Tatsächlich "streiten" wir noch heute, wer damals, d.h. anfangs
des letzten Jahres, im "Boote" die Anzeige einer noch kleinen
und wenig bekannten friesischen Werft namens "Privateer" mit
einem Multiknickspanter in der 37 Fuss-Klasse entdeckte und sich dann laut
fragte, ob dies nicht auch etwas für uns wäre. Denn tatsächlich waren
wir mit unserer schnittigen Linssen 35 ja nun schon 4 Jahre mit wenig
Kummer und Pein unterwegs. Einige Sachen störten uns natürlich schon:
Das Schiff war mit dem Geräteträger für unsere Ausfahrten auf den
französischen Kanälen einfach immer einige Zentimeter zu hoch, schon
wenn wir nur einen Sonntags-Ausflug nach Mulhouse machen wollten, kamen
wir immer in den Genuss das Bimini und das Cabrio herunterklappen zu
müssen. Und wenn der Wettergott dabei nicht in Stimmung war, regnete es
natürlich genau dann, wenn wir kurz "oben ohne" waren.
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Auch das Dusche und WC in einem Raum untergebracht sind, wurde immer
öfter zum Ärgernis. Unsere Moses konkurriert je länger je mehr mit der
Co-Steuerfrau; vor jedem Landgang gibt es Diskussionen, wer denn nun wie
lange vor dem Spiegel verweilen dürfe, wer die älteren Rechte besitze,
etc. Eindeutig zu kurz kommt bei diesen Ränkespielen natürlich immer nur
der Käptn, so rasiert er sich denn in den grossen Ferien schon gar nicht
mehr ....
Und natürlich hätte unsere Moses schon von Anfang an gerne im Bug nicht
nur die zum grossen Doppelbett wandelbare Rundsitzbank belegt, sondern
eine eigene Kabine bezogen. Der vor zwei Jahren zwischen Kombüse und dem
Bug montierte Vorhang schottete rein visuell schon ab, ein eigenes Reich
war damit aber natürlich nicht entstanden. Sie hofft noch immer, dass sie
und ihr Teenager-Ordnungssinn weniger der offenen Kritik ausgesetzt sein
werden, wenn ihr und unser Refugium einmal durch eine feste Türe
voneinander abgetrennt ist.
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Schliesslich war da ja auch noch die "Platznot" auf dem
Achterdeck: Schon wenn wir uns nur zu fünft einen Apéro genehmigten und
unser Hund auch noch seine Streicheleinheiten einziehen wollte und sich
lang ausstreckte, konnte niemand mehr ohne Kletterei passieren.
Gute Gründe genug um sich umzusehen, oder? Das wir die vorerwähnten
Gedanken nur hegten, weil wir einen Meter in der Länge und einen halben
Meter in der Breite dazu gewinnen wollten, wie die meisten der
unheilbaren Schiffsvirus - Kranken, weisen wir entschieden von uns. Wir
nicht!
Prospekte wurden also verlangt und trafen auch bald ein. Alles gefiel,
etwas länger, etwas breiter (siehe letzter Abschnitt), steilere Scheiben,
mehr Innenraum, geringerer Tiefgang, grössere Tanks, grösseres
Achterdeck. Was will man mehr? Ah ja, Referenzen wären natürlich von
Vorteil! Also gut, wir beten die Werft um Angaben, ob schon solche Schiffe
in unseren Breitengraden fahren, gerne natürlich direkt vor unserer
Haustüre oder wenigstens in Süddeutschland? Die befriedigende Antwort
macht uns bald mit einem sehr netten Ehepaar in Mainz bekannt.
Wir nehmen, sobald die Auswinterung erfolgen konnte, im April mit einer
kleinen Auswahl guter Elsässer Weine den gut 400 Kilometer langen Weg in
Angriff und besuchen Harry und Romy. Freundschaftlicher Empfang, wir
werden gleich an den Mittagstisch gebeten, nach dem Imbiss zeigt man uns
alle Details des schönen Schiffs und eine kleine Ausfahrt auf den Rhein
rundet das Bild ab. Wir sind beeindruckt und beschliessen es zu wagen; wir
werden unser Schiff zum Verkauf ausschreiben! Der Inseratetext wird entworfen, natürlich wollen wir alles ins beste
Licht rücken, alle Ausrüstungsgegenstände sollen erwähnt werden. Der
erste Entwurf haut dann aber selbst uns um. Die Anzeige wurde so lang,
dass sogar ein nur einmaliges Erscheinen in einem gut frequentierten Blatt
einen dreistelligen Betrag gekostet hätte!
Wir konsultieren andere Anzeigen und stutzen den Text entsprechend
zurück, das Inserat wird durch einen Aushang im Glaskasten des eigenen
Hafens, Flugzettelabgabe an den Schleusen, in den nahen Häfen und,
natürlich, durch Anzeigeaufgabe im Internet (z.Bsp. Nautic-Online)
ergänzt.
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Und tatsächlich, kaum sind die Daten veröffentlicht, melden sich auch
die ersten Interessenten. Es zeigt sich bald, dass
längst nicht
alle Anfrager wissen, was ein "Verdränger" ist.,
Fragen nach der Geschwindigkeit verraten bei einigen, dass es mit ihrem
Boots - Knowhow nicht weit her ist. Und auch die potentiellen Käufer,
welche schon, bevor sie das Schiff gesehen haben, ihr eigenes
Höchst-Limit (welches interessanterweise immer ein gutes Stück unter dem
im Inserat erwähnten Preises liegt) erwähnen und den Preis drücken
wollen, werden natürlich gerne angehört.
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Bis im Mai klappt der Verkauf aber nicht und unsere Bemühungen nehmen im
Umfang je mehr ab, je näher die Sommerferien rücken; einen Sommer ohne
Schiff können wir uns einfach nicht vorstellen. Am 7. Juli brechen wir in
unsere 5 wöchigen Ferien (Rhein-Rhone; St.Jean-de-Losne; Canal de
Bourgogne; Saône) auf, Mitte August kehren wir mit vielen neuen
Eindrücken wieder zurück. Details sind im Reisebericht "Pas
d'probläm!"
nachzulesen. Die Internet-Anzeige wird Ende August erneuert, zwei Anzeigen
in der BAZ dazugeschaltet und es melden sich sofort neue
Interessenten. Besichtigungen folgen, wer sich die Mühe eines
Vor-Ort-Besuches macht, ist vom Schiff begeistert. Nicht ganz folgen
können wir den Leuten, die glauben, der genannte Verkaufspreis sei
beliebig unterbietbar. Mit unserem neuen Freund Harry sind wir ständig
per E-Mail im Kontakt, ihm vertrauen wir an, wer sich aus dem grossen
Kanton meldet und was wir
mit den Leuten für Erfahrungen machen. Mehr als einmal rät er uns die
Geduld nicht zu verlieren, nicht klein beizugeben, sondern zuzuwarten, der
Richtige werde kommen, den Wert des Schiffes erkennen und auch bereit sein
diesen zu bezahlen. Wir lernen, dass jemand, der eine Probefahrt wünscht,
aber seine Gattin (dafür die Freundin? und einen Kollegen) dazu nicht
mitnimmt, vermutlich kein potentieller Käufer ist. Wohl begeistert auch
er sich für das Schiff, aber der Zuschlag sei dann, wie wir von ihm nach
Wochen erfahren, doch, weil seine Frau es so gewollt hätte, an eine
schnelle "Sealine" gegangen.
