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Nachdem ich mehrmals per elektronischer Post mit Fredy Engeler Kontakt hatte, bin ich gebeten worden, zuhanden der
NCKClubheftes einen Reisebericht zu verfassen, was ich nach längerem Zögern getan habe.
Da ich ein Anfänger im Schreiben bin, möge man mir etwelche Fehler (sowohl
seemännischer wie auch grammatikalischer Art) verzeihen.
Folgendes haben wir im Sommer 2003 erlebt:
Nachdem unsere „MY WAY“ im März (fröstelnd) von Holland kommend in ihrem neuen Heimathafen ankam, haben wir uns langsam aneinander gewöhnt. Die
Mitwirkenden sind einerseits ein 32Fuss Verdränger und andererseits ein (ehemaliger)
Mietbootfahrer mit seiner Frau und zwei Töchtern. Wir nutzen die Zeit von März bis zu den grossen Ferien, um unser Boot nach
unseren Bedürfnissen (wie wir meinen) auszurüsten und selbstverständlich die
Fahreigenschaften des Bootes kennenzulernen.
Am 28. Juni geht's dann richtig los. Mit drei Frauen an Bord ist man(n) gezwungen, den zeitlichen Ablauf knapp festzulegen. Also habe ich uns in der Schleuse Mulhouse für 9.30 Uhr angemeldet. Das heisst, wir legen um 08.10 in Niffer ab. Das Zmorge wird durch meine Frau Astrid, (gleichzeitig erster Offizier und Steuermann) während der Fahrt nach Mülhausen serviert. An der Schleuse 41 ist dann eine Kontrolle der
Schiffspapiere inklusive Vignette angesagt. Zum Glück bestehen wir diese Kontrolle trotz CH Führerausweis, deutschem Schiff und französischer Vignette.
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Über den Aufstieg nach Dannemarie gibt es nicht viel zu berichten, es ist einfach nur „en Chrampf“, bei 35° diese Schleusen zu absolvieren.
Dabei denke ich nicht unbedingt an uns mit dem grossen Kühlschrank an Bord sondern an die Studenten, die für uns die Hauptarbeit erledigen. Wir
versorgen sie dementsprechend mit der nötigen Tranksame. Mit 23 Schleusen bedeutet der heutige Tag einen neuen Rekord für meine
Mannoder Frauschaft und wir geniessen dementsprechend die Ankunft im Hafen von Dannemarie.
Unter Mithilfe der Hafenmeisterin wird die „MY WAY“ sicher vertäut und wir widmen uns den leiblichen Genüssen, das heisst Apéro und anschliessend Nachtessen im Dorf.
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Nach dem obligaten BaguetteEinkauf und Frühstück an Bord beginnt der eigentliche Tag mit der Schleusentreppe von Valdieu. Die 9 Schleusen sind vor dem Mittag überwunden, nicht zuletzt dank der Mithilfe von Caroline, die zu Fuss unterwegs ist und fast alleine die rechte (tschuldigung, steuerbord) Seite übernimmt. Anstatt Mittagspause
fahren wir durch die Scheitelhaltung in der Hoffnung auf eine frühzeitige Ankunft in Montbéliard. Beim Abwärtsschleusen
beginnt allerdings das Unheil. An der Drehbrücke von Froidefontaine müssen wir warten und ich beschliesse, am rechten Ufer anzulegen, was sich als Fehler erweist. Der tiefe Wasserstand wird uns noch während den ganzen Ferien
beschäftigen, hier aber der erste Streich. An versteckten Steinen schlägt die „MY WAY“ unsanft auf und holt sich die
ersten Blessuren im Unterwasseranstrich. So schnell wie möglich verlassen wir diesen ungastlichen Ort und fahren
weiter. Der nächste Schleusenwärter warnt uns vor der niedrigen Eisenbahnbrücke in Morvillars. Ich beschliesse, das
Bimini nach hinten abzuklappen, wie ich es schon bei einem anderen Boot in
Dannemarie gesehen habe. Dieses Vorhaben endet aber mit einem scharfen Knacken und unser Flaggenstock mitsamt der Schweizerfahne verabschiedet sich in der Schleuse. Nicole, zweiter Offizier, fischt mit dem Bootshaken unseren Nationalstolz aus dem Schleusenwasser heraus und wir setzen unsere Fahrt mit einem leicht kürzeren Flaggenstock fort.

