst das Schwule Pressearchiv bzw. die Schwule Presseschau in Berlin einen Zuschuß. Nach demselben Prinzip arbeiten übrigens auch die redaktionellen Arbeitsgemeinschaften "Infopool" in Stuttgart oder der "Freundeskreis zur Förderung schwul-lesbischer Medien e.V." in Ludwigshafen.

Projektarbeit in Arbeitsgemeinschaften und die Öffentlichkeitsdarstellung sowie bundesweite Kooperation in einen Netzwerkverband mit anderen Gruppen und Kontaktpersonen setzt aber das Engagement von einzelnen Personen voraus, die institutionelle Strukturen mit ihrem persönlichen Engagement ausbauen. Doch ist es ein lohnendes Ziel, immer wieder - nicht schrill, sondern sachlich und mit beharrlichem Nachdruck auf die Forderungen der einzelnen Verbände aufmerksam zu machen: Vor allem sachliche Beharrlichkeit führt schließlich nach dem Minderheitenforscher Moscovici zu Veränderungen. Dazu ist das Engagement von jedem einzelnen gefragt: Für die Lesbe und den Schwulen ist das Private politisch !

 

Je normaler Schwulsein in aller Öffentlichkeit ist, umso wahrscheinlicher wird die Anerkennung schwuler Rechte. Je mehr Lesben und Schwule sich offen auf der Straße zeigen, um so weniger wird noch jemand Grund haben, das unmöglich zu finden. Bekenntnisse und Stellungnahmen von Prominenten tragen sicher auch dazu bei. Wichtig sind aber auch die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften von nebenan: Veränderung kommt nicht von allein. Sie wird gemacht. Rolf Winiarski fordert dazu auf: "Trage dazu bei: Durch Flugblätter, durch öffentliche Küsse in der U-Bahn, durch Parteiarbeit, durch schwule Vereine, durch aktive Öffentlichkeit(sarbeit). Mach irgendwo mit - dann geht´s etwas schneller !î (aaO 1995:168).

Informationsteil 9
Makroperspektive - Aktive Gesellschaftspolitik:

·        Zärtlichkeitserziehung in der Grundschule,

·        (Kommunale) Parlamentarische Arbeit im Politischen System,

·        Die Darstellung von gleichgeschl. Lebensgemeinschaften im Mediensystem,

·        Marketing, Marktforschung und Werbung im Wirtschaftssystem

·        Forschung über Soziale Bewegungen im Wissenschaftssystem

Bücher zum Weiterlesen:

BANNING, THOMAS:
Lebensstilorientierte Marketing-Theorie, Heidelberg 1987
BERGER, MANFRED: Sexualerziehung im Kindergarten, Berlin 1990
BRAVO: Bravo-Report - Lesbisch und Schwul mit 17 ."Wir sind lesbisch ... schwul !" - Eine Jugendgruppe stellt sich vor, in: Bravo, Nr. 50 /1995, S. 16ff.
BRUGGER, WINFRIED: Persönlichkeitsentfaltung als Grundwert der amerikanischen
Verfassung - dargestellt am Beispiel Homosexualität, C.F. Müller Verlag 1994
BULLA, VOLKER / EBEL, JÖRG: Landesarbeitsgemeinschaft Schwulenpolitik NRW für
die LDK 16.-18. Mai 1996, Gleiche Rechte für Lesben und Schwule auf kommunaler Ebene fördern, Antrag Die Grünen NRW.
BUNDESTAGSDRUCKSACHE 11/5003: Programm zur Einrichtung von Schwulen- und
Lesbenreferaten zur Gleichberechtigung.
BUNDESTAGSDRUCKSACHE 12/7069: Entschließung des Europäischen Parlaments
vom 8.2.94 zur Gleichgerechtigung von Schwulen und Lesben: "Die Nichtzulassung von homosexuellen Paaren zur Eheschließung ist ein zu beseitigender Mißstand"
=>BUNDESTAGSDRUCKSACHE 13/2728: Gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften
die Rechte von Familienangehörigen (Verlobten-Status) einräumen: Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare - Entwurf zur Änderung des Paragraphen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), Bonn November 1995
=>BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (HG):

Sexualpädagogische Materialien - Ein kommentierte Literatur- und Medienauswahl, hrsg. v. d. Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung Hamburg - Amt für Schule / Institut für Lehrerfortbildung / Beratungsstelle für Sexualerztiehung und Aids- Prävention, Nr. 13003000, Köln 1995
DANGSCHAT, JENS / BLASIUS, JÖRG (HG): Lebensstile in den Städten - Konzepte und
Methoden, Opladen 1994
ECKERT, A. / SALMEN, A.: 20 Jahre bundesdeutsche Schwulenbewegung 1969-1989,
Bundesverband Homosexualität (BVH Materialien 1), Köln 1989
FACHBEREICH FÜR GLEICHGESCHLECHTLICHE LEBENSWEISEN: Gründung
gemeinütziger Vereine für Schwule und Lesben, Dokumente Nr. 5, Berlin 1992
=>FACHBEREICH FÜR GLEICHGESCHLECHTLICHE LEBENSWEISEN:

Homosexuelle Aufklärung in Schulklassen und Jugendfreizeitheimen: Information und Integration, Dokumente Nr. 1, Berlin 1992
FACHBEREICH FÜR GLEICHGESCHLECHTLICHE LEBENSWEISEN: Lesben,
Schwule - Partnerschaften, Dokumente Nr. 9, Senat für Familie, Berlin 1994
=>FOCUS: "Nie waren sie so wertvoll wie heute" - Gleichgeschlechtliche
Lebensgemeinschaften als Wirtschaftsfaktor: Marketing und Werbung für schwule Paare, in: Focus, Heft 15/ 1993, S. 226-228
FRAUENBUCHLADEN HAGAZUSSA E.V.: ... die Welt neu erfinden. Über das Lesen
und Schreiben von Lesbenliteratur, 1990
HABERMAS, JÜRGEN: Können komplexe Gesellschaften eine vernünftige Identität
ausbilden ?, in: ders.: Zur Rekonstruktion des historischen Materialismus, Frankfurt am Main 1976
HAGEMANN, STEFAN: Der Finanz- und Rechtsplaner für Schwule, Frankfurt am Main
1995
HANSEN, GEORG: Coming Out - Schwule Lehrer und lesbische Lehrerinnen, in:
Pädagogik, Heft 7-8 / 93
HUBER, HERMANN: Leben - Laster - Leidenschaft, Weitere 60 schillernde Kultstars der
Schwulen, 1991
KLUGE, NORBERT (HG): Der Liebe auf der Spur - Ein Lesebuch, Düsseldorf 1989, mit
Videofilm für den Schulunterricht im Albanus Verlag 1994
LAMBDA / HOSI WIEN: Schreiben für einen schwul-lesbischen Journalismus, ausgewählte
Essays aus der Schwulenzeitung "HOSI: Lambda-Nachrichten" der vergangenen Jahre, herausgegeben in einem Band, Lambda-Hosi, Wien 1996
LOOCKWOOD, DAVID: Soziale Integration und Systemintegration, in: Zapf, Wolfgang
(HG): Theorien des sozialen Wandels, Köln 1979, S. 124-137
MANAGER MAGAZIN: Schwul und Spitze: Schwule Manager, Heft 10 / 1995
MÖRTH, INGO / FRÖHLICH, GERHARD (HG): Das symbolische Kapital der Lebensstile
nach Pierre Bourdieu - Zur Kultursoziologie der Moderne, Frankfurt am Main 1994
MÜLLER, U.: Neue Männerforschung braucht das Land !, in: Hagemann-White / Rerrich
(HG): "FrauenMännerBilder", Bielefeld 1988
MÜCKE, DETLEV: Über da (Nicht-) Vorkommen von Homosexualität im Schulbereich,
in: Berliner Senat für Familie / Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Pädagogischer Kongreß "Sexualität und Lebensform", Bd. 8, Berlin 1993, S. 79ff.
RAMSAUER, ADRIAN / MÜLLER, GERTRUD: Rechtstips für die gleichgeschlechtliche
Partnerschaft, Pink Cross Verlag Schweiz 1995
RIMMELE, HARALD: Schwule Biedermänner? Die Karriere der "schwulen Ehe" als
Forderung der Schwulenbewegung - Eine politikwissenschaftliche Untersuchung, Hamburg 1993
RUNDBRIEF FILM: Filme in lesbisch-schwulem Kontext - Die schwullesbische
Filmzeitschrift, Berlin vierteljährlich
SCHIMMEL, ROLAND: Eheschliessung gleichgeschlechtlicher Paare - Schriften zum
Bürgerlichen Recht, Duncker & Humblot Verlag, Berlin 1996
=>SCHINS, MARIE-THÉRÈSE: 2 X Papa - oder: Zwischenfall auf dem Pausenhof, Ein
Lesebuch für Kinder in der 4.-8. Schulklasse, rororo rotfuchs (773), Reinbek 1995
SIEMEN, INGRID: Lesbische Lehrerin, 1997
SPIEGEL: Papa, Papa, Kind: Vier Eltern und ein Baby: Two Moms are better than one:
Staat und Gesellschaft müssen sich einstellen auf Kinder, die zwei Väter oder zwei Mütter haben. Wie Studien belegen bringe in einer schwulen Familie aufzuwachsen keinerlei Benachteiligung: Wichtig ist allein, ob das Kind gut aufgehoben ist, in: Der Spiegel, 37 / 1993, S. 97-101
SPIEGEL SPECIAL: Schwule Elite: Werbung, Marketing und Marktforschung für
gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften: "Deutsche schwule Männer sind überdurchschnittlich gebildet, wohlhabend und konsumfreudig", Spiegel Special, Heft 5 (Die Liebe) / 1995, S. 99.
SOHRE, KATRIN: Kommunale Gleichstellungsstellen und kommunale
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VIDEOFILM: Stadtgespräch, BEZIehungs-Komödie um das Kennenlernen über eine
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VIDEOFILM: Das Hochzeitsbankett, Liebesfilm um ein schwules Paar, das auf allen
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VIDEOFILM: Der Liebe auf der Spur, hg. v. Norbert Kluge, 1994
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WEBER, MAX: Der Sinn der Wertfreiheit der Wissenschaften, 1917
WEHR, DAGMAR: Eigentlich ist es etwas zärtliches - Die Auseinandersetzung mit
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ZAPF, WOLFGANG U.A.: Die Pluralisierung der Lebensstile - Gutachten für die
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Didaktische Fragestellungen 9:

a) Warum ist das Private für den (die) Homosexuelle(n) politisch ?

b) Was ist unter den "Sozialen Dimensionen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften" zu verstehen ?

c) Zur aktiven Gesellschaftspolitik muß jeder Schwule und jede Lesbe aber auch selbst beitragen: In welchen Bereichen könnten Sie sich demnächst mehr engagieren ?

d) Je früher Kinder von Sexualität erfahren, desto weniger unsicher sind sie und desto verantwortungsvoller können sie damit umgehen. Wie kann man Kinder in der Grundschule über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften unterrichten ?

e) Welche Rahmenbedingungen sind zu schaffen, um die sozialen Dimensionen von Lesben und Schwulen in der Schule verstärkt zu thematisieren ? Was kann der einzelne Lehrer tun, um gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in seinem jeweiligen Fachbereich stärker zu thematisieren ?

f) Welche Themen dieses Buches könnten Sie sich vorstellen, als Schriftsteller und Autor ausführlicher zu bearbeiten, gar ein ganzes Buch zu einem kleinen Aspekt zu schreiben ?

g) Welchen Beitrag können Unternehmer in der freien Wirtschaft bei Marketing, Marktforschung und Werbung im Wirtschaftssystem zur Darstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften leisten ? Warum ist ein Marketing für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften so wichtig ?

h) Welcher Arbeitskollegin würden Sie von ihrer Lebensgemeinschaft erzählen ? Was meinen Sie, wie würde diese Person reagieren ?

i) Meinen Sie, nur weil sie schwul (lesbisch) seien, müßten sie im Beruf besonderen Erfolg bringen ? Wenn ja, warum ?

j) Welche Punkte sind für einen Bürgervertreter bei der kommunalen parlamentarischen Arbeit im politischen System Ihrer Stadt besonders wichtig ?

k) In welchen Bereichen sind kommunale Gleichstellungsbeauftrage für Lesben und Schwule tätig. Erwirken Sie eine Stellungnahme der Frauengleichstellungsstelle in ihrer Stadt, inwieweit sie sich mit schwul-lesbischer Gleichstellung beschäftigen: Schreiben Sie ihr einen Brief.

l) Wie sieht eine Bildungspolitik aus, die schwul-lesbische Belange beachtet ? Welche Rolle spielen dabei der Staat, Schulbuchverlage, Schüler, Lehrer und die Schule ((Volks-)Hochschule, Medien, Fernsehen, Stadtmarketing) ?

m) Wie kann erreicht werden, daß Bibliotheken mehr Bücher über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften katalogisieren ? Welche Möglichkeiten bietet die Bereitstellung von Informationen über gleichgeschlechtliche Paare in der globalen Bibliothek "Internet" ?

n) Journalisten und Redakteure stellen in letzter Zeit zahlreiche Portraits von glücklichen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften im Mediensystem dar. In welchen Formaten bzw. redaktionellen Stilen ist dies möglich ? Wie sieht das Exposé beispielsweise zu einer Reportage über den Verwandtenbesuch eines schwulen Paars aus, das sich demnächst verloben will ?

o) Welches Medienereignis vor kurzem meinen Sie, hat gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften besonders gut dargestellt, daß es dafür einen Fernsehpreis verdient hätte ?

p) Welcher Methoden der Öffentlichkeitsarbeit kann sich die schwul-lesbische Bewegung bedienen ?

q) Was sind die Forderungen der schwul-lesbischen Bewegung für den Staat und für das Individuum ?