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Mitte Oktober legen wir die Fieberkurve in die familieneigene Krankengeschichte und
begraben die Erwartungen für dieses Jahr.
Nachdem die Eignersgattin noch
eine Woche "Urlaub von Heim und Herd" ganz allein mit unserem
Hund auf dem Schiff verbrachte und Moses und der Schreiber ihr dann eine
Woche später während der grossen Kanalufer-Baumnussernte Gesellschaft
leisteten und wir, da das Wetter nicht mitspielte, kaum mehr ausfahren
konnten, sondern Museen und Ausstellungen in Basel und Mulhouse
abklapperten, wintern wir das Schiff ein.
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Mitte November und ganz unerwartet, meldet sich dann an einem Donnerstag
Abend ein weiterer deutscher Staatsangehöriger, möchte gerne mehr über
unsere "Moonlight" erfahren. Kaum ist die zweiseitige
Beschreibung via E-Mail an seine Adresse versandt, ruft er schon wieder
an: Er möchte sie gerne vor Ort besichtigen. Die Einwinterung und der
Umstand, dass schon die Winterblache ausgebreitet sind, stören ihn nicht,
ob es übermorgen gehe? Da wir in unserer Planung natürlich gerne
weiterfahren würden, sagen wir zu. Ohne spezielle Erwartungen fahren wir
am Samstag in den Hafen. Der Interessent schaut vom Hafenquai, dann vom
Steg, hilft beim Abdecken des Achterdecks, ist und zeigt sich (einmal mehr!)
begeistert. Er eröffnet nach einer halben Stunde ausgiebiger
Besichtigung, dass er (natürlich) Mängel gesucht hätte, aber keine da
seien, das Schiff gefalle ihm sehr gut, leider sei der Preis etwas zu
hoch, er werde mit seiner Gattin sprechen. Auf eine Freilegung des
Vordecks oder der Aufbauten oder nach einem "Aufwecken des
Motors" fragt er nicht. Gemeinsam fahren wir danach noch ins "Casino"
einkaufen. In Form einer reichen Käseplatte nehmen wir einmal mehr ein
Stück Elsass nach Hause. Unsere Neugier ist geweckt, können wir unsere
Planung nun doch noch im Dezember fortsetzen?
Einige Tage später erhalten wir des Interessenten Rückruf, seine
Kaufabsicht wird bestätigt, es folgt eine Preisverhandlung (eher ernst,
es geht wohl mehr als nur ums Prinzip); wir finden uns und vereinbaren auf
den kommenden Freitag Mittag die Vertragsunterzeichnung. Auf die Minute
pünktlich trifft U. bei uns ein, das "Geschäftliche" wird
erledigt; nach der Unterschrift werden wir gefragt, ob wir denn "den
Vertrag nun begiessen würden". Im Schiffsverkauf sind wir, dies
geben wir unumwunden zu (noch) nicht Routiniers. Gut, dass wir in
Erinnerung an unseren seinerzeitigen Kauf einen "Freixenet" in
den Kühlschrank stellten, dieser Flasche geht es nun an den Kragen. Beim
Anstossen offeriert uns der ältere Käufer das vertrauliche
"Du", seine Gattin lernen wir auch heute nicht kennen.
Kaum hat sich der neue Besitzer nach rund 2 Stunden mit den besten
Wünschen von uns verabschiedet, "hängt" der Schreiber am PC.
Die anfangs Jahr auserkorene Werft in Friesland wird via E-Mail umgehend
informiert, dass wir unser Schiff nun verkauft hätten und wir wollen
natürlich vorab wissen, wie es jetzt um die Lieferfristen stünde; ob
sie, wenn wir sofort bestellten, eine Fertigstellung auf die Sommerferien
2001 versprechen könnten? Die ernüchternde Antwort kommt innert Stunden:
An der Messe vor zwei Wochen seien 3 Schiffe verkauft worden, vor
Spätherbst wäre gar nichts mehr zu machen. Und auch dieser Termin sei
nicht über Wochen zu garantieren; seit wiederum ein Testbericht über
ihre Werft im "Boote" erschien, könne man nicht über
Absatzschwierigkeiten klagen. Gehört und zur Kenntnis genommen schauen
wir uns nun auch diverse Boots-Hefte an, finden mit Skizzen und Fotos
unterlegte Inserate von Werften deren Namen wir noch nie hörten (www.adressen
siehe unsere Link-Liste, "Händler
/ Broker"). Und da
auch E-Mail-Adressen dabei stehen, sind in einer Stunde über 10 Betriebe
angeschrieben und über unser "Wunschprofil" im Detail ins Bild
gesetzt.
Den Samstag lassen wir natürlich nicht ungenutzt verstreichen, wir fahren
nach Kembs und sichten erstaunt, was wir in den letzten 4 Jahren so alles
in den verschiedenen Stauräumen unterbrachten: Blachen, Tücher in allen
Grössen als Sonnen- und Windschutz, Notanker 1 und 2, mehrere Schirme,
Pavillon, Gummiboot mit 2 Garnituren Paddel, Grill mit Ersatzlavasteinen
und Ersatzgasflaschen, etwa 10 Schwimmwesten, eine Säge, viel Werkzeug,
Ersatzteile, Fett, Öl, Frostschutz etc. etc., Stück für Stück wird im
Kofferraum des Autos verstaut und nachdem rund 2 Kubikmeter eingeladen
sind und wir feststellen, was noch immer an Bord ist, wird klar, dass wir
mindestens noch zweimal fahren müssen. Allein schon der Abtransport des
"Weinkellers" verlangt eine minuziöse Planung, nie würden wir
doch gegen die Zollvorschriften verstossen wollen.