Um 16.30 Uhr kommen wir in Montbéliard im fast leeren Hafen an. Weil heute Sonntag ist, ist niemand in der Capitanerie und ich muss den Wasseranschluss mit der Zange öffnen. Damit ist die Dusche eröffnet und für einige auch ein Bad im Hafenwasser
angesagt. Wir geniessen den schönen und ruhigen Abend an Bord.
Der 30. 6. fängt gut an. Um 8.30 öffnet der Intermarché und wir können uns mit dem Nötigsten (vor allem Trinkwasser)
versorgen. Nach der Schleuse 17 wieder eine Première (allerdings eher der unangenehmen Art!). Der Kapitän kann sich nicht mehr
erinnern wie das war mit den roten Bojen und auf welcher Seite man durchfahren sollte (er schämt sich noch heute dafür). Auf alle Fälle kommt die ältere Hälfte der Besatzung zu einem unfreiwilligen Bad; Astrid und ich schieben unser Schiff nach dem sanften Auflaufen wieder in die richtige
Fahrrinne zurück. Warum der Schleusenwärter an der nächsten Schleuse schon weiss, was für einen Mist ich gebaut habe, ist mir bis heute nicht klar. Die Weiterfahrt klappt auf alle Fälle (am Abend finde ich aber ein halbes Kieswerk im Seewasserfilter). Die
Mittagspause verbringen wir angenehm in einer Schleusenkammer, nur das mit viel Mühe geputzte Schiff wird von den umliegenden Bäumen wieder verdreckt. Am Nachmittag fährt sich's ganz gut. Wir erhalten eine brandneue Fernsteuerung für die weiteren Schleusen (Nicht diese steinzeitlichen
Dinger vom RheinMarne Kanal mit nur zwei farbigen Druckknöpfen, nein ganz modern und mehrsprachig!! Allerdings lässt auch die Übersetzung ins Deutsche eher zu wünschen übrig). Diese Télécommande
funktioniert heute tatsächlich einmal wie gewünscht. An der Schleuse 27 aber ist
endgültig Feierabend. Auf dem Display wechseln sich die Worte „Störung“, „Weitergemeldet“ und „Fehlerbehebung im Gange“ ab. An der Schleuse tut sich aber nichts. Wir fahren zurück nach
Isle-sur-le-Doubs und legen beim Super U an. Nicht gerade ruhig, aber praktisch. Der Grill ist vom Achterdeck erreichbar und die
Kotellettes munden der ganzen Besatzung.
Weil wir so nahe am Supermarché angelegt haben, funktioniert das Brotholen
wunderbar. Nach dem Frühstück versuchen wir es erneut an der verflixten Schleuse. Das
Resultat wie gestern, die Schleuse macht keinen Wank. Ich lasse mich am Ufer absetzen und nehme die Gegensprechanlage in
Betrieb. Der freundliche Herr verspricht Abhilfe, aber erst nach neun Uhr. Tatsächlich fährt um 09.20 ein Auto der VNF an uns vorbei und bald wieder zurück. Wir sollen es versuchen und warum wir nicht schon gestern angerufen haben. Also, auch wenn
die Télécommande sagt, der Fehler sei gemeldet: mündlich klappts!! (Das mit der Kommunikation kommt mir irgendwie
bekannt vor). Jetzt läuft die Schleuserei aber rund und wir geniessen die Fahrt auf dem breiten Doubs.