 
Weiterhin verwendete Literatur:

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Homos. Arbeitsgemeinschaft, Berlin 1988; VIDEOFILM für den Unterricht: Liebe kann so schön sein, 20 min, Vertrieb: Ch. Spoden, Zossener Str. 31, 10961 Berlin; VIDEOFILM für den Unterricht: Mein Kind ist homosexuell, ZDF, erhältlich über die Landesbildstelle Berlin; VIDEOFILM für den Unterricht: Möller, L.: Sex - eine Gebrauchsanweisung für Jugendliche, 18 min., Dänemark 1987, Verleih, Landesbildstelle Berlin; VIDEOFILM für den Unterricht: Schauerneigung - ein dokumentarisches Spiel, Medienoperative Berlin 1988, 29 min.; VIDEOFILM für den Unterricht: So ein Tierleben - Ein Video von Lutz Gregor, Medienoperative Berlin, 1990, 31 min.; VIDEOFILM für den Unterricht: Vom Grau zum Lila - Über die Lebenssituation junger Lesben, Bezug: Lesbenberatung, Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin, Landesbildstelle Berlin, Wikingufer 7, VIDEOFILM für den Unterricht: Was heißt denn hier Liebe, Berlin; WARTELSTEINER, MAXI: Rückkehr unerwünscht - Schwul-Sein und das ewig gesunde Volksempfinden, 1995; WEIGAND, WOLFGANG: Solidarität durch Konflikt - Zu einer Theorieentwicklung von Solidarität, Münster 1979; WESTDEUTSCHER VERLAG: Neue soziale Bewegungen, Forschungsjournal, Opladen 1994ff; WILBUR J. / STANLEY, SANDRA: Gays and Lesbians in the Military - Issues, Concerns, and Contrasts, (Social Problems and Social Issues), 1994; WINIARSKI, ROLF: Coming-Out total, Berlin 1995; WOCHE IM BUNDESTAG: Petition wegen bestehende Ungleichbehandlung von nichtehelichen (heterosexuellen) Wohngemeinschaften gegenüber Familienhaushalten bei der Wohngeldbemessung, Wib, 6/95, S. 71; ZAPF, WOLFGANG (HG): Die Modernisierung moderner Gesellschaften, Verhandlungen des Deutschen Soziologentages, Frankfurt am Main 1991; ZAPF, WOLFGANG U.A.: Individualisierung und Sicherheit. 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Epilog / Fürbitte:

"Gott, hilf, die sexuelle Existenz zu zelebrieren !"

Gott, unsere Mutter und unser Vater: Freiheit ist eine der kostbarsten Gaben, die Du uns gibst. Hilf schwulen Männern und lesbischen Frauen, all die Ängste zu überwinden, die uns alle daran hindern, uns selbst zu akzeptieren, unser Versteck zu verlassen und mutig für einander da zu sein. Lehre uns, unser Leben furchtlos zu genießen und hinauszugehen, um dieses Fest mit all unseren Brüdern und Schwestern zu teilen.
Hilf uns und Deinen lesbischen Töchtern und schwulen Söhnen, im Glauben zu wachsen und zu reifen. Befreie uns von dem Geist der Furcht und der Feigheit.
Gott, unser Vater und unsere Mutter im Himmel, danke für unseren Körper und die Sexualität. Hilf uns, die sexuelle Existenz zu zelebrieren. Gib uns, unsere Sexualität einzubringen in unser Streben nach Gemeinschaft mit Dir und untereinander.
Danke, Dame, Danke, Herr, für die Gabe der Gemeinschaft ! Hilf uns, Dein Werkzeug zu sein, um diese Basis der integrativen Haltungen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften gegenüber in Deiner Kirche weiter fortzuführen und auszubauen; nicht besonderes, sondern grundlegendes Ziel ist dabei die Kirchliche Hochzeit und Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Gottesdienst.
Sende Deinen Geist der Liebe, damit Lesben und Schwule und wir alle unterscheiden lernen, was gesund und was zerstörerisch wirkt in dem Glaubenssystem der Kirche und in unserem persönlichen Glaubenssystem. Hilf uns, unsere Kirche mutig zur Rede zu stellen, wann immer sie in einer Weise handelt, die unser Wohlbefinden und unserer psychische Gesundheit beeinträchtig (vgl. McNeill aaO)

Amen.

·        Matthäus 22, 37-40: "Jesus aber antwortete ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt" (vgl. 5. Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (vgl. 3. Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." (Dasselbe in grün steht noch mal bei Markus 12, 28-31 und Lukas 10, 25-28).

·        Johannes 13, 34: "Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt."

·        Römer 13, 8-10: Seid niemand etwas schuldig, außer, daß ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13- 17): 'Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren', und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt (3. Mose 19,18): 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.' Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.

So ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung.


 

Anhang:

Informationsteil
Aktuelle englischsprachige Auswahlbibliographie

AARONS, LEROY: Prayers for Bobby - A Mother's Coming to Terms with the Suicide of Her Gay Son, 1995 (Harper San Francisco: ISBN 0-06-251123-8); ADAM, BARRY: The Rise of a Gay and Lesbian Movement, 1995 (Macmillan Publishing Company: ISBN 0-8057-3864-9); ANDREWS, NANCY: Family - A Portrait of Gay & Lesbian America, 1994 (Harper San Francisco: ISBN 0-06-250011-2); ARNUP, KATHERINE (ED): Lesbian Parenting, 1995 (InBook: ISBN 0-921881-33-9); AYERS, TESS / BROWN, PAUL: The Essential Guide to Lesbian & Gay Weddings, 1994 (Harper San Francisco: ISBN 0-06-250271-9); BESS, HOWARD: Pastor, I Am Gay, 1995 (Palmer Publishing Company: ISBN 0-9644123-0-6); BIANCHI, TOM: Bob & Rod - A Portrait of a Marriage, 1994 (Saint Martin's Press: ISBN 0-312-11471-0); BOSWELL, JOHN: Same-Sex Unions in Premodern Europe, About Marriage, 1994 (Random House: ISBN 0-679-43228-0); BRWON, DAVID: It's Natural to Be Gay, 1994 (Jireh Publications: ISBN 0-9640801-0-9); BURKE, PHYLLIS: Family Values: A Lesbian Mother's Fight for Her Son, 1994 (Random House: ISBN 0-679-75249-8); BURSTON, PAUL (ED): A Queer Romance - Lesbians, Gay Men, & the Popular Culture, 1995 (Routledge: ISBN 0-415-09618-9); CHERRY, KITTREDGE / SHERWOOD, ZALMON (ED): Equal Rites - Lesbian & Gay Worship, Ceremonies & Celebrations, 1995 (Westminster John Knox Press: ISBN 0-664-25535-3); CLARK, J. MICHAEL U.A.: Constructing Gay Theology, 1991 (Monument Press: ISBN 0-930383-19-2); CLUMIS, D. MERILEE / GREEN, G. DORSEY: The Lesbian Parenting Book - A Guide to Creating Families & Raising Children, 1995 (Seal Press-Feminist: ISBN 1-878067-68-0); COHEN, JOSEPH: You Know You're Gay When... ; The Unforgettable Moments That Make Us Who We Are, o.J. (ISBN 0809233207); COLES, MATTHEW: Kids, Try This at Home! - A Do-It-Yourself-Guide to Instituting Lesbian & Gay Civil Rights Policy, 1996 (New Press: ISBN 1-56584-309-6); COMSTOCK, GARY: Gay Theology Without Apology, 1993, (The United Church Press: ISBN 0-8298-0944-9); CURRY, HAYDEN / CLIFFORD, DENIS / LEONARD, ROBIN: A Legal Guide for Lesbian & Gay Couples, 1994 (Nolo Press: ISBN 0-87337-269-7); DE CECCO, JOHN: Gay Personality & Sexual Labeling, 1985 (Harrington Park Press: ISBN 0-918393-01-9); DUE, LINNEA: Joining the Tribe - Growing Up Gay & Lesbian in the '90s, 1995 (Doubleday & Company: ISBN 0-385-47500-4); FAHY, UNA: How to Make the World a Better Place for Gays & Lesbians, 1995 (Warner Books: ISBN 0-446-67041-3); GAY LESBIAN MARKET. 1995 (Rector Press: ISBN 0-7605-2008-9); GILL, JOHN: Queer Noises - Male & Female Homosexuality in Twentieth-Century Music, 1995 (University of Minnesota Press: ISBN 0-8166-2719-3); GREENBERG, DAVID: The Construction of Homosexuality, 1988 (University of Chicago Press: ISBN 0-226-30627-5); GREGA, WILL: Gay Music Guide - Album Reviews & Artist Profiles, 1994 (Pop Front Press: ISBN 0-9639871-9-4); GRIMA, TONY (ED): Not the Only One - Lesbian & Gay Fiction for Teens, 1995 (Alyson Publications: ISBN 1-55583-275-X); GOSS, ROBERT: Jesus Acted Up: A Gay & Lesbian Manifesto, 1993 (Harper San Francisco: ISBN 0-06-063318-2); HALPERIN, DAVID: Saint Foucault - Towards a Gay Hagiography, 1995 (Oxford University Press: ISBN 0-19-509371-2); HARBECK, KAREN: Coming Out of the Classroom Closet: Gay & Lesbian Students, Teachers, & Curricula, 1992 (Haworth Press: ISBN 1-56023-013-4); HOWES, KEITH: Broadcasting It ! - An Encyclopaedia of Homosexuality in Film, Radio, & TV in the U. K. 1923-1993, 1993 (Cassell Publishing: ISBN 0-304-32702-6); JACKSON, ED / PERSKY, STAN (ED): Flaunting It! - A Decade of Gay Journalism from the Body Politic, 1990 (InBook: ISBN 0-919888-31-3); JOHNSON, SUSAN: For Love & for Life - Intimate Portraits of Lesbian Couples, 1995 (Naiad Press: ISBN 1-56280-091-4); KHAYATT, MADIHA: Lesbian teachers - An invisible presence, New York 1992; MANASSE, GEOFF / SWALLOW, JEAN: Making Love Visible: In Celebration of Gay & Lesbian Families, 1995 (Crossing Press: ISBN 0-89594-778-1); MARTIN, APRIL: The Lesbian & Gay Parenting Handbook - Creating & Raising Our Families, 1993 (HarperCollins Publishers: ISBN 0-06-096929-6); MCCUEN, GARY (ED): Homosexuality & Gay Rights, 1994 (McCuen Publications: ISBN 0-86596-094-1); MCDANIEL, J.: Lesbian Couples Guide, 1995 (HarperCollins Publishers: ISBN 0-06-095021-8); MILLER, CARL: Stages of Desire - Male & Female Homosexuality in British & American Theatre, 1995 (Cassell Publishing Academic Division, Lesbian & Gay Studies: ISBN 0-304-32815-4); N.N.: Gay Lesbian Market, 1995 (Rector Press: ISBN 0-7605-2008-9); PERRY, DEANE: Gays & Lesbians & Sports, 1994 (Chelsea House Publishers: ISBN 0-7910-2636-1); PIAZZA, MICHAEL: Holy Homosexuals - The Truth about Being Gay & Christian, 1994 (Morris Publishing: ISBN 1-885591-02-0); POLLACK, JILL: Lesbian & Gay Families - Redefining Parenting in America, 1995 (Franklin Watts: ISBN 0-531-15749-0); POLLACK, RACHEL / SCHWARTZ, CHERYL: The Journey Out - A Book for & About Gay, Lesbian & Bisexual Teens, 1995 (Viking Penguin: ISBN 0-14-037254-7); PRESTON, JOHN (ED): Friends & Lovers: Gay Men Write about the Families They Create, 1995 (NAL Dutton: ISBN 0-525-93858-3); PRESTON, JOHN: A Member of the Family: Gay Men Write about Their Families, 1994 (NAL Dutton: ISBN 0-452-27032-4); PRICE, DEB / MURDOCH, JOYCE: And Say Hi to Joyce - America's First Gay Column Comes Out, 1995 (Doubleday & Company: ISBN 0-385-47365-6); RAFKIN, LOUISE: Gay & Lesbian Couples & Parenting, 1995 (Chelsea House Publishers: ISBN 0-7910-2960-3); RAPI, NINA: Making Out - The Complete Book of Lesbian Sexuality, 1995 (Routledge, Chapman & Hall: ISBN 0-04-440932-X); RIDINGER: Gay & Lesbian Movement, 1995 (Hall & Company: ISBN 0-8161-7373-7); RIZZO, CINDY (ED): All the Ways Home - Parenting & Children in the Lesbian & Gay Communities - A Collection of Short Fiction, 1995 (NewVictoria Publishers: ISBN 0-934678-68-5); SANDERS, JONATHAN: Another Fine Dress - Role Play in the Films of Laurel & Hardy, 1995 (Cassell Publishing: ISBN 0-304-33196-1); SCHWAB, ROCHELLE: In a Family Way, 1995 (Orlando Place Press: ISBN 0-9643650-0-6) [This contemporary novel centers on a custody fight over the child of a lesbian family. Straight out of tomorrow's headlines, it asks the question whether it is love - or law - that makes a family.]; SHERMAN, SUZANNE: Lesbian & Gay Marriage: Private Commitments, Public Ceremonies, 1992 (Temple University Press: ISBN 0-87722-975-9); SHERRILL, JAN-MITCHELL AND HARDESTY, CRAIG: The Gay, Lesbian, & Bisexual Students' Guide to Colleges, Universities, & Graduate Schools, 1994 (New York University Press: ISBN 0-8147-7985-9); SHOKEID, MOSHE: A Gay Synagogue in New York, 1995 (Columbia University Press: ISBN 0-231-08461-7); STEIN, EDWARD: Forms of Desire - Sexual Orientation & the Social Constructionist Controversy, 1992 (Routledge: ISBN 0-415-90485-4); STEWART, STEVE: Gay Hollywood Film & Video Guide - Over 75 Years of Homosexuality in the Movies, 1994 (Stewart Publications: ISBN 0-9625277-5-0); STREITMATTER, RODGER: Unspeakable - The Rise of Gay & Lesbian Press in America, 1995 (Faber & Faber: ISBN 0-571-19873-2); SULLIVAN, ANN (ED): Issues in Gay & Lesbian Adoption - Proceedings of the Fourth Peirce-Warwick Adoption, 1995 (Child Welfare League of America: ISBN 0-87868-598-7); TATCHELL, PETER: Safer Sexy - The Guide to Gay Sex Safely, 1994 (InBook: ISBN 0-304-32845-6); WALKER, MITCH: Men Loving Men - A Gay Sex Guide & Consciousness Book, 1994 (Gay Sunshine Press: ISBN 0-917342-52-6); WARDLAW, CAROLE: One In Every Family - Dispelling The Myths About Lesbians And Gay Men, 1995 (ISBN 1855941155); WARREN, ROZ: Dyke Strippers - Lesbian Cartoonists A to Z, o.J. (Cleis Press: ISBN 1-57344-008-6); WOOG, DAN: School's Out - The Impact of Gay & Lesbian Issues on America's Schools, 1995 (Alyson Publications: ISBN 1-55583-249-0); YOUNG, PERRY: Gays & Lesbians & Sports, 1995 (Chelsea House Publishers: ISBN 0-7910-2951-4).


 

Seit vielen Jahren feststehende wissenschaftliche Erkenntnisse über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

·        Sexualität ist etwas anderes als Geschlechtsverkehr. Sexualität, Zärtlichkiet und Geschlechtsverkehr dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Sexualität ist nicht Geschlechtsverkehr. Sexualität ist viel umfassender, sie ist Zärtlichkeit.

·        Heterosexualität ist eine der Homosexualität gleichwertige Form des (sexuellen) Empfindens, Erlebens und der Liebe. Bei Menschen, die sich vorwiegend für das gleiche Geschlecht interessieren, sprechen wir von gleichgeschlechtlicher Orientierung (oder homosexueller Orientierung).