Am Dienstag Morgen während einer Sitzung zeichnet dann mein
Anrufbeantworter eine Nachricht auf; die bedrückt tönende Stimme des
Schiffskäufers verrät schon im voraus ein offensichtlich vorhandenes
grosses Problem. Beim Rückruf erfahren wir, dass ihm seine Bank, von der
er eben zurückgekehrt sei, den Segen verwehrt habe. Man sei nicht bereit,
ihm, wie von ihm geplant, die Hypothek auf sein Haus zu erhöhen. Er
bedaure damit vom Vertrag zurücktreten zu müssen, aber bei dieser
Ausgangslage sei die Finanzierung leider nicht gesichert. Tja, was nun?
Und während nun jeden Tag Prospekte der verlockendsten Schiffe
eintreffen, wissen wir schon definitiv, dass daraus so bald nichts werden
wird. Wir orientieren die angefragte Werft und auch den Makler, den wir
schon nach Ausschau von evtl. auch in Frage kommenden Occassionen gebeten
hatten, über die neue Sachlage. Anfang Februar wiederholen wir die
Anzeige im Internet, da bei den meisten solchen Diensten die gemachten Eingaben
nach einer gewissen Zeit automatisch gelöscht werden. Innert der nächsten Woche fragen 3
Interessenten nach, zwei aus Deutsch-, einer aus Irland. Alle wollen
weitere Unterlagen, zwei vermelden den Wunsch, das Schiff zu besichtigen.
Und zwar am liebsten sofort!
Wir möchten den nächsten Termin so absprechen, dass wir dafür nur
einmal zum Hafen fahren müssen. Als wir via E-Mail eine Möglichkeit
andeuten, reagieren beide Interessenten nicht mehr. 8 Tage später hören
wir, dass alle zwei gesundheitliche Probleme, resp. einen
ausserplanmässigen Spitalaufenthalt hinter sich hatten. Der eine drängt
nun offensichtlich, möchte nicht weiter warten, also vereinbaren wir das
Treffen.
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Bei Frost und Regenfall entfernen wir die
Winterblache ein weiteres Mal , legen für die von weit her angereisten Eltern samt deren
Zwillingen den Eingang zur Kabine frei. Nachfragen nach technischen
Details beweisen ernstes Interesse. Man beratschlagt
nach einer halben Stunde im engen Kreis, sagt aber eigentlich schon zu.
Erbittet formell doch noch eine kurze Bedenkfrist.
Dienstage haben es dann
in sich; nach einer Absage am Montag Abend, wird diese schon am Dienstag
Morgen widerrufen, man bittet statt dessen um Zustellung eines
Vertragsentwurfes. Nach weiteren 2 Wochen ist dann alles unter Dach und
Fach. Wir vereinbaren eine Probefahrt auf anfangs März und, so alles
funktioniert, die Übergabe auf Mitte Monat.
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Bei der Probefahrt haben wir dann doch etwas mehr Glück, zwar ist es noch
immer nicht viel wärmer, aber es regnet wenigstens nicht mehr den ganzen
Tag. Wir öffnen nach einer visuellen Kontrolle von Motorenraum, dem Öl-
und Kühlwasserstand die Seeventile. Der Diesel springt (wie immer) prompt
an, bringt uns sicher und dank rechtzeitig gelöster (teurer!)
Tagesvignette auch problemlos nach Mulhouse. Wir schleusen nach
telefonischer Voranmeldung in No. 41 und machen einige Minuten später im
"Vieux Port" fest. D.h. wir müssen gar nicht selber belegen,
denn Walter und Toni B. erwarten uns schon und binden uns mit den Tauen,
die wir uns an der Schleuse freundlicherweise von Philipp ausborgen
konnten (unsere hatten wir nämlich bei der Schiffsräumung bereits
verstaut), fest. Doch damit nicht genug, Toni hatte, als sie von unserer
letzten Fahrt erfuhr, schnell in der nahen Bäckerei noch den letzten
"Gugelhopf" ergattert und dieser und zwei Flaschen Weisswein
werden nun vertilgt. Da unsere "Gäste" die Stadt nicht kennen,
machen wir anschliessend einen Stadtbummel; dann fahren wir zurück.
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Auf
dem Hin- und Retourweg erteilen wir, so gut wir können, Instruktionen
über die Funktionsweise der Aggregate und Instrumente, erklären die
Eigenheiten des Schiffes.
Bei der Rückschleusung realisieren wir zum ersten Mal, dass wir wohl so
bald nicht wieder hier durchfahren werden. Wir orientieren Eclusier
Philipp über diesen garstigen Umstand, deponieren eine Flasche Wein und
sind in weiteren 2 Stunden zurück im Hafen.
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Ein letztes Mal wird dort
zwischen Steg 1 und 2 zur Überlistung von Strömung und Rückwasser der
Zickzack-Kurs zum Anlegeplatz gefahren und perfekt rückwärts (und natürlich
fast ohne Hilfe des Bugstrahlers) eingeparkt. Der Abschied von den neuen
Besitzern und dem Schiff, welches nun nicht mehr uns gehört, fällt
schwer. Wir gehen bei Einbruch der Dunkelheit vom Steg und auf dem
schönen Teakdeck, welches nun auch nicht mehr uns gehört, bleiben Leute
zurück .... .
Zuhause hat unser Beantworter eine Nachricht von einer weiteren Werft
aufgezeichnet. Ein Yachtbauer namens Hof offeriert uns anlässlich einer
weiteren Kundenbetreuung, also quasi auf dem Heimweg, auch noch zu
besuchen und uns seine Pläne 1 : 1 Marke "Ankertrawler" zu zeigen. Wir haben nichts dagegen
und tatsächlich trifft der Werftbesitzer zum vereinbarten Zeitpunkt mit einem Stapel
Pläne ein. Das er nicht viel Zeit übrig hat, finden wir aber auch bald
heraus. Er schätzt keine ins Detail gehenden Fragen, stellt einem dumm
hin, versucht Koalitionen zwischen Steuermann und Steuerfrau aufzubauen. Er erwähnt
mehrfach, dass 85 % der holländischen Yachtbauer nur Schrott herstellten,
dass seine Werft aber alles bauen könnte und würde, sieht uns
Interessenten aber offenbar nicht als "Partner", sondern nur als
Geldquelle. Kein guter Gedanke! Wir vermissen ihn nach seinem Abgang
nicht.