| Mangels Anlegemöglichkeit verbringen wir die Mittagspause quer vor der Schleuse 33. Nachdem die Eclusiere eingetroffen ist, geht's weiter Richtung Baume les Dames. Das Wetter hat für heute umgeschlagen, die Temperatur ist um 10° gesunken und von Zeit zu Zeit fallen einige Tropfen. Den
ersten Anlegeplatz beim Campingplatz lassen wir rechts liegen und fahren vertrauend auf den Kanalführer weiter durch die nächste Schleuse. Auch der Himmel öffnet jetzt alle Schleusen und wir werden zum ersten Mal auf dieser Fahrt ein bisschen feucht. |
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Der Anlegeplatz unterhalb der Schleuse passt mir gar nicht, Erinnerungen an die
versteckten Steine am Ufer werden wach. Wir wenden und im grössten Gewitter geht's wieder die Schleuse hinauf Richtung
Campingplatz. Sobald der letzte Festmacher belegt ist, beruhigt sich auch das Wetter wieder und wir können einen schönen Abend mit
Verpflegung aus der eigenen Kombüse geniessen.
Frühmorgens machen wir uns auf den (Wasser)weg ohne den mobilen Bäcker
abzuwarten, dem Backofen und dem Aufbackbrot sei Dank. Unsere jüngeren
Besatzungsmitglieder liegen krank im Schiff. Mama und ich schleusen alleine, aber auch bei uns leidet man an Motivationsproblemen
hervorgerufen durch das feuchte und kühle Wetter. Sobald aber die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, putzt Astrid das
ganze Schiff und es geht ihr wieder viel besser. Vor Besançon hält uns eine Schleuse auf. Ein Stück Holz ist im Tor eingeklemmt und verhindert das Schliessen. Wir treffen ein junges Schweizerpaar, das mit einem
Ruderboot, bestückt mit Aussenborder, unterwegs ist (alle Achtung).

Die VNF löst das Torproblem nach der
Mittagspause und um 14.30 Uhr treffen wir im Hafen St Paul in Besançon ein. Genug Zeit für einen Bummel in der Stadt und Einkauf in den Galleries Lafayettes. Irgendwo sind wir davor gewarnt worden, das Schiff
alleine im Hafen zu lassen und unsere Kinder nehmen das ernst, d.h. Spaghetti auf dem Achterdeck, anschliessend beendet ein
Spaziergang zu zweit den Tag.
Am nächsten Tag legen wir früh in St Paul ab und umrunden trotz niedrigem
Wasserstand Besançon. Der Tiefenmesser zeigt zeitweise noch 30 cm an und ich nehme mir vor, beim Heimweg durch den Tunnel zu fahren. In Rancenay fahren wir durch die Doppelschleuse und anschliessend durch den Tunnel von Thoraise, wo ich meinen Suchscheinwerfer ausprobieren kann (es wäre auch ohne gegangen!). Das Wetter bleibt uns treu: Sobald sich eine Schleuse ankündet, fallen die ersten Regentropfen und bald nach dem Öffnen der unteren Tore klart sich der Himmel wieder auf. Dank den ferngesteuerten Schleusen lassen wir die Mittagspause aus und kommen so schon um 15 Uhr an unserem Etappenziel in Ranchot an. Die guten Liegeplätze sind allerdings schon belegt und ich schaffe es erst nach viel motoren und bugschraubern und mit fremder Hilfe, nach der Brücke anzulegen. Dank Bimini wird das Nachtessen draussen abgehalten und bald geht's ab in die Heia.
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Vom 4.7. gibt's nicht viel zu berichten, das Bordleben hat sich eingespielt und die Schleusen absolvieren wir schon fast
routinemässig. Am frühen Nachmittag kommen wir im eigentlichen Ziel unserer Töchter, Dole, an. Das Anlegen klappt gut, ich weiss aus früheren Jahren, dass hier eine verflixte Strömung herrscht. Wir brechen bald zum Stadtrundgang auf. Gegen Abend hat sich der Hafen gefüllt. Zum Znacht begeben wir uns in ein Restaurant, in welchem es nur Spiesschen gibt. Sogar die Glace kommt aufgespiesst auf dem Teller. |
Am Samstagmorgen statten wir dem örtlichen Markt vor der Kirche einen Besuch ab und kaufen einige Kleinigkeiten. Ca. um 10 Uhr legen wir mit Ziel St. Jean de Losne ab. Eintreffen dort um 15 Uhr. Hier kann ich endlich eine Fettpatrone für die Ruderwelle, einen französischen Stecker und andere nötige Sachen fürs Schiff kaufen.