·        Das gelebte Sexualverhalten ist unverzichtbarer und integraler Bestandteil des Gesamtverhaltens einer Persönlichkeit, der aber nicht überbewertet werden muß. Verhinderung, Bekämpfung, Restriktion des Persönlichkeitselements stellen einen tiefen, schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeit und Privatsphäre des Menschen dar.

·        Die sexuelle Orientierung ist nicht änderbar. Die sexuelle Orientierung selbst kann nicht geändert werden: Niemand käme bei einem Zebra auf die Idee, diese Streifen ändern zu wollen, oder zu fragen, warum ein Zebra gestreift ist. Die Erziehung der Eltern hat keinen Einfluß auf die sexuelle Orientierung, sie ist vorgegeben und kann sich durch das Klima im Elternhaus lediglich schneller oder langsamer entfalten. Die sexuelle Orientierung ist also unabänderbar vorgegeben, es kommt darauf an, sie zu erkennen, sie zu entfalten und sie zu leben. Niemand kann von seiner sexuellen Orientierung "umgepolt" werden, auch nicht durch homosexuelle bzw. heterosexuelle Handlungen. Da niemand über seine sexuelle Orientierung selbst bestimmen kann - entfallen damit auch alle moralischen Bewertungen an sich. Soziosexuelle Entfaltung meint also, seine ganz individuelle und vorgegebene sexuelle Dimension leben zu lernen. Über das Entstehen der Heterosexualität liegt bisher kein Theorie oder Ursachenforschung vor. Ursachenforschung der Sexualität wird heute nicht mehr betrieben, da es so viele Entstehungstheorien gibt, wie es Forscher gibt, die sich damit beschäftigt haben. Sexualität und erotisches Begehren ist einfach da und ist bei jedem Menschen vorhanden. Statt dessen interessiert man sich heute für die Ausgestaltung des Alltags von Paaren, die eine sexuelle Verbindung eingehen.

·        Es hat sich ein Betrachtungswandel vollzogen. Einfacher gesagt: Wir interessieren uns heute weniger dafür, wie jemand schwul oder hetero wird, als vielmehr dafür, wie Schwule als Individuen, als Paare oder Gruppen sind. Der Sexualitätsaspekt ist nicht mehr der entscheidende, sondern schwule bzw. lesbische Paare sind eine Liebes- und Lebens-Gemeinschaft mit all ihren Sozial-Dimensionen: So interessiert man sich in der heutigen Forschung nicht mehr für die Entstehung zur einen oder anderen sexuellen Orientierung, sondern für die sozialen Lebensumstände, in denen sie wie verwirklicht werden: wie Schwule und Lesben leben, wie sie heiraten, eine Familie gründen und in die Kirche und die Politik gehen.

·        Das Geschlecht ist sozial konstruiert. Während die deutsche Sprache nur das Wort "Geschlecht" kennt, hat sich in der englisch-amerikanischen Sprache die Unterscheidung "sex" und "gender" herausgebildet: Unter "sex" wird das biologische, körperliche Geschlecht verstanden, unter "gender" das soziale, kulturelle Geschlecht. Die Geschlechtsrole wird also durch den Dialog und interaktiven Austausch von Menschen hergestellt und geschaffen.

·        Die Verhältnisse können also derart sein, daß ein genetisch männliches Wesen die innere Identität einer Frau hat, deren Triebe (sexuelle Orientierung) auf das gleiche, in diesem Fall das weibliche Geschlecht gerichtet sind, so daß scheinbar ein Hetero-Paar zusammenkommt. Würde dieses Paar heiraten, dann würden in Wirklichkeit zwei Lesben heiraten: Die Ehe zweier (in diesem Fall weiblicher) Homosexueller ist also schon heute möglich. In diesem Falle würden (ganz legal) zwei Lesben heiraten.

·        Die Forschung kommt daher zu dem bahnbrechenden Ergebnis: die drei Variablen der sexuellen Identität - anatomisches (biologisches) Geschlecht, soziokulturelle Geschlechterrolle und sexuelle Orientierung - nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Die Ausprägungen der sexuellen Orientierung (homo, hetero, bi, Zwischenstufen) sind nicht zwangsläufig mit den Ausprägungen der Variablen Geschlecht (männlich, weiblich, Mischanteile) verknüpft: Schwule sind keine Frauen oder feminine Wesen, sondern ganz normal männlich.

·        Nach Sigmund Freud ist jeder Mensch bei Geburt potentiell bisexuell: Er entfaltet dann die ihm unabänderbar vorgegebene sexuelle Orientierung im Rahmen seiner Möglichkeiten.

·        Nach Kinsey haben 13 Prozent der gesamten männlichen Bevölkerung viele homosexuelle Erfahrungen und diese Schwulen gehen `meistens mit Männern´ ins Bett. Bisexuell sind 37 Prozent der gesamten männlichen Bevölkerung diese gehen `auch mit Männern´ ins Bett (bzw. "auch" mit Frauen). Nur 50 Prozent aller Männer haben keine homosexuellen Erfahrungen mit einem anderen Mann" und haben statt dessen heterosexuellen Geschlechtsverkehr; sie gehen `nur mit Frauen´ ins Bett. Lediglich jeder zweite Mann ist also ausschließlich heterosexuell.

·        Schwule lernen sich auf vielfältige Weise kennen: In schwul-lesbische Kneipen, Cafés, Diskotheken und Tanzveranstaltungen in eigenen Kommunikationszentren, die es fast in jeder größeren Stadt gibt. Es gibt aber auch noch viel anderes: spEZIelle Partnerschaftsagenturen für Schwule, Reisebüros, Reiseführer, Buchläden, Shops aller Art, und an den meisten größeren Kiosken finden sich auch schwule Zeitschriften und Magazine. In denen gibt's Freundschaftsanzeigen, auf die man antworten kann, aber natürlich auch die Möglichkeit hat, selbst eine aufzugeben. Es gibt viele Männer, die auf diese Weise ihren Lebensgefährten gefunden haben. Außerdem werden eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen von Schwulen und Lesben gemeinsam organisiert: Seien das nun Ausstellungen, Theater, Konzerte, Lesungen etc..

·        Bei gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wurde immer wieder festgestellt, daß sie sich von heterosexuellen qualitativ nicht unterscheiden. 82 Prozent aller Schwulen wollen eine gemeinsame Wohnung mit dem Freund und ebenso viele wollen Treue halten. Die Mehrheit, nämlich 62 Prozent, der Schwulen lebt in einer festen, auf Dauer angelegten eheähnlichen BEZIehung als gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft zusammen. Bei 38 Prozent der Schwulen besteht die ehegleiche BEZIehung zum Lebensgefährten sogar seit mehr als 10 Jahren. Inhaltlich führen manche schwule Paare sogar eine vorbildlichere Ehe als Hetero-Paare:

·        Die Anerkennung heterosexueller Lebensgemeinschaften ist laut Bundesverfassungsgericht ohne die Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften nicht zulässig. Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare muß daher und aus zahlreichen anderen Gründen ermöglicht werden.

·        Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften haben oft Kinder aus anderen BEZIehungen oder adoptieren Kinder. Das mit Blick auf das Kindeswohl entscheidende Kriterium ist nicht die sexuelle Orientierung der Eltern, sondern allein die Beurteilung der Gesamtpersönlichkeiten im Elternhaus - sowie: die BEZIehung des Kindes zu dem Elternteil und dessen Lebenspartner ist entscheidend für das Kindeswohl. Gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften kann voll und ganz die Fähigkeit zugesprochen werden, Kinder zu adoptieren und erziehen. Die Kinder aus gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind oftmals offenherziger als die Kinder verschiedengeschlechtlicher Lebensgemeinschaften.