Stattdessen klappern wir täglich die einschlägigen Internetseiten
holländischer Gebrauchtschiff - Anbieter (Valk, Wolfrat, Yachtselect, Blei
& Hetterschijt, Het Wakend Oog, Lengers, etc.) ab und sind bemüht uns
zu den kurzen Verkaufstexten und jeweils einem Foto Details über die
Innenraumgestaltung, Holzart und Farbe des Interieurs, Anzahl Kabinen und
Schlafplätze vorzustellen. Einige technisch sehr interessante Angebote
scheiden (leider) schnell aus, als wir feststellen, dass die ersten
Besitzer ihrer Kreativität mit der Orderung von "Eschenholz-Interieur"
in der Farbe "weiss" u.E. allzu freien Lauf liessen. Weiss macht
zwar hell und gross und lässt einem bezüglich der Gestaltung mit anderen
Farben viel Raum, aber ein Salon sollte sich doch nicht wie ein
Operationsraum präsentieren, oder?
Nachdem wir dann auch bezgl. der übrigen Ausrüstungen (Motor, Getriebe,
Hydraulik, Steuerung etc.) bald erkennen müssen, dass wir die
ausgeschriebenen Facts gar nicht selber beurteilen, geschweige denn werten
können, schreiben wir den uns schon einmal empfohlenen Makler nun wieder
an und beten ihn, uns auf einer Reise in die Niederlande zu begleiten.
Nachdem die Formalitäten (Honorar wenn kein Kauf zustande kommt resp.
Kommission falls es klappen sollte) festgelegt sind, "buchen"
wir ihn für zwei Tage.
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Da wir für die Fliegerei
nicht viel übrig haben, beschliessen wir mit dem eigenen Wagen zu
fahren und unseren Berater am ersten Tag schon früh am Morgen am
Flughafen Shipool abzuholen. Wir starten also am Sonntag am 4 Uhr in
der Früh und legen die knapp 800 Kilometer bis "unterhalb
Amsterdam" zügig zurück, treffen schon um 2 Uhr Mittags in
unserem Hotel ein.
Wir haben genug Zeit, um bei kühler und windiger Witterung schon
einmal auf eigene Faust zwei Makler zu besuchen (sind auch am
Sonntag geöffnet).
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An den Loosdrechter Plassen hat es zwar viele Gebrauchtschiffe, aber unser Geschmack wird nicht getroffen. Am ehesten
hätte uns noch eine neuere Kotteryacht gefallen, aber wir erkennen, dass
man mit einem auch im Heck in einen Spitz zulaufenden Schiff in der
Achterkabine doch (zu) viel Platz verliert. Und ein Besitzer eines solchen
Schiffes hatte uns im Sommer 99 versichert, dass das seitliche Belegen
längs eines Steges alles andere als einfach, sondern jedes Mal eine mit
Gewissenhaftigkeit zu leistende Arbeit sei. Da hilft es auch nicht
mehr viel, wenn man uns versichert, dass man an ein so spitzes Heck auch
nachträglich noch eine kleine Badeplattform zur bequemen Ausübung des beliebten
Badesportes montieren könne.
Und auch das Schmollen des nächsten Verkäufers übersehen wir gekonnt,
als er uns, nachdem wir ihm wiederholt erklären, dass wir wegen der
vielen tiefen Brücken auf unserem Lieblingsrevier im Elsass kein Schiff
mit einem Mast kaufen wollen, uns wiederum ein Exemplar mit prächtigem
5-Meter-Mast und Radar etc. zeigt. Nicht alle wollen offenbar begreifen,
dass wir tatsächlich konkrete Vorstellungen von unserem neuen Schiff
mitbringen.
Abends geniessen wir im Hotel ein feines holländisches Château Briand
mit einem chilenischen Cabernet, sind gespannt was der morgige Tag bringen
wird. Am Morgen sind wir dann froh, dass wir uns an der Rezeption noch
vergewisserten, wie lange der von unserem Berater auf 20 Minuten
veranschlagte Weg zum Flughafen zur Rush Hour tatsächlich dauert: Eine
Stunde. Wir sind froh um die vorsichtshalber eingeplante Zeitreserve, als
wir, kaum auf der Autobahn, nurmehr im Schritttempo vom Fleck kommen. Pünktlich erreichen wir das riesige Flughafenareal. Dank genauen
Abmachungen verfehlen wir unseren Berater nicht. Im Auto orientieren wir
ihn, welche Angebote wir in den letzten Tagen noch erspähten, er ruft
noch einige Händler an, fragt nach Offerten, dann packen wir's an.
Wir
fahren zu einem grossen Händler nach Nigtevecht, südlich von Amsterdam.
Zwei schnittige "Van der Valk" sollten hier liegen, nur eine ist aber
tatsächlich im Hafen. Die hier abgestellte ist mit Esche ausgekleidet,
leider in der Farbe weiss. Das Armaturenbrett hätte gefallen, mit
Rosenholzfournier verkleidet! Unser Berater zeigt uns unterhalb allen
Fensterrahmen dunkle Flecken, wohl über längere Zeit schon nicht
beachtete Feuchtigkeitsschäden ..... Das Fragen nach
dem ähnlichen zweiten Schiff bringt nichts, der Verkäufer weiss
angeblich nicht,
wo das von Ihnen zur Vermittlung ausgeschriebene Boot ist. Die dritte
Yacht, eine "Atico" die uns aufgrund der Ausstattung sehr zusagte und
von der gleichen Firma im Internet ausgeschrieben ist, liegt ebenfalls
nicht an den Stegen, sondern soll einige Kilometer weiter in einer Werft
zu besichtigen sein, man repariere dort den Heckstrahler (warum ist der
denn bei der geringen Laufleistung schon kaputt?). Dank dem Umstand, dass
ein Verkäufer mitfährt, finden wir die Reparatur-Werft immerhin noch am selben
Morgen.
Das Schiff ist dann nicht am Steg selber geparkt.
Wir müssen, um es zu
erreichen, zuerst abenteuerlich über Planken auf zwei andere klettern.
Mit fast 14 Metern Länge und 4.30 Breite ist es zwar um Klassen grösser,
als das was wir eigentlich wollten, aber die Ausrüstung ist reichhaltig
und alt und viel gebraucht ist das Objekt nicht. Das Interieur
ist, wenigstens auf den ersten Blick fachmännisch verarbeitet, erst beim
zweiten Hinschauen entdeckt man (billige) Detaillösungen, die liebevoller
hätten ausgeführt werden können. Im Salon erlebt man ein
Raumgefühl wie wir es
bisher nicht antrafen. Das man den Bug- und den Heckstrahler zudem
mittels "Remote Control" in Form eines Schlüsselanhängers
fernbedienen kann, verfehlte die Wirkung nicht. Der Verkäufer erwähnt,
dass der Besitzer schwer erkrankt sei und darum das Hobby aufgeben müsse.