Der Supermarché ist auch in der Nähe, was unserem Kühlschrank zu gute kommt. Wenn ich so die Autonummern auf dem Parkplatz betrachte, stelle ich fest, dass noch viele Landsleute die
gleiche Leidenschaft wie wir haben ......
Die Wassertanks sind gefüllt und endlich hat sich der Familienrat entschieden, in welche Richtung es weitergehen soll. Wir fahren bergwärts auf der Saone und wollen dem
MarneSaoneKanal einen Besuch abstatten. Heute nur zwei Schleusen, trotzdem erleben wir ein Beispiel, wie man nicht in die Schleuse
einfahren soll. (Nicht nur das fremde Boot sondern auch die Schleusentore leiden unter dem Aufprall). Im Hafen von Pontailler legen wir an und stellen fest, dass wir vor vier Jahren (als MBF) schon einmal hier waren. Wer hätte gedacht, dass wir jetzt mit dem eigenen Schiff hier übernachten?
Das Nachtessen im Dorfrestaurant hat geschmeckt, am Morgen beim Ablegen sind wir noch frohgemut. Wir sind unterwegs zur Abzweigung des
MarneSaoneKanals, als ich (weiss zwar nicht mehr warum) im hintersten und untersten Teil unseres Schiffes mehrere Liter Wasser entdecke. Wie es
aussieht, ist die (neue) Installation unserer Heckdusche undicht. Das erklärt auch das
unmotivierte Anlaufen der Wasserpumpe von Zeit zu Zeit. Mit Hilfe von Caroline demontiere ich den halben Kleiderschrank und kann wenigstens das Wasser wieder aufsaugen. Die endgültige Abdichtung der Dusche
verlege ich auf später. Wir fahren jetzt in den Kanal ein, welch ein Unterschied zur
breiten Saone! Hier herrscht noch Wildnis pur, leider auch bei den Uferbefestigungen.
Den Tipp der Eclusière, in Cheuge
anzulegen, verschmähen wir zuerst. Nachdem sich aber an der Schleuse 38 auch nach
mehrmaligem Hupen nichts tut und sich keines der Besatzungsmitglieder dazu bewegen lässt, auszusteigen, entscheide ich halt,
umzukehren und doch bei dem komischen Silo festzumachen. Das Nachtessen findet an Bord
statt. Anschliessend gehen Mama und ich doch noch ins Dorf. Die Beiz schaut zwar sehr privat aus, aber nach einigen
Augenblicken des Zögerns komme ich mit den Einwohnern ins Gespräch und der Abend entwickelt sich ganz gut.
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Ich finde am nächsten Morgen sogar die Boulangerie und anschliessend legen wir Richtung Saone wieder ab. Wir treffen
einen regen Verkehr an und reihen uns ein. Während des Mittagshaltes in Auxonne vertilgen wir die letzten Reste Hörnlisalat und gedenken der ersten Schwimmstunde von Alex (Grossvaters Hund) vor vier
Jahren. In St. Jean angekommen, füllen wir den Dieseltank unserer „MY WAY“ und laufen anschliessend in den schon bekannten
Hafen ein.
Mit Wehmut nehmen wir am Morgen Abschied von St. Jean und machen uns endgültig auf den Heimweg. Nach 8 Schleusen Etappenhalt in Dole, wo wir meinen Vater erwarten, der Nicole abholen soll. Unsere grösserer Tochter hat nämlich schon zu
Beginn der Fahrt klar gemacht, dass sie es höchstens zwei Wochen mit mir auf so
engem Raum aushält (ja das ist halt die Zeit wo die Eltern schwierig werden).