·        Mit der in der Bibel erwähnten Homosexualität haben heutige gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wenig, wenn nicht sogar gar nichts zu tun. Nach fast zwei Jahrtausenden schlimmster - manchmal sehr sublimer - Demütigung und Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender Menschen durch die Kirche - bis in unsere Gegenwart - ist ein deutlicher Bußakt der Kirche nötig, der eine Praxis im Zusammenleben mit gleichgeschlechtlich liebenden Menschen eröffnet. Paradoxer Weise sind besonders viele Priester schwul - doppelt so viele wie in der Bevölkerung (13 %, s.o.): Eine in Boston veröffentliche Langzeit-Studie belegt, daß ein Drittel (25-40 %) der Geistlichen schwul sind: Wenn zwölf Geistliche zusammenkommen, sind drei bis vier von ihnen homosexuell orientiert.

·        Theologische Abhandlungen belegen, daß es in der Kirche möglich ist, dem Wunsch nach einer Partnerschaftssegnungen als Trauungsritual im kirchlichen Gottesdienst für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft nachzukommen - selbst bevor der Staat eine Zivilehe anerkennt. Kirchliche Ehe und Hochzeitstrauungen sind mit denselben Ritualen in der Kirche umzusetzen wie für verschiedengeschlechtliche Paare.

·        Treue zu einem einzigen Partner ist neben dem Kondom und Safer Sex ein wichtiger Schutz gegen Infektionskrankheiten - auch für Lesben und Schwule. Ziel in der Präventionsarbeit ist es, Probleme der Verständigung und geglückte Aushandlungsformen von Schwulen auf der Bettkante über Safer Sex in verschiedenen Präsentationsformen darzustellen. Eine aufklärende Prävention muß auf den Abbau von Kommunikationsschwierigkeiten bzw. Unsicherheiten und Ängsten in der intimen Situation setzen. Das Ziel ist, den Menschen für die betreffenden Situationen Hilfen und Anleitungen zur Verfügung zu stellen, um ihre Schutzinteressen und Ängste ansprechen bzw. ihre Wünsche verständlich artikulieren zu können.

·        zur aktiven Gesellschaftspolitik muß jeder Schwule und jede Lesbe aber auch selbst beitragen, als (Religions-, Deutsch-, etc.-)Lehrer durch Zärtlichkeitserziehung in der Schule, als Bürgervertreter durch (kommunale) parlamentarische Arbeit im politischen System, als Journalist und Redakteur durch die Darstellung von Portraits gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften im Mediensystem, als Unternehmer in der freien Wirtschaft bei Marketing, Marktforschung und Werbung im Wirtschaftssystem, als Autor bei der Forschung über soziale Bewegungen im Wissenschaftssystem, sowie als Geistliche, Priester und Theologe in den Kirchen.

© aus: Engagierte Zärtlichkeit

Suchen Sie sich eine Erkenntnis aus und versuchen Sie, diese im Rollenspiel darzustellen !


 
Informationsteil: Nochmals - Bücher die man gelesen haben sollte
(Stand: 1997)

Folgende Bücher über die Sozialaspekte von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind interessant zu lesen und sollen hier zum Weiterlesen empfohlen werden. Die untenstehende Liste enthält daher verständlich geschriebene Bücher, die über jeden Buchhandel zu bEZIehen sind (also nicht Zeitschriftenaufsätze oder wissenschaftliche oder sog. "graue" Literatur, die oft nur umständlich über eine Fernleihe in einer Stadt-Bibliothek zu bestellen sind). Diese Liste kann auch abkopiert und der örtlichen Bibliothek als Neuanschaffungsvorschläge vorgelegt werden, falls diese unzureichend oder veraltetes Schrifttum über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften noch im Bestand präsent hält.

=>BLY, ROBERT: Eisenhans - Ein Buch über Männer, München (Knaur) 1993
=>BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG: Unser Kind
fällt aus der Rolle - Über den Umgang mit sexuellen Orientierungen, Köln 1994
=>BÜNTZLY, GERD: Schwule Väter, Berlin 1988
=>CALIFIA, PAT: Das schwule 1 x 1 - Tips & Tricks für alle Lebenslagen, Berlin 1994
=>HOPCKE, ROBERT: Carl Gustav Jung, Jungianer und Homosexualität, Olten 1993
=>HURTON, ANDREA: Kultobjekt Mann, Frankfurt am Main 1995
=>HÜSERS, FRANCIS / KÖNIG, ALMUT: Bisexualität, Stuttgart 1995
=>ISENSEE, RICK: Männer lieben Männer, Berlin 1992
=>KAMINSKI, RALF / U.A.: Eigentlich logisch: schwul ! - Eine Coming-Out-Broschüre
für junge Schwule, Initiative Schwule Jugend Schweiz, (ISBN 3-905035-02-2), o.J.
=>KÖRNER, HEINZ: Johannes, Fellbach 1978
=>PUFF, HELMUT (HG): Lust, Angst, Provokation, Göttingen 1993
=>SAINT-EXUPÉRY, ANTOINE DE: Der kleine Prinz, Düsseldorf 1956
=>SASSE, BIRGIT: Ganz normale Mütter - Lesbische Frauen und ihre Kinder, Frankfurt
am Main 1995
=>SCHAUECKER, RENÉE / HAUSER, LUKAS: Queerverbindungen - Schwule und
Lesben im Datennetz, mit CD-Rom, Berlin 1996
=>SCHINS, MARIE-THÉRÈSE: 2 X Papa - oder: Zwischenfall auf dem Pausenhof, Ein
Lesebuch für Kinder in der 4.-8. Schulklasse, rororo rotfuchs (773), Reinbek 1995
=>STADTFÜHRER / SCHMEDING, PETER (HG): Gay German Guide - Der schwule
Kneipenführer, Pink Rose Press, Hamburg 1995 (ISBN 3-927307-06-3)
=>STREIB, ULI (HG): Das lesbisch-schwule Babybuch - Ein Rechtsratgeber zu
Kinderwunsch und Elternschaft, Berlin 1996
=>TESSINA, TINA: In guten wie in schlechten Tagen - Anregungen für homosexuelle
Paare, rororo 8782, Reinbek 1991
=>THIEL, ANGELIKA: Kinder ? - Ja, klar ! - Das Handbuch für Lesben und Schwule,
Frankfurt am Main / New York 1996
=>WEST, CELESTE: Lesben-Knigge, Frankfurt am Main 1992
=>WINIARSKI, ROLF: Coming Out Total - Der Ratgeber, Berlin 1995
=>WINKS, CATHY / SEMANS, ANNE: Good Vibrations - Sex: fun and safe, Goldmann
13907, München 1996
=>ZINN, DORIT: Mein Sohn liebt Männer, Frankfurt am Main 1992


 

Adressenverzeichnis:
Buchläden mit lesbischen und schwulen Büchern:

Aachen 52062, Buchhandlung Backhaus, Kockerellstr. 15, 0241 / 21214; Augsburg 86150 Buchladen Elisara Schmiedgasse 11, 0821 / 154303; Basel 4001, Buchhandlung Jäggi AG, Freie Str. 32; Basel 4002, Buchhandlung Arcados, Rheingasse 63, 061 / 6813132; Bayreuth 95445, Kulmbacher Str. 9, 0921 / 66740; Berlin 10247, Mirko Adam Buchhandlung, Jungstr. 31; Berlin 10623, Buchladen Prinz Eisenherz, Bleibtreustr. 52, 030 / 3139936; Berlin 10623, Lilith, Knesebeckstraße 86/87, 030 / 3123102; Berlin 10719, Bruno´s, Kurfürstendamm 227, 1. Etage, 030 / 8824290; Berlin 10719, Galerie Janssen, Pariser Str. 45, 030 / 8811590; Berlin 10781, Labrys, Hohenstauffenstraße 64, 030 / 2152500; Berlin 10787, Buchladen, Budapester Str. 44, 030 / 2623636; Bielefeld 33602, Bambule, August-Bebel-Straße 154, 0521 / 68461; Bielefeld 33602, Eulenspiegel Buchladen, Hagenbruchstr. 7, 0521 / 175049; Bochum 44793, Amazonas, Schmidtstraße 12, 0234 /683194; Bonn 53111, Nora, Breite Straße 36, 0228 / 654767; Braunschweig 38100, Buchladen, Magnikirchstraße 4, 0531 / 40744; Braunschweig 38100, Magnibuchladen, Langedammstr. 13, 0531 / 42429; Bremen 28203, Hagazussa, Friesenstraße 12, 0421 / 74140; Bremen 28203, Humboldt Buchhandlung, Ostertorsteinweg 76, 0421 / 77721; Darmstadt 64289, Georg Büchner Buchladen, Lauteschlägerstr. 18, 06151 / 77424; Dortmund 44137, Zimpzicke, Adlerstraße 45, 0231 / 140821; Dortmund 44145, Litfass - Der Buchladen, Münsterstr. 107, 0231 / 834724; Dresden, Buchladen Wilder Mann; Düsseldorf 40476, Buchladen, Becherstraße 2, 0211 / 464405; Flensburg 24937, Carl-Von-Ossietzky-Buchhandlung, Heiligengeistgang 9, 0461 / 29601; Frankfurt am Main 60486, Buchladen, Kiesstraße 27, 069 / 705295; Frankfurt am Main 60313, Backdoor, Schäfergasse 27, 069 / 284311; Freiburg 79098, Jos Fritz GmbH, Politische Buchhandlung, Wilhelmstr. 15, 0761 / 26877; Gießen 35000, Kleine Freiheit, 0641 / 71850; Göttingen 37073, Laura, Burgstraße 21, 0551 / 47317; Halle 06108, Litfaß Buchhandlung, Rannische Str. 14-15; Hamburg 20000, Revolt-Shop, Clemens-Schultz-Str. 77, 040 / 31 28 48; Hamburg 20146, Buchhandlung Heinrich Heine, Grindelallee 26-28; Hamburg 20253, Buchladen, Bismarckstraße 98, 040 / 4204748; Hamburg 20359, Männerschwarm, Neuer Pferdemarkt 32, 040 / 436093; Heidelberg 69117, Der andere Buchladen, Plöck 93, 06221 / 15866; Karlsruhe 76137, Kaasiopeia, Augartenstraße 49, 0721 / 370204; Kassel 34119, Aradia, Reginastraße 14, 0561 / 17210; Kempten 87435, Buchladen, Rathausplatz 9, 0831 / 18228; Köln 50672, Ganymed, Kettengasse 3, 0221 / 251110; Köln 50674, Rhiannon, Moltkestraße 66, 0221 / 523120; Konstanz 78462, Buchladen zur Schwarzen Geiss, Obermarkt 12, 07531 / 15433; Leipzig 04229, Tian, Könneritzstraße 67, 0341 / 4797475; Lüneburg 21335, Hexenhaus, Obere Schangenstraße 17, 04131 / 47893; Mannheim 68161, Der andere Buchladen, M2-1, 0621 / 21755; Mannheim 68161, Xanthippe, T 3,4, 0621 / 21663; München 80333, Max & Milian, Gabelsbergerstr. 65, 089 / 527452; München 80799, Lillemor's, Arcisstraße 57, 089 / 2721205; Münster 48143, Chrysalis, Buddenstraße 22, 0251 / 55505; Münster 48143, L´Hippopotame GmbH, Ludgeristr. 55, 0251 / 518011; Nürnberg 90408, Buchladen, Innerer Kleinreutherweg 28, 0911 / 352403; Nürnberg 90443, Männertreu, Bauerngasse 14, 0911 / 262676; Offenbach 63065, Buchhandlung am Markt, Wilhelmsplatz 12; Oldenburg 26123, Violetta, Lindenstraße 18, 0441 / 883039; Osnabrück 49080, Mother Jones, Jahnstraße 17, 0541 / 43700; Rostock 18057, Die andere Buchhandlung, Wismarsche Str. 18; Saarbrücken 66111, Buchladen Berliner Promenade, Berliner Promenade 12, 0681 / 36559; Stuttgart 70182, Buchladen, Olgastraße 75, 0711 / 2364649; Stuttgart 70193, Erlkönig, Bebelstr. 25, 0711 / 639139; Tübingen 72070, Thalestris, Bursagasse 2, 07071 / 26590; Wien 1010, Bücher-Hirtl, Mariahilferpassage; Wien 1090, Löwenherz, Berggasse 8, 0222 / 3195720; Wilhelmshaven 26388, Lesen und Schreiben, Albrechtstraße 10, 04421 / 53693; Wuppertal 42285, Femina, Am Brögel 1, 0202 / 87707; Würzburg 97070, Buchladen Neuer Weg, Sanderstr. 33, 0931 / 59943; Zürich 8005, Buchhandlung SEC 52, Josefstr. 52;

·        ASTA: Asta-Hochschulreferate, Zentrale Bundesstelle schwul-lesbischer Hochschulreferate, Universität Karlsruhe, Asta - Schwulen/Lesben-Referat, Universtitätsstraße 1, 76100 Karlsruhe

·        BASJ: Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule Juristen, Homosexuelle Selbsthilfe, Postfach 12 67 10, 10595 Berlin

·        BFJFS: Bundesministerium für Familie, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Kennedyallee 105-107, 51170 Bonn, Telefon: 0228 / 9300, Ansprechpartner: Referent des Fachbereichs

·        BINE: Bisexuelles Netzwerk e.V., Postfach 11 34, 1136 Berlin

·        BUNDESJUSTITZMINISTERIUM: Bundesministerium für Justitz, 51170 Bonn

·        BVERFG: Bundesverfassungsgericht Karsruhe, 76100 Karlsruhe

·        BVH: Bundesverband Homosexualität e.V., Beethovenstr. 1, 50674 Köln, Telefon: 0221 / 23 78 71

·        BZGA: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Ostheimer Str. 220, 51101 Köln, Telefon 0221 / 8992-0, Telefax: 0221 / 8992-257, Bestell-Liste kostenloser Materialien anforderbar unter der Nr. 95003000

·        CDU/CSU: Christlich Demokratische Union Deutschlands, Gleichgeschlechtliches Kolloquium inerhalb der Jungen Union, Konrad-Adenauer-Haus, Friedrich-Ebert-Allee 73-75, 53113 Bonn, Telefon: 0228 / 5 44-0, Telefax: 0228 / 544216, e-mail: fraktion@cducsu.bundestag.de

·        DAH: Deutsche Aidshilfe Berlin, Dieffenbacher Str. 33, 10967 Berlin, Telefon: 030 / 89 69 06-0 oder 6900876

·        DBI: Deutsches Bibliotheksinstitut, Alt-Moabit 101A, 10559 Berlin, Telefon: 030 / 39077-0, Telefax: 030 / 39077-100, E-mail: pianowski@dbi-berlin.de

·        DGB: Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Referat Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf, Telefon: 0211-4301-0