Traurig!
Das vermoste und für unser Revier zu hohe Verdeck, das
riesige Armaturenbrett aus zwei schwarzen Kunstoffplatten mit wild darin
verstreut angeordneten Instrumenten und der Bugstrahler, der dann beim
ausprobieren der Fernsteuerung, schlimmer tönte als eine Steinmühle
mit
Lautsprecher halten uns doch irgendwie instinktiv von weiteren Nachfragen
ab. Als wir dann, wieder am Steg, einen Blick zurück werfen und
feststellen, dass die "Gürtellinie" viel zu hoch angelegt ist,
um mit der Yacht reihenweise enge Schleusenkammern ansteuern und vom
Seitendeck abspringen zu können, haken wir die Offerte insgeheim ab. Der Hinweis unseres
Begleiters, das sich bei diesem Kasko ein irgendwann vielleicht nötiger
Weiterverkauf ziemlich schwierig gestalten dürfte, beeinflusste
natürlich unsere Meinung nicht unwesentlich. Die Uhr zeigt
inzwischen schon deutlich über zwölf, Hunger hat aber niemand. Diesbezügliche
Nachfragen unseres Maklers werden verdankt, wir sind viel zu überdreht
und nervös um auch nur ans Essen zu denken.
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Nun fahren wir nach Elburg,
einem Ort mit einem Hafen und wunderschönem alten Stadtkern. Hier
gibt es auch noch eine Seilmacherei und hier werden von einem Makler
nach Internet 2
Klassiker (Pikmeerkruiser und Super Lauwersmeer) feil geboten.
Beide Schiffe sind vor 7 resp. 9 Jahren in den auch bei uns dem
Namen nach bekannten Werften hergestellt worden. Leider ist aber nur ein Schiff im
Hafen. Dieses ist dafür umfassend ausgerüstet, mit Generator,
Waschmaschine, 2 Kühlschränken etc. Das Manko?
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Mit zwei Steuerständen
könnten wir verm. schon leben (obwohl wir denken, dass der Platz im Salon
besser genutzt werden kann), aber statt einer grossen Achterkabine mit
Doppelbett in der Mitte, sind hier 2 Kammern vorhanden und nur eine weist
eine etwas breitere und nur mit viel Wohlwollen als
"französisch" zu bezeichnende Matratze auf. Diese ist dann nur
von einer Seite zugänglich; solche Kompromisse wollten wir eigentlich
eben nicht machen.
Und auch der das Achterdeck teilende und eine Stolperfalle darstellende
Deckel des Fluchtluks der AK passt uns nicht. Und schliesslich und dies
müsste sogar der Verkäufer zugeben, hätte das Schmuckstück eine
Ganzlackierung dringend nötig. Wir nützen das Büro der Yachtvermittlung, resp.
dessen Anbau nochmals für einen Besuch der sanitären Anlagen, das kühle
Wetter und die hie und da offerierten schwarzen Kaffés fordern ihren
Tribut, dann geht es weiter.
Gegen vier Uhr treffen wir in Woudsend ein. Hier
sollte des Schreibers Favorit, eine "Kokkruiser" stehen! Wir
gehen die gedeckte, prächtige Ausstellung im Uhrzeigersinn ab; ja wo ist
denn das Schiff welches die letzten Wochen immer wieder die Träume
beeinflusste? Im letzten Moment verkauft, nachdem es über 4 Monate im
Internet ausgeschrieben war? Die Auswahl ist gross, Schmuckstück neben
Klassiker etc. Dann, kurz bevor wir wieder am Ein- resp. Ausgang anlangen,
wird es doch noch gefunden. Der erst im letzten Jahr gebaute Rumpf
gefällt, grosses Teak-Achterdeck mit Treppenstufen zur Badeleiter (!),
leichter Geräteträger, sauber gearbeitetes Verdeck. Eine gewundene
Treppe führt ab Achterdeck in den Salon. Dort aber wartet ein knallroter
Teppich und eine mit rotem Stoff überzogene Polstergruppe mit (zu) hohen
und steinharten Sitzkissen auf uns. Die Co-Steuerfrau erblasst und
sieht
im wahrsten Sinne des Wortes nun nur noch ROT. Kurz bevor sich infolge
gegenteiliger Begeisterung aber nun ein echtes internes Zerwürfnis
aufbaut, macht uns unser Berater auf einige Punkte aufmerksam, die wir
Laien, abgelenkt von allem anderem, sicher wieder übersehen hätten: Die
Holzarbeiten, das heisst alle Leisten, die Rundungen der Möbel, die
Türrahmen etc. sind recht grob zusammen gezimmert worden. Teils machte
man sich nicht einmal die Mühe (noch sichtbare!) Nagel- und v.a.
Schraubenlöcher zu füllen, dort wo das schön geflammte Teak-Holz
offenbar nicht aus eigenem Antrieb zusammen passen wollte, wurden, auch
längere Spalten, mit künstlichem Holz aufgefüllt. Versätze sind zwar
nicht überall direkt sicht- aber doch fühlbar. Und die Abschlussleisten
und Rahmen sind beim Abfahren mit der Hand unterschiedlich breit. Auf dem
Achterdeck zeigt uns der Fachmann noch, dass das Teakdeck genauso lieblos
verlegt wurde. Rund um die Treppenstufen und auf dem Deck gegen alle
Aussenkanten ist das Holz zum Stahl kaum verfugt worden. So man sich die
Mühe nimmt und das Ganze durch interessiertes Absenken des Kopfes aus
nächster Nähe betrachtet, sieht man sogar zwischen Holz und Stahl ....
Hier müsste dringend etwas nachgeholt und gehofft werden, dass man noch
nicht zu spät kommt. Dann fehlen auch noch Sachen, die in den "CE-Normen"
für Schiffe, die erst ab der 2. Jahreshälfte von 1998 das Licht der Welt
erblickten, klar vorgeschrieben sind. Wir fragen uns was für einem
Standard diese Yacht wohl unterliegt?
Durch Nachfragen bringen wir in Erfahrung, dass der
Erbauer ein Privatmann ist, der so alle zwei Jahre ein Kasko bei einer
anerkannten Werft in Auftrag gibt, dann aber den ganzen Ausbau in
"Eigenregie" durch verschiedene (Fach-?) Firmen ausführen
lässt. Die Differenz zwischen seinen Einstandskosten und dem
Verkaufserlös garantierten ihm regelmässig einen Zustupf zu seinen
Lebenshaltungskosten. Wir fahren mit der Gewissheit weiter, dass wir wohl
nicht zur Vergrösserung seines Kundenkreises beitragen werden.