Heute gibt es leider nichts gutes über die Capitanerie zu berichten, man gibt uns
keinen Strom, Wasser oder Duschmarken. Trotzdem werden wir wieder sauber (Heckdusche sei Dank) und anschliessend finden wir ein gutes Restaurant in der Stadt. (Den
PizzeriaTest verschiebe ich auf einen späteren Termin).
Nach dem Frühstück auf dem Achterdeck in der Sonne verlassen uns Neni und Nicole. Die Stimmung ist gedrückt, was sich
anscheinend auch auf die erste Schleuse überträgt. Erst 15 Minuten nachdem wir oben sind, öffnen sich die Schleusentore.
Unterdessen habe ich schon mit der VNF telefoniert und so wohl dem Mechaniker zu
einem Ausflug verholfen. Wir unterhalten uns gut, er im Auto auf dem “chemin de halage” und ich auf dem Achterdeck.
Wir geniessen die schöne Landschaft während der Fahrt durch Rochefort sur Nenon (hier könnte man es sich auch wohl sein lassen!!). An der Schleuse 62 versuche ich, die Schleusenwärterin mit unserer Hupe zu wecken, aber prompt gibt diese (die Hupe natürlich) den Geist auf. Trotzdem werden wir von der Studentin während der
Mittagszeit noch hochgeschleust und schaffen schlussendlich die Fahrt bis vor den Tunnel von Thoraise.
Der Anlegesteg ist leider schon besetzt und ein Engländer mit seinem Narrowboat
verweigert uns schlicht, längsseits festzumachen (ist das die Art des feinen
Gentlemannes?). Wir machen also kehrt und schleusen wieder hinunter . Einen brauchbaren
Anlegeplatz finden wir an einer Mauer beim nächsten Wehr, wo wir mitten im Nichts übernachten. Bei 28° Wassertemperatur
benutze ich die Gelegenheit, um den Heckstrahler vom Gras zu befreien und unser Schiff an der Wasserlinie zu reinigen.
Anschliessend suche ich noch den Fehler der Hupe, tatsächlich bringe ich sie wieder zum krächzen. Beim zubettgehen bin ich froh (und auch ein bisschen stolz) dass unser jüngstes Besatzungsmitglied seine
Aufgaben heute mit Bravour erledigt hat.

An nächsten Tag fahren wir wieder durch die Schleuse 56 (zum vierten Mal auf
diesem Törn) und grüssen die „Zwaan“, deren Besatzung wir in Dole kennengelernt haben. Das englische Narrowboat lassen wir links liegen. Nach der Tunnelpassage folgen
einige Schleusen bis nach Besançon. Dort wählen wir wie geplant den einfacheren Weg durch den Tunnel, welcher nach der Passage des Bateau Mouche von der freundlichen Eclusière freigegeben wird. Wir können
sogar in der Schleuse unseren Wassertank wieder füllen. Anschliessend geht die Fahrt problemlos weiter bis zum Steg in Laissey, den ich bei der Hinfahrt schon
rekognosziert habe. Caroline macht ihre Arbeit auch heute sehr gut und kann bald als
vollwertiger Ersatz unserer grösseren Tochter eingesetzt werden. Wenn das Tauhalten in den Schleusen nur nicht so langweilig wäre!!
Das Dorf bietet nicht allzu viel (vom Restaurant erfahren wir erst später) und so lassen wir uns halt die Spaghetti auf dem Schiff schmecken.
Gestern abend habe ich mir sagen lassen, dass der mobile Bäcker um 08.30 erwartet wird. Ich bin etwas zu früh und komme
dafür zu einem lustigen Gespräch mit einem „Eingeborenen“, der notabene im Pyjama mitten auf der Hauptstrasse auf den Bäcker (resp Bäckerin) wartet. Um 9 Uhr legen wir mit Tagesziel Clerval ab. Unterwegs machen wir am uns wohlbekannten Anleger in
BaumelesDames Mittagspause und stellen fest, dass die Landschaft bei schönem
Wetter tatsächlich wie im Kanalführer beschrieben sehr malerisch ist. Nach der Pause geht es ohne Probleme weiter bis zur
zweitletzten Schleuse für heute, wo meine liebe Angetraute das Seil etwas gar locker hält und ich einen Spruch fahren lasse. Bald sind die Nerven so locker wie vorher das Seil und es entlädt sich ein kurzes reinigendes
„Kommunikationsgewitter“.