·        DGFSS: Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V., Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt am Main, Telefon: 069 / 63 90 02 - 0, Telefax: 069/63 98 52

·        DPWV: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband e.V., Bundesverband, Lyoner Str. 34 / H.-Hoffmann-Str. 3, 60528 Frankfurt am Main 71

·        EKD: Evangelische Kirche in Deutschland, Kolloquium für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, 30000 Hannover

·        FDP: Freie Demokratische Partei, Arbeitskreis gleichgeschlechtliche Familien, Thomas-Dehler-Haus, Adenauerallee 266, 53113 Bonn, Telefon: 0228 / 547-1, Telefax: 0228 / 547298

·        FFSM: Freundeskreis zur Förderung schwuler Medien e.V. - F F S M, Postfach 21 05 46, 67005 Ludwigshafen, Telefon: 06 21 / 52 57 74, Telefax: 06 21 / 52 57 74, Vorstand: Frank W. Ritter

·        FGL: Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in der Berliner Senatsverwaltung für Familie, Alte Jacobstraße 12, 10969 Berlin, Telefon 030 / 2654-0, Telefax: 030 / 2654-4298, Ansprechpartnerin. Ilse Kokula

·        GAY STUDIES: Wissenschaftlicher Lehrstuhl für Homosexualität, Universität Bremen, Universitätsstraße 1, 28000 Bremen, Ansprechpartner: Prof. Dr. Rüdiger Lautmann

·        GEW: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Schwul-lesbisches Büro, Azaleenstr. 20, 33649 Bielefeld

·        GRÜNE: Bündnis 90/Die Grünen, Bundesgeschäftsstelle: Fachbereich Lesbische und schwule Lebensgemeinschaften, Haus der Demokratie / Friedrichstraße 165, 10117 Berlin, Telefon: 030 / 229 13 96, Telefax: 030 / 2071612, e-Mail: 101457.1263@compuserve.com, Ansprechpartner: Volker Beck

·        HALU: Homosexuelle Arbeitsgruppe Luzern, c/o Rägeboge-Zentrum, Züricher Str. 437, Postfach 31 12, CH-6002 Luzern

·        HOSI: Homosexuelle Initiative Wien, Novaragasse 40, A-1020 Wien, Telefon: 0222 / 26 66 06

·        HUK: Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V., Bundesvorstand, c/o Johannes Thier, Pionierstr. 46, 40215 Düsseldorf, Telefon: 0211 / 37 92 51 oder 0531 / 36729 (Carsten Ertll) oder 0681 / 53860 (Thomas Wagner), Bundesweites Telefax: 0211 / 37 02 13, Ansprechpartner: Johannes Thier

·        INFOPOOL: Arbeitsgemeinschaft InfoPool Stuttgart (IPS), Drosselweg 6, 71277 Rutesheim, InfoLine: 0172 - 2194068, Telefax: 07152 / 997497, e-mail: ron@sips.bb.bawue.de

·        KATHOLISCHE BISCHOFSKONFERENZ: Kaiserstr. 153, 53113 Bonn

·        KVB: Kirchenvolksbegehren - Wir sind Kirche, Hildesheimer Str. 103, 30173 Hannover, Telefon 0511 / 809 24 36, Telefax: 0511 / 988 60 50, Internet: http://www.neckar-alb.de/kvb, Ansprechpartner: Christian Weisner

·        LAMBDA: Schwul-lesbisches Jugendnetzwerk Lambda e.V., Beethovenstr. 1, 50674 Köln, Telefon: 0221 / 21 29 66

·        LESBENBERATUNG: Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin, Telefon: 030 / 215 2000, Mo/Di/Do 16-20 Uhr

·        LESBENRING: Lesbenring e.V., Postfach 40, 7242 Dornhan

·        MACMAN: Internet Info-Server MACMAN, Postfach 511 021, 50946 Köln, Telefon: 0221 / 38 69 26, Internet: http://www.gic.de/macman/, Ansprechpartner: Stefan W. Hülsmann

·        MANBASE: Internet-Info-Server MANBASE, c/o Digital Wetware Integrations, Postfach 13 69, 96203 Lichtenfels, Telefax: 09571 / 72270, e-Mail: manbase@aol.com, Internet: http://www.manbase.de, Ansprechpartner: Sebastian Richter

·        MANN-O-METER E.V.: Information und Treffpunkt für Schwule, Motzstr. 5, 10777 Berlin, Telefon: 030 / 2168008, Mo-SA: 15-23 Uhr, So: 15-21, Ansprechpartner: Frank Albers, Eine Liste aller bundesdeutschen Homosexuellen-Gruppen gibt es dort gegen Einsendung von fünf Mark in Briefmarken

·        MINISTERIUM NIEDERSACHSEN: Schwulenreferat im Niedersächsischen Sozialministerium, Heinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 2, Postfach 141, 30001 Hannover

·        PDS: Partei des Demokratischen Sozialismus, Schwulen- und Lesben-Beauftragte(r) im Karl-Liebknecht-Haus, Kleine Alexanderstraße 28, 10178 Berlin, Telefon: 030 / 24 009 0, Telefax: 030 / 2814169, e-mail: pds-bt@pdsll.zerberus

·        PERSÖNLICHE AIDS-PRÄVENTIONS-BERATUNG: Telefon 19411 in fast allen Ortsnetzen

·        PRO FAMILIA: Vertriebsgesellschaft mbH & Co KG, Niddastr. 76, 60329 Frankfurt, Telefon 069 / 25 19 30, Telefax 069 / 23 72 27, Der 24-seitige Katalog im DIN A4 Format kann kostenlos angefordert werden

·        PRO FAMILIA: Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V., Bundesverband, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt am Main, Telefon: 069 / 63 90 02, Telefax: 069 / 63 98 52

·        R & M: Werbeagentur für Schwules Marketing, Remy & Marcuse - Werbung und Neue Kommunikation GmbH, Mainzer Str. 59 / Markenbildchenweg 15, 56068 Koblenz, Telefon: 0261 / 37 493, Telefax: 0261 / 37 661, Ansprechpartner: Volker Remy

·        SCHLIPS: Schlips Presseservice e.V., Postfach 225, 10004 Berlin, Telefon: 030 / 6515213

·        SPD: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Parteivorstand / Erich-Ollenhauer-Haus, Referat "Schwusos" für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Ollenhauerstraße 1, 53113 Bonn, Telefon: 0228 / 5 32-0, Telefax: 0228 / 532410

·        SVD: Schwulenverband in Deutschland e.V., Gesamtverband im Haus der Demokratie, Friedrichstr. 165, 10117 Berlin, Telefon: 030 / 20 10 80 4 oder 0221 / 240 31 11 (Pressestelle), Telefax: 0221 / 240 41 95, Ansprechpartner: Volker Beck / Günter Dworek

·        VK: Völklinger Kreis e.V. / Bundesverband der Gay Manager, Bundesgeschäftsstelle, Leyendecker Str. 1, 50825 Köln, Telefon: 0221 / 546 19 79, Telefax: 0221 / 546 19 79, e-Mail: 100627.3556@compuserve.com, Ansprechpartner: Martin Steinbeck


 

Engagierte Zärtlichkeit

Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

von Andreas Frank
Internet-Version © 1997

FRANK, ANDREAS: Engagierte Zärtlichkeit - Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften
Ein Sach- und Lesebuch der Sozialforschung über die sozialen Dimensionen
von Empfindung, Liebe, Identität, Partnerschaft, Familie, Kirche, Ehe
und Homosexualität - Internet-Version © 1997

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