Der Weg führt uns nun nach Drachten, wo wir nach fünf
Uhr, aber telefonisch vorangemeldet, eintreffen. Der Chef selbst zeigt uns
hier in einer ebenfalls schönen, neuen Halle eine "Smelne" -
Occasion, die immerhin ein Teakdeck mitbringt, dieser Punkt und auch die
Backskisten gefallen. Die Küchenausrüstung überzeugt dann nicht, kein
4-Flammenherd, undefinierbare Farbe der Arbeitsfläche. Die Frage nach der
Grösse des Frigo wird so beantwortet, dass man das Ding sowieso nicht gebrauchen
könnte, es würde nämlich nur leidlich, da nur mit Gas, funktionieren,
ein Kompressor-Kühlschrank müsste, so wird empfohlen, nach dem Kauf die
erste Ausgabe sein ... Wir sehen uns im Interieur um, keine Frage, hier
erkennt man gleich, dass richtige Schreiner Hand anlegten. Der Ausbau ist
perfekt, aber ... woran liegt es, dass wir nicht richtig "warm"
werden?
Ist es nur der Umstand, dass das schmale und am Kopf-
und Fussteil oben und unten zusätzlich noch gerundete Doppelbett in der
Achterkabine diagonal in eine Ecke eingebaut wurde? Die Bettgrösse ist
ein wichtiger Punkt und die Gefahr, dass man inzwischen nun langsam
Kompromisse machen könnte, wo man eigentlich nicht sollte, ist nicht zu
unterschätzen! Wir schlendern nach vorn; in der Vorderkabine ist es
stickig, die langen schmalen Fenster, die von der Pantry in einem
Stück bis in den Bug führen, kann man nicht öffnen. Ah, so, man könnte ein
weiteres Dachluk (über der vorderen Kabine) einbauen! Das ist für der
Yachtbauer wohl billiger, als von Anfang an mehrere Fenster, von denen
man dann wenigstens einige öffnen könnte, in die Front einzusetzen. Wir
sehen uns wieder im Salon um und bemerken jetzt, dass dies überhaupt der
Punkt ist; die schwarzen,
kantigen Fensterrahmen, bilden einen unschönen und viel zu starken Kontrast zu
den sonst schön fliessenden Linien. Und dies nicht nur innen,
auch aussen passen (uns) diese wie Fremdkörper wirkenden Rahmen nicht.
Und es gefällt dem Schreiber auch nicht, dass der Aufbau der Pantry resp.
der Vorderkabine ohne (nicht einmal durch einen Falz angedeuteten) "Absatz"
von der Bugwand- in die Dachfläche
übergeht, das ganze sieht aus wie eine Schanze. Und als uns unser Berater
dann "by the way" auch noch informiert, dass diese Fenster - Konstruktionsart
über kurz oder lang nach seiner Erfahrung zu Undichtigkeiten neigt, ziehen
wir weiter. Der "Verkäufer" scheint nicht unfroh, dass wir seinen Feierabend
nicht weiter tangieren.
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Wir fahren zurück nach Sneek, wo wir dank guter
Ortskenntnis unseres Begleiters bei der Vorbeifahrt inmitten des
Nachmittags doch noch zwei Hotelzimmer reservieren konnten. Nach kurzer
Auffrischung im Zimmer (die einen sollen mit zuviel Shampoo die
Whirlpool- Möglichkeiten der Badewanne fast überschätzt haben)
machen
wir es uns in den Korbstühlen in der Nähe der Bar bequem und geniessen
aus dünnen, hohen Biergläsern einheimischen Gerstensaft. Ja, dies nicht
nur ein- sogar zweimal ....
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Als der erste Durst gestillt ist, dislozieren wir, da
das angeblich sehr gute "Steakhouse" Montags nicht geöffnet
hat, in den Restaurantteil unseres Hotels. Wir suchen etwas aus der Karte
aus und unser Berater übernimmt die Auswahl des Weines. Ein 95-er
Bordeaux findet Gefallen und wird vom noch jungen Kellner umgehend geholt
und gezeigt. Wir staunen nicht schlecht, als der Bootsfachmann, den wir
den ganzen Tag seines Fachwissens wegen schon schätzen lernten, die
Weinflasche ohne zu kosten, zurück gehen lässt. Ein 95-er wurde
bestellt, kein 94-er. Er kenne beide Jahrgänge, nur der eine sei wirklich
gut! Die Vor- und Hauptspeise war dann wirklich super und das Ganze wurde
(wie in Holland eigentlich nicht anders gewöhnt) so reichlich serviert,
dass wir für ein Dessert keinen Platz mehr erübrigen können. Die
Gespräche drehten sich, eigentlich verwunderlich, nicht nur über Schiffe
und kulinarisches! Im Gegenteil wären wir beobachtet worden, hätten wir
kaum das Gefühl erweckt, dass hier erst sich seit Stunden kennende
Kaufinteressierte und ein Verkäufer zusammensitzen, sondern man hätte
wohl geglaubt, wir würden unseren Begleiter seit Jahren kennen; wir
fühlten uns in seiner Gegenwart sehr wohl!
Die Frage stellte sich irgendwann natürlich schon:
Was machen wir Morgen? Die Angebote, die wir als "ansehenswert"
befunden hatten, waren schon abgeklappert und unser Berater hatte auch
kein "As" im Ärmel, er regte an, wir sollten aber doch in
Sneek noch bei "Valk" vorbeifahren und danach könnten wir nochmals zurück
zum "roten Teppich", vielleicht sei die Farbe ja bis morgen
etwas verblasst und dann, wenn wir wollten, würde er uns noch eine
Werftbesichtigung bei Aquanaut ermöglichen, er vertrete diese
Werft in Frankreich und würde gerne, wenn wir schon hier wären, dort noch
vorbeischauen.
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Und genau in dieser Reihenfolge gingen wir dann am
Dienstag nach früher Tagwache und währschaftem Frühstück auch vor.
Oder wenigstens fast. Zuerst fuhren wir nämlich bei Aquanaut vor
und kamen dort in der Genuss einer persönlichen Werftführung. Wir sahen
einige fast fertige d.h. schon lackierte "Drifter", wobei
der blosse Anblick uns Schiffslose schon fast Speichel verlieren liess.