In Clerval ist noch ein Platz am Steg frei und ich steuere neben die „Marinus“ zu. Unser Schiff bewegt sich aber einen Meter vor dem Steg überhaupt nicht mehr und wir stellen fest, dass wir mit dem Bug auf Grund liegen (im Kanalführer wird ja auch
empfoh len, nicht rückwärts anzulegen). Ich mache mir Sorgen um unseren Bugstrahler, aber nach einer Untersuchung vom Wasser aus bin ich etwas beruhigt. Auch das
Nachbarboot zur linken liegt auf, wir werden halt morgen weitersehen.
Mama lässt sich den Weg zum Supermarche erklären während unsere Jüngste mit einem Kreuzknoten bei den Nachbarn brilliert.
Dass sie am Abend auch noch einem mobilfunktechnisch relativ unbegabten aber sehr freundlichen Oesterreicher sein Natel erklären kann, macht sie erst recht stolz
Meiner Frau geht es diese Nacht nicht besonders, die Krankheit hat sich von den
Kindern wohl übertragen, hoffentlich bleibe ich verschont. Wie versprochen, erhalten wir von unseren Stegnachbarn am Morgen zwei Baguettes zum Frühstück. Wir legen ab und ich bin erleichtert, dass unser Schiff keinen Schaden genommen hat.
Nach lockerer Fahrt legen wir um die Mittagszeit am noch nicht fertigen Anleger in
Isle-sur-le-Doubs an und machen uns bei zwei deutschen Booten einen gemütlichen Nachmittag (unterbrochen durch ein
Mietboot mit Schweizer Besatzung, denen wir den Umgang mit der
Schleusenfernsteuerung erklären müssen, helfen ihr Boot zu wenden und auch noch den Bootshaken aus dem Wasser fischen). Abends dann der
grosse Umzug und das Feuerwerk zum quatorze juillet, das wir mit dem ganzen Dorf
geniessen.
Am Morgen des 14. dann um 7 Uhr die erste Guggenmusik die uns weckt.
Familienrat einberufen, gestern hat uns nämlich jemand gesagt, am 14. seien die Schleusen in Betrieb. Noch ein Telefon an die VNF zur Bestätigung und wir legen ab. Nachmittags um drei Ankunft in Montbéliard. Kurz nach uns kommen auch die beiden Schiffe aus Weisweil an. Wir geniessen die Ruhe und nehmen ein Bad, bis wir durch die
Ankunft von zwei CH Schiffern gestört werden. Unsere Landsleute führen sich auf, als ob der ganze Hafen ihnen gehört. Ich schäme mich fast, das Schweizerkreuz am Heck zu haben. Zur Rache verstinken wir mit unserem Tischgrill die Luft. Anschliessend gesprächeln wir bei einem anständigen Glas mit unseren deutschen Stegnachbarn.
Am Morgen parkieren wir zuerst vor dem Supermarché, um unsere Vorräte (vor allem flüssiger Natur) zu ergänzen. Vor der ersten Schleuse ist Geduld angesagt. Ich weiss aber nicht, ob zuwenig Schleusenwärter arbeiten oder einfach nur das grosse Holländerboot uns durch seine langsame
Fahrweise aufhält. Nachdem wir überholen können, läuft es ganz gut. Bis zur
Scheitelhaltung schleusen wir mit einem Pärchen aus Australien, das seine Ferien auf dem Kanal verbringt. So wie sie die Schleusen
bedienen, wohl nicht zum ersten Mal! Von der Schiffsfrau erhält Caroline zum Abschied einen kleinen Koalabären als Andenken.