Dann zeigte man uns die Abteilung, wo mit CNC gesteuerten Lasern riesige
Stahlplatten in handliche Stücke geschnitten resp. das nach dem
"schneiden" kaum Brauen oder Schweissperlen an den frisch
entstandenen Kanten der Werkstücke entdeckt werden können.
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Nicht
unterschlagen wird auch ein Hinweis auf die speziell d.h. aufwändige Vorgehensweise beim
zusammenschweissen der Kaskos: Je nach Fortschritt der Arbeiten werden die
schon verbundenen Teile mit einem Kran gedreht und gewendet, nur so sei
nämlich immer ein optimales schweissen und damit verwindungsfreies Zusammenfügen
möglich. Man erklärt (und zeigt), dass die Rümpfe nach diesen sehr
sorgfältig geplanten Arbeitsgängen kaum noch gespachtelt werden müssen.
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Es folgte schliesslich ein Besuch der Schreinerei sowie der Lackiererei
und in einem halbfertigen Schiff wird noch auf die saubere Arbeitsweise
der Elektriker verwiesen. Wir müssen zugegeben, hier versteht man etwas
vom Schiffsbau. Wir erinnern uns, dass wir vor einigen Monaten von dieser
Werft auch Prospekte bestellten und erhielten und das uns damals die Drifter-Serie
schon auf Anhieb gefallen hatte. Dies wenigstens solange als bis wir die
Preisliste in Lokalwährung umgerechnet hatten ..... danach legten wir die
Unterlagen weg.
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Unser Berater bat dann um einen kurzen Ausstand, denn es
seien gerade von ihm geworbene Kunden aus Frankreich eingetroffen, die
einen Kofferraum voller Ware vor der baldigen Schiffsübergabe in ein
Zwischenlager einräumen durften (die Glücklichen!) die er gerne
begrüsst hätte. Während wir nun zu zweit "alleine" im Auto warten und der
Scheibenwischer so vor sich hin schliert, zieht jeder für sich
Zwischenbilanz der vergangenen 1 ½ Tage. Dann wird die Ruhe gebrochen,
ein Wort gibt das andere und der Schreiber geht noch einmal in die Werft,
genauer zum
Verkaufstresen und bittet dort um einen neuen Drifter-Prospekt. Nun haben wir
während der weiteren Wartezeit Lesestoff. Die Listen werden überflogen
unsere $-Möglichkeiten-$ kurz durchgecheckt.
Nachdem unser Berater wieder zu uns stösst, fahren wir
zu Valk, in eine ebenfalls neuere Verkaufshalle von riesigen Ausmassen.
Hier stehen in Reih und Glied saubere und gepflegte Occasionen, warten auf
neue Eigner. Neben Hinguckern mit unanständigen Adjektiven (zu gross, zu
hoch, zu breit unbezahlbar etc.) entdeckten wir auch mutige Einzelstücke.
Einer Yacht mit offener Plicht mit rundem, grosszügig verglasten
Steuerhaus wurde z. Bsp. nach einigen offenbar erfolglosen
Ausstellungs-Monaten der ehemals rote Rumpf auf blau umgespritzt, still
liegt sie jetzt da und wartet, ob sie im neuen Gewand Gefallen findet. Nur
der geübte Betrachter erkennt an einigen kantigen Stellen noch die
durchschimmernde rote Farbe. Dann fällt des Schreibers Auge auf eine 4
jährige Kotteryacht die auch im Internet schon seine Beachtung fand. Ihr
offensichtliches Manko: Spitzheck und hoher Mast. Durchs Salonfenster
können wir erkennen, dass Farbe und Muster von Stoffpolsterung und
Teppich zwar keine Hits sind, aber immerhin auch keine Adrenalinschübe
auslösen. Unser Berater holt die Schlüssel. Das Achterdeck war trotz der
Spitzform gross, die Rumpf-Lackierung in bestem Zustand (neu?). Nach dem
Öffnen der Luke schlug uns dann aber ein beissender Geschmack entgegen
und dies trotzdem eines der Bugfenster ständig offen stand (??). Wir
fanden nicht heraus, woher der Geruch kam. Die Möblierung war
"Hausmannskost", der Schreiber hätte vielleicht Gefallen
gefunden, die Miteignerin suchte aber nach einigen Minuten die frische
(Hallen-)Luft. Inzwischen regnete es draussen wieder und wir klapperten
die umliegenden Gelände, wo wir Schiffe darauf erkannten, noch etwas ab,
fanden aber keine weiteren interessanten Offerten.
In Woudsend fuhren wir danach zwar auch nochmals vorbei,
aber der offenbar tief fokussierte Eindruck des Kokkruiser hatte sich bei
der Mit-Kaufinteressierten noch nicht so weit verändert, dass sie
nochmals in sein Schiffsinneres hätte steigen wollen. Unser Berater sah
sich derweil einen Klassiker daneben an, hatte vielleicht schon einen
potentiellen Kunden dafür im Auge ...
So gegen halb Elf fuhren wir wieder Richtung Sneek. Die
Stimmung im Wageninneren war auf dem berüchtigten "historischen
Tiefpunkt" angelangt. Aus
vielen hundert im Internet angebotenen Schiffen hatten wir rund ein
Dutzend heraus filtriert und diese (und einige andere) nun besichtigt. Die
Kompromisse die wir trotz hohen Preisen bei jedem eingehen müssten,
dünken uns, dies kurz und bündig zusammengefasst zu hoch.
Klar könnte man bei einer gebrauchten Yacht durch Demontage eines Mastes
oder des fast überall vorhandenen Geräteträgers und einer
Neukonstruktion des Cabrios für eine brückenfreundlichere geringere
Höchsthöhe sorgen. Aber eine Dinette herausreissen zu lassen um so
Arbeitsfläche für den Smutje zu erhalten, oder sogar nachträglich noch
Doppelglas und eine bessere Rumpfisolation einbauen zu wollen, wäre
sicher zu aufwändig und käme kaum mehr in Frage. Was also tun?
Vorsichtig (und unter spezieller Betonung des Konjunktivs) sondieren wir
also bei unserem Berater, wie es denn aussähe, wenn wir uns nun eventuell
doch näher für eine Aquanaut interessieren würden; wann denn
frühestens mit einer Auslieferung einer "Drifter" gerechnet
werden dürfte, wie es sich mit der Preisstabilität der Prospektpreise
verhielte und, schliesslich, ob nicht eine 1150 in fast fertigem Ausbau
noch irgendwo in Arbeit wäre, die wir etwas genauer inspizieren dürften.