Die Schleusentreppe hinunter kostet doch einige Energie und Schweisstropfen (vor
allem den armen Eclusier). Vielleicht hätte ich doch den Tag in Montreux Chateau
beschliessen sollen. Erst um 17 Uhr kommen wir in Dannemarie an. Das Wasser lockt zum Bade, wobei ich auch den Propeller von Unrat befreien kann. In der Auberge geniessen wir elsässische Spezialitäten und erst ein aufziehendes Gewitter zwingt uns zu einer (schnellen) Rückkehr in den Hafen. Die Badetücher können gerade noch vor
einem nassen Grab gerettet werden, nachdem wir schon genug Verluste gehabt haben.
Dank unserem Schleusenslot um 10 Uhr können wir heute etwas länger schlafen und ausgiebig z'mörgelen. Die Fahrt nach
Mulhouse dann mit einem wunderschönen (englischen) Holzboot. Den Skipper desselbigen taufen wir aber nach kurzer Zeit ‘Holzbock’. Während des ganzen Tages würdigen er und seine Begleiterin uns keines Blickes
geschweige lassen sich zu einem Gespräch herab. Naja, es geht ja auch ohne.
Im VieuxPort Hafen bemächtigt sich Caroline unserer neusten Errungenschaft, einem Mop und bringt die „MY WAY“ wieder auf Vordermann. Unsere Nachbarn von der „Kranich“ erzählen uns von ihrer
3monatigen Fahrt. Genau das erträume ich mir eigentlich auch. Aber ich habe leider keinen eigenen Betrieb und Kinder, die ihn für mich führen. Die Nacht wird warm und ist auch lärmig, Mulhouse ist für uns kein
Hafen für längere Zeit. Wir wollen erst vor 12 Uhr durch die Schleuse 41 und nutzen die Zeit am Morgen für einen Stadtbummel, denn Caroline will noch etwas Geld unter die Leute bringen.
Im Kanal werden wir von einem Monster-Schubverband überholt, aber in der
Schleuse zu Niffer wartet selbiger auf uns (wahrscheinlich nicht freiwillig). Auf dem Rhein erwarten uns wieder grössere Wellen.
Unterhalb der Schleuse Kembs vertrödeln wir zusammen mit mehreren Profis eine Stunde mit Warten. Lustig geht's am Funk zu. Der Eclusier
behauptet dann zum Schluss in feinstem Elsässisch, dass er ‘nicht dazu da sei, Verspätungen zu produzieren’. Uns allen kommt’s aber so vor.
Erst um vier kommen wir in Weil an, wo wir Irene und Georges zum Apéro treffen. Unsere Erlebnisse geben genug Gesprächsstoff und wir sind froh um alle Tipps, die wir von den erfahrenen
Schiffseignern erhalten.
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Nach einer durchgeschüttelten
Nacht brechen wir Richtung Basel auf. Vorbei am Dreiländereck
(Schwerarbeit für die Kameras) erreichen wir den Polizeisteg, wo
ich den weiblichen Teil der Besatzung zum Landgang (lädelen mit dem
Boot ist eine Première) absetze. Unterdessen fahre ich weiter bis
unter die Schleuse Birsfelden. Dabei schaue ich den Fahrschulbooten
zu und erinnere mich, wie ich dort auch schon geschwitzt habe.
Zur verabredeten Zeit lade ich Frau und Kind wieder ein und jetzt
ist endgültig die Heimfahrt angesagt. Fast wehmütig machen wir
unser Boot am Steg in Niffer fest. Niemand freut sich auf den
unangenehmen Teil der Ferien, wie zusammenpacken, putzen, aufräumen
u.s.w.
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Fazit der ersten Ferien:
Ein tolles Boot mit einer noch tolleren Besatzung, ca. 260 Schleusen und kein grösserer Schaden.
Mit der Absicht zur baldigen Rückkehr machen wir uns schliesslich auf die Autofahrt nach Hause.
Andi Niederhauser, MY WAY
Der
Artikel erschien in der L'ancre de Kembs Ausgabe März 2004
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