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Handy sei Dank, ein Telefonat mit dem jungen Besitzer später wussten wir, dass
in seiner Werft eine 37"er gerade dem Finish des Innenausbaus entgegensähe, diese Yacht mit einigen
Spezialitäten wie (auf Eignerwunsch) gestauchter Kabinen- Aufbauhöhe,
speziellem Stahl-Schanzkleid, riesigen Backskisten (mit mehr als 1 Meter
Tiefe in die darunter liegende Kabine geschickt integriert!) dürften wir
gerne näher anschauen.
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Wir fahren also wieder zurück und nachdem alles
was wir hier zu sehen bekamen die an sich schon vermutete Qualität der
Schiffsbauer bestätigte und unser Berater erwähnte, dass er aus dem ihm
für das nächste Jahr von der Werft zugeteilten Kontingent gerade noch
einen Vertrag (mit Auslieferung sogar noch vor Juli!) "abgeben"
könnte, war klar, wohin unsere Gedanken nun eilten.ir brauchen frische Luft und vertun unsere Füsse zu
diesem Behufe im Werfthafen. Hier entdecken wir eine augenscheinlich
neuere 37" eines Engländer - Pärchens die gerade den Channel
überquert hatten und interviewen die sich an Bord befindliche Gattin als
Referenz über ihre bisherigen Erfahrungen mit Schiff und Werft. Wir
werden von ihr sofort an Bord gebeten und die Schwärmerei geht los.
Kurzum, der schon bestehende gute Eindruck verfestigt sich weiter .....
und wir gewinnen den Eindruck, dass wir uns zwar nicht auf dem eigentlich
beabsichtigten, aber wohl doch richtigen Weg befinden.
Wenig später informieren wir Guy und gehen dann,
nachdem wir uns an einem kleinen Bistro - Tisch in einem Café in Sneek
eingerichtet haben, gemeinsam daran einmal die Gedanken zu sortieren, resp.
ungeachtet von mutmasslichen Kosten einmal aufs Papier zu bringen. Was
"unser" Schiff genau beinhalten soll wird in einer Art "Brainstorming"
vorgetragen und von ihm notiert. Die in der Nähe herumsitzenden
Cafégäste gewannen vermutlich den Eindruck, wir hätten im Lotto einen
Sechser erzielt und würden uns nun an die Niederschrift der
Weihnachts-Wunschliste machen! Nach getaner "Arbeit" fahren wir
zurück in die Werft und die lange Liste wird dem Inhaber überlassen, er
verspricht die Preise herauszusuchen um uns einen Überblick zu geben.
Eine bange "gute halbe Stunde" folgt. Was
braucht man wirklich, was gehört in die "Luxuskategorie"? Die
Gedanken kreisten noch mächtig, als Hr. Bakker mit einer Zusammenstellung
erscheint. Die Durchsicht ist dann gar nicht so einfach; es figurieren
nämlich holländische Preise und auch solche, da unser Makler ja in
Frankreich Repräsentant der Firma ist, in französischen Franc. Da gibt
es eine Kolonne ohne die hohe holländische Mehrwertsteuer, eine solche
mit unseren Ansätzen, etc. Euros, auf die wir uns etwas
"eingeschossen" hatten, kamen hingegen hier nicht vor. Da Mark
Bakker aber seine EDV beherrscht, wird flugs eine neue Zahlenreihe mit der
uns eben schon etwas bekannteren Währung generiert. Euro ist insofern
eine sympathische Währung, als alles damit ausgedrückte, durch den
(hohen) Umrechnungswert (mind. auf den ersten
Blick und der erste
Eindruck zählt doch auch hier) verniedlicht
wird. Trotzdem ist das Total
seiner Aufpreisliste erschreckend hoch. Mangels eines Rotstiftes
müssen halt mit dem gewöhnlichen Kugelschreiber Abstriche gemacht und
unserem Budget wenn auch nicht gerecht, so doch mind. dem Gefühl nach
soweit angepasst werden, als das der Anfangsschock nicht zu tief sitzen
bleibt.
Auch ein Zückerchen wird vergeben; die Käufer erhalten eine
Gratis-Charterwoche auf einem Schiff der gewählten Kategorie. Wir haben
insoweit Glück als das tatsächlich, 3 ½ Monate von den Sommerferien,
überhaupt noch ein Schiff in der 37" Kategorie blanke Einträge und
dann sogar noch über mehrere Wochen aufweist.
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Wir packen also auch diese
Gelegenheit beim Schopf und buchen die "Aquarius" auf den
Anfang der Schulferien, also per 30.6. 2001 Sind fest entschlossen, dann alles gut
anzuschauen und wirklich genau das Schiff bauen zu lassen, welches
unseren Interessen am nächsten kommt.
Was wir in den
Sommerferien, während unserer 3. Holland - Schiffsferien, dann alles
erlebten, ist im Bericht "Nase im Wind" nachzulesen.
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Nach dem "geschäftlichen" Teil stellen wir überrascht fest, dass es
inzwischen schon Abend und damit für einen Aufbruch zur Heimfahrt zu
spät wurde. Also wird noch einmal das Hotel konsultiert und eine Buchung
platziert. Wir kommen so einem weiteren ebenfalls ausgezeichnet guten
Nachtessen in der Gesellschaft unseres Beraters. Guy unterhält uns
anlässlich eines zweiten Mahls ein zweites Mal glänzend und wir erhalten
sogar noch einen kurzen Önologie-Kurs. Spät abends und nachdem
wir auch noch einen "Genever" probierten, sinken wir, als sich
der Schreiber dann im verwirrenden Zimmerangebot endlich an der richtigen
Zimmertüre mit dem Schlüssel zu schaffen machte, ins Bett. Dort jagen
sich
dann die Gedanken; haben wir alles richtig gemacht? Hätten mehr
Absprachen getroffen werden müssen? Das Auslieferungsdatum ist zwar
festgehalten worden, was wenn es nicht eingehalten wird? Was beinhalten
die CE-Normen genau, gibt es verschiedene Auslegungen, weichen die
holländischen von den französischen oder auch den unsrigen ab?
Irgendwann beruhigen sich dann aber auch diese "Wallungen" und
wir ergeben uns viel zu weichen Matratzen. Am nächsten Morgen machen wir
uns nach üppigem Frühstück auf den langen Rückweg.
Die
"Ex-Moonlight"-Crew
Fredy und Heidi Engeler
Der
Artikel erschien in den 2 L'ancre de Kembs Ausgaben Juni und Sept. 2001
Ó
F. Engeler, Zufikon, 13.6.2001